Skip to main content

Full text of "Physikalisches Wörterbuch"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commcrcial parties, including placing technical restrictions on automatcd qucrying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send aulomated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogX'S "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct andhclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http : //books . google . com/| 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch fiir Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .corül durchsuchen. 



auuiM4e34R 




Johann Samuel Traugott Gehler'» 

Physikalisches 

Wörterbuch 



heu bearbeitet 



von 



Brandes. Giiielin. Horner. Muncke. t^faff. 



Vierter Band. 

Erste Abtheilung. 

F. 



Mit K u p f e 1 1 a f e 1 n I bis IX. 



Leipzig) 

bei E. B. Schwickert. 

18 2 7. 






u 



<• • 



Physikalisches Wörterbuch 



IV. Band. 
Erste Abtheilung. 

F. 



• 



' l 



■•Pi 



mUmmt 



F. 

Faul Ulf 9. 

jPutrefacito i putrefaction ; pUtmfaciionl tMö md- 

«ten organischen V^rbindühgeti des Pflanzen - tuld Thierreiclis 
erleiden bei Gegenwart von Wasser und Liife eihe Zersetzung, 
bei welcher sie, indem der Sauerstoff der Luft, des Wassers und 
der orgaüischeil Verbindung selbst^ mit dem Kohlenstoff und 
zum Theil auch mit dem Wasserstoff uiid Stickstoff^ desgleichen 
der Wasserstoff der organischen Verbindung mit dem Kohleii-* 
Stoff Und mit dein Stickstoff derselben , sich t^erfeinigi , in un- 
organische Verbindungen, wie in Kohlensäure, Kohlenostyd, 
Wasser, Salpetersäure, KohlenWassärstoffgas , Ammoniak, des- 
gleichen in einfache Stoffe, wie in Wasserstoffgas und Stickgas 
zerfallen. Geht eine solche Selbstentmischuiig organischer Kör- 
per rasch , unter Entwicklung übelriechender Dämpfe und Gase, 
vor sich, so wird sie Fäulnijs genannt, Verwesung oder 

Vermoderung^ wenn sie langsamer erfolgt, Gährung^ wenn 
sich zu einer gewissen Zeit nützliche Zwischenprodüctü , wi0 
Weingeist und Essigsäure , in grölserer Menge erzeugen« 

6. 

Fall del' Körpef. 

Descensua s. lapsus corporum grapium^ Chute des 
Corps graves ; Fall of gravitating bodies. 

Da die anziehende Kraft der Erde oder die Kraft des 
Schwere alle Körper gegen die Erde zu treibt , so üben sie , so 
lange sie unterstützt werden , einen Druck auf die Unterlage aus, 
und wenn sie nicht imterstützt werden , bewegen sie sich , jener 
Einwirkung gemäls, gegen die Erde, sie fallen. Dieses 
Herabsinken der Körper gegen den Mittelpunct der Erde ist ent- 
weder ein freies Fallen^ wenn der Körper der Einwirkung 
der Schwere ganz ungehind^ folgen kann , oder ein Fallen 

A 2 



A Fall der Körper« 

auf vorgeschriebenem Tf^ege^ wenn ein fester Widerstand 
ihn nöthigt , seine Annäherung zur Erde in einer andern , von 
der Richtung der Schwere abweichenden, lUchtung zu vollenden. 



Freier Fall der Kojrpen 
(descensus liber^ la chute libfe.) 

1. Schon eine oberflächliche Erfahnuig zeigt, dafs die 
Körper^ wenn siö durch den Widerstand der Luft nicht zu sehr 
«ufgehalten werden , mit immer grösserer Geschwindigkeit fallen, 
je tiefer sie schon gefallen sind) dafs die Schwere also immer 
fort beschleunigend auf ihre Bewegung wirkti Wiefern diese 
Einwirkung der Schwere auf all^ Körper gleich oder verschieden 
«cy, darübet geben die gewöhnlichen Erfahrungen nicht so un- 
mittelbar Aufschkifs , inde& läfst sich doch durch Schlüsse wohl 
zu der üeberÄeugung gelangen, dafs die durch die Schwere er- 
theiltö Geschwindigkeit bei ungleichen Massen gl^ch s6yn mufs, 
wehn die Zeit der Eiiiwirkung gleich ist» Denn wenn gleich 
die gröfstere Masse einen gröfsern Druck ausübt , und folglich 
•durch die Schwert zimi Falle angetrieben eine gröfsere bei4^egende 
Kraft zeigt, so ist dagegen auch die in Bewegimg gesetzte Masse 
in eben dem Vefhältnifs gröfsef ; oder mit andern Worten , nie- 
mand wird zweifeln , dafs zehn einzelne Pfunde gleich schnell 
fallen, und also auch nicht ^ dafs sie in eine Masse vereinigt 
noch eben so schnell fallen werden» Ob die verschiedenartigen 
Materien von der jßrde mit ungleicher Gewalt angetrieben wer- 
den, sich herab zu bewegen, bliebe dabei freilich unentschieden ; 
aber die Erfahrung spricht auch dagegen , indfem theils der Ver- 
such im luftleeren Räume ein gleiches Fallen der Feder und der 
Bleikugel ^eigtj theils die Berechnung des Widerstandes der 
Luft über den la;igsamen Fall specifisch leichter Körper in der 
Luft vollkommen hinreichenden Aufschlufs giebt. 

2. Ob die Schwere eine vollkommen ^/^£cÄ/orm*^ beschleu- 
nigende Kraft ist , das heifst , ob sie jlem Körper , er mag schon 
eine grofse Geschwindigkeit erlangt haben oder nicht, immer 
noch gleiche Vergröfserung der Geschwindigkeit ertheilt, lälst 
sich zwar aus theoretischen' Granden nicht voraussehen ; aber da 
diescf Hypothese die einfachste ist , und . sich leicht übersehen 
lafstidafs ßie zu Gesetxeü' des Falles ^ die tich durch Erfahrung 



Freier Fall 5 

prüfen lassen, hinfiOireh wird, so ist es am natiirlichstehi si^ 
zum Grunde der Rechnung zu legen. Dieser Hypothese gemäfs' 
nimmt die Geschwindigkeit in gleichen Zeiten um gleich viel zn^ 
und ist i^lso , wetm im Anfange die Geschwindigkeit = war, 
der Zeit = t proportional, also = kt, wo k offenbar die Ge- 
schwindigkeit bedeutet, welche der Körper am Ende des ersten, 
als Einheit angenommenen Zeittheils z, B. der Secunde erlangt. 
Aus diesem Gesetze, dafs die Geschwindigkeit am Ende der 
zweiten Secunde doppelt so grofs, am Ende der dritten Secünde 
dreimal so grofs, als am Ende der ersten Secunde ist, läfst sich 
leicht der in irgend einer Zeit durchgelaufene Raum bestimmen. 
D^nn gesetzt, die Geschwindigkeit, die am Anfang der ersten 
Secunde = war , sey am Ende der ersten Secunde == 30FuIs, 
so ist es so gut , als ob der Körper ^ich die ganze Secunde durch 
mit der n\ittlem Geschwindigkeit =?: 15 fortbewegt hätte. Ist 
die Geschwindigkeit am Anfange der zweiten Secunde = 30 Fuls, 
am Ende derselben =?= 60 Fufs, so lÄ 45 der Raum, durch 
welchen der Körper wirklich in dieser Secunde fäUt. Eben so 
sind 60 nnd 90 die Geschwindigkeiten am Anfangs und am End» 
der dritten Seewinde , und 75 Fufs der Fallraum in dieset Se- " 
cunde. Di^se Voraussetzung, dafs der gleichförmig beschleu- 
nigte Körper genau sq weit fortgehe, als es. dem arithmetischen 
Mittel zwischen der Anfangs t. ui>d Endgeschwindigkeit gemäfs 
ibt , läfst sich leicht als strenge richtig nachweisen. Denn da, 
wenn man die Secunde in hundert Theile theilt , am Ende des 
fünfzigsten Himderttels die Geschwindigkeit = -j- k ist, wenn 
sie am Ende der ganzen Secunde = k wird, da sie am Ende des 
49stetf Hunderttelft = ^ k -^t^tt^ w^^, ^«» Ende de& 5i$ten 
Hnnderttels = ^ k + tott ^ i** > so erhellet leicht , dafs 4- k die 
richtige Geschwindigkeit für das 50ste und SlsteHunderttel, aber 
eben so gut auch fiir das 49ste, 50st^ , Slste imd 52ste HuA- 
derttel ist, und so für die ganze Secunde als richtig nachgewie- , 
sen werden kann^ 

3. Diese einem jeden verständliche Erörterung läfst sich 
rechnend weit kürzer fassen. Ist die Zunahme der Geschwin- 
digkeit = d v während der Zeit = dt dieser Zeit proportional, 
also dv = kd|, wa k einen beständigen Factor bedeutet, so 
ist V =kt+ c, die «m Ende der -Zeit =t erlangte Geschwin- 
digkeit, und diese Gleichung ist nun auf alle Umstände passend, 
weil bei der Integration die unbestimmte beständige Gröfse o bei- 



Fftll der Körper« 

gdSigt ist Diese Ist e=5 O9 wenn der Körper ohne BJle anfang-» 
liehe Bewegung zu fallen anfing; sie ist positiv, wenn demKör^ 
per schon im eisten Augenblicke eine Geschwindigkeit nach der 
fiichtungt ß*ch welcher die Schwere wirkt, ertheilt wurde; 
de ist negativ, wenn im Anfange der Zeit t der Körper eine Ge-» 
•chwindigkeit, der Richtung der Schwere entgegengesetzt, hatte. 
Da nun die Zunahme = d s des durchlaufenen Wege? = s 
des Geschwindigkeit v und den Zeittheilchen = dt, in welchen 
ds durchlaufen wird, proportional, d.h. d8=svdt=ktdt+ cdt 
iM, so wird s = ^kt^ + et + Const., wo aber die neue hin-f 
snkommende Constante = gesetzt wird , wenn man den Weg 
des Körpers von d^ w rechnet, wo dieser sich befand, ab 
t=:0 war. 

4» Betrachten wir hie? zuerst den Fall , da die anfanglicho 
Geschwindigkeit c=0 war, so ist «=4kt^, oder wenn 4k = g, 
9&=:gt^ und g bedeutet den durchlaufenen Fallraum in der er«* 
glen Zeiteinheit, weil fiir t=l, «=g aus der Formel folgt 
Der Fallraum isi a/so dem Quadrate der Zeit proportional. 
Eine Folgerung 9 die sich schon aus der einfachen Betrachtung in 
tfo» 2 ergiebt ; denn da dort dcar Fallraum in der ersten Secundo 
dder im Allgemeinen in der ersten Zeiteinheit = j- k ; in der 
sweitett=Ei ^ k, in der dritten =3 |k, in der vierten = ^ k, 
tk9. w»Ist, so ist der Weg in 1 Secunde, die wir als Zeitein- 
Iieit beibehalten wollen, =4k; in den 2 ersten Secunden 

s=:4k; in d^n 3 ersten Secunden =4^9 ^n den 4 ersten 
Seounden =s; ^k; u. s. w. welches oiFenbar Räume , den Qua- 
draten der Zeiten>^roportional , sind, die nach eben dem Ge- 
setze auch femer fortschreitend gefunden werden könnten. Die 
beiden Formeln 8=gt^, V=kt=2gt enthalten die ganze 
Theorie der ohne Anfangsgeschwindigkeit gleichförmig beschleu- 

nigten Bewegung. Aus ihnen folgt, weü t^^T-* ist, 

V* • ^ • 

^3 SS 4g s oder s= — * ^^^ erlangte Greschwindigkeit ist 

also det Quadratwurzel aus dem diuchlaufeaen Wege proportio- 
nal, so dals sie, wenn der Körper im Falle die vierfache Tiefe 
«xreicht hat, doppelt so grols ist, als sie war, indem er die ein- 
fache Tiefe erreichte. Da die erlangte Geschwindigkeit = 
v=2 l^gft durch den Fallraum vollkommen bestimmt ist, so 
nennt man diesen FaUraum auch; die der GeechiPindigheit v 



Freier Fall. \^ 7 

zugehörige Höh», Täfeln dafür finden sich den mekten Loga- 
rithmentafeln beigefügt. 

5. Die Giöfse g mub durch Erfahrung bestimmt werden, 
und dazu könnten Versuche über den Fall bleierner Ku^ln al- 
lenfalls dienen, 'indem ein g^nau abgemeescäber I^allraum und die 
mit Hülfe einer Terdenuhr bestimmte Fal^zeit zusammen- 
gehörige Werthe von s und t angäben , n^t, deren, Hülfe g be- 
stimmt würde \ Versuche über den Fall aus ungleichen Höllen 
würden zugleich entscheiden, ob das hypothetisch der Bechnung 
zum Grunde gelegte Gesetz das richtige sey 1« Indefs bedürften 
wir dieser Bestimmung für den Werth von g nicht, da Pendel- 
versuche ihn viel genauer geben, 

6, Wenn der vertical herabwarts bewegte Körper schon 
diue anfangliche Geschwindigkeit =3s c hatte, ^d ist nach Verlauf 
der 2^t = t die Geschwindigkeit um eben so viel gröfser gewor- 
den, als bei einem ohne Anfangsgeschwindigkeit begonnenen 
Falle , und der Fallraum ist so grols , wie er 'se3ai würde , wenn ■ 
die beiden Wege , die der Anfangsgeschwindigkeit allein , und 
dem freien der Schwere gemäfsen Falle allein entsprächen , zu- 
sammen genommen würden« Jener ist == et, dieser = gt^, ' 

Man könnte auch hier auf ganz populäre Weise die erlangte 
Geschwindigkeit und den durchlaufenen Baum bestimmen,. Es 
sey z. B. die Anfangsgeschwindigkeit so grofs, dafs sie allein 
den Körper durch 100 FuCs in derSecunde treiben würde, und 
sie nehme, vermöge der Einwirkung^ der Schwere um SO.Fufs 
in der ersten Secimde zu , so ist ' 

Anfangsgeschwindijgkeit in dieser Secunde c=: 100 FuTs, 
Endgeschwindigkeit s= 130 "^ 

mittlere Geschwindigkeit . c= 115 «^-^ 

and dieses ist zugleich der in der ersten Secunde durchlaa£aile 
Weg. Femer jn* der zweiten Secunde nimmt abermale die Cre- 
schwindigkeit um 30 Fub au, also 

Anfangsgeschwindigkeit in der 2ten Secunde == 130 FuTs, 
Endgeschwindigkeit . === 160 -r 

mittlere Geschwindigkeit . , ^^^ i45 — 



1 Benzenberg's Versnche (Yersnche über das Ge«et2 de^r FaQe a, 
die irmdreHuDg der Brde n. s. w. S. 196.) könnten, selbst wenn man 
den Widerstand def Luft nicht beachtete , beides ziemlich nahe be- 
stimmen* . < 



f 

8 Fall der Korper. 

und dieses ist der Weg in der aweiten Secunde , also in den 2 
ersten Secnnden zusammen = 115 + 145 = 260Fufs, wel»- 
chea die 300 Fuft wegeki der Anf^gsgeschwindigkeit in 2 Se- 
cimdeii, und die 60 Fiüü» wegen der Falltiefo in 2 Sekunden 
sindf und so fUr jede folgende 3ecunde» . 

7- Wurde der Körper vertical aufwärts geworfen , so ist 
e iiegativ und sein Herabwsqpta durchlaufener Weg vom An&nge 
der Zeit = t an ^ ist 

a=sgt*^ct; seine Geschwindigkeit v = 2 g t — c, 

^o lange hier t ?inep geringen Werthhat, ist der durchlaufene 
Weg negativ, also ein aufwärts durchlaufener j^ und auch die 
Geschwindigkeit negatiy oder eine aufwärts gerichtete. Sobald 

c . 

die Zeit so grofs geworden ist, daC» 2gt = c, oder t =3 -^^ ist 

die Geschwindigkeit ==; O9 der üörper hört auf zu steigen, und 

c* c*^ c • 

Iiat dann den Weg ^3= g. -j— j — t — =5 — » -j—f zurückgelegt, 

£r bedarf nun einer eben so laugen Zeit, um herab^ufalleq, denn 
flach der doppelten Zeit ist aein durchlaufener Weg = 0^ pder 
fr ist SU dem Puncto, von dem er ausging, zurückgekehrt, näm-? 

lieh wenn t = — ist« Alsdann hat er die Geschwindigkeit 

9t=32gt — *-*- 0=4* <) erlangt, luid erreicht also den Punct 

ixut eben der herabwarts gehenden Geschwindigkeit, xuit welcher 
er hinaufwärts geworfen worden war. 

In jeden Punct seines Weges gelangt er auf gleiche Weise 
beim Herabfallen mit eben der Geschwindigkeit, die er im Auf-- 
Steigen eben dort hatte. Denn damit s einen bestimmten Werth 
Idnauf^^ärts = -«^ a' erreiche, muCs ^^ s' =« gt^ *-^ et, also 

t- « ■L r(c»--4gso 

2g ^ 2g 

sejrH^ und nach Verlauf dieser Zeit ist die Geschwindigkeit 

V i=5 2gt — c s= i r (c2 ^ 4gs') , 
im Steigen eine eben so grofse negative, als sie im Fallen posi- 

rivisn 

Die Differentialgleichung ergiebt den gr(^lsten Werth, wel- 
chen 8 erlangen kann, indem man aus a=7gt^ — jct erhält 



Freier Fall. Q 

d3 =5? (2gt -« c) dt, welches fiir t ==: ^-^ yerßcb'v^deti und 

4g 2g 4g. ^ 

8. Die Erfahrung hat gezeigt, dafii die Körper nicht an al«» 
len Orten der Erde gleich schnell herabfallen , und die Theorie 
giebt den Giund an, warum die Rotation der Erde die Schwer-* 
kraft unter dem Aequator mehr , als in andern Puncten der Erd-r 
Oberfläche schwächt; g hat also selbst nahe an der Oberfläche der 

■Erde nicht einen völlig constanten Werth, sondern hängt von 
der geographischen Breite ab. Die genauere Untersuchung über 
die strenge Bestimmung dieses WeTthes gehört in den Art, Pefh- 
dellängt ; ich bemerke daher nur, dafs nach einer sehr sorgfälti- 
gen Keihe von Beobachtungen vonBiOT, K^itea, Hall und 
Sabine folgendes hervorgeht *• 

Die lUmg<& des Secundenpendels ist unter dem Aequator an 
der Oberfläche dies Meeres 

= 39,01520 engl. Zofle? 

^ 0,990864 Meter 

= 36,60385 Paris. Zolle. 
In andern Breiten nimmt die Pendellänge so su, dafs man, 
wenn jene Länge = 1 heifst, an jedem Orte an der Meeresfläche 
die Pendellänge = 1, [1 + 0,00519» Sin, ^9] findet, wenn 9 
die geographische Breite ist. 

Aus der Theorie des Pendels läfst sich beweisen ' , da& 'die 
Fallhöhe = g, in der ersten Secunde = il,?r? = il. 9,869605 
also am Aequator = 16,0443 engl. Fufs, 

== 15,0527 Par. ^ 

« 

in 45 Grad Breite 

7=n 16,08596 engl, f^ub 
= 15,09176 Paris. — ist. 

9. Die bisherigen Betrachtungen letzten voraus, dafe die 
Schwerkraft oder die Attraction der JBrde unveränderlich sey, 



1 Pilllos, Transfrct. for 1823. p. 211, SOS. 1818. p.*33. 103. 
1821. 163. Journal de Physique, 18?0. Jfinvier. Vorzüglich aber An 
Accoant of Expcrim, to determine the figure of t^e Barth by means 
of Öie pendalum etc. by Sabine. London 1825. 

2 Galbrailh will dafür lieber 39,0126 setzen. Fhilos. Mi^asia. 

67. p. 161. 

3 Yergl. unten No^ 13. 



10 iPall der Körper^. 

während der Körper »ich der Erde nähert, und diese Voraus- 
setzung ist ohne merkliche Fehler richtig, wenn der fallende 
Körper nur so grofse Räume durchläuft,* wie es bei unsem Beob- 
achtungen auf der Erde vorkommt. Wenn dagegen der Körper 
#ich von sehr groben Höhen herab zur. Erde bewegte, so mülste 
man Rücksicht darauf nehmen , dafs die Bewegung des Körpers, 
indem er dem anziehenden Körper naher kommt, stärker be- 
jBc}4eunigt wird^ Ich sehe hier die Erde als eine Kugel vom 
Halbmesser = r an t und nehmen an , der Körper be£nde sich 
in der Entfernung = k vom Mittelpuncte der Erde ; dann ist, 
nachten Gesetzen der anstehenden Kräfte, in dieser Entfernung 

die auf ihn wirkende beschleunigende Krafit = — j , wenn sie 

s=.l ist ^ der Oberfläche der Erde ; und wenn g der in einer 
Secunde an der Oberfläche der Erde durchlaufene Weg &ei fal- 
lender Körper isU 30 hat man 

dv = +2g.^dt 

undvdv = — ^2g' ^ — jj weil hier V = -— -p positiv für 

i^nehmend^ x ist. 

Die Integration giebt 

wenn die Bewegung in der Entfernung x=a vom Mittelpuncte 
der Erde mit der Geschwindigkeit. = c anfing. Der Körper er- 
reicht also die Oberfläche der Erde mit der Geschwindigkeit 

v'-=rjc^ + 4gr^(f--^{)j. 

Da v = t f jc2 + '^MllS^i:I^l\ , so erheUet, dafs im 

der Entfernung = x die Geschwindigkeit einen eben so grofsexa 
positiven Werth ejrhalt,. wenn der aufwärts steigende Körpmc 
in der Entfernung = a die Geschwindigkeit = c erlangen soll^ 
als der negative Werth ist , wenn er in eben der Entfernung 
die Geschwindigkeit = c hatte und von da seine Bewegung an- 
fing. Wenn der Körper keine anfängliche Geschwindigkei'^ 
hatte , oder c =: war , ist allgemein 



v=tr|4g.'(^)j 



Freier FalL U 

Um die Zeit des Falles zu bestimmen, muTs man die Gleichung 

V 2r ' g ' a— X 

integiiren. Mail gelangt dazu am kürzesten , wenn man 

setzt, wo dann 

t=c + -^y-j- )r(«-»')-««^c<»-^^j , 

welches , wenn t = für x c=: a , war in 

* = -^rj jr (a^^ - X*) +*«» Are Cos. i^[ 

1 a 

übergeht , weil C ZZ -tt-IT'—' 1 ätt, 
ö > 2r ' g ^ ' 

aber n — Are, Cos, — =+ Are, Cos.—, ist, 

a ' a ' 

Wenn der Körper auf der Oberfläche der Erde ankommt, ist 

t = -^r j jrCar-r») +4a Are. Co8. ^^1 , 

Man hat gefragt , wann und mit welcher Geschwindigkeit 
der Körper im Mittelpuncte der anziehenden Kraft ankomme. 
In physikalischer Beziehung ist diese Frage eine ganz unnütze, 
da es keine Puncte sind; die eine endliche anziehende Kraft aus-«' 
üben , und bei Körpern das Gesetz der Attraction im Innern des 
Körpers ein andres wird. Will man blofs zur Uebung in der 
Analysis die Frage beantworten, so wird erstlich für x=0 

t =s -T- IT-^ ., Ayc. Cos, »^ 1 = . J^ ; 
4r » g *. 4xYg* 

V aber wird 

— 2ry*-^ , K— , also unendlich, weil X5=0 ist. 
' a ' X ' 

Die Frage , wie der Körper seine Bewegung über den Mit- 
telpunct hinaus fortsetze , läfst sich aus der Formel nicht beant- 
worten, aber eine leichte Ueberlegung über die Natur der Sa- 
ehe beantwortet sie. Da nämlich , wie oben erwähnt ist, der 



12 Fall der Körper. 

sich vom IVIitlelpuncte entfernende Körper genau eben go seine 
Geschwindigkeit verliert, wie der sich nähernde Körper an Ge- 
schwindigkeit gewinnt, so mufs auch der durch den Mittelpunct 
hindurch gehende Körper in irgend einer Entfernung = x wie- 
der eben die Geschwindigkeit haben , die er vorher in der Ent- 
fernung =: X hatte, die unendliche Kraft gab ihm die unendli- 
che Geschwindigkeit und zerstört sie auch wieder. Die Frage, 
wie er seine Bewegung fortsetze ^ ist damit völlig beantwortet. 

Die Formel kann sie darum nicht auflösen, w^eil — ^ als einebe- 

Sphlennigende Kraft erscheint sowohl ftir positive , als fiir nega- 
tive X , und daher die Formel nicht mehi anwendbar bleibt über 
den anziehenden Punct hinaus. Wenn die beischleui^igende 
Kraft auch jenseits des Mittelpunctes noch beschleunigend bliebe, 
nicht verzögernd würde , so müfste der schon im Mittelpuncte 
erlangte vinendlichßn Geschwindigkeit noch etwa3 hinzugefügt 
werden, und da so etwas durch keine Formel ausgedrückt wer- 
den kann, so weiset die Formel diurch ihj: Unmöglichwerden 
die weitere Betrachtung der Bewegung zurück^ Büsse's Bemü- 
hung, die Analysis hier so zu behandein, dafs ßie ihre Anwend- 
barkeit auch jenseits des Mittelpuncts zeige, verdient zwar recht 
viel Lob als achbingswerihe Bemühung ; aber der Zweck scheint 
damit doch nicht e^r^eicht zu Bey]fi. Denn wenn man sogleich 
mit der Formel 

dv T /'\* diesseits 

2gdt"^ "*" \x/ jenseits 
anfangt, so thut man doch in der That nichts anders, als dafs 
man die Betrachtung sogleich mit derjenigen Rücksicht doppelt 
führt, die Busse als eine petitio principii* den übrigen Mathe« 
matikem vorwirft. Mir scheint das, was Mollweide hierüber 
sagt*^, ganz richtig. 

10. Die Frage l^pmmt in der Wirklichkeit gar nicht vor, 
sondern sobald der fallende Körper in das Innere des anziehen- 
den Körpers (auch ohne Widerstand) eindringt, ist die anzie- 
hende Kraft verflaiijdert und bpi Kiigpln dem Abstände vom 
Mittelpuncte direct proportional, also im Mittelpuncte selbst = 0. 

Es sey die beschleunigende Kraft an der Oberfläche der 



1 Gilb. Ann. LXX, 413. 

2 Güb. Ann. LXX, ^. . 



Freier FalL 13 

Erde 2= 1 , fler Faüratiln ih der ei^teh Secunde = g, der Halt>- 
messer der Erde =i r, der veränderliche Abstand des fallenden 
Körpers vom Mittelpuncte es x, so i»t iin Itinetn der Erde 

av = 2gdt. j, 

4 

*,JV— ^2gjcdx 

r ' 

wenn die Geschwindigkeit = c war für x = r, ui;d demgemäß 
die Ck)nstante bei. der Integration schon bestimmt ist. Ich wiU 
c s=3 setzen und also 

, __ — ix M^_l_ 

wo die Consta =s ist, wenn im Anfange det Zeit t^ der 
Werth von x s= r Wai** 

Die Geschwindigkeit im dentro d^ Ei^de ist alsot=|02gr, 
und die Zeit des Falles von der Oberfläche bis zum Mittelpuncte 

=ln'K*tr'- Hier ist also alles leicht verständlich und der Na- 
' ' 2g 

tur der Sache gemafs« 

11. Ich habe bisher immer dielUchtung des Falles als ge« 

gen den Mittelptitict der Erde gerichtet angesehen ; aber dieses 

' ist sie jedoch nur auf der Kugel , ' nicht auf der sphäroidischeti 

Erde. Es sey der Halbmesser des Aequators = a , die halbe 

Erdaxe=b, die geographischp Breite des Ortes = 9, der Halb* 

messer der Erde an dieser Stelle = r, so trifft die Richttmgs- 

linie des freien Falles, (welche nämlich mit der Normallinie des 

Sphäroids zusammenfallt,) die Ebene des Aequators in einer 

„ ^ ^ b^rCos. cp , ^ , 

Entfernung =c r Cos. q>. — 5 > *^^"* Centro der Erde. 

Der Winkel = w , den die Normallinie mit dem Radius ein- 
schliefst, ist durch Sin. oi = -^ ~" 2^ Sin. (y -J" «) 



14 f^aH der Kqrpei^ 

gegeben, also hieri wo höhere lV>teiuie]l von Sin.» ganz*unbe- 
deutend sind, 

Sin. €$ =-^ j (Sitt. q^ Cos. 9 -f Cos. | 59. Kn* «) 

qi« ^ — (a^ — b^) Sin. y. Cos, y 
öin. w — ^jj gj^^^ ^ bi Cös.2y ' 

a^-^b^ 
fein Ausdrück, der unter 45 6r« Breite Sin* m =^ 2 '4, k^ * *"^ 

OfiQ 

fiir h = |g, Sin* » = 0,00347=0*. 12** giebt. Ata Pole 

find anf dem Aequatör fallt die Normallinie mit der nach dem 
•Mittelpuncte gehenden genau zusammen. Wollte man im lilnem 
der Erde der Richtung der Schwere immer folgen , so niüfste 
man eine krumme Linie , nämlich die rechtwinkliche Trajecto-> 
rie der elli{)tischen Gleichgewichtsschichten , Verfolgen K 

Geschichte der Bestimmung diese)^ Gesetze. 

12. Aristoteles Und seine Nachfolger glaubten, die 
Schweren Körper fielen im Verhaltnifs ihres Gewichtes schneller, 
also ein Körper von 10 ff zehntnal so schnell als ein Körper von 
1 ff Gewicht. Dieser leicht zu widerlegende Irrthum erhielt 
sich dennoch , weil man keine Versuche anstellte , im Ansehen, 
bis Galilei theils diirch eigene Versuche^ theils durch Schlüsse, 
die Unrichtigkeit jener Behauptung zeigte. Er liels nämUchKör-i 
per von ungleichen Gewichten aus sehr beträchtlicher Höhe 
herabfallen, und fand, dals sie fast gleichzeitig den Boden 
erreichten. 

Ueber da^ Gesetz der Beschleunigung war man vor Gali- 
lei eben so wenig unterrichtet. Die Meinung, dafs die Ge- 
schwindigkeit dem schon durchlaufenen Wege proportional sey, 
hatte selbst Galilei lange Zeit als wahrscheinlich angesehen, 
obgleich eine gar nicht schwierige Ueberlegung zeigt, dafs die- 
ses Gesetz eine Unmöglichkeit in sich schliefst , indem danach 
der Körper, wenn er noch gar keinen Kaum durchlaufen hat, we- 
der Geschwindigkeit haben, noch Geschwindigkeit erlangen kann, 
und folglich unverriickt an demselben Orte bliebe. Galilei 



1 Eolers Gesetze des GleicBgew. flüss. Körper, übersetzt Ton 
Brandes. 8. 111. 



Gesohicfite des Fallgeaetze«. |5 

im zuerst auf den Gedanketi, daTs die Geschwindigkeit Tiel- 
icht der Zeit des Falles proportional seyn k^nne; aus diesem 
auptgesetze bestimmte er die übrigen Gesetze des Falles, die 
' dann mit der Erfahrung verglich Und dieser entsprechend 
nd. Er trug diese schon im X 1602 entdeckteU Gesetze in 
(inen Gesprächen über die Bewegung ^ vor und legte so. den 
nxnd 2U unsefer ganzen neueren Mechanik* Seine Theorie 
bd viele Gegner , obgleich auch ToRaiGrKLi.i sie i^t vorztig-« 
Jier Eleganz etitwickelte^i Und selbst Bali A]vi , obgleich er 
ts Galxlei Theorie als die richtige vorträgt, äüfserte dennoch, 
> sey doch auch mt^glich, dals sich die Geschwindigkeiten, wie 
e durchlaufenen Räume trerhielten ^. Diese Aeufseniug fafsten 
eGegneif auf Und gäben dem eben angeführten Satze den Namen 
» HypoihesB des BaliAsti. Der Streit über diese Hypothese 
id ilure Widerlegung durch GASssNt>l und Feauat hat für 
VMre 2^iten keine Wichtigkeit mehr, da die Richtigkeit dei 
heorie längst anerkannt ist. 

Galilei selbst stellte Versuche an , um die Richtigkeit der 
tfundenen Gesetze des Falles zu beweisen« Er liefs in einem 
\ Ellen langen, -^ Elle hohen, 3 'Zoll breiten Balken einen 
mal aushöhlen, deU er mit t'ergament belegte, um ihn desto 
atter zu machen« Diesen Balken konnte er am einen Ende 
ehr oder minder heben und indem er nuU die Zeit beobachtete, 
eiche eine glatte messingene Kugel gebrauchte, um gewisse 
inme zu durchlaufen , fand er, dafs diese Rilume den Quadra- 
n der Zeiten proportional waren. Riccioli und Gaimaldi 
ichten ebenfalls die Theorie durch Versuche zu bestätigen. Ihre 
ichtigsten Versuche stellten sie auf dem Thurme degli Asinelli 
i Bologna an^, wo sie eine Fallhöhe von 280 Fuls hatten; 
Her auch von andern Thürmen lielsen sie Kugeln fallen , und 
Bobachteten die Zeit mit einem Pendel , welches Sechstel - Se- 
onden schlug. Die beobachteten Zeiten stimmten völlig mit 



1 Discorsi • dimostraz. matematiche intorno a dne naore scienze 
ttenenti alla mecanica cd i moviinenti iocali« Leid. 1638. nnd in den 
»pere di Galileo Galilei, Firenze. 1718. Tomo 2. p. 479« 585. 

% De motu gravi um natoraüter descendentiom et projectoranu 
1er. 1641. 

S De mota gravium solidorum et flaidoram. Genaae. 1646. 

4 Vergl. Bencenberg. 8. 82. . Riccioli Almag. Nor. Lib. ü., 
itp. 21« 



rA 



|6 Fall der Korper. 

dem Galilei^schen Gesetze üt)etem| uhd sie sdhen dieses dadurch 
als vi$llig bestätigt an , obgleich allerdings ihre Versuche nicht 
so genau angestellt würden, daTs kleine Unterschiede ihnen 
merklich werden konnten. 

Aehnliche Versuche stellte DecAalSs an^, theils ihdem er 
die Falli^eit fiii^ Steine, die er in einen Brunnen fallen liefs, 
beobachtete, theils itidem et den genauen Fallraum der K^hiper 
wähteüd eitles halben Pendelsdhlages verschiedener t^endelbeob-» 
iMihtete. Er machte z. B. die Eitirichtung, daTs ein Pendel Voti 
3 Fuls Länge in seinem tiefsten Puncte an ein au&echt stehen^ 
des Brett traf, und liefs hun in demselben Augenblick eine Ku-» 
gel frei fallen, da 'er das Pehdel losliefs ; er fand, dafs die Kugel 
4^ Futs tief £stllen mulste , um mit dem Anschlagen des Petidels 
gleichzeitig den Boden zu erreichen. Die ih unsem Zeitenifon 
Bevzeitberg angestellten Versuche hatten Zwar nicht mehr den 
Zweck, das Cesetz des Falles zu bestiihmen oder die Grabe 
ides Fallraums in der ersten Secunde zu entdecken; aber sie 
verdienen wegen ihrer Genauigkeit Und der groCsen Sorgfalt, mit 
Welcher alle Umstände berücksichtigt sind , hier erwähnt zu 
Werdeii. Sie sind die vollkommensten , die man je über die« 
een Gegenstand angestellt hati 

Uebrigens hat man schon seit langer ISeit ähdere Mittel ken- 
nen gelernt , um sich von der Bichtigköit der Theorie zu über- 
zeugen. Es wird nachher geizeigt werden j dals dife Zeit der 
Pendelschwingungen bei gegebener Lange des JPendel» ein Mit- 
tel abgiebt, um den Werth der Gröfse g, oder um den Fall- 
raüm in der ersten Secunde zti bestimmeil , und dafs das Ver- 
hältnib der Zeiten für Schwingungen ungleich langer Pendel, 
welches in der Erfahrung so gefunden wird , wie es die Theorie 
fordert, eine Vollkommene Bestätigung der Hauptgesetze der 
Bewegung fallender Körper darbietet. Will man sich durch un- 
mittelbare Versuche von der Richtigkeit der Gesetze des Falles 
überzeugen , so kann man sich der Versuche auf der schiefen 
Ebene (No. 14) oder der Versuche mit der Fallmaschine be- 
dienen 2. 

Eine sinnreiche Art , das Gesetz , dals die FaUräume den ' 
Quadraten d^ Zeiten proportional sind, zu beweisen, hat Se- ; 



1 Ciirsns mathematicns. Tom. U. Stat. Lib. II. propos, L II. 

2 S. diesea Artikel. 



^Geschichte des Fallgasetzea. 17 

BASTiEV schon 1699 angegehen^ Auf dÄr Flache des* pWiI>o-*>pig. 
lischen Konoids ABD, welches durch die Umarehuug der Psi«- ^ 
rabel A D C um die Axe A C entstanden ist , w.erde ein ischrau*- 
benartig f ortlaiuf ender Gang AEFG HI ausgehöhlt, der in je- 
dem Puncte untel* gleichem Winkel gegen den Horizont geneigt 
ist: so läfst sich 3US der Theorie erweisen (Vfergl. No. 13), dafs 
der in diesem Gange hinablaüfende Körper immer die Geschwin- 
digkeit hat, die seinem freien Fälle bei gleicher Verticäler Tiefe 
angemessen wäre, daraus aber folgt, wie ich sogleich zeigen 
will, dafs jeder Umlauf um das Paraboloid in gleicher 2Seit durch- 
laufen wird , und die Erfahrung ergiebt, dafs dies auch wirklich 
so erfolgt. Wenn man nämlich , indem eine vom Puncte A 
ausgehende Kugel in G ankömmt, eine zweite Kugel bei E fort«* 
rollen läfst , und wenn diese G erreicht , eine dritte in E nach-* 
sendet, so bleiben diese Kugeln immer gerade über einandel*^ 
Dals es so seyn innfs , läfst sich so beweisen. Es sey der Punct 
A, wo die Bewegung anfängt, im Scheitel selbst, eines andern 
imbestimmten Punctes X Abscisse = x: so ist da, wo der letz- 
tere liegt, des Paraboloides Halbmesser y = ypx, wenn p 
den Parameter bedeutet. Der ausgehöhlte Gang sey unter dem 
Winkel £=a gegen den Horizont geneigt, so ist ein mit dem 
horizontalen Winkel = d ^ zusammen gehöriges Stück .dieses 

6«.g» = d . = .^^Ü, W-» d„iWb.».„ de. durdX 



Cos. a 



dq> 



gezogenen Kreises =y ist, oder d8= ^ ^ Kp^' Nun aber 

wird nachher gezeigt, dafs die"" Geschwindigkeit eben diejenige 
ist, die ein von der Höhe =x, (dem verticalen Höhenunter- 
schiede der Puncte A und X) frei' herabfallender Körper errei- 
chen würde, also v = |^4gx, und folglich wird der Weg ds 

. , r, . 1 ds jds dop. l^px 

m der Zeit dt= :^ - .^ — = •: ==-— -^ -L^— «, 

V )^4gx Co».a.)^4gx* 



dt = ^ ^ f -~ durchlaufen • und die Zeit t ist also 
Cos. a' 4g ' 



= p / -j- dem horizontalen Wil^kel ^ proportional 



1 M^m» de Tacad. des seicnces ponr 1699, 
IV. Bd. B 



so 



18 Fall der Körper - 

daß die ganzen Umläiife, ihr Halbmesser sey grofs oder klein, 
in gleicKen Zeiten vollendet werden» 

Fall der Korper auf vorgeschriebenen 

Wegen. 

^1^* .13» Wenn der der Wirkung der Schwere ausgesetzte Kor- 
per A sich auf einer gegen den Horizont geneigten Unterlage 
befindet) so wirkt nicht die Volle KraFt der Schwere auf seine 
Fortbewegung und er fäUt daher , selbst Wenn alle andere Wi- 
derstände unbeachtet bleiben, minder schnell, als im ganz freien 
Falle» Es sey DE, die Tangente der krummen Linie, auf 
welcher A sich fortbewegen soll , ^oi dem Puncte B , Wo er sich 
gerade befindet , unter dem Winkel q) gegen den Horizont ge- 
neigt ^ so niuls man die Schwerkraft , die durch B F dargestellt 
werde , in z>vei Seitenkräfte B G ,, B H «erlegen , Von denen 
nur die erste = B F. Sin. qp die Bewegung des Körpers A be- 
schleuniget, die zweite BH aber durch den unüberwindlichen 
Widerstand der Curve verschwindet. Da nuii die Schwere deii 
&.^rp^£ in der ersten Secunde durch den Raum = g treibt, wenn 
der Körper ihr frei folgen Kann , und die nach B 6 wirkende 
Kraft sieb, zur firei wirkenden Schwere verhält, wie Sin. g) : 1, 
so wird die nach B G Wirkende Kraft ihn nur durch den Raum 
=3= g. Sin. ip in der ersten Secunde treiben,- oder die Haupt-« 
gleichungen für die Be'^egung werden hier 

dv=;=2gdt. Sin.g); d6=vdt 

seyn, wie sich aus No. 3' leicht übersehen lafst, wenn dv die 
Zunahme de|: Geschwindigkeit in der Zeit = dt, und ds den 
in der Zeites: dt durchlaufenen <Baum bezeichnet. Nennt man 
X die vertikale Tiefe des Punctes B unter demjenigen Anfangs- 
puncte , von welchen! an die Bogen s gerechnet werden , sp ist 

Sin.g)= -g— , • und folglich, da dt =s — ^ ist, 
V rt ds dx 

vdv = 2gdx, 

und durch Integration v2=4gx. Es'ergiebt sich also der wich- 
tige Satz : dafs die Geschüfindigkeit beim Falle auf irgend m- 
ihem f^orgeschriebenen JVege in jedem Puncte eben so grofe ist, 



auf vorgeschriebenen Wegen* 19. 

als si« seyn würde , wenn der Körper im freien Falle von' dem 
Puncte , wo seine Bewegung mit der Geschwindigkeit = an- 
fing , eben so tief herab gefallen wäre ; oder , wenn der Kö'rpeir 
A in K ohne Anfangsgeschwindigkeit zu fallen anfing , so ist in 
B seine Geschwindigkeit gleich der der verticalen Tiefe des 
Punctes B unter K entsprechenden Geschwindigkeit. 

Die Formel y4?i!f=:2gdx ist noch; allgemeiner, da sie 
v^ = 4gx + CoinSfi giebt. War. also' da, wo x =?= ist, 
v= c, so hat man v^= c^ -f- 4gx, das ist: auch, wenn 
der Körper in K eine Anfangsgeschwindigkeit hatte , so hat 
doch in B das Quadrat seiner Geschwindigkeit nm soviel zuge- 
nommen, als der verticalen Tiefe gemafs ist. Körper also, die 
auf verschiedenen Wegen herabfallen, und in einer gewissen«. 
Horizontallinie KL gleiche Geschwindigkeit hatten, kommen 3. 
in jeder andern HorJLZontallinie MN mit gleichen Gesdhwindig- . 
leiten an , obgleich der eine L diese Horizontallinie später, der 
andere K sie früher erreicht , wegen der ungleichen Wege 
LM, KN. 

14. Die geneigte Ebene giebt das einfachste Beispiel. Euer 
ist Sin. g) unveränderlich, also v = 2gt. Sin. 9) + c, 
wenn die Anfangsgeschwindigkeit = c war , und 

s = gt^ Sin. ^ -j- ct. 

Für c = ist s = g.t*. Sin. y, also der in bestimmter Zeit 
durchlaufene Weg desto kleiner, je kleiner die Neigung gegen 
die horizontale Ebene ist. Eüerdurch hat man es daher in sei- 
ner Gewalt,, die durch die Schwerkraft hervorgebrachte Bewegung 
so langsam zu erhalten, dafs sich die in bestimmten Zeiten 
durchlaufenen Wege bequem beobachten lassen , und deshalb 
bediente Gai.ilei sioh dieses Mittels , um seine Theorie z,\jl 
prüfen, 

15- Schon Galilei fand den iuorlt\»r{irdigeA Satz^, dafs 
die Fallzeit durch verschiedene , vom tiefsten Puncte eines 
Kreises ausgehende Sehnen, gleich ist. Es sey nämlich 
A D r= 2 r der verticale Durchmesser eines Kreises , D M eine ^' 
unter dem Winkel MDE = g) gegen den Horizont geneigte, 
vom tiefsten JPuncte ausgehende Seime, so ist D CJM=2 9 und 
DM = 2r. Sin. 9. Da nun allemal (No. 13) der durclilaufene 



1 Opere di Galilei Tom^ 2. p. SdL 

B 2 



2a Fall dev Körper 

.Weg =s 8 =s gt^ Sin. 9 ist, so findet man die auf dem Wege 

gSin.tp ' g 
Diese 2cit ist folglich Von der Länge und Neigung der 
Sclme uilabhärigig, und Körper, die auf AD, ßD, MD her- 
ablaufend ihre Bewegung gleichzeitig inA| B, M anfangen^ 
etreichen den Punct D in demselben Aüga^licke. Selbst eine 
sehr kleihe vom tiefsten PuncteD aus ge^gihie Sehne desKrei- , 
ses wird iii eben so langer Zeit durchlaufet!, Weil die beschleu-^ 
liigende £j*af^, bei der geringen Neigung der Sehne, in eben 
dem MaCse geringer wird , in welchem die Sehne kürzer IsU 

16. Weiin der Weg, den der Körper dtirchlatifett kann, 
eiüe krumme Linie ist, so läaseil die Gleichungen 

d)c 
dVx=? 2g dt, Sink 9=:2gidt. -j— 

ühd ds = vdt> 
ih Nö. 13 sich nicht anders integriren , bis Wenh die Natut der 
Curve bekannt ist, oder x und ä durch einander gegeben sind. 

57* Die krumme Linie sey ein Kreis , iii welchem der Bogen 
8 vom tiefsten Puncte an gerechnet wird: C sey derMittelpünct, 
r der Halbmesser, nnd der Bögeh AX =z s =3 r^, wenn 
A C X = qp ist. Die Neigung der ai) X gezogenen Tangente 
ZX gegen die HoiizontaUinie ABistssf^csACX, also 

dv = 2gdtk Sin. gv, 
üüd Weil hier, wenn der Körper sich gingen A zu bewegt , 
vdt =^^ ds =-r- rdy ist, 

2vdv=:4gvdt. Sim 9> =-^ 4gtd9) Sin% g), 
oder V* = Const. -f" 4gr Cos» g). 
War also v = 0, ab der Körper sich i>i D befand, und war 
dort ACD = y , so ist v^=:4gif (Cos. 9 -^ Cos. y.) , 

=s4g. EF, 'wen« DE, XF, 
Horizontallinien durch di& beiden Puncte D , X sind, 

_ /^ _ A-.d^, rr 



Hieraus sollte nun t: 



r[4g(Cos.9— Cos.y)] 
sis Zeit des Falles durch DX gefunden werden, was aber all- 
gemein nur durch Entv^ickelung einer Reihe möglich ist« 

Wenn 9 und y beide so klein sind ^ dafs man 
Cos. y = 1 — i 9 ^ 
C-^n. y= 1 — iy^> 



auf vorgeschriebenen Wegen« 21 



setzen darf, so wate dtsss-^-dy.f - 



oder d t = 



-d_2_ 



rr(i-$y'^' 




und t =5 ■ ^ ■ . Are, Sin. -^ + Const« 
r2g y ^ 

Hier bedeuten 9), j' zwar selbst zwei Bogen^ ftber die ZM 
^ giebt eine Zahl an | die in den 6inuBtafeIn aufgesucht einen 

y 

zugehörigen Bogen , der hier in seinem VerhaltniTs gegen den 
Halbmesser angegeben werden muTs, ergiebt« Da t verschwin« 
den soll, wenn f)=}^ist, weil in D die Bewegung anfing, so 

ist t= ■ ^ ■ |— ArcSin, ^-f" 4^1 indem Are. Sin, 1 = |- Trist; 
und die Zeit, bis der bewegte Punct in A ankommt, wo g)^=:zQ 

ist, wird =5 ^n' ^ , oder wenn 2v i= 1 i^t» "ß^ß*^ ^® Ze^^ 

- ■ ^g 

Hieraus folgt also für sehr kleine Bewegungen auf dem 
Kreisbogen , dab die Zeiten nicht von der Grdlse des Bogens 
abhängen, dals sie aber den Quadratwurzeln aus den Durch<- 
messem direct , und dem Werthe von y g umgekehrt propor*- 
tional sind. Für grölsere Bogen ist das Integral nicht anders 
als durch Reihen zu bestimmen 9 und es wird da die Zeit des 
ganzen FaUes durch den Bogen DA 



=*»rri 



g t ' « ' 64 «^ 



Der fallende Körper durdhläuft jfeden Bogenj der kleiner als der 
Quadrant, und selbst diesem gleich ist , in kürzerer Zeit, als 
er die Sehne desselben durchlaufen würde. 

Wenn bei unsem Pendeln die Masse des ganzen Körpers 
als in einem Puncto . vereinigt angesehen werden dürfte, so 
würde die Bewegung des Pendels durch diese Formeln ausge- 
drückt , und es wäre , da hier die Länge des Pendels = dem 
Halbmesser des Kreises s=3 r i^t, die Zeit einer halben Pendel« 

Schwingung =: I ;s / ^ — J einer ganzen Pendelschwingung a= 

2g 



24 Fall der Körper 

Sin. ANg=-^^- and AN = p r (4 + »'} ist, ' 

t' = ■ X" ' t •"^^ ^^^^ gxölser *eyn, und selbst auf dem 

Kreisbogen wäre sie gröfser*. 

Die Idnle des jicbnellsten Falles, oder die Bracliystochrono 

muTs 30 beschaffen seyn| dals tF= / ein Kleinstes ist. Abe^ 

die Geschwindigkeit v ist durch die verticale Höhe des Falles 

völlig bestimmt ; ist diese nämlich := 21, so ist v=2 )^g35 , die 
Curve sey welche uian will, und es mu£s also 

/tt— : =3 minimum s^yn, w^nu dieses Jntegral zwischen 

den Grenzen genomqaen wird 9 welche die beiden gegebenen 
Pupcte, von welchem aus un.d zu welcheni hin die Bewegung 
gehen 'soll, bestimpien. Da aber ds nicht als ein unabhängiges 
Differential der Rechnung zun^ Grunde gelegt werden kann, 
weil es, nach Verschiedenheit der Richtung jedes einzelnen 
Theils der Curve ein anderes VerhäUnifs gegen d z hat, so müs» 
sen wir daftq: ds = y(dx^ + dz*) ßetzen^ so dafs 



ein Kleinstes styxi mufsi indem ja der con«> 



staute Divisoif 2irg auf diese Eigenschaft keinen Einflufs hat 

Denkt man sich nun mannigfaltige Curven durch beide ge- 
gebene Puncte gezogen, so würde für jede derselben x eine an-? 
dre Function von z seyn ; für jede derselben würde unser Inte- 
gral einen andern Werth erhalten , und wenn man von einer zu 
einer andern, wenig davon abweichenden überginge, so würde 
im Allgemeinen eine Aenderung im Werthe des Integrals vor- 
gehen , und diese AenderUng ist es , die hier die Variation des 
Integrals, (die man niit d bezeichnet,) heifst, Aber es erhellet 
leicht, dafs wenn die Curve des schnellsten Falles richtig ge- 
zeichnet wäre , so würde man , sowohl durch bedeutendere Ab- 
weichungen na^h der einen^eite als durch Abweichungen nach 
der foidern Seite , ein größeres Integral erhalten ^ statt dafs also 
sonst in einer gewissen Reihenfolge , wenn man verschiedene 



1 Gi.LiL£i glaubte, der Kreii möge dieao Eigenschaft haben. 
Opcro. Tora. II. p. 627. 



I 

auf vorgesohri^benon Wegea. 25 

linieto gezeichnet hatte ^ die aweite ein kleineres Integral ab 
die eiste , und ein gfölseres als die dritte geben Mriirde ^^ hätte 
die als richtig gezeichnete Curve die j^igensc^aft, dals, wenifi 
sie die mittlere oder zweite wäre , das Integral kleiner für sie- 
als ftir die erste, aber auch Ueiner al'^ fiir die dritte seyn >Wirde, 
Mit andern Worten, die richtige Cu]^ve i^t diejenige, wo da« 
Integral bei ttj^ geringen Aenderung^li keine (nämlich durch 
das erste Glied der Difierenzreihe auszudrückende) Aenderung 

leidet, DaIier*/*l^^i^yti^=,0, oder 

oder da die Bestimmung der Variationen keinem andern G^setze^ 
als dev Bestimmimg der Differentiale folgt, 

^_^ /*( dx. Jdxdz. Jd^ ds. ^z2 

Da hier das Zeichen d sich auf die Aenderungen bezieht, die 
statt finden , wenn man von einer Curve zur andern übergeht, 
die Integration aber den Fortgang auf einer und derselben Curve 
betrifft, so bezieht sich die Integration auf das Zeichen d, und 
indem ddx=d, dx, SO ist folgende theilweise' Integration un- 
streitig erlaubt: 

Const. = -T — -r- dx4- "T*\^" ' ^^ *-^ / l'x, d, (-y-rr*- 1 



AI 






Die Const. mii&te hier so bestimmt werden, dafs der Werthde,s 
Integrals bei dem einen gegebenen Puncte , wo di^ Bewegung 
antogen sollte, =x wurde und dann mufste das Integral ^if 
SU dem andern gegebenen Puncte genommen werden , um sei*« 
nen vollen Werth zu erhalten, Dafs diese Integration nicht 
blots erlaubt) sondern nothwendig sey , ist etwas schwerer zu 
beweisen; indeb lälst sich wenigstens folgendes annehmen. 
Wenn wir uns eine der Curven 9 unter denen wir die richtige 
auswählen sollen , gezeichnet denkcfn , so gehen wir zu einef 
andern über, indem wir den einzelnen Puncten jener eine geän- 
derte Lage geben^ War also dx^ als dem Bogen ab angehö- yf* 
rend ss a^j so %Hxd es, indem jene Puncte nach a' luid b' hin- 
übergehen , in ad verändert imd es Väire cid <*^ 09^ ^=3 d • dx* 



26 iPttll der Körper 

Es erhellet aber leicht , dafs man ^on der Cuive HK zur Curve 
*HL übergehen kann, ohne gerade dieEndpunote eines bestimm- 
ten Elementes ih n'ach den Puncten a' und b' hinüber zu tra** 
'gen, und dafs folglich die J.dx, selbst bei dem Uebergange 
zu einer bestimmten Curve , unbestimmt bliebe. Diese Unlie** 
stimmtheit mu& dffenbar in der Rechnung vermieden werden, 
und daher gilt die Regel , dafs die verschiedenen Zeichen J, d 
nicht vereinigt vorkommen dürfen«^ 

Sobald durch diese Operation die ölieder so getrennt sind, 
dafs Glieder mit Sx und mit d z multiplicirt aufser dem Integral^ 
zeichen , und eben so gebildete Glieder unter dem Integralzei- 
chen stehen , so ist keine weitere Integration möglich ; denn 
eine neue theilweise Integration würde auf d. J x und d.Sz zu- 
riickführen, eine vollkommene Integration aber wäre nur mög- 
lich , wenn für d x , dz,, bestimmte Functionen von x , z ge- 
setzt würden , was gegen die Natur der Sache ist , indem wir 
d^nn zu einer genau bestimmten andern Curve übergingen, statt 
dafs wir zu einer jeden andern Curve sollten übergehen dürfen» 
Aber eben diese Betrachtung fordert nun auch» dafs die 
jetzt noch unter dem Integralzeichen stehende Summe von Glie- 
dern gänzlich verschwinde. Es ist nänilich oftehbar , dafs die 
vom Integralzeichen befreiten Glieder zwischen den Grenzen, 
welche die beiden Endpuncte angeben , genommen , einen be- 
stimmten Werth geben , die unter dem Integralzeichen stehen- 
den dagegen immer einen andern Werth erhalten , je nachdem 
wir für d x , dz uns andeice Functionen von x und z denken. 
Jene hängen nur noch von den Endpuncten ab , das ganze Inte- 
gral dagegen von den durch den ganzen Raum der Curve ange- 
nommenen Werthen von d x , dz; nähme man daher auch das 
Integral so , dafs es für den Anfangspunct verschwände , so 
würde doch sein Werth für den Endpunct gänzlich von dem 
Gesetze abhängen, wonach die Aenderungen dx , d z festgesetzt 
wären ; ein solches angenommene Gesetz würde aber die Un- 
tersuchung höchst beschränkt auf den Ueb ergang zu einer be- 
istimmten Curve beziehen; soll sie unbeschränkt durchgeführt 
werden, so darf einsolohes Gesetz 'gar nicht herein gebracht 
Verdien ; — kuri , da mit jedem solchen Gesetze ein anderer 
Werth des Integrals hervorginge, und- doch dieses Integral einen 
iconstanten Werth haben soll , so mufs es = seyn 9 oder dei; 
Goeffioient von d x unter dem Integralzeichen, mufs eben so wie 



auf vol»geschriebenen Wegen, 27 

der Coifficient von 3 z , jeder für sich , == sejrn , indem nur 

dann jenes Constantbleiben für alle Functionen | die man statt 

S'X^i dz setzen möchte, statt findet, 

dx • * 

Es ist alsoO = d. -T , 

ds.yz 

und == ^ ^ ' , + d • 



2.rz3^ ds.rzj* 

Hierin scheint eine doppelte Bedingung gegeben zu seyn \ ich 

werde aber sogleich zeigen , dafs die eine schon in dfer andern 

enthalten ist, und es läfst sich aus allgemeinen Gründen zeigen, 

dals dieses allemal statt findet. 

dx ^ 

Die erste giebt -^ — -— = Const,, 

OL S* I Z 

oder zds^ = a dx^, , 

oderdx = dzf . 



Es sey hier wieder j — — — = Tang. 4- y, 

^ = Sin. i 95 ^^^~''^ = Cos. i <p, . 

2z 
also Cos. q> =5 1 — • — , dz = 4-adgp. Sin. y , 

dx = ia dy. Sin.y. Tang. 4- y = a dgp. Sin.^-jr ?• 
also ' • 

x==C — 2a Sinl-^^p Cos.-J-y -^-^fdq). Cos.^^-y» 
x= C—- 2a Sin. 4 9 C0S.I9) +ay(dg) — dy. Sin.*ig)), 

X = C — a Sin. y + ^ 9 — ^ > 

da dx = a ydy. Sin.^iy war, 
also endlich x = 4^C + \^q> — 4^a Sin. g). 
oder da derAnfangspunct der Abscissen willkürlich ist, und C nur 
davon abhängt, . 

z = -y a — -J" a. Cos. y , 
Gleichungen, in denen man die Cyhloide erkennt. 

Dals die zweite Bedingungsgleichung eben das giebt, lälst 
sich hier leicht zeigen. Wir hatten nämlich 
d». ir:*^5=dxira, also 

a — z ' 



26 . Fall der Körper 



ds a= dz r « , und daher 



dz , Y a — z --•fad» 



=d.r^=^ 



^•^Tfi"""'' "TF^^rLaz'Ca— z)]' 

j ^ 1 d z Y*a 

. welche» rieh gegen -^^^ ^ + r(zMa— »)) *''"'''^*' 

Die CyhUiicU ist aI$o die Linie des schnellsten Falles , und 
ehen so wie hier wird in allen Fällen die Natur der gesuchten 
Curve aus dem unaufgeldst gebliebenen Integral , welches = 
seyn muTste, hergeleitet* Nur diejenige Curve, für welche 
jene einzelnen unter dem Integralzeichen stehenden Coefficienten 
6?= werden, hat die Eigenschaft, dafs bei kleinen Abweichun- 
gen von ihr die Fallzeit sich gar nicht oder niir um GrOlsen des 
zweiten Grades , (die hier positiv ausfallen würden) ändert. 

Um die CyUoide völlig zu bestimmen , muTs nun die Lage 

der beiden Puncto gegeben seyn. Für den einen mag x = a', 

z = b' für den andern x = a'', z = b'' seyn , so würde die 

dx dz 

Constans der 01eichung Const. = t — r-^ dx + -j — ^r— dz 

CLS f jr Z ClSf f Z' 

, ^„ da', ^a' + db'. Jb' 

durch Const. = _,_^^-,,-^-_3^ 

gegeben und der volle Werth dieser Integralgleichung durch 
_da',da'4.db\JV da^da^^ + dy\ jy^ 

rv. r(dir*4-dV?J ~ rt^ r(da"^+db"»)' 

ausgedrückt seyn« 

Wären nun die Puacte, von deren einem der Fall ausgehn 
und zu deren anderem er hingehen soll , nicht als ganz feste 
Functe gegeben , sondern hiefse die Frage , mati solle die Linie 
pj bestimmen, au£ welcher der Körper am schnellsten von der Li- 
8» nie AB zu CD hinüber gelangte, so lielse sich der Anfangs-* 
punct G verändern , oder es wäre auch a' und b' einer Variation 
unterworfen , jedoch so , dafs G auf der l«inie AGB bleiben 
müTste, also db' durch dd! gegeben w&re. In diesem Falle be- 
zieht sich da', dV, auf die Aenderung der Lage des Anfangs- 
'jptmotes also auf die gegebene CürV» AGB, dagegen da', db' 
auf die Anfangsrichtung der von G ausgehenden Cykloide , die, 
wie sich leicht zeigen läl'st, die gegebene GuTVe senkrecht schnei- 
den mufs. Envas genau diesem Entsprechendes findet in Be- 
ziehung auf den Endpunct statt. Aber um nicht zu lange bei 



auf vorgeschriebenen Wegen. 29 

dieser Frage zu Verweilen , will ich nicht diesen Fall Betrach- 
ten, sondern nur den, da beide Endpuncte fest gegebene Pancte 
sind. In diesem FsHe ist Jn' =a-^b' = 0; da" = db" =;0, 
weil keine willkürliche Abänderung der Püncte gestattet ist, und 
nun fugt die zuletzt angeführte Gleichung keine neue Bedingung 
zur Auflösung hinzu, sohdern diese ist völlig ih deii beiden 
Gleichungen 

X =Ä C 4* 4*9 — -Ja. Sin» ^, 

z = 4<a — -* 4 a. Cos^ 9 
enthalten , wo C , a noch zu bestimmen, slbd» t)ie Lüge der 
beiden Puncte dient zu ihl*er Bestimmung , uiid diese sey also 
durch X = 0, Ä = rdt den tdhei'en j 3g =a: a> « = /J fCit deti 
tieferen gegeben. Dann ist 

üiid = {• a --^ i a Cos. f) , 
also g> = 0.^ im. Ax^Esingspuncte (verinöge dfer zweiten Glei- 
chung) und zugleich C = 0; für den Endpünct aber 

tt asn 4* a^ •— {> a Sin« 9> 
und, ß :?= f a (1 — Cos. q>)^ wo a dadurch bestimmt wird , dab 






ist. Die letzte Gleichung, als eine transcend^nte, mufs dnrcji 
Versuche aufgelöset werden. 

£• sey a^^ißn^ so läfst sich leicht tibersehen, iah, 
a = ß wird, indem dadurch a =: iß. Are. Cos. ( — l)=4.^;r, 
identisch wird« In diesem Falle ist def Anfangspunct, (wie al* 
lemal bei einem festen Anfangspuncte) der Punct, in welchem 
die Cykloide ihre Spitze hat, der Endpünct hingegen der tiefste 
der Cykloide, oder der Köiper durchläuft ^rade die halbe Cy- 
kloide* 

Um einen andfla^. Fall zu betrachten ^ sey dagegen a =:^ 
10/7, also 

10/9= Ja (g)— Sin. 9), 
/?B?rfa,(l — Gosiy), 

2_— Sinj)^ 



N 



30* ■ Fallmaschine. 

YcTSucht man hier 9^ = 270*^ j «0 ergiebt sich nach dem Gleich- 
heitszeichen 59712 j 

9) = 300** giebt .... 12,204. 

9 = 290*» 9,1.2. 

9 = 293« . 9,904. 

9=294« 10,188. 

9 = 293«. 20' 9,9978. 

9 = 293«. 21' 10,00002- und endHch 

a =l^Cos. 293«. 21' ~ ^'^*^* '*• 

das ist , die Cykloide mufs durch einen Kreis vom Durchmes- 
ser = 3,313* ß beschrieben werden , damit der auf ihr fallende 
p, uqd in ihter zweiten Hälfte wieder steigende Körper in der kiir- 
6. zesten Zeit zum Endpuncte gelange. Da BC = ß, NB= 10/^ 
war , so würde ein auf N C laufender Körper die Zeit 

-l.JllPM=Ij^/5^0497*iiöthig haben; der die halbe 
Cykloide NA durchlaufende Körper braucht die.Ze^t 

i=;r.f -. >^ 0,8281 = 2376. /—, er würde also in 6mer 

Zeit = 5,74« f — den höchsten Punct der Cykloide E wieder 

erreichen, also der Punct C schon viel früher, und selbst hier, 
wo der Endpunct erst im Steigen wieder erreicht wird, ist die 
Cykloide die Linie des schnellsten Falles, 

lieber die Gesetze des Falles im widerstehenden Mitteln 
0. TVi^erstand. B, 

F a 1 1 m a s oh i n e. 

Atwood's Fallmaschine, um die Gesetze des freien 
Falles zu zeigen, beruht auf der einfachen Ueberlegung , dafs 
man ' die Schnelligkeit des Falles mafsigen kann , indem man die 
Beschleunigung des fallenden Körpers durch ein Gegengew^icht 
vermindert, dafs aber die Gesetze, nach welchen Geschwindig- 
keit und durchlaufener Weg von der Zeit abhängen, dabei un- 
geändert bleiben, 
X^' Auf der Mitte feinest dreieckigen Fufsbrettos A B , welches 
auf einem Fulse D und zwei Schrauben E , E , ruhet, um durcli 
letztere hol izontal gestellt zu werden | erhebt sich senkrecht die 



Fallmaschine. 3% 

LÖlzerne Säule FG, anf welcher, einige Zolle vom hö'chsten 
'uncte anfangend, eine Theilung von Zollen und Zehntel - Zol^ 
en angebracht ist. Diese Theilung wird , um die Tiefen des 
Falles anzugeben , von oben an herabwäjts gezahlt , und fi^ht, 
^-wie die Figur aeigt) bis auf 64 Zolle» (Statt 64 Zolle, wel- 
kes eine Anordnung auf 8 Secunden ist, könnte man 49 Zoll, 
)1 Zoll wählen, wenn man die Einrichtung auf 7 .oder 9 ^e- 
lunden machen wollte.) 

Oben bei 6 ist vermittelst der Schraube N., die in einer 
aessingenen Schraubenmutter eine genaue und sichere Haltung 
Lnden muls, eine Platte, LM befestigt, welche die Rolle K 
ragt; Diese Bolle , die sehr genau centrirt imd überhaupt sau- 
>er gearbeitet seyn mufs, da von ihrer vollkommen gleichen und 
eichten Bewegung alles abhängt, dreht sich um eine stählerne p- 
^e ab, deren Enden in sorgfältig gearbeiteten Zapfenlagern 10. 
rohen. Man kann durch eine Schraube die an den Enden ge-* 
ichlossenen kreisförmigen Zapfenlager ein wenig mehr oder 
Yeniger gegen die in Spitzen ausgehenden Enden derAxe dnik* 
ien , w^odurch die — allemal schwache — Reibung ein wenig 
rermehnt oder vermindert wird. 

Uebei den eingeschnittenen -Rand der Rolle geht eine *' 
)c}mur, an welcher die Gewichte bei OP, O'P' hängen. Dip. 
lolle hat ihre Stellung aber genau so , dals das eine Jieser Ge- 
iricfate vor der Mitte der Scale herabläuft. Um die Bewegung 
ler Gewichte, unter denen das vor der Scale herabsinkende 
las Uebergewicht haben muls , zu hemmen , dient ein horizon- 
al beweghcher , mit Tuch bekleideter Hebel Q, der die Schnur 
»ei M andrückt, und den man durch einen Schlag niit einem 
Itabchen plötzlich fortbewegt in dem Augenblicke , da die Be- 
legung des fallenden Gewichtes anfangen soU^. pie Gewichte 
ichtet man (aus Gründen, die naehhei; vorkommen^ so ein, daC» 
ie aus kreisförmigen Scheiben bestehen , und auf die mit ih- 
en gleichen Durchmesser habenden Scheiben O P , O' P' , sich 
oflegen lassen, wo sie von dem mit OP senkrecht verbünde- 
en , metallenen Stäbchen p gehalten werden , indem sie , mit ix, 
inem Einschnitte versehen , von der Seite aufgeschoben , auf 



1 Dieser Hebelarm ist in Fig. 9 nnr im Querschnitte, al« die 
;hnar bei M andrückend, zn sehen, in Fig. 10 aber im Xiäpgen- 
ii:cli«clmitte MQ. Sein Drehungspunct liegt etwa bei R. 






32 Fallraascblne. 

äen Scheiten O P, 0'?* ruhen, ßiese Gewichte sind nun erst* 
lieh solche, die auf beiden Scheiben OP, O'P* gleich aufgelegt 
werden, und dann zweiteilig ^in Ufebergewicht, das dem i^or 
der Scale herabsinkende Gewichte beigefügt. Wird» Endlich be* 
findet sich seitwärts an der Säule eih Pendel^ welches bestinjimt 
ist, die 2eit des Herabfallen« des Gewichtes OP zu messen. 
Dasselbe ist entwedei^ ein einfaches Seciindebpendel , Wenn die 
Gewichte OP, O'P' sö eingerichtet Werden, dafs das Herab- 
fallen innerhalb einer 2eit von 8 Sectmden geschieht , öder die 
Linse desselbeil ist beweglich ^ um seine Schwingungen will« 
kürlichen 2eiteh anzupassen» Dtf Gebrauch, den inan von 
dieser Maschine Inachen will, ist ein doppelter. Erstlich zu 
xeigeil, dafs die ]?allräume den Quadrateti der Zeiten p^opor* 
tibnal äiiid ; zweitens die Geschwindigkeit, Welche der Mlende 
Körper Wirklich in eiiiein bestimmtet! Augenblicke erlangt hat, 
anzügebeil ^ oder tn zeigen , dafs sie der Theorie gemafs ist.' 
üie yorbereitung zu diesen Versuchen besteht nur darin , dafs 
man die Maschiüe ih eine genati Verticalö Stellung bringe j und 
das richtige Uebergiewicht, um einen bestimmten Fallraum in 
j2 der Sectmde zti erhalten , berechne» Um das erstere zu er*- 
halten, bringt man die dür chbrochette Unterlage , dereir Kreis- 
ClFnung die Gewichtsscheiben bequem, aber ohne zu grofseü 
Baum übrig zu lassen ^ dürchläfst , ziemlich tief an der Säule so 
an, dafs das Gewicht hindurch geht, und corrigirt die Stellung 
der Säule mit Hülfe der Schrauben E, E, so lange, bis das 
Gewicht frei, ohne anfcustofsen, durchgeht. Diese Unterlage, 
wird durch den um die Säule passenden Arm ws gehalten , xmi 
durch eine Feder bei s an die Säule fest angedrückt. Um aber 
das zu einer bestimmten Beschleunigung erforderliche Ueber^ 
gewicht zu finden , mufs man so verfahren. Wir wollen an- 
nehmen , die Zölle waren Pariser Zolle und man verlange , daß 
der Fallraum in der ersten Secunde 1 Zoll betragen solle , so 
muCs,* da 1 Zoll gleich dem Ißlsten Theile der natürlicheil 

1 

Fallhöhe ist , die Beschleunigung auf r— herabgesetzt werden^ 

lol 

also , wenn man auf das' Moment der Trägheit der Scheibe nicht 

achtet, und mit P das eine, mit P + q das andere Gewicht be- 

q ' 1 • 
s^ichnet, so nmfef :.^\ - = Tqj *eyn, indem die bewegende 

Jtraft gleich dem üebergewichte q, die bewegte Masse =2 P 4"^ 






Fallmäschlne. 33 

ist I und jene Kraft auf eine Masse s? q verwandt die volle Ge- 
schwindigkeit der frei fallenden Körper, auf 2q verwandt die 
halb so grofse Geschwindigkeit u. s. w* hervorbringen würde, 

also nur "JöT der Geschwindigkeit, wenn die Masse e= 181 • q 

1 

ist. £s müTste also 180« q = 2P, 9 = 0^^ *®^ » ^^® ^ ^ 

Gran , wenn man jedes der beiden Gewichte auf 4500 Gran ein« 
gerichtet hätte* Um genau tn rechnen ^ muls man zu dem Ge- 
wichte 2P noch das auf die Entfernung der Schnur reducirte 
Gewicht der Rolle K rechnen ; denn auch diese Masse mufs mit 
in Bewegung gesetzt Werden» Ist die Rolle so gearbeitet , dafs 
eie durchbrochen, wie ein Rad, nur dünne Radien, zu Ver-» 
bindtomg des festen Randes, in dem die Schnur läuft , mit der 
Axe, darbietet, so liegt fast ihre ganze Masse nahe in eben der 
Bntfemnng vom Mittelpuncte, wie die Schnur selbst, und er* 
hält fast eben die Geschwindigkeit, wie die Gewichte; daher 
man dann sehr unbedeutend fehlt, wenn man das ganze Gewicht 
der Rolle mit den angehängten Gewichten und der Schnur zu- 
sammen nnter SP versteht* 

Findet man es zu unbeqtlem , erst das für den Pallraum =: 
1 Zoll in der ersten Secunde erforderliche Uebergewicht auszu- 
rechnen , so kann man statt des Secundenpendels ein Pendel, 
an welchem die Linse sich verschieben läfst, nehmen, und 
dieses so stellen, dals es 8 Schläge thut, Während das mit 
einem Uebergewicht Versehene Gewicht die ganze Scale von 
64 Zollen durchläuft; diese Stellung der Pendellinse läfst sich 
durch einige Versuche leicht erhalten und dientfiir jedes willkür- 
liche Uebergewicht; hier will ich indels annehmen, man liabe 

die Anordnung richtig nach dem SecUndenpendel gemacht. 

I 

Um nun erstlich zu zeigen , dafs die Fallräame den Qua- 
draten der 2Leiten proportional sind , hangt man das Gewicht mit 
seinem gehörigen Uebergewichte an, und stellt das vor der Scale 
hängende so , dals seine untere Fläche genau neben dem Null- 
puncte sich befindet. Hat man diese Stellung erreicht, so 
drückt man den bis dahin von M entfernten Hebel an M an, da- 
mit er die Schnur gegen M herandnicke und festhalte. Man 
achtet dann auf die Schläge des Secundenpendels , und im Mo- 
mente eines Fendelschlages stufst man den Hebel zurück und 
TV. Bd. C 



34 Fallmaschine« 

fangt die Schlage des Pendeln zu zählen an. Ist alles richtig 
angeordnet, so kommt mit dem Eiide der 8ten Secnnde das Ge- 
wicht auf dem Boden bei F an und hat also 64 Zoll in 8Secun-> 
den durchlaufen^ Um einen zweiten Versuch für eine andre 
Fallzeit , ixun Beispiel 5 Secuilden anzustelleta, wird eine Unter- 
lage, die nicht durchbrochen ist, sondern die feste Fläche 
uvxy ohne Oeffnung darbietet, so an die Säule gesetzt, dals 
sie auf 25 Zoll ^diliegt; der Vorige Versuch wird genau eben so 
wiederholt, aber am Ende der 5ten Secunde hört man das Ge-. 
wicht aufschlagen. So kann man sich für alle einzelne Secim- 
den überzeugen , dafs der Pallraum 1 Zoll in der ersten , 4 Zoll 
in den 2 erstell, 9 Zoll in den drei ersten S^cunden betrage 

u. 8. 'W'. 

Bei diesen VeAnchen kohntd das dei) übrigen Gewichten 
zugelegte Uebergewicht jede beliebige Gestalt haben; bei den 
folgenden, wo die durchbrochene Unterlage ihre Dienste thut^ 
PI -^ muls das Uebergewicht die Form eines Stabchens, dessen Länge 
12. den Durchmesser des Kreises zz übertrifi^, haben, oder aus 
mehreren solchen Stäbchen bestehen. Soll nämlich gezeigt wer- 
den, welche Geschwindigkeit der fallende Körper in einem 
bestimmten Puncte erlangt hat, so mufs in diesem Puncte das 
Uebergewicht abgehoben werden , damit der Körper ohne neuQ 
Beschleunigung, mit der einmal erlangten Geschwindigkeit fort- 
gehe. Dieser Zweck wird durch die durchbrochene Unterlaf^e 
erreicht , welche das Hauptgewicht durchläfst , aber das Ueber- 
gewicht abhebt, oder das Stäbchen, welches als Uebeigewicht 
diente, zurückbehält. Es sey diese Unterlage so an der Säule 
befestigt , dafs sie genau in dem Augenblicke das Uebergewicht 
abhebt, wo die untere Fläche OP bei 25 Zoll ankommt: so 
wissen wir. nun , dafs die Fallzeit bis daliin , wenn man das 
Fallen wie vorhin von Null anfangen läfst , 5 Secunden betragt. 
Am Ende der fünften Secunde ist die erlangte Geschwindigkeit 
nach der Theorie = 2g.t = 2.1.5, weil hier g = 1 Zoll 
der Fallraum in der ersten^ Secunde ist, und wenn der Körper 
nur diese Geschwindigkeit unbeschleunigt behielte, so würde 
er am Ende der 6ten Secunde bis 35 Zoll , am Ende der 7ten 
Secunde bis 45 Zoll, am Ende der 8ten bis 55 Zoll gelangen, 
und wenn man anf 55 Zoll die undurchbrochne Unterlage an- 
gebracht hat, so wird man das fallende Gewicht dort mit dem 
Ende der achten Secunde aufschlagen hören. Will man ihn un- 



Fallschirm* 35 

ten Bei 64 aufschlagen lassen, so ist es bequem, die durch« 
brochne Unterlage auf 16 Zoll oder vielmehr so anzubringen, 
daCs das Uebergewicht abgehoben werde, indem die Grundfläche 
des Gewichts auf 16 Zoll ankommt ; dann hat es hier eine Ge«-' 
schwindigkeit von 8 2oll in der Secunde Und indem es mit dem 
Mnde der 4ten Secunde 16 2oIl) mit dem Ende dei^ 5ten Secunde 
24 Zoll und so ferne erreicht, so schlagt es erst mit dem Ende 
det loten Secunde unten auf. 

Die mancherlei Abänderungen, die ihatl bei den Versuchen - 
machen kanii, indem man das Uebergewicht gibket oder klei« 

ner ilimmt und so den Falhaum jedesmal anders bestimmt, die 

1 

Beschleunigung aber immet der Gröfse p gleich findet, und 

andre, will ich hieif nicht anführen, da das bisher Gesagte schon 
zeigt , daüs dieses Instrument ungemein viel Belehrung darbietet, 
ja sogar uns die^ Gröfse des Fallraums der frei fallenden Körper 
ziemlich genau angeben würde , wenn nicht dazu schon bessere 
Mittel bekannt waren« B» 

Fallschirm. 

Parachute; FaU-hredker; nennt man eihe schirmartige 
Vorrichtung, Womit Gegenstände aus grofsen Höhen herabfal- 
len können , ohne beschädigt zu werden , weil durch den Wi- 
derstand der Luft gegen dieselbe die Fallgeschwindigkeit genü- 
gend verzögert wird. Die erste Idee hierzu entlehnte Le Nor- 
M A VD , Professor zu Montpellier , aus einer Nachricht , dalüs in- 
dische Sklaven sich zur Belustigung der Könige vermittelst eines 
Sonnenschirms aus beträchtlichen Höhen herabzulassen pflegc|n, 
und er versuct^ es daher selbst den 26sten Nov* 1783 t die 
fischbeinenen Stäbe eines Regenschirms von 30 Z, Durchmesser 
zur Verhütung des Zurückschlagens an den Enden mit Bindfaden 
festzubinden , und diesen in der Hand haltend von der ersten 
Etage eines Hauses herabzuspringen. Weitere Versuche machte 
er mit Thieren, welche an einem ähnlichen Schirme von 28 Z. 
Durchmesser unbeschädigt vom Observatorio herabfielen. Für 
einen Menschen berechnete er die erforderliche GrÖfse eines Fall- 
schirms zu 14 Fufs Durchmesser , und schlug die Gestalt eines 
Conus als die bequemste vor. Einige dieser Versuche sah J. 
M0HTGOLFIE& mit an , und wiederholte sie nachher in Verbin- 



t 



36 Fallscliirm. 

düng mit eincim gewissen Bravte, indem sie eine Vorrichtung 
von Leinwand in Gestalt einer Halbkugel «7 ■*— 8 F. im Durch- 
jnesse'r haltend verfertigten , vom Rande derselben 12 Seile 7 F. 
lang herabhängen liefsen, diesb unter der hohlen Fläche der 
Halbkugel vereinigten, einen Korb aus Wfeiden geflochten daran 
"^aifden,. und in diesem einen Hammel vom höchsten Thurme 
Avignon mehrmals herabfallen liefsen , ohne dals er im min- 
derten Schaden erlitt^. Blanchahd wiederholte diese Versu- 
*^e, indem er zuerst Thiere von seinen Aerostaten aus beträcht- 
lichen Höhen mit einem Fallschirme herabfallen liefs , und es 
. spulet zt in Basel selbst wagte ^ sich damit herabzulassen. Hier- 
bei hatte er das Unglück", auf Bäume zu fallen, und ein Bein 
zu bi-echeh , weswesell er den Versuch nicht wiederholte. Der 
von ihm gebfauchte Fallschirm , st) wie derjenige , womit Gar- 
irERl9 am Isten Brumaire 1797 im Jardin de Mousseaux herab- 
fiel, glich einiem grofsen Regenschirme^ welcher halb ausge- 
spannt zwischen, dem Ballon und der Gondel, eine Art von 
Zelt über dem Aeronauten bildete. Als ei; sich duröh den Wi- 
derstand der Luft öffnete , hatte er 25. F. im Durchmesser , be- 
stand aus Leinwand , und zeigte in diesem und in andern Fäl- 
len beim Fallen dasjenige l?hänomen, was aus der Theorie eben 
so sehr folgt , als für die praktische Anwendung von grofser Be- 
deutung ist, er gerieth nämlich durch den Widerstand der Luft 
in starke Schwankungen , wie sie bei einem fallenden Blatte zu 
seyn pflegen; Später wiederholte Garnerin den Versuch öf- 
ter , uttd in London am 21sten Sept. 1802 schon zum fünften 
JMale^. 

Beim Herabfallen vermittelst eines Fallschirmes muls man 
die Schwere des Ganzen im Schwerpuncte vereinigt annehmen, 
den Widerstand der Luft kann man aber als gegen einen Punct 
gerichtet ansehen , w^elcher wenig unter dem Sehwerpuncte des 
Fallschirms, und daher über dem Schwerpuncte der ganzen 
Masse liegt. Wenn mm der Schwerpunct sich nicht senkrecht 
unter dem Widerstandspuncte befindet , so wird letzterer über 
ersterem pendelartig oscilliren , und zwar so viel schneller , je 
kleiner der Abstand beider ist, und fielen beide zusammen , so 
könnte der Fallschirm ganz umschlagen. Es ist daher rathsam, 



1 Ann. de Chim. XXXI. 269. G. XVI. 156. 

2 S. G. XVT. S8. 



FallflcJiirni. 37 

oie £ia8t tiefer unter den Schwerpunct des Fallschirms anzubrin- 
gen , und dem letzteren einen längeren Stiel zu geben y um das 
Osciliiren seines Widerstandspunctes um einen über dem Schwer- 
piincte liegenden Punct zu verhüten ^. Die Schwankungen des 
Fallschirmes, womit sich Garnerin nach seinem Auflluge zu 
London am 21sten Sept. 1802 von einer unglaublichen Höhe her- 
ablief», machte nach Nicholson's* Berichte Schwankungen, 
deren jede ohngefähr 6" dauerte , und so stark w^aren , dals der 
Fallschirm sich halb schlofs , aber wrieder ganz Öffnete , 'wenn 
die Gondel lothrecht unter demselben hing. Der Fallschirm hatte 
30 Fufs im Durchmesser, und seine Schwankungen wurden klei- 
ner , als er der Erde naher kam. Dicht über dem Boden erliielt 
GARNEaiv einige heftige Stölse, befaud sich sehr unwohl, 
wurde aber bald wieder hergestellt^. 

Aufser dieser im Bau des Fallschirms und dem Wider- 
stände der Luft gegen denselben liegenden Veranlassung zu 
Schwankungen, wird er in solche sicher auch dutch das un- 
gleiche Ausweichen der comprimirten Luft, durch die nicht völ- 
lig horizontal liegende Widerstandsilache und durch die Luftbe- 
wegungen selbst versetzt, weü sonst die Gröfse derselben über- 
haupt und ihre Zunahme nicht füglich erklärbar waren. 

Sucht man die Gröfse eines Fallschirms , welcher sich mit 
einer gegebenen Geschwindigkeit bewegen soll , sq erhält man 
diese, wenn man berücksichtigt, dafs der Widerstand der Luft 
bei gleicher Geschwindigkeit der Bewegung der gegen die Luft 
bew^egten Flächen proportional ist , und daher das gegebene Ge- 
wicht des Fallschirms und der daran hängenden Last dem Wi- 
derstände für die bestimmte Gaschwindigkeit gleichgesetzt wer- 
den mufs. 

Unter dem Artikel: Widerstand der Mittel befindet sich 
die von Huttost berephnete Tafel des Widerstandes gegen eine 
Fläche von f Quadrat F. für die verschiedenen Geschwindigkei- 
ten in Unzen nach Lpnd. Mafs und Troygewicht, .woraus die 
Grölsen entlehnt werden können. Es soll z. B. ein Schirm ge- 
sucht werden , womit ein Mann von 150 S" Gewicht mit 10 F. 



1 S. Gilbert XVI. H- au3 Dicade philos. lit. et mor. An VI. 
No. 4. p, 237. 

2 S. Nich. Joqm. UI, 1*3. . ' 
d Uatton DicU 44. 



38 Fallschirm. 

Öe^ckwindigkeit herabfällt, oder mit einer solchen , welche er 
durch einen Sprung von 1,562 F. engl. Höhe erhäk^. Die Ta- 
fel giebt fiir 10 F. Geschwindigkeit und ^ Quad. F, Fläche 0^7 
Unzen = 0,0475 ff Widerstand: mithin ist der Widerstand 
gegen einen Fallschirm vom Halbmesser r=JX 0,0475 r^rr, und 
dieser muTs dem Gewichte des Fallschiraies und des MannfS 
gleich seyn. Um Ersteres zu bestimmen, sey das Gewicht einer 
Kreisfläche des Schirmes von 1 F. Rad, = 0,25 fff Indem dann 
die Gewichte sich verhalten wie die Flächen, d, i. wie die Qua- 
drate der £[albmesser, so ist das Gewicht des Schirme = 0,25 r'. 
Mithin 

0,25r<+ 150 = |><0,0475ri7r 

woraus r = 18,864 F. gefunden wird*. Wäre die Masse des 
Fallschiimes zu schwer, aio wurde r unm($g1ich werden. Wöge 
2. B. die Fläche von 1 F, Rad, 1 ff, so wäre r» + 150 
= ^X0,0475r^7r woraus r* (1 -^0,67151) =— 150 unmög.. 
lieh wird. Es läfst sidi hiemach also gleichfalls berechnen, 
welches der gröfste Werth des Gewichtejf einer Fläche von 1 F. 
üadius eines solchen Fallschirmes seyn kann, nämlich für 
0)67151 ff wiirde der Radius des 3chirmes unendlich werden, 
und der Quadratwurzel jedes kleineren Gewichtes proportional 
abnahmen. Auf allen Fall i^uFs also das Gewicht einer Fläche 
von 1 F. Rad, kleiner seyn als 0,67151 ff , und der Fallschirm 
ist überhaupt um so viel besser , je leichter bei übrigens hin- 
länglicher Stärke die Substanz desselben ist. Das Gewicht der 
I Stabe und der Stange des Schirmes , welcher im Allgemeinen 
die Gestalt eines gewöhnlichen Schirmes haben kann , wird am 
bequemsten dem Gewichte des Mannes hinzuaddirt, und man 
kann leicht dafür Sorge tragen , dafs der Schwerpunct tief genug 
unter den Widerstandspunct zu liegen kommt. Uebrigens ist v 
in der Forn^el sehr geringe angenommen. Wenn man berück- 
sichtigt, dafs ein Mensch ohne Furcht vor Verletzung von 4 
engl. Fufe Höhe , insbesondere auf nicht sehr harten Grund füg- 
lich herabspringen kann, so wird s = 4 F, und v = 16 F., 
wofür die Tabelle einen Widerstand = 1,538 ünzen = 0,128ff 
giebti Dieses in die obere Formel substituirt, giebt 



1 Da die Geschwiudigkeit v =: 2 1^ g s , so ist fär g = 16 F. 
engt und v — 10 F. s = 1,562 F. S. ¥aU No. 4. 

2 Veigl. Hattoa Tracts of math. and phil. subj. lU. S16. 



Farbe. 39 

0,25r2 + 150 = *X0,128r2« 
woraus r ss 9|807 • • t abo fast 10 F, gefunden wird. Würde 
der Halbmesser grölser, so ktonte das beschwerende Gewicht 
auch vermehrt werden, ^ 

- Der Anblick eines Menschen, welcher sich aus eii^er grofsen 
Höhe mit dem Fallschirm herabläist, ist im eigentlichen Sinne 
fKJiauderhaft K Im Anfange insbesondere ist der Fallschirm noch 
geschlossen , dar Fall des Aeroi^auten daher ein beschleunigter, 
und sehr schnelL Erst dprch den Widerstand der Luft wird' 
der FaUschirVn eAtfaltet, die Fallgeschwindigkeit hört auf eine 
beschleunigte zu seyn, indem sie vielmehr mit de^l WideKtande 
der Luft ins Gleichgewicht kommt, und abnimmt, wenn die. 
Dichtigkeit der Luft wächst. Es ist daher im Grunde gleich- 
gültig, aus welcher Höhe der Aeronaut sich herablälst, indem 
unter übrigens glichen Bedingungen die Fallgeschwindigkeit, 
womit er auf der Oberfläche der Erde ankommt , bei den ver- 
schiedeiist«& Fallhöhen dieselbe ist, M. 

Farbe. 

Color; Couleur; Colour. Das Licht sowohl der selbst- 
leuchtenden, als auch der erleuchteten Körper zeigt unserem 
Auge eine Verschiedenheit, die nicht von der Intensität dessel- 
ben abhängt, sondern die uns als eine VerscIhUdenhtU der Ar^ 
deM Lichtes erscheint. Diese Verschiedenheit , die keine wei- 
tere Beschreibung , ke^ie Erklärung für den , der sie nicht durch 
den Anblid( kennt, gestattet', ist es, was wir Unghickh^U der 
Farh$ nennen, 

Dafs die Farbe nicht Hofs in einem verminderVerh Grade 
des Lichtes ihren Ursprung habe , ist daraus klar , weil wir ein 
dunkles und helles Roth , das dennoch immer das Eigenthümli- 
che des Roth zeigt, ein dunkles und helles Blau, das dennoch 
immer blau erscheint , anerkennen, und eben dadurch beken- 
nen , daCs das Eigenthümliche des Eindrucks auf unser Gesicht, 
welches wie im Roth, Blau-, u. s. w. iinden, bei allen Graden 
der Lebhaftigkeit und des Glanzes dasselbe bleibe. Von GÖthe hat 
ganz Recht, auf das Schattige (to axic^or) der Farbe aufmerksam 



1 Am anfralleodsteQ war Garncrio's eben erwähnter Versnch bei 
London. 



I 



40 Farbe. 

zu machen^; denn Körper, die ferblg erscheinen, geben ein 
minder lebhaftes Lacht , alsv^eifse; aber gewils liegt nicht das 
Wesen d^r Farbenverschiedenheit hierin. 

Verschiedene Meinungen über den Ur* 

spruug der Farben. 

2. Fast alles, was über diesen Gegenstand gasagt ist, hat 
TOV GuTHB gesammelt'; ich werde daraus nur Weniges hier 
ausheben. 

Epikua sagte, die Farben waren nicht etwas dem Körper 
Eigenthümliches, daher man auch nicht sagen könne, dals dex 
Körper in der Finstemils Farbe habe ^. 

Plato^ nennt die Farbe eine Flamme, die von jedem Kör* 
per ausilieüst, — » Das wäre also unsern BegrifFen, die Farbe 
sey ein zurückgeworfenes Licht, ganz wohl entsprechend. — 
Aber freilich weichen die weitem Erklärungen des Sehens und 
der aus der Verbindung des Feuers mit der Augenfeuchte her- 
vorgehenden Empfindung der Farbe, sehr von unsern Ansichten 
ab. und i^eben in keiner Ilipsicht verständliclie Aufschlüsse über 
die Entstehung der Farbe. 

Aristoteles^ sclieint ziemlich deutlich die Farben alle als 
Mischungen aus Schwarz und Weifs anzusehen. Weifs und 
Schwarz setzt -er, wie Licht und Finstemifs, einander entgegen, 
und scheint also das Weifs als der vollsten Erleuchtung ent- 
spre hend, Schwarz als ohne aHes Licht anzusehen. Kleine Theil- 
chen , die weifii und schw^arz neben einander liegen , könnten 
vereint weder weifs noch schwarz erscheinen, mülsten also eine 
andere Farbe darbieten; aus den Verhältnissen der schwarzen 
und weifscn Portionen entstehe dann eine mannigfaltige Ver- 
schiedenheit , und vielleicht gäben die Verhältnisse, die den 
Consonanzen in der Musik entsprechen, die angenehmsten Far- 
ben. Aber wie selbst dieser grolse Philosoph sich und den 
Leser in einem bloCsen Hin * und Herreden, wodurch man dem 



1 Zar Farbenlehre, ron Odthe. L Th. S. 29, 

2 Der ganze zweite Tlieü der Farbenlehre, auf den daher die 
folgenden Citate gehen. 

S S. 6. 

4 S. 8. nnd Flatarch plac. philo«. X. 15. 

5 8. 19. 



Ursprung derselben. 41 

Verständnifs des Gegenstandes gar niplit paher kömmt, ennüdet, 
dafiix dient folgende Stelle ^um. Beweise, 9)Wie die Farben aus 
dei IN'Iisclmng des Weilsen und Schwarzen entstehen , so auch 
die Geschmäcke aus der des SüTsen und Bittem. Die angeneh- 
men Geschmäcke beruhen auf dem Zalilenverhältnüs. Der fette 
Geschmack geholt zu dem süfsen , der salzige und bittere sind 
beinahe eins. Der beilsende, herbe, zusammenziehende und 
saure falleu dasiwischen. Schier wie die Arten des Geschmackes 
verhalten sich auch die Species der Farben. Denn beider sind 
sieben ; wenn man das Dämmrige {q:aiov) zum Schwarzen rech- 
net. Daraus folgt, dafs das Gelbe zum Weifsen gehört, wie 
das Fette sum Süfsen ; das Rothe , Violette , Grüne , Bla^ie lie-«* 
gen «wischen dem Schwarzen und Weilsen, Und wie das 
Schwatze eine Beraubung des ^Yei^sen im Durchsichtigen ist, 
so ist des Salzige qnd Bittere eine Beraubung des Sülseu in dem 
nährenden Feuchten , '< u, s. w. 

Von dem, was Theophrast über die Farben sagt^, kani| 
ich hier nur Weniges anfüliren, Es erhellet, dafs er das Schwarz 
als gar kein Licht a^urückwerfend ansieht ; dafs er Grau , als aus 
Schwarz uild Weifs gemischt betrachtet; dals er das Gelb^pth 
als aus dem Lichte , wenn es durch reines Schwarz gemäfsig<^t 
ist, entstehend, annimmt; dafs er das Blau der Luft als da er- 
scheinend angiebt, wo das Licht abnimmt imd die Luft vou der 
Finsterniß aufgefaüst wird , u. s. w. 

Unter den Schriftstellern , die nach den dunkeln Jahrhun- 
derten des Mittelalters uns einige Belehrung darbieten, hebt 
V. GoTHE, Roger Baco hervor, und sagt uns, was dieser 
nach seinen , i9 andern Schriften geäufserten Grundsätz^en , un- 
ter Voraussetzung , dafs er das ) worauf es ankomme, richtig er«* 
kannt habe, wohl hätte sageu ktinnen ; denu wirklich gesagt hat 
er nicht viel über die Farben. Im sechzehnten Jahrhundert lei- 
tete Telesius die Farben aus den Pyincipien der WSrme und 
Kälte ab^. Die übrigen von v. Göthe angeführten Schrift- 
steller bieten fast gar nichts Belehrendes in Beziehung auf unsern 
Gegenstand dar. Thtlesius und Sim. Portius^ eiklareu nur 
die Farbennameui die bei deu Alt^a vorkomnien. Im siebzehn- 



1 V. Göthe. 8. 24. 

2 V. Göthe. Jl. ?17, 

3 S, 173, 197- 



42 Farbe. 

ten Jahrhundert beschäftigten sich Mehrere mit den Farben. 
KEFLER^^sagt gelegentlich, die Farbe entstehe aus einer Schwä- 
chung des lichtSk In deo farbigen Körpern ist das Licht ein^ 
geboren y e3 ist aber verborgen, $o lange sie nicht von 
der Sonne erleuchtet werden. De Domivis nähert sich in sei- 
nen Ansichten sehr dem, was wir nachher als t, Gothe's eigene 
Ansicht erzählen werden^ AeuiLOVivs sieht die Farben Mi» 
für sich müTsig und träge an > das Licht rege sie an , entreüse 
sie den Körpern und mache sie thätig ; lumen est velut colonun 
forma. Die Farbenreihe giebt er so an , daTs Weifs, Gelb, Roth 
Blau, Schwarz, aufeinanderfolgen^. CiRTESius^ erklärt die 
Farben aus der Bewegung der Lichttheilchen, Das mittlere sei- 
ner Elemente besteht aus Lichtkügelchen, deren directe Bewe- 
gung mit oiner gewissen Geschwindigkeit wirkt ^. Bewegen 
sich die Kügelchen rotirend , aber nicht geschwinder , als der 
geradlinige Fortgang, so entsteht die Empfindung von Grelb^ 
eine schnellere Drehung bringt Roth, eine langsamere Blau her- 
vor. In Rücksicht des prismatischen Farbenbildes welches et 
schon kannte, gelangte er, (sagt y. Göthe) zu der Hauptansicht, 
dab eine Beschränkung nöthig sey , um diese Farben hervor- 
zubriiigep, (Dieses ist nämlich in v. Göthe^'s Theorie eine 
Hauptansicht, von der er glaubt, dals sie von andern nicht 
genug beachtet sey.) Ath. Kircher^. Dafs seine Ansichten 
sehr den v. Göthe'schen entsprechen, zeigen schon folgende we- 
nige Worte : Die Farbe , als Eigenschaft dunkler Körper ist ein 
beschattetes Licht, des Lichtes und Schattens achte Ausge- 
burt. IndeÜs spricht seine Untersuchiing über das Blau des Him- 
mels dieses nicht so klar aus ; man sieht nicht so eigentlich den 
Grund , warum die Natur , sich aufs weiseste berathend, gerade 
die blaue Farbe, die aus einer ungleichen Mischung von Licht 
und Finsternüs bestand, gewählt habe; denn der Grund, damit 
wir die Himmelsräume mit Vergnügen betrachten könnten , ist 



1 S. ^50, 

2 Opticorom Libri 6. pag. 47. 40. y. Q6thef S. 255. SS4. 
ß 8. 277. 

4 Obgleich Gartesias eine unendlich schnelle Fortpflanzung des 
Lichts annahm, so redet er hier doch von ungleichen Gesch^yiadig- 
keiten. Dioptr, p. 42. 

5 8. 279. Kircheri ars magna lucis et nmbrae. Lib. f. Pars. 3» 
Gap. 1. 2. 8. 



Ursprung derselben, 43 

wenig gvonffich, nnd da das Blau des Himmels doch auch sein 
Blendendes hajt , nicht einmal wahr, 

Mabcus MargI| d« LA Chambüe, Grimaldi und Isaac 
Vqssius^ neigen sich mehr zu iex Ansicht hin, die wir bald 
als die Newton^sche vollständiger angeben werden. Der letztere 
sagt, dafs in d^m reinen Lichte die Farben enthalten sind, 
dafs man dies an den Erscheinungen , die das durch eine Glas-^ 
linse in eine dunkle Kammer geworfene Licht darbietet, erken«* 
nen o, s, "w. Aber er sagt freilich auch , „der Grundstoff der 
Farben schreibe sich von nichts anderem her, alsvondemSchwe«^ 
fei , d^r jedem Körper beigemischt ist/^ 

FuMK.^ und NueuBT^ dagegen stehen ganz auf y, Gutrb's 
Seite. Aus Nügübt's System verdient Einiges erwähpt zu wer- 
den. Er findet i^n prismatischep Farbenbilde, dals das Gelb 
mehr Licht und weniger Schatten enthält , als a]le übrigen Far- 
ben, das Violett dagegen mehr Schatten als eine der andern. 
Wenn man dies so ausdrückt , die Erleuchtung sey am stärksten 
da, viro uns im prismatischen Bilde G^lb erscheint, am schwäch-r 
sten das '^'^ das Violett liegt, so wird jeder darin leicht ein-;- 
stiäimeut Nach seiner Ansicht, die sich besonders auf die far-i- 
bigen Schatten stutzt, sind alle Farben aus Gelb und Blau zu- 
sammengesetzt; das Grün ist eine Mischung aus beiden: das 
Roth ist Gelb mit Schatten gemischt ; da aber Gelb und Blau 
selbst nur Mischungen von Licht und ^chatten sind, so erhel- 
let > dab alle Farben diesen Ursprung haben, 

3« Deutlicher als alle früheren Physiker sprach Ne^vtob 
seine Meinung über die Farben aus , und da der grtfCste Theil 
dessen, -wz» seine optischen Schriften enthalten, auf Versuche 
gestutzt , nidits anders als reine Aussprüche der Erfahrung ent- 
hält , (wenige Umstände ausgenommen , wo er dem , was ein- 
zelne Versuche ergeben, zu grofse Allgemeinheit beilegte) so 
haben ^«eine Ansichten den gröJbten Theil der Physiker für sich 
f^ewonnen. 

Wenn die Sonne Gegenstände erleuchtet, so erscheinen 
nns diese freilich init mannigfaltigen Farben ausgestattet; aber 



1 S. 288. 295. 906. 

2 Fonccius de coloribos coeli, ein Buch, worin aber auch an- 
dere Farben als die dfs Himmela betrachtet werden« 

3 ▼. Göthe. S. 881. 



44 ' Farbe« 

diese Erleuchtung scheint keine Farbe mehr als die andere zu 
begünstigen, und wir sind daher geneigt zu sagen, dals wir 
jeden Gegenstand mit der Farbe sehen , die ihm eigenthümlich 
ist , und daüs das Licht der hoch über dem Horizonte stehenden 
Sonne farbenlos oder weifs ist. Diese Behauptung, die sich 
fireilich auf das immer etwas trügliche Urtheil unsers Auges grün- 
det,, stützt sich auf die Vergleichung mit dem, was wir bei 
anderer Erleuchtung wahrnehmen. Die Oberfläche, w^elche im 
freien Sonnenlichte weils erscheint, ist blau, wenn das auffal- 
lende Licht uns blau erscheint ; in eben diesem blauen Lichte 
zeigen die Flächen , welche auch im Sonnenlichte blau erschei- 
nen y diese Farbe erhöht, während rothe Flächen sich gleichfaUs 
blau, aber minder schien darstellen, und so finden wir bei den 
Erleuchtungen, die wir eben aus dem Grunde farbig nennen, im- 
mer , daTs sie eine Fa]?be schöner zeigen imd mehr heben , statt 
dafs andere entweder unscheinbar werden , oder die neue Farbe 
annehmen , die dieser besondetn Art von Lichte angemessen ist. 
Die Oberflächen, die uns im Sonnenlichte im reinsten Weifüs er- 
scheinen , thun uns bei diesen Vergleichungen vorzüglich gute 
Dienste , und obgleich unser Auge nur dann ein genaues Urtheil 
über Gleichheit oder Ungleichheit der ihm er^cheinendan Er- 
leuchtung und Farbe geben kann , wenn die zu vergleichendeil' 
Gegenstände ihm zugleich vorliegen und mit einem Blicke über- 
sehen werden, so sind doch die meisten der Erscheinungen, 
worauf es hier ankommt , auffallend genug , um immer als wahr 
isrkannt zu werden, -r^ Doch diese Bemerkungen gehören nicht 
zu den von Newton aufgestelltpi) Behauptungen , die sich etwa 
j5o zusammen fassen lassen. 

Die Sonnenstrahlen , obgleich ßie uns ein wei&eis , farben- 
loses Licht darbieten, enthalten dennoch alle verschiedenen 
Ffirbep in ßiph. Diese im weifsea Sonnenstrahle enthaltenen 
Farbenstrahlen werden unß siclitbar, wenn durch Brechung die 
Bichtung des Straliles eine andere wird, indem dann, wegen 
der ungleichen Brechbarkeit der in jenem Strahle enthaltenen 
farbensfrahlen , dje^e nun nicht jnehj- unter sich parallel fort- 
gehen, sondern sich von einander trennen. Man beobachtet 
pämlich, dals der durch ein Prisma gebrochene Strahl ein Bild, 
aus Roth, Orange, Gelb, Grün, Blau, Violett, die in dieser 
Ordnung auf einander folgen , zusammengesetzt, darstellt ; diese 
Faxben alle gehen also aus jenem weifsen Strahle hervor. Sie 



Uraprung derselben» 45 

-sagen sich aber auch ganz als aus Zerlegung des weifsen Strah- 
^ Im entstanden , indem zwar jeder dieser farbigen Stralden be- 
londere Eigenschaften zeigt ; allemal aber wieder weifses Licht 
lierrorgeht, wenn man jene so vereinigt, dafs sie alle wieder in 
pnOeler Richtung fortgehen , odei^ in dem erleuchteten Puncto 
mammen treffen. Diese im Weifsen Strahle entlialtenen Far-* 
hostifahlen werden nuti nicht allein bei der Brechung im Prisma 

o 

gUrennt, sondern auch in unzähligen andern Fällen. Nur die- 
jpigen Körper ^ welche uns weils erscheinen , werfen alle Ar- 
ta Licht gleich gut zurück, und bei ihrer Erleuchtung durch 
& Sonne erhalten wir daher von ihnen ein eben so gemischtes 
lidltf wie das Sonnenlicht ist, und dieses zuriickgeworfetio 
lafst sich eben so , wie der Sonnenstrahl selbst , in Far- 
knstnhlen von ungleicher Brechbarkeit zerlegen. KOrper, die 
mii schwarz erscheinen , werfen gar kein Licht zurück , oder 
was diejenigen können eigentlich schwarz heifsen , die gar kein 
liebt zurückwerfen. Farbige Körper dagegen, wenn sie uns 
niffllich vob dem weifsen Sonnenlichte erleuchtet als farbig er- 
n, zeigen die Farbe derjenigen Strahlen , die entweder 
oder in vorherrschendem Mafse von ihnen zurückgewor- 
werden. Die von ihnen ^u uns gelangenden Strahlen ha- 
les eben die Brechbarkeit j wie die ihnen gleichfarbigen Strah- 
Jn im prismatischen Sonnenbilde ; indeCs ist kaum irgend ein 
, der so im strengsten Sinne nur eine Farbe zurückwürfe^ 
dab nicht einiges fremdes Licht beigemischt sey ; deshalb zei- 
feii sich im blauen Lichte zwar selbst die Körper , die wir im 
wcilsen Lichte roth sahen , blau, aber in einem weniger lebhaf- 
Im Blau, weil sie sehr wenig geschickt sind, die blauen Strah- 
len zurückzuwerfen. 

Einen vorzüglich wichtigen Theil der Untersuchungen 
lEWTOs's macht also die ungleiche Brechbarkeit der verschie- 
n farbigen Strahlen aus. Vermöge dieser ungleichen Brech- 
it vsrird der Sonnenstrahl, dessen Theile vor der Brechung 
parallel fortgingen, in Farbenstrahlen zerlegt, die uns darum 
In sichtbar werden , weil, jeder bei der Brechung eine von 
Richtung des andern verschiedene Richtung erlangt und da- 
:'4«r abgesondert sichtbar wird. Darauf beruiit die in die Länge 
«Digedehnte Form des prismatischen Sonnenbildes , welches als 
«DS einer ganzen Folge farbiger, runder Sonnenbilder zusam- 
pengesetzt anzusehen ist. Jeder der so getrennten Farben- 







46 Farbe. 

strahlen zeigt bei einer neuen Bi'echting eben dieseKe Re&an- 
gibilität , der rothe nämlich ^ der bei der ersten Brechung am 
mindesten brechbar war , am wenigsten von seinem Wege ab- 
gelenkt wurde , zeigt sich atich jetzt in eben dem Grade brech« 
bar, statt dafs det Zuerst stark gebtochene blaue Strahl auch bei ' 
der zweiten Brechung stSiker gebrochen wirdi Auf eben dieser 
Eigenschaft beruht es aber auch , dab die Strahlen wieder zv , 
einer unter sich parallelen Richtung gelangen, wenn man sie 
eine zweite Brechung durch ein dem ersten genau gleiches Prisma/ 
leiden läfst, welches so gestellt ist, daTs beide zusammen eia 
Parallelepipedüm bilden. Die dann nach der Brechung durch 
beide Prismen hervorgehenden Strahlen sind wieder weifs , da 
die farbigen Strahlen so gemischt zum Auge gelangen , wie et 
im ursprünglichen SonnenstiraMe der Fall war^ 

£beh diese ungleiche Brechbarkeit findet man bei den von* 
farbigen Körpern ausgehenden Farbenstrahlen« Bringt man eine 
Toth bemalte und eine blau bemalte Fläche neben einander vaii 
besieht sie durch das Prisma , so findet Itnan die Richtung , itf 
Welcher die blauen Strahlen zum Auge kommen , Staiker Totf 
der ursprünglichen Richtung abweichend, als es bei den rotfaen' 
der Fall ist. Diese Ungleichheit der Brechbarkeit zeigt sich in 
den Farbenrändem , die wir durch das Prisma an allen Flächoi 
bemerken, die gemischtes, verschiedenfarbiges^ Licht zurück« 
wetfen^ solche Flächen erscheinen dagegen deutlich begrenzt^ 
frei von diesem farbigen Rande, wenn sie mit einfarbigem Licht» 
erleuchtet werden. 

Dafs die verschiedenen Farben in ihrer Zusammensetzung, 
oder indem sie gemischt auf das Auge wirken, und zwar in dem 
Verhältnisse gemischt , wie sie im Sonnenstrahle sind , die Em-, 
piindung des Weils hervorbringen, läfst sich auch durch eine |* 
Mischung farbiger Stoffe in einem, jenem Verhältnils mög- 
lichst gemäfsen Verhältnisse genommen, zeigen. Eine solche |^i 
Mischung nämlich erscheint in der Sonne zwar nicht völlig 
weifs , weil alle Körper , und so auch diese Farbenstoffe , eio^ 
grofse Menge Licht verschlucken ; aber sie zeigt sich so weiA,' ■' 
als man in Beziehung auf diesen Lichtverlust nur immer erwar- 1^ 
ten kann. 

Da ich die einzelnen Erscheinungen nachher noch genaaer 
angeben muls und dabei der Newton'schen Ansicht gröfstentfaeib 
folgen werde « so reicht hier diese kurze Andeutung hin. 



Ursprung derselben. 47 

4^ Nbitttoh's Gegner, unter denen die meiften kaum ver- 
men genan^: zu werden, zählt t. Gothb auf. Man sieht 
odich^ dab der geistreichere Theil der Physiker auf seine 
ite trat; nur Lucas ^ , dessen Hauptversuch ich im Art. Brtch^ 
\rheU No. 8- gnihdlich betrachtet su haben glaube , setzte dex 
Bfwton'scheto Theorie etwas Grühdiiches entgegen, Mahiottk^ 
kaiiDte «ifrichtig an, dals sich manche Erscheinungen nach 
KWTOV liditig erklären lassen ^ und wenn er Einiges nicht 
UkomnMn. mit seiner Erfahrung übereinstimmend fand, so 
dachte er wohl nicht, wie schwer es ist, jede Zumischung 
•mden Lichtes zu Vermeiden ; Kizzetti giebt (wie V. Güthk 

ansdrückt) „ tmgeschickter Weise" zu viel vöii Newton's 
hauptungen zu , obgleich er die Lehre von den trüben Mit- 
a zum Grunde seiner Farberrtheorie machte« Die spätem 
lysiker erscheinen in v^ Goi'Iie's Darstellung als gläubige 
Mshbeter dessen, was Newton gelehrt hatte; richtiger sagt 
tn wohl, dab Newton^s Ansicht sich bei Wiederholter Be- 
chtung immer melir bewährte, und dafs Voltaire Hecht 
rte xa sagen , die ganze Welt Werde sich endlich unterwerfen 
d niemand den Triumph der Vernunft auf die Länge hindern. 
^8TBii trat zwar als Gegner auf, aber v. GÖthe selbst findet 
( seinem Werke nur di^ Invectiven gegen Newton's Dar- 
llnng vnirdig , um mitgetheilt zu werden , da das Uebrige zur 
ffderung dieser Lehre wenig beigeti*agen habe. Fast eben 
»es gilt von Gavtie& und den wenigen andern ^ die sich g^- 
a T^KWTOi erklärten^. 

Als «in sehr bedeutender Gegner Newtov's mu£s zwar 

EvLXR erwähnt werden; aber nicht dageg^i, ob aus dem 
siben Lichte durch ungleiche Brechbarkeit die verschieden- 
■bigen Strahlen hervorgingen, hat EuLEa Zweifel erhoben, 
ndem hierin ist er, der durch Newton 's* Autorität sich nie 
t blenden lassen , völlig auf Newton's Seite. Was er gegen 
tWTOV bemerkte, bedarf nur die Behauptung, dals diese un- 
eiche Brechung in verschiedenen Körpern so übereinstimmen- 
n Verhältnissen folge , dals kein Aufheben der Farben mög- 
^ sey, ohne die Brechung selbst aufzuheben« Newtos hatte 

1 T. GÖthe. U. 4S5 

2 8. 446. 

5 8. 529. 543. 



48 Farbe. 

auf diese Meiming die Behauptung gegründet, dab es uninSg- 
lich sey, dioptrische Fernrohre zu machen , die die Gegenstände 
farbenlos zeigten ; und auf Newtos^s Autorität gestutzt, glanht» 
DoLLOsn zuerst Eulka's Ansicht fiir unrichtig erklären sn dür- 
fen. Aber sehr bald siegte die Wahrheit über NeWtov^s Auto- 
rität und bekanntlich wurde Dolloxo, der allerdings raent 
durch diese Autorität geblendet war, der berühmteste Veiferti* 
ger derjenigen Femröhre , die er vorhin für unmöglich gehaheB 
hatte. Der ganze 8treit gehört, da er nicht den Ursprung dar 
Farbenstrahlen aus dem weilsen Strahle betrifi^, nicht liieiher; 
aber er steigt, wie Unrecht T. GÖthb hat, welin er glanb^ 
NEWToa's grofse Autorität scy es , welche alle Physiker bewo- 
gen habe , seine Irrthümer für Wahrheit anzusehen. 

Aber dieser Sieg der Newton^schen Farbenlehre ist dennoä 
au£s Neue zweifelhaft geworden durch den Beifall, welehem T« 
GÖthe^s Farbenlehre und die dieser beigefugten, hart taddiH 
den, Einwürfe gegen Newtom in Deutschland gefunden habeii 
Diese Farbenlehre geht zwar von Phänomenen ans, die jed« 
mathematische Physiker nach Newtos's Ansichten voUkommes 
befriedigend meint erklären zu können J aber da V. Gotük diest 
Erklärung nicht mit seinen Vorstellungen vereinigen konnte, 10 
>ibersieht man leicht, wie die Ueberzeugung in v. Gothe ent- 
stehen mochte , Newton sey nur durch Eigensinn und durch 
absichtliches Verhehlen dessen , -was sich nicht mit seiner Theo- 
rie vertrug, dazu gelangt, seiner Meinung einen Schein voa 
Wahrheit zu geben , und seine Nachfolger hätten blols als Vor- 
urtheilsvoUe , durch Autorität geblendete Anhänger seine Vei- 
theidigung übernommen. 

5* Vov GÖTHE erzählt selbst^ seine ersten optbchen Ver- 
suche. Er betrachtete durch das Prisma die Wand eines völlig 1. 
geweilsten Zinuners und erwartete die ganze weilse Wand nach 
verschiedenen Stufen gefärbt zu sehen * ; er war verwundert, sifi 



. k 



1 Farbenlehre. IX. 678. 

2 Mao kann sich hier der Frage nicht enthalten, wie soDtt 
denn die Wand gefärbt seyn? *— Sollte das eine Siebentel roth, das 
zweite orange n. s. w. seyu? — Dann mülste «ich aber ja die Aus- 
dehnung des Roth ändern , wenn die Länge der Wand sich änderte. 
Oder sollte die ganze Wand in bunte Streifen getheilt seyn, -wo ae 
jede« Tiolet sich wieder Roth anschlösse? -r- Aber wie breit sollte 
denn dieser Streifen seyn? -— Es scheint, dals v« Gothe sich eiof 



Ursprung derselben. 49 

nooh immer treib zn sehen , so isSs nur , tvo' ein dunkles daran 
stiefs , sich eine mehr oder weniger entschiedene Farbe zeigte ; 
es bedurfte für ihn keiner langen Ueberlegung, um zu erken- 
nen , dafs zum Entstehen dieser Farbe eine Grhnze nothwendig 
sey; ubd so sprach er durcli einen Instinct sogleicli aus^ dafs 
die Newton'sche Lehre falsch sey. Die beiden sich immer ein- 
ander entgegengesetzten Händer, das Uebereinandergreifen über 
einen hellen Streif und das dadurch entstehende Grün , wie die 
Entstehung des Rothen beim Uebereinandergreifen über einen 
dunkeln Streif; alles entwickelte sich Vor ihm nach und nach. 
Der Gegensatz Von warmen und kalten Farben der Maler zeigte 
sich hier in abgesonderten blauen und gelben Rändern. Da9 
Blaue erschien gleichsam als Schleier des Schwarzen, so wie 
sich das Gelbe als ein. Schleier des Weifsen bewies« Das alles 
schieb sich an dasjenige an, was die Kunst von Licht und Schat- 
ten lehrt u. Sk w. -*- v. Guthe zog einen Physiker zu Rafhe, 
der ihm sagte, alle diese Phänomene wären Newton und allen 
Physikern bekannt und längst erklärt ; aber es gelang weder die«- 
sem, noch ist es später irgend jemand gelungen, dem berühmten 
Verf» der Farbenlehre klar zu machen, was man unter unglei- 
cher Brechbarkeit Verstehe, und warum man behaupte, das 
Violett werde stärker als das Gelb gebrochen« Die Newtonianer 
haben es sehr übel genommen, dafs v. GÖthe sich darin nicht 
finden konnte; aber man hatte Unrecht, von einem grofsen 
Dichter, der die Farben mit dem Auge des Malers betrachtete, 
zu fordern , dafs er mit mathematischer Schärfe den Weg des 
Lichtstrahls verfolgen sollte» 

„ Ein entschiedenes Aper9Ü ist als eine inoculirte Krankheit 
anzusehen," sagt v. Gothe selbst, — „man wird sie nicht 
los!" — und so schritt also das Bestreben , Newton zu wider- 
legen und die neue Farbenlelure zu befestigen , fort. Die ßei'* 
träge zur Optik erregten wenig Aufmerksamkeit , und ich gehe 
daher gleich zu dem schon oft angeführten Hauptwerke : Zur 
Farbenlehre, — über, welches 1810 erschien. Ich theile den 
Inhalt etwas umständlich mit. 

Um nicht dem Vorwurfe [ausgesetzt zu seyn , als liefse ich 
etwas fehlen, das vielleicht zu besserer Begründung nöthig wäre, 



ganz klare nnd pracise BeantworUmg der Frage , was nach Nitwtoh 
denn eigentlich erfolgen müsse, nie gegeben. hat« 
IV. Bd. D ' 



50 Farbe. 

theile ich hier anch den Iilhalt ie% et^ten AhschnitteslSiesesBn« 
ches mit, obgleich „die physiologischen Farben'^ nicht eigent- 
lich zu dem hier tu betrachtenden Gegenstande gehOreli. . 

„Die Retina befindet sich, je nachdem licht oder Finster^ 
nifo auf sie wirken, in entgegengesetzten anständen; im gant 
finftem Baume wird uns ein Mahgei empfindbar, dem Ange fisUt 
jen^ reizende Berührung mit der äufserli Welt ; im starken lichn 
wird das Aug4> geblendet, es ist überspannt, statt dals es dmf 
in der htichsten Abspannung Von Empfänglichkeit war. Bm 
detai, was wir -Sehen h^ifsen, befindet sich die Nefzhaut zli g^en 
eher 2eit in verschiedenen Zuständen ; die höchste , nicht blen- 
dende Helle wirkt neben dem völlig Dunkeln, und zugleich 
Wfetden wir alle Mittelstufen des Helldunkeln und alle Faxbea- 
bestimmungto gi^Wahr. Schwarz und Weib gehen , gleichzei- 
tig betrachtet^ dem Auge neben einander die Zustände, die wir 
als hach einander durch Licht nnd Finstemils bewirkt^ angeboi. 
Beide Zustände, zu Welchen das Organ durch solche Bilder be« K 
stimmt i^rd , bestehen auf demselben örtlich, und dauern seliMt h 
nach Entfernung der auTslKm Veranlassung noch eine Weile föit h 
Blicken wir voh dem glänzenden Gt^genstande auf eine grans h 
Fläche , so sthen wir dort ein dunkles Bild , jenem glänzendez 
ähnlich, und die dunkle Umgebung jenes Glänzenden scheint 
uns hier eine hellere ; es wird also eine Umkehrung des Zustan- 
des bewirkt, die sich gut genug so erklären läfst, dab der Ort 
der Betina , wohin das dunkle Bild fiel , als ausgeiuhet anzase ^ 
hen ist, weshalb die mafsig erhellte Fläche, auf ^welche oua 
nachher sein Auge richtet , lebhafter auf ihn , als auf den stärk« 
in Thätigkeit gesetzten Theil wirkt. Aus denselben GrunM 
erscheint , wenn man eine Vor grauem Grunde stehende weifo pi 
Fläche lange angesehen hat, nach dem Wegnehmen der weilsini 
Fläche der graue Grund an derselben Stelle dunkler. '' 

Eine Erscheinung, die mehr mit dem Hauptgegenstand% 
der uns hier beschäftigt , zusammenhängt, ist folgende. „Maa 
lasse im dunkeln Zimmer das durch eine runde Oeffhunsr ein^t 
fallende Sonnenlicht auf weifses Papier fallen , sehe diesen a* 
leuchteten Kreis lange an , schliefse die Oeilnung und sehe nack 
einem ganz dunkeln Theile des Zimmers : so wird man eins 
runde Erscheinung vor sich schweben sehen , in der die Mittr 
des Kreises hell, farbenlos, einigermaisen gelb, der Rand abei 
purpurfarbig erscheint. Es dauert einige Zeit, bis diese Pijurpur- 



ai 



I 



Ursprung derselben. 51 

Ue von auben herein den ganzen Kreis sudeckt und endlich 
b heOen Mittelpunct völlig vertreibt. Kaum aber erscheint 
b guize Rand purpurfarbig, so fangt der Rand an blau zu wer- 
I», ia Blaue nimmt immer mehr den mittlem Raum ein , bis 
kAnpar ganz verdrängt ütt; ist dann die Erscheinung ganz 

tl, 10 entsteht ein dunkler und unfarbiger Rand, der endlich 
mm immer kleiner werdende Bild ganz verdrängt. Ilaben 
Mk dagegen den lebhaften Lichteindruck eines erleuchteten 
eben so aufgenommen und sehen nun im malbig erleuch« 
Zimm^ auf einen hellgrauen Gegenstand, so schwebt ein 
Phänomen vor uns , das sich nach und nach von aufsen 
onem grünen Rande einfafst, dieser verbreitet sich liinein- 
ober das ganze Bild, und nun ent|feht ein schmutzig gel- 
(i von tufsen immer mehr die Sclieibe ausfüllender Rand, 
W coffich wird auch dieses von einer Unfarbe verschlungen/^ 

tfflä man farbige Flächen lange starr angesehen, so folgt 
ein anders gefärbtes Bild , und zwar wenn man das durch 
Farbe angestrengte Auge auf weilsen Grund richtet, sieht 
Ik Violett statt einer gelben Fläche, Blau, wenn jene orange 
k Foipmr (volles schönes Roth) statt des Grünen, und so um- 
Ihbt. Die genannten Farben fordern also wechselseitig eine 
Pf andre. Das Auge verlangt dabei Totalität und schliefst in 
den Farbenkreis ab ; denn in dem vom Gelb geforderten Vio- 
liegt Roth und Blau, in dem vom Roth geforderten Grün 
iGelb und Blau u. s. f. Etwas diesem Gemäfses zei^ren die 
Schatten. Läfst man die von zwei Lichtem geworfe- 
Schatten eines Gegenstandes auf eine weifse Fläche fallen, 
aber, dals durch vorgehaltenes farbiges Glas das eine 
ein fiffbiges' Licht auf die weifse Fläche werfe , ao er- 
der von diesem Lichte erleuchtete Schatten eben so se-* 
t, der andre Schatten aber zeigt die zugehörige geforderte 

•nUnd Her tritt nun eine wichtige Betrachtung ein^ , nam- 

tdie Farbe selbst ist ein Schattiges (axugov) und wie sie mit 

Schatten verwandt ist, so verbindet sie sich auch gern mit 

sie erscheint gern in ihm und durch ihn , wo sieb nur der 

dazu darbietet. Das energische Licht erscheint rein weifs 

.diesen Eindrack macht es auch im höchsten Grade der 



1 T. Göthe'a Worte. I. 8. 29. 

D 2 






52 Farbe. 

Blendung ; clas schwächer tSrirkende Licht kann zwar auch far- 
benlos bleiben , aber es findet sich leicht eine Farbenerschei- 
nung dabei ein. Die Retina kann durch ein starkes Licht so 
gereizt werden , dafs sie schwächere Lichter gar nicht erkennt; 
erkennt sie solche , so erscheinen sie farbig , und es sieht boib 
Beispiel ein Kerzenlicht bei Tage r^thlich -aus« Doch giebt m 
auch schwache blauliche Lichter. Wenn man nahe an eum 
wpifse oder grauliche Wand Nachts ein Licht stellt, so wirJ 
sie von diesem Mittelpuncte aus ziemlich weit hin erleuchtet 
Betrachtet man deh daher entstehenden Kreis aus einiger Fenii^ 
so erscheint uns der Rand der erleuchteten Fläche mit einen 
gelben , nach aufsen rothgelben, Kreise umgeben, und wir wer-' 
den gewahr , dafs das ^schwächte Licht uns den Eindruck dtf 
Gelben, Rothgelben, Rothen giebt. " ^"^ 

6. Diesen Betrachtungen und Versuchen folgen nun dieün- 
tersuchungen über die physischen Farben y deren Inhalt folgen- 
der ist; 

), Das höchst energische Licht , Wie das der Sonne , des in 
Lebehsluft brennenden Phosphors u* a. ist blendend und. färben« 
los * dieses Licht durch ein nur wenig trübes Mittel gesehen, er-' 
scheint gelb. Nimmt die Trübe eines solchen Mittels zu, odet 
wird seine Tiefe vermehrt, so sahen wir das Licht eine gelbro- 
the Farbe annehmen, die sich endlich zum Rubinrothen steigert. 
Wird hingegen durch ein trübes, von einem darauf fallenden 
Lichte erleuchtetes Mittel die Finstemifs gesehen, so erscheirt 
uns eine blaue Farbe , welche immer lieller und blässer "vnri^ 
je mehr sich die Trübe des Mittels vermehrt , hingegen imm«. 
dunkler und satter, je durchsichtiger die Trübe werden mag, jt 
bei dem mindesten Grade der reinsten Trübe als das schönste 
Violett dem Auge sichtbar wird. Jenes so gemäfsigte Licht er- 
scheint nicht blofs dem Auge gelbroth , sondern wirft auch auf 
die Gegenstände einen gelbrothen Schein , und der blaue HioH 
mel macht dagegen in der Camera obscura ein blaues Bild. Hier- 
aus erhellet, warum der Himmel und dunlde Berge blaii erschein 
neu , und warum die Sonne am Horizonte roth erscheint. " 

[Gegenbemerkung. Es ist gewifs, dafs es manche triibe 
Mittel giebt, die uns jene Erscheinungen zeigen; aber dieses 
ist nicht die allgemeine Eigenschaft des Trüben , sondern die 
Erscheinung beruht darauf, dafs jene trüben Mittel die roth^ 
und gelben Strolilen in grc>f serer Menge durchlassen, die blauen 



I 



l 



Ur^pruug derselben. 53 

in gröfserer Menge zurückwerfen. "W^are es eine allgemeine Ei- 
genschaft des Trüben, dafs es das geschwächte Licht roth zeigte, 
so müfste es kein IVIedium geben, welclies das geschwächte Lioht 
>veifs zeigte ; aber ein solciies IVIedium haben wir an den wasse- 
rigen Dampfen , an den Wolken und feuchten Nebeln. Wenn 
ein dicker, nasser Ilerbstnebel die Erde bedeckt, und nicht eher 
die Sonne za sehen erlaubt , bis sie schon hoch über dem Ho- 
lisonte steht , so erscheint uns die matt durch den Nebel blik- 
kende Sonne silben.veils , obgleich ihr Licht so geschwächt ist, 
dafk sie das Auge gar nicht blendet. Eben so silberweifs er- 
scheint sie uns , wenn sie durch ^Volken scheint , während sie 
hoch über dem Horizonte steht. Und diese Erscheinung der 
Sonne durch feuclite Nebel und Wolken ist um so merkwürdi- 
ger , da auch der von der Sonne beschienene Nebel und die das 
Sonnenlicht zurückwerfende Wolken uns völlig weib erschei- 
nen. Wir haben hier also ein trübes IVIittel, w^elches alle Arten 
von Farbenstralilen , die im Sonnenliclite enthalten sind , gleich 
gut durchläfst, so dafs ihre IVIischung uns, der Schwächung 
angeachtet , immer noch ein reines Weifs zeigt , und ^velc]les 
alle Arten von Farbenstrahlen in gleichem . JVIafse zurückwirft, 
weshalb sie uns vom Sonnenlichte beschienen, (oder indem 
wir [mit Guthe zu reden,] durch sie die Finsteniifs sehen,) 
als rein weifs erscheinen. 

Andre trübe Älittel, z. B. die von wässerigen Dünsten freie 
Luft , der Bauch u. a« haben dagegen die Eigenschaft, zwar alle 
Farbenstrahlen in einigem Mafse, aber doch die gelben und ro- 
ihen am reichlichsten durchzulassen, und dagegen die blauen 
Strahlen reichlicher als irgend eine andre Art von Strahlen zu- 
rückzuwerfen. Wie sich hieraus die Abendröthe und die Farbe 
der Luft bei der Dämmerung erklärt, habe ich in den Art. Abend- 
rolfie und Dänunerung gezeigt, wo ich auch bemerkt habe, dafs 
die Abendröthe , sofern ihr Both auch da , wo das Auge in den 
finstem leeren Baum gerichtet ist, beobachtet wird, sich gar 
nicht nach v. Göthe erklären lälst. 

Aber Güthe's eigne AVorte deuten auf etwas hin , das, 
mehr ins Klare gesetzt, asu dieser eben entwickelten Ansicht 
führt Wenn man die Finsternils durch das trübe JMittel sieht, 
80 fordert v. Gothe mitBecht, dafs dieses Mittel von einem 
darauf fallenden Lichte erleuchtet seyn soll. Erleuchtet aber«eigt 
sich uns ein Gegenstand nur dann , wenn er Licht zurückwirft, 



54 . Farbe. 

und V« GoTBE gesteht alxo selbst, dafs es hier das erleuchtete 
trübe Blittel üt, welche uns durch zurückgeworfene Strahles 
sichtbar wird. £s fehlt also nichts, als dafs wir hinxiifugeii, 
dals es durch zurückgeworfene blaue Lichtstrahlen uns als Mui 
sichtbar wird. 

Das hier Gesante findlet nun auch auf andere trübe Mittel 

o 

z. B. weilses Glas , (Knochenglas) Anwendung. Dieses Gla( 
wirft zwar viele Lichtstrahlen aller Art zurück, und erschekl 
uns deshalb als weifs : aber es erscheint uns als blaulich weifL 
weil ein UebermaC» blauer Strahlen zurückgeworfen wird* "Wa- 
gen der sehr vielen zurückgeworfenen Strahlen ist das durchga* 
lassene Licht überhaupt sehr schwach, und da die vee 
durchgehenden Strahlen ihr Blau gänzlich verloren haben', 
mufs jeder durch dieses Glas gesehene leuchtende Ktfrper 
sehr rothgelb erscheinen , und es bliebe allenfalls nur noch & 
Frage übrig, ob nicht das Roth, welches uns durch dieses Glil 
gesehen die Sonne zeigt, nicht noch w^eniger Gelb enthält, ab 
es nach dem Verluste der blauen Strahlen billig enthalten S0II1& 

Eine andere Betrachtung' scheint mir ebenfalls anzudeuteiii 
dafs das Blau nicht blofs eine getrübte Finstemüüs ist. Es giebC 
nKmlich Sterne mit blauem , ja nach Heu sc he l , auch mit gr&> 
nem und mit violettem Lichte. Haben die rötlilichen Sterns 
ihr rothes Licht duher, weil es durch trübe Mittel zu uns 
kömmt, w^oher haben dann jene ihr blaues Licht? — Diese FrtgB 
scheint doch nur ia dem Bekenntnifs , es gebe ein m sich xo« 
thes, es gebe ein an sich blaues Licht, ihre Beantwortung SB 
finden K ] 

V. GoTHE bemerkt femer : „Die blaue Erscheinung an im 
untern Theile des Kerzenlichtes gehört auch hieher. Man sidtf 
diese blaue Farbe nur vor einem dunkeln Hintergrunde, und 
wird nichts Blaues gewahr , wenn man die Flamme vor weifsem 
Grunde sieht. Es ist also der untere Theil der Flamme nndio 
auch die Weingeistflamme als ein feiner Dimst anzusehen , der 
vor der dunkeln Fläche sichtbar wird. " 

[Gegenbemerkung. Die Weingeistflamme besitzt ein eigen* 
thümlich blaues Licht. Woher käme es sonst , dafs da , wO i* 
Dunkel die Erleuchtung allein von Weingeistflammen ausgefatf 



1 Vergl. lÄBrmit die Beob. ia Tillocli und Taylers philos. Bl** 
gas. and Joornal 1824. 208. 317. 






Ursprung derselben« 55 

alle Körper sich auf die bekannte auffallende Weise zeigen, 
ganz dem gemäfs , was eine Licbtmischung , in welcher Blau 
vorherrscht , bewirken mufs. Aber auch der von v, GÖthe 
angeführte Versuch braucht nur etwas vollkommener angestellt 
zn werden , um ein Zeugnüs gegen ihn abzulegen. Es ist walir, 
dab eine Weingeistilamme von 1 Zoll Durchmesser sich nicht 
als Blau zeigt, wenn man sie vor einem sehr hellen Hinter- 
grunde sieht; aber man begielse auf einer Metaliplatte einen 
schmalen , 12 Zoll langen llaum mit Weingeist , stelle am Tage 
ein vom blolsen Tageslichte erleuchtetes w^eifsesJPapier so auf, 
daTs das lAuge über die ganze Länge jenes Streifes nach dem Pa- 
pier hinsieht ; dann sieht man , nachdem der Weingeii>t ange- 
zündet ist, das Papier allerdings blau, oder sieht es von einer 
blauen Flamme verdeckt« Ist das weilse Papier von der Sonne 
selbst erleuchtet , so sieht man wieder kein Blau ; aber es erhel- 
let nun leicht, da& man nur eine 50 oder 100 Zoll lange Flamme 
anwenden dürfte , um auch lüer das, in Vergleichung gegen den 
blendenden weijsen Glanz aU^^u schwache , blaue Licht gewahr 
zu werden.] 

„Der Grund des Meeres erscheint den Tauchern purpur- 
farben, (tief roth), wobei das Meerwasser als trübes, tiefes 
Mittel wirkt. " 

[Gegenbemerkung. Da das Meer an der Oberfläche grün 
erscheint, so erhellet, dafs das Meerwasser aulser den blauen 
Strahlen auch di^ grünen und viele gelbe zurückwirft ; es blei- 
ben also bei dieser Zerlegung in zm'ückgeworfenes und durch- 
gelassenes Licht nur die tief rothen und vielleicht die orange 
und einige gelbe Strahlen übrig, welche durchgelassen werden 
und die Sonne dort unten als tief roth zeigen müssen. Es wäre 
zu w^ünschen , dafs ein Göthianer sich einmal in der Taucher- 
glocke auf den Boden des Meeres begäbe und dort da« prisma- 
tische Sonnenbild beobachtete : er würde ganz gewils einen sehr 
schwachen, grünen, blauen, violetten Farbenrand sehen ^ da» 
viel wetiif^er lan«; aus£[edehnte FarbenbUd aber blols tief roth 
mit einem nicht sehr leuchtenden orangefarbenem und gelben 
Rande erblicken, und so aus der Tiefe des Meeres die 
Ueberzeugung, dafs Nbwtom's Theorie die richtige ist) mit- 
bnngen.] 

v. GÖTHK glaubt in dem Bisherigen die Urphänomene, aus 
denen sich nun die Erklärung aller einzelnen Erscheinungen er- 



56 Farbe. 

gfihe j datgestellt zu haben ^ , und ich glaube daher die DaisteU 
long hier abbrechen zu dürfen, indem ich mir vorbehalte, seine 
Ansichten über einzelne Erscheinungen nach und nach am ge- 
hörigen Orte zu erwähnen. 

Von den zahlreichen Anhängern yov Gothe's sage lA 
hier nichts , da sie schwerlich etwas anführen können, "virodurdi 
sie diese Lehre gründlicher befestigt hatten , einige InTectiven 
-gegen Newton und die Newtonianer abgerechnet', 

7. Die bisherigen Erörterungen betrafen nur die näohfta 
Ursache der Farben - Entstehung, Wenn wir aber auch , wia 
der gröfste Theil der Physiker, diese darin finden, dafs die 
Lichtstrahlen alle Arten von Farbenstrahlen in sich enthakeoBi 
ijnd dafs bei der Brechung diese getrennt und bei dem AuffalTeD 
auf Körper nur gewisse Strahlen zurückgeworfen werden, so 1 
drängt sich uns doch noch die weitere Untersuchung auf, 'worin 
denn nun im Wesen der Lichtstrahlen der Unterschied bestelle, 
der die Empfindung der Farbenverschiedenheit hervorbringt 
Man hat mit Hecht gesagt , die ungleiche Brechbarkeit sey doch 
nur eine Eigenschaft der Farbenstrahlen und nicht das Wesen 
dor Farbe selbst. 

Diese Frage scheint sich mit unsem jetzigen Kcnntnissea 
noch gar nicht beantworten zu lassen , und , das Wenige , was 
man darüber zu sagen im Stande ist , kömmt ungefähr auf Fol- 
gendes zurück. 

Nach der Emanationstheorie j welche Lichttheilchen an« 
nimmt , die von den Körpern ausgehen , müssen wir eine Ver- 
schiedenheit in der Natur dieser Lichttheilchen selbst zugeste* 
hen. Die Theilchen, welche den violetten Strahl bilden, müs* 
sen eine stärkere Verwandtschaft zu den Körpern haben , und 
mehr voii ihnen angezogen werden ; dadurch wird denn aller- 
dings eine stärkere Brechung hervorgebracht. Diese Verwandt- 
schaft der einzelnen Arten von Lichttheilchen ist bei jedem Kör- 
per anders , und obgleich die violetten Strahlen allemal mehr als 
die übrigen angezogen werden , so ist doch defr Grad der Ver- 
schiedenheit der Anziehung für violette , grüne, rothe Strahlen, 
keinesweges bei allen Körpern gleich, — Die ungleiche Zer- 



1 S. 67. 

2 Selbst was der verdienstvolle Seebeck lu Schweigg, Journal. I. 
4. als Farbeutheorie- mittheilt, ist wenig belehrend. 



Ursjjrung derselben. 57 

itreamig der Farben nöthiget una , eine solche Verschiedenheit 
zuzugestehen, ^ 

Die in der Folge anzuführenden chemischen Wirkungen 
der Farbenstrahlen ^ stimmen mit der Behauptung, dafs die vio* 
letten Strahlen mehr von den Körpern angezogen werden, iiberr 
ein; denn diese sitid es, welche die gröfsten chemischen Wir-p 
klingen hervorbringen. Was aber der Grund sey, warum ver- 
schiedene Körper die eine oder andere Art von Lichtstrahlen 
in gröiserer McEnge zurückwerfen? — Worin die ungleiche 
Einwirkung auf unser Auge bestehe ? -^ Diese und viele an« 
dere Fragen können wir noch nicht mit Gewifsheit beantworten, 
da Newtqh's Ansicht, es hänge dieses von der Grölse der 
Theilchen ab , doch nur hypothetisch ist. 

Auch die Vertheidiger der Un4ulation8theorie sehen di6 
ungleiche Brechbarkeit der Farbenstrahlen als einen Hauptum-» 
stand an , dessen Ursache nachgewiesen werden muISs., Da nach 
dieser Ansicht die Brechung auf einer verminderten Geschwin-^ 
digkeit der Lichtwellen in dem dichtem Körper beruht, SQ 
müüste die Geschwindigkeit der violetten Strahlen am meisten 
vermindert "werden. Dieses anzunehmen , hält Eulee nicht der 
Natur der Sache angemessen, sondern glaubt, man müsse die 
Einw^irkung der folgenden Lichtwellen auf die vorhergehenden 
in Betrachtung ziehen , und erhalte die Brechung da am stärk-» 
sten , \vo die Wellen am wenigsten häufig auf einander folgen, 
also die gröfsten Zwischenräume lassen. Hiemach hinge also 
^e Empfindung der Farbe von der ungleichen Zahl der in glei-r 
eher Zeit das Auge treffendei) Liclitwellen ab , und die rothe 
Farbe erschiene uns da , wo die zahlreichsten , in den kürzesten 
Zeiträumen einander folgenden Lichtwellen das Auge treffen; 
die violetten Strahlen entsprächen den breitesten Wellen. Diese 
ungleichen Wellen müTsten also durch entsprechende Ungleich- 
heiten in den Vibrationen des leuchtenden Körpers zuerst erregt 
Verden, und fanden dadurch in den von ihnen ausgehenden 
Lichtstrahlen statt, Wefm diese Strahlen die Oberfläche der- 
uns sichtbaren Körper berühren , so entsteht eine kleine Zusam- 
mendrückung der Theilchen j und nun theilt sich , bei durch- 
sichtigen Körpern , diese den benachbarten Theilchen so mit, 
dafs die Lichtwellien durch den Körper ihren Fortgang finden ; 



1 S. unten No. 18. 



58 Farbe, 

I 

bei undurchsichtigen dagegen wird dem umgehenden Aethn 
durch diese getrofFeneni Theilchen eine neue vibiirendo Bewe* 
guog eingedrückt, nach deren Verschiedenheit die uns erschei- 
nende Farbe der Kl5rper ungleich ist , die Farbe eines KOrpen 
hängt also hiemach von der Elasticität ihrer kleinsten Theilchen 
und der Einwirkung ab, die sie auf den Aether auTsemS .In 
Art* Liühi wird die ganze Theozie noch näher betrachtet werden. 

Das prismatische Farbenbild/ 

8» Wenn man durch eine kleine O^nung die SonnenslTah- 
len in ein finsteres Zimmer fallen läCst , so bildet sich' auf einer 
dem Lichtstrahle senkrecht gegenüber gestellten Ebene ein rnn- 
des Sonnenbild ohne Farben, Fängt man das Sonnenbild auf 
einer weifsen Ebene aaf| so erscheint es weifSt Aber wenn 
man in diesen Sonnenstrahlen ein Prisma aufstellt, so dab dis 
JUchtung der einfallenden Strahlen in einer gegen diß Kanten 
des Prismas senkrecht gelegten Ebene des Querschnitts des Pris- 
mas liegt, so geigen die so im Prisma gebrochenen Sonnenstrah- 
len ein farbiges Sonnenbild. X)as sonst runde Sonnenbild er- 
scheint in die Länge ausgedehnt , uijd ist am einen Ende rothi 
am andern violett gefärbt. Die Strahlen werden inoi Prisma g&« 
hrochen und jenes Farbenbüd zeigt sich g^z* so wie es erschei- 
nen müliste, wenn Stralilen von verschiedener Farbe, deren je- 
der eine etwas andere Brechbarkeit hätten, zugleich von der 
Sonne ausgingen. Wir wollen uns , als Hypothese einmal den- 
ken, die Sonne sende uns im einem Augenblick rothe, im an- 
dern. grüne, im dritten violette Strahlen zu, und jede Art von 
Farbenstrahlen habe eine bestimmte Brechbarkeit, die aber bei 
den rothen Strahlen geringer als bei den grünen, bei den grü- 
nen geringer als bei den violetten sey : »o würde sich ujis das 
durch dos Prisma dargestellte Sonnenbild nicht allein bald rotii, 
.bald grün, bald violett zeigen, sondern sich auch bald in F^ 
nl'bald in Hh, bald in 6g darstellen. Es würde nämlich der 
vom obern Sonnenrande der rothen Sonne kommende Strahl 
ABC nach CDF gebrochen, der vom untern Bande der rothen 
Sonne kommende Strahl aB c nach cdf gebrochen werdexi und so 
würde sich offenbar: in Ff eiu rothes Sonnenbild darstellen. Die 



1 Euleri opuscuia Tom. I. p. 169. |. 



giiine Sonne würde ihre Strahlen eben so durch die OeSnung 
B senden , aber da wir annehmen, die grünen Strahlen wcbrden 
mehr gebrochen , eo würde das durchs Prisma hervorgebrachte 
grüne Bfld mehr Ton dem Orte K, ^yohin das ungebrochene 
Sonnenbild fiel, entfernt etwa in Hh liegen ; das Bild der vio« 
leiten Sonne, noch weiter entfenit, nach 6g £[illen, und je 
nachdem bald die rothe,. bald die grüne, bald die violette Sonn« 
schiene , hätten wir diese ungleich gefärbten Sonnenbilder nach 
der Brechung auch in einer verschiedenen Lage^ 

Sendet die Sonne alle diese verschiedenfarbigen Strahlen 
acngleich aus , und sind der Farben noch mehrere , so müssen 
diese einzelnen Farbenbilder einander bedecken , und vereinigt 
ein langes Farbenbild Fg darstellen, in welchem das am wenig-» 
sten brechbare -Roth am einen Ende , das am meisten briechbare 
Violett am andern Ende am lebhaftesten hervortreten, in der 
Bfitte aber ein Uebergang von einem Farbenbilde zum andern 
statt finden wird. Wir könnten aber jene Farbenbilder einzeln 
dargestellt erhalten , wenn wir in L verschiedene gefärbte Mittel 
aufstellten ; wovon das eine nur die rothen , das andere nur die 
violetten liohtstrahlen und so weiter, durchlielsen , und da^ 
V; MuMCHOW den Versuch angestellt luid wirklich solche ge- 
trennte Farbenbilder erhalten hat, so haben wir alles Recht zu 
behanpten, jene blofs hypothetisch angenommene Voraussetzung 
zeige sich der Erfahrung so gemäls, dols wir uns zu dem Sat^e« 



1 AstrODi Zeitschr« von ▼• Lindenan nnd r. Bobnenberger II. 455« 
Die irolieni Yersnche voa Hassenfratz (Aun. de Chimie LXYI. B14« 
JLXYII. 5.) scheinen nicht so bekannt geworden 2a seyn, als sie ver- 
dienteiu Ich selbst habe diese Versuche so wiederholt, dafs ich hei 
L eine Röhre mit gefärbten Flüssigkeiten aufstellte. Der Lichtstrahl 
ging durch diese mit der Axe der Röhre paraMel , und traf die bei- 
den paralieleu Glasplatten, welche die Grundflächen dieses Gylinders 
bildeten, senkrecht. Indem er so 3u dem Prisma gelangte und auf 
die gewohnliche Weise gebrochen wurde, stellte sich im recht fin- 
stern Zimmer das zwar geschwächte, aber doch deutliche Sonnenbild 
so d^Tf daTs, wenn die Flüssigkeit verdünnte Lakmustinctur war, das 
tief rothe Bild rnnd und mit Dunkel von allen Seiten umgeben er- 
schien; etwas davon abstehend zeigte sich ein. verlängertes blaues und 
Tiolettes Bild; die orangenfleirbenen und gelben Strahlen aber waren 
ganz unterdrückt, so dafs an der Stelle des Farbenhildea die sonst 
die hellste ist , gar nichts zu se^en war ; vom Grün zeigte sich kaum 
ein matter Ucbeirest an dem blauen nnd violetten Bilde. 



6» Farbe, 

iui Soime sende uns wiiklich sokJ^ verschiedenfarbige Strah- 
len zu j hingeleitet hnden K 

Diese einzehiep farbigen , runden Sonnenbilder deutlich zu 
sehen, hat Hehschel noch ein anderes Büttel angegeben^. 
Wenn man das durch das Prisma auf die gewöhnliche Weise 
dargestellte , auf weifsem Papier aufgefemgene Sonnenbild durch 
ein rothes Purpurglas , woran noch ein ziemlich rein rothes Glas 
gelegt ist, besieht, so erscheint jenes Farbenbild völlig kreis- 
förmig , wohlbegrenzt und tief roth. Das aus jenen zwei das- 
artßn zusammengesetzte Glas läfst nämlich nur die am allerwe- 
nigsten brechbaren rothen und. keine anderen Strahlen durch, utid 
für das Auge , welches durch dieses Glas sieht ^ ist es eben so 
jgu^ als ob die übrigen gar nicht da w^ären.; dieses Auge erkennt 
also das rein rothe Soanenbild und sieht es rund , so wie es sich 
bei Strahlen von gleicher Brechbarkeit immer zeigen muls. 

Wir sind also wohl berechtigt zu sagen, die Farbenstrah- 
len entstehen aus den weiüsen Sonnenstrahlen wirklich so , dals 
wir diese weifsen Strahlen als aus jenen gemischt ansehen dür- 
p. fen. Das in die Länge ausgedehnte Sonnenbild besteht aus ei- 
14^ner Reihe runder Farbenbilder, die wegen ihrer ungleichen 
Brechbarkeit jedes auf einen andern Platz fallen , aber , nahe an 
einander gereiht, sich einander bedecken und daher alle Uebei- 
gänge von einer Farbe in die andere darstellen. Die sich hier 
zeigenden Farben sind ein tujts Roth an dem Ende des Farben- 
bildes, wo die am wenigsten gebrochenen Strahlen hinfallen; 
Orange schliefst sich daran an und bildet den Uebergang zum 
Gelb \ an das Gelb schliefst sich Grün und dann ein lebhaftes 
Bf au , das weiterhin dunkler wird und endlich in Violett über- 
geht. Violett ist die am meisten gebrochene Farbe. 

Aber nicht bh>ls eitstehen diese Farbenstrablen aus dem 



u ■ > ■ 



1 Die«e T^llig von einander getrennten Bilder sind also keine 
Mahrphen , wie Götue II. 504. meint. 

2 Philos. Transact. pf the Edinb. Sog. 1%, 445, Ancli. diesen 
Yersttch findet man bestätigt, wenn man das Soaneubild wie.gewöhn-^ 
lieh auffängt; es dann aber dnrph jene mit Lakmustinctur gefällte 
Bohre besieht ; auch da erspheiut das rothe Bild ganz rein und rund. 
Dieser Versuch gelingt selbst, wenn die Verfiqsterung des Zimmers 
nicht sehr sorgfältig au Stande gebracht ist, statt dafs der in der 
vorigen Anmerkung erwähnte, ein recht gut verfinsterte« Zimmer 
fordert. 



prismatische. . 61 

weifsen StraMe, sondern ihife Mischung bildet auch wiedeir 
-weiTs , und aus diesem Grunde aeigt sich auch imter gewissen 
Umständen ein Theil des durch ein Prisma hervorgebrachten pt 
Sonnenbildes weils. Wenn nämlich AC der vom obern Son- 13. 
nenrande | a c der vom untern ausgehende , durch die OeJBTiliing 
B einfallende Strahl ist, so hat man bei g den rein violetten^ 
bei F den rein rothen Rand des auf einer weilsett Tafel N M 
aufgefangenen Sonnenbildes« Fiele blofs ein einziger, aus al« 
len Farben gemischter Strahl a c ein , so würde dessen grüner 
Theil nach h , sein rother Theil nach f gelangen ; aber ganz 
ge\vi(s gelangt auch zu dem zwischen C und c liegenden Puncte 
U ein Lichtstrahl Von einem etwas vom imtern Sonnenrand» 
entfefnten Puncte , der seineh violetten Theil nach h wirft und 
also dort das Grün mit F^iolett mischt, und eben so gelangt 
nach einem andern Puncte v ein Sonnenstrahl, der sein Vlo'ieit 
nach f wiift, wo es mit dem Roth des in c auffallenden Strahles 
nnd mit dem GtUn des in u auffallenden Strahles gemischt wird ; 
wegen dieser Mischung aller Arten von Farbenstrahlen sieht tm- 
ser Auge die Fläche in f weifs, weil eine Erleuchtung durch 
alle Arten Von Farbenstrahlen im bestimmten VerhSltnifs uns die 
Empfindung des Weilsen giebt. Eben diese Betrachtungen fin- 
den bei allen gegen die Mitte des auf NM aufgefangenen Son- 
nenbildes statt« Nur gegen die Grenze g hin treten Blau und 
Violett , gegen die -Grenze F hin Orange imd Roth als Farben- 
ränder hervor, während in der Mitte das Soimenbild wei/s ist. 
Entfernt man die Tafel M N weiter vom Prisma , so wird , wie 
die Figur zeigt, das Farbenbild eines nicht gröfser, als die 
Sonne, erscheinenden Gegenstandes immer deutlicher hervor- 
treten. In F' g' z. B. mischt sich , wenn der gezeichnete mitt- 
lere Strahl den grünen bedeutet, in den ganzen Theil F' f noch 
gar kein grünes oder blaues Licht, und an dem Roth wird sich 
deutlicher als in MN das Orange und Gelb zeigqn; eben so wird 
von g' bis G' das Violett und Blau durch mindere Mischung mit 
Grün oder Gelb , reiner erscheinen ; zwisciien G' und H' sind 
Violett und Blau mit etwas Grün, zwischen f und H' sind Roth, 
Gelb mit Grün gemischt ; aber zwischen f und G' tritt ein Grün 
hervor , das nur mit Blau von der einen Seite , mit Gelb von 
der andern Seite gemischt, aber von Violett und Roth ganz 
frei ist. 

9- Um zu sehen , wie diese Lage der einzelnen Farbenbil- 



68 FArb«, 

der genau beetimmbar ist, vriül ich die Richtang der durch den 
Mittelpunct der Öeffnung B gehenden Strahlen nach der Jire« 
chung berechnen» 

Essey ACX== 9, ABassa, aoX^s^ '¥ ^i ^® ^^* 

fenmng BCaaa^ foiatCc =5 ^ - . 'f\\ ««gleich behannt 

m 
Das VerhSltnifa der Sinns bei der Brechung sey wie 1 • ^ « ^^ 

CT = b, so ist Cos. DCTsss— Cos, 9, 

, _- __ b . Sin. DCY - -»wn-r^-w 

"^ ^^ ^ Si»v(DCY + CYb) » '^"™ *^ ~*^ ^^^ 
leicht gefunden wird» 

Um ein wirkliches Beispiel zu berechnen, sey Ba=s 4 Zoll 
u Y CS 1 Zoll , der Winkel Y= 60 Grade. Ich will annehmen, 
das Prisma sey so gestellt, daÜs der in Du enthaltene grüne 
Strahl im Innern des Prismas die Winkel dnY'r=udY = 
60* bilde. Ich will B u als vom Mittelpüncte der Sonne her- 
kommend annehmen , so dafs der vom untern Sonnehrande her- 
kommende Sonnenstrahl a c mit ihm einen Winkel u B c = 16 IVE- 
nuten macht. Die Brechungsverhältnisse nehme ich so an , wie 
sie nach Fraubthofek ^ mitgetheilt sind, für Roth = 1,63074, 
Grün= 1,64349, Violett = 1,65203. Dann ist erstHch für 
den grünen vom Mittelpimcte der Sonne ausgehende Stzahl 
duY = 60**; XuB = 34** 44' 23"=9, 
udY = 60*; ZdW = 34* 44' 23" 

Für den grünen , vom untern Rande ausgehenden Strahl ist 
Xca = 35'* 0' 23" 
d'cYlÄÖO« 6^ 26" 
Yd'c=59** 53' 34" 
Zd'h'=34*' 28^ 16". 

Die beiden grünen Strahlen divergiren fast ganz genau eben so' 
wie sie es vor der Brechung thaten. £s lälst sich leicht über-* 
sehen, dafs dieses auch auf einen dritten grünen Strahl anwend- 
bar sey, der vom obern Sonnenrande ausginge. Hierauf grün- 
det sich die fast ganz genaue Kreisform eines reinen einfarbigen 
Bildes. 



1 8, Art« Brechhariceit ; am Ende. 



prismatische. 63 

ZiT^eitens. Abet mid emhält der Strahl Bn, fiir Welchen 
» Winkel BuX = 34*- 44'* 23" ist, anch violettes Licht, 
eichet v'Stiirker gebrochen ^ ein wenig von der Bichtimg des 
ränen Strahb abweicht; für dieses ist 

Yud =60*10' 14" 

Ydu =59* 49^ 46" » 

ZdW==»33* sr 26" 
Dieser violette Strahl macht also mit dem forhin mit ihm 
stimndenen grUnen Strahle einen Winkel von 52 Minuten; 
»er auch mit dem vom nntem Sonnenrande herkommenden 
iinen Strahle einen Winkel von 36 Minuten, so dafs er diesen 
tztem irgend wo schneiden wird« 

Ich will noch die Berechnung fHr einen vom obem Son- 
wrände herkommenden violetten Strahl hinaufiigen , far wel- 
len d^r Winkel 

BGX=:34'' 28^ 23" würde, also 

eCY = 60* 3' 54" 

YeC = 59^56' 6" 

ZeG=«34*' 8^ 30" 

. Jy&T vom obem Rande kommende violette Strahl schneidet 
\o den aus der Mitte der Sonne kommenden «minen Strahl un- 

o 

' einen Winkel von 36 Minuten« 

Drittens. Der vom untern Sonnenrande aussehende Son- 
nstrahl enthalt zwar auch einen violetten Antheil; aber icl^i 
U hier nur den rothen betrachten ^ weil dieser sich zn einer 
smuschnng mit dem Strahle G D H hin neigt. Für diesen ein« 
iienden Strahl a c war a c X = 35* 0' 23" 
und es ist also Ycd = 59 50 56 

Ydc=60 9 4 
Zdf =35 44 36 

dals der rothe Strahl mit dem ihm vorhin verbundenen grii- 
n einen Winkel von 76 Minuten und selbst mit dein von der 
it^e der Sonne kommendem grünen Strahle einen Winkel von 
I Minuten macht. 

Um nun zu sehen, wie die Farbenmischung in einiger Ent- 
mong vom Prisma seyn wird, sey Yu=l, uB=4. Da 
SB = 34* 44' 23" und GBu = 0^ 16' war, so ist 
^ 1=0,03245; Yc = 1,03245 für den ^vom untem Rande 
^ 1=0,03289; YG = 0,96710 für dfen vom obern Rande 
»mmenden Strahl. dY für den grünen Strahl=l^ dagegen Ye für 



64 . Farbe, 

^n Tioletten vom obem Sonnenrande hetkommenden StttU 
SS 0,96838. Yd für den rothen vom mitem Sonneniande bar- 
kommenden Strahl =5 1,02927* Zwischen dem grünen «u den 
Mittelpmicte der Sonne kommenden Strahle und 4em vid 



Vom obem Rande kommenden ist also auf der HinterfiKche dM 
Prismas eitl Abstand 0,03162 ; und von eben jenem grünen Uf 
ttu dem rothen , vom untern Rande kommenden ^ ein Abstani 
e= 0,02927» Daraus ergiebt sich leicht, dafs jener violette mit 
dem grünen aus dem Mittelpuncte in der Entfernung = 1,70^ 
dieser rothe mit dem grünen aus dem Mittelpuncte in der Ent- 
fernung s= 0f98 sich duirchschueidet. 

Bis zu der Entfernung = 1 kommen also für die biet vo^ 
ausgesetzten Abmessungen in der Mitte des Bildes noch Strahlei 
von allen Farben vor, die hier dem Lichtstrahle dargeboteM 
weifse Fläche wird also noch von allen Farben etleuchtet uiü 
erscheint daher , da wo die grünen Strahlen aus der Mitte der 
Sontie hinfallen , weiis. In gröfserer Entfernung findet eine » 
aus allen Farben zusammengesetzte Mischung der Strahlen nicfat 
mehr statt , aber immer wird noch das grüne Sonnenbild an sei- 
ner einen Seite dtuch blaue , an seiner andern Seite durch gelbe 
Strahlen etwas von seiner Reinheit vei^liereu. 

Es sey in einer Entfernung Y S = a eine Ebene S T untn 
dem Winkel Von 55* 16' = YS T gegen die Seite des Prismas 
geneigt gelegt, so fangt diese die gebrochenen Strahlen zien- 
lich senkrecht auf, und auf ihr ist der Abstand der einzelnei 
Strahlen von S durch folgende Zahlen ausgedrückt : 

Es sey für den aus der Mitte der Sonne kommenden grünen 
Stralil dS=20 in Vergleichung gegen Yu = 1 , uB=4i 
so ist der von S an gerechnete Abstand bis zu dem Puncte , wo 

1. der grüne Strahl aus der Mitte der Sonne eintriffiL 
= 11,397. 

2. Wo der grüne Strahl vom obern Rande eintrifft = 11,482^ 

3. Wo der grüne Strahl vom untern Rande der Sonne ein- 
trifft =11, 302. 

4* Wo der violette Strahl vom obern Rande eintxiffi 

= 11,244. 

5. Wo der rothe Strahl vom untern Rande eintiift 

= 11,684. 

6. Wo der violette Strahl vom untern Rande 
= 11,053. 



fe 



prismatische./ 65 

7- Wo der rothe StraM vom obem Rande eintxifi^ 

- Die Breite des Farbenbildes an dieser Stelle wctre also dem 
nxchiiiesser des grünen Sonnenbildes gleich c=: 0>19« Die 
inse Lange = 11^73 — 11,053 

s= 03^9 viermal so grols, und man hätte von der 
itte des Grün bis Ende des Grün 0)095 

bis zum nächsten Violett 0,153 

bis zum entferntesten Violett 0344* 
bis zum nächsten Roth 0,287 

bis zum entferntesten Roth 0,476* 
Das Grün nimmt, wie auch aus Fraünhofeii's Angaben 
imittelbar erhellet, nicht die Mitte des FarbenbUdes ein, 
id die Lage der drei berechneten Bilder würde so seyn , wie 15, 
le Zeichnung sie angiebt. Diese Bestimmungen bedürfen noch 
ner Verbesserung , weil die Oeffhung B , wodurch das Licht 
Dgelassen wird, doch nicht ein mathematischer Punct seyn 
nn. Wegen dieses Umstandes ist auch dasjenige Sonnenbild, 
18 "wir ungebrochen auf einer weilsen Tafel auffangen , mit ei- 
m Halbschatten umgeben und aus demselben Grunde erscheint 
s Farbenbild liicht so seharf begrenzt , als es bei einem durch 
D äuCserst enge Oeffnvmg eindringenden Lichtstrahle der Fall 
yn sollte. Diesem Umstände wird abgeholfen, wenn man ein 
nvexes Glas vor die Oe£Pnung stellt; dadurch nämlich wird 
(wirkt, dafs die von einem einzigen Puncte der Sonne ausge- 
Süden Strahlen, obgleich sie durch verschiedene Puncte der 
efinnng gehen, in einem einzigen Puncte vereinigt werden, 
id wenn sie nicht durch das Prisma gingen und an dem rieh- 
ren Orte aufgefangen würden, ein ganz reines Sonnenbild, 
ine Halbschatten und unabhängig von der Gröfse der Oeffnung, 
xstellen würden. Die vorigen Betrachtungen aber zeigen wohl, 
b auch die Brechung im Prisma das runde Sonnenbild rund 
ben würde, wenn das Sonnenlicht nur eine Farbe, nur Strah- 
a von gleicher Brechbarkeit enthielte , und es lälst sich daher 
ic^t der Beweis führen , dals das reine Sonnenbild nun auch 
n von Halbschatten freies rothes Bild nach der Brechung durch 
IS Prisma geben würde , wenn die Sonne uns nur rotlie Strah- 
n zusendete, und, kurz, dafs wir das prismatische Bild ganz 
► , wie es einer sehr kleinen OeflBiung entspräche , sehen wer- 
m , wenn wir uns des Gonvexglases bedienen , und das Bild 
IV. Bd. ' E 



66 Farbe^ 

an dem der Sammlung der SttaMen entsprechenden Ponctt hin- 
ter dem Prisma auffangen *. 

10. Die eben geüthrte Berechnung zeigt , dab d^r Durch* 
messer jedes Sonnenbildes Von der Gröl^ ihres scheinbareil 
Durchmessers abhängt ; die Entfernung der MlttelpuHcte des hh 
then und violetten Bildes aber dnrch die ungleiche Brechung 
dieser verschiedenfarbigen Strahlen bestimmt wird* Es "wer* 
den daher die in Fig. 14. dargestellten Sonnehbilder weniger in 
einander greifen , die Farben werden reiner Von einander ge« 
trennt erscheinen , wenn man ein Bild von kleinerem Halbmes*- 

p. ser sich verschafft» 

16. Es sey B eine Oeftnung Von einer Linie Dunshmesscr, durch 
welche die Sonnenstrahlen einfallen ; man stellte dem durch sie 
einfallenden SoUnehstrahle in 40 Zoll = 480 Lin. Entfemni^ 
eine andere kleine Oeflfnung C gegenüber , so kann nicht mein 
die ganze Sonne ihre Strahlen auf C werfen^ sondern der Sehe« 
Winkel, Unter Welchem Von C aus die Oefihung B erscheint, 
wird nur etwas üb6r 7 Minuten betragen, und bei der vorigen 

pj Stellung des Prismas gegert die OefFnung C würde das Sonnen- 

17. bild nun wie in Figv 17* erscheinen, wo ef das rothe, cd das 
grüne , a b das violette Bild darstellt , die also weit besser nn-» 
vermischt erscheinen. 

Erst wenn man die Strahlen so Von einander getrennt 
hat, kann man genaue Versuche über das homogene\ einfarbige 
Licht anstellen, z. B. die bestimmte Brechbarkeit jedes ein- 
zelnen Farbenstrahls angeben; und selbst dann können die 
Versuche nur da glücken , wo alles fremde Licht ausgeschlos- ' 
sen ist» 

11. Dafs man durch die Mischung aller Strahlen wieder 
Weifs erhält, lafst sich aus dem Vorigen übersehen, indeüli ist 
folgender Versuch Ne WTC n's zu wichtig, um hier üT>ergangetf 
zu werden ^, Man lasse das durch das Prisma in Farbenstrahletf 
zerlegte Licht auf ein hinlänglich grofses convexes Linsenglü 
fallen , damit dieses divergirende Licht in einer gewissen Ent- 
fernung hinter dem Glase in ein Bild gesammelt werde. HXb 
man dann ein weifses Papier zwischen dem Glase und dem 
Puncte , wo das Bild sich deutlich zeigt, so sieht man noch 



1 Newtoai Optlce p. 65; 

2 Ibid. p. 112. 



I 

prismatische. 67 

einzelnen Farben , nMhert man es dem Vereinignngspuncte , so 
nicken die Farben näher an einandei'', und im Vereinigtings^ 
puncto sind sie völlig vermischt und zeigen lein ganz reines 
Weilsy ein rundes, weifses Sohnenbild. Jenseits des Vereini* 
gnngspnnctes trennen sich die Farbenstrahlen wieder und er* 
scheinen in umgekehrter Ordnung, so dafs das vorhin am un« 
fem Rande erscheinende Roth nun am obern Rande lie<n u. s. w. 
Wenn man das weifse Papier in jenem Vereinigungspuncte 
aufstellt; aber einige Farbenstrahleii hindert, auf das Glas zufal- 
len , so erhält man nicht mehr ein weifses Sonnenbüd , sondern 
ein so gefärbtes Bild , wie es die Mischung der noch übrigen 
Farben fordert, nämlich orangefarben, wenn man die violet-* 
ten, grünen und blauen Stralilen ausschliefst, und so in allen 
andern Fallen. 

12. Diese Behauptungen sind es , gegen welche v. Gothb 
mit einer auffallenden Bitterkeit in. seiner Farbenlehre kämpft. 
Die dortigen Einwürfe einzeln zu beleuchten, ist aber unn^thig, 
da die Newton'sche Theorie sich durch ihre AnWendun<j überall 
rechtfertigt und nur da, wo die Thätigkeit unsers Auges ein- 
wirkt. Einiges übrig bleibt, wovon sich nicht genau Rechen- 
schaft geben lälst. 

Man hat seit langer Zeit denen , die das Copernicanische 
Weltsystem und die Newton'schen Attractionsgesetze nicht als 
richtig anerkennen wollen, nichts anders entgegen zu setzen 
nöthig gefunden , als dafs alle Erscheinungen am Himmel sich 
nach diesem Systeme und nach diesen Attractionsgesetzen vor- 
aus berechnen lassen , und dafs man nur denen Gehör zu geben 
brauche , die entweder in diesen Rechnungen Fehler und in ih- 
ren Resultaten Abweichungen von der Erfahrung nachweisen, 
oder eine neue Theorie , eben so geeignet zur pünctlicheiji Vor- 
ausberechkiung, tmd eben so vollkommen mit den Erscheinun- 
gen zusammenstimmend aufstellen. Eben so , glaube ich, kann 
man sagen : da die Lehre , dafs die verschiedenfarbigen Licht- 
strahlen aus dem weilsen Lichtstrahle entstehen und ungleiche 
Brechbaikeit besitzen, zur Berechnung der Fernröhre mit; so 
•Btschiedenem Glücke angewandt ist, da DotLoirn und Frauk- 
novWKj unstreitig die gröfsten Künstler, die man in Beziehung 
auf diesen Gegenstand nennen kann , in ihr die Grundlage der 
Kunst, fsurbenlose Bilder in den Fernröhren. zu erhalten, fanden, 
und sich ihrer zu genauen rechnenden Bestimmungen bedient 

E 2 



68 Farbe, 

haben, die mit dör Erfahrung in vollkommener Uebereinstiin- 
mung sind : fio hat man nur nöthig^ diejenigen Einwürfe zu b^ 
rücksichtigen) die in diesen Rechnungen Fehler aufdecken, und 
nur diejenigen neuen Theorien können hoffen^ einst' die Stelle 
der Newton^schen einzunehmen , die eben so die Grundlage stn 
JBerechnung achromatischer Fernröhre abgeben können-. TOl 
iGÖTHE^s Theorie wird auf diesen Ruhm, da£s man mit üirer 
Hülfe achromatische Fernrohre berechnen könne, gewifs nie 
Anspruch machen , da sie nichts enthült, was je zu technendfcn, 
genauen Bestimmungen führen könnte, sondern sich mit Aus- 
drücken begnügt, die einem mathematischen Physiker immer als 
höchst unbeMedigend erscheinen müssen. Ich werde dies jetzt 
umständlicher zeigen, v. GÖth*'« "Worte machen hier den 
Text, die in Klammern eingeschlossenen Bemerkungen den 
Comtnentar oder die Noten aus. 

„ Gegenstände dtirch mehr oder minder dichte Mittel ge- 
sehen , erscheinen uns nicht an der Stelle, an tler sie sich nach 
dfen Regeln der ^Perspective befinden sollten. Wir können dies 
so ausdrücken , dafs dei: Bezti'g der Gegenstände Verändert, ver- 
rückt werde; es zeigt sich eine Verrückung des Gesehenen» 
Diese Verrückung bleibt uns unkenntlich, so lange keine Grenze 
des Gesehenen ins Auge gefafst V^drd , und deshalb halten wir 
uns vorzüglich an die Verrücküng des begrenzt Gesehenen, 
oder an die Verrückung des Bildes. Die Refraction kann ihre 
Wir^'^^^g ätifsern^ ohne dafs man eine Farbenerscheinung ge- 
wahr werde» Sx> sehr auch das unbegrenzt Gesehene, eine 
farbenlose oder einfach gefärbte Flache, verrückt werde, so zeigt 
sich keine Farbe.'' 

[Da v> GoTHS dieses als einen Einwurf gegen dieNewtoil'- 
sche Thet)rie betrachtet, so mufs ich wohl einige Worte über 
diesen Gegenstand sageuv Wenn ich eine völlig weifse Wand 
diirch das Prisma ansehe , so erscheint sie allerdings weifs , imd 
dies aus Gründen , die eben nicht so schwer verständlich schei-' 
18. nen. Es sey a ein Punct der Fläche , der sich übrigens durch 
nichts Von dem neben ihm liegenden b , oder vielmehr von al- 
len denen, die um und neben ihm liegen, auszeichnet, indem 
sie alle ak weils vorausgesetzt werden , und hier von keiner 
Grenze die Rede seyn soll. Da a weiTses Licht auf das Prisma 
sendet, so wird dieses in seine Farbenstrahlen zerlegt, und de 
sey der äulserste viole^e, dg der äuCserst rothe Strahl. In ef 



prismatische« 69 

befinde sich die OefFnung deis- Auges, welches also t^on a den 
violetten Strahl empfangt. Es sey ferner b.ein anderer Punct 
der Fläche , gerade so hegend, dafs ein von ihm auf das Prisma 
fiadlender Strahl so gebrochen werde , dab er seinen aidsersten 
röthen Theil parallel mil^ d e , in i f auf das Auge sende ; dann 
lä&t sich doch wohl leicht einsehen, daXs zwischen a und b eine 
Jleihe von Puncten liegt , die alle Arten von Strahlen von mitt-^ 
lerer Biechbarkeit ,. (der eine den orangefarbenen j der andere 
den gelben , der dritte den grünen Strahl und so alle zwischen-^ 
liegenden) zwischen de, if, und parallell mit ihnen, dem 
Auge zusenden. Das Auge empfängt also in der Richtung de 
fin aus allen Farben gemischtes, also Weifses Licht, üiid da' es 
wegen der vorausgesetzten vollkommenen Gleichheit aller Puncte 
gar. lucfat fBrkennt, welchen Antheil jeder der Puncte an dieser 
Aussendjjpg. von licht hat , so sagt diese Empfindung uns nur, 
daJCs wir die Gegend der Fläche, die hier unserem Auge vor-^ 
iiegty die ihre Strahlen in ^nser Auge sendet, weifs sehen. 
Richten wi« unser Auge nach andern Puncten des Prismas, so 
lassen sich eben solche Puncte der weifsen Fläche nachweisen, 
deren gemischter und vereinigter Eindruck dem Auge Weifs 
zeigt« ! ' 

Hierin liegt in der That ein so vollgültiger Beweis für die» 
Behauptung , dafs mitten im Weifs sich nichts von Farbe sei« 
gen kann, dalb es unbegreiflich scheint, wie v. Göthe^ hier 
die w^eifse Wand „nach verschiedenen Stufen gefärbt'^ zu sehen 
erwarten konnte ; und nichts wurde für mich und alle Newto-« 
nianer belehrender seyn , als wenn er uns genau zeigen wollte, 
welche Theile der Wand denn, nach einer consequenten Durch- 
führung der Newton'schen Hypothese, roth, gelb, grün, er- 
scheinen mufften. Diese Anforderung ist so billig, dafs ich fest 
überzeugt bin,' hätte jemand sie damals, als v. Ghthe seine 
ersten Versuche machte;,' ihm vorgelegt, er sie nicht abgelehnt, 
dann aber auch gewifs , bei der Sorgfalt , mit welcher er damals 
zu zeichnen gewohnt war , sich überzeugt haben würde , dafs 
diese Grenzen einzelner Farben mitten im unbegrenzten Weifs 
nirgends zu finden sind, und dals der Instinct^ hier irre zu lei- 
ten im Begriff sey. Ich «ehe Wohl ei)) , dafs Vt Göthe in dem, 



1 Bd« n. 8. 677. 
8 Ebend. 8. 678. 



70 Farbe, 

was ich eben, vorher ßl/^ Ne^^ton gesagt habe, eben lo gut 
wie in den Newton*8chen Versuchen „Taschenspielerbedingnn« 
gen^'^ finden wird; ich hoiTe daher auch gar nicht mit diesefn 
Beweise mehr zu leisten, ob meine Vorganger; aber bei mathe« 
matischen Gegenständen mufs man die Bedingungen piinctlioh an-f 
geben, und erhält dann auch strenge bestimmte Resultate, welche 
aufzusuchen freilich, wie Euklidks schon sagte, kein eigenet 
V^eg für Könige (und der Sänger soll ja i, mit dem König ge- 
ben'^,) gebahnt werden kann, — ] 

„ An den Bändern , wo sich eine weifse oder farbige FU- 
che gegen einen heuern oder dunklern Gegenstand abschneidet^ 
zeigt sich eine üaarbige- Erscheinung; — es müssen Bilder, be» 
grenzte Flächen', verrückt werden, wenn eine Farbenerschei- 
nung sich 3;eigen eoll.- Wird z, B. ein helles Rund auf dunkelii 
Grunde durch ein Linsenglas gesehen, so fii^det eineVerriicknng 
nach auljien statt, wir sehen es vergrölsert, und erblicken einett 
blauen Rand, Den Umkreis eben demselben Bildes können wir 
scheinbar nach dem Mittelpuncte hinein bewegen , wenn wir ^ 
durch ein coneaves Glas betrachten, wo es verkleinert, mit gel« 
bem Rande er^eint. Diese beiden Erscheinungen zeigen sieb, 
die blaue sowohl als die gelbe , an und über dem Weifsen ; v» 
nehmen, so fern siei über das Schwarze reichen, einen röthlichen 
{Scheii) an. VTir' haben hier in dem einen Falle den hellen Rani 
gegen die dunkle Fläche, in dem andern Falle den dunkeln 
Rand gegen die helle Fläche scheinbar geführt , eins durch das 
ftndere verdrängt, eins über das andere weggeschoben, — und 
darin liegt der Grund der Farbenerscheinung. Diese Umstände 
kommen nun beim Prisma und überall wieder vor. Bew^egen 
wir eine dunklere Grenze gegen das Helle , so geht der gelbf 
breitere Saum voran, der schmälere gelbrotheRand folgt mit der 
Grenze; rücken wir «ine helle Grenze gegen das Dunkle, so 
geht der violette Saum voraus und der schmälere blaue Rand 
folgt. . Diese Farben lassen sich aus der Lehre von trüben MBt' 
teln bequem ableiten. Denn wo der voreilende Saum des tra- 
ben Nebenbildes sich vom Dunkeln über das Helle zieht, er- 
scheint das Gelbe; umgekehrt, wo eine helle Begrenzung übe"« 
die dunkle Umgebung hinaustritt, erscheint das Blaue. lÄ^ 
voreilende Farbe ist immer die breitere. So greift die gell^^ 



1 Ebend. S. 681. Z. 4. ▼. n. 



prismatische. 71 

er das Licht mit eiäem breiten Saume, da aber, wo sie an 
s Dunkle grenzt , entstellt nach der Lehre der Steigerung und 
schattung y das Gelbrothe als ein schmälerer Hand u. s« w/^ 
[pals alle diese Erscheinungen sich nach Nkwton^s Theorie 
cht hlob mit vagen Worten erklären lassen , sondern dafs der 
eg der Lichtstrahlen sich genau berechnen läfst, ist aus dem 
»ligen schon bekannt. Aber ich gestehe , dals ich nie habe 
isehen können, wo denn bei y. Göthe die eigentliche Erklä- 
lg dieser dioptrischen Farbeii liegt. Dieses trÜbe Nebenbild 
es ja geradej dessen Entstehung erst erklärt werden soll, und 
nesweges dadurch erklärt wird, dab uns S. 85 niit vieler 
nst begreiflich gemacht wird , es kämen ja auch in andern 
len Nebenbilder vor. Wie diese Nebenbilder im Glasspiegel 
1 tonst entstehen, das ist bek^nt; aber indem wir unser 
Ig« «uf den Spiegel richten , glaubt der Verf. der Farbenlehre, 
ten wir die Frage vergessen, ob denn jene trüben Farbenbil- 
' eben so entstehen ? — *- Diese trüben Bilder sind .es eben, 

erklärt werden sollen. Freilich findet sich St 88. eine Er- 
rang, die mit dem berühmten horrör vacui die allergröfste 
inlichkeit hat, aber niemand befriedigen kann. Sie lautet 

„£s entsteht also, wenn die Refraction auf ein Bild wirkt, 
dem Hauptbilde ein Nebenbild , und zwar scheint es , dafs 

wahre Bild einigermafsen zurückbleibe , ^' „ „ und sich dem 
rücken gleichsatn widersetze." " -— Mit der Refraction geht 
»Iso ungefähr so 2;u: Einige vom Bilde ausgehende Licht- 
hlen sind nachgiebiger als andre , und lassen sich zu der ge- 
unten Fortrückung veranlassen , statt dafs andre etwas weni- 

geneigt sind, der Verrückung nachzugeben, oder mit New- 
r'« Worten, jene sind stärker brechbar, werden mehr von 
»m Wege abgelenkt , als diese , und zwar sind jenes die vio- 
en und blauen, dieses die gelben und rothen. Das was 
THS sagt , ist also unter versteckten Ausdrücken am Ende 
adQ nichts anders , als die Newton'sche stärkere Brechbarkeit, 
nn wenn ein Nebenbild dem Hauptbilde bei der Verrückung 
nnseilt, so ist es um mehr als dieses verrückt; da nun v. 
>THK den Ausdruck F'errüchung statt Brechung , Refraction^ 
sendet, so sage ich mit gleichem Rechte , das Nebenbild ist 
Itt gebrochen, als das Hauptbild« Nun sehen wir dies vor- 
teilende Nebenbild nur da , wo es über das Hauptbild Vor- 
'ift, also nur einen voreilenden Rand des mehr gebrochenen 



72 Farbe, 

Nebenbildes , welcher violett und blau ist. Da Wo HaaptbiU 
und Nebenbild zusammen fallen, sehen wir das Bild in vollem 
Lichte (weifs), aber wo die am trägsten zurückgebliebenen 
Theile des Bildes wieder an der hintern Seite über das, was 
nun einmal Nebenbild heifsen soll, vorragen, da zeigen sich,. 
als die der Verrückung am wenigsten nachgebenden, als die ani 
wenigsten gebrochenen Strahlen , die gelben und rothen« -^ -^ 
Wenn ich mir so v. Göthe's dunkle Rede verdeutliche, so kam 
ich sie besser fassen ; aber in dieser Uebersetznng würde dens 
freilich auch dieser Theil der.v. Göthe'schen Farbenlehre völlig 
über den Lethe gesetzt. Da sich alles andere in der Göthe'* 
sehen Farbentheorie auf diisse Betrachtungen stützt, da die stib« 
kere Farbenzerstreuung als ein durch chemische Mittel bewirktes 
"Weiteres Voreilen des Nebenbildes angesehen werden kann, nnd' 
damit die Achromasie diesem Begriffe vom Nebenbilde engeren 
het wird: so ist es nicht nöthig, länger hiebef zu verweilee, 
und ich gehe daher zu andern Frfahrungen über das prismati« 
sehe Fafbenbild über.] 

13* Der Raum, den jede einzelne Farbe im prismatischen 
Sonnenbilde einnimmt, ist ungleich, und selbst im Verhältnib 
gegen die Länge des ganzen Bildes ungleich , wenn man Pm* 
men von verschiedener Älaterie nimmt*. Die Abmessuiigeäi 
welche Newtoit für die Theile des Bildes, ->die sich alsllotiiy 
Orange u. s. w. zeigen , angiebt , können daher nur als ^in Bei-- 
spiel dienen, in'tvelcher Ordnung die Farben sich an einandoc 
reihen. Hätte Newtou nicht in der nahen Uebereinstimmung 
zwischen den Verhältnissen dieser Räume und den Schwin— ' 
gungszeiten der eine Tonleiter bildenden Töne ein Naturgesetz 
zu erkennen geglaubt , so würde er vielleicht nicht so übereite 
die Behauptung , dals keine Aufhebung der Farbe bei der Bre- 
chung und eben deshalb kein achromatisches dioptrische^ 
Femrohr möglich sey, ausgesprochen haben. Newtoit le^ 
den einzelnen Farben folgende Ausdehnung bei: Violett nimmC^ 
80 Theile, Indigo 40, Blau 60, Grün 60, Gelb 48, Orange 
27, Roth 45 Theile ein, wenn man das ganze^ Spectrum in 
360 Theile zerlegt. Könnte man zugleich dio Lichtstärke, die 
in jedem einzelnen Theile des Farbenbildes statt findet, ange- 
ben , SO' lielse sich über die Verhältnisse , in welchen die Fax- 

1 y.rgl. Art. Zerstreuung der Farbtn. 



fi 




pri^matiacbe. 73 

Imtrahlen gemischt 10301 mibaeni um Weib zu geben , et« 
Mit Genmieres bestimmen^. 

14. Welche Theile des FarbenbiMes der Sonne am meisten 
Udttuidl welche am wenigsten Licht besitzen, hat HkhschbCi 
VteoBcht^. £r bediente sich eines Mikroskops^ womit er ver-» 
e Gegenstände, die bald durch die eine^ bald durch die 
Art von Farbenstrahlen erleuchtet waren, betrachtete, 
zeigten sich die feinen Puncte , worauf er seine Auf- 
eit richtete, am stärksten erleuchtet, wenn sie sich in 

gelben Lichtstrahlen befanden, am besten dann, wenn man 
Kl in die Gegend des Farbenbildes brachte , wo das vollkom-* 
pfene Gelb in Grün überzugehen anfiüigt. Wenn man sich von 
Im^ Gegend nach einer oder der andern Seite entfernte , so 
llK £s £ileucfatung schwacher, im Orange schwächer als im 
■Itlb^ in Roth schwächer, als im Orange, nad eben so im 
ittfa ifafat ganz so stark als in jenem Uebergange vom Gdk 
IM Gfün, im blatten Lichte war die Erleuchtung immer schwä-» 
tkv, je mehr man sich von der Mitte des Farhenbildes ent-« 
Ikate, im Violett aber schwächer als in irgend einem der übri«« 
i|li Ftibenstrahlen« Heaschel bemerkt zugleich, dafs dio 
jajjhtiche Brechbarkeit der verschiedenfarbigen Strahlen sich 
Mmck zeigte, dafs die zum deutlichen Sehen nöthige Stellung 
h Instruments bei jeder Farbe eine andere war, und dals man 
^ dann die glänzenden Puncte an einem Nagel oder anderm 
jlhtdl als mit der einen Farbe glänzend erblickte , die man aufr 
fßßk liefs , "wenn man die Beimischung anders gefärbter Strah« 
ki logfältig vermied. 

FiAUHHOrzR hat diese Ungleichheit der Intensität noch 
(Mnier zu bestimmen gesucht, weil aie bei achromatischen 
fcmühren zu berücksichtigen ist, wenn man, die durch ver-» 
iddedene Farbenstrahlen mit ungleicher Stärke bewirkte Fär-» 
hmg des Bildes au&eben will. Er brachte in der Ocularröhro 
■Ms Femrohrs einen Metallspiegel an, der durch eine Lam- 
(Bniiamme erleuchtet wird, und dieses j in senkrechter Richtung 
l^eQ die Ocularröhre einfallende Licht} indem er es unter 

Neigung von 45 Graden äu£ßingt, gegen das Ocular unter 



1 Yergl. No. 19. 

2 Herscheis Unten, über die Natur der Sognenstraldeni übers. 
Hardiog. Celle 1801. S. 13. 



74 



Farbe, 



eben dem Winkel ssuiückwiift. Dieter Spiegel, den maft von 
der Flamme erleuchtet sieht , nimmt die Hälfte der Röhre eiop 
während, durch die andre Hälfte des Geaichtsfeldea ejuae da 
Farben des prismatischen Sonnenbildes gesehen "wird. Die ^ 
leuchtende Flaxmne kann verschiedene EntfemungeQ von jenem 
6piegel erhalten j wodurch dann die Erleuchtung des Spiegi 
stärker oder schwächer wird, und man kann folglich eine so! 
Entfernung der Flamme wählen , wobei der Eindruck , den dal 
Licht derselben durch das Ocular gesehen macht, |eben so sta^ 
ist, als der Eindruck einer durch die andre Hälfte d,es Ceaichti- 
4Felde8 gesehenen Farbe des prismatischen Sonnenbildes. Dil 
Entfernung der Flamme giebt dann auf die bekannte Weise 
Mals der Erleuchtung des Spiegels , da diese dem Qua4rate dsi 
Entfernungen umgekehrt proportional ist; eben dadurdi abfi 
erhält man auch die Intensität des yergUchnen Farbenstrsh)i 
FnAUHHOFBA bemedit, da& es «war etwas schwer ist^ Jatk 
von verschiedenen Farben mit einander %vl vergleichen ; . ab« 
einige Uebung erleichtert diese Ver^leichung« Die deichhdt 
der Intensität beider Lichter erkennt man daran, dals die nsflk 
der unveränderten Lage des Oculars i^barf sichtbare GreBU 
des Spiegais dann am wenigsten deutlich ins Auge fallt, 'WM 
die Intensität des Farbenstrahles mit dem Lichte , das d^er Sjpit- 
gel zurückwirfit, gleich ist» Die Versuche wurden mit rini* 
gen Abänderungen mehrmals wiederholt, unter andern- auohui 
dafs das Lampenlicht durch ein matt geschlüFenes Glas auf dil 
Spiegel fiel^, und durch die andere Hälfte des Fernrohrs eini 
von dem Farbenstrahle erleuchtete weifse Fläche gesehen wurda 
PI Der hellste Ort des Farbenbildes liegt ] um j- oder •{■ der ganza 
19. Länge desselben vom^rothen Endpuncte entfernt, und die gn*lL 
phische Darstellung zeigt, wie die' Verhältnisse der Intensitili 
in allen Theilen des Farbenbildes gefunden wurdet. Folgendi 
Zahlen geben diese Verhältnisse der Intensitäten an; 

J>eiB =0,032, 
bei C = 0,094. 
• bei D = 0,64. 

1 Diese Einrichtmig scheint noch besser, als die vorige, weflV 
hier im eigentlichen Sinne die Erleuchtung verglichen wird, statt daft b 
bei dem Beobachten der Flamme selbst, die claritas visa der FlanuM 
aar Yergleichong dient* 

2 G. LVI, SOI. 



gröftte = 1,00, 

bei E = 0,48, 

bei F = 0,17, ' 

bei 6 = 0,031, 

bei H = 0,006, 
ist das gesammte Licht in den ein^^elnen Theilen des Far- 
Ides etwa so verth^t , daüs 
im {(äume BC =3 0,021 des in DE vpThandene^ 

CD = 0,299— — -^ -.. ^ 
DE = 1,000— --W ^ ^ 

EF=:0328 — — -- ^ ^ 
F0 = 0,185 — — ^ ^ ^■ 

GH=0,035 — ^ ^ .■ 

In Yei^eichiing gegen die gana^a 3amme des lichtes 

i^nf B C s=? 0,0113 kcimmt, 

^ CD = 0,1599 

^ DE =;= 0,5354 

^EF = 0,1757 

~FG = 0,0990 

^ÖH= 0,0187 
niOFKli bemerkt} daft die Greqaeq des ganzen Farbenbil« 
:c|i schwer angeben lassen j ■ indem man bei recht lebhaf- 
«nf das Brisma fallendeni Lichte , wenn inan die hellem 
B des Farbenbildes verdeckt, nm das Auge nicht durch 
L blenden, noch weit über die gewöhnlich dem Auge sichti- 
L Greni^en hinaus ein Roth an dem einen und ein Violett 
•m andern Ende des Farbenbildes gewahr wird. Und die- 
immt mit dem iiberein, was der jüngere Hxrschel bei 
>ben (No. 7) erzählten Verbuche fand , daüs nämlich das 
. jene rothen Gläser gesehene runde Sonnenbild . so weit 
ade des prismatischen Farbeiibildes Hegt, dafS) wenn man 
)rt desselben auf dem Papiere bezeichnet, wo das Farben- 
aufgefangen wird, dieser Oi^ zum Theil außerhalb der 
:e desjenigen Bildes liegt , welches man , wenn das Augo 
ich auf die glänzendem Farben sieht, bemerkt. Dort 
"WO ein rothes Glas das Auge vor der Blendung durch die 
mdern Farben sichert, welche von diesem Glase nicht 
gelassen werden , empiindet das Auge die -Gegenwart die- 
fvwachen rothen iHrahlen, dip am äubersten Ende des Fax« 
[des liegen. 



76 



/ 



Farbe, 



15. FftAUifROFFR^s genaue Untersuchung des FarbenbUJ 
zeigte ihm noch eine andre bis dahin ganz unbekannte £i{ 
Schaft dessdben. Wenn man so strenge als es für die Ben 
nung achromatischer Fernrohre nöthig ist, die Brechung 
ein^ehien Farbenstrahlen in verschiedenen Glasarten zu bej 
men viKinscht^ so findet man dieses wegen derunbestii 
Grenze der einzelnen Farben nicht wenig schwierig. jEi$, 
daher eine erwünschte. Entdeckung , als Frauithofea m 
durch das Prisma gesehenen Lampenlichte amischen dem 1 
und Gelb einen hellMi e^arfbegrenzten Streifen bemerkte , 
sich immer an derselben Stelle findet, und aus einfachem, 
zerlegbarem Lichte zu bestehen scheint. Ein ähnlicher, jedockj 
schwächerer, Streifen lälst sich auch im Grün wahmel 
Eben solche, • aber viel zahlreichere bestsuounte dunkle^ l 
hellere Streifen sieht man: nun auch im Sonnenlichte, und wi 
man sie bei dem Gebrauche verschiedener • Prismen ins Ai 
fafst, ^o hat man immer dieselben IPuntte im Farbenbilde, 
kann daher die verscliiedehe Brechung fiiv- verschiedene 
arten in Beziehung auf sie. genau /angeben. Fraunhofea 
deckte diese Streifen im Farbenbilde, indem er vor dem Fei 
rbhre eines Theodoliten ein Prisma von Flintglas aufsteUte,, 
welches durch eine .schmale, etwa 15 See. l3reite und 36 W%| 
liohe OefiFbung in dem 24Fufs vom Prisma entfernten Fenstei 
den , das Sonnenlicht fieL Der Winkel des Prisma's war vmi 
gefeOir 60 Gr. und das Prisma stand so vor dem Objectiv dHj 
Theodolitfemrohrs, dafs der Winkel des einfallenden Stnhil 
dem des gebrochnen Strahls gleich war* 

Bei dieser Stellung des Instruments zeigte sich in demFitrj 
benbilde und senkrecht auf die Längenausdehnung desselben' 
Menge dunklerer Linien, deren einige fast ganz schwarz en 
nen. Diese Linien zeigten sich bei ;allen verschieden br< 
den Prismen und scheinen sich immer genau an demselben 

- die eine im Blau, die andre im Roth u. s. w.. zu l^efinden ; sipi 
waren zwar bei veränderter Oefihuns im Fensterladen oder bei 
veränderter Ausdehnung des Farbei^büdes mehr oder minder lei< 
zu erkennen; aber ihr Verhaltnifs ,. ihre Lage gegen einandaj 
und gegen die Farben blieb immer ungeändert. Wenn mandi 

-Drehung des Prisma^s den Einfallswinkel änderte, so mufo 

- die Stellung des Oculars verändert werden , um sie deutlich stti 
sehen,' und eben so mufste diese Aenderung statt finden, weoiii 



prismatische. 77 

mn bald die im rofhen, bald die im violetten Theile liegenden p* 
Ldnien deutlich sehen wollte. Die Figut^ zeigt, so gut es in 19. 
dner kleinen Zeichnung mt$glich hft^ diese Linien im Sonnen-> 
nU«» Ungeföhr bei A ist das rothe, bei I das tiolette Endo 
in Falbenbildes j jedoch ohne ganz scharfe Grenze ; bei sehr 
ImUmi Sonnenlichte sieht man, wenn von dem hellen Räume 
36 kein Licht ins Auge kömmt, das Farbenbild viel länger. 
Xe genauere Beschreibung der Linien theile ich hier nicht mit, 
Kmdem bemerhe nur, dafs nach Fhaunhofkr's sorgfältiger Un* 
«mchung diese Linien nicht durch Beugung u. dgL entstehen^i 
cndem in der Natur des Lithtes selbst liegen. -*-« 

Wie diese dunkleren Linien zu erklären sind, ist wohl noch 
licht mit Sicherheit zu bestimmen ^^ Nach den sonst bekannten 
SibJmmgen seinen es , dals die Sonnenstrahlen aus rerschiede- 
len Farbenstrahlen beständen , die in stetiger , unimterbro ebener 
?blge an Brechbarkeit verschieden wären; nach dieser neuen 
Sl&hnmg scheint es in G^mäfsheit der Newton sehen Theorie, 
b ob die Brechbarkeit nicht nach stetiger Folge verschieden 
rire, sondern hier und da sprungweise fortschreite, woher 
.eim allerdings, wenn der auffallende Strahlenbündel sehr schmal 
tt, Lücken entstehen müfsten ^» 

16« Die einzelnen Farbenstrahlen sind in ungleichem Grade 
rwiurmend. Hers c he l bemerkte dieses zuerst « indem er un* 
BT den stark Verdunkelnden Gläsern ini Telescop einige fand, 
is viel Wärme durchliefsen, während andre bei gleich viel 
nrchgelassenem Lichte dieses nicht thaten ; er stellte daher einet 
leihe von Versuchen an, wo im verfinsterten Zimmer das Th^r- . 
IOmeter bald in dem einen , bald in dem andern Farbenstrahle 
es durch einen engen Spalt einfallenden und im Prisma (dessen 
inten der Längenrichtung des Spaltes parallel waren) gebrochnen 
mnenstrahlen aufgestellt wurden. Er fand, indem er unter 
ei Thermometern das ejne aulserhalb der Farbenstrahlen , eia 



1 £otlehDt ans Fbaüvhofbr's Originalabhandig. nnd ScntruACHEE's 
fOn. Abh. II. wo sie in grölserm Malastabe gezeichnet ist, 

2 Eine sehr dunkel ausgedrückte Meinung yon v. Grotthuls fin- 
t sich bei Gilb, LXI. 60. Fraunhofer selbst bringt sie mit der 
eorie der Interferenzen nnd der Licbtwellen in Verbindung. 

3 Künstliches Licht giebt im prismatischen Bilde oft noch viel 
Jdichere Unterbrechungen, wie miter andern Talbot im Edinb» 
rn. of Science. lY. IX. zeigt. 



78 



i<'«rbe,' 



andres oder euch beide ander« iii idtiem 'bestimmten Fi 
strahle aufstellte , dab im Mittel das Therniometet in 16 
durch die Einwirkung des rothen Strahles nm 6}* Cr. in 
grünen Strahlen um ^ tir» in den violetten um 2 Gr. F. 
Aber obgleich im Roth die Erwärmung grölser als iii den 
gen Farbenstrahlen war, so lag doch das Maximtim der 
mung nicht im Roth , sondern darüber hinaus , wo Schon 
Farbe mehr kenntlich war. lieft maii nämlich auf das 
Tisthcheü , Wotaüf die Thermometer sich sich befanden , 
und nach die einzelneh Farbenstrahlen fallen , und becbi 
das in der Brechungsebeile liegende Thermometer ntm 
dann noch , wenn der rothe Farbenstrahl das Tischchen 
mehr erreichte, also wehn das Thermometer da stand, "wql 
len noch minder brechbar als die rothen hin gelangen mi 
wofern es solche gäbe , so stieg das Thermometer in 10 
64> Gr., wenn es ^ Zoll von der Grenze des sichtbaren Roth 
stand, 5i Gr. wenn es 1 Zoll, 3^ Gr. wenn es I4. ZoD, 
dieser Grenze entfernt war. Hbasghbl schlols hieraus, dafs 
Maximum der Erwärmung aulserhalb des Roth liege,- da woi 
len , weniger brechbar, als ßie rothen hinfallen, oder vretm 
auch nach Frauithofer und dem jungem Herscbel annel 
da(s ein recht scharfsehendes, im Dunkel ungeblendetes 
hier vielleicht noch einen matten tief rothen Lichtschimmer aii 
doch gewifs da, wo nur die aufserste, höchst schwach erlei 
tenden rothen Strahlen hin gelangen. Heaschel versicherte 
noch durch andre Versuche , dafs wirklich solche aufserhalK 
Farbenbildes auffallende Wärmestrahlen vorhanden sind , im 
er ein Thermometer so aufstellte, dafs es durch Zurückwc 
solcher minder brechbarer Strahlen, die nämlich von einem ji 
seits des Roth gehörig aufgestellten Spiegel reflectirt werden 
ten, getroffen wurde, und eine Erwärmimg beobachtete. Er 1 
tigte dieses Resultat, indem er einen zur Hälfte bedeckten Hc 
Spiegel so stellte, dafs der unbedeckte Theil ganz auTserl 
der Grenze des Farbenbüdes lag und also nur von jenen 
kein Strahlen getroffen werden konnte ; dennoch stieg ein 
Brennpuncte gehaltenes Thermometer in 1 Min. um IQ Grad^^ 
Spätere Beobachter haben diese bis über das Roth 



1 Herschers Unten, über die Sonneiutrahlen , übers, von 
ding und in Güb. Ann. YII. 137. X. 71. 



prismatiache. 79 

aiehenden WKnnestraUen nickt finden kSnnen, und Leslix 
pncht mit einer ebeii so unnöthigen als ungebührlichen Hefdg-* 
■it dagegen K Er glaubt die sämmtlichexl Versuche wären feh« 
sduft, und bei gehöriger Sorgfalt habe er selbst gar keine £r-r 
Tiimniig aulserhalb des Farbenbildes gefunden« 

Diese Einwiii^fe ±vl prüfen, stellte Evglefixld ^ eine Reihe 
oll Versuchen an. Er lieÜs auf eine Glaslinse von 4 Zoll Oeffnung 
Ad 22ZollBrennweite) die durch einen Pappenschirm gegen dio 
krigen Strahlen geschütet wurde, nur diejenigen Farbenstrahlen^ 
isdtirch eih^ iioilweitej 3 Zoll lange Oefihung in jenem Schirmo 
liehgelassen Würden, auffallen, deren Wirksamkeit Untersttcht 
Brden sollte. Er stellte dann ein Thermometer im Focus auf, und 
fs Von d^n durch das Prisma zerstreuten Strahlen bald den einen, 
Id den andern Theil auf die Oe£fnung im Schirm luid so auf die 
inse fallen. Der blaue Strahl brachte in 3 Min. das Thermo- 
eter nur 1 Gr. höher, der griine in eben der Zeit 4 Gr., der 
Ibe &", derltothe in 24 Min. 15 j^ bis 16 Gr., und auTserhalb 
I Farfaenbildes nahe an der Grenze des Hoth 6tieg das Ther- 
»neter in Ji^. Min. 18 Gr. F. Andere Versuche fielen im We- 
idichen eben so, nämlich beweisend für Erwärmung da, wq 
in Roth des Farbenbildes mehr sichtbar war, aus; indela 
Igle sich , selbst wenn das ganze Farbenbild auf den Schirm 
[, nnd die Oefinung -J- Zoll von der sichtbaren Grenze des 
A. entfernt lag, im Brennpuncte noch ein schwachrother 
bimmer , also gesammelt aus Strahlen , die das Auge auf dem 
birme nicht bemerkte. 

Die "Wiederholung der Versuche über die ungleiche Er- 

imung durch verschiedenfarbige Strahlen, welche wirBEaARD 

tlanken^, hat vor den frühem den Vorzug, dafs sie mit 

em Heliostat angestellt sind , einem Instrumente, welches bei 

% Fortrücken der Sonne das Sonnenbild immer in demselben^ 

icte erhält. Beb Ann fand die Erwärmung vom Violett bis 

andersten Grenze des Roth zunehmend; das Maximum der 

tnne also zwar nicht aufser dem Farbenbilde , aber doch an 

änisersten Grenze desselben, und von da an aufserhalb 

sichtbaren Fazbenbildes schnell abnehmend. Rvhlaitd 



1 G. X. 90. 

l Ebeod. XII. S99. 

3 Ebend, XLYI. 862. 



80 



Farbei 



gchliefst aus eigenen Veisuclien^'dars der Ort der grOfsten' 
bei Prismen aus verschiedenen Materien verschieden sey ; 
einigen Glasprumen und bei einem Prisma a]iis Borax lag er j' 
das Roth hinaus, bei andern im Roth, und bei P^meoi 
mit flüssigen Körpern gefüllt waren, bei einigen im Gelb^ 

17« AuchJäie chemischen Wirkungen der verschU 
Farbenstrahlen sind ungleich. ScHXtLB^ hatte. schon jb( 
dafs das Homsilber (Chlorsilber, salssaures Silber), 
im Sonnenlichte schwarz wird, diese Veränderung eher 
stärker leidet, wenn man es dem violetten Lichtstrahle, als' 
man es den übrigen Lichtstrahlen aussetzt; der violette 
so lichtschwach er ist, und so sehr er in Rücksicht anf die 
wärmende Kraft hinter den übrigen zurücksteht, reduciit 
das Silberoxyd am schnellsten. 

Ritter^ hat die Erscheinungen noch genauer untc 
und gefunden , dafs die stärkste Reduction aulüser dem 1 
wo das sichtbare Farbenbild schon aufgehört hat, statt 
dafs ihre Stärke von da an durch das Violett und Blau sehr abi 
und nahe hipter dem Grün ganz aufhört, im Orange und Rothi 
eine Oxydation einzutreten. Fische a findet^ die stärkere Scb 
2un£ des Hornsübers im blauen und violetten Strahle und 
eine deutliche Färbung auTserhalb des Fatbenbildes jenseits 
violetten Strahles völlig bestätigt; der rothe Strahl brachte 
in 2 Stunden keine Färbung hervor, obgleich diese vom bl 
Strahle /in wenig Minuten bewirkt wurde. Eben diesen üi 
schied fand Fischer, wenn man unter blauen und rothen 
eern das salzsaure Silber der Einwirkung des Lichtes ausj 
nur unter jenem zeigte sich die Schwärzimg. Dafs im rot 
Strahle eine entgegengesetzte chemisclxe Wirkung eintrete, 
Fischer für nicht erwiesen. 

Wollaston's etwas anders angestellten Versuche v( 
gleichfalls erwähnt zu werden ^, Guajacharz, in Alkohol ai 



1 Rahland über die polarische Wirkung des gefärbten lMt{ 
gen Lichts. S. 50. 

2 G. VII. 149. 
' S Ebend. XII. 408. M^ 

4 Fischer über die Wirkung des Lichts anf das Homi 
Nürnberg, 1814. S. 56. 

5 G. XXXIX. 294. Rahland über polarische Wirkung 
Lichts. S. 24. 



prismatische: 81 

t, giebt eine Tinctur, die unter Einwirkung des Lichtes grün 
td. Da die Farben des durch ein Prisma zerstreuten Sonnen- 
htes keine Wirkung zeigten, so concentrirte Wollaston sie, 
km er eine Glaslinse von 7 Zoll Durchmesser so bedeckte, 
& mu ein sehr schmaler Rand die Lichtstrahlen empfing. 
hier Ring vereinigt bekanntlich die rothen Lichtstrahlen in 
iOD andern Brennpuncte, als die violetten. Fing man das 
U näher beim Glase , als wo der Brennpunct lag, auf, so war 
vnt allemal , innen violett, auEsen roth gefärbt ; bei 244- Zoll 
Ufemung war der Brennpunct am glänzendsten ; in grölserer 
itüemnng war das Farbenbild wieder ringförmig und am äufsern 
nde violett, am innem roth. Setzte man diesen Strahlen 
I Salzsäure Silber aus , so entstand in kleinem Entfernungen 
»321 Zoll ein geschwärzter Ring; in 22? Zoll ein Fleck, der 
i 23 Zoll Entfernung am kleinsten war ; in 24^ Zoll Entfer- 
mg wurde die geschwärzte Stelle wieder ringförmig. Auch 
i dem mit Guajactinctur bestrichenen Papier zeigte sich das Grün 
I schnellsten und schönsten in 23 Zoll Entfernung ; in klei-* 
n Entfernungen war die gefärbte Stelle grölser und blässer, 
22j- ZoU Entfernung entstand ein grüner Ring mit farbenlo- 
n Mittelpuncte j in 24i Zoll Entfernung , (also in dem am 
Hiten erleuchteten Brennpuncte) erfolgte in der den frühern 
-obachtungen immer gewidmeten Zeit von 1 Min. fast gar 
be Wirkung. Nahm man Guajacpapier , das schon an der 
Bne*gTÜn geworden war , und brachte dieses in 25-i- Zoll Ent- 
nmig hinter der Linse an , so ging die Farbe in das Blafsgelb 
rock, welches sie vor der Einwirkung des Lichtes hat; in-* 
b bemerkt Wollastov , dafs diese Wirkung , die allerdings 
e entgegengesetzte Beschaffenheit derjenigen Strahlen anzu- 
[ten scheint , die in der Gegend des Roth liegen, auch durch 
be Hitze hervors^ebracht wurde. Die wirksamsten Strahlen 
Färbung des Guajacpapiers waren also die am stärksten ge- 
chenen, die sich schon in 23 Zoll Entfernung in einem Focus 
melten, statt dals die glänzendsten ihren Focus erst in 
Zoll Entfernung hatten. 

YoüHO liefs die zwischen Glasplatten sich zeigenden Farben - 
e (nachNEWTüN's Ausdruck, die durch Anwandlungen entstan- 
m) ihr Bild auf ein Papier werfen, das mit einer Silberauflösung ^ 



G. XXXDC. 283, 
Bd. 



# 



82 Farbe, 

bestrichen War , und erhielt geschwärzte Ringe ^ die mit i 
violetten Ringen zusammen zu treffen schienen. 

Beüard^, der sich durch mehrere Versuche von diesen 
gleichen chemischen Wirksamkeit der Farbenstrahlen iiberzeii] 
stellte unter andern Versuchen auch den an , dafs er die Far 
vom Grün bis zum Violett , so wie sie durch das Prisma hert 
gebracht waren, Vermittelst einer Linse sammelte und ( 
%ufeite Linse zum Sammeln der gelben , orangefarbenen , rot 
und über das Roth hinaus etwa noch vorhandenen Strahlen 
wandte. Im Brennpuncte der ersten Linse schwärzte sich 
salzsaure Silber in 10 Minuten sehr merklich , im Brennpui 
der zweiten, wo Licht, Und Hitze viel lebhafter waren, kon 
selbst in zwei Stunden noch kein Erfol«; bemerkt werden» 

Nach Seed£ck * erfolgt unter einer blauen Glocke die Z 

Setzung einer Mischung aus Chlorgas und Wasserstoffgas in s 

kurzer Zeit ; unter einer gelbrothen Glocke erfolgt sie selbst 

längeifer Zeit nur höchst im vollkommen. Der Bönonis« 

Leuchtstein ^ wird nach SESBECK^sBeobachtungeu am besten 

violetten Strahle und selbst noch darübet hinaus leuchtend, 

Blau nahm sein Glanz wenig ab , in den folgenden Strali 

trat das Leuchten unvollkommen et ein.. Hinter blauem Ql 

vnurde et sogleich leuchtend, hinter gelbrothem verlor c 

schon leuchtende bononische Phosphor sein Licht. RuHLAVt 

dessen zahlreiche Vei^suche ich sogleich umständlicher erwähn 

will, fand diese BeobachtuAgen über den bononischen Phospb 

fast vollkommen bestätigt, doch konnte er zwischen dem sch^ 

chen Leuchten im gelben und rothen Farbenstrahle keinen Unt« 

schied wahrnehmen. RuhlAnd tadelt an den frühem Vers 

chen , dafs man auf die ungleiche Intensität des Verschiedenfi 

bigen Lichtes nicht genug Rücksicht genommen habe , welch 

Fehler er vermied, indem er mit Leslie's Photometer die Grai 

der Erleuchtung bestimmte. Er bediente sich eines Appara 

wo in fünf von einander getrennten Abtheilungen das Licht dar 

Gläser von 6 Zoll Durchmesser einiiel , die violett, blau, grä 



1 G. XLVI. ^6. 

2 8chweigg. II. 265. Ruhland. S. II.' 

S V. Göthe Farbenlehre. II. 705. 

4 ßuhland aber die polarische WirkaDg des gefärbten heterd 
Lichts. S. 26. 



. L 



prismatische. 83 

: gdb, hochrofh waren ; das Gelbe liefs am meisten Licht durch^ 
[ das Grüne etwas weniger als die drei übrigen , die sehr genau 

• ^ch waren; Seihe zahlreichen Versuche geben im Allgemei- 
i nen das Resultat , dafs man die Wirkung der am meisten brech- 
^ laren Strahlen weder eine oxydircnde noch eine desoxydirende 
', naiQen könne, sondern dafs die Wirkung hier, wie beim un- 
f sedegten Lichte , nach Verschiedenheit der dem Lichte ausge- 
i ietzten Körper verschieden ist* Abör diejenige Wirkung , wel-^ 
{ cke das unzerlegte Licht auf verschiedene Körper ausübt, die 
fr docH nur dadurch scheint hervorgebracht zu werden , dafs es 
s Ton den Körpern in ihre Substaiiz au^änommen wird j tritt bei 
t den rtökiBr gebrochenen 6ti?ahlen j weil sie am meisten angezo- 
gen werden, im stärkern Gtade ein; Die minder gebrochenen 

b. «igen nicht eigentlich die entgegengesetzte Wirkung j sonderil 

• die^Viikang ist zusammengesetzt aus derjenigen, welche das 
? in mehr oder minderer Menge absorbirte Licht hervorbringt 
»' fond diese Menge ist bei den stärker brechbaren Strahlen gröfser), 
: und ans der, Welche Folge der Cohäsions- Erhöhung ist, die in 

• dem &ade gröJber ist, als ein Körper gröfsere Schwierigkeit hatj 
' das ilm treffende Licht seiner Elasticität zu berauben. Die Von 
^ dem letzten Umstände herrührenden Erscheinungen ^ die näm- 

- lieh von einer gesteigerten Oohäsion abhängen , kommen meht 
' den nicht so stark brechbaren Strählen zu; deshalb (glaubt Ruh- 

- Küd) färben auch diese minder brechbaren Strahlen noch in ei->- 
lügem Grade das salzsaure Süber , entfäiben aber zum Theil das 
idion geschwärzte^ "v^eil sie die Oohäsion indirect so erhöhen, 
dals ein Theil des absorbirten Lichtes wieder ausgetrieben wird* 

Von Ruhland's Versuchen hebe ich nur einigö der auffal- 
lendsten ans« Die Aloe- Tinctur gehört zu den vorzüglichsten 
Reagentien , um die Einwirkung des Lichts zu zeigen. Frisch 
bereitet, hat sie eine bleiche, gelbrothe Farbe, setzt man sie 
aber auch nur kurze Zeit dem Lichte hinter violetten und blauen 
OMsem aus , so wird sie dunkel blutroth, während in ded min- 
ier brechbaren Strahlen auch nicht die geringste Färbenänderung^ 
sintritt. In jenen Strahlen bemerkt man auch ' Absorption des 
SauerstofFgas , die in diesen ganz fehlt. — Rothes Quecksüber- 
>xyd hielt sich in den minder brechbairen Stralilen ganze Mo- 
late unverändert, in den stärker brechbaren ward es bei hinrei- 
hend starkem Lichte bald so reducirt, däls sich laufendes Queck- 
aber ansammelte. — Nufs-Oel, Mohn-Oel, Oliven -Oel 

Fi 



84 



Farbe, 



bleichten in den stärket brechbaren Farben (liinter vlolettei) 
nnd blauen Glasern) utad wurden beinahe ^asserhell, dabei ab- 
soxbirten sie SauerstoIFgas. In den minder brechbaren StraUyi 
verhielten sich diese Oele wie im Dunkehi. 

Auf die Pflanzen zeigt sich eine au£ ähnliche Weise tat^' 
gleiche Einwirkung. In den brechbarem Strahlen kehren 
Blatter sich gegen das Licht , wie wir es sonst an Pflanzen 
Fenster gewohnt sind ; in den minder brechbaren Strahlen (hin« 
ter gelbetn und nothem Glase) kehrten sie sich vom Lichte #! 
und ihre Farbe ward bleicher» — Brachte man iaite Pflan: 
der Mimosa piidica während ihres nächtlichen Pflanzensc! 
in v(5lliges Dunkel, und dann am Morgen, wenn die farbi, 
Gläser schon völlig von der Sonne beschienen wurden, die einl: 
Pflanze hinter blaue oder Violette, die andere hinter gelbe 
ro^e Gläser, so öflneten die Blätter sich hinter tlen rothfll' 
schnellet als hinter den blauen , die letztem aber blieben tf 
lange ausgebreitet , 'sls sie Vom Lichte beschienen wurden mt 
schlössen sich des Nachts vollkommen wieder, statt dals die M 
rothen Lichte istehenden sich nach einigen 'f agen rückwärts b«*. 
gen , so dafs die Oberflächen der Blatter nach aufsen eu ste 
kamen , sich Nachts unvollkommen schlössen und ihre Reizbar« 
keit zu verlieren schienen. ^ 

Die Frage , Partim det violette Strahl sich hier am 
samsten zeige, beantworten die Vertheidiger der Emissio 
theorie dutch die Bemerkung, dafs schon die stärkere Brech^' 
barkeit auf eine nähere Verwandtschaft des violetten Lichts 
den Körpern hindeute ; die Vertheidiger der Undulationsthe<nV 
dagegen glauben, die breitern Wellen, die sich uns" i* 
violetten Strahle kenntlich machten , wirkten mit mehr Ge^9vUt'^ 
auf die Körper*. 

18* Ob der violette Lichtstrahl dem Stahle die Eigen- 
schaften des Magnetes ertheile, scheint immer noch nicht ganvl 
entschieden, Morichini glaubte diese Magnetisirung zuS 
zu bringen, indem er Stahlnadeln blofs dem violetten S 
aussetzte : er sagt aber nicht deutlich , wie er den Pol , welch' 
Nordpol werden soll , bestimme , indefs scheint das Ende, wel- 
ches dem magnetischen Norden am nächsten lag, Nordpol ge- 
worden zu seyn. Barlocci glaubte den Erfolg schneller and 



1 I^obile sal magnetismo. Modona 1824. p. 178. 



priflinatlsohe. 85 

bestimmter hervorgehen zu sehen, wenn er. das coacentrirte 
Bild von der Mitte nach dem Nordende der Nadel , und eben 
so nachher von der Mitte nach dem Siidende fortbewegte , und 
so ein dem Bestreichen ähnliches Verfahren anwandte. Diese ^ 
nicht einmal genau erzahlten und zu sehr vielen Zweifeln Gele- 
genheit gebenden Versuche wurden von Andern ohne Erfolg wie- 
deriiolt, und Configli A chi versichert unbedenklich, dafs sich .die 
Nadeln, nachdem sie dem violetten Strahl ausgesetzt waren, nicht 

I 

magnetisch zeigen, und dafs die Versuche von Morichini und 
Baal o CGI nicht mit genug Vorsicht angestellt sind^. 

Erst ganz neuerlich^ scheinen die Umstände, welche das 
Gelingen des Versuchs bedingen, von Lady Summe hville auf- 
gefunden zu seyn, nämlich dafs man nur diejenige Endspitze 
der Nadel, die Nordpol werden soll, dem violetten Strahle aus- 
"weXttj während der übrige Theil der Nadel bedeckt ist. Ver- 
muthlich muls man noch hinzusetzen , dafs eben dieser Nordpol 
einigermafsen nach der Kichtung hin gekehrt seyn muls , wohin 
die Neignngsnadel ihren Nordpol kehrt, oder wenigstens die 
Xage der Nadel nicht zu weit von dieser Richtung entfernt 
seyn mu&u 

Nach L. Gmelis aber, welcher den Versuch durch Mo- 
AiCHivi selbst anstellen sah, wurde die zu magnetisirende Na- 
del nicht genau im magnetischen Meridiane , mit etwas w^estli-^ 
filier Abweichung, horizontal gehalten, der blaue und violette 
Strahl des Spectrums vermittelst einer Linse vereinigt, und wie- 
derholt von der Mitte aus nach dem nordwestlich gerichteten 
Ende geführt , w^od«irch nach einer kleinen halben Stimde die 
JVadel so magnetisch wurde , dals sie Eisenfeilicht anzog. Ein 
lieiterer Himmel wurde als nothwendige Bedingung angegeben, 
die Tagszeit des Versuchs war etwa 11 Uhr*. 

Auch Baumgaht^eh versichert^, schon in wenigen Mi- 
tinten einen Eisendraht im violetten Theile des Farbenbildes 
hinreichend magnetisch gemacht zu haben, um seine abstofsende 
Wirkung auf den Pol einer astatitfchen Nadel deutlich zu bemer- 



1 O. XLIII. 21S. 

8 Ebend. J^LY!. 867. 

3 Foggendorf 8 Aan. V(. 493. 

4 Miiodliclie MittheilaDg. 

5 Baumgartner'a Zeitschrift für Fhjs* nad Math. I. 270. 



86 



Farben, 



ken. Lady SoMBiEKViLLE.bat die Wiikung sogar dadurch her- 
vorgebracht, dals sie Nadeln zur Hälfte in grüne oder hhami 
Bänder wickelte, die andere Hälfte mit Papier bedeckte: andeiti 
Nadeln, in rothes oder gelbes Band gewickelt, blieben unmagner 
tisch, Baumga^ther glaubt, eine ungleiche Ein wirkulig auch 
des weilsen Lichtes auf beide Enden der Nadel sey hinreichi 
nofi Magnetismus zu erregen. Völlig unmagnetische Stahlnac 
wurden am einen l^nde polirt dem Lichte ausgesetzt und 
polirte Theil ward Nordpol. Ein Versuch, wo die Nadel ni 
dem Poliren noch gänzlich unmagnetisch gefunden wurde , 
nachdem die verdichteten Sonnenstrahlen einer kleinen 
auf den polirten Theil gewirkt hatten, sich stark magn« 
geigte , scheint vorzüglich geeignet , diese Meinung zu best 
gen.^ — Indeüs gestehe ich, dafs ich, beiden mannigfaltü 
hier möglichen Täuschungen , die Untersuchung noch nicht 
beendigt ansehe. 



•H.] 



Farben, welche aus der Mischung der pril^ 
matisehen. Farben hervorgehen. 

19* Schon im Vorigen habe ich erwähnt, dals inan an^ 
sammtlichen Farbenstrählen wieder Weife erhält, wenn man 
entweder alle , durch eine Linse gehörig gesammelt auf densJ* 
ben Punct eines weifeen Körpers auffallen lalst , oder wenn 
durch ein zweites Prisma wieder alle in eine parallele Rieh! 
gebracht w^erden ; aber auch einige andere Mittel , um W« 
durch Mischung von Farbenstrahlen hervorzubringen, verdie- 
nen bemerkt zu werden. Newton behauptet zwar, man köona 
nicht zwei Farben aus dem prismatischen Bilde so heraus neh* 
men , dafe sie vereinigt ein reines Weife geben , indefe erhak < 
man dennoch eine , wenigstens für das Auge nicht vom Weift! 
zu unterscheidende Farbe, wenn man zwei Farbenbilder so arf! 
einander bringt , dafe gelb und violett , orange und hlau , röft 
und grün zusammenfallen. Nach v. Grotthuss * mub matt 
das Roth mit dem Bläulichgran zusammenfallen lassen , indem 
man zwei Farbenbilder so, dafe bei beiden violett den obem TheiT! 
ausmacht , hervorbringt ; trifft dann das Violett des etwas nie- 
driger liegenden Bildes mit dem Gelb des höheren zusammeo, 



1 Schweiggers Journal« UI. 158. 



Mischuiig prismati sclicr. 87 

I fallt zugleich sehr nahe das Blau auf Orange, das Grün auf 
oth , und bringt so ein in der j\Iitte weifses , am einen Ende 
1 Blau und Violett, am andern Ende in Orange und Roth über- 
eilendes Bild hervor, v. Grotthuss schreibt vor, man solle 
tie beiden Spectra etwa in 12 Fufs Entfernxuig im dunkeln Zim-* 
Der auf eine weifse ^Yand füllen lassen, die mittleren sich ver-> 
inigenden Stralilen aber auf einer näher gehaltenen schwarzen 
I^afel aufiapgen, in welcher sich niu: eine .kleine runde Oeffnung 
»efindet« Wenn man die Einrichtung so macht, so giebt diese 
onde Oeffnung ein doppeltes Bild an der Wand, weil die vom 
inen Prisma herkommenden Strahlen eine andere Richtun^r ha- 
len, als die vom andern Prisma herkommenden. Liegt die 
)efTnang in der scJiwarzen Tafel da , wo Gelb vom einen und 
/iolett vom andern Prisma zusammenfallen , so sind jene Bilder 
in der Wand, das eine gelb, das andere violett; aber wenn 
naq nahe hinter der schwarzen Tafel sie auffängt, so dafs sie 
iber einander greifen , so stellen sie Weifs dar. Dieses Weii's 
Inrchs Prisma angeselien , zeigt sich aber nur in Gelb und Vio- 
ett , oder allgemein in die zwei Farben , woraus es entstanden 
st| zerlegbar. 

Wenn man , statt alle Strahlen zum 'Weifs zu vereinigen, 
der statt diejenigen zwei Farbenstrahlen, die ein sehr nahe rei-r 
es Weifs geben, zu vereinigen, andere Farben strahlen verei- 
iget, so geben sie IVIittelfarben , die zum Theil mit denen im 
tiimatischen Farbenbilde übereinstimmen , sich aber immer da- 
UTcli von diesen unterscheiden , daCs jene sich durchs Prisma 
D 4iA Falbenstrahlen , woraus sie zusampiengesetzt waren, zer- 
igeq bssen , die au9 dem Sonnenlichte unmittelbar vermittelst 
sr Brechung hervorgehenden sich unzerlegbar zeigen. Es ist 
eses auch nicht so auffallend , als einige Naturforscher es dar- 
;Ilen; denn offenbar besteht das Sonnenlicht aus einer Mannig- 
dgkeit von Strahlen , deren Brechbarkeit nach dem Gesetze 
r Stetigkeit, in unmerklichen Abstufungen , verschieden ist*,- 
1 unser Auge hat hier von denen , deren Brechbarkeit zwi- 
en Gelb und Blau liegt , die Empfindung des Grün, eben so, 
I bei einer Mischung der gelben und blauen Strahlen. Die 



1 Blols die von FmA-üKHorza beohaohteten dankcln Linien schei- 
eine Unterbiecbang and Abweichung vom Gesetze der Stetigkeit 
deuten , Tgl. No. 15. 



88 



Farben, 



Mischung nämlicli , die aus der Erleuchtung durch zwei Farben 
des prismatischen Sonnenbildes entsteht , giebt die zwischen ih- 
nen liegende Farbe so dafs , wenn man das Farbenbild auf eine 
Glaslinse fallen lälst, aber durch einen Schirm die übrigen Stratn 
len abhält und nur orange und gelblich grün auffangt, ein geL* 
bes Bild, aus Gelb und Blau dagegen Grün hervorgeht u. s. 
Um dieses deutlich zu sehen, mufs man die Linse in einem Ab- 
Stande, der ihrer doppelten Brennweite gleich ist, YomPrismt, 
entfernt ajaJEstellen, und eben so entfernt hinter der Linse eine' 
weiTse Tafel anbringen. Bedeckt man die so stehende Ldnsa 
mit einem Deckel, in welchem zwei offene schmale Streifen, den 
Kanten des Prisma^s parallel, sind, und läfst nun auf den einten i 
Grün, auf den andern Orange fallen, damit diese Strahlen alleiiil 
die Linse erreichen , so sieht man , wenn man die weifse Ti 
näher hinter der Linse halt, beide Farbenstreifen von eini 
getrennt , in der oben erwähnten Entfernung aber beide zi 
menfallend , und aus Orange und Grün geht ein blasses 
hervor , indem die übrigen Strahlen sich zu Weifs vereinigei^^ 
das im Orange und Grün übrige Gelb aber die einzige Färbt 
hervorbringt. Diese Versuche geben zugleich den Grund ai^l 
warum es möglich war, dafs Wünsch^ die drei Farben Rodi^'i 
Grün und Violett als die einfachen ansetten konnte , aus deni'j 
Mischung Gelb und Orange , wenn man Roth und Grün nimml^ i 
Blau, wenn man Grün und Violett nimmt, hervorgehen. 

Newtoit hat über diese Mischungen^ viele Versuche an- 
gestellt, und giebt eine Regel, wie man die' aus irgend eindt 
gegebenen Mischung hervorgehende Farbe finden könne ^y jj» 
sich so darstellen läfst*'. Wenn man sich jede Farbe aus den 
Theile des Farbenbildes, wo sie am reinsten ist, genommen 
denkt , so mufs man 60f an Roth 

344- an Orange 

54J an Gelb 

60f an Grün 



1 Versncbe und Beobachtungen über die Farben des Lichts, rot 
Wünsch. Leipz. 1792. G. XXXIV. 10. Einen interessanten AasMg- 
mit Bemerkungen über den Inhalt findet man in Anuales de Ghimia 
LXIV. 135. 

2 Optice Lib. I. Pars. 2. propos. 5. auch Exper. 13. 

3 Lib. I. Pars. 2. propos. 6. 

4 Biot traitd de phys. III. 450. 



Mischung prl;;inatischer« 89 

' SifanBIaa 

34^- an Indigblau 

604 an Violett 
n, um in richtiger Propordon ans dieser Mischung vreits 
lahm« Oder noch genauer, man theile den Kxeisumfang 

ila 

60*45' 34" dem Roth, 

34 10 38 dem Orange, 

54 41 1 dem Gelb , 

60 45 34 dem Grün , 

54 41 1 dem Blau, 

34 10 38 dem Indigblau, 

60 45 34 dem Violett 
iflik werden , so hat man das verhältnüsmafsige Mafs der 
odouig jeder Farbe, welches zur Hervorbringung des Weifs 
laÜch ist. Denkt man sich alle diese Bogen als mit Ge« 
m ihrer ganzen Länge nach belastet: so fällt nach der 
vom Schwerpuncte , des Bogens = a Schwerpunct in 

Dit&mnng = — j^ : vom Gentro, imd wenn man den 

nponct jedes der eben erwähnten Bogen als mit einem Ge- 
» der Grölüse des Bogens proportional, belastet, ansieht, 
h der gemeinschaftliche Schwerpunct aller Bogen in den 
!pnnct. Man kann also sagen : wenn man jene Schwer- 
B des rothen Bogens , des orangefarbenen Bogens u. s. w. 
L mit den Gewichten belastet, die den eben angeführten 
!D proportional sind , so zeigt die Lage des Schwerpunctes 
[itttelpuncte ein völliges Ausgleichen aller Farben , eine 
nignng in Weiüs, an; legt man dagegen mehr Koth zu, 
;nd die übrigen Farben wie vorhin bleiben , so rückt der 
npunct auf die Seite des Koth, und offenbar wird auch die 
mng sich nur als itSthlich zeigen , und zwar um so mehr, 
femter vom Mittelpunct^ sich der Schwerpunct aller Far- 
idet. 

if an bestimmt die Lage des Schwerpunctes am besten durch 
[Koordinaten , deren Lage an sich willkürlich ist , deren 
vir aber am bequemsten auf dem Halbmesser nehmen, der 
oth vom Violett trennt ; die andre wird gegen diese senk- 
genommen. Bedeutet R den Radius , so liegt des rotlieu 
ts = 60^ 45' 34" = 1,0604. R Schwerpunct in der Ent- 



'Ü^ Farben, 

•ciauu»;-- .^.^j:^ = 0,9538f R vom Mittelpunte und' hat 

.Uo iWuUuÄten = 0,9538. R. Cos. 30^ 22' 47" = 0,8228 
u»a -v ü,iü38r R. Sin, 30? 22' 47" =0,4823. R. Wenn 

4*M Kolh die Quantität = r genommen wird , so sind (da R: 
^t^HvUt werden kann) die Momente dieses Roth in st^ti^^I 
,Kiuuo = 0,8228. r 

inul = 0,4823. r. und hieraus läfst sich nun leipht verstel 
ilais wenn man an Roth die Quant. = r, 

an Orange .— - = o ^ 

an Gelb — - ^= gs 

an ßriin -— = G, ■ . 

an Blau "-^ . ==: b, 

an Indigblau — ^ *= i > 

an Violett — =v, 
nimmt, man die Formeln für beide Coordinaten des Schwerpui 

_ (r4-v)0>8228 + (o4-i)0>2Q74— (g +b)0^514Q— G.0,fl8 

r + o+g+G + b + i+v 
und 

_ (r— v) 0,48 23 + (o— i) 0,9632 + (g— b) 0,8 137 ^^ 
""^ r+o + g + G + b+i+V ' 

Es ist nämlich 

Sin W»99^ 47*' 

0.8228 =^^f^ff-. Cos. 30- 22' 47. 
0.4823=^^-1^' Sin. 30- 22- 47". 
0.2074 =-£^^|. Cos. 77^ 50' 53" 
0,9632 =giip-|-||;. Sin, 77- 50' 53" 

pnd so ferner. 

Hiernach würde nian also , wenn man gleiche Äntheile rc 
und gelb r==g nimmt , und aUe andere Farben wegläTi^t oc 
z=^ setzt 9 die beiden Ordinat^n 

_ 0,8228 - 0,5140 __ Q ^, ^^ 
0,4823 + 0,8137 ^^_^ 

und es ^— ^ r-. t=^ 0,6480 

4/fMr(ten. Diese treffen, wenn man 



Mischung prismatischer. 91 

angf)= ' . . ■ = Tang 76* 36' berechnet, beinahe mit der 

Btt0 des Orange zusammen, welche in 77° 51' Hegt. Did 
jDtfetnvng des Schwerpunctes vom Mittelpuncte ist 
3P r (0,1544^ + 0,6480^) = 0,67 , und die Farbe nähert sich 
|po dem Weiis, oder sie ist so, als ob imgefähr -1 reines Orange 
üt -j- Weils gemischt wäre *. 

Diese Regel, um die aus Mischung mehrerer Farben hervor-» 
riiende Farbe zu finden , zeigt sich der Erfahrung sehr g^mäTs 
ad BiOT hat z. B. die Farben der durch Anwandlung hervor- 
ehenden Farbenringe so betrachtet ; er sowohl als NfeWTOW ge-p 
tan danach die Farben so wie sie im ersten , zweiteh und allen 
Agenden Farbenringen sich zeigen, an* und die Erfahrung ent-» 
llncht diesen Bestimmungen. 

■* . iM). Selbst die IVIischung aus FärbestoflPen läTst sich einiger-» 
Ihben nach ähnlichen Regeln betrachten ; indefs darf man nie 
Ihrsessen , da& unsere Färbemittel nie so reine Farben darstel-- 
tu, als die Sonnenstrahlen, Mischen wir z. B. piilverisirte 
NbbestoiTe , so würde , wenn auch die erleuchtete Seite jedes 
torperchens seine Farbe ganz rein darstellte , doch die Schat-*- 
[kiseite ein Dinkel oder Schwarz mit in die Mischung bringen. 
aberziehen wir eine völlig ebene Fläche mit einer Färbung, so 
Iferft ja selbst, wenn diese Färbimg aus dem reinsten Weifs he-r 
Kinde, die Fläche nicht alles Licht zurü^ik, und zeigt daher, 
b nachdem mehr oder minder Licht verloren geht, eine Eün-r 
kcigung zum Grau. Wir dürfen uns daher nicht wundem» 
h^nn insbesondere diejenigen Mischungen, welche Weifs geben 
i&nten , nur Grau geben. Man giebt die Vorschrift , um aus 
fener Mischung aller Farben das Weifs hervorgehen zu sehen, 
bUe man einen Kreis so eintheüen , dafs 60| Grade mit Roth, 
li|}. mit Orange , 541 mit Gelb , 60| mit Grün , 54| mit lichtem 
klaa , 34ä: mit Indigblau , 60| mit Violett und zwar jede dieser 
^iixben möglichst schön und rein genommen, gefärbt werde. 



1 obgleich Newtoit dftrch eine nicht rflzu sicher begrün^etQ 
^erglcichung der Farben mit den Tonen auf die Zahlenverhältnisse 
Um die dieser Rechnung zu Grunde liegen , so scheinen sie doch 
tr frfahraog so nahe gemals, d^fs m^ sie ofiit N^t^ea gebran« 
len kann« 

2 Art. Anwandlungen,. No. 11. . 



92 



FarbePy 



Wenn man den so gefärbten Krei« in eine schnelle Drehung 
seine Axe setzt ^y so folgen die Eindrücke, welche die eil 
nen Farben anis Ange machen, hO schnell nach einander , 
das Auge sie nicht zu unterscheiden im Stande ist, und 
Ange sieht den ganzen Kreis mit einer Färbung, 'woiin 
jener Farben vorherrscht, nämlich in einem Gran, . das 
minder dunkel ist , je glänzender die angewandten Farben 
ren. Auf ähnliche Weise könnte man , indem man die 
Scheibe mit zwei verschiedenen Farben oder mit dreien n. s.< 
zu gleichen oder ungleichen Theilen färbte, diejenigen IVl 
gen dem Auge darstellen , die diesen entsprechen und hätte 
bei wenigstens den Vortheil , dafs die Farben selbst keine Ai 
derung durch chemische oder andere Einwirkung erlitten ; i( 
defs muls man immer an die erwähnte Unvollkommenheit 
gefärbten Körper denken, 

Alan hat auf verschiedene Weise gesucht, die Uel 
der Farben in einander durch IVIischung von Färbestofiten 
zuahmen. Das Mayer* sohe Farhtntlrtiech ist bestimmt, 

p,v^ Brlisdiung in genau gegebenen Verhältnissen zu bewi^Len. 

^* dem man nämlich ein Dreieck so , wie die Zeichnung 
eintheilt, und den an den Ecken liegenden Theilen reines 
reines Blau, reines Gelb giebt, soll man in den zwischen 
liegenden Fächern alle Abstufungen von Roth und Blau gei 
hervorbringen. In unserer Figur, wo 6 Fächer zwischen r 
b liegen , würde r reines Roth, das nächste Fach 4 Theile! 

1 Theil Blau , das folgende 3 Theile Roth , 2 Theile Blau, 
vierte 2 Theile Roth, 3 Theile Blau, das fünfte 1 Theil 
4 Theile Blau , das sechste , b , reines Blau enthalten, 
so würden die an den beiden andern Seiten liegenden Fächer 
Uebergänge von Roth zum Gelb, vom Gelb zum Blau darstellf 
Die in der Mitte liegenden Fächer enthalten Mischungen 
drei Farben; in der zweiten Reihe von unten solche, die 1 
Roth entlialten, und diesen gemischt mit 1 Theil Gelb 
3 Theilen Blau in dem Fache u, oder mit 2 Theilen Gelb 

2 Tlieilen Blau im Fache v, oder mit 3 Theilen Gelb und 1 Th« 
Blau im Faclie w. Will man diesen Farben noch die Absl 



1 Eine sorgfältige Anleitung, welche Farben and wie man 
uuFtrugcu mufs , um tuu möglichst schönes Weils hervorgehen sa 
hcn, giebt Lüdicko. G. V. 275. XXXIV, 17. S66. 



Mischung prismatischer. 93 

BD beifügen ^ die durch Zumischung von ^Yeif8 entstehen , so 
nfs man eine Reihe solcher Dreiecke malen , wo in dem einen 
tMnll 1 Theil Weiüs , in dem andern 2 Theile Weifs u. s. w. 
t die Mischtmg kommt* 

Dieser Gedanke würde ^ Um feste Bezeichnungen für die 
(■ifteil zu erhalten, sehr passend Seyn, wenn nur nicht die 
Ksfiihmng, wie schon Lichtenderg fand, so grofse Schwie- 
g^wit hätte , da die Mischung nicht geradezu nach den . Ver- 
tfhmlstheilen der FärbestofFe geschehen kann, und bei einer 
■Khten Mischung vollends die verlangten Abstufungen oft ganz 
■doren gehen ^. 

LiiMBEHT glaubte^ diesen Gedanken, den schon Leon AR no 
#1 ViBCi angegeben hatte, mit einer von Calau verfertigtea 
V'echs ähnlichen Substanz, die mit den Farben gemischt wurde, 
esser zu Stande zu bringen ; indefs empfei Jen die Farben auf 
mr dem Buche beigefügten Tafel (die freilich in so langer Zeit 
ich verändert haben mögen) , sich nicht so selir. Die Farben^ 
YTomide fängt unten mit einem Dreieck, dessen Seite 9, das 
«nze also 45 Fächer enthält, an, und die Mischungen gehen hier 
lit Achteln fort. Das zw^eite Dreieck enthält 7 Fächer in jeder 
pdtenlinie upd 28 Fächer im Ganzen ; die Mischungen schrei- 
Bi nach Sechsteln fort, aber zu jeden 6 Portionen werden zwei 
l^rtionen Weils gemischt, so dafs die Farben alle heller sind. 
|IM dritte Dreieck hat 5 Fächer auf jeder Seitenlinie , und die 
BUacher enthalten nun 4 Portionen Blau oder Roth oder Gelb 
dt 4 Portionen Weifs gemischt , und eben so haben die ver- 
liscfaten Farben nur 4 Portionen der ihnen zukommenden Far- 
Bn and 4 Portionen ^yeiI8• Das vierte Dreieck hat 4 Fächer 
1 jeder Seite und die Farbenmischungen schreiten nach Dritteln 
Vt| aber zu 3 Portionen Farbe kommen 5 Portionen Weifs. 
^ fünfte Dreieck besteht nur , noch aus 6 Fächern , die zu 6 
SiTtionen Weifs entweder 2 Portionen Blau oder Roth oder Gelb, 
1er auch von je zweien derselben eine Portion enthalten. Das 
chste Dreieck enthält nur drei Farben , die aus 1 Roth mit 7 
reib , 1 ßiau mit 7 Weifs , und 1 Gelb mit 7 Weüs be- 



1 Tob. Majeri opp. inedita. cara Lichtenberg ü. De afliDitate 
lomiii« 

2 Beschreibang einer mit dem Galanschen Wachse ausgemalten 
rbeopyramide. Berlin 1772. 



91 Farben ? 

stehen. Endlich fol^t noch die letzte Sdbidit «dt ] 
ganz weiTs. 

KtxoE^s Farhtnhtfrfl^ ^ \«relche die l^CsdningeB i 
hen und ihr Ueber^»'|j«fn in AVeils nach der einen So 
Schwarz nach der »xjfj<*rn Seite durstelh, gehöTt m den 
geneni Versuchen dJt*ji"r Art. Er denkt sich auf der CHm 
einer Ku;:el einen "reifsten Rreis "ezeichnct, anf ^wlt 
drei, um 120 Gr. vun einander entlemten I*nncten reii* 
lilau, Gelb, aufgetragen \vird. Läfst man nun tob 
Punctcn aus, Uebergänge der Farben in einander, vaA 
müXi!\]i zunelimender UeimiscJuiii" der benachbarten FiA 
finden, so kommt 60 Grade vom Ülau und Gelb dasiemj 
Vor, welches sich weder dem Ülau noch dem Gelb zni 
hert, vr»n da an aber der L'eber^ang in Gelb auf der ä 
Blau auf der andern Seite ; eben so int es mit Orange is 
lett. Nimmt man die diesem grCfsten Kreise zngehi 
Pole, so erliellet nun leiclit, welche Färbung jedem 
der einzelnen Parallelkreise zukomme; wenn ich näml 
einen Pol den weifsen , den andern den schwarzen nenn 
es wohl verständlich genug , wenn ich sage, durch irga 
Punct des zuerst mit Farben ausgestatteten grölsten Kidf 
nach Art der Meridiane ein j»r«.Jrster Kreis nach beiden F 
nnd dieser werde mit allen Abstufungen der Farbe, die « 
nem trifft, zum Weil» iiintiber nach dem einen Pole i 
zum Schwarz hinüber nach dem andern Pole zu gefu 
entsteht auf der Kugelflache ein A'ollkommen dargestellter 
gang aller Farben je zwei in einander und aller in Schm 
Weib hinüber. Will mart Alischungen aus drei haben, 
man sich Durchschnitte der Kugel denken, und aui 
Durchmesser die üeberi;an:'e aus einer 2e<jebenen l^tisc 
die , welche ihr gerade gegenüber steht. 

Ergänzungsfarbem" 
Complementair färben (couleurs comp! 

taires) nennt man gegenseitig diejenigen, die einanc 



1 Farbenkagcl oder Coostruction des Verhältnisses aller 1 
(^n der Farben su einander und ihrer rollständi^ea Affinit 
P. O. Runge. (Hamb. lÖlO.) 



der ErgSnzung. 95 

ersetzen. So ist also Gelb dUe ErgänzungsfarBe des Vio- 

,, welches Roth und Blau enthält , und Violett die Ergan- 

ne des Gelben ; Grün ist die Ergänzungsfaibe des reinen 

L) und Orange die Ergänzungsfärbe des reinen Blau. Diese 

leigen sich bei den Newton'schen Farbenringen , die im 

Anwandlungen beschrieben sind* Sieht man nämlich 

le gewisse Farbe durch zurückgeworfenes Licht , so kann 

y. sicher seyn , dafs die in eben dem Püncte durchgelassenen 

len und die Ergänzungsfarbe von jener zeigen , und diese 

[e-kiSnneh daher dienen , um selbst zu den sich hier 

iden gemischten Farben die genauen Ergänzungen kennen 

len. DaCs die Abendröthe die Ergänzungsfarbe des blauen 

ils zeigt ) habe ich im Art« jibendrothe erwähnt ; wie 

Farben als sich einander fordernde im Auge entstehen^ 

le ich später in diesem Artikel zeigen , wo denn auch von 

farbigen Schatten mit ihren, als Ergänzungsfarben zu einan-» 

gehörenden Farben die Bede seyn wird» 

Epoptiflche und entoptische Farben* 

22« Den Namen epöptische itarbe hat v. GuTiäs deli 

»1 beigelegt, die Wir uhtet mahcherlei Umständen an der 

lache der Körper entstehet! sehen, und unter welchen dio 

Ige , die ich im Art. uänwandlüng^n beschrieben 

I, die vorzüglichsten sind^. 

Dafs diese Farbenringö , deren Beschreibung ich biet nicht 
Lolen will, da entstehen, wo von einer sehr dünnen 
eines durchsichtigen Körpers einige Farbenstrahlen zu- 
geworfen werden , während die übrigen hindurchgehen , ist 
so genau det Erscheinung gemätse Behauptung , dafs man 
Bedenken tragen kann, dieses als eine Thatsache anzuse- 
W. Auch das ist hinreichend bestätigt , dafs die l^arbenstrah- 
tkj die bei der Dicke = a der durchsichtigen Schicht unter 
Mimmtem Winkel zurückgeworfen werden, eben diese Zu- 
"-erfung auch bei der Dicke =3a; =5a; t=7a erleiden, 
sgen bei der Dicke =2a; =4a; =6a5 vollkommen durch- 
\en werden. Zeigen sich diese Farben auf einer Luftschicht 





1 V. GÖTUB rechnet mehrere Falle hierher, von denen es zwei- 
laflt ist^ ob sie hierher gehören, z. B. die Farben , die an dem 
UD^e einer soliden Glasmasse sich zeigen« 



9Ö 

zwischen der covrezoi OferrTac» cübss Umga^brnm wä 
ebenen Oberfläclie eines ^rv<!i2iEiii:äaBC C2nef , so ndlci 
benringe, die kreisSufsä^ cm cn MoebsiiKt, w bcUet 
einander beriiliren « skli hUrtem, Iks OcrSaam^ «is die fl 
sich da zeigen, der Gnmä, m^auL » üb snlieRnBngi 
mischte Farben ädtAar maB e u. , £■» Gr&emvdcB derl 
wenn bei TenadcaTeT Sfcelbias tts iks^rsfr £e StnUes 
schiefem WmLcLi izss Aatge LsBimsft. äs m Alt. u^bfH 






Wegen dieser na^lesckea GriCse mt Fiabaniigey 
der Lage des iknges J&^bsäs^. czsaeac 4er Wcdneldal 
bei verüDdereer Steilca^ des As:.rcsL 

Ist die Lcfischid^ sk&C so regeSgiiMag^ so zeigoi 
ziwischen zwei ui csnaader g^Jräckiem&lig^aTtm oderFril 
eben solche Faiben , die arer ^=& a paerf Läüea • so wie i 



Läse der einander sieich nahen Fca&ct? d^rr ObexSächen xm 



es die Lage des An^cs fordert, bilies:. Emb dies« Faibes 
es, die sich auf den Seifcnblaiea z^^l^^a. wo die ungi 
dünne Schicht Wasser nach itkidich«! Gesetzen wiikt, n 
den vorigen Fällen die IjBäschiclit. Acch diinne Blat 
fester Körper zeigen F«ben nach eben den Gesetzen. Ist 
lieh die Dicke des Blattchens so gelinge , da(s jene Zmüd 
foni; einiiier Falbenstrahlen statt findet, während andere i 



1 Za der dort in No. 15. gemaclitea Bsarrc^sa^ gUube id 
etwas beifügen za mossea. Weaa m^a nicht blöls 7 Farbenil 
aDnimmt, sondern, vie es Nitor gesaüser scheint, eine nad 
Gesetze der Stetigkeit dorch nnendHcb kleine Abstnfnngen fortgc 
Ungleicbhcit der Brechbarkeit : so lalst sich ciosehen , dais avi 
Strahlen , deren Brechbarkeit x vischen gemissen Grenzen liegt, 
Aoge die Empfindung des Tiolett geben, vahrend doch jeder t» 
nen seinen Weg anders, nach Mafsgabe der ungleichen Brechh 
fortsetzt. Der Strahl, der in der geometrischen Mitte des rei 
letten Farbenringes im einfarbigen Lichte tou der dönnen Lnfti 
zurückgeworfen wird, mag immer Tollkommen zurnckgeworfei 
den , %o wird doch immer der auf eben den Ftanct fallende e 
Strahl von etwas anderer Brechbarkeit hier durchgehen ; und > 
einfallende Strahl nie ein im strengsten Sinne einziger ist , d 
ein einziges Theilchen ron der Brechbarkeit, die z. B. dem 
mittlem Violett zukommt, enthielte, so erklärt sich TÖllis. 
theiU die Farbenringe eine gewisse Breite haben, theils auch 
da, wo «ine gewisse Farbe zurückgeworfen wird, dennoch einig 
henstrahicn derselben Art durchgehen. 



epoptiscHe und eatoptische. 07 

ilassen werden, so zeigen sie sich dem Auge, welches re- 
pctitte Strahlen Von ihnen erhält, in jener Farbe. Aber die 
||tar verschiedenen Winkehi auflallenden Strahlen erleiden eine 
e Znrückwerfung , indem andere Farbenstrahlen bei ei- 
andern Winkel zurückgeworfen werden ; es zeigt sich daher 
, wenn das Blättchen grofs genug ist, nm diese fiir ver- 
ene Poncte eintretende Ungleichheit der Winkel merklich 
za lassen, eine verschiedene Farbe in verschiedenen 
, theils bei veränderter Lage des Auges eine Aenderung 
Farbe, ein Farbenspiel, das noch mannigfaltiger wird, wenn 
Blättchen keine genaue Ebene darstellt, sondern hier und da 
r andern Winkeln gegen das licht und gegen das Auge ge- 
isL Folgendes von Biot ^ entlehnte Beispiel erläutert die- 
noch mehr. £x nahm ein IVlicablättchen (Glimmer), welches 
lebhafte Faiben gab. Um es besser zu beobachten , ward 
kanzontal auf eine schwarze Unterlage gelegt, und nun, in- 
es dem Lichte glänzender Wolken ausgesetzt war , unter 
iedenen schiefen Winkeln betrachtet« Bei senkrecht ein- 
n Strahlen zeigte das Blättchen ein lebhaftes Grün , wel- 
dem dritten Farbenringe (und dieser entsteht bei Luftscliicfa*- 

252 
lÜOOOOOO 

Ipiechen schien} liefs tnan dagegen bei einer andern Stellung 
lei Auges die schiefer einfallenden Strahlen ins Auge gelangen, 
lo ^g die Farbe zum Blau , zum Purpur, zum Roth über, und 
kt letztere, anfangs etwas dunkel, erhellte sich jemehr und 
tfeebf, je kleiner der Winkel zwischen dem Strahle und der 
Siehe wurde. Aus der Folge dieser Farben liels sich scliliefsen, 
hb das letzte Roth zwischen dem Ponceauroth und dem gläu- 
laden Roth des zweiten Farbenringes liege, (Farben, denen im 

üttel die Dicke ssijTnr^r^rrrrrjr lu einer Luftschicht bei senk- 

sehten Strahlen entspricht.) Dafs diese Farben wirklich den 
Igegebenen Farbenringen der dritten und zweiten Ordnung 
rtsprechen , läfst sich noch näher nacliw^eisen , wenn man nac]i 
m Formeln^ (Art. AnwandLungtn Ko. 13» 14.) rechnet. Ist 



^ 



, wenn die Dicke ^^^^^^^^^^^ eines engL Zolles ist*}, zu cnt- 



1 Biot Tr. d. phy«. IV. TP. 

2 Yerg)« Art. Anwandlungen, S. 313« 

3 Biot lY. 27. 

V. Bd. 



99 



Farben, 



m 



nämlich — das JBrechnnosTerhältnils tui GlimmerblättelieD, 



m 



wurde 25}2 Biilliontheildien die Dicke sejn, wobei iie je 

grünen Strahl senkrecht zniiickweifen, und - . 19- See v=— .i 

n n 



Millionth. wurde 9 wenn Sin. ti 



105 +- 

n. 

106 



r lai* 



Dieke fiir den rothen Strahl der zweiten Ordnung ansdiüc 
wenn r der Brechnngswinkel ist. Die erste Gleichung 

hier Cos. u = j^; n = 41* 3' Str. 



1054 



m 



Sin. n=xO,65e9= 



106 



Sin« r, welches, w^ Sin. r=-j 



.>^^0,6536;-=l^pi 



wenn der Einfallsvruikel = 90^ ist, 
Sin.n = 0,6560=jÖ6.- + jö6 

Aus den beiden Farbenbeobachtungen ergiebt sich also, 
das Brechungsveidiäitnils = 1,53 ^r das Glimmerhlättchen 
muTste , und dieses BrechungsverhältnlTs ist dem , was 
Körper (Bergkrystall = l,56, Doppelspath = 1,66 , Cro 
= 1,53) geben , recht wohl entsprecliend. 

Mit diesen auf der Oberfläche der dünnen Blätteben 
seheinenden Farben sind immer Erscheinungen ähnlicher 
vcnnöse der durchgelassenen Farbenstrahlen verbunden. "V 
nämlich bei auffallendem weifsen Lichte eine Farbe zuriii 
worfen, so müssen die sämmtHchen durchgelassenen S 
die Ergänzungsfarbe (No. 21) zu jener bilden. Dafs diese 
wirklieh zeigt, ist schon im Art. Anwandlungen gesagt; 
ist aber matt oder mit Weils vermischt , weil immer auch Fi 
benstrahlen der Art , die zurückgeworfen werden , die we 
stens dem Auge eben die Farbenempfindung erregen , d 
hen , wovon ich den Grund kurz vorher in der Anmerkung 
gegeben habe. 

Uebrigens gehören hierher die bunten Farben , die man ofl|| 
wenn Wasser mit einem sehr dünnen Häutchen bedeckt ist ^ auf 



l;atoptrische. 90 

emsdben äeht*. Audi das Anlaufen des Stahls rechnet man 
ierher, indem auch die hierbei entstehenden Farben einer sehr 
Ifimien Schicht anzugehören scheinen. 

23. Was wir hier durch sehr dOtine Blättchen bewirkt se* 
Itt, kaun sich auch auf dickeren Platten durchsichtiger Körper 
[eü* Am schönsten geschieht dieses bei den SsEBECK^chen 
»enerscheinungen ; wo einige Lichtstrahlen durch Polarisimng 
dg gemacht sind Ssurückgeworfen zu werden , Und andere 
;e Lichtstrahlen dagegen Vollkommen reflectirt werden 
Farbenerscheinungen, die Seebeck. entoptUcJie nennt, 
sie den Anschein habeh, als entständen sie im Innern 
Körper, scheinen gleichwohl mit den vorigen auf dünnen 
len, die man ebenfatUs durch polarisirte Strahlen schön 
■en kann, in eine Classe zu gehören *• Die Beschreibung der 
Farbenphänomene , die mit der Polarisirung des Lichtet 
ten sind , mufs ich hier übergehen. ' 

£ine Erscheinung, die Newton beschreibt, und die er so-* 
tU als BiOT hierher rechnet, führe ich an, ohne zu entschei- 

t^ ob sie wirklich hierher gehört« £r liels auf einen gläser- 
Höhlspiegel Licht durch eine kleine Oeffnung fallen und er- 
kkte nun theils diirch das zurückgeworfene Licht Farbenringe 
diese Oe£fnung oder auf einer dem Spiegel gegenüber ge- 
weifsen Fläche , theils sah er auch, wenn er das Auge 
Stelle brachte , Wo sich auf der Tafel die Ringe gezeigt 
, den Spiegel selbst mit Farbenspiel bedeckt. Ich werd« 
im Axt* Farbenringe noch etwas mehr sagen 3. 

Katoptrische Farben. 

St4» Obgleich alle eben beschriebenen Faibettphctnomene 

dnrch reflectirtes Licht hervorgehen , so führt doch v. 

tB unter dem Namen hatoptrischer Farben^ einige andere 

innngen an, die allerdings eine eigene Classe zu bilden 



Vorzüglicli fiöhön tind scbnell wetbselnd sieht man sie, wena 
einem Metalldraht einen kleinen Tropfen ätherischen Oeles 
Oberflüche von Wasser bringt. 
Vgl* Art. doppelte Brechung. No» 14. imd Art* Polarüirung 
'f*c7u8. 

• Biot. nr. 175. 

t Fiii^efllehre L St 14?« 



100 



Farben, 



scheinen. Die Erscheinnngen sind zam Theil belcaimt gran^j 
Wenn man z. B. eine polirte SLIberplatte nimmt, in welc 
sich abei eini<!e feine Linien eingerissen befinden, so 
nen an diesen bunte Farben, besonders Grün nnd Purpur, 
man eine Silberplatte von Scheidexrasser so anfressen , dals 
Kupfer* aiifgelöfst wird , so bietet die nun nicht mehr 
gleiche Oberfläche glänzende mit bunten Farben gezierte 
dar. Etwas ähnliches zeigt sich überall, 'wo eine nicht 
gleichförmige Oberfläche Licht zurückwirft., an 'den Faden 
Spinnengewebe, an Haaren, endlich vorzüglich schön und 
nigfaltig am Perlmutter. 

Dafs diese Farben durch sehr feine Furchen in der ifl 
polirten Oberfläche entstehen « hat schon Youaro erkannt, 
diese Farben aus dem Zusammentreffen zweier Licht 
«klart , deren eine an der einen Seite, die andere an der 
Seite der Furche zurückgeworfen wird^. Kr stellte seine] 
achtnngen an Mikrometern an, die in Glas eingerisseii, 
Parallellinien auf den Zoll enthielten '. % 

Einen Gebrauch von diesen gefurchten Flachen ^ um 
ins Auge fallende Farben-Erscheinungen zu bewirken, hatBiftl 
zuerst Öffentlich bekannt gemacht. Eine sehr genau gl 
Theümatschine erlaubt ihm , Limen in Stahl cinznscfancideii, i 
Bcr ^aijj ^^ ^^1^ einander entfernt sind, nnd die Kunst, &1 
äoB sogenannte Iris ortia/itenfSm Re«enboi;«n-Y< 
ZB Badbcn , besteht diurin« dafis er diejenigen Theile der 
üehsB.^ die zn diesen Verzierungen be:>timmt sind, mit 
ei&»mren Linien verjittht. "Wenn er die Linien in 
kJÄZÄS Arstinden von einander einschnitt^ so zeigten sich 
«3» Han^dbild ein** leuchtenden Functes begleitenden 
=!Üif*tr jrrn^ai ILuptbilde näher und standen auch selbst 
oälKr ; mr:ti dj^^gen die PdrallelLinien sehr nah« an eil 
f*! siäti^D: di#» Bilrl-r weiter von einauder ab und ««d sehr! 
fcatt, La Srnr.'^ülivifcte zeigen diese gefurchten Flidm 
Fir:*»^**ctÄl - d.k:i Eaktoi mit den schöaen LichtblitzeB 
Tj'^\rrukzrA T»r-^i«Li.!ir, Bei ?*? er?;;^ izeroc^fnerr Limen, dafs 5( 
Vfffx tn£ -ifta ZuL. kirnen, zei:iten sich die Bilder un : 



5 S<imiuir4.u p«i;7n«» J-mtni. 



i:*t7. 



- P* 



katoptrisclie. 201 

Ehe ich "zu clem ÜLbergehe, was Biot und Fkaukiiofer 
nr Erklärung dieser Phänomene gesagt haben , wdll ich vorher 
jaak sur Beobachtung derselben sehr brauclibares Instrument be«- 
IchieiibeD, -welches von dem sehr geschickten Mechanicus Hoff- p. 
MAn in Leipzig angegeben ist. An der Axe A, die vermittelst 21. 
4fBS in der Figur sichtbaren runden Kopfes gedreht werden kann, 
irt im Innern des 1 ZoU .hohen Cylinders, dessen Grundfläche 
j^ Figur zeigt, eine sclicin polirte Stahlplatte befestigt, auf wel- 
mit einer sehr genauen Thdilmaschine feine Linien mit 
ant in gleichen Abständen eingerissen sind ; die Linien fal- 
|mi am zweckmälsigsten aus , wenn man 3000 auf. den Paris. 
Soll nimmt. Diese kleine mit feinen Linien erfüllte Fläche er- . 
j^ak, da das cylindrische Gefäfs sonst überall geschlossen ist, 
ifßBDg durch einen in der krummen Flächp des Cylinders bei B 
:<fft]i gelassenen Spalt, den man durch einen Schieber nach 
;fnilkür verengen kann, auffallendes Licht; die zweite Qeff- 
MHUg C des cylindrischen Gefäfses, auf w^elche das 8 Zoll lange 
Sdir CD, ohne Gläser*, aufgeschraubt iJt, weiset dem Auge 
^Wne zur Beobachtung angemessene Stelle an ; das Rohr enthält 
'Ifei C eine Blendung, welche nur^ ei^ie, der lineirten Fläche 
Ipekhe Oefinung hat. Am Umfange des Kreises C B ist eine 
findtheilung, die ihren Anfangspunct da hat, wo die Axe des 
jnohres liegt; sie giebt halbe Grade an, und ein "mit der Axe. 
A verbundener Zeiger, der immer eine senkrechte Lage ge- 

die Spiegelplatte behält , zeigt bei jeder Stellung der 3tahl- 
den Winkel an^ den die Ge$icht$linie mit dem Eiufolls- 
macht, 

i Um hier die Farbenfolgen , die verm/ige der eingerissenen 
timen sich zeigen , auf einmal zu übersehen , kann map das 
kolir abschrauben und das Auge dicht an C bringen. Stellt maa 
Imn den Zeiger auf 324- ^ (weil zwischen der Lage des Auges 
lad des Spalts 65 Grade enthalten sind) und lälst nur einen sehr 
ngen Spalt offen , so sieht man das Bild des durch diesen Spalt 




XXIV. 579. Solclie irisirende Knöpfe werden jetzt in England und 
I Frankreich aas Messing verfertigt, indem man auf ihre Ebene die 
»/orcliten Flächen mit Stempeln auftragt. Gegen das helle Son- 
•nliclit gehnltenr reflectiren sie gegen eine weifsc Papierflache einen 
reiä mit sehr Tielen höchst lebhaften prismatischen Farhenbildern« 
I la der Figur nicht' in seiner gaipizen Lange gezeichnet. 



102 Farbeu, 

sein Licht hereinsendenden Himmeb ds Spiegelbild in der! 
des Ge3iciitsfeldes , daneben an beiden Seiten einen di 
Raum, an welchen sich dnnkel violett, blau, grün, gdij^j 
roth , so anschlielst , daüs Roth in dieser Farbenfolge den 
femtesten Platz einnimmt« An diese erste Farbenfolge scMi« 
sich eine srweite, — nnr durch einen kleinen dunkeln 
Ton jener getrennt, — die breiter aber minder lebhaft ist i 
«ben die Farben enthält. Die dritte Farbenfolge, die m 
mehr Raum einnimmt , bekömmt man zu sehen , wenn man 
Zeiger bis au 26'' fortruckt, sie fängt biit einer wenig tri 
teten Farbenmischung , die sich als ein sehr dunkles Grün 
an ; daran grenzt ein ins Rothe fallendes Violett, dem ein re! 
Blau (das Blau der dritten Ordnung) folgt. Dreht man den ! 
ger weiter, so zeigt sich ein schmutziges, ins Gelbliche hinüi 
gehendes Weifs, dann reines Gelb, schönes helles Roth, 
pur, Blau (also Blau der vierten Ordnung); diese Farben 
nach und nach , so wie man weiter dreht, ins Gesichtsfeld, 
endlich folgt mit immer minderem Lichte Grün, schmiit 
Gelblichgrün , an welches röthliches Violett grenzt, und 
das fünfte Blau , wenn das Auge senkrecht in den Spiegel aic 
An der andern Seite ist die Folge der Farben ziemlich, ji 
nicht ganz so ) der Unterschied hat seinen Grundt in der 
Drehen der A3Ce anders bestimmten Lage der Spiegelfläche gej 
das Auge« 

Bedient man sich des Rohres, das eine enge Oeffhung, ofl^^ 
dem Auge seinen bestimmten Platz anzuweisen , hat, so 
man genauer angeben, wann jede Farbe in der Mitte des 
sichtsfeldl^s erscheint. Richtet man dann den offenen Spalt nac 
der Sonne zu und stellt das Auge so , dafs es von dem zurStM 
geworfenen Glänze nicht zu sehr geblendet wird , so erscheint] 
nicht blofs die auf der Stahlplatte sich darstellenden Farben 
schönsten Glänze, sondern man sieht auch den Wiederseht 
derselben an der innern Wand des Rohres ganz wie prismatischll 
Bilder vorbeigehen« 

um über die genaue Lage , wobei jede einzelne Farbe WÜ 
fiectirt wird, unterrichtet zu seyn, mu& man die verschiedenen 
durch das Prisma getrennten Farbenstrahlen auf den Spalt fallen 
lassen, wobei man zugleich die Farben -Erscheinungen auf eint 
ungemein schöne Weise , jede Farbe vollkommen retn und bei 



kaXoptriscIie. 103 

ft\Tahrend geänderter Stellung der.Axe .periodisch mit erneuer* 
n Glänze wiederkehrend sieht ^. 

BiOT erklärt diese Phänomene eben so 9 wie die bei der 
ragung^ entstehenden. £r beobachtete ihr Entstehen theils 
if sehr schmalen, oder wegen derselur geneigten Lage des 
is&Ilenden Strahles w^enigstens als sehr schmal erscheinenden 
olirten Flächen ^ theils auf gefurchten Flächen. Im letzteren 
ilk nimmt er an, die im Boden der Furche reflectirten Strah- 
m würde an den Rändern der Furche der Wirkung der Beu-- 
äug oder Difiraction ausgesetzt; aber auch die schmalen, zwi- 
JUQ den Furchen liegenden Streifen werfen seiner Meinung 
ich ein durch DifTraction modihcirtes Licht zunick'. 

Auch pAikUNHOFER Stimmt in diese Erklärung ein. Er 
\A das Licht von einer mit Goldblättchen belegten Glasplatte, 
fo im Goldblättchen feine Parallellinien radirt, waren , zurück- 
foka, und fand eben solche Farbenspecter, als wenn das 
idkt durch ein aus nahe bei einander stehenden Parallellinien 
flbiUetes Gitter gegangen wäre^« 

25- Ueber das Farbenspiel auf PerlmuiUr hat Brbwster 
jsmnie Beobachtungen angestellt ^. Auch da hängt das Phäno- 
nn Ton Furchen auf der Oberfläche ab , und zeigt sich am re- 
dmalsigsten, wenn die Blättchen parallel sind. Betrachtet man 
ie Oberfläche des Perlmutter mit starker Vergröfserung, so er- 
cnnt man diese Furchen , die sich durch kein Schleifen oder 
'oliien fortschaffen lassen. Bei regelmäfsiger Bildung des Perl- 
nittei sind diese feinen Furchen parallel, sonst oft auch in al- 
plei Sichtungen gekrümmt. Die Furchen sind izuw:eilen schon 
iä achtmaliger Vergröfserung zu erkennen, oft aber so eng, 
Js man 3000 Furchen auf einen Zoll rechnen kann. Drückt 
m die Oberfläche des Perlmutter in Kitt, in feines schwarzes 
^gellack, in Wachs, in arabischen Gummi, in. Goldblättchen, 



1 Eine nrnstandlichere Erzählang \7iirde hier za viel Platz raa- 
^ ich bofie sie an einem andern Orte mitzutheilen. Das lustru- 
it selbst möchte ich das Hoff mann* sehe Inflexioskop nennen, da es 
frscheinnugen der Inflexion zeigt. Hoifmana selbst ncuut es 
9fnadotj Farbengeber. 
S 8. Art. Inflexion» 
3 Biot Tr. d. ph. IV. 772. 

t Schahmacher's astron. Abh. Stet Heft« S. 97. 
5 Fbilos. Tranr. for 1814. p. 397. 



104 



FarbeU) 



die auf Wachs liegen y ab j so zeigen -diese Körper «bin 
Eigenschaften in Beziehung auf das reflectirte Licht 

Nsich Brewster^s Beobachtungen zeigt sich ka£ regdi 
gen, gut geschliffenen, aber nicht polirten Perlmuttei 
aufser dem Hauptbilde eines Lichtes noch ein doppeltes. 
Nebenbild , und die Lage dieser Bilder hängt von ^er 
der Perlmutterplatte ab. In dem schön gefärbten Nebcnl 
welches dem Hauptbilde am nächsten lag, zeigte sich das 
diesem faxt nächsten; das entferntere Bild lag immer mit )< 
beiden in derselben geraden Linie', zeigte sich als eine an( 
lieber begrenzte Licht - Erscheinung , die bei grolsen Einfi 
winkeln schön roth, bei kleinern grün, bei noch kleinem 
lieh'weifs war; die Farben hingen mit von der Dicke des 
chens ab. Wird die OberÜäche polirt, so sieht man an der 
gegengesetzten Seite ein dem ersten Nebenbilde ähnlidies Bi 

Ich bin ungewifs , ob auch das Opalisirißn hierher ,g( 
es scheint ebenfalls in der Lage der Blättchen des opaüsi] 
Körpers — des Opals, des Schillerspaths , des Labradors, 
opalisirenden Muschelmarmors — seinen Grund zu haben, 
das Farbenspiel des Dichroits und ähnlicher dichroitisch 
spielender Körper mehr hiermit oder mit der Pölariäirung i 
Lichts zusammenhängt , scheint auch noch unentsqhied^n« 

Faroptische Farben. 

26» Paroptische nennt v. Gothe die Farben , die sich 
das durch sehr enge Oeffnungen in das dunkle Zimmer einfiU 
lande Licht z^gen. Man hat sie auch perioptrische genau 
Da das , was man , um sie zu erklären , anführt , im Art. 
flexion vorkommt, so erzähle ich hier nur kurz die Erschfli 
nungen. 

Läfst man den Sonnenstrahl durch eine nicht allzu kleii 
riinde OefFnung in das dunkle Zimmer einfallen , und fängt m 
ihn auf einer weifsen Tafel auf, so zeigt sich das runde Soni 
bild gleichförmig weifs. Stellt man aber diesem Strahle ein« 
undurchsichtigen Körper entgegen , in welchem nur eine 0< 
nung wie ein feiner Nadelstich angebracht ist : so zeigen sie 
um das auf einer weilsen Tafel aufgefangene , von den 



1 Der Art. Zurückwerfung y ungewöhnliche, wird da« ^ahect 
augeben. , 



natürliche der Korper« t05 

se kleine Oefihnng gehenden Strahlen hervorgebrachte Son-« 
ibild farbige Kreise. Diese Farbeniinge haben ihr Violett 
1 Blau innen , ihr Orange und Both aulsen« Bringt man das 
Ige an die kleine OiefFnung und sieht nach der grölsern, durch 
ilcihe d&s Licht eingelassen wurde, so sieht man diese mit 
iibemingen umgeben, die nichts anders sind, als der Eindruck 
BD derjenigen Farben auf die Netzhaut des AugeSj welche wie 
i dem vorigen Versuche an der Wand sahen. 

Wie viel scht>ner diese Farben -Erscheinungen sich zeigen, 
9in man den leuchtenden Gegenstand durch ein Netz sehr 
ner gleich weit von einander gezogener Fäden ansieht, liat 
kAiJVHOFEa. sorgfältig untersucht und beschrieben. Die wie-r 
iholten Farbenbilder kehren immer ihr Violett gegen dasHaupt-r 
kd au, ihr Both davon abwärts* Aehnliche farbige Bilder der 
ichtfljmme sieht man, wenn man zwischen den Augenwim-* 
ÜB dnroh auf die Lichtflamme blickt. Apa schönsten nimmt 
in sie wahr, wenn man die unbeschädigte Fahne einer Baben- 
lex VC» das Auge häk, und die Sonne hindurch apblickt. Dia 
scheinungen, wie sie durch zwei oder n^ehr einander gan^ 
Im feine Oefinungen sich darstellen ^^ findet man bei Faauk*« 
ȣ& abgebildet. 

Alan erklärt aus diesen paroplischen Erscheinungen diellöfo 
A Lichter und um Sonne und Mond , die durch Dünste oder 
'^olk^ hervorgebracht werden. 

Natürliche Farben der Korper.- 

27- Es ist eine bekannte Erfahrung, dafs die Farbe der 
Siper, die wir ihre natürliche Farbe nennen , von dem auf 
\ fallenden Lichte abhängt. Die Gegenstände^ die wir im 
Uen Tageslichte weifs nennen, erscheinen uns roth, wenn die 
h nntergehende Sonne sie bescheint, und wegen des gelben 
:hte8, welches unsere Kerzenlichter und Lampen geben, ir- 
\ wir uns nicht selten in der Farbenbestimmung , indem wir 
Kerzenlichte zuweilen das für grün halten, was ims am Tage 
a erscheint u. s. w. Noch auffallender wird dieses, wenn 
farbige Licht , wie es von durchsichtigen , farbigen Körpern 
ehgelassen oder durch Zerlegtmg der weifsen Strahlen vom 



1 Fraanbofer über neue Modificatioaen des Lichls yd Schoma* 
'« astron. Abb* Stes Heft. 



106 V 



Farben, 



Prisma hervorgebracht wird, die Körper erleuchtet} iäon 
erscheint uns im blauen Strahle des durchs Prisma gebrocht 
' Lichtes ein Körper , der irgend bedeutend viel Licht 
l^irft, hlau, wenn er auch im gewöhnlichen Lichte roth erst 
Die auEfallendsten Beweise fiir die Behauptung, 
die "BaLtben der' erleuchteten Körper von dem Lichte, 
ches snif sie fallt, abhängen, geben einige künstliche ^i 
leuchtungen. Wenn man einen • baumwollenen Docht /i 
gewöhnlichem Küchen - Salze stark einreibt, so dieJs er 
Salztheilchen :fwischen seinen Faden enthält, und ihn dt 
eine Weingeistlampe gesetzt anzündet , so giebt er ein 
thend helles, fast ganz einfarbiges, gelbes Licht« Von der* 
Swair nicht ganz vollkommen , aber doch sehr wenig voDv 
Vollkommenheit abweichenden — * Homogeneität dieses Lii 
überzeugt man sich , weiün man die Flamme durch ein 
besieht , - wo sich an ihr gar kein Roth oder Grün , oder 
sondern neben der rein gelben Flamme nur ein sehr^ mattes 
lettes Bild zeigt; dieses Violett ist aber-so matt, dals es auf 
gleich zu beschreibenden Phänomene keinen merklichen 
zeigt , so dafs ' ich die Flamme beinahe als ein einfarbiges 
ansehen darf. Diese Flamme zeigt nun ii;a völligen Dunkel 
völlige Aufhebung aller Farben , das Gelb ausgenommen. 
Roth, das ein wenig ans Gelbe grenzt, zeigt sich in dies 
Lichte schmutzig gelb , aber durchaus ohne Roth. Ein 
das ganz von Gelb frei ist, erscheint schwarz oder allenfalls 
wenig in Braungelb hinübergehend; helles Grün, helles Bl 
erscheint grau oder gelblich - grau. . Betrachtet man zum 
spiel die schöne Farbentafel in Güthe's Farbenlehre (Tab. 
60 erscheint das Weifse und Gelbe gelblich • weife , das R< 
schwärzlich •<- grau , das Blau völlig schwarz ; dafs andere Farl 
Vorkommen, bemerkt man durchaus nicht ^. 

Wenn wir also einem Körper eine Farbe beilegen, 
ihm eigenthümlich ist , so darf man dieses zwar nicht so vei 
hen , als ob diese Farbe ihm , wie Härte , Weichheit tmd 
dere Eigenschaften , immer eigen sey ; denn ohne Licht ist 
Farbe nichts. Aber gleich wohl ist der Ausdruck, die Fi 



1 Mehrere ahnliche Versuche beschreibt Talbot Bdinb. Jonit* 
of Science. No. IX. p. 77. Brews'Fer's monochromatische Lamp« 
leistet etwas Aehnliches. Poggendorfs Annalen 11.^« 



natürliche dejp Kiflrper. 107 

dem Körper natürlich nnd eigentTuimlieh^ deswegen ver- 
tat , weil er die Eigenschaft besitzt^ da, wo alle Farbenstrali- 
, im w^eilsen Lichte, ihn treffen, unseim Auge gerade die- 
igem Farbenstrahlen zuzusenden, die wir als seine eigieiv^ 
inliche Farbe ansehen. Indefs darf man. nicht glauben^ dab 
r rothe Körper einzig die rothen Strahlen zurückw^sfe. Dals 
IMS nicht im strengsten Sinne so «ey-, ^enhellet scbmi daraus^ 
ril der Körper sonst im blauen Sonnenlichte , wie dad Prisma 

darstellt, vollkommen dunkel ersoheinen müDste, weiin er 
Bsiich unfähig wäre, andere als rothe Strahlen zurückzuwerfen j 

sägt sich xms aber auch, wenn wir gefärbte Körper durch 
s Prisma betrachten , wo sie sich luis fast allemal mit Far-« 
Dsändein, worin andere Farben «kenhtUch sind^ zeigen. Die 
berÜäche der rothen . Körper wirft 'nämlich zwar vorzüglich 
dies licht zurück, und absorbirt ^inen grolsen Theit 4er übri- 
ta Farbenstiahlen oder macht sie unwirksam ; aber dennoch is< 
it^ immer noch ein «geringer Antheil!^ welEsen Lichtes dem r<&« 
en beigeioischt und so in allen Fällen K . 

Wie es sich mit der Modificafion des Lichtes eigentlich 
ihält, vermöge welcher gewisse Farbenstrahlen von den Kör- 
ta vorzugsweise zu unserm Auge gelangen , ist schwer zu be- 
nunen, docBr geben folgende Ueberlegungen einige Aufschlüsse, 
nm sie gleich noch vieles zu erklären übrig lassen. Eben so 
ie bei den weifsen Körpern immer ein grofser Theil des Lieh-« 
B verloren geht , und nur ein Theil in dem , was wir Er- 
nchtung einer Fläche nennen , uns sichtbar wird, eben so ge- 
hiebt es auch hier, nur mit dem Unterschiede , dafs dieses 
ixioren gegangene Licht hier nicht für alle farbigen Strahlen ei^ 
rlei Verhältnifs ztt dem zurückgeworfenen oder von der Ober-^ 
che des Körpers zurückgesendeten Lichte hat. — ^ Auch bei 
n Körpern , die wir weifs nennen , ist die Menge des absor- 
ten Lichtes sehr ungleich und das Weifs neigt sich zum Graa 
1, w^enn die eileuchtete Fläche wenig Licht znrückgiebt ; eben 
ist es auch bei den farbigen Körpern , aber da hier die Ab-* 
[ption für jede Art von Strahlen eine andere ist, so entsteht 
s unendliche Mannigfaltigkeit von Farben undFarbenmischun- 



1 Indefs zeigen die eben erwähnten YerMiGhe, dafs diese 'Min 
shung doch o£t sehr gering« ist« 



106 



Farben, 



gen Jn allen anoh nur möglichen Geraden von Lebiiafdgkeit 
Glanz, von Helle oder Tiefe. 

' Von dem Einflüsse , den die absorbirten StraUen attf 
KQxper haben | der- sie anscheinend in sich aufnimmt, 
vnx wenigstens das,* daüs sie auf die Erhöhung der Tem] 
einwirken, und dieses ziemlich in einem Grade, den man 
Menge 'dM absorbiiteni.Lichtes proportional nennen 
wenn gleich diese Menge: nicht so genau bestimmbar ist. 

' BoTLF hat schon' durch eine ReiheiVon Versuchen dai 
her bestimmt , was allerdings schon aus gewöhnlicher Ei 
bekannt seyn mufste , dals schwarze Körper sich mehr ei 
ab weifse. Er zeigte auch, dab schwarze Kifrper wenig 
me reflectiren^ Später iiat-FAAVKLiir, indem er das 
feen des Schnees unter dabraiif gelegten iftigleichfarbigen 
pem' beebach'tetO', die Ungleichheit der Erwärmung bei 
seiiiedene Farben nachgewiesen. Etwais mehr leisten Li 
VÄsuche^'i ^^ ^^ö Kugeln von Thertnof^etem mit vei 
nen farbigen Ueberzügtfn versah,' ^imi das ungleiche 

der Thermometer beobachtete. Er lief» auch das von 

' ■ ' ' ' • ' ■ . ■ f i" i ■ 

Flächen reflectirte Licht oder vielmehr ^die rellectirte 
auf Thermometer mit geschwärzten Kugeln fallen, imd fauJ^ 
rothe Flächen fast eben so viel Licht als. weifse zuriickwfl 
blaue Flächen dagegen warfen am wenigstetf Licht 
BoCKMANH hat ähnliche Versuche angestellt, die übei 
die verschiedenen Umstände, von denen die Erwärmung 
die Sonne abhängt , betreffen 3. 

28. Unter den Erklärungen , wie das Licht an der Ol 
fiäche der Körper modüicirt werde , um uns diese als vers< 
denfarbig zu zeigen, hat die von Newton* aufgestellte Verj 
chung mit den Farben dünner Blättchen am meisten Beifall! 
den Physikern gefunden* Man könnte die Frage , warum 
bestimmte Fläche nur die bestimmte Art von Farbenstrahlen 
eigenthümliche. Farbe des Körpers aussendet, dadurch b( 
Worten , dafs man jedem Körper eine bestimmte AE&nität zu i 



1 Priestley's Geschichte der Optik^ S. 117. der Uebers. 

2 XJilb. Ann. X. 90. 
S GUb. Ann. X. 859. XII. 404. Böcrvakv übe« die Fähi/ 

terichiedener Körper, durch die Sonne erwärmt. m werden« 
4 Optice Lib, 2. Pars. S. 



natürliche der Körper. 109 

ichiedenen Liclitstnhlen zueignete; aber Newton glaubta 
i Brscheinungen mehr Genüge zu thun, indem er ohngefahc 
tende Ansicht falste : , 

> Bekanntlich entsteht Zuriickwerfiing der Lichtstrahlen an 
ft Untern Seite durchsichtiger K($rper da, wp der Strahl in die 
lA hervorgehen sollte. Im Allgemeinen findet Zurückwerfung 
it Lichtes da statt, wo ein Uebergang aus einem Mittel in ein 
deres von mehr oder minderer Brechungskraft vorkömmt, und 
% ist um desto stärker , je grölser diese Ungleichheit der bre- 
iBiden Kraft ist» ^ 

*' Die undurchsichtigen festen Körper scheinen aus sehr dim- 
fti, durchsichtigen Theilchen zu bestehen, deren Zwischen- 
liiine mit Materien , die das Licht weit weniger brechen, ange- 
Dh sind, und die Undürchsichtigkeit entsteht durch die wie- 
tMiolten Zurückwerfungen im Irniern der Körper. Diese dün- 
m filättchen , aus welchen die Kö'rper zusammen gesetzt sind, 
lassen nun, nach Mafsgabe ihrer Dicke und Brechungskraft 
liU die eine , bald die andere Art von Farbenstralilen leichter 
nickwerfen, während sie die ihnen zugehörenden Ergänzungs- 
■Aen leichter durchlassen , gerade so wie es im Art. Anwand-^ 
t^i», tmd oben bei Gelegenheit der epoptischen Farben ge- 
Mgt ist. 

Einen nicht unwichtigen Beweis für die Richtigkeit dieser 
|[^pothese giebt das Verhaken dünner Goldblättchen,, wenn 
hax sie auf helles, weifsesGlaS aufklebt, in welchem Falle sie 
Se mtüriiche Farbe des Goldes reflectiren, die grüne aber durch- 
teen* Päevqst* hat aber gezeigt, indem er das Licht wie- 
Bfholt von den nämlichen polirten Metallflächen reflectirt wer*- ^ 
m lieis, dafs alle Metalle durch das zugleich zurückgeworfene 
de weifse Licht eine andere Farbe zeigen , als sie wirklich 
iben, und dafs es somit namentlich kein eigentlich weifses 
etall giebt. Das Gold erschien auf diese Weise roth, und in 
n dünnsten Blättchen zeigt es also durch Reflexion die durch 
des Weifs zum Gelben modificirte rothe Farbe , während die 
ine Farbe durchgelassen wird, welche jener als complemen- 
e zugehört 2. Mit andern Metallen , deren vielleicht keines 
(ttchen von hinlänglicher Feinheit liefert, hat man bisher 



1 Ann. Ch. et Ph. IV. 192, 436. 

2 Vergl. oben No. 21. unten No. 29. 



HO 



Farben, 



noch keine Versuche snr weiteren Prüfung iet Sache 
gestellt; 

Bei einigen Körpern hemeilen wir die Uehereini 
ihrer Falben -Ersdieinungen mit denen dünner Blattchen 
noch anfEJiendeti dafs sie uns bei rerschiedenei^ Stellung i 
licfats nnd des Auges andere Farben darbieten , wie snm 
i^te} die Federn des Pfaaenschweifes. Da aus den Beol 
gen der von dünnen Blättchen zürückgewot£enen'nnd di 
lasaenen Farbenstrahlen bekannt ist, wie diese Faxben tob 
Dicke der Blättchen und der Brechüngskraft derselben ab] 
so Mist sich umgekehrt aüB der Farbe eines Körpers auf 
Grölse dieser Theilchen zurückschlieüsen ; jedoch mnJb man 
bei mit Sicherheit angeben können, zu Welcher Ordnung 
Farbeminge die Farbe des Körpers zu rechnen %ej. Das 
reine imd lebhafte Roth und Gelb kömmt nur in der 
Ordnung der Farbennnge Vor ; in der ersten und dritten 
Bung ist es zwar auch noch ziemlich lebhaft, aber das Celb 
ersten Ordnung ist doch matter, und das Gelb und Roth 
dritten Ordnung mit Blau und Violett gemischt; die 
Farben sind in der dritten Ordnung am reinsten : das reinste 
glänzendste ^yeIfs mufs man ils der ersten Ordnung zugel 
ansehen, (z. B. die weifsen Metalle,) minder reines Wcill* 
gegen entsteht bei grölserer Dicke der Theilchen aus einer! 
schung aller Farben, 

Dies sind ungefähr Newtoit^s Ansichten, auf welcbl 
Und andere Physiker weitere Schlüsse gebaut haben, 
macht die Bemerkung, dafs der Einwurf, es müsse sich bei 
X>age des Auges gegen die Fläche , welche das Licht auftäill 
eine andere Farbe zeigen, giihoben werde, w^nn man die 
kleinen Theilchen der Körper eine sehr starke Brechun| 
beilege, — und diese könne stark seyn, wenn auch det Küi 
im Ganzen das Licht nicht so sehr breche ^. 

Einige chemische Veränderungen der Farben, Wohin 
auch die allmäligen Farbenwechsel im Pflanzenreiche rei 
kann , glaubt Biot auch nach dieser Ansicht erklären zu 
nen. Das Grün der Blätter ist von Newton mit Grund aU 
Qiün der dritten Ordnung anj^esehen worden. Wenn nun 
gend eine Aenderung, z» B. beim Welken der Blätter^ Vorge 



1 Biot IV. 126. iBt 



natürlioho der K5rper* ü^ 

ijbirch die Dicke der Theilchen eine Zunahme und die Farbe 
le absteigende Aenderung (nach* der Ordnung der Farbenringe 
«tagend) erleidet, so muTs dem Grün ein Gelb , dann Orange, 
lim lEU>th folgen y so \(de das Abwelken weker fortschritt. 
jtOT glaubt^ so lange die vegetative Kraft sich noch mehr 
pi mehr entwickelt , gehe die Farbe zu Ringen steigender Ord<», 
mg iibery hingegen zu herabsteigender Ordnung, wenn die 
■niie zu welken anfängt* Die jungen Eichenblätter gehen 
fßlk Roth ins Gelblichgrün und Grün über , so wie in dem 
pfiitaB Fsibenringe durch zurückgeworfene Strahlen die Farben 
bwnder folgen , wenn man von den äufsersten Farben in dem« 
Hwn nach innen fortschreitet. Wenn die Blume des GeiTs« 
lutessitifa öffnet, so zeigt sie ein 'reines Weifs der ersten Ord^ 
lÜBg, welches sich nach und nach ins Gelbliche zieht, wenn 
im welkt ^* Das Geranium sanguineum hat in seiner besten 
Ifidie ein violettliches Roth , . welches als der Ueb ergang von 
fem Hoth der ersten Ordnung zum Violett der zweiten Ordnung 
haosehen ist; beim Welken wird sie blau — ^ blau der zweiten 
MfaaDg. — 

c' Nach diesen Ansichten hat man nun bei mehrem Kc>rpem- 
^ Dicke der Blattchen anzugeben gesucht. Das tiefste Schwarz, 
Kl fiuit im strengsten Sinne gar kein Licht zurückgeworfen ward, 
«bachtete Brewster an einem merkwürdigen Stücke Quarz, 
dl an seinem Bruche vollkommen schwarz erschien^ er be-» 
nid, dieses müsse dasjenige wahre Schwarz seyn, welches 
A Glas nur dann entsteht , wenn das Blättchen ^ des Million*^ 
Iris eines ZoUes dick ist, und so dick etwa müfsten die Quarz- 
ijichen hier seyn ^. 

ICbwtov selbst hat schon ähnliche Betrachtungen über die 

Bfiie der Quecksilbertheilchen angestellt^, die Biot auf Gold^ 

ber n. a. erweitert. 

29. Die Intensität des farbigen Lichtes , welche feste Kör- 

zurückwerfen, hat Lambert untersucht*. Um zum Bei- 



X Dafs Roth der auffallenden Blume müfste dann woH das 
ich nachher erwähnte Roth im Uebergange ron der ersten aur 
iten Ordnang »eyn. 
2 Poggendorfs Annalen. 11. 295. 
8 Optice, Lib. II. Pars. 5. Props, 6^ . 
^ Photometria. p. 512 u. f« 



112 Farben, 

gpiel zu bestimmtsn , ob rodies Siegellack die rothen Lieb 
len eben so gut und im Verhültnils der. auffallenden e 
reichlich zurückwerfe^ «ds weiüses Papier die Strahle 
Farben Zurückwirft^ legte er Siegellack auf weiEses Pap 
dafs beide Vom heUen Sonnenlichte gleich beleuchtet "Mi 
E sah nun das Papier durch ein Prisma an , und zwar 
Her solchen Stellung, dafs der rothe Farbenrand zuncU 
demSie^llack erschien, und vefglich das so sich zeigend 
Init einander» Da sich bei dieser Vergleichung kein ' 
schied zwischen dem Roth des Siegellacks und jenes 1 
£Eind, so schlofs er, die rubedo des Siegellacks sey der 
des t^apiers gleich ta achten , oder vielmehr , weil die £a 
Strahlen des Papiers durch das Prisma gingen, statt di 
Siegellack mit bloFsem Auge angesehen wurde , jene te) 
tun ein Viertel geringer als diese. 

Dies Experiment kdnhte man^ glaubt Lambert, fii 
tind Violett inmier anwenden , und da die Intensität der 1 
geringer sey , einen weifsen Körper von geringerer Weiß 
wenden. Für die Farben, welche den mitten im F 
spectmm liegenden Strahlen entsprechen , lasse sich dies 
gleichung nicht gut gebrauch^. Folgendes Hülfsmittel 
dagegen allemal zur Vergleichung dienen» Man lasse 
recht sorgfältig verfinsterte Zimmer durch zwei runde Oe 
gen Licht einfallen , lasse Lichtstrahlen auf ein Brenngl 
len, und nachdem sie durch dieses gegangen und vom! 
aufgefangen sind, stelle man den beiden Lichtstrahlen 
angemessenen Entferaung, um das Bild der rundeh Oe 
deutlich zu zeigen , eine farbige und eine weifse Tafel 
gen. Ist die farbige Tafel zum Beispiel grün , so sehe m 
das Grün des prismatischen Bildes auf der grünen und s 
weifsen Tafel gleich lebhaft erscheint, und wenn das ni< 
Fall ist, so gebe man derjenigen Tafel, die eine Farbe vc 
fserer Intensität zeigt , eine solche Neigung, dafs die farbi 
leuchtung sich als gleich zeigt ; daraus läfst sich , nach < 
Art. Erleuchtung gegebenen Regeln berechnen , w^ie si' 
bei senkrechter Erleuchtung von beiden Flächen zurück{ 
fene Licht verhält. 

Diese Methode läfst sich sogar anwenden , um die 
zu beantworten , wie viel rothe Stralilen die cnrün gefärb 
che zurückwirft. Man muFs nändich dann der weifsen 



natürliche der Korper. 11^ 

«ige Neigung geben , wobei das Roth der beiden Farben- 
er gleich, lebhaft erscheint, nnd so erhellet, wie Lahbeat 
der 'rubedo eines mit Grünspan (essigsaorem Kupferoxyd.) 
iAten Papiers sprechen kann« Lambcet hat wenige Ver- 
Ihe, die diesen Gegenstand betreffen, angestellt; es wäre 
U der Mühe wierth, wenigstens einige Proben, wie weit 
h Vebereinstimmnrig in die Versuche bringen lasse, zu geben. 
Kne Bemerkung von Prevost will ich hier noch beifügen. 
faa man das von poHrtem Golde zurückgeworfene Licht auf 
Mfai ebenen, spiegelartig pcAsten, Golde auffangt, so er- 
keint hier das Gelb des Goldes viel tiefer, fängt man das 
muds zurückgeworfene Licht auf einem Golde , Spiegelplätt- 
an auf, so ist die Farbe noch mehr dem Orange zugegangen, 
tcs rührt daher, weil das reilectirte Bild theils aus Strahlen 
atefat, die als w^eifse Strahlen zurückgeworfen werden und 
ÜBfllge welcher allein schon das Gold in seiner gewöhnlichen 
ibe erscheinen würde , aber auch theils aus gelben Strahlen 
Neht, die nicht nach den bloüsen Gesetzen der Spiegelung, 
Kidem nach den Gesetzen der zerstreuten Zurückwerfung, wo- 
i imr eine Farbe ansgesandt wird, eben dorthin gelangen, und 
i'dort entstehende Farbe verstärken. 

Dmrch diese wiederholte Abspiegelung lernt man also bes- 
f die eigendiche Farbe des Körpers kennen. Silbet zeigt sich 
F diese Weise nicht w^eib sondern gelb , so dafs das WeiCn 
f ah Beimischung des unzerlegten zurückgew^orfen'en Lichtes, 
dches Ton der Farbe des Körpers unabhängig ist , angesehen 
eiden mnls^. 

30. In Beziehung auf die durchsichtigen Körper, welche 
h uns fiurbig zeigen, scheinen zwei Hauptfalle statt zu finden. 
tweder es werden alle Arten von Farbenstrahlen ziemlich 
ichfiSnnig absorbirt, aber nur gewisse Farbenstrahlen zurück- 
irorfen , andere durchgelassen ; oder es werden gewisse Far- 
istrahlen gänzlich absorbirt, und die übrigen theils zurück- 
vorfen , theils duffchgelassen. Der erste Fall scheint in der 
nosphäre in einem sehr vollkommenen Grade statt zu finden^, 
A daher erscheint tms diese blau durch reilectirte Strahlen und 
broth vermöge der durchgelass6nen Strahlen. Immer sind es 



1 Annale! de Chimie et de Physiqae. lY . 192. 4S6. 

2 Vergl. J^endrdthe, 

. Bd. H 



#4 " *- •''-1- 



. * , , t» ' - ••' in 



. •• ■ 



^«.&A« 





>* , ^■. ■,» '-t .tt r.*«»^ L»rT^ 

^ ,ff '■^ * .««-^^ ./M^'.fif Till st«nl4r..ies 

» /-fi »/f.M'^n ^/»«yri ••'»♦'•'»•••• ■''''^» **'^ coUire roswo , u^'C 
.1 .. M.K.I.iHr r.-i,iiflli. liM VViH^^r ftin ;^riinM Licht zsxi 

,,, h iif 1'^ ^Hrmll-i' }l^ /t^4 iVf^^rrM AdL% Wuaer graue 

..,, f/,,if.i • AI hlf^r^Mi , rlrtfn M die grünen Strahlen 

,«, (,|i^ '.'I il f.<t iitfM> ^iiiM ^'%ttUir. Mf;n;;e Lichutrahien *« 
I luti >ii (hiiililHlMf , niK II III (Irr Tirfe noch gemischtes! 
(iii)( mIimIi. «Uli )itlfiih .Hiffilihii y.ii rellectiren. Das dnr 
«iKih ii«|l«h I l( tii «Ytinti» tMii lirllcji Hüth^ vregen der ni 
b'\wi«iKhu vli'liMi ^^imIhi'h Sliiililen. — £s wäre de 
w \(^, \l(;«i> ltJl't'^\iM» liiliiliiiin^ theUs im Meere, t 
H\iv««u\i. \ \\\\ \\ i^M^ci vn^tliunlene barbungen zeigt, zi 
Vii \\ Kl Ivli ninrii V^HuniUtdieu lliUjUger IVIaterien 

iwiv \' U^tli-^'i .« ^«'^ « ^a\\ \iu iiduilich blaues Licht 

xv.'i'ii ."1 I ^. lli. , v».Ui ■.^rllu's und ruthes Licht dnrc 

\' *v»»«\ '»4 il' 'v'« li.v*.» l''j;i'ii>c«'ijU ati der infusio li 

«■'.>.. i( ^ i,< .«(•:« \> il 'Uli iMii 'Aiwtiueii auch. Gäle*^ci 

o 

»• I.,« .1 %.. .1,1 ,. .1 \ji'*i"i ^;jt-^'p Vrr 2e>>it Äch dl 
. «. xk.,.vU-i »»» i.»iiVK^j.'iv iifTtfii Lichce. wo 
' . ...s-»^^* ^* »■. i -1 -^-iv.'. I»» .w*t*r iit .ii üSCAi all 



V \ 






i 



natürllcbef^ddt« Körpen 115 

^gen vAä^ikm das Bläu ztiriickg«^6i*fen And die übrigen Far- 
Ur werdm'dtlh^gelassen xitiid''te1g'«n uns- die v^s^n G^'geii- 
hide dnrdi Kndchengläs gesehen feuerroth. 
tiJMerci Ktfi^et^erjM^heiAJtf 1]A&t'i^1ftef*Vedtimbtei^ 
nik'dtiveh ^refleotirtes Licht' seliert oder das durchgehende 
:beobaehtet}. Hief' i^^deri'.kH« 'ahdere Fai^bh'viräig ab- 
HBBScask.'-liiit'elntgis'^cbSne Bemerkungen Übtfr'diese 
foAige» dUüfiltsiöhtiger^Kl^^ergietnätiät^ Zuerst hWne¥kt 
'-eilAgtf 'Gbser gewiss^ t^attj^rist^ahlen beiiiähä'ganz uri- 
dnrchlasa^n, während' sic^ 'andere voUkotnmiii «hter- 
n. Bedient '^an sicli ihi'er um das durch das Prisma in 
etk- zerlegte /Sonnenlicht durch sie durchgehen zu 
n«>.j80 erliält man ein runde« einfarbi;;es Bild, vuid wenn 
durch sie die vom Priisma gebrochenen Strahlen anderer 
Mm* iUigr gelangen läTsi , . sp; ersclieinen diese scharf r be- 
andere K,örper lassen mehr als eine Art von Farben- 
dorcUy unterdrücken dagegen die übrigen. Verdünnte 
nns -Tinctur zum Beispiel läTst «^ar keine gelbe und fast ear 
griinen Strählen durch und zeigt dalier, wenn man den 
Strahl aurch ^ie geheii ]%lßt',itai pri^mätiich^n" Farben- 
* ein rundes tief rothes Sonnenbild, völlig gesondert von 
i ISngKcheil violett und 'blaüien Bilde , das sic^ sehr matt 
unliebe hinein verläni^ert^. ■ . 

ine indere Bemerkung von Hersceel betridTt den Fall, 
£e durchgelassenen Strahlen zwei /Farben enthaltei^ oder 
Ufeli i#el' Maxima darstellen,- wepn man- die IVIenge der 
l^classenen Strahlen durch Ordinaten in jedem Puncte des 

* ^^ ■!j* ..I-*"' '* • 

Bospectrum ausdrückt.. .Dieser Fa}! giebt Veranlassung zu 

iniflalleiiden Erscheinung , dajb bei einer bedeutei^d dicken 

ht des durchsichtigen Körpers dieser, vermöge der durch- 

den Strählen anders gefärbt erscheint, als da -wo die Schicht 

ist^ Eine Auflösung von Saftgrün sieht , wenn sie eine 

Schicht bildet, smaragdgrün aus, statt dals eine. dicke 

t blütroth ist. Dieses erklärt sich aus der, un£;leichen 

itat der verschiedenen Farben. Wird der beim Eintritt 

ere Strahl in stärkerem Mafse geschwächt , als der min- 



U Phil. Tränsact. of tho Edinb. Soc. IX. 445. 
2 Nach meiner eigeneD ErialiraDg. 
8 Ver^l. obea No. 6b .'Anni«iii :. - - i 

H 2 



1-18| 



• k 



;.» 



F.ar'ben, 



iii^d 6teig6 hififb a(i^m.BIau ^nd Griin bei ;sagtttUpf<4^>l^ 
Dklavai. wendet dies auf die Aendenmg derFaxbeii, bei 
fenden Früchten an. Vom Grün, welches die noch saure Fi 
zeigt) , gebt •di'^F'Olbe« boi abnehmender Säure durch: 
Roth über. ,.;.:.:.• 

DaTs 4i® Farben beim Anlaufep des Stahls eine, ah^ 
Farbenfolge zeigen, ist bekannt: sie fangen mit Gelb an. 
durch dunkleres Gelb, (ohne dals die Stufe des Rothi 
sich wahrnehmen läfst) in'.pürpur, tiefes Blau, in 
über, welches wenn das Roth vorkäme, eine ganz, genaue & 
benfglgc in absteigender Ordnung Tvom Gelb der ejrsten 
mmg' bis.' zum Hellblau der zweiten Ordnung) geben wurde. 

Äehnliche Aenderungen der Farbe durch Wärme, bei 
ner ganzen Reihe von Körpern, werden in den Annales 
Qiimie^ erzahlt, und auch liier sind die Uebergänge von 
in Roth oder sogar^ durch Roth in Violett, bei andern 
bläulich Grijln ins gelblich Grüne, oder vom Blau ins 
dieser absteigenden Farbenfplge gemals. Hierher gebSSren j 
ner die Erscheinungen des mineralischen Chama^leon^ mid 
Menge andere, welche die chemi^^chen Operationen höchst 
reich darbieten. 

Doch , es mag an der Erzähliuig dieser Fälle-, zn 

sicfi aus Delaval leicht mehrere hinzufügen lieCsen , 

* ■ 

seyn. Dals. man diese Farbenfolge als allgemein geltend ani 
dürfe , ist wohl nicht zu behaupten. — 

Ueberhaupt läfst alle bisherige Untersuchung iu dieser 

• • ■ - * 

zen Lehre noch viel zu wünschen übrig. 

Physiologisch^e Farben. 

.33«. Wenn wir eine Farben - Erscheinung unter bestimmt 
Umständen so wahrnehmen, dafs wir durch theoretische Griii 
oder durch Erfahnmg die Ueberzeugung haben , jedes gesi 
Auge müsse due Farbe eben so sehen , so nennen wir die so 
beobachtende Farbe objectiVj wir suchen die Ursache der Fi 



1 Delaral p. 90. 

S Tome LXXXIII. 171. anch in Biot. Trait^ de phjs. Tome 
p. VSß kommen hierher gehörige Erscheioiui^en vor. 

s s. Hl. u. s. 91. 



physiologisclie. 110 

em erl^ucbtenden Lichtstrahle oder in den Eigenthümlich- -■ 
m der erleuchteten Fläche. Dagegen giebt es andere ^Far- 
- Erscheinungen , die nur bei bestimmter Aifection des Au-" 
hervorgehen, vhd diese nennen wir sub/eciii^e , oder p^jt- 
o^iteAe^ von der Affection des Organs abhängige Farben-' 
diemuTigen , weil hier das eine Auge Farben an demselben ' 
Mte, in derselben Stellung sieht, wo ein anderes, nicht den- 
len Affectionen unterworfenes Auge sie nicht sieht. Diese 
hhexnende Zufälligkeit ist Ursache , dafs man diese Farben 
itt muflUlige colores adt^entitii , colores accidentales, 

Ueurs accidentelles, ocular specfra genannt hat, ob- 
iäi auch sie nach sehr bestimmten Gesetzen hervorgehen. 

33- Um sie richtig zu beurtheilen , miissen wir von ver- 
ildten, "wenn gleich farbenlosen Erscheinungen anfangen. 
bin man das Auge auf eine schwarze Fläche , einen schwär- 
(Kreis zum Beispiel , richtet , der auf weiTsem Grunde liegt, 
irird man sehr bald gewahr, dafs die umgebende w^eifse 
die unmittelbar an jenem schwarzen Gegenstande weifser, 
lisender erscheint, als in gröfserer Entfernung von demsel- 
i; dagegen, wenn man eine w^eifse Kreisfläche, die von 
n umgeben ist , mit angestrengtem Blicke betrachtet , so er- 
ünt das .Gran nahe um die weifse Fläche dunkler, als der 
ter entfernte Theil. Eben dahin gehört die Erfahrung, dafs 
1 im geschlossenen Auge das Bild eines Fensters mit dunkeln 
eiben und hellem Fensterkreuz nebst hellen Einfassungen der 
eiben, zusehen glaubt, wenn man ein auf den hellen Him- 
l hinaus gerichtetes Fenster lange genug , mit einiger An- 
D^nn^ des Au<ies , an<;esehen hat. ' 

Alle diese und ähnliche Erfahrungen kommen darauf zu- 
: , dafs ein durch stärkeres Licht mehr gereizter Tiieil der 
shant abgestumpft wird , und daher , wenn er nun eben so, 
die umgebenden Theile, von mafsigem Lichte angeregt 
l, sich minder empfanglich zeigt, oder uns die Empfindung 
eren Lichtes w^ahrnehmen läfst. Hat dagegen ein Theil 
?fetzhaut , auf -welchem der dunkle Gegenstand sich abbil- 
, Ruhe genossen, indem wenig oder gar kein Licht auf 
fiel, so ist er jetzt empfänglicher für den Eindruck des 
ts , und wenn dann die Strahlen des Weifs oder des Grau 
einer etwas veränderten Richtung der Augen -Axen eben 
Q fallen , so ist unsere Empfindung so , als ob das Weifs 



r 



-» ".zre 



■:"..":t* iirr. .n -* t: *■■ Hxeile der S 
.■-"??i ".: r: — -,^. — ••■ .: j -^ea. juxrcii du i 

rr"»*^T '- '^Ti. ~a:ir?n— -r ^iür . in -veiiiimi die di 



■• .11 



■• »Ti *^s -^-L* -inri.-r?*! . — ?tt«* .* miy vmA ang 

-IT ..-:> ---*^:acr "^ ii- .--Twiir?!: t:7-i- "Lia letje äeideni 

-•^•••^ --:-.■ i_i;». ~ n "tT- ■_ J..;!^ -^a ?ini^ von I 
'- "c-i?'.-;-^ " •^-- ■ •— < •—:--- ■: inu.. la^ iuii©^ daraoi 
" '■« i.niir • ■: -. TT^ -^_s jinsc^i " -::'jrz::*»yi ies Bande 

"* .'--r.:n^i: . -^üifii "zsjz "ii-r :2j.a.. iajü» dar: 

'■•[- .7; -^:w-^r3irz.-^j :e* .u^** i.-i-^-Tris T'.eil ies wail 
.■'*^* ,— - -rs.^rizr . _z.jL *r":ir '-Li .'xrct? rti^;r, du 

--, - ->■ -- ;^2. un *■• -ii.— '-r-'w i^iir -TT lea 3jind. des 

.il: j-zstfn X>^u -t^tii. n} erkennt o 



:-?T - -.*:=' 



•"•■*■""■ ■•*"": ■."nzi^'i ■.:?s .-Tsi-u::?."*-. .: -^ ^.llij: nan eha 

.r»^- ■.-(■'-■ c'.-.i - ini. -"in — ■ " f'TTr !£r'^"ii:2ii::,c>iarbe a 

'' • * - > - ji —JE ij .Lij.jjTtLjivi. ^- ■'.'-';.-'•.• <r ranje, 1 
• •? ■.,..... ■ -7-,r !:i.s Iii.ii:i ,^i::. ;::::- ?ijii axeriilicii 

•^' ■■ -V .«»«««»r; "..-,err. -inä ier 3iici iiu -.-'.vierte* Baj 
■tr^in^r -r?<* .'L.-^chp-inun;; ie? ?trniii.^ibe!i iier'.'^r . auni 
*•-•-,• ^s >'';in^«' .iinneic'^ni.t. lei^- .ins- :i«iciiiier ein 
•*■• '';* :m':^ek*?tirt iös aeilbiaue 'diiiiu. iie woii;»« FLi< 



physiolögidche. 1211 

||in hellem ona^ffarbenen Lichte zeigt. -^ Man kann leicht 
Aeihe Vexsuohe-xnit mancherlei Abstufungen von Farben' 
, "wo^n; ^e ^denen Bänder wegen ihre» reinen Far-^v 
ises sich besomlers geeignet steigen, und immer wird man 
Behauptung, dab die £rgänzungs£arbe , . z^ar mit vielem: 
gemischt, aber dennoch deutlich heiVoilritt, bestätigt- 

}]fißin kann den eben erzäUten Versuch auch so abändern^ » 
^an ein. : grünes Band auf rosenrothen. Gnind legt, und 
inan das Grün Jange scharf angesehen hat, nach dem 
Grunde blickt, oder die dem Grün zunächst liegenden 
des Roth betrachtet; dann eraipheint da, wo beiiweilsem 
die geforderte Farbe sich .{zeigte, das Rosenroth scbö- • 
etwas gesättigter, als es vorher der Fall war; und genau 
der graue Grund um den. ichwarzea Kreis heller er«* 
so zeigt sich das Roth lebhafter im Gegensatz gegen 
^arbe, die gar kein Roth enthält, oder die Ergänzungs- 
des Roth ist. Mit Gelb und Violett , Orange, und Blau • 
I. es sich, eben so verhalten , nur muls man immer bemeir- 
daJEi der Grund, auf welphem die Verstärkung oder .der 
Eindruck der Farbe- hervortreten soU , nicht zu dun- 
muls» 
34^ Diese Beobachtungen sind fast eben so schon von Buf- 
[^ angestellt, der zugleich noch das glänzende Gold statt . 
gefärbter Körper , das Silber statt des Weifs empfiehlt, in- 
diese glänzenden Körper einen noch dauerndem Eindruck. 

Igen. 
BirroM erzählt auch noch folgenden Versuch. Wenn man- 
rmtlies Quadrat lange ansieht, so erscheint es bald mit blas- 
ig schönen Grün umgeben; richtet man das Auge länger 
', 'so sieht man das Quadrat in der IVIitte blasser, an den 
m tiefer gefärbt. Entfernt man sich nun ein wenig , wäh- ' 
man denselben Gegenstand noch immer scharf betrachtet, 
sieht man alle vier Seiten des tief rothen Vierecks sich in 



1 M^m. de Tacad. de sc. A Paris 1743. p. 152. Etwas anf ahn* 
Yersoche Hiadeatendes findet man schon in Physiologia Kir-« 
es rastis Kncfnai opp. extrazit Kestlems. Amst. 1680» 
it wichtiger .aber ist Diawias Zoonomie, übersetzt Ton Brandis- 
Abth. 8.619. 



107 



Färbten, 



aewn>ilnilah und ein eben so tief rothea JÜMz' bilden. '< 
rotten Viececk erscheint dann wie ein Fenster, das initteä 
slaifea* Kreuz und weifsliche ScheibeM' hat. ' Aei hioeh Iftrtj 
angestrengten Hinsehen verwandelt sich ' das Gatise^ in mai* 
tief zothes Rechteck, 'dafs es' die Augen blendet; dieses !R< 
ist eben so- hoch als das- Quadrat, aber nur ein Sechstel so bi 
und dieses ist der letzte Grad der Erscheinun«; « den das 
enniUekf Auge noch ertragen 'kiinh.' Wetidet man alsdanii 
Auge ndch 'einem weifsen Grande, so sieHt man ein eben to 
foormtes, schön und glänzend grünes Rechtecik, welches 
langsam Verschwindet. ^ ^' 

• -.Dierduttkeln, meistens zum tSirpur sich hinneigenden 
der, 'die man sieht, wenp man die Sonne starr angesehen 
gehleren' auch hierher ;[ ihre t^arbe erscheint nacb Verschie« 
heit des Grundes, auf welchem m^n sie sieht, anders, 
wie BOffov 'bemerkt, so wie es die Mischung der: 



zwar 

törlicben Farbe des-Gnindes mit der subjectiven Farbe des 
des fordert." T. Gothe, der sich um idie Erörterung der 
siologischenr Farbenphänomeue viele Verdienste' erworben 
erzahlt ganz ähnliche Versuche K 

Auch eine merkwürdige, von' Beer angeführte Ei 
gehört hierher. Wenn operirte Staarkranke , die schon 
unterscheiden, gelbes auf weifses Papier gelegtes Band ansehe 
so sehen sie anfangs das Gelb deutlich ; ' je länger sie es 
hen>, desto mehr legt sich die violette Einfassung, die auch 
zu . bemerken pflegen'^ über das gelbe Band', so dafs endlieh jb*] 
nes erst kürzlich operirte Auge nichts mehr vom Gelb gf 
wirdi 'Eben so verwandelt sich Blau in' Orange, Hellroth i^ 
Grün. Trech«!!. erzählt eine Erfahrung, die eben^ls zu dis-i 
sen Erscheinungen gehört '*. In eine Capelle nahe befiSolöl 
sind alle l>'enster von gelbem Glase , so dafs im Innern diel 
leubhtUBg aller Gegenstände ein sehr vorherrschendes Gelb hii 
Oeffnet man einen der Fensterflügel so , däi^ nur ein s< 



1 Farbenlehre. I. 13. 20. 

2 Das Aage oder Versuch das edelste, Geschenk des Schöpfen 
zu erhalten u. s. w«.yon Beer. S. 1 — 8. Etwas hierher Gehöriges er- 
gaben auch Trqxlbr^s und Himlt's Versuche in Himlji' ophthalra. Bi« 
hllDthek. Ister Bd. 2te8 Stück. S. 11. und Step Bd. Stes Stüek S. 4A 

S Biblioth. univers. 1826. Mai. 



fi 1 



physioloigifche. 1S9; 

llrdie Auuioht auSden Hiipmel gestjEinet^- M> exscheint nicht ! 
Sm der värklich blaue Hui\n;iel sel^r ß^h^. blau,:-.«Qyidf rn auc|i 
ibe Wolken zeigen sich im schönsten Blau. 
- Gbnz. ähnliphe Erscheinungen brachte v. Grötthum^ im 
fßß(^ Zimmer hervor, wenn er die einzige, Licht einlasseiyjlif:^ 
ifB^nng. mit einem fiurbjg^n Zeuge verdeckte. Bedeckt man. 
[ipljrb diese Oefinung mit ein^m durchsichtigen ;griinen Zev^,;^ 
^/am ^'0 kleine Oeifnung < ist , so erscheint duKh diese Oeff- 
Ipg. der Himmel röthlich , das^ Grün der Bäuikie unscheinbar 
ll^. weiblich; vertauscht man aber die Bedeckung plötzlich mit ' 
Mr rothen , die eine gleiche OeiShung hat, so -erhalten die 
Itfpie sofort ihr Grün im schönsten Glänze wieder, aber das 
Ij^ der Ziegeldächer erscheint jetzt weilslich. Und etwa« 
phnÜches erhalt man , wenn man ein geförbtes Glas vor d^ 
Ut9^ JÜqAmt und nachdem man die Gegenstände dadurch an- 
(fnhsn hat j sie nun wieder mit freiem Auge betrachtet. War / 
19 Glas orangefarben , so erscheint weifses Papier und der 
fene Himmel nachher* bläulich; war das Glas blau^. so ef^ 
bifinen eben die Gegenstände nachher gelb und glänzend. 

' 35* AUe diese Erscheinungen lassen sich , wiei ich glaube, 
■ einer zu starken Reizung des Ang^s erjklären^. Habe ich' 
Ige auf Roth gesehen, so ist das Auge für diese Farbe geblendet 
fed dagegen für die übrigen Farbenstrahlen y die zusammen 
b Eigänzungsfarbe zu jener bilden, empfänglicher. Deshalb 
npfindet das Auge im Weils, welches ihm- alle Arten von 
Leht soKndet, das Grün als vorherrschend, aber doch so mit 
(Tals gemischt, dafs dieses sich als ein zwar schönes reines,, 
ler doch nur sehr blasses Grün darstellt. Jenes Quadrat, wei- 
st Buffox anhaltend ansah, zeigte sich, wenigstens ehe die 
anfidnng des Auges zu grols war, am Rande tiefer roth , als in 
K Mitte , weil der Theil der Netzhaut , den die Mitte des 
Ues traf, am meisten für das Roth geblendet war, der Theil 
gegen , auf welchen das Bild des Randes £el , durch das ab- , 
Ichselnd mit beteachtete Weifs , etwas mehr seine Fähigkeit, 
i Roth vollkommen aufzufassen , wieder gestärkt hatte , aber 
Wnoch y sobald das Bild des Weifsen eben dahin fiel , in die- 
B die grünen Strahlen mehr als die rothen empfand. Diese 



1 Schweigger's Beitrage zar Chemie and Physik. III. 14. 

2 Die eine Beobachtung au operirten Staarkranken aoagenommen. 



£»' 



Farben; 



l&klärcmg , det bxlA V/ Gothe nicht ganit abgmiftigt 

ist genau übttrefaistirtmend ndt der, welehie v.GAOTTkirul 

nimmt. 

'•'' 36* Avtßh das doppelte Spiegelbild in gefärbten 
nvttfe nach ähnlichen Regelä erklärt werdcin; Nimmt mAta' 
gelbes ins Orange übergehendes Glas nnd legt es so, daft- 
die Sprossen eines Fensters, dnrdh welches der helle 
gesehen wird, in jenem- Glase abgespiegielt sieht: so sii^ht* 
wie bei allen Spiegeln, ein doppeltes Bild, eines nämlich' 
ZbHiokwerfiang von der Vorderfiäche , eines durch Zi 
fang von der 'HintiBrfläche des Glases« Das Bild des Fi 
kreuzes, welches die Hinterfläche giebt, erscheint bka, 
von der Vorderfiäche reflectirte prangefarben , aus ^ol{ 

p. Gitmde« Unser Auge erhält wegen dieser doppelten Spiegt. 

fa, aus jedem Puncte D der obem Seite der Glastafel A B zwei^ 
verschiedenen Gegenständen ausgehende Lichtstrahlen, ii 
der Punct E durch Spiegelung an der obem Fläche, der 
Fnitirch Sj[>iegelung an der untern Fläche in G von dem An^^ 
nach der Richtung OD gesehen wird« Ist nun ED sowoUi 
FC ein vom hellen Himmel kommender Strahl, so sieht' 
Auge O diesen hellen Punct blals orangefarben^ weil bei C; 
färbtes , bei D ungefärbtes Licht zurückgeworfen wird , und'i 
Mischung beider ein blasseres Gelb als sonst der Gli 
beim Hindurchsehen eigen ist, giebt; ist dagegen in F 
dunkler Gegenstand , wie das Fensterkreuz , von welchen^ 
keine oder wenigstens nur matte und unbedeutende helle 
Starahlen ausgehen, so empfängt das Auge O blofs -ungei 
Lichtstrahlen, die attl$ den eben erklärten Gründen die Em] 
düng des Blau hervorbringen , so dafs das dunkle Bild des Ff 
sterkreuzes, das von der Hinterseite dargestellt wird, als 
erscheinen mufs. Umgekehrt zeigt sich das Fensterkrenx 
der Vorderfläche abgebildet mit der völlig tiefen Orange! 
die dem Glase eigen ist , weil hier von C aus das gelb gei 
Bild des hellen Idimmels zum Auge gelangt , welches jetzt 
wie vorhin durch Beimischung weifsen Lichtes , ein bh 
Ansehen erhalten kann , weil in D kein Lichtstrahl vom 
len Himmel hingelangt. Ist der dunkle Gegenstand so bi 
dafs beide Lichtstrahlen, die wie ED, FC einfallen sol 



1 8. IL 



phyai^logiache. 125 

ch ihn ra%ellalteii "Verden, to sieht das Auge O in D blobes 
nkel, oder da fast nie .ein Gegenstand ohne alles Licht ist, 
'matte Erlauchtong die diesem angemessen ist« 

'* Bei jeder andern Farbe wurde es sich eben so verhalten. 
HjiiibndeTe sind schwach grün tingirte Glasstücke sehr geeig- 
R^'daa doppelte grün und tosenroth gefiirbte Bild zu zeigen^. 

f'^Eneri ähnlicheh Erfolg von der durch zu starkes Licht 

lenden Ueberrei2ung des Auges sieht man in folgenden 

. ifaen, die ich nach Thomas Smith's^ Anleitung aiigiM- 

nnd niehrfeich aog^'ändert habe. Man halte einen schqia- 

'Streifen weifses Papier 8 bis 12 Zoll vom Auge und blicke, 

id ein Kerzenlicht sich dem einen Auge sehr nahe^ seit- 

SlehendV befindet , das andere Auge aber beschattet ist, 

einem weit jenseit des Papiers liegenden Gegenstande'; 

dann bekanntlich den Papierstreifen doppelt , 'und be- 

iiim, dals der weilse Streifen dem beleudbteten Auge 

dem beschatteten ' Auge orangefarben, ja zuweilen 

Lche übergehend erscheint. Bringt man zwischen dak 

und das beleuchtete Auge ein gelbes Gläs, so ist die Er-t- 

inng ziemlich dieselbe ; bringt man zischen das erleuch« 

re und das Licht ein blaues Glas , so' siild beide gese-» 

J^der ziemlich gleich, doch das mit dem beleuchteteil 

gesehene etwas minder gelb als dasf andere; beschattet 

■ ' Augen , so sind die Bilder ganz gleich« Wird das 

vom nahen Kerzenlichte ohne Schwächung beleuch^ 

rpapierstreifen aber erhält das auffallende Licht durch 

vefarbenes Glas, so sieht das beschattete Auge ein sl^hr 

Orange, das beleuchtete Auge ein sehr ins Gelbe 

ides Grün. Fällt das Licht auf den weiDsen Streifen 

blaues Glas (das von mir gebrauchte gab einen schwa- 

Febergang zum "Wolett,.) so zeigt sich dem vom freien 

ite getroffenen Auge ein nur wenig lebhaftes aber rein 

Bild, dem andern beschatteten Auge erscheint der weifse 

schön rosenroth. Ein hellblaues Band erscheint dem 

teten Auge tiefer blau, dem beschatteten fast ganz weifs ; 



TT 



VcrgU BAUMCAiiT»Ea die Natnrlehre nach ihrem gegenwärtigen 
Sie n. ». w. Wien 1826. -ß. S41. 
Brewster's Edinb. Journ. of Science. No. IX. p. 62. 



ri36 Farben, 



/ •! 



'4nA gelbes tKoind dkgegeti scHeint Am 'i>eIettGUteteii. Auj 
. ser^^ • dem beschattetet dunkler ^elb. ' : : . •,}•.' 
Alle diesi- einvelnen Ersoheiiiiingen lasMn aiioK d*t 
.lücldiihren'r da|s»dK8'Yom g^lbey» K.er9enlichte geble^d^ 
.nüdjpr,.einpr«^gUeh:liir die gelbfn Lichtatrahlp^ üt^,.^ 
.flaa jbeechattdtei dfttm dpch den .CoptraAt. uns d^s Qpl\>„ 
^enrschend 9e;gt. 'Aus dieseip Gnuide erscheint dem bei 
ffen Auge ein .gelbe» Band blasser gelb , ein blaues tiefi 
juidaus demselben Grunde zeigt siqh da9,.wei£se, oder ei^ 
.vermöge des gelben J^erzenlichte^ etvvas^^bUcbe Papier, c 
IjErnpJiteten Augergrüjt^dembescha^eten Auge orangefarben 
H^llroth iiberg^bjei^f]^. Könnte «^anigin iganz weifs belei 
Papier haben, so miilste wohl jenes. blau s^y-n, im Gegensa.t;B 
.die, orangefarbene Beleuchtung desAuges, und diesesorangej 
-jm .i37* Piese subjectiven Farben ^i^d.es nun auchj 
in., den fär^gßxf. Schatten wahrnehi^ei^^ . Ein Schatten, 
^ptsteht^ ^a£j,..dje: ,yon 4hm getrpffene, Fläche gar kei 
empfängt , .i8t.s(ileinal|.ganz dunkel^ das einfallende Lichl 
i^em gegenüber :4erjSch?itten entsteht^, . mag weifs ofler 

iJflyP 5 — :. "^t. PSiffS*?^^?!* <^^^&t durch eigends deshalb 
istellte Versuche, im finstem Zimm^. wo pur durch «n 
^au^g Licht qip^el.j. xlals. es so se)r»^^ Aber werin,ni<; 
eii^em einzigen« ,^unpte hier Licht einfällt, sondern ein in 
rer Richtung einfallendes Licht den Raum erhellet, 5i 
S^l^atten vom ersten Lichte hervorgebracht traf, so kai 
^er,$chatten farbig erscheinen^ Zuerst nämlich ist s 
klar ,:.daCs die Erleuchtung der »ganzen von jenen zWei L: 
beleuchteten Fläche bläulich seyn mufs, wenn das eine 
blau, das andere weif$ ist ; und eben so einleuchtend isl 
dey Schatten , den das w^eißse Licht wirft , oder der daHi 
"Vfrohin keine Strahlen des weifsen Lichtes gelangen, sich 
1er blau zeigen mufs, als der übrige Raum, weil dort 
Beimischung weifser Strahlen ein Hellblau hervorbringt • 
JJlau ist also ein objectiver Erfolg der farbigen B'eleuc 
Aber nun bemerken wir zweitens , dafs der dem blauen . 
zugehörende Schatten unserm Auge gelt oder orangefarbi 
scheint, und dieses nur deshalb, weil der gegen das 



1 Smith nennt das zweite Bild'TOth, wM mir.niQht.^ani 
tig scheint, • 



physioiogißche. 127 

ib% beschattete. Raum uns rein weifse Stmhien zuwendet, aber 
gen des umgebenden Blau uns mit die^'.ErganzungsCarbe dta 
uz erleuchtet erscheint, die also hier aU subjective Farbe her- 
rtntt. 

'^iese £rklärui)g^. scheint mir über alle fiE^b>gQ Schatte? 
|knnft SEU .geben, . \yienn Kerzenlicht und Tageslicht zugleich 
I^FIäche erleuch^^n^ und auch ^s.Tageslicht bei b^depktem 
el gar keüi yorherrschendes.Bku'eiitliält, so A^ig^ Isick 
, der dem Keszeidichte gegenüber, entstehende , vom Ta- 
ichte oder Dämmerungslichte. erhelletd Schatten bUü,, -vväh- 
der dem Tageslichte gegenüber entstandene vom. Kerzen'«' 
be erhell ete. Schatten gelb oder oranrgefj^rben ist 4 denn die 
he £rleuc}itung der. ganzen übrigen Flache ruft da , wo 
Auge blols. weifses Licht empfängt,, wo keine 'Strahlen 
Kerzenlichtes hingelangen , die Ergänzungsfarbe, blap,. her- 
ist .der Himmel, dessen Wiederschein das Tpgeskelit ist, 
t blau, so kann dieser Umstand mitwirken, die blane Farbe 
en , aber notliwendig ist, er ludl^t.^ 

t Selbst das gelbliche Kerzenlicht kann eine ähnliche ij^r-« 
innng eines blauen Schattens hervorbringen. iMan stelle 
gewöhnliche brennende Lichter so , dais ein schnsiler Ge* 
Ed einen doppelten Schatten auf eine weilte Ebene wirft, 
lieinen uns beide Schatten ganz gleich, grau oder matt 
tet. Aber nun schiebe man ein orangefarbenes Glas vor 
ia ante Licht, so erscheint der vom zweiten LicLte £ewor<* 
(|a, vom ersten erleuchtete. Schatten, orangefarben, der vom 
Mea Lkhte geworfene, vom zvveiten erlenchtete^ hin;^ff;;ea 
pnlicli. Offenbar erhält der Kaum , den das freie I^cht be- 
BieiDt, eine matt gelbliche Erleuditung, wie dki^ hti un^mu 
nlichte immer der Fall i^t; aber der Kaum, den beid« 
r erleuchten, hat so sehr ein vorwaltendes orangefarbene« 
, dafs das Auge in jenem Weifs, wenn ^iWiüi t% auch 
ins Gelbliche übergeht, doch das ver^!<bichun;:^wejs« 
rrschende Blau erkennt. Man ma;; hier ftä^en, *ii%s A'j'-e 
de in dem, mit nur wenigem Gelb j:^mi sehten W'eti«, diks 
durch den Contra«t, oder das durch das umJ|«r^erl'ie f^rtn^ 
ffiabene Licht für diese Farbe ablest unripfre Au;:e i^tn^,firi'i*: In 
Klem, wenn auch mit etwas Gelb vermiich'en \\ e;:\ vorz»^;:»^ 
tase das Blau ; immer ist der Hauptsache nach der S^stn tlf.t 
äruns wohl derselbe. 



128 •'•* Farben, 

> •• RuMFOVD hflt^'sich viele Mühe begeben j ein^ Aiä 
die mit der' eben ausgesprochenen sehr nahe verWändt'ist, d 
Versuche -zu beweisen. Er machte nämlich auf die eben a 
gebene Weise einen breiten Schatten , der dem blofsen 1 
bkü erschien; beMchtcite er^ diesen durch «in '!(o' enges i 
dais ei<iii^8 von der uingebendeir beleü<5hteteh Flache zog! 
ttitübiimh, so bemerkte er eis gar nicht;' wetfti' ein ahdärbi 
lichf^r^^lches den Schütten warf , mit emer Platte gelben' 
orangefarbenen Glair^ bedeckte oder diese Platte wieder wegd 
-r. /^Um iiicht zu weitläufig* zu werden, tdll ich nur noch: 
Erscheinungen anfcihren , deren eine woM nicht ganz mitl 
hierher geärechnet wird.' ' Ich habe schon oben ''erzählt,' 
Hallkt in der Taucherglocke das von oben durch dasBI 
Wasser 'einfallende Tagslicht röthlich sah , während das' 
unten ttus dem "Wasser zurückgeworfene Licht die Gegenst 
grün zeigte. Dieses war ohne Zweifel Folge der von i 
dibtÜgel^senen vorherrschend rotheü Strathlen , denen zur 
geworfene grüne Strahlen entsprachen; aber w^re hier 
einer Seite weiüses Licht eingefallen , so Würde das Auge ' 
ndbh in diesem weifsen Lichte die Ergähzuiigsfarbe der fiiil 
Beleuchtung Wahrzunehmen geglaubt haben. 

• Die zweite Erscheinung hat sich mir selbst ofit dargeb 
Ich bewohnte ein stark von der Sonne beschienenes Zin 
das durch grüne sehr dichte Vorhänge gegen die Sonne gesi 
war. So lange nun alle Thüren oder sonstige Zugänge fä 
Licht geschlossen blieben, erschien alles im grünen Lichte 
die Schatten dunkel , ohne Farbe. Sobald ab6r Tagslicht c 
die- Thür einfiel, x^men- alle Schatten eine scheine r< 
rothe , ein wenig ins Violett übergehende , Farbe an. Bt 
ders interessant zeigte sich dieses , wenn man weit entfernt 
Fenster neben eine seitwärts gehende Thüre eine weilse ' 
aufstellte. So lange die Thür geschlossen blieb , sah ma 
weifse, gegen das grün bedeckte Fenster gewandte, Tafel | 
lieh erleuchtet , aber sobald man die Thür öffnete , erschic 
dem Vom Fenster her auf sie sehenden Auge in eben jenei 
senfarbenen , etwas violettlichen Lichte , weil die matte [ 
Beleuchtung« nun nicht bedeutend genug war, um zu hin 



1 d. Phil. Trans, .LXXXIY. 107. Daraus in Grens Neaes J 
der Physik. U. 58. 




physiologische. 129 

ili aus dem Weils des Tageslichtes die Ergänziuigsfarbe her- 
ngerufen wurde. 

38* Diese Erscheinungen sind auf selir verschiedene Weise 
lUnt worden ; ich führe diese Erklärungen nur kurz an. Dafs 
Ik Uanen Schatten nicht dem blauen Liclite des Himmels zu- 
ipclireiben sind, wie BouGUca imd andere^ meinten, erhellet 
dem Vorigen. Der Beugung des Lichtes , weil die blauen 
n am meisten in den inneren Raum des Schattens hinein 
würden, hat v. Paula Schrank^ diese blaue Färbung 
ieben , aber gewifs unrichtig , da weilses Licht in grü- 
Beleuchtung eben so gut röthliche Scliatten hervorbringt. 
GHOKK.B, der eine Reihe interessanter Beobachtungen über 
Schatten angestellt hat^, scheint sie daraus zu erklären, 
im farbigen Lichte nur die eine Farbe zurückgehalten 
IP^rde, der Schatten also kein vollkommener, schwarzer Schat- 
|pi seyn könne. — OHenbar kann aber in jenen Schatten doch 
fn dann Licht irgend einer Art kommen, w^enn noch von einer 
twehen Seite her Erleuchtung statt findet, v. Güthe* hat die- 
91 ganz richtig als eine Hauptbedingung erkannt, und diese 
Uutten als den subjectiven Farben - Erscheinungen angehörend 
»«(nchtet. 

39* Schwieriger zu erklären sind einige andere Farben - Er- 
dwinungen im|Auge, auf welche v. Gothe vorzüglich aufmerk- 
•m gemacht hat ^. Ich habe die Haupt- Erscheinungen oben^ 
choa mit v. Gothe's Worten erzählt, und füge hier seine Er- 
dänuig hinzu , die sehr viel für sich zu haben scheint 7. „ Das 



1 ib B. zuerst Lioxaroo da Vimci, später aach Monge. S. Gren 
. IT. 14S. 

t Mfinchner Denksch. 1811 n. 12. S. 293. und 18l3. S. 51. 

8 Unterhaltungsblätter Tur Welt - und Menschenkunde, 1826. 
*4B, Ss finden sich, in dieser Abh. auch noch mchc literarische 
hcbweisoogen und auch in Hinsicht darauf verdient diese Abh., so 
9B die oben erwähnte von Grottuuss nachgesehen zu werden. 

4 S. 27. 

5 AspiNrs hat schon ähnliche Beobachtungen (Commout. Petrop. 
Ltti.) und noch ältere führt Daewih an^ Zoonomic 2teAbth. 8.521. 
^wgL Phil. Tr. LXXVI, 313. 

6 Oben No. 5. 

7 Noch mehrere Beobachtungen hat Pit.kinjk angestellt und hr- 
■cliricben in seinen Beobachtungi'U über die Physiologi»^ der Sinne. 
It B. S. 97. 

IV. Bd. 1 



13(2 Farbenringe. 

Schiift: Clavecin ocalaire, und i>cMairjiv*s Einwurfe j 
gegen ^ nachlesen. B» 

Farben -Dreieck. S. Farbe No. 20. 
FarbenkreiseL S. FarbenspindeL 
Farbenkugel. S. Farbe No« 3o. 

F a r b e n r i n g e. 

annüli colorati; anneaux colores; coloured 
Farbensäume; fimbriae coloratae ; bandes jj 
lorees; coloured Fringes. Die in den Artikeln Ai 

langen, Farben No. 22. 23. 26. Interferenz , Inflexion^ 
larisirung de» Lichts vorkommenden Fälle, wo sich ^arbei 
und Farbensäume zfigen^ will ich liier nicht wiederholen, 
dern nur einige, wohl noch nicht ganz erklärte, Phän< 
naclitragen , und auch bei diesen nur kurz verweilen. 

Nbwtov beobachtete, als er das Licht im iinstern 
auf einen gläsernen Hohlspiegel, dessen convexe Seite 
war, fallen lieCs, dafs sich auf der weifsen Ebene die im^ 
trum des an beiden Seiten concentrisch geschliffenen Kug( 
.gels senkrecht auf den Lichtstrahl aufgestellt war, aber 
durch eine im Centro gelassene Oeffnung durchliels , Fj 
ringe um diese Oeffnung bildeten. Die Farbenringe zeigte^' 
Farben in der Ordnung, wie die Ringe bei diurchgelasilN 
Lichte zwischen zwei Convexglasem sich zeigen^ nünll 
Weifs in der Mitte mit einem dunklern Räume umgeben,*] 
den sich Violett und Indigblau anschlols ; dapn folgte Blau, 1| 
einem weifslichen Ringe umgeben; dann grünliches Gelb, ;i| 
nes Gelb , Roth , das in Violett überging. Liefs man nurfi 
farbiges Licht durch die mit dem Centro der Kugel z^samllli| 
fallende Oeffnung auffallen, so fanden sich die Halbmesser 1 
nun dargestellten einfarbigen Kreise den Quadratwurzeln von! 
3, 4 proportional. Ein metallener Hohlspiegel zeigte 
Ringe nicht. Und dieses sowohl, als andere Versuche, zej| 
dafs die Dicke des Glases dabei in Betrachtung komme. 

Newton stellte bei einer andern Reihe von Beobachtuflgl 



1 M^m. de PAc. de Par. 1737. Vergl. Heydenreich System ^ 
Irsthetik. Leipz. 1790. 8. S. 224. 



JFarbenrixige. 133 

I Spiegel so, isS» der Lichtstrahl nicht zu der OeiFnung selbst 
ectirt \irard , also di^ OefTnung nicht mehr im Centro . der 
Legelfläche lag; dann erhielt man aiif der weilseä, noch im- 
^ durch des Spiegels Centrum gelegten Ebene ein hellesi' ue- 
irtirtes Bild ; die Ringe aher umgaben wieder das Cenkrum der 
ijgel und lagen eben deshalb so, dafs ihr Mittelpunct B)itten 
ItiKhen der Oeffhung uhd dem Centrum des durch gewQhnn 
I» Spiegelung dargestellten Bildes lag. Nkwtow brachte auch 
■e Erscheinung unter die Theorie der Anwandlungen und 
■r, welcher diese und ähnliche Erscheinungen noch mit i|iehr 
j^blt berechnet , ist vollkommen seiner Meinung ^, für wel- 
er in einer genauen Berechnung , die mit den Versucheif 
istimmty allerdings wichtige Gründe aufstellt. Von dei; 
Leit der Versuche hat Biot sich in Verbindung mit 
•UT und Defleks überzeugt ; er hat auch n^ch mehrere 
Versuche hinzugefügt, die ich hier übergehe. HsiiacfliSL 
zwar, den ganzen Erfolg dieser Vexsuche dex Beugung des 
zuschreiben zu dürfen , w^eil er auch bei einem metaUe-? 
Spiegel eben ^solche Ringe erliieh, wenn der Raum vor 
rSpiegel mit feinem Staube erfüllt wurde, aber diese Er« 
kg scheint doch niclit ausreichend^. 

Eine andere Reihe von Versuchen übex Fasbeniinge ist 

Heasciiel, welche sich nämlich an die ^Viederholu^g 

rtrsuche Newton'» über die Farbenringe zwischen con- 

Gläsern anscli. liefst. Heaschel^ stellte mehr als eine 

.VOB Ringen zugleich dar. Die zweite, schwer sichtbar 

kde^ Reihe von Ringen zeigte sich, wenn man a^gut 

Spiegelglas eine doppelt convexe X:an$e von 20 Zoll 

site legte. Die zweite Reihe voii Ringen hatte einen 

Mittelpunct , wenn er bei der ersten schwor;^ war , und 

l^leDEi andern Falle zeigte das Centnii^i der einen Reihe die 

ba^migsfarbe zum Centrum des andern, und eben dieses galt 

lie Ringe gleicher Ordnung in den verschiedenen Reihen. 

Ißa^ der Liclitstrahlen , durch welche diese Ringe sichtbar 

ist folgender: Wenn c^n Strahl ab bei b den Berüli- 25^' 




f 



Neinctoni opt\pe Liber ?. Bars 4. and Biot Tr. de Fhy«. Tome 
ap. 7. . • 

I Philot. Transact. for 1807. p. 23A, 
I Phn. Tr. 1807. p. 188. 201. 



I \ 

134 Farbenringe. 

rungspunct der Linse erreicht, so wird er theils zurückj 

fen , theils nach b d durchgelassen ; aber auch dieser di 

lassene Theil erleidet in d eine wenigstens theilweise Refl< 

nach e, und so erhellet, dals es eigentlich die Strahlen sind, 

nachNEWTON's Ausdruck sich, in b in einer Anwandelungfc 

ten Durchganges befanden , die dem Auge in e sichtbar 

den. Aber während das Auge so vermittelst des Strahls b c 

teflectirte, vermittelst des Strahls de die durch die dünne 

Schicht bei b durchgegangene Farbe erhält,, kann man 

p. pl^ftzliche Verwechselung beider Farben hervorbringen. Bi 

24t. maii nämlich auf b einen Schatten,* so gelangt nun ein äH 

Strähl f-gh 2um AugCj und da dieser die bei i^dürch eine 

dicke Luftschicht gehenden , dort also unverändert bleibend 

bei b aber vermöge leichteren Durchganges :^in Aug9 köi 

denf Strahlen enthält, so sieht das Auge h jetzt an eben 

Orte die Ergänzungsfarben zu denjenigen-i die es noch 

vorhin dort sah, und auf ähnliche Weise bringt der Strahl f gl 

offenbar jetzt die in b zurückgeworfenen Strahlen Zum Aup^^ 

Herschel giebt Mittel an , um noch mehrere Heiken 
Ringen zu sehen , und zeigt , welchen Weg die StiCafale^ 
men. Statt der Ringe erscheinen parallele Streifen, wenn 
Glascylinder auf eine Ebene legt, dagegen erscheinen ellij 
Rii^ge , wenn man cylindrische Glasflächen mit sphärischen^ 
Berührung bringt *.' Die Gesetze , nach welchen diese 
entstehen, lassen sich nach diesen Andeutungen leicht 
sehen ; die letzten Gründe aber zu erklären , auf "welche 
8CHEL sie zurückführt, mufs ich dem Artikel Prisma vc 
halten, wo ohnehin nothwendig von den farbigen Bogen 
Rede seyn mufs, an welche, nach Herschel's Ansicht, 
ganze Erscheinung sich anschliefst. 

3. Verschieden von diesen Reihenfolgen von Ringen, 
gleich unter sehr ähnlichen Umständen entstehend, sind die' 
Kirox beobachteten farbigen Ringe und Streifen 2, von weU 
ich nur so viel als nöthig ist, um die Aufmerksamkeit at 
zu lenken, hier anführen will. Knox wiederholte Hersci 
Versuche und indem ix sich eines untern Glases bediente, 
ches zur Darstellung der zweiten Reihenfolge von Ringen | 



1 Phil. Tr. 1809. p. 261. 

2 Xbend. 1815. 161. 



,1 




Farbenringe« 135 

olich durch durchgelassene Strahlen sichtbar werden , nicht 
dgnet "war, erhielt er blofs mehrere durch reilectirte Strahlen _ 
nldete Hinge , deren Entstehung die Figur deutlich macht, 2^* 
VUi man sich iie Strahlen des ersten Ringes durch ab cd, 
I zweiten Ringes durch abcef zum Auge gelangend denkt« 

t lagen also zwei Reihenfolgen von Ringen so neben ein- 
, dals sie sich, weil ihre JVIittelpuncte nicht zusammen- 
1, einander schneiden muüsten, und durch diese Durch* 
ipuncte liefen parallele Farbenstreifen , welche senkrecht 
zwischen beiden Mittelpuncten gezogene Linie waren. 
Blittelpuncte selbst bildeten die Grenzen diesem Farben- 
pfen der Breite nach, während ihre Länge nur durch die 
inng der Gläser begrenzt wurde. Die farbigen Streifen 
^,Sp geordnet, dafs da, wo zwei gleichfarbige Kreise dtfr- 
Ovdnung sich berührten , der Mittelstreif von eben die- 
Mt sich zeigte, und von da an gerechnet nach beiden 
zuerst die mehr brechbaren Farben , daran wieder Roth 
;4eEgaiiaen Farben folge u. s. w. so oft erschien, als e» die 
inimi av^m Centrum reichende Zahl von Ringen forderte. 
k In» andern Fällen , wo jene zwqi Reihenfolgen von Ringen 
■ einander gleich waren , bildeten siqh statt der eben be- 
iej^lien geraden Streifen kreisförmige ; aber die Erscheinun- 
'^nd S|i manpigfaltig , um sie hier ^weiter zu beschreiben. 
..Noch auf eine andere Weise sah Baewstkr Farben- 

I 

entstehen , als er die Zurückwerfung des Lichtes von 
, die wenig gegen einander geneigt waren, beob- 
Brewster giebt davon folgende Beschreibung K Um 
BEScfceinQng am besten zu beobachten , möge das Licht ei- 
erleuchteten Kreises , der unter 1 bis 2 Grad Sehewinkel 
leint, beinahe senkrecht auf zwei Platten von Gläsern mit 
lelen Oberflächen fallen, die 0,1 Zoll von einander ent- 
sind.' Man lasse eine der Platten einige Neigung gegen 
ädere annehmen , bis eines oder mehrere der zurückgewor- 
l'Bilder deutlich sich darstellen , getrennt von dem durch 
llgelassenes Licht hervorgebrachten hellen Bilde, welches 
^nter den Platten stehende Auge empfängt. Unter diesen 
Ihden zeigt sich das reflectirte Bild durchkreuzt von 15 
16 schönen parallelen Streifen ; die drei Centralstreifen sind 




Phil. Tr. of the Society of Ediuburgh. Vol. TU. p. 435. 



136 Farbenspindeh 

schwanlich und weiblich j die äulseren sind glänzend grim 
roth; die Centralstreifen haben dasselbe Ansehen inVergh 
gegen die äuftem , wie die innem Ringe bei dünnen 
gegen die äufseren. Wenn man die Glasplatten so dreht, 
ihre Ebene senkrecht gegen den einfallenden Strahl bleibt,' 
bewegen sich die reflectirten Bilder um das helle Bild , und) 
Fftibenstreifen bleiben immer senkrecht gegen die Linie, 
che die BGttelpuncte des hellen und des reflectirten Bildet 
bindet. Bei verminderter Neigung wädist die Breite der 
benstreifen. Falk das Licht von jenem Gegenstande sc! 
die Platten , so sieht man keine Farbenstreifen , 'wenn die 
falls -Ebene senkrecht auf die Dnrchschnittslinie beider 
ist; ist dagegen die £in£dls- Ebene parallel mit dieser 
Schnittslinie , so zeigen sich die Bilder heller und die 
streifen lebhafter , wenn der Strahl scliiefer auffällt. 

Brewstbr beschreibt die Phänomene noch 
und bemerkt, dafs man die Farbenstreifen an den Bilden 
meikt j die das Auge durch Strahlen sieht, welche zwei 
werfungen erlitten haben. Zugleich rühmt er diese 
Erscheinungen als zu den schönsten , die man sehen kamv] 
hörend, und glaubt, dafs sie sich auf die Theorie der Am 
lungen mnnickfiihren lassen. £r theilt mehrere Gesetze, 
sich aus seinen Beobachtungen ergeben, mit, aber liliit- 
Entwickelung der auf jene Theorie gebauten Erklärung 
erörtert. A 

Alle diese Erscheinungen verdienen noch weiter oMI 
sucht 9a werden, A t 

I 

Farbenspindel. \ 

£5 ist oben im Artikel Farbe No. 20. erwähnt , daCs ^ 
vielfach versucht hat , vreifses Licht aus einer jVliscliung de^ 
nigen Farben darzustellen , in welche jenes durch das PriH 
zerlegt zu werden pflegt , und dafs man auf gleiche AVeisei 
sogenannten zusammengesetzten Farben z. B. Grün und ViJ 
jenes aus Blau und Gelb , dieses aus Roth und Blau, erzeig 
kann. ?^icht minder ist zugleich nachgewiesen, dafs dieC 
henstoffe , wodurch man dieses bewerkstellig « nicht alles U 
reflectiren, überhaupt aber wegen der Un Vollkommenheit il 
Tin^iiung das reine prismatische Licht nicht ersetzen könc 



Farbenspindel. 137 

insbesondere das erzeugte Weifs nie rein , sondern 
matzig, dunkel und eigentlich grau seyn mufs. Die- 
'erden JVIischungen von pulverförmigen Pigmenten nie. 
gte vollständig leisten, und die Instrumente, womit 
e Versuche meistens anzustellen pflegte, bleiben stets 
:, und sind daher auch für die physikalischen Appa- 
änem nur untergeordneten Werthe. Inzwischen mag 
ies bisher behaupteten Ansehens hier eine kurze Be- 
; derselben Platz finden. 

bedient sich zu diesen Versuchen hauptsächlich der 
reisel und der Farbenspindeln ^ welche beide ih- * 
n nach gleichartig, blofs in der Constniction etwas 
, übrigens ganz gleiche Versuche gestatten. Beide 
chon lange gekannt, indefs iiann ich nicht angeben, 
frste Erfinder derselben gewesen seyn mag, jedoch er- 
SCHESBHOEK^, dafs er sie verfertigt und Versuche da- 
dlj habe, oline eine ältere Autorität anzugeben. Ver- 
lind sie aus diesen von andern Piiysikern entnommen, 
st am ausführlichsten beschrieben, die Kreisel durch 
;hsr^, die Spindeln durch Ludicks^^ denen ich 
llichen folge. 

^'arbenhr eiset ist ein gemeiner Kreisel von der Art, 
lie Kinder als Spielwerk gebrauchen. Die runde- 
B , aus hartem Holze gedrehet , ist auf die gleich- ^* 
utem Holze (am besten Buxbaum) verfertigte Spindel 
kt, w^elche letztere bei E F einen unten flachen Wulst 
die mit den erforderlichen Pigmenten übergezogenen 
iben danmter zu befestigen. Wie diese Scheiben aus 
eifsen und glattem, aber zugleich die Farben gut auf- 
L Papiere gemacht seyn müssen, ergiebt sich zwar 
, indefs versinnlicht die Zeichnung , dafs sie , in der 27^' 
einem Loche zum Durchstecken der Spindel verse- 
eder bloft auf dem äufseren Ringe oder auf den gan- 
«n diejenigen Farben haben müssen , womit man die 
anstellen will. Man kann ferner die einzelnen Secto- 
e erforderliche Weise mit den gehörigen Pigmenten 

od. J. MDCCCXX. 

rblich der mech. Nuturlehre. fierUn 18S7. H. 267* 
y. 272. n. XXXIV. 4. 



138 Farbonspindel. 

übeikiehen, ' und deren to viele, als zur Erzeugung d 
wünschten zusammengesetzten Farben erforderlich sind, 
einander legen, durch den Wulst der Spindel an die S 
festdrücken, und den Kreisel durch Drehung des Stil 
schnelle Rotation bringen.' 

Weil die Drehung der Kreisel aus freier Hand minder 
ist, und die Rotation kürzere Zeit dauert, so sind in 
Hitasicht die nach Lüdic&e's Angabe constrituirten Sp 
vorzuziehen. Aeltere Apparate dieser Art gleichen denSch^ 
tischen oder Centzalmaschineii , und bestehen aus einer ho 
tal liegenden Scheibe , mit einer in einer Rinne derselbe 
findlichen Schnur ohne Ende , \irelche um eine andere , g 
ütdls horizontale, Rolle geschlungen diese in eine schnell 
tation versetzt, >venn die erste Scheibe vermittelst eines 
tels oder ^ines Knopfes gedrehet wird. Ueber jener Rolle 
det sich eine nut ihr parallele Scheibe ^ und auf dieser ] 
^&c gefärbten Scheiben in ihrer !ftlitte durch eine Sdi 
festgehaken. 

Die nach LvniCKE^s Angabe von mir etwas abgeäi 
p. Farbenspindel besteht aus einem unten mit Tuch überzoj 
S8. Fufsklotze a b von etwa 4 Pair. Z. Durchmesser , und hJ 
lassen sich die andern Dimensionen leidit entnehmen. Aoi 
sem Euise sind die beiden messingnen Bügel c und d vem 
Schrauben befestigt, i^elche oben einen messingnen , mit 
Mutterschraube versehenen , Ring e f tragen, w^orin das 0< 
Rohr höh von einer für die Gesichtsweite gehörigen 
geschraubt ist. Letzteres besteht aus einem blolsen , inw 
geschwärzten Rohre, 'welches unten der Schraube wegei 
einer messingnen Fassung versehen ist, und auch oben 
gleichfalls eine solche haben kann. Die untere Schraube 
dazu , die Glasscheibe a a auf dem unter ihr liegenden hoi 
talen Ringe festzuhalten. Diese plane , möglichst weifse 
durchsichtige Glasscheibe ist ganz mit schwarzer Tusche 
überzogen , und hat blols einen durchsichtigen Ring , we 
' man am besten erhält, w^enn man sie mit stark geschwäi 
Papiere überklebt , und blols den durchsichtigen Ring vo 
bis 2 oder 2,5 Lin. Breite unbedeckt läfst. Auf diesem Pa 
lälst sich dann leicht mit etwas Kitt vermittelst dünnen L 
ond venetianischen Terpentins das aus der Zeichnung k< 
liehe eiserne Scheibchen mit einer kleinen Vertiefung befest 



Fft^rbenspindeL 139 

tr^cher das oben Erde der stählernen Spindel «/ mit der 
KÜignen Scheibe yf läuft. Das untere Ende t dieser Spin- 
ist etwas dicker,- lauft in einer Vertiefting der metallenen 
imbe g , -welehe von unten mit einem Schlüssel höher ge— 
roben -werden kann , nm einen schlotternden Gang xu ver- 
Meli, ohne zu stark gegen die Glasscheibe aa geprefat zu 
kdtfki utfd diese' zu zersprengen« Jßndlich trägt di& Scheibe 
X^iik» mit den gehCSrigen Pigmenten gefärbten Scheibeti von 
, 'welche durch einen **genau schliefsenden Bing i i fest- 
ten -werden ; der untere Theil der Spindel t aber ist. mit 
L'Ueilüett'Stiftclien versehen <, an welchem eine feine sei- 
^■Schnnr ftsstgehakt «nd mehrmals um die Spindel geschlun-^ 
tt'^ird, so -dafs diese nebst ihrer Scheibe durch ^ict etwas 
Idtei Aastiehen ■ ^er Sdinnr in eine unglaublich schnelle und, 
H|||Mt-dsS'^]?9£seren Gewichtes der Scheibe, lange anhaltende 
WiMb|^' Versetzt wird , -während- deren Dauer das« Auge bei o 
Ib was der Verbindung der verschiedenen Farben neu ent- 
ikmde beobachten kann. 

k Welche Versuche' mit diesen beschriebenen Apparaten an- 
■Mb ^evdto können,' -würde überflüssig seyn hier ausführ- 
Ik m erzählen , indem es aus demjenigen von selbst folgt, 
hl "oben über die Farben gesagt ist. Im Allgemeinen -will 
jk'Uier nnr bemerken, dals die eigentliche optische Farben- 
llonB durch dieselben weder begründet noch erweitert w^er- 
IfB bttuiy- weil es kein Pigment giebt, . w^elches die reinen 
jÜBudschen Farben , -wie man sie genau genommen nur ver- 
lAlilst eines Fraunhofer sehen Prisma'.s von Flintglas erhält, 
Ittznstellen vermöchte, abgerechnet dafs das Auge oft nur durch 
iis Gegensatz mit andern Farben über die eigentliche Beschaf'- 
ttheit einer Farbe genau zu urtheilen im Stande ist , und in 
inem Urtheile nicht selten durch gröfsere oder geringere In- 
mität des farbigen Lichtes getäuscht wird. Wenn also E. G. 
hscHER^ glaubt, dafs durch diese Versuche die Lehre von den 
bevi Grundfarben Gelb , Roth , Blau und von den drei gemisch- 
ta, Grün, Orange, Violett bewiesen werde, weil diese drei 
S* ||leichen Sectoren auf der Farbenspindel Weifs geben , so 
'■W dieses schon dadurch widerlegt , dafs eine physikalische 
Wahtheit nur durch genaue Versuche, keineswegs aber durch 

1 3. a. a. O. 



140 ' FarbenspindeL 

mangelhafte bewiesen werden kann. Durch die Vereinig 
aller sieben Farben, eben wie durch Vereinigung von je 
der eben genannten, desgleichen von je zwei complemei^ 
wenn man sie auf die Sectoren der Farbenspindel auftragt 
durch schnelle Drehung der letzteren ihren Lichteindruck 
das beobachtende Auge vermisclit, kann zwar wohl ein 
weifsen- Lichte ähnlicher Eindruck hervorgebracht werden, 
lein die Farbe wird allezeit unrein , schmutzig und grau a 
so dals sich kein bestimmtes Urtheil auf solche Versuche b 
lälst. Eben so geben Blau und Gelb zwar ein Grün , Roth 
Btan ein Violett, allein beide auf diese Weise erhaltene F« 
sind von denen des reinen prismatischen Lichtes ausnehn 
verschieden. Die Apparate können also nur zur Belustig 
und Erläuterung der Farbenlehre gebraucht werden, mit grt 
rem Nutzen aber von dem Farbenkünstler, um zu untersuc 
welchen Eindruck der Anblick von zwei sich vermischoi 
Pigmenten auf das Auge macht. 

Die Wahl der Farben, welche man aufbägt, desglei« 
die Helligkeit oder Tiefe, worin sie aufgetragen w^erden 
für das bessere Gelingen der Versuche von groüser Wid 
keit , und geschieht am. besten von einem geübten und der 
che kundigen Maler. Ludigke schlägt für weilses Licht 
gende zwölf Fai*ben vor , mit der zugleich in Graden angegi 
nen Gröfse der einzelnen gefärbten iSectorenl 

a. Rötlilich Violett, 40,5 Grade, ans rotliem Carmia 
etwas blauem. 

b. Violett, 38 Grade, aus blauem Garmin mit e! 
rothem. 

c. Indigo , 36 Grade , aus blauem Carmin n^t etwas 
ninem rothen, 

o 

d. Blau, 34 Grade, aus blauem Carmin. 

e. Hellblau, 32 Grade, aus blauem Carmm mit e 
Grün , dünner aufgetragen, 

f. Bläulich - Grün , 30,3 Grade , aus krystallisirtem Gl 
span in Essig aufgelöset, mit etwas Weinstein. 

g. Gelblich - Grün , 28>() Grade , aus der ni^mlichen i 
lösung mit etwas Gummigutte versetzt. 

h. Strohgelb , 27 Grade , aus Gummigutte mit ein t 
nig Grün« 



Erfindung. 143 

itlich sehen. Er ftigt hinzu , er habe damit Freunden , die 
lechte Augen hatten , grofse Dienste geleistet , indem er sie 
Bland setzte , deutlich zu sehen. — Was er hier eigentlich 
, ist undeutlich { aber Gehler bemerkt , dafs ein Schrift- 
yvie Porta, dem es an Ehrgeiz nicht fehlte, eine so 
re Entdeckung, wie die des f'emrohrs gewesen wäre^ 
'umständlicher und wortreicher würde beschrieben haben, 
it ist' überdas gar nicht , dafs er irgend etwas beob- 
t^ habe 9 was auf den Gebrauch von Fernröhren achli«- 

CBROirrMUS Si atvrus , ein Mailänder , welcher um et- 

Vollständiges über das Fernrohr zu schreiben , mehrere 

1>ereisete^, erzählt, 1609 sey ein Unbekannter, dem 

nach ein Hollander, zu dem Drillenmacher Joh. Lif- 

oder LiPPERSHEiBt in Middelburg gekommen und habe 

re erhabene und hohle Gläser schleifen lassen , und fis 

» in Empfang genommen , habe er ein erhabenes und ein 

bald näher, bald weiter von einander gehalten. Dieses 

Xi7P£RSBEtM gemerkt, habe aus einer solchen Ver* 

zw^eier Gläser ein Fernrohr gemacht , un3 es dem Prin- 

[oarrz v. Nassau gezeigt , eben dieser Schriftsteller ver- 

i]f in Spai^ieti einen Baumeister Rüget us angetroffen zu 

^*-'der' die Kunst , Fernröhre zu machen , schon lange ge- 

id ein Buch darüber geschrieben habe. 

kCARTES, der später über diese Erfindung redet*, schreibt 

cnng dem Zufall zu. Ein gewisser Metius, ein 

als Mathematiker berühmten Adrian Metius, hab# 

m an Verfertigung von Spiegeln und Brennglasem ge- 

\j und versucht, durch ein hohles und ein erhabenes Glas 

zn'sdhen; er habe diese in einer Röhre so angebracht, 

ms das erste Femrohr entstanden sey. . 

:b. Borellus^ schreibt diese Entdeckung mit vieler 

leüilichkeit dem Birillenmacher Zacharias Jaitses in 

•BUB& zn« Er theilt gerichtliche Aussagen mit, nach 



iTelescopiam. (Francof. 16l8.) p. 24. 

der Dioptrica, welche 16S7 erschien, sagte er, vor etwa 

I sey darch ^afall das Fernrohr entdeckt. Gap. 1. 
)e vero telescopii inventore. Hagae Com. 1655. Torzüglich 

n. 14. Vcrgl. J. d. Ph. XCIII. 150. 



144 Fernrohr. 

welchen der Sohn dieses Jansen bezeugt, sein Vater habe 
1590 Fernröhre verfertigt, und eines dem Prinzen Mi 
überreicht, das andere dem Erzherzoge AlbR£CHT. Dn 
dere Einwohner von Middelburg geben an, der eine, daÜB 
vor 1600, der andere, da£s vor 1605, der dritte vor 1610 ii 
delburg Femröhre von einem Brillenmacher Haits Lafaiei 
fertigt wären. Diese Zeugnisse begleitet Borellus mit 1 
.Briefe des Holländischen Gesandten Wilk. Boheel, de 
Zach. Javseht und dessen Vater gekannt zu haben verai 
Er versichert, diese Künstler hätten dem Erzherzoge AlM 
ein zusammengesetztes Mikroskop überreicht, und 161 
Femrohr erfunden; ein Fernrohr sey dem Prinzen Ml 
übergeben , und dieser habe ein im Kriege so nützliche 
stniment nicht wollen bekannt werden lassen. DennojOi 
die Sache bekannt geworden und ein Unbekannter sey^ an 
dium zu dem Jon. Lapret (der hiernach mit demLiPPBAjl 
einerlei zu seyn schiene,) gekommen , um sich eines madi 
lassen ; dieser habe, aus dem, was der Unbekannte ihm sagt 
Einrichtung errathen , die Fernröhre nachgemacht und j6 
lieh verkauft. Adrian Meticjs und Drebdel hätten 
Jansen Fernröhre gekauft. Er bemerkt endlich auch nod 
sey nicht Zufall , sondern geschickte Zusammen Ordnung { 
sen. Diese Erzählung hat viel Wahrscheinliches und 
HuYGENS* versichert zu wissen, dafs schon vor Metiw 
1609 ein Künstler in Middelburg Fernrohre gemacht halie 
Weidler beweist , dafs schon 1608 Fernröhre aus Hb 
gekommen sind 2. Simon Marius nämlich erliielt von ( 
Herrn Jon. Phil. Fuchs von Bimbach die Nachricht , di 
ein solches , von einem Holländer zu sehr hohem Preisi 
gebotenes Instrument auf der Herbstmesse 1608 zu Franifi 
Mayn gesehen habe. SixMON Marius probirte nun so 
selbst ein Fernrohr zu machen, was aber, da die Nüml 
Künstler keine Gläser von hinreichender Brennweite 1 
konnten) nicht gelang. Dennoch war Marius schon in 
vember 1609 so glücklich, durch ein aus Holland erlu 
Femrohr die Jupiterstrabanten zu entdecken ^. 



1 öpusc. posth. Lagd. Bat. 1703. p. 136, 

2 Historia astronomia Gap. 15. §• 12. 

8 Ala bemerkenswerth führt r. Zach au, dafs man sclio 



Erfindung. I4S 

GALII.AX1 erhielt im April oder Mai 1609 in Venedig Nach- 
|)it von einem solchen in Holland verfertigten Instrumente, 
l^ches entfernte Gegenstände so zeige, als ob sie nahe waren. 
)isete sogleich nach Padua Zurück, und errieth schon in der 
(den Nacht die Einrichtung ; et machte sich aus einem 
mvex - und einem Plänconcav - GJa^e ein Fernrohr, 
da dieses den erwarteten Erfolg zeigte, so machte er so- 
noch ein besseres, das aclitmal vergröfserte. Dieses 
er gleich .nacliher in Venedig, den dortigen gelehrten 
angesehenen Männern, und machte mm bald mit Hülfe 
Iben die Entdeckungen am Himmel , die hier nicht weiter 
lören *. 
Dals ein Neapolitaner Fontaita schon vor 1608 die Fern- 
gekannt aiu haben behauptet , muls wenigstens der Voll- 
'keit wegen erwähnt werden *. 
.3i Die "weiteren Verbesserungen der Fernröhre will ich 
rJüuz erzählen. Kepler gab zuerst eine theoretische Ent- 
ig der. Grunde, warum das Fernrohr diese Wirkung 
^.i und erfand das astronomische Fernrohr aus zwei Con- 
lern^, dessen sich Scheisea zuerst wirklich bedient 
»en scheint^. 
iSchon Kjefler hatte bemerkt, dals man das umgekehrt 
lende Bild im astronomischen Femrohre durch ein zwei- 
mglas \ideder aufrecht darstellen könne ; aber diese min<- 
smessene Einrichtung ist nicht benutzt , sondern die des 
Maa. de Kheeta^ fand mit Aecht mehr Beifall und gab 
jetzt gebräuchliche Erdfemrohr. Man brachte auch 
BcJur als drei Augengläser an, und erreichte dadurch ein- 
Vortheile; unter andern waren Dollonds Fernrohre mit 
Glasern vor der Er&ndung der achromatischen Fernröhre 
beliebt®. 



femröhre in London so zahlreich hatte , dafs von einer Answahl 
le seyn konnte, de Zach Correspondance astronomique. YII. \^, 
Nuntius sidereos. Florent. 1610« p. 4 — 11. 
Novae terrestrium et coelestium observatione?, Ncap. 1646. 
[J Dioptrica. Aug. Vindel. 1611." 

Rosa arsina. Bracciani 1630. p. ISO, 
rS Ocalas ,J5nochi et Eliae. Antv. 1665. 
t« PhiJ. Tr. Vol. 48. p. 103. 
W. Bd. 1^ 



\ 



. *. ..^«% ■ 



146 Fernrohr» 

Das Htiuptbestreben der Optiker ging nun darauf hia 
Verlängerung der Fernrohre eine sehr starke Vergraben 
hinreichendem Lichte und hinreic]iender Deutlichkeit zu 
teil. EuSTACHius DE DiYivis in Rom , Campavi in B 
HuTGEivs und AvzouT brachten Gläser von ungemein . 
Brennweiten zu Stände , zum' Beispiel die von Gassivi I 
ten, deren Brennweiten 100 und 136 Fufs waren, nnd 
welche dieset die kleinem Saturnsmonde entdeckte , feiA 
von 123 Ftils Brennweite, durch welches PotJND und Bb 
beobachteten; ja Auzout hat ein Glas von 600 Fufs J 
weite verfeitigt, das aber aus Mangel bequemer Aufistelliüi, 
gebraucht werden konnte *. 

Die grolse Schwierigkeit, diese Gläser zum G^forao 
hinreichend lange Röhren zu fassen , worüber man si< 
Heysl und BiAircHivi ^ belehren kann , gab Veranlasst 
Ferngläsern ohne Röhren oder Luftferngläsern (tele 
faerien). Huygens gab nändich Mittel an^ ohne sc 
Röhren, sich der Gläser von so grofser Brennweite, zu 
nen, die ungefähr in Folgendem bestehen. Er befesfi« 
Glas, welches als Objectivglas dienen sollte, in einem! 
Rohre , das vermittelst einer NuTs nach allen Seiten h^^ 
war. Dieses Rohr wurde an einer sehr hohen Stange , a 
Giebel eines Hauses oder einem andern hohen Gesrenstan 
festigt, und der untenstehende Beobachter konnte ihm v 
telst einer Schnur alle erforderliche Richtungen geben ; d< 
genglas konnte, unten angebracht, eben so in die erfordei 
Stellungen ' und Richtungen gebracht werden, und so k< 
Gläser von ganz ungemein grolsen Brennweiten , wenigst« 
Nacht, wo das Auge durch fremde Lichtstrahlen, welch< 
durch das Rohr abgehalten werden , nicht gehindert wird 



1 Hartsoeker giebt eine Methode an , solche Gläser zu yi 
gen, Essai de Dioptrique. Paris 1694, und auch Huygens g 
leitung hierzu: Comm. de vitris figurandis in s. Opp. posth. 
Bat. 1703. 

2 H^vejii mach, coelestis Tom. II. Bianchini de Hesperi e« 
phori novis phaenom. Romae 1728. 

3 Ajttroscopia compendiaria , td^i optici molimiue liberata 
gae 1684. und Smith Lehrhegrifif der Optik, übersetzt von K 
>ltcnbnrg 1755. S. SÄ. Taf. XIX. auch Priestley Geschichl 
Optik. S. 159 and Montccla II. 509. 




Erfindung. 147 

ncht 'werden. Pouhd und Br adlet bedienten sich wirklich 
er solchen unter Uuygeits eigner Aufsicht aiisgeföhrten 
■nchtung und PouND sah durch das so angeordnete Fernrohr 
smondei. 
ünterdels beschäftigten sich Gartesius und Huygens mit 
ommung der Theorie. Cartesiüs^ suchte Mittel, um 
hyperbolische und elliptische Gestalt der Oberflächen der 
diejenigen Fehler zu vermeiden, welche als Abweichung 
der Kugelgestalt bei den Linsengläsern statt finden. 
HuYGJCifS^ dagegen j vervollkommnete durch Untersuchun-, 
, iinrelche die Anordnung der Gläser betrafen, die Theorie 
Fernrohrs« Aber kurz nachher zeigten Newton, dafs der 
ere Nachtheil in Hinsicht auf die Deutlichkeit der Bilder in 
.Furb'en Zerstreuung liege , und dafs diesem durch veränderte 
dez Gläser nicht abzuhelfen sey. Newton empfahl daher 
iegelteleskope, weil er eine Verbesserung der dioptrischen 
ihre in Hinsicht auf die Farbenzerstreuung für unmtig* 
hielt*. 
^ In der folgenden Zeit machte die Kunst , Fernrohre zu ver-* 

^n, keine Fortschritte, bis Euler 1747 die Behauptung 
Ite^, eine aus mehrern Gläsern zusammengesetzte Linse 
hne wohl die Farbenzerstreuung aufheben. Diese* Behauptung 
Ken indels den Optikern blofs hypothetisch , Dollond* bo^ 
NAI als Clairaut erklärten sich , auf Newton's Versuche ge«- 



, gegen sie ; bis 1754 endlich Klin&ekstierna's Ünter- 
Vdnuig in New^ton^s Schlüssen über die bei allen Körpern nach 
iftedei Gesetzen erfolgende .Farbenzerstreuung Unrichtigkeiten 
■fitecbe^. Dieses veranlafste John Dollond, einen Versuch 



i Aehnliche YorHchläge von Biakchini, und db la Hirb erwähnt 
tith. 6. 835. 

% Dioptrice Gap. 8. 9. 

8 Oposc. posth. Lugd. Bat« 1703. 

4 Optice Lib. I. Pars I. Fropos. 7. 

5 M^m. de Pac. de Berlin, pour 1747. JStLbti gründete zuerst 
Im Behauptung auf die Brechung im Auge ^ indem er glaubte, im 
■ge werde die Farbeuzerstreuung ganz aufgehoben. Obgleich nun 
efef, wie unter andern FiiAcnHDFEa(G. LVl. 804») zeigt, nicht streng 
fctig ist y so hat dennoch Euler sich hierdurch auf den rechten W«^g 
ten lassea* 

6 Schwed. Abh. XVI. SOG. 

K 2 



14B Fernrohr. 

mit einem Wasserpmt:ia und einem Glasprisma anzustelle 
er den ausfahrenden Strahl , obgleich er mit dem einüeJl 
parallel war, dennoch farbig fand, und dies bewog üu 
Prismen aus verschiedenen Glasarten so zusammen zu a 
dafs sie keine Fiurbenzerstreuung bewirkten, obgleich si 
Brechung des Lichtes herrorbrachten , und endlich brae 
achromatische Linsen zu Stande^. Claihaut und d'Albmi 
und KLiifOSVSTUBRif a' suchten die Theorie zu vervollkoi 
konnten aber doch keine den Künstlern nützlicl^e Anleitoa 
ben, eendem die achromatischen Fernröhre der Ei^glända 
hielten ihren Vorzug. 

EiTLSH konnte sich jetzt von der Richtigkeit der Doli 
sehen Versuche nicht überzeugen, da seine Theorie derFa 
serstireaung etwas anderes zu ergeben schien, und ei 
Claiaaut ihn überzeugte., i^icht ^ufall , nicht glücklich i 
bllene Oestalt der Gläser, sondern eine den Versuchen J 
angeordnete Form sey der Grund der Vorzüglichkeit de» 
lond^schen Telescope, so gab er seine Theorie auf, unj 
nun an , die Dollond'sche Erfindung durch eigene Unterarf 
gen aufzuklaren*; und hieran schlössen sich die Bemühi 
von Fuss' und Klugel^. Diese theoretischen Untenoi 
gen konnten indefs. nicht bewirken , dafs die Fernrohren 
noch grtilisern Grad von Vollkommenheit erreichten , vii 
wurden nach I^tea Dollond, der seinen Vater Johu Doi 
boch übertraf, selbst in England die achromatischen Fe|4 
echlechter, weil das dazu erforderliche Flintglas in schied 
Qualität verfertigt wurde. 

Erst durch Fraunhofer , der eine Methode, die (3h 
vollkommen rein darzustellen , erfand , und durch Theodc 
mechanisches Talent geleitet, es möglich machte, diopti 
FemrGhre von viel gKifserer Oeffhung der Objectivlinse z^ 



1 Pkü. Tr. L. 733. 

2 M^m. de Pac, de Paris 1756. 1757. 1764. 1765. 1767. 

S Tentameii de corri^endis aberrationibas Inmiais in h 
vrfracti etc. Petrop. 1762. 

4 Yonüglkh in L. Euleri Dioptrica. Petrop. et Lips. 17 

5 Fafa Anweisung Fernrohre tod grofser VolULommeaheit s 
fertigen. Leipz. 1773. 

6 Klügeis analyt« Dioptrik« Leipx. 1778. 



Einrichtung. 149 

igen, ist aufs Nisue gezeigt, dafs die Kunst, dioptrisch« 
nröhre za verfertigen, noch nicht ihren höchsten Gipfel er*- 
jbt hat , und dafs wir , wenn ein gleich talentvoller Künstler 
fß durch einen au frühen Tod iHiterbrdi:henen Bemiihun-. 
breiter fortsetzt , noch stärkere Fernröhre erhalten können, 
durch ihn besitzen , wenn gleich diese alles bis dahin 
te w^eit übertreffen K 

emeine Bemerkungen über die Einrich- 
tung des Fernrohrs. 

4- Wenn die von einem entfernten Gegenstande ausgehen- 

len ein convexes Glas treffen, so werden sie so ge- 

dafs die von einerlei Puncte ausgehenden Strahlen sich 

w in einen Punct vereinigen, und da dieses für jeden 

gih, so stellt sich dort, wo jene Vereinigungspuncte lie- 

\' ein Bild des Gegenstandes dar. Dieses Bild betrachtet 

Idüich ein zw^eites Glas oder durch eine passende Verbin- 

mehrerer Gläser , die so angeordnet sind , dafs der Gegen- 

imter einem gröfsern Sehewinkel erscheint, ak er sich 

''Uolsen Auge zeigt. Eine solche Verbindung von Glasern 

Femrohr, dessen Einrichtung im Einzelnen allerdings 

rerschieden seyn kann. 

Fene« Glas, welches die Lichtstrahlen von dem Gegen- 
Empfingt , heifst das Objectivglas (yitrum ob- 

imsm; s, lensobjectiva; lentille objective; object- 

Ij das Glas, durch welches das Auge das entstandene 
besieht, heifst das Augenglas Ocularglas (pitrum 
'e $• lens ocularis ; lentille oculaire ; eye-glafs) 
ein einfaches Ocular, wenn es nur aus einem Glase 
:, ein zusammengesetztes y wenn mehrere Gläser in der 
röhre verbunden sind, 
ji jedem Femrohr kommt die Frage vor, wie stark die 

igröfserung (amplificatio ; le grossissement ; 

xagnijying power) sey, oder in welchem Verhältnisse 

lewinkel mit Hülfe des Femrohrs zu dem Sehewinkel 

blolsen Augen gesehenen Gegenstandes stehe; wie grols 



Strcte Beschreibung eines grofsen Refractors von Fraanhofer 
\ftA, 1825. und Schamach. astr. Nachr. IV,. 17. 



150 Fernrohr. ^ 

das Gesichtsfeld (campus'y le champ; t7ie ß 

oder der Raum ist, den man durch das Fernrohr übeni 
ferner welche Lichtstärke das Fernrohr gewährt, oder mit^ 
ctiem Glänze der Gegenstand im Fernrohr erscheint; ed 
welchen Grad der' 'Deutlichheit das Bild des Gegenstand« 
F«mrohre besitzt. 



N 



Um die F ergrÖfserung\ welche durch ein Fernrohr, 

vorgebracht wird , durch eine Beobachtung kennen zu U| 

dient bei mälsigen Vergröfserungen recht gut ^ine Beobach 

ml beiden Augen , indem das eine Auge den Gegenstand d 

das FernjTohr besieht , während das andere frei auf eben j 

selbei^ gerichtet ist. Wenn beide Augen gleich gut sehen 

erblickt Ynah dann 3en vergröfsert gesehenen Gegenstand 

deu^ schwebend , der in seiner natürlichen Gröfse erscheint^ 

wenn der Gegenstand ein solcher ist , der gleiche AbtheSn 

darbietet, wozu man gewöhnlich die Dachziegel eines Hl 

ZU empfehlen pßegt , so läfst sich wahrnehmen , wie viele 

che Abtheilungen des unvergröfsert gesehenen Gegeiisti 

von einer Abtheilung des vergröfsert gesehenen verdeckt» 

d^n ; diese Vergleichung giebt ßogleich die Vergröfserung { 

genug für Zwecke , die keine sehr strenge Bestimmung foi 

zumal dann, wenn die Vergröfserung nicht über das 20 

oder SOfache hinausgeht. Zu genauem Bestimmungen fühif 

im Folgenden angeführten Berechnungen. Das Feld dal 

rohrs bestimmt man nach dem Sehewinkel, so dafs derl 

messer des Sehefeldes in Graden und Minuten angegebe 

Gröfse des auf einmal zu übersehenden Raumes ausdrückt 

ündet es bei einem gegebenen Fernrohrft am besten durck 

Reihe astronomischer Beobaphtungen. Zu diesem Zweckf 

man das Femrohr, in unveränderlicher Stellung auf, und 

achtet die Zeit ,. welche irgend ein bekannter Stern gebi 

um den ganzen Durchmesser des Feldes zu durchlaufen ; i 

Instrument ein Fadenkreuz, so kann man bei gut gearbi 

Instrumenten den Faden als den Durchmesser ansehen i| 

Fernrohr so stellen, dafs der Stem genau an dem 

durchgeht ; sonst aber mufs man bei^.Aviederholter Beobai 

den Durchgang so zu erhalten suchen, dafs der Stern 

eine Sehne , sondern den Durchmesser durchläuft. Füi 

bekannten Stern, dessen Dechnation man kennt, ist b( 



Einrichtung. 151 

ddieii Bogen er. in gegebener Zeit durchlauft 9 und so erhalt 
in also unmittelbar die Gröfse des Feldes in Minuten und $e- 
mden ausgedrückt, am besten, wenn man bei Beobachtungen 
induedener Sterne ein Mittel aus den Beobachtungen nimmt. 
Um die Lichtstärke abzuschätzen , mufs man das Mals von 
Sidüt, welches das ireie Auge von eben dem Gegenstande em^- 
Bbgti als Einheit voraussetzen. Wenn der Halbmesser der 

ee =a ist| und man durch 1 die bei jedem bestixQmten 
istuide verschiedene eigenthümliche Lichtstärke bezeich- 
kti so ist 7K a^ 1 • der Ausdruck für das gesammte vom Auge 
il^pifiuigene Licht. Diese Lichtstärke, welche den. gesamm- 
||i Eindruck auf das Auge bestimmt , kommt allein in. Betraph- 
|pg da, "WO von keiner erheblichen scheinbaren Gröfse jdie 
He ist. Dagegen muTs man den Grad der Lichtstärke jedes 
pBMinen Punctes in dem uns erscheinenden Gregenstande , oder 
Pte Gnd der Erleuchtung jedes einzelnen Punctes in dem auf 
Ihr Betina dargestellten Bilde betrachten , wenn der Gegenstand 
lie erhebliche scheinbare Grölse hat. Wäre zum Beispiet der 
iniieiie Gegenstand kreisftSrmig von scheinbarem Halbmesser 
M, so wäre dieses Bild auf der Retina der Gröfse tl^)^ propor- 
kal, und jene gesammte Lichtmenge über das Bild ausge- 

a^l 
I gäbe eine mittlere Helligkeit =: — ^^ ^ aJ& die gesehene 

leit für jeden Punct des Gegenstandes. Wenn nun ein 
>lix die Menge des dem Auge .zugeftihrten Lichtes, so ver-i- 
:^ ittk sie fi.nsL^l wird, statt dafs sie für das blolse 
;e=sa^I war, so ist die absolute Lichtstärke des Fem* 
=/«; aber wenn zugleich der Sehewinkel so vergröfsert 
Kirdy dals er X(g ist, so wird man bei Gegenständen, deren 
iieinbare Grölse in BSßrachtung kommt, die gesehene IJellig- 

fi a21 



tut 




Punctes = r — r- setzen müssen« 
X q>^ 

Her^chel knüpft hieran eine andere Betrachtupg ^.. Wenn 

k entfernter kugelföroiiger Weltkörper Licht von bestimuJter 

iiosität besitzt :. so ist der Lichteindruck auf unser Auge nicht 

mk der Intensität =^i , sondern auch der scheinbaren Flächen- 

!dM=7i^2 proportional. Aber q> ist der Entfernung =D 



1 Fkfloi, Transact. för 18Q0| and daraus in Bodb's Jahrbuch für 
Ol. 5. 281. 



152 Fernrohr. 

umgekehrt proportional, iJso, da ' hier blofs von propoTtioiu 
Ausdrücken die Rede ist^ die uns zugesandte JLichtsti 

=i • z( flp ^ , oder = rr-r-. So können wir also das gesammte ' 

a^.i 
unserm Auge aufgefangene Licht = - ^'2 setzen , oder dii 

der Flächengröfse der Pupille und der Intensität i direct, ;f 
Quadrate der Entfernung D umgekehrt proportional setzen. I 
sitzen wir nun ein Fernrohr, das dem Auge die gesattC 

o • ■ 

u. a 1 

lichtmenge ==^—-—2-". zuführt, und ist durch dieses Sl 

röhr die Empfindung in unserm Auge so , wie sie dem bld 

Aiige seyn würde , wenn derselbe Gegenstand sich in der I 

1 u. 9i \ a 1 m a 1 

femung - D befände, so ist ■ * -= = --=rs — « J» 

m . D* 1 _ D* 



m^ 



D* 



m = 1'^fi. Hiemach ist also m=|^/£ die Raum durcMi 
gends Kroß (space penetrating power) des Femrb 
oder ein Fernrohr, das dem Auge ^ mal so viel Lichtstnil 
zuführt, als das blofse Auge empfinge, zeigt Gegenständi 
der Entfernung D , |^^ mit eben so viel gesammtem Gl« 
als sie dem blolsen Auge erschiene, wenn ihre Entfeni 
= D wäre, 

Heaschsls 40fufsiger Telescop bringt über 36500 nwl 
viel Lichtstrahlen in das Auge , als das blofse Auge von d 
dem Gegenstande empfinge, und seine Raum durchdringe 
Kraft ist daher = 191 , oder dieses Fernrohr würde den Sb 
wenn er 191 nial so weit hinausgerückt würde , noch e 
so glänzend zeigen , als er jetzt dem blofsen Auge erscheint^ 

Die Deutlichkeit des Bildes im Fernrohr würde vollk 
men seyn , wenn die Gläser oder Spiegel alle von einem Pu 
ausgehenden Strahlen in einem Puncte vereinigten. Dieses 
schiebt nicht , theils vermöge der Abweichung wegen der 
gelgestalt, theils vermöge der Abweichung wegen der Fall 
Zerstreuung , die letzte kommt bei vollkommen achromati» 
Glasern und bei Spiegelteleskopen nicht in Betrachtung, bei 
nicht achromatischen , dioptrischen Fernröhren aber machte 



1 Vergl. unten No. IS. 



Einrichtung. 153 

■ide diisi Hauptsache aus, und deshalb diente- sie eU Begrün^ 
Itog der von Hutgebs für die Apertur gegebenen Regelnd 
^ 5- Die -^^^ des Fernrohrs ist diejenige -gerade Linie, in U^el- 
sich die IVIittelpuncte aller der KugeUlächen befinden, de- 
Theile die Oberfläche der convexen oder concaven Gläser 
Alle diese Mittelpuncte müssen in derselben geraden Li- 
liegen , wenn das Fernrohr seine Dienste thun soll , und es 
dann zugleich die Brennpuncte der däser, es mögen nun 
Sammlungspuncte oder Zerstreuungspuncte seyn , in eben 
'gerade Linie. Ist die Stellung der Gläser -dieser Forderung 
berichtigt, so heifst das Fernrohr richtig centrirt. Wie 
rWeg der Lichtstrahlen durch die Linsengläser bestimmt 
len muCs, wird in dem Artikel Linsengläser umständlich 
.\ ich werde hier die dort anzugebenden Formeln blofs 
m und ilirem Sinne nach erklären. 

£s sey — das Brechungsvsrhaltnifs für Strahlen , die aus 
m 

in das Glas der zu betrachtenden Linse übergehen ; r und q 

die Halbmesser der beiden Kugeln , denen die beiden* 

ichen des Linsenglases zugehören ; b ist die Entfernung 

Gegenstandes vom Linsengläse , x die Entfernung des Bil^^. 

oder des Sammelpunctes hinter dem Glase, so ist 

•/ r-; — 7— n — N — ' , wenn die Dicke des Glases 

(m — n) b (r+(>) — nxQ^ 

mibedeatend nicht beachtet wird. Diese Formel gilt für alle 
m Linsengläser , nur mufs, da sie für Gläser, die an' 
m Seiten convex sind , eingerichtet ist , derjenige Radius • 
(», welcher einer concaven Oberfläche entspricht, als ne- 
in die Rechnung gebracht werden. Wenn hier x positiv 
It, so bedeutet es eine Entfernung des Bildes an der dem 
te entgegengesetzten Seite ; negative Werthe von x zeigen 
igen an, dafs die Stralilen an jener Seite des Glases so fort- 
m, als ob sie von einem in der Entfernung ■== x vor dem 
le liegenden Puncte ausgingen. In jenem Falle, der bei 
rexgläsem und erheblich entfernten Gegenständen immer 
findet , ist es ein wirklicher Sammelpunct der Strahlen , in 
andern Falle, der bei Hohlgläsern eintritt, ist es öin Zer- 



1 Vergl. nachher No. 14. 



• 



154 



. Fernrohr-,' 



Mtmaunff^pur^ j -und nur in jenem Falle ist ein 
Bild vorhanden. Wenn der Gegenstand sehr entfernt 
kann b als unendlich grols angesehen werden , und dami^ 



X in (iie Brennweite f = 

bf 



nr^ 



(m — n) (r+p) 



über und man« 



Fig. 
29. 



nun allgemein x=r- — >. Ich gehe nun zu Betracht 
einzelnen Einrichtungen der Fernröhre über. 

Das Holländische oder Galiläia 

Fernrohr. 

6. Das zuerst in Gebrauch gekommene Fernrohr, 
das holländische Fernrohr (tubus batavus'y 'tel< 

hollandois; dutch telescope) oder das Galiläi'al 

Femrohr (tubus Galilaeanus; lunette de Gl 

Galileo^ 8 telescope) genannt wird, gewährte die Ai 
lichkeit , dafs man mit zwei Glasern nicht nur ein vejgröj 
sondern auch ein aufrechtes Bild des Gegenstandes erhielt. 
Objectivglas war ein convexes Glas von nicht zu kleiner 
\ireite, das Ocularglas ein concaves Glas von geringerem i 
Stande des Zerstreuungspunctes. Um die Wirkung des 
mentes zu beurtheil ~» ., will ich zuerst Strahlen , die von 
ungemein entfernten in 1er Axe des Fernrohrs lie<jenden 
A'iausgehen, betrachten. Diese fallen, weil sie von eil 
entfernten Puncte ausgehen , fast völlig parallel auf , und 
einigen sich in dem Brennpuncte a des Objectivglases. Wiij 
hen hier diese Vereinigung als vollkommen an , obgleich siel 
sehr grofsen Linsen das nicht wäre , da hier nur von Ui 
deren J&ugeltlieile sehr kleine Bogen umfassen , die Rede 
Eben so würden Strahlen mn, pC, welche geneigt gegen i 
Axe, unter sich parallel einfallen, sich in b vereinigen, 
der Punct b würde bestimmt, wenn man auf dem durchj 
Mitte C des Glases gehenden Strahle, welcher ungebrt 
durchgeht, Cb der Brennweite gleich auftrüge. In a,b 
sich nun ein umgekehrtes Bild des Gegenstandes darst 
wenn nicht das zwischen C und ab aufgestellte Hohlglas 
nach a convergirenden oder vielmehr nach den einzela 
Puncten von ab convergirenden Strahlen -auffinge. Steht 4 
ses Hohlglas so | dals a sein Zerstreuungspunct ist , so lehrt < 



hollandiüches. 155 

»orie der 'Linsengläser, dafs die gegen a convergirenden' 
«hlen, "wie uR, Cv, nach dem Durchgänge durch das con- 
re Glas parallel iTV'erden , und dafs also ein fernsichtiges Auge 
,0 den Punct A deutlich sieht. Eben so werden die mit p C 
d einfallenden , nach der Brechung im Objectivglase gegen 
ivergirenden Strahlen , bei' der eben angenommenen Stel- 
des Oculars, aus diesem unter sich parallel, so wie v b, st, 
rorgehen, und das Auge in o wird auch den Punct, von 
lem sie ausgehen, und so alle zwischen jenen liegende 

deutlich sehen. 
7- Das Auge in o sieht aber auch den Gegenstand- ver-. 
Wenn- p C , A C die Strahlen sind, die von dem ober- 
vnd imtersten Puncte des Gegenstandes zum Auge kom- 
[^ so würde ein Auge in C den Gegenstand unter dem Sehe^ 
pCA sehen ^ und da das Auge in o so wenig weitet 
It ist, dals dieses in Vergleichung gegen die Entfernung 
[enstandes nicht in Betrachtung kommen kann, so ist 
der natürliche Sehewinkel für das Auge in o der durch 
[ennrohr vergröfserte Sehewinkel dagegen ist r o v , und es. 
^ph leicht zeigen, in welchem Verhältnisse dieser grölser 
iCA ist. ;Die beiden durch die IVütte des Objectivglases 
Len Strahlen Aa, pb , würden ungebrochen nach a und b 
Ijen^ wenn das >.Ocular nicht da wäre ; aber im Ocular wird 
die Richtung st gebrochen und unter den gegen b ge- 
Strahlen kommt nur der durch die Mitte .des Oculars 
Strahl u V b nach b , und mit ihm sind alle ausfallende 
lobem Puncte des Gegenstandes herkommende Strahlen 
b, »t parallel. Der Winkel rov= avb ist also so be- 
dals ab = va. Tang.rov = Ca. Tang.pCA ist, oder 
Tangente und Bogen als gleich anzusehen sind, der 

telroV = - — •pCÄ, der vergröfserte Sehewinkel verhält 
vt ^ ' ^ 

also zum natürlichen Sehewinkel, wie Ca zu va, wie die 
iweite des Objectivs zu der Entfernung des Zerstreuungs- 

tes des^ Oculars. Wenn also zum Beispiel mit einem Ocu- 

lessen Zerstreuungspunct 1 Zoll entfernt ist > eine 30 malige 
jfserung bewirkt werden sollte, so müfste das Objectiv 

»11 Brennweite haben. Die Länge des Fernrohrs , d. h. der 

Fad beider Gläser von einander, ist dem Unterschiede beider 
weiten gleich. Wenn die Gläser so geschüffen s^nd, daCl 



15a 



Fernrohr, 



beide 'cbnvexe Seiten des Objectivs .einerlei Kügelfläche in( 
hören ^ . so ist - die Brennweite 

^ — 2(m— n)' 
und wenn eb^n so r den Halbmesser beider Oberflächen 

Hohlglases bezeichnet , so ist für- dieses 

. -2(in-n)' 

fr. 
also •p:a:?7, die Vergrölserung. In andern Fällen i^^irde di«i 

Ausdruck verwickelter | wenn man ihn durch die Radien 

geben wollte. 

8- Dieses Fernrohr hat die Unbequemlichkeit, ein 

kleines Gesichtsfeld zugeben, besonders dann, wenn das 

liicht ungemein nahe hinter dem Augenglase steht. Stellt in 

Figur u den auCserten Punct des Glases vor, so ist z u der äi 

gegen die Axe geneigte Strahl, welcher noch nach z u r o gl 

chen, das Auge o erreicht, und wennpC mit zu parallel 

so ist pCA der Halbmesser des Gesichtsfeldes. Das Bild' 

äoll hier' alles was in dem Halbmesser des Gesichtsfeldes 

darstelleh , Und wönn ich also diesen = ^ = p C A nenne 

Bogen und Tangente verwechsle , so ist a b = C a • ^ = f J 

wenn f die Brennweite ist. Der Pünct r , wo der äufserste 

das Glas fallende und nach b gelangende Strahl das Ocular 

wird hier zunächst durch r v vermittelst der Propoi 

(ab -|- rv) :ab + cu = av; aC, oder wenn der Halb] 

des Objectivs C u = h ist , durch 

f . 9 + r V : f . OD + ^ = f ' • f j 

f 
. das ist rv = r.^+ r" "^ — ^»^ 

bestimmt. Nenne ich aber die Entfernung des Auges vom 0< 

h . f'^ 
und daher y = 



o V i= z, so ist auch r v = z . -^ 



Bei einem Objective also, dessen Halbmesser = h , eil 

f 
Zoll betrüge , und das zehnmal vergrölsern sollte, also •«- zz= 



wurde g) = 



tV.H 



also für z === -J- Zoll und f = 1 



10.z + 9.f 

y = 31' ; dagegen für z = * Zoll , q, = 24'. SoUte 

f 

1^ = 20 seyn, und h=f =1, so wäre für z= | Zoll, y=l 



holländisches. fj^ 

I tmgemein kleuies S^ehefeld, dabei mü&te vr= ^-r— ^ 

./'■.". ■ . ■ Z7r+(f-r) 

1 . «... - I • . : 1 ' I • 

yn, oder so grols mülste wenigstens der Halbmesser 4^s Opu- 
n seyn , um die vom Rande des Gesichtsfeldes komn^enden 
tnUen noch durchzulassen. Die Kleinheit der Gesichtsfeldes, 
Ibst bei mäisigen Vergröfserungen, ist der Grund, warum die- 
h'Fernröhr i^cht ra«hr im Gebrauche ist ,- und dh^ «i'dch zu 

SpKhenferpi'öhren angewandt wird, wobei 77 kaum jemäl^^ei- 

ih hohem Werth. als 4 oder 5 hat, Jtk diesem Falle v^rd, 
llfanh auch nuif 4" Xollist, und f = 1 Zoll> z= \ Zioll Mrfeft, 
ididi beträchtliqh über i Grad. Da% Gci^ifhtsfeld wi^dj^ t^- 
ptfMnty weQ«!ina|i zwischen den bisher, betraghteten bfijden 
phinii noch eia convexes Glas :eihsetzte ,/. aber da wir'fid? 
Ihilicbe Einrichtung zur Sammlung der .Sntrahlei) nachher bei 
%m astronomischeyr Femrohr betrachten ^müssen , . 90 will ioh' 
übergehen. • > • r.. . 

Q, Dagegen muß ich doch noch erwähnen j was für hün^ 

Igen dieses Femrohr erleiden taiifs , wenn der beobachtete 

jenstand weniger entfernt ist, ürid ferner wenn das Abge 

itigist. '• * •• ' ■ 

L- Wenn der Gegenstand näher ist. so dafs in der Formel 

Bf o . . ■ _ # i«: .-.1,1 

|r^ (No. 5*) das letzte Glied des Nenners nicht ganz unbe- 
^flitnid "wird, so wird der Abstand, des Bildes, Ca., gröfser. 
biimen wir noch immer einen fßrnsichtigen Beobachter an, 
ffx abo das Augenglas so stellt, dals es ihm parallele Strahlen 
iibt: so mufs dieser das. Augenglas ein wenig vom Objective 
iffemen, nämlich so, dafs der Zerstreuungspunct des Hohl- 
ISes nun mit dem in der Axe liegenden Puncte des Bildes zu« 
■unenfallt. Da man nie ungemein nahe Gegenstände betrach- 

r. so wird x=rr- oder wenn b = j[*f ist, x = — ^-— — . f , 

i b — t ict — 1 . 

I^nals sehr von f verschieden, jedoch für einen Gegenstand, 

■Mn Entfernung zehnfach so grofs als f, erhielt man x = f -f- i fy 

' dals das Vorrücken des Oculars allerdings ein Neuntel der 

^nweite betragen würde. Ist der Beobachter dagegen kurz- 

htig, richtet aber seine Beobachtung auf einen unendlich 

kernten Gegenstand, so bleibt Ca die wahre Brennweite^ 



(160 ' Fernrohr, 

die. IVIJtte C ein£allendlcn Stralilen sehen, nur die, als' die ai 

sten , von welchen der gerade fortgeführte Lichtstrahl p1 

Rand H des Oculars träfe. Diese Gegenstände scheinen dei 

ge o um den Winkel voH von der Axe entfernt zu liegen 

WinkeJ .aber , um welchen eben diese Gegenstände dem bl 

Auge von der .Axe . entfernt zu liegen scheinen, ist der] 

njte^ser des Gesichtsfeldes = H C v.=^ p G A , und dieser M 

h' 
kann 9 == fr"??' ^esfetzt werden, wenn h' der Halbi 

• ■ • . ■ t 

^,§^/4ugengIase8. is,t; q) ist also so gro&, als der Halbfl 
d^& Oculars, von dem Mittelpuncte des Objectives am-.j 
hen , erscheint. Bei kurzen Fernröhren mülste nu(p 

Tang.pCA = -j--T--=- den Winkel' selbst erst suchen, t 

gpo^ versieht es sich: von selbst, dals hf der Halbmesser ;jh 
fenen Theile^, de& Augenglases ist, wenn dieses 9ium'' 
durch eine Blendung bedeckt wäre. : h 

12. Man kann ein ^gröfsetes Gesichtsfeld mit Hidle 
doppelten Oculart erhalten. XJin' die Wirkung dieses dopj 
Ocutars in Hinsicht auf XTergrößei-ung zu übersehen , nehd 
das erstie Oculsnr zwischen dem Objectiv und seinem Brennjp 
31, in der Entfernung f5c==:k vom Brennpiyictp an. 

Da nun die im Objective gebrochenen Strahlen gegen f 

vergiren, so ist in der Formel (No. 4.) b= — k zu setzen^ 

kf " " 

xj=sz gx:;;; ir jL^ ' S^^^^ ^^^ Abstand ißs Bildes gm voa^ 

lare ; die Strahlen, welche sonst in f gesammelt wären, 1 

men nun in g, diew^elche sonst in 1 gesammelt v^'äreri, 1 

men nun in ni zusammen. Das zweite Ocular sey in z « 

stellt, iso dafs z.g die Brennweite =f' ist; dann sieht ein 

saits z t stehendes Auge den Gegenstand durch parallele Str 

deutlich , aber umgekehrt so wie das Bild g m es zeigt. 

Sjchewinkel, der ohne Fernrohr =^fCl = qp, war, ist =sj 

geworden^ und wenn man f'=x, oder zg = gx nimol 

f 
ist gzm = gxm=— y, weilfl =f.g)== k .gxm ist, Ai 

.Ix 

I ' ■ 

Wijukel und Tangente verwechselt werden dürfen. Die 

f 
gröfserung ist also = r- 



astronomisclies. 1^1 

/ 

Die GrÖlse des Gesichtsfeldes wird auch hier durch den 
inkel xCy'== g> bestiount, wenn yx der Halbmesser des er- 

n Ocolar» ist , und diisser Winkel in^ürde hier durdh' ' ' 

ngadriickt, wenn h' den Halbmesser des Augenglases angäbe.^ 

L" -.i-,i . f ].\.':'.^ ' •.'■..-•. 'W .1 

bo, wenn hier die Vergrölserung = ~ = m heilst , so wäre 

Ifct — = — 4\' ^^^ "^^ dieses sogleich auf ein bestimmtes 
f.k(m— 1) j 

|il|li4> anwenden. Das erste Ocular sey* so aufgestellt, dafs 

A 1 . 2f 

po^^F ist, so würde die Vergrölseruijg =-7r = m; f , wel- 

s==x war, würde =- f. Das zweite Ocular mnb einen so 

Halbmesser =li" haben, JaCs jener HauptstnJbl. C y, der 
lau in C schneiden würde , das Ocular noch treSe. Die 

: ..On..:>, :. . ,• ■• ' 

,ungxö wudhaer=_^^_^ = __ 
fclglidi 2o=*xo— 2f"=xo..^|f' 

— V2f — 3i^/~ 3 ■ — 2f— 3f ' 




1,'r 




D 



<• 



P Da nun h" einen gewissen Tjieil der Brennweite nicht 
penchreiten darf, ohne Undeutlichkeit der Bilder zii bewirken, 
^«0711''=:^ /^f"^; dieses richtige Maaifr dann i^ 

f. ■ i-.=r/f=f V . : :. . . 

"''* \27+37/' 

) dals Ii' noch etwas geringer wird , als es nach jenem Ver'^ 
iUtnisse wohl dürfte. Hatte man mit einem Ocular die Ver- 
IT. Bd. L 






162. 



Fernrohr, 



2f 



gV8l8ernng=77- erreichen wollen, so hätte man dem 
die Bremiweite = ^f ' geben müssen, und dann waie 



: i> 



Halbmesser des Gesichtsfeldes = 

1 .11 






.. if 



geworden; jetxt 
f+lf 



gegen hat man bei eben der Vergröfserung den E[albniesser 

^ '. T^'^i:. h' ^' j . w ftf'(2H 

Gesichtsfeldes =«-; 7t= 4 — und da,h ^=^-g A , i^l 



...j 



: f.; 



' . ' 2iti 

seyn sollte,' 'so ist des Gesichtsfeldes Halbmesser = ^ . - 

oder = — , welches, fast genau das Doppelte dessen 

.. ? 
was yjü Sei dem einfachen Oculare erhielten. 

■13. Die LUhutärte Jies Femrohrs lälst sich aus foIg( 

Uebexlegungen 'beurtheüen*. Wenn h der Halbmesser des 

fectivs ist , so fällt von eben dem Gegenstande , der dem bl 

Auge die Lichtmenge ts • a^ • 1. zusandte^, auf dos Obje< 

die Lichtmenge =7(h^.l, und wenn das Augenglas alle 

vereinigten Strahlen, nachdem sie durch den Brennpunct 

gangen sind, auffangt, und w6nn dsmn der Augenstern 

genug ist , sie aufzunehmen , so . ist , in Hinsicht auf den 

sammten Glanz, die Lichtstärke des Femrohrs = ;r • h'« 



h* 



hß 



= -^.;r.a*.l, oder — r- drückt dann das aus, "was ich 



a 



a 



No« 4. (JL nannte« 

Wenn^der Gegenst^d ein so höchst kleiner ist, wie 
Fixstern, so hat man allein diese ganze Lichtmenge zu bestimi 
nöthig, jedoch müTste man, wenn der Augenstern nicht 
^>* ganzen Lichtkegel d a e fafste , deüshalb eine Reduction vom« 

men, die aber, weil vd = — ^ ist, nur dann nötfaig 

hf 
wenn a<-— ist. Ware der Gegenstand kein Fixstern, 

dem grölser, so dafs sein Bild einen erheblichen Raum ab eiiH^ 



1 Vergl. No. 4- 



astronomisches. 163 

tarnt 9 so wSre nach den frühem Bemerkungen der mittlere 

ad. der Erleuchtung auf der Retina beim blofsen Auge der 

p. a*l 

AEm — 7 proportional; wo 9 den scheinbaren Halbmesser 

;, und jetzt würde, da das Bild auf der Retina dem ver- 

sn Sehewinkel =^^ gemäls ist, die vergrölserte Licht- 

=;Kh^.I. durch ■ '^^ — zu dividiren seyn, also 

f'Ä 

rz-1 würde der Ausdruck für die dem Auge erscheinende 

h^f« 
dt seyn; und — jfF ^^ ^ würde ihr Verhaltnifs zu 

nigen angeben , welche für dais blofse Auge , wenn es den- 

Cegenstand betrachtete, statt fand. Diese Formel ergiebt 

iziehung auf Gegenstände von merklichem scheinbarem 

lesser die Regel, dafs die mittlere Intensität des Glanzes 

erstlich der Gröfse der Fläche des Objectivglases direct, 

aber auch dem Quadrate derVergröfserung umgekehrt pro- 

lal ist. Auf den Liehtverlust beim Durchgange durch 

k Glaser ist hier nicht gesehen ; wenn man durch Versuche 

ich kennt, der das Verhaltnifs des von ihnen durchgelas- 

lichtes gegen das auffallende angiebt, so mufs jener Aus- 

noch damit multiplicirt werden. Wenn also' z. B. das 

FAAirvHOFi&'sche Femrohr in Dorpat 9 Zoll Objectiv- 

long hat, und wir dem Augenstern die Gröfse = •- Zoll 

^en^i so "wäre die absolute Lichtstärke =54^, und die 

durchdringende Kraft = 54 ; für einen Körper dagegen, 

meridich vergrößert gesehen wird, wäre bei der schwäch- 

140 maligen Vergröisexuug die Helligkeit jedes Punctes 

jT^cJ = t nngefähr^ bei der stärksten 480 maligen Ver- 

(54V 1' 
—-J = — ungefähr , und es erhellet also, 

man bei Gegenständen , die nicht sehr lichtvoll sind, die 
itserung nicht zu weit treiben darf. 
14- Bei denjenigen astronomischen Fernröhren , welche 

1 Nach HzaftCBEL Attr. Jahrb. 1804. S. 231. 

L 2 



164 Fernrohr, 

noch keine achromatiBcheObjective hatten, yeMÜente vorzi 
die Frage , wie groCs man die Objectiv * Oeifnung nehmen i 
ohne ein durch die Farbenzerstreuung zu sehr undeutlicli 
dendes Bild zu erhalten, eine genauere Untersuchung. 1 
Frage war um so wichtiger, da, wie wir eben gesehen hab« 
Lichtstärke des im Femrohr gesehenen Bildes mit der Gridi 
Oeffnung sehr zunimmt, und man von dieser so "wenig ab : 
lieh aufzuopfern wünschte. Huygens hat vorzüglich sid 
müht ^9 die Regeln, wc/nach die Gröüse der Oeffnung, 
Apertur (apertura^ ouverture, aperture)^ du- 
Durchmesser des Objectivs, bestimmt werden müsse, anzqgf 
hatte das Objectiv einen gröfseren Durchmesser, so mubta 
ser mit einer Blendung (annuliM, aperturam ientium defi^ 
das- ist mit einem Ringe von Holz, Blech oder Pappe, l 
werden, um die vom Rande herkommenden, das Bild an 
lieh machenden , Strahlen abzuhalten. Hutoehs's Regdi 
ruhen auf folgenden Ueberlegungen. , . . : 

Wenn man die Abweichung wegen der Kjagelgestib 
unbedeutend gegen die wegen der- Farbenaerstreuung , bei i 
setzt, so kommt hier alles auf die Betrachtung zurück, dal 
Brennweite des Objectivglases nicht dieselbe ist für die Siri 

der einen, und der andern Farbe. Das Bjechungsverhahni 

ist, wenn ich hier nur bei Newtok's Bestimmung stehen hl 
indem jede einzelne Glasart doch etwas anderes giebt, ^ 
für rothe , und 0,641 für violette Strahlen , und der Breniqj 

der rothen Strahlen h liegt also in der £ntfemung= x~^ [ 7-*-: 

Fl . ' vi 

3^'der Brennpunct k der violetten Strahlen in der Entfed 

''^ rrago * "' -jj '* 5*ellö^^ ''^ also das Augenglas so,ddi 

den mitten zwischeri-k und h liegenden Ponct am deutHcl 
sehen, so vereinigen sich hier die auf das Objectiv AB ai 
den von einerlei' Puncten ausgehenden Strahlen nicht d 
nen einzigen Punct, sondern in einen Kreis vom Hall 

_ CA. kh _ h" (1,857— 1,786) _ h.(0,071) _. " ' 
~kC + hC— 1,857 + 1,780 ~ 3,643 — ^•^'"«« 



1 Hogenii opuscaL postb, Lugd. Bat. 1703, 



astronomisches. 



165 



r 



h der Halbmesser des Objectives ist. Die Zahl 090195» 
ie stets dieselbe bleibt, wenn man einerlei Giasart b eibe- 
will ich =^ setzen, so ist dieses Kreises Inhalt = zr . l^, h^. 
['Dieser Kreis erscheint aber desto gröfser oder macht auf der 
ein desto gröberes Bild, je näher das Auge steht, oder 
hier dasselbe ist, je kleiner die Brennweite des Augen- 
ist. Jenes kleinen Kreises Halbmesser nämlich erscheint 
dnrch das Augenglas von der Brennweite f sehenden Aug« 

einem Sehewinkel , dessen Tangente = -^^4— ist, und der 

Netzhaut dss Auges hervorgebrachte Kreis hat also eine 

^^^^ proportionale GrdUse, und dieser Ausdruck giebt 

(ab der ITndeutlichkeit, welche verschwinden würde, 
1^=0 Mräre oder ein von Farbenzerstreuung freies Objectiv- 
»mmen würde. Bei gleicher Glasart ist er dem Quadrate 
k direct, dem Quadrate von f umgekehrt proportional. 
,Die Frage, welche Apertur man dem Fernrohre geben dürfe, 
darauf hinaus , zu bestimmen , wie grofs die Apertur 
eines andern Femrohrs seyn dürfe , dessen Objectiv und 
die Brennweit© F und F' haben , wenn die Lichtstärke 
ichkeit in beiden Fernröhren gleich seyn soll. Die 
Sit jder Lichtstärke wurde durch 

h^P H^.ra 

p — p > 

eit der Deutlichkeit durch 

h^ H^ 

P75 = =js^ angegeben; soll also die Ver- 

F f 

g -=; = V . -^ seyn , oder das zu bestimmende Fernrohr 

"So v^l «als das andere vergröfsem , so mufs F' =3 vf und 

^.hseyn, und F — v^.f, oder H»:h2 = F:f . Die 

t# des 'Augenglases und eben so auch die Apertur sind 

Vergrößerung propoilional , beide aber auch der Qua- 

el aus der Brennweite des Objectivs. Wenn man also 

;e Vergrölserung bei 1 FuTs Brennweite des Objectivs, 

n Apertur und 0,61 Zoll Brennweite des Augenglases 

Jrte, so ward für 100 malige Vergröfserung eine Brenn- 

des Objectivs =>= 25. Fu£s, Apertur = 2,75 Zoll , Brenn- 

des Oculars s=s 3,05 erfordert^ und um 400 malige Ver- 



1S6 * Fernrohr, 

gTöfsemng bei gleicher Deutlichkeit und lichtstäike za eAi 
hätte des Objectivs Brennweite 400 Fnb seyn miiBsen, ' 
denn eine Oeffnung von 11 ^U und Brennweite des Qi 
= 12 Zoll gehört hätte« Um die Vergleichung zwischqi 
Sern Ungeheuern Femrohr von 400 Fuls Länge und dem Ifl^ 
gen Fraunhofer'schen zu vollenden, mülste man nun dock 
die Betrachtung, dals jenes immer noch einige Fehler wegi 
Farbenzerstreuung .behielt I hinzufügen^. 

15« Die Frage , wie man das Fem röhr {3r nähere Gl 
stände oder wie man es fiir kurzsichtige Augen stellen 
p. lälst sich hier fast eben so , wie in No. 9* beantworten. 
So. Bild eines nähern Gegenstandes liegt weiter nach v zu, al 
Brennpunct a des Objectivs, und das Augenglas GH mal 
etwas weiter vom Objective entfernt werden , damit der S|| 
punct des Oculars mit dem Bilde zusammenfalle. Siel 
Kurzsichtiger durch das Femrohr , so verlangt er die hl 
gehenden Strahlen vo nicht unter sich parallel, sondern 
divergirend, er muls daher das Ocular dem Objective etm 
her bringen. Um diese Stellung des Augenglases zu eA 
um sie so, wie jedes Auge es fordert, zu berichtigen, haben dij 
vergrölsemden Fernröhre eine Stellschraube, mit der man se]^ 
Aenderungen hervorbringt; denn bei kleinen Brennweite 
Oculars bedarf es nur unbedeutender Aenderungen, .um 
Fernrohr jedem Auge angemessen zu machen. 

16* Als eine besondere Art der astronomischen Femröbf 

man dieKometensucher, oder Nacht fernr5 

an (telescopia nocturna; lunettes de nuit; ixij 

telescopes , auch wohl tits - eyeSy Katzen- Augen gea 
Ihre Bestimmung ist Gegenstände , die wenig Licht habei 
deren Ort man nicht genau kennt , aufzusuchen , z. B. am 
mel die Kometen, kleine Sterne oder Nebelfiecke , auf dec 
bei Nacht Gegenstände, die wenig erleuchtet sind, z,B.S< 
oder Gegenstande am Ufer, v^enn die Schiffer sich ihrer \ 
neu. Um dieses Zweckes willen, bedürfen sie einer g 
Lichtstärke, um schwach leuchtende Gegenstände kenntli 
machen , und eines grolsen Gesichtsfeldes. Beides eihall 



1. Die Ton Hotgevs berechnete Tafel für Brennweite, i 
und TergroIseniDg s. bei Smitli Lehrb. d. Optik, p. 193. ni 
Yon Tob. KATsa berechnete Tafel in Klügel's Dioptiik. S. 179. 



Erdfernrohr. 



167 



tom man dem Objective bei maCuger Brennweite eine bedeu« 
Oefinung giebt ; denn selbet ein einfaches Ocular von be- 
texn Durchmesser giebt ja das Gesichtsbild desto^ gröfser, 
ler die Brennweite beider Gläser ist. Die Vergrdfserung 
dann ' nicht so erheblich werden y aber dieses ist auch bei 
[Gegenständen , die der Schiffer auf dam Meere wahrneh- 
will, gar nicht nothwendig, und beim Kometensucher 
ma» eher auf Vergröfserung als auf Lichtstärke Verzicht 
In den Formeln (No. 13*) würde z. B. bei 10 maliger 

flsemngy 77=10, die Lichtstärke die vierfache seyn, wenn 

20 • a y. der Durchmesser des Objectivs 3 Zoll wäre. Die 

Lofer'schen. Kometensucher von 34 Linien Objectiv-Oeff- 

^liaben bei 24 Zoll Brennweite und lOmaligei^Vergröfserung 

Ltsfeld von 6 Graden Durchmesser. Bei so sehr grofsem 

felde bemerkt man zwar schon , dafs am Rande die Ge- 

ide nicht vollkommen deutlick erscheinen; aber da es 

^■nr darauf ankömmt^ die Gegenstände zu bemerken, die 

in , theils indem man sie in die Mitte des Gesichtsfeldes 

;^ theils indem man ein anderes Femix>hr zu Hülfe nimmt, 

beobachten kann, so ist dieses kein wesentlicher Fehler. 

Das Erdfernrohr. 

[7. Da es uns bei Gegenständen auf der- Erde* tmmigenehm 

5rend ist , wenn sie in umgekehrter Stellung erscheinen, 

^^dev Zvireck des- Erdfernxohrs , {telescopium terresire) dier 

iTt erscheinenden Gegenstände zugleich in aufrechter 

lg zu zeigen. 

ich die von de RHEiTik angegebene, zu diesem Zwecke 

)rauch gekommene, Einrichtung beschreibe^, will ich die 

ie' beantworten, warum die einfacher scheinende Einrieb- 

wo das Femrohr nur aus drei Gläsern besteht , nicht so 

lätsig ist. 

[äme es allein darauf an , die umgekehrte Erscheinung des 
in eine au&echte zu verwandeln , so könnte man dieses 

zwei im Ocular - Einsalze (tubus ocularia^ 



Einige andere Vorschläge, die minder braachbar sind, erwähnt 
IL 9S6. 



170 Fernrohr« 

Am dem Vorigen ist kl«r, dab aCb=3^ der Selira 
iit| unter welchem der Gegenstand, dessen Bfld.ab dan 
dem blofsen Auge in C^ elso auch , da des Gegenstandes Em 
nung so sehr grols ist, in O erscheint. Es ist aber absa( 

und offenbar aVbB-^ssmWi?, aba«/J=-^> 

r f 

endlich at/J a« ä» = • f^ wenn ^ f, T, f^ die Bi 

der auf einander folgenden (Saser sind. Die Fergröß 

alsoaai -*^^, dieLang^de*Fcrnrcshis=f+r + VW+f' 

wo VW willkürlich i$t» 

19* Um die Gr5be des C^mirkc^^Mn sa bestimmen, ' 
aen wir wieder die Strahle« T^ifc^^Ta. wteldbe durch diej 
des Objectrrs g^nid den Ruti •£» ccscna Ocalars trefteOt 
Beisittd s«T, wie Sm« e» iari-rt*. Tir= V+f wä 
Aas f ^r*, SD saimrinfx eis s it iKHiniiiima dnck den 



gdMttdeiiStnUai &A= äP ii.^YF=H^— g 



WI=li* 9» pi>& sr>x. «u ^BT kei&fr durch H 



Scnhl «nck dxses Omilv 2kicä. c££. juiii-k'*':^ 



VP 

_ y (f _1^ J 

Strmkkc wÄiä:-* vnr F Bö^iÄemi da» sweite 



WF f 
MTp '^^ AVT* ='^=^ — -- 1^ 33B3: Z xjcii: SO weit 



WF— f 

Ke^t« dab p* dies^it» Z fiZZ-ia: iTfccc*, je fciMt nun den H 
m t > ! iJtr ZM^h** d» Ijcst-s: A^isfKL:^«*. 
h-: h" = Zr : wV^ 



• V 



h^=h^- ^* ^ 



t— r 

Halt alM" da» Ittn^^ CVa:^? eE'xr-ür «r.i'nKsscsien Haibmi 
mali'**^si(^« dtr Msafidh s«^ ^c\*kä st. 4J» «ie Deudichke 



\ vMHmff^v^ ^k 91^ 



Erdfernrohr« 109 

mmen, dab'EV^Sf'— ^^^, ^ T scy, so läfst sich 

it 1>«stianfeieii, in welcher Entfernung Tom Cehtro des Gla* 
S Sie fiiifsersten Stralilen vorbeigehen , indem diese 

- li' E P 

^c=. — * ^ wird. Um deutliche Bilder zu geben, darf 

y' nicht gröfser als höcWens -j- f" nehmen , wenn also 
tf=20f% die Vergrölserung 20 malig seyn soll, so würde 

^~ EP 

_ 1 f " ri±^\ 

~^ V2f+r/ 

— 4-- 41-1 

^^z- f) and des Gesichtsfeldes Halbmesser 

^L-'Z? =0,006 = 203-', Statt dafs ein astronomisches 
dessen Ocular den Halbmesser = -x f " hätte , bei 20 

Vergröfserung der Werth des 9 =^ . -^ = 41' gege- 

Diese Verkleinerung des Gesichtsfeldes ist einer der 
wamm diese Einrichtung nicht brauchbar ist, ein ande- 
in der Farben Zerstreuung der Oculare , die ich in der 
eist erw^ähnen .werde. 

In beiden Hinsichten hat das von de Rheita angege- 
^.ysnii noch immer als bequem anerkannte, Erdfernrohr mit 
einen Vorzug. Dieses ist als eine Zusammensetzung 
astronomischer Fernrohre anzusehen^ indem die vom 
reEtiy aufgefangenen Strahlen in a b ein Bild hervor* Jß' 
|en, dann in dem Glase GH, welches in a seinen Brenn- 
hat , so gebrochen werden , dafs die von jedem einzelnen. 
des Gegenstandes kommenden Strahlen parallel ausfahrend 
rlas IK treffen, in a^ ein neues, offenbar aufrechtes Bild 
sgenstendes darstellen und endlich durch LM gebrochen 
Lele Strahlen zum Auge O gelangen, wenn a beider Glä- 
nnd LM Brennpunct ist. Dafs das Auge in O den Ge- 
ld aufrecht sieht, dafs ein fernsichtiges Auge ihn auch 
ch sieht, erhellet leicht; die übrigen Umstände will ich 
läher betrachten. 



[ 



17S Fernrohr, 

sehen W und Z liegen kann, so ist 

^„_ h'".Wp' _ h "'(g.{{' -~t.{''—{'3 
~ Z7~ ~ fT*— gff"' + 2fTT^— f'af" 
Soll also hier h'"=fi("' nnd h"=±:juf seyn, so 'würde s 
der GleiiOiaPg .f (f . f'» — gff" + 2ff' f" — f'a f":; 

f" rgff - f . f '» - £'*) bestimmt, also g = i2, + 1 1 
daraus aber folgt WP =^ "J ^' f" + 97777 , und 

, . h".vp fir.r f"'(f + r) 






Wl' 

Es läfst sich Iqicht übersehen, dafs hier h' leicht kh 
als fii\ zu erhalten ist, wenn man f'" <^ f nimmt. Es 
z. B. wif Klügsii aus andern Gründen annimmt^, 

I — 5 I » 

also g=-j- f 

7 f'2 

WP = -^r— L_; 

4 f ' . 

h =:f£ .f . j ^-i — i-, welches z.B. fiirf=20f' 

lö ^^ 

, / r/ 2 21 42 r/ . , ^ 

42 u ' 

Hier würde y=g , '/* , den Halbmesser des Gesichtsti 

angeben, weil f + f' = 21f' ist, und eben dieser Hallig 
ser des Gesichtsfeldes \v'äre== /\ / rr =f*io5^^^ 51 /" gewwri 

wenn man aus den beiden Gläsern , deren Brennw^eite =1! 

2 
und = -7^ f sind , ein astronomisches Fernrohr zusammex 

setzt hätte. Ein Vortheil, der in Hinsicht auf den farbi 
Rand erreicht wird, soll in der Folge erwähnt werden. 

21* Man kann auch dem Erdfernrohre vier Oculai«. 
ben , und da diesem eine sehr gewöhnliche Einrichtung ist 
will ich wenigstens Einiges von den Anordnungen der C 
lare, die hier möglich sind, angeben.. Das erste Ocular i 



1 Dioptrik J. 470. 471, vro er Eüler's Regeln folgt. 



Erdfernrolir. I73 

BFischen dem Objective und dem vom Objecdve hervorge-r> 
bachten Bilde ^, dann bringen die beiden ei'sten Oculare zü~ 
hmmen eben die Wirkung, wie in dem astronomischen Fe;t1»- . 
mit zvrei Ocularen, hervor, und wenn das durch das 
Ocular dargestellte wirkliche Bild genau in den Bremi- 
des zweiten Oculftrs. fällt, so gehen dann die. licht'- 
in parallel vom zweiten zum dritten Ocular^ über, ver- 
[en sich im Brennpuncte des dritten Qculars, der mitJem 
vierten zusammenfällt, und kommen durch das vierte pa* 

in da3 A%®* A^^' nicht immer i^ die Anordnung so, ^ 

die Strahlen aus dem zweiten Oculare patallel hervorc^e- 

sondern sie könnten auch nach einem ziemlich lentfern- 

Puncte convergii^'nd seyn; dann wurde ^iese Convergeni 

das dritte Glas; stark vermehrt und ein JBild dargestellt, 

les sich allemal im Brennpuncte des vierten Glases be-^ ' 

m mufs. Ob das 'eine oder das andere 'in einem gegebe- 

Fernrohre sttfitt^lfindet, kann man leicht so untersuchen.' 

n nehme den Ocular - Einsatz heraus, imd lasse darin .nur 

dritte und vierte Ocular an ihren richtigen Stellen; dordb 

s^e man nach einem entfernten Gegenstande und: gehe 

lg, ob man ihn deutlich (wenn auch nicht :vergrOlseit) 

innt; ist das der Fall, so stehen diese beiden Oculare so^ 

es parallelen -auf das dritte Ocular fallenden Strahlen an*- 

m ist. Sieht inan aber die Gegenstände nicht deutlich, 

müls man das eine Ocular herausnehmen und ent- 

▼on dem andern halten , so waren die auf das dritte 

mfiEallenden Strahlen im FemTohr convergirend; Wäre 

& dM Objectivs Brennweite 19 7x>ll und be^de sick daar 

piB Ocular von 1-s Zoll Brennweite nur 13 Zoll von jenem 

(■ : . ^ ':..... 

^tfernt, so läget das erste wirklich entstehende Bild um den 

*8 •*• 11 
hitMid = — j ^ = 19" Zolle hinter dem ersten Oculare, 

^. Ig+l : 

||ur -will ich 7 Linien setzen. Das zweite Ocular stehe um 
llUnieii von dem ersten ab, und seine Brennweite sey 
^tS lÄDitn , so würde dieses zweite Ocular ein neues Bild 



1 Dieselbe Anordnung find^et sich in Flg. Sl. dargestellt. 



174 Fernrolir, 

in der Entfernung = |q^<v = 63 Linien bilden, wenn ni 

35 liiüen hinter dem zweiten Ocular sich das dritte befiUi 
Des eben bestimmten Bildes Abstand vom dritten M^irde t 

28 Linien betragen, imd wenn dieses 23 Linien Brenpui 

28 23 S '1 

hat^ 80 kommt das Bild anf ^^ * ^^^ 12y Linien zurück|;i 

wenn das letzte Ocular die Brennweite = 12 hätte, so wi 
die Vergrölserung 21fach seyn. 

Das acliromatische Fernkrohr« 

22. Obgleich die vollständige Beantwortung der Frage, 
^in Linsenglas zusai^imengesetzt seyn mufs ^ um ganz färb 
zu seyn, in dem Artikel: TAnseriglas ^ abgehandelt 
wird : so mufs ich doch hier die Hauptbetrachtungen , 
jene Untersuchung ankQmmt, erwähnen. 

%§" Wenn auf ein convexes Glas C parällde^ Strahlen &]len, 

"wurden diese in A. ein völlig bestimmtes,* in einen 
Punct vereinigtes Bild eines vor dem Glase liegenden len« 
den Punctes darstellen, wenn alle Farbenstrahlen einerlei 
chung erlitten. Durch das hinter jenem angebrachte hohle j 
D, das hier von anderer Glasart ist, wird der Vereiniguni 
weiter entfernt und.B würde der Ort des Bildes seyn. Dt{ 
aber hier auf die versclüedene Brechbarkeit der Lichtstrs 
sehen haben: so werden wir sagen müssen, in A wü] 
violette, in a das rothe Bild durch das Convexglas hei 
bracht, und beide werden nach B, b, durch das zwischenge 
Concavglas hinausgerückt. Hier entsteht nun die Frage |;| 
nicht die ungleiche Farbenzerstreuung der Gläser so seyn 
dafs B und b in einen Punct zusammen fielen. Da B bei 
chierGestah desConcavglases desto weiter von A entfernt lie< 
stärker die violetten Strahlen im zweiten Glase gebrochen 
den , und da b desto näher an a rückt, je weniger in dei 
die rothen Strahlen gebrochen werden : so mufs das z\ 
hohle Glas die stärkere F'arben Zerstreuung haben. Es sey 
die rothen, v für die violetten Strahlen im ersten Glase, 
für die rotlien, v für die violetten Strahlen im zweiten Glasal 
Brechungsverhältnifs : so würden 

f _ ^'g „„j ü _ ^'Q 



achromatisches. 175 

Srennweiten des convexen Glases für die rothen imd^vioIei-> 
trahlen seyn. Jene fallen , wie wir beide Gläser als um 
Intfemang =rg von einander entfernt annehmen, so auf das 
jiivglas, dals ihr Sammelpunct lun f — g. hinter dem Glase 
l^slso inNo.5* b= — (f — g) ist; setze ich zugleich/ und 
V Radif^n der Kugelflachen negativ bei dem Concavglase, so 
r die Vereinigungs\veite 

■ I .i j^^ — ^^ > . <i^ 7—7 fiir die rothen Strahlen, und 

»— 1) (f— g)(r +q)—iq 

Hb violetten Strahlen 

7 TV-TB ; ; y , /; ?-7. Diese Entfernungen müs-^ 

► — 1) (F— g)(r +Q)^TQ ^ 

peich seyn« Da aber ^ und v wenig verschieden sind, sp 

Uuskr^fi -^d|u;F = f -f- df setzen und erhalte demnach 

&,- r.p / 1 dii \ , . , 

rdi =s * ■ ' I r- — 7 --prx I, und wenn ich statt 

r + p\/u— 1 (^_l)V' 

:. -cp-g)/g\ 

' — (f— g + df)(r'^') 

^ 4 i j ,/\ /r , . 1 r\ / 'S — n ?— /, SO Wird dieses 

^1+ df^) (f _g + df) (r :|.^)_r p » 

%U — {^—S)^'9 _ 

f"- (^'-l)(f-g)(r' +71=77 

:, df./^p-2,},d^^(f_g)2,-p^ (Z + p^) 

i. '^ j(f*-l)(f-g)(r+(^')-r^'j' • 

rvDob das letzte Glied verschwinden, also vermöge des 

t TWrc g gegen f so klein, dafs man es weglassen könnte, 
Eide vermöge des Werthes von f 

—Tg —77-^ 

aJ^ ^^ _ d^^ 

i' ^^^ Ol— i)f-Oi'-i)f' 

rf die Entfernung des imaginären Brennpuncts fiir das 

mh^ ist. 

Keraus könnte also, bei gegebenem Brechungsverhältnisse 
le rothen und violetten Strahlen, die Brennweite f des ei- 
jhses so bestimmt werden, dafs zwei verschiedenfarbige 
len sich genau in einem Puncte vereinigten. Es sey z. B. 



Fernrohr, 

fö»' KrpnglaB ^ = 1,527, d |U = 0,0105; für FKnl 
^' = 1,631, d^'=0,0213, so würde für f=60ZoU, f =; 
Dz« Brennweite der aus beiden Glasern zuaammen^setztm [ 

wülrde = zrr = 119 Zoll; Man mülste also dem ' 

Ol I 

yexglase eine nur etwa halb so grofse Brennweite geben, 
zusammengesetzte Glas haben soll. 

Diese Bestimmung wird nun zwar wesentlich anders, 
man auf den Abstand der beiden Gläser von einander Air 

I -w 

nimmt ; aber auch dann, vorzüglich wenn, man die Abw« 
wegen der Gestalt gröfstentheils s^u heben sucht, tritt die 
nehtflichkeit ein , ■ da£s man den sphärischen Oberflächen 
nere Halbmesser geben muTs, als es in Beziehung auf eine: 
liehst grofs zu erhaltende Oeffnung wünschenswerth wäre«, 
dies zu vermeiden, hat man es als vgrtheilhafter angc 
da^ Objectiv aus drei LJSnsen zusammen zu setzen, nämlich] 
convexen und einer concaven^ wo dann .die beiden 
gläser eine grcifsere Brennweite erhalten ^ als die Entfei 
Zerstreuungspunctes der Concavlinse ist. 

Indefs sind auch die Rücksichten, die man auf die 
gung der ungleich farbigen Strahlen zu nehmen hat, 
sich nicht so einfach , als ich sie hier 'dargestellt habe* 
man die äufsersten Farbenstralilen, die rothen und violetteii|'j 
aufs beste vereinigt, so sind dadurch nicht auch die 
Strahlen genau in demselben Puncte vereinigt. Hätte 
vorigen Beispiele die rothen Strahlen mit den grünen, i 
che d/t4 = 0,0065, d^' = 0,0128 ist, genau vereinigen 
so würde zu f =60, f ' == 99 gehören, und ein Concavgl 
101 Zoll Zerstreuungsweite würde die mittlem Strahlen 
wegs genau mit den rothen und violetten vereinigen. 

23. Da ich die weitere Aüsfühaiunfj dieses Ge^enj 
dexa Aitih^el Linsengläser, achromatische^ vorbehalte, so! 
ich hier nur noch kurz einige Hauptrücksichten , die 
der Brechung genommen hat, und einige Vorschläge iä 
anzuwendenden Körper anführen. Ein gutes zusammeiij 
tes Objectiv soll so beschaffen seyn, dafs zugleich die Abnfi 
wegen der Kugelgestalt und wegen der Farbenzersi 
möglichst gehoben werde. Dieses zu erreichen, hat man 
schiedene Anordnungen vorgeschlagen, unter denen dir 
Klügel: dafs man die Krümmungen der Gläser möglichst 




achromatisches. 177 

bmen solle, lange Zeit vorzüglich beachtet worden ist. 
«r Klo GEL selbst fand später, dafs das von ihm vorgeschla- 
ae Objectiv noch s^ehr erhebliche Abweichungen fiir die Strah- 
i gebe , die nicht nahe bei der Axe einfallen. Er änderte 
lur seine Vorschläge dahin ab , dafs man die Halbmesser der 
nden Oberflächen der vorderen , convexen Linse so wählen 
Jb, dals die Brechung an beiden ziemlich gleich sey, indem 
jdliich die Winkelabweichungen der Randstrahlen auf beiden 
Am zusammen genommen, ein Kleinstes werden. Die Ab- 
lishnng der Randstrahlen bei der ersten Linse müsse dann bei 
f dritten Brechung völlig gehoben werden, und die vierte 
||che müsse so gewählt werden , dafs sie die Zerstreuung 
ir ungleich farbigen Strahlen aufhebe , und man erhalte so Be-* 
lungen für alle vier Radien *. 

Za diesen Vorschlägen haben Bohnenberger und Gauss 
wichtige Bemerkungen hinzugefügt. Gauss bemerkt 
dafs Klügel's Gründe für die Wahl der beiden ersten 
llbniesser vorzüglich auf den Z\Yeck , die Abweichung wegen 
' Gestalt zu heben, hinausgehen ; aber es erhelle nicht ganz, 
dieses auf die angegebene Weise am besten geschehe , und 
eine auch ungewifs, ob nicht die übrigen Unvollkommen- 
;en noch wichtiger wären. Er billigt daher Bohnekbero'er^s 

Elchlag, die uns frei gelassene Wahl der beiden Halbmesser 
ersten Glases zur WegschafFung der Farbenzerstreuung bei 
Randstrahlen zu benutzen, und empfiehlt dieses um so mehr, 
Bohvkvbe;r.gek's Rechnung zeige, dafs die Abweichung we- 
der Gestalt darum doch nicht erheblich zunehme. Aber 
Dia bemerkt, dafs sich noch mehr erhalten lasse, es sey näm- 
mögÜch, alle Strahlen von zwei bestimmten Farben, sowohl 
nahe bei der Axe , als die in einer bestimmten Entfernung 
der Axe aufEallenden mit ihr parallelen Strahlen in einen 
iffen Punct zu vereinicen ; dann aber müssen beide Linsen 
ex - concav werden und die convexe Seite dem Gegenstande 
hren ; dabei kommen zwar gröfsere Brechungen vor , aber 
Vereinigung aller mit der Axe parallel einfallenden Stralilen 
vollkommener, als bei irgend einer andern Einrichtung 2. 



1- 1 Gilb. XXXIV. 265. 

i 2 Astron. Zeitschrift von ▼. Lindenau und v. Bohnenberger. 
S85. IV. 545. Gilb. LIX. 188. 
IV. Bd. M 



i99 . Fernrohr, 

gr(S&erung k(ftinte fUr Taschenfemröhre und Nachtfernröhi 
reichen*, indeCs wäre noch su untersuchen, ob die so z 
mengesftzte Ocularlinse nicht einen grolsen Lichtverlust 
wip : .es freilich die aus zweierlei Glasarten zusammeng« 
.Q)iject\yljinse auch thut^« 

36» £ine andere wichtige Frage, deren Beantwortung 
wendig hierher gehört,, ist die, ob man mit Hülfe mc 
Oculare etwas thun könne , um die Farbenränder aufzui 
die ^urch die Oculare. aelb§t hervorgebracht werden.' 

Wenn gleich das Obiectiv achromatisch ist und ah 

#i>ie/ii Puncte ausgehende Lichtstrahlen, auch ganz gei 

0inem Puncte des Bildes vereinigt werden , so kann doch 

Bild in Beziehung auf ein einfaches Ocular nicht zugle 

dem den rothen und in dem den violetten Strahlen entspn 

den Brennpuncte des Oculars liegen , und wenn es da lieg 

der Brennpunct der mittlem Strahlen sich befindet, so geb 

äuüsersten ein gefärbtes Nebenbild. Sehen wir hier zuei 

einen Punct in der Axe , ^o kann bei diesem wohl einig 

deutlichkeit, aber keine Färbung stattfinden; denn inde 

gelben und grünen Strahlen das Auge parallel treffen 

rothen ein wenig divergirend , die violetten ein wenig cc 

girend auf das Auge fallen, so bringen diese letzteren zwa 

Undeutlichkßit.' hervor, indem sie,' ziemlich sowie oben 

Figur 32- erläutert ist, einen Kreis auf der Retina darst 

aber da dieser Kreis von zerstreuten rothen Strahlen eb 

gut, als von zerstreuten violetten Strahlen getroffen win 

giebt er uns keine vorhersehende Empfindung einer Farbe. 

deiis. verhält es sich mit. den Strahlen, welche vonPuncten . 

der Axe zum Auge gelangen. 

p. -Wir betrachten auch hier nur die durch die Mitte dm 

So. jectivs gehenden Hauptstrahlen, unter denen p C von eine! 

gen die Grenze des Gesichtsfeldes liegenden Puncte herkoi 

mag. Das Bild dieses Punctes liegt in f , aber unter dei 

ihm auf das Ocujar gelangenden Strahlen wird nur EO 

Strahl , dessen Brechung die mittlere ist, das Auge O errei 

die blauen und violetten Strahlen gehen nach E o fort , um 

Auge sieht etwas weiter von der Axe entfernt in der Hid 

Oe parallel mit oE* ein blaues Nebenbild. Hier ist oft 



1 BRKwsTi^n on new philos. Instrnments p. 420. Gilb. L. ; 



achromatisches. 181 

- als Differential des Winliris ROE anzuseilen , nndt da 

g f ' 

= - — >7 .war, wenn CR = g den abstand beider Gläser 
g ^ • ^ 

inander beseichnet, und f' des Oculars Brennweite, so' ist 

; == g) i^, — l ), wenn q> den Winkel SCp =FCf be- 

t. Hier ist q> unveränderlich und auch g ist es, wenn man' 
teUnng der Gläser nicht als abhängig von der Brennweite 

kmlars ansieht ; also £ O e = ^^^f — . und da g 9) gleich 

t 

Bblbmesser =h' des Oculars für die am Rande des Ocu- 

lorchgelienden Strahlen ist, so kann man auch 

h' h' 

llOE = ;=7 — q> undEOe = d . p- setzen. 

^eim astronomischen Fernrohre mit einem Oculare ist 
^•f- f ', der Summe der Brennweiten beider Gläser gleich, 

—,—^—7 (-7 7) ist, die Abwei,chung ist also 

tande des gesehenen Punctes vom Mittrfpuncte des Fel- 
»rtional, und man kann deshalb es nöthig finden, dos 
ifeld zu beschränken, damit jene Abweichung nicht für die 
le liegenden Gegenstände zu erheblich werde. 
zu übersehen , woher der Lichtstrahl e O zum Auge 
muls man überlegen, dals nur die mittleren Strahlen 
[el unter sich zum Auge gelangen , dafs dagegen die 
«vveil F weiter als der Brennpunct der violetten Strah- 
R' entfernt liegt, ein Bild Hh darstellen würden; gegen 
ict h also convergiren diese Strahlen und p' c f e ist der 
sjenigen Lichtstrahls , der in e O zum Auge kommt. Der 
ide Punct, dessen Bild f ist, erscheint also vermöge' Sei- 
lern Strahlen dem Auge nach OE, vermöge seiner 
Strahlen nach Oe, und zeigt sich also mit blauem Rande 
äulsern Seite des Gesichtsfeldes verlängert. Wäre es 
»In er leuchtender Punct, so würde er auch nach der in- 
te des Gesichtsfeldes ein rothes Nebenbild . zeigen ; 
^•ber der helle Gegenstand, etwa wie der Mond, den 
i mittlem 7i>eil des Feldes ein , so hat er rund um sich 
Uauen Rand 9 der' desto merklicher ist, je näher die 



^80 F^^nrohv,' 

GrenxQ ieß leuchtenden Gegenftandcis d^r Grenze des Gesi 
feldes liegt. 

27* Dieser blaue Rand kann durch ein zweites Ocular 
v<ei8chlimmert, aber bei richtiger Stellung deseelben auch 

bessert werden. Es ist .nämlich einleuchtend , dafs wen 

» . ' • '/ , ."•■.. 

iBweites Augenglas die Vergröfserung vermehrt, eS auch d 
Winkel EOe in eben dem Verhältnisse vergröfsem würde, 
EOj eO gleichartige Strahlen wären, dafs aber nun enti 
nocli eine Yermehrung hinzukommen oder eine Vern^ind* 
statt finden kann , wegen der ungleichen Brechung , weld 
verschiedenartigen Strahlen inl zweiten Oculare leiden, 
diese AbwMchun^ richtig zu beurtheileni dient folgend 
trachtung. Der Lichtstrahl E O falle auf das zweite Ocid 
und schneide wieder die Axe in O', wo also nun das Aug 
nen Platz einnehmen mtifste , um alle durch diä 'Mitte de 
jectivs gehenden Strahlen zu erhalten. War hier -RCE 

CR = g, RE — h'.= g.y, 80 ist ROE =w^, od 
RpE =$ÄS_ZlL}^ und wennRG=Kist,!Gg==;h"=OC 
Oder l^^^(K-^J^),f{,:^n=^^^^ 

h" h' 

welches sss -^ ^-^ -p- -f- y ist. 

Offenbar wird hier die Abweichung für einen geg( 

Wcrth von (p durch d.-p d.p bestimmt, aber h" 

dann so genommen werden , wie es der am Rande de$ 
Oculars durchgehende Strahl fordert, und es ist nun oi 

h" Vi' 

dals da wo d . // — d . tt- =5 wäre , sich die hier bt 

f f 

tcte farbige Erscheinung ganz aufheben würde. 

' Um diese Formel zu entwickeln , müssen wir sie % 
Hauptgröfsen , die bei den Gläsern vorkommen , in Verb 
ansetzen suchen; ich nenne also g = f + 1» '^^ dann f d 
jectivs Brennweite, l der Abstand des Bildea vor dem a 
QaH itt, k dagegen wird V + i'\ wenn l' des nfikchstei 



achromatisches. i» 1^3' 

bstanA hinter detn zweiten Glase bezeichnet ; denn dieses Bil- 
iS Abstand vom dritten Glase mufs der Brennweite des letztefn 
eichseyn. Dann ist h'=^ (f+l)» ^"cl h" wird daraus ge- 
iden, dab der Vereinigungspunct der durch die Mitte des 

ItaGtivs gehenden Strahlen , und die Entfernung = ^ "\ ^ . , 

Mer dem zweiten und um f ** + 1' — -r^r^ — F? ^or dem 
r I + 1 — t ^ 

Rten Ghise liegt, die letztere aber ist wegen 1' = . p, 

f f'2 

idt = f ,. +7t FwFTl FT- ^^ nämlich h' und h" als 

\} — ^) V'T^ — t} 

shtwinkliche Katheten zweien gleichen Winkeln gegeniiberr 
fken, in Triangeln , deren andere Katheten die eben erwähnte 

iflbi haben« so ist — - ,^ ^ — ^= — 

•^ ' f (f+l) „ f. f'2 

. . , * + (I-f) (f + l^f)^ 

er h"= — p — — * g) • f '' 4"y- — f » welches auch durch 

s=s — ^ g) f " 4" ^j — ) ausgedrückt werden kann. Nach 

■i Vorigen soll nun^ damit der farbige Hand verschwinde, 

. . , h" , |h' , (p£Yi 

w es ist d . ^// = a * (=r ^— *9 + "nr"' l • 

er ist nun zwar bisher immer angenommen , dafs das letzte 
Id in dem Brennpuncte des dritten Glases liege , aber da 1 ei- 
B andern Werth bat für die violetten als für die mittlem Strah- 
le so kann jene Voraussetzung nicht für alle Strahlen zugleich 
tt finden, und ich werde daher 1" statt f" schreiben* 

Die weitere Rechnung führe ich nach Klügel^s Anlei- 
igl , obgleich das einfache Resultat billig auf einem einfachem 
iige, den ich jedoch nicht auänden kann, sollte gefunden 

h" ^ h' 
£Ti — d . j: 



rdien. Um den Werth d . ^^ — d . jr = der Abweichung, 



1 Dioptrik {. 16& 



184 Fernrohri 

richtig za entwickeln, mufs man sich zuerst erinnßttt^ A 
h' = y(f+l) ist, wo 1 negativ würde, wenn, das zweite Q 
schon vor dem Bilde stände : den Werth von h" habe ich 4 
angegeben. Wenn . man in dieser Formel auch f als veränAj 
lieh ansieht und bedenkt , dafs I sich um eben so viel vend 
dert, als f sich vergröfsert, oder df = — dl, und ebd| 
dr'= — dl' ist, so erhält man 'j 

Hier ist das Glied , welches d f enthält, i 



h'.r ,. h'r.di , 

-p- dt = =jj — oder 



weil -j-= -77 -y "^» Eben so ist der Jn dl' multipM| 

Theil=9(^^^)— ^===h"(~ lY also endlich 
„ y, , h' h' Tdf , h'dl' , h'dl' h ,, 

,dn =i .d. ^ — r"'^ — '""!'"'"' — i r » 

hier ist aber das in dT Multiplicirte selbst :^0 und 

j u" 1" j ^ h' r d f 
an =1 .d.p p^ — . 

h" h' 

Die, gesammte Abweichung = d , -xr, ^ • ft > lafst i 

nun ausdrücken, und das um so leichter, da für die miti; 
Strahlen, also nach vollendeter DiiFerentiirung überall, 1" = 

gesetzt werden darf, wonach 75-7^ • — d. ^r «3 

^ . j h' ^ K h'"dr h' r dr 

geht m d. £* — d.-p- — 777 .-jtt" — J^'T^T' 'Jf > oder i 

«..55.i.f(-,^-)+^,i;.(^-^). 

Dieses einfache Resultat ist nun genau das schon aus 
. tser Ueberlegung hergeleitete. Die Abweichung der hiech 

sten Strahlen betrug im ersten Ocülar -p- l — ,-^— ) und < 

, . . r 

kommt hier in dem Verhältnifs jtt vergröfsert vor , weil 



achromalisclies. 



it, annehmen können , so ist 



itt 



hfl des BSdes , der durch das erste Glas unter einem gewis«^ 
pSehewinkel erschien, durch das zweite in ehen dem Ver- 
vergrtffsert erscheint; aber nun kommt noch, additiv 
snbtractiv, die Abweichung im zweiten Ocular hinzu, und 
eine oder andere der Fall sey , richtet sich darnach, ob 
, wo die Hauptstrahlen sich durchkreuzen, «wischen 
Ocnlaren oder jenseits liegt. 

Ein Beispiel zu diesen Untersuchungen giebt das in No.l2. 

itete astronomische Fernrohr mit zwei Ocularen. Dort 

1' =f , und da wir beide Oculare als aus einerlei Glasart 

4^ 41L. DaZO 

^ 1 ^ 1 

negativ war, so liegt O nicht zwischen beiden Ocularen, 

h" h' 1 ' 
jenseits und -777 — ^r . pr könnte freilich furr = f" 

ganz =0 werden , aber in den dort berechneten Angaben 

hV2f + 3r\ h' . . j j r 

=^jr C^T?"^ — p") *^ wemg von 77- verschieden, dais 

le Rand fast völlig aufgehoben wird. Hier erhellet nun 
k, warum bei dem in No. 17. beschriebenen Femrohre mit 
wirklichen Bildern das Aufheben des blauen Randes nicht 
findet. 

28- Wie die Abweichung bei drei Ocularen bestimmt wird, 
ich nicht mit gleicher Umständlichkeit aufsuchen. £s er- 
:, daCs die für zwei Gläser gefundene, in Verhältnifs der 
dritten Glase zugehörenden Vergröfserung vermehrt wird, 
dum die Abweichung, welche dem dritten Glase allein an- 

hinzukommt. Die gesammte Abweichung bei drei Glä- 
]ht demnach, wenn 1'^' der Abstand des vom zweiten Ocu- 

vorgebrachten Bildes von diesem Glase und f ' eben des 
s Abstand vom dritten Oculare bezeichnet , 

.' 1' r / d^' \^ h" r / d^/' \ , K"'/ d/' V 

Idie Bruche — ^ können für gleich angesehen werden, 
II— \ 

man sich zu allen Ocularen derselben Glasart bedient. 
Um zu prüfen, wiefern die Aufhebung der blauen Rän- 
Lhei denjenigen Abmessungen des gewöhnlichen Erdfernrohrs 
findet, die ich in No. 19- angegeben habe, mülste man. 



iB6 Fernrohr.' 

wenn alle Ocnlare «oi einerlei Glasart sind,, die Abnreic 
für ein astronomisches Fernrohr, dessen Ocular ans- eb« 

Glasart ist, berechnen, und diese Abweichung ==:-^ l — ! 

als Vergleichungsmafs für die übrigen Anordnungen derl 
gebrauchen. Bei dem in No. 19* betrachteten Erdfeni 
fallt das Bild , das hinter dem ersten Ocular entstehen soU| 

.Unendliche hinaus, -und 1' ist daher, so wie Tsoo ab^ 

1' 
Quotient -pr ist = — 1 , weil 1" an die Seite fallt, w« 

dem von uns angenommenen Normalfalle nicht lag.; ab^ 

h"' erhält* das entgegengesetzte Zeichen , daher wird der I 

, du . h' f h' , h'- , . 1. . H 

-_^ mit TTrTTT — rm + pp multipücirt, ! 

und da,h' = h"^^) undh'''==h''^^:::^^?i^J 
auch noch f '' = f ist, so wird jener Multiplicator =3 ' 

^ |f'(f_r)~f'+f'(f_f')|» 

= ^ jf-2ri - j 

f / f— r| ' ;: 

h' ^if— 2f'i ■ 

^^^'=f^iTfr! 

ölso nicht so sehr vermindert, als man wünschen machte. J 
bei dem in No. 20. betrachteten Fernrohre ist die Farbö) 
Streuung nicht ganz aufgehoben , und daher das Erdfernrol 
4 Ocularen vorzuziehen , wofür ich hier jedoch die ftedl 
nicht durchfuhren will, da dieses ohne erhebliche Weitlil 
keit nicht geschehen könnte. 

Einige Bemerkungen über die Einricht 
und Aufstellung der Fernröhre, ., 

29. Mit der Kunst , Fernröhre zu verfertigen , bin M 
wenig vertraut, um darüber hier etwas zu sagen: ich be{ 
mich daher mit einzelnen Bemerkungen , die auch für dei 
gen wichtig sind , welcher blofs die Anordnung des Fern 
verstehen lernen will. 



Blendang. nnd Fadenkreuz* 16Z 

IcH'liabe schon firiiher erwähnt, wie ntlthig es sey, dafsdie 
inelpuncte aller der Kugelilächen , welchen die einzelnen 
bnfiächen der Linsengläser angehören, genau in gerader Linie p* 
Wenn dieses nicht der Fall ist, so fällt des Glases A ^. 
»unct in b, und darauf gründet sich ein Mittel, dieses 
B genau zu bewirken , dessen sich die Künstler jetzt nach 
iUVBOFEa's Anleitung gern bedienen. Man bringt nämlich 
röhr so auf die Drehbank, dafs des Femrohrs Axe mit 
ehungsaxe g^au zusammen fällt, und sieht nun durch- die 
r auf einen entfernten Gegenstand ; liegt der Brennpunct 
Objectivs so wie b, so wird bei der Drehung der Brennpunct 
den ganzen Sehewinkel hTkß seine Lage ändern und det 
stand scheint sich in starkem Mafse zu erhöhen und zu 
n. So lange dieses der Fall ist, muTs die Lage des Glases^ 
Stellung Schuld hieran ist , berichtigt , und dieses erst 
fest gestellt werden, wenn das Tanzen des Gegenstandes 
iff aufhört. Wie man die Ceutrirung eines zusammengesetz- 
Objectivs dadurch, bewirken kann, dafs man die von den 
Inen Flächen dargestellten Spiegelbilder genau in eine ge- 
Linie bringt, hat Wo LLASTO BT gezeigt^. Man bringt ein 
hinter das Objectiv und besieht dieses durch das Rohr mit 
eglassung aller Augengläser; dann zeigen sich aufser dem 
, welches vom convexen Linsenglase hervorgebracht wird, 
durch Spiegelung an den Oberflächen entstehenden Bilder, 
mehrere man leicht gewahr wird* Wollaston hat die 
einem dreifachen Objective entstehenden 15 Bilder alle ge- 
Da man aus theoretischen Gründen den Ursprung jedes 
en Bildes kennt , so kann man , wenn bestimmte Bilder 
von der geraden Linie entfernen , schon beurtheilen , wie 
jenige Glas, dem sie ihren Ursprung verdanken , durch Stell- 
ben anders gestellt werden mufs , um berichtigt zu wer- 
n« Wenn man bei einem guten Objective sich genöthigt 
t, die Gläser , aus denen es zusammengesetzt ist , aus einan- 
zu nehmen, so thut man wohl, durch ein Zeichen am Rande 
|b Stellung, die sie hatten, kenntlich zu machen, um sie nach- 
so wieder zu vereinigen , wie sie vereinigt gewesen waren. 

30« Ich mub noch etwas über die Blendungen , die man 

Mtten im Femrohr ftndeti und über das Fadenhreuz sa^en. 



1 GUb. LXXUI. 264. 



)88 Fernrohr. 

Die Blendungen haben da ihren Platz, wo die durah die ll 
des Objectivs gehenden Hanptstrahlen die Axe des FeQn 
schneiden. Die durch den wahren Mittelpunct des OfcjeU 
gehenden Strsdilen kommen dort in einen einzigen Punct xm 
men, aber dÜB Oeffnung der Blendung muh dennoch kein Uf 
Punct, sondern hinreichend seyn , ■ um so viel Strahlen ab' 
thig sind , um hinreichendes Licht zu geben , durchzulassel 
Das F'adimtreut dient , um den genauen Mittelpunct' 
Femrohrs und zwei auf einander senkrechte Durchmesser^ 
Gesichtsfelde» zu bezeichnen. £s ist im Brennpuncte dei h$ 
Oouiars angebracht, weil da dieser wirkliche Gegenstand ni 
telbar neben dem letzten Bilde liegend, deutlich gesehen n 
Die Fäden werden zugleich erheblich vergröfsert gesehen y' 
die Brennweite des letzten Oculars, (welches zu diesem Zw 
freilich ein convexes seyn muls) allemal klein in Vergleid 
gegen die Weite des gewöhnlichen Sehens ist. Man Bd 
sich der Spinnewehefäden oder sehr feiner Metallfädtni 
Hinsicht auf die erstem sezte ich hierher eine, mir schoa! 
geraumer Zeit (von dem beriilmiten Astronomen Besssl ki 
Flg, schriftlich mitgetheilte Anleitung, wie diese in das Fen 
^' eingezogen vierden. „ Man nimmt den Bing , an w^elcheii 
Fäden ausgespannt w^erden sollen , aus der Ocularröhre hl 
tmd läfst durch einen Uhrmacher oder Mechanicus mit d 
Grabstichel auf seiner Peripherie Linien ziehen , die durch 
Mittelpunct gehen und auf einander senkrecht sind. Sc 
mehrere Parallelfäden eingezogen w^erden, so dienen dazu 
übrigen in der Figur angezeigten Linien. Man feilt dann 
Grat ab , und schleift da , w^o in der Zeichnung die Schatli 
ist , etwas Metall weg. Dann sucht man ein SpinnenneM 
den Monaten am Ende des Winters findet man diese häufi 
■dunkelen , mit der freien Luft in Verbindung stehenden O 
zieht einen Faden heraus , und fährt einige Male mit dem 1 
men und Zeigefinger daran herab , um ihn vom Staube zt 
freien y am besten indem man ihn mit einer Cirkelspitze , y{ 
sich etwas Klebwachs befindet, festhält, und das Nest h( 
hängen läfst. Man spannt dann einen Theil des Fadens 
sehen beiden Cirkelspitzen aus, indem man eine zureich 
Länge des Fadens zwischen ihnen mit Klebwachs befestigt, 
indem man so den nur mäfsig angespannten reinen Faden 
sehen den Cirkelspitzen hält,, behaucht man ihn, um ihn 



Blendung, und Fadenkreuz. 169 

Fas starker anzuspannen. Dann legt man den Ring, ^orin 
sflpannt werden soll, auf einen Tisch, auf welchem ein 
hwarzen Papiers befindlich ist ^ und legt den Giikel so 

weg, daüs der Faden einer der darauf gezeichneten. Li- 
tspricht. Ist er schon stark genug gespannt, so kann 
1 sogleich festkleben, und dieses geschieht am besten da- 
lafs man ein nicht scharfes eisernes Instrument, b. B. ei- 
raubenzieher , mit hölzernem Hefte , im Lichte erhitzt, 
S7as Wachs au die Spitze bringt , und dann wieder so 
Utzt, bis dieses anfängt zu verdampfen ; dadurch wird 
chs im höchsten Grade flüssig, und man kann hiermit den 
lehr gut befestigen ; — dals der Schraubenzieher nicht 
Spitze ins Licht gekommen und beräuchert seyn mufs, 
. sich von selbst. Ist der Faden noch nicjit gespannt ge-? 
ircsen, so reifst man ihn, nachdem nur das eine£nda 
bt worden, vou der andern Cirkelspitze los und spannt 
be man die zweite Befestigung anbringt, mit der Hand 

(dies kann dadurch geschehen, dafs man den King so 
lastet, dals der Faden nur noch kaum stark genug ist, 
Euziehen, und indem man dann durch dieses Fortziehen 
len vöUig anspannt) , worauf dann die Befestigung , wie 

erfolgt. Um sich zu überzeugen, ob der Faden gut ge-* 
ist, thut man wohl, ihn nach der .Befestigung, zu behau- 
od schnell mit einer Loupe zu besehen, um. gewahr zu 
, ob er selbst im feuchten Zustande hinreichend gespannt 

Wenn 'alle Fäden eingezogen sind, pflege ich auf^dia 
i, in welchen sie liegen , kleine Puncte von Lackfimifs 
htUf nach dessen Antrocknen das Wachs, wenn es im 
lejn sollte , weggenommen werden kann. Die zu dieser 
lOthige Uebung erwirbt man sich leicht , wenn gleich.deif 
ersuch die Geduld wohl oft sehr ermüdet. " -— So 
issel's Anleitung. 

..die gewöhnlichen Metallfaden zu dick sind, um da, 
: sehr genaue Bestimmungen erhalten will, angewandt zu 
, so hat WoLLASTox eine Methode vorgeschlagen und 
irt, um sich ungemein feine Fäden zu verschaffen. Es 
nnt, dals man feine Silberfäden dadurch hervorbringt, 
n einen dickeren Silberstab nach und nach durch immer 
OefTnungen zieht; durchbohrt man nun diesen noch 
hr dünne gezogenen Silberstab nach der Richtung sei- 



m FernrohCi 

ner Axe, <so iJSs die OeJERfinng ein genanes Zehntel des g 
Durchmessers ist| und giefst diese Oeff/rting mit QoUifitt; 
läfst sich jetzt der Süberstab' mit dem darin enthaltehoil 
weiter ziehmi, und man' erhält, wenn der Silberfaden '.jf: 
dick ist, einen Groldfaden von ^uVir Zoll Dicke , von wel 
550 Fuls iinr 1 Grain wiegen. Um' ihn vom Silber za bei 
legt. man ihn einige Minuten in Salpetersäure, di^ das Silbe 
lOst, >das Gold aber unverändert läfst. WoLitASTOH beb 
auf eine ähnliche Art Platin drahte von |g{oo Zoll Dicke l 
ten zu haben , die doch noch ein Gewicht von 1 •{- Grain 1 
gen vermochten , zugleich aber bemerkt derselbe , dals di 
bringen solcher Drähte an* bestimmten Stellen viel Schwiei 
habe', weil Drähte unter T^nTtr Zoll Di;Lrchmesser nicht md 
fclofi^en Augeii sichtbar ein d ; er räth daher, an ihrem Eel 
wenig Silber übrig zu lassen , damit man sie an den Endfl 
ken könnet 

: ■■ 31. Die .Aufstellung der Fernröhre kann zwar naxA 
eehiedenheit des Zwecks höchst mannigfaltig seyn , und 
hei jedem bestimmten Instrumente besonders angegeben 
den ; aber einige Bemerkungen über die Aufstellungen, ü 
da passend sind,' wo mtitf das Ferftrohr nur als Fernröhr ^ 
cheri will,- gehören auch hierher. Will man ein Femrd 
einiger Annehmlichkeit gebrauchen, so mufs es auf einem 
fülsigen Fufsgestelle auf einem Tische oder auf dem FuW 
aufgestellt werden können. Hat man nicht die Absicht| 
eehr- genauen Beobachtungen zu gebrauchen, so ist es \ 
ehend, wenn an den Ringen, die. das Femrohr umfassen 
Nufs angebracht ist, die in eine hohle Kugelform durch Si 
ben- einseklemm't festgehalten werden kann. Dadurch ä 
im Stande das Fernrolir nach allen Richtungen leicht zu 1 
geh und es doch auch in bestimmten Richtungen feststehe 
erhalten. Will man das Fernrohr auf Reisen mitnehme 
kann man statt des zu schweren Fufses nur irgend ein! 
um die Hülse der Nufs an einem Baume , Pfahle u. s« 
befestigen anbringen. 

Will man aber das Femrohr zu genauen Beobachtung« 
brauchen , will man namentlich den Stern , den man eina 
Felde hat, verfolgen , so bedarf man einer doppelten feine 



1 Gilb. LH. 289. 



Anffltellang. lOft 

lg, vm nach swei, auf einander senkrechten Kichtdngen 
tellnng des Femrohrs zu verändern. Bei Femröhren , die 
fest anfgestellt, sondere transportabel sind, macht man 
doppelte Bewegung so, dafs die eine horizontal, die an-« 
'Tertical ist*' Dasf erarohr kann nämlich um eine '«kf dem 
»ruhende verticrie Axe gedrehet, und dann lestgektCiUt 
; aher bei dieser Feststellung ist die Einrichtung getrof- 
eine Schrauhe ohne Ende in Zähne, die auf dem Rande 
lorizontalen , mit dem Fernrohre fest verbundenen Scheibe 
itten sind, eingreift, und so das Femrohr sehr langsam 
'horizontaler Richtung fortzieht, wenn man die Stellung nur 
Richtung ein wenig ändern will. Zugleich- ist der auf 
icalen Axe ruhende Theil der Unterstützun«? des- Fem- 
mit einer horizontalen Axe versehen , damit das F'emrohr 
Ifui einer verticalen Ebene bewegen oder in allefri 'verschie-^^ 
Neigungen gegen den Horizont aufgestellt werden könne. 
m es also in die Verticalebene gebracht, in welchfer sich 
beobachtende Gegenstand befinij^t, so stellt man es höher 
tiefer , so wie es die Lage dek Gegenstandes fordert , und 
rch eine ganz ähnliche feine Bewegung , Mrie die vorhin 
iebene, nach, um die richtige Stellung völlig zu erreichen; 
beobachtete Gegenstand ein Stern, der das Feld de^ 
ihrs bald verlassen würde, so müssen beide Schrauben 
fortgedreht werden , um der Bewegung des Sterties zu 

''Wenn' das Instniment an einem bestimmten Orte fest steht, 
Bbtnun der ersten, vorhin verticalen , Axe lieber eine mit 
rWehaze parallele Stellung. Dann ist eine um diese Ax» 
le Drehung mit der täglichen Bevs^egung der Gestirne 
(inMimmend, und um einen einmal mitten im Fernrohre be- 
ten Stern in der Mitte des Feldes zu erhalten , ist nur die 
Fortbewegung um diese Axe nöthig ; die Fortbewegung utä 
idere Axe dient dann , Sterne aufzufinden, die auf demsel- 
*clinationskreise stehen. 
Um das Fortschrauben des Femrohrs zu vermeiden, was 
Wt der Hand so gleichförmig geschieht, dafs der Stern genau 
tmselben Pnncte des Feldes bleibt, hat man wohl Uhrwerke 
»bracht , die das Fernrohr in 24 Stunden um jene der Welt- 
parallele Axe herumführen, und so die Stelle jener fort- 
raubenden Bewegung vertreten. Die vollkommensten Werke 



102 Fernrohr. 

der Art sind ohne Zweifel die grolsen Fraunhofet^*ch 
fructofen^ bei denen dieses Uhrwerk zwar nicht anf 
langes Fortgehen eingerichtet ist, aber eine solche VoUko 
heit besitzt , daüs der Stern wf» befestigt im Felde des Fe 
^vscheint, und man beim Beobachten gar nicht durch e: 
ternde Bewegung gestört wird. Das Uhrwerk kann lei 
Iser Verbindung mit der Axe , um die sich das Fernrohr 
lälst , gesetzt werden , und dann ist man völlig im Stand 
Fernrghre jede willkürliche Stellung durch frei^ Drehu 
der Hand zu geben. Stellt man aber die Verbindung k 
Uhrwerke her, so treibt dieses, wenn man sein Gewi 
läist, das Fernrohr m.it fort. Ein Gewicht nämlich ist s< 
glichen, dafs es allen gegenüberstehenden Theilen und ü 
auch der Reibung, so. das Gleichgewicht hält , dafs die gl 
Vermehrung desselben Bewegung hervorbringen "würde 
Verbindung von Bäderwerk, die als Vorlage die Bewegi 
ganzen Fernrohrs vermittelt , wenn das Gewicht zu sink 
fjäng^^.kpnn ich hier nicht beschreiben; es erhellet abe 
ein geringes Uebergewicht jenem Gewichte zugelegt im 
i^t , .die ^chon völlig aequilibrirte Maschine in Gang zu 
und dafs. dieser Gang ein beschleunigter seyn vtrürde , we 
Qewicht ohne neues HinderniCs frei herabsänke. Diese bei 
nigte Bewegung würde ganz dem Zwecke der gleichm 
Fortbewegungen entgegen seyn , und das Werk beduH 
her eines Regulators, den Fraunhofer durch eine b« 
mehrter Schnelligkeit vermehrte Reibung zu Stande gi 
hat. Mit dem Uhrwerk nämlich w^ird eine Unruhe , di« 
schwere Metallmassen an einer elastischen Feder trä. 
schnellen Umschwung gesetzt. Sie befindet sich in eine 
fä|se und zwar so, dafs jene Massen bei der Ruhe das 
nicht berühren , bei der Drehung aber sich vermö 
Schwungkraft an die Wände andrängen und sich an 
desto mehr reiben, je schneller die Drehung ist. Durcl 
Reibung w^ird die Beschleunigung der Bewegung, so bah 
flinen gewissen Grad erreicht hat, gehindert, und cl 
durch eine kleine Correction in der Stellung der Metall 
bewirken kann , dafs die Beschleunigung bei einem 
oder minder hohen Grade von Geschwindigkeit aufliört, 
es nicht schwer , es so einzurichten , dafs die erlangte 
förmige Geschwindigkeit genau die sey, welche das F« 



Sucher. 193 

pngen soll. Nach Struve's Versicherung entspricht diese 

Erdnang der Centrifugal- Unruhe aufs vollkommenste ihrem 
icke^. Ueberhaupt gehören diese gröfsten Fernrohre Fr auit- 
l's zu den Meisterwerken d«r Kunst, deren Ausführbarkeit 
heim Antritt dieses Jahrhunderts noch für unmöglich hielt, 
jelzt in Dorpat befindliche, vermuthlich das letzte, von 
IvvHOFER selbst vollendete , ist 13Fufs 7 Zoll lang, des Ob- 
Brennweite ist 160 Zoll und seine OefFnung beträgt genau 
Die \äerVerorörserungen sind 140, 210, 320; 480 Mal, 
u die Gesichtsfelder 13',2; 8',0; 5',7 und 4',2 sind. Dieses 
iment leistet auch wirklich das vollkommen, was seine 
ke erwarteil läfst. Sthuve glaubt, dafs es an Schärfeder 
alle Spiegelteleskope übertrelFe, indefs ist die Behauptung, 
> et auch gröfsere Lichtstärke besitze, als die grofsen Spiegel- 
>pe, noch nicht ganz entschieden^, und aus den von 
gegebenen Nachrichten, erhellet nur, dafs man die mei- 
fogeiistäi^de, welche Her 9 chel mit seinen Teleskopen ent- 
hat , auch mit diesem Fernrohre mufs auffinden und mit 
:viel «erinijer Klarheit beobachten können^. 
32- Da bei stark vergröfscrnden Femröhren allemal das Ge- 
Feld sehr klein ist, so ist es schwierig, einen bestimmten 
itand am Himmel aufzufinden , und man bedarf daher bei 
ihren, die irgend bedeutende Vergröfserung geben, des 
rr*. Dieses ist ein kleines Fernrohr, welches ein grofses 
[■kat, und zureichende Lichtstärke bei nfäfsiger Vergröfse- 
bcsitzen mufs , um die Gegenstände selbst einigermafsen 
lehmen zu lassen, die man mit dem gröfsem Fernrohr 
iditen "will, oder doch wenigstens zureicht, um Gegen- 
nahe bei den zu beobachtenden aufzufinden. Wenn der 
sr richtig gestellt ist, so mufs der Punct, welcher von der 
seines Fadenkreuzes verdeckt wird, genau in der Mitte 



Stbdve Besdtreibnng de« grofsen Refractors. Dorpat 1825. Fol. 
\% Ich behalte daher diese Yergleichung dem Art. Spiegelte- 
For. 

Da die Utzschoeider'acHe Werkatatt wohl immer noch dieje- 
ift, an welche allein man sich, um ausgezeichnet grofse und 
igliche Fernröhre zu erhalten , wenden kann , so führe ich einige 
iften an, wo die Preise dieser Fernröhre angegeben sind. De 
corresp. astronomiqae VI. 94, Astron. Zeitschrift von r. LrfK- 
iv nnd y. Bouxembs&gbr II. 173. GilJ;^. Ann. UV. 202« 
IV. Bd. N 



194 Fernrohr. 

des Fe}de»,de3,gToCBen Fernrohrs erscheineiii oder die As« 
der müssen genau Ubereinstiminen. Will man Gegenständi 
fucheni die fijr den Sucher zu klein oder zu Iichtschyacl| 
80 wird man wohl immer einige benachbarte Gegonständqi 
nen, die man im Sucher wahrnehmen und mit deren Hifl^ 
den Punct) wo jener Gegenstand stehen Soll, in die Mi|| 
Fernrohrs bringen kann* 

Einige besondere Vorschläge \ 

Fernrohren. 

33« BajBWSTEa's Fernrohr, um Gegenstände unier ^ 
KU seh^n* Da wir die im Wasser befindlichen Gegenstiuil 
hinreichender Durchsichtigkeit des Wassers, theils wegif 
ebenheiten der Oberfläche, theils weil wir in schiefer Riil 
auf die Oberfläche blickend , zu viel zuriickgew^orfene S| 
erhalten, nicht gut sehen, so bemerkt BaswsTaR erstUcjhjj 
eine ins W^ser mit dem einen Ende eingetauchte, u|^ 
mit einem, senkrecht auf die Axe gestellten Planglase £es|^ 
das Eindringen des Wassers verwahrte Röhre schon alldii 
Sehen der im Wasser befindlichen Gegenstände sehr bef^ 
teyn würde. Hier nämlich ist die Richtung des Sehenfj 
recht auf die durch das Glas fest bestimmte Oberfläche iiefj 
sers, und diese Oberfläche ist zugleich ganz eben» tm 
aber, wenn der Boden so entfernt sey, dals man eines« 
liehen Fernrohrs bedürfe, so müsse, fügt Bhewstbr hinii 
Objectiv^ welches nun an die Stelle jenes Planglases til 
wieder die Röhre wasserdicht verschliefst, so berechnet iM 
wie es den aus Wasser in Glas und aus Glas in Luft übeig 
den Lichtstrahlen gemäfs ist. Diese Rechnvmg lieüse sich 
genug anstellen, aber dennoch scheinen dem Sehen unter 
ser manche Schwierigkeiten entgegen zu stehen , da die g< 
ste Trübung das Wasser undurchsichtig und die Erleuchn 
der Tiefe schwach macht, und überdas eine wallende Ol 
che, indem sie viele Stralilen zurückwirft, nur /wenige » 
leuchtung in die Tiefe gelangen läfst*. 

BaEWSTEa's Vorschläge zu Fernröhren, die zuBestin 
der Entfernung der gesehenen Gegenstände dienen, g< 



1 Brbwstee on philosopHical Instruments, p. 225. nnd 
L. ^. 



Kitchiner'a. 105 

ganz hierher, da sie mit der Theorie der SGkrometer in 
iduDg stehen ^m 

KiTCHiirisR^s pancratic Eyetube. Unter diesem 
eines, alle VeTgröfserungien bewirkenden Ocular-Ein- 
kiindigte Kitchiiter eine Verbesserung der Fernröhre 
' TOn deren "wirkTicher Anwendung nichts Genaueres öfFent- 
innt geworden ist ^, Ich theil'e hier einen Auszug jener 
[e mit einigen Bemerkungen mit. 
ist bekannt', hfeifst es dort , daJb man bei vier Ocularen 
ffserung sehr vermehren kann , wenn man die beiden 
, oder dem Auge nächsten Oculare von einander entfernt, 
m indefs nur höchstens bis auf eine nicht völlig das 
der gewöhnlichen erreichende , Vergröfserung getrie- 
len. Der Verf. dieser Anzeige dagegen habe sich be- 
£ese Steigerung der Vergrößerung weiter zu treiben, und 
ihm gelungen, durch seinen Ocular- Ansatz, an ein 44 
achromatisches Fernrohr angebracht, diö feinsten Dop- 
te schärfer und deutlicher zu zeigen, als es bisher bei 
einem andern möglich' War. Mit einem Dollond'schen 
von 30 'Zoll Brennweite und 2,7 Zoll Oeffnung , liefs 
330maliger Vergröfserung der' Stern Castor als Doppel- 
^deotlich erkennen u. s. w. Ueber die Einrichtung dieses 
r- Einsatzes wird blofs Folgendes angegeben. Wenn diep]*». 
?n A, Bund C in die Röhre D ganz eingeschoben Wer- ^^' 
[lo giebt das Fernrohr seine eigenthümliche Vergröfserung 
der Zusammensetzung beider Linsenpaare nach ihren 
jn. Soll aber die Vergröfserung vermehrt w^erden, 
die bewegliche Röhre A bis zu einer der bemerkten 
ansgezogen werden, die Röhren B, G aber werden nicht 
'berührt, bis A ganz ausgezogen ist; sodann wird die 
Löhre B nach und nach bis zu den bemerkten Zahlen ausge- 
ii und endlich die dritte Röhre C. Die Zahlen deuten die 
tend^ Vergröüseruhgskrafc des Femrohrs an, und ver- 

Baewster on ph. Instr. p. 134. 
Astron. Jahrb. für 1826. S. 177. 

Yermathlich findet sich mekr darüber in einem wahrscheinlich 
eben dem Kitchiher heransgegebenen Boche: The üconornj of 
Kyes; Second Part; of Telescopes, heeing the Resalt of 30Tears 
, riments with 51 Telescopes from 1 to 9 Tnches in Diameter, by 
khiner aber dieses Bach habe ich noch nicht erhalten. 

N 2 



196 Fcrmrohri 

muthlkli sindr-dieAe- Zahlen so zu verstehen) Aals dien 
gewöhnlichen Stellung der Gläser erlangte Vergröfscning 
1,1 fache, 1|2 fache, 1,3 fache und endlich auf das 4 fa< 
trieben wird, wenn man die Bö'hren bis an die Linien 11 
130., und endlich 400 herauszieht. 

Hierbei ist nun unstreitig die Behauptung, dafs n 
diese Weise geradehin mit jfdem Objective eine so un 
verstärkte Vergröfserung erhalten könne, zu umfassend 
das Objectiv muk an sich einen gewissen Grad von Vc 
menheit besitze^ , um eine starke Vergröfserung zu ve^ 
und wenn ein Objectiv von 30 Zoll Brennweite eine 80 
Vergröfserung auch noch recht gut erlaubt, so wrd i 
nicht allemal auch bei 270 maliger Vergröfserung das Bil 
schön genug ausfallen. Aber allerdings ist es w^ahr, dal 
che Objective,. die ursprünglich nur für 40 malige VergrK 
bestimmt waren oder sich in Fernröhren befinden , da 
Künstler keine stärker vergröfsernde Oculare gab , sich im 
genug . für viel stärkere Vergröfserungen zeigen. Sold 
jective setzt also Kit chinea voraus, und wir wollen n 
gefähr angeben, wie das Ausziehen der Böhmen die Vergifl 
nüt der Stellung der Oculare ändert. Die Einrichtung l 
sen veränderlichen Stellungen der Oculare kann vers< 
seyn ; ich will zwei derselben etwas näher betrachten , j 
die, wo die drei ersten Oculare in ihren segenseitigen S 
gen bleiben, und nur das letzte seine Stelle ändert, zv 
die, "v^ro das erste Ocular mit dem zweiten, und das in 
dem vierten fest Verbunden ist , wo aber der Abstand de% 
ten und dritten verändert wird. 

Im ersten Falle erhellet sogleich, dafs wenn man das 
Ocular allein herauszieht oder hineinschiebt, kein deutHcb 
hen statt finden konnte ; denn die Bilder, welche durch in 
jectiv und die vereinigten ersten Oculare hervorgebracht Vf 
blieben dann ganz an derselben Stelle, das letzte also nichl 
im Brennpuncte des letzten Oculars ; es ist daher nöthig 
auch die Stellung der drei fest verbundenen Oculare g« 
werde, und wir wollen die dann entstehende Aendenn 
Vergröfserung bestimmen. ^ Des Objectivs Brennweite i 
30 Zoll = 360 Linien ; die Brennweite des ersten Ocula 
= 15 Linien ; des zweiten = 12 Linien; des dritten = 1 
nien und "des vierten =ss ^2 Linien^ P^r unvexändeilicii 



Kitchinet*«. 197 

les ersten und ieweiten Oculats sey 18 LiJiien', des zw^i- 
i dritten Oculars = 36 Linien! Als -ersten Fall setze ich 
m Brennpunct des Objectivs lÖ Linien vom erstien Oicu- 
tfemt ; dann entsteht das wirkliche Bild in der Entfer- 
=s 6 Linien irom. ersten Oculare, und =12 Linien vom 
1 Ocnlar, nnd da* es also im Brennpuncte des zweiten 
I liegt , so fallen die Strahlen parallel auf das dritte Ocu- 
d sammeln sich in dessen Brennpuncte , der zugleich der 
«inet des vierten, seyn muTs. Hier müssen al^ die bei- 
ztto Oculare 30 Linien von einander abstehen , und die 

. 360' 6 18' „ ,. 

*erung ^* = % • "J^ ' l2 "^ 27 malig. 

igegen sey das erste. Ocular in die Stellung gebracht, ^aS^ 
ampunct des Objectivs nur 6 Linien hinter dem ersten 
e liege, dann liegt das wahre Bild ='4r Lin, hinter dem 
Dod ISt Linien vom zweiten Oculare; die durch das 
Ocular gehenden Strahlen convergiren jetzt gegen einen 
der 1J3 Linien hinter dem zweiten also 77 Linien hinter 
itten Oculare liegt; und diese geben l4y Linien hinter 
itten Oculare das zweite wirkliche Bild; damit dij^ses im 
mcte des. vierten Oculars sey, miiJQ^te dieses um ^ Lin. 
^schoben werden , und die Vergröfserung wäre 

360 4^ 113 141 



6 ' I3f 77 • 12 



= 34,2 fach. 



ittens sey das erste Ocular mir 4 Linien vom Brennpuncte 

Kiivs entfernt, also das Bild 3tV ^^^» vom ersten und 

lien vom zweiten Oculare entfernt; die aus dem zwei- 

are hervorgehenden Lichtstrahlen convergiren sa, dals 

2-3- Linien Entfernung sich sammeln würden , wenn sie 

i dritte Ocular anträfen ; dieser Sammlungs -Punct liegt 

Linien vom dritten Oculare entfernt , und das zweite 

Linien von demselben , das vierte Ocular muTs also in 

mng gegen die erste Stellung 7\ Lin. hereingeschoben 

und die Vergröfserung ist 

360 _3^ 62f m_^, 
"4" 'm^ '261 -JT^*"*' 

e Beispiele zeigen , wie eine Veränderung in der Stel- 
iier Gläser die Vergröfserung ändert ; aber nach Scitf u- 



m Feftigkcit. 

jiACHsa's Angabe ^ werden die beiden veibnndenen letzta 
lare herausgezogen, die beiden ersten xonickgeschobeii 
dadaroh die Aenderung der Vergrölsenuig bewirkt. Ge 
also von dem Falle aus, wo die Vergrölserung die 404' &ch 
und stelle nun das erste Ocular 4^ Linien vom' Brenn 
des Objectivs entfernt, so liegt das erste wirkliche Dild 3 
nien vom ersten und l4iV Linien vom zweiten Oculas 
auf das zweite Ocular fallenden Strahlen würden qac 
Durchgange durch dieses ein Bild ii^ 6&A: ^^^* Entfennii 
vorbringen , und damit dieses 26| Lin. hinter dem dritte 
lare liege , mülste dessen Abstand vom zweiten auf 42 
gebracht werden , statt dafs er vorhin nur 36 W'ar , das 
beiden letzten Oculare müTsten 6 Linien herausgezogen, ' < 
den ersten i Lin. hineingeschoben werden , und es ist 1 

v.^f 360 3tV 68# 10t I r... .. 

Vergrößerung -^ . j^ . ^ . ^ slso ungefähr 44 

Schumacher bemerkt aber mit Recbt, dafs ein ben 
Nutzen dieser Ocularröhren nicht erhelle , einzig den a&ij 
men, dals man untersuchen kann, welche VergröbM 
gegebenes Objectiv noch gut vertrage ; in so fern mOchtt 
Künstlern, die Femröhre verfertigen, von einigem Nutze 
. die Entfernung der beiden letzten Oculare von den bei 
steh so zu bestimmen , dafs die Vergrölserung möglick 
werde 2. 

Festigkeit. 

SoliditaSy Solidite; Firmness^ Solidity; bei 
eine relatipe Eigenschaft verschiedener Körper, -welcb 
wegen nur relativ ist, weil es kein absolutes Mafs od« 
absolute Gröfse derselben giebt. Diese Bezeichnung wii 
in einem zweifachen Sinne genommen. Entweder bei 
Festigkeit (oder besser Starrheit, weswegen auch richtige 



1 Astron. l^ackricliten IV. No. 88. "* 

2 Als einen Yortheil, den man allenfalls ans dieser Eä 
zieben kann, bemerkt dock Kanowsky, dafs man bei m 
Dnrchsicbtigkeit der Luft, sogleich die angemessenste Vergn 
die man gerade brauchen kann, finde. Eine ähnliche Binrich 
Ocolars von Ganchoiz , giebt Biet an (Ezperim. Fhys« IIL ti7 
ehoiz nemt diese Fernrohre lunette« polyaldes. 



Feuer. 199 

hper als feste gesagt wird) , diejenige Eigenschaft oder den- 
IJgen Zi^tand der Körper, vermöge dessen ihre Theile einer 
ie Trennung von einander oder Verschiebung über einander 
^HPirkenden Kraft irgend einen melsbaren und meistens seht 
itenden Widerstand entgegensetzen, in welcher Beziehung 
ihre Beschaffenheit der tropfbaren und gasförmigen Flüs- 
entgegensteht; oder aber der Ausdruck Feistigkeit be- 
tet den gröfseren und geringeren Grad dieses Widerstan- 
jegen irgend eine Art der Trennung ihrer Theile , in wel- 
Falie sie der Zerbrechlichkeit, Zerreifsbarkeit , überhaupt 
ierstörbarkeit entgegensteht, und in die absolute, relativei 
Firkende und der Drehung widerstehende Festigkeit abge- 
wird. In der letzten Bedeutung ist die Sache in gehöri- 
ToDständigkeit in den Art. Cohaesion und Elasticität abge« 
eh, auch sind in dem ersteren derselben diejenigen Ansich- 
igegeben , "welche man sich von dem Wesen und den Be- 
igen dieses Zustandes gemacht hat. Noch einiges, was 
'Ueräber beibringen lälst, wird am besten unter Flüsttigkeii 
Gas abgehandelt werden. Es bleibt somit hier nichts wei- 
rig, als die ihres allgemeinen Bekanntseyns wegen fast 
dge Bemerkung, dafs eine scharfe Bezeichnung des Zu- 
der Festigkeit, im Gegensatze der Flüssigkeit oft schwie- 
ro nicht unmöglich ist, indem man sich leicht in Verlegen- 
^be£nden könnte , pb man z. B. erweichtem Wachse , Pech 
w. die Eigenschaft der Festigkeit oder der Flüssigkeit bei- 
soUe. Eben daher wird aber diese Eigenschaft mit Recht 
genannt. M. 



f euer. 

£s; Feu; Fire. Die Bedeutung des Worts Feuer hat 
aTlmälig sehr geändert. In früheren Zeiten bezeichnete das- 
be bei vdssenschaftlicl^en Untersuchungen einen gewissen 
illientarstoff, oder auch eine Grundkraft, welche als die Ur- 
he alles Erwärmens luid Verbrennens angesehen wurde , wie 
k deutlich aus den Ausdrücken: f Feuerstoß', Feuerwesen , 
mmeniar/euer u. a. ergiebt. Diese Wortbedeutung kann aber 
«änzlich untergegangen betrachtet werden , wenigstens wenn 
I den neuesten Zeiten die Rede ist. Aufserdem aber bezeich- 
diesea Wort, hauptsächlich im] gemeinen Leben, das soge-^ 
inte Küch«i^€vsr, oder dasjenige, was durch den Act des 



200 Fcuei*. 

Verbrennen$ gegeben wird, wie die Ausdrücke Feuer?, 
FeuerlÖHchung^ Ftuerhake und viele andere beweisen. I 
somit alle diejenigen physikalischen Unterj>uchungen , "w 
ehemals über das Wesen und Verhalten des Feuers ang< 
wurden , gegenwärtig zur Wärmelehre gehören , so kano 
nur Von deo^jenigen die Rede seyn, was man gegen'wärtig 
dem Ausdrucke Feuer versteht« Hierbei ist eine genaue 
Stellung der Begriffe nicht ganz leicht, wenn man beriicksic 
wie schwankend die eigentliohe Bedeutung des Wortes an nj 
sich und in seinen vielfaoJien Zusammensetzungen ist. Aui 
Gesichtspuncte des Physikers betrachtet kann man indefs l 
dafs Feuer jederzeit dann zum Vorschein kommt , w^enn ii 
ein Körper mit Ausscheidung von Licht und Wärme verlu 
und hiernach fällt die ganze Untersuchung mit der des 
brennens zusammen , wohin sie daher zu venveisen ist. 
Insofern der Ausdruck Feuer aufser dem sogenannten 
' chenfeuer vorzugsweise von demjenigen gebraucht wird, 
ches so oft einzelne Häuser und ganze Ortschaften verzehrt 
möge über dieses Jiier dasjenige gesagt werden , w^as gani 
zum Theil in das Gebiet der Physik gehört, Ueber die £f 
hung dieser Feuer oder der sogenannten Feuer&brün%te 
nichts Bestimmtes angegeben werden, weil ihre Ursache 
ausnehmend mannigfaltig und allgemein bekannt sind. M 
viel will ich hier bemerken, dals die durcli den Blitz era« 
sich durchaus nicht von andern unterscheiden ^ , desgy 
dafs bei weiteni die meisten Brände nicht so verheerendj 
würden , als sie in der Regel sind , wenn man sie mit mein 
stren^uns im Entstehen zu unterdrücken suchte. Zum' 
aus dieser Ursache sind sie daher minder verwüstend io 
Städten, namentlich dea gröfseren, wo eine geregeltere P( 
(andere Ursachen hier nicht zu erörtern) , eins gröfsere M 
arbeitsfähiger Menschen und mit mehr Ordnung zum augenl 
liehen Löschen anhält, anstatt dafs oft auf dem Lande ein 
zunächst erst sein Eigentbum zu schützen sucht, vrodurch 
das Feuer Zeit gewinnt , mit solcher Macht um sich zu gr 
dafs bald keine Bezwingung desselben mehr möglich ist. 

Häufig wird die Beobachtung gemacht, dafs im An 
einer Feuersbrunst fast völlige Windstille herrscht, beim 



1 Dieses ist ausfiilirlicher unter "Blilz Tb. I. S. 1027. gez< 



Feuer. 201 

||ge derselben aber der Wind sich erhebt, und bei grolsen 
Inden selbst in Sturm übergeht , auch zuweilen während die- 
"Zeit seine Richtung ändert. Unter diesen Erscheinungen 
die erste , nämlich das Entstehen des Windes einfach und 
telbar nach pneumatischen Gesetzen durch das Aufsteige» 
sehr erhitzten Luft und das liierdurch yeranlalste Eindrin-. 
»•der horizontalen Luftschichten , woraus dann auch die mit 
»t lejcht zunehmende. Stärke des entstandenen Windes be.- 
wird *. Weniger leicht lälst jJich die wechselnde Rieh- 
des €\itstandenen Windes daraus erklären, dafs ähnliche 
i'einangen auch sonst wohl beobachtet werden y im Allge- 
lep aber minder auffallen mögen , weil sie nur unbedeuten- 
tferesse haben, bei einer Feuersbrunst, aber von hoiier 
bgkeit sind , und daher vorzüglicli auffallen. Aufserdem 
; dringt die Luft von allen Seiten in die sehr erhitzte ein, 
kann daher von verschiedenen zusammenwirkenden Be-*. 
Igen abhängen, wenn die eine und bald darauf eine an- 
9 in fiTÖfserer oder geringerer Höhe über der ErdoberÜäche 
Ibchende Luftströmung die Oberhand erhält. 

•Die Mittel zur Feuerlöschung zerfallen in zwei Classen^ 
pli erste die Instrumente ^ die zweite die gebrauchten Sub-- 
kten in sich fast. Vorher aber ist als allgemeine Regel zu 
nichtigen, dafs ein Brennen überall ohne" Zutritt der freien 
kiind des in ihr enthaltenen Sauerstoffgases unmöglich ist, 
desto stärker wird , je leichter und reichlicher die Luft 
römt. Manches Feuer liefse sich daher in seinem Begin- 
icken , wenn nicht das Bestreben , sich zum Löschen 
»en Zugang zu verschaffen , ein Oeffnen der Zimmer- 
- und Caminthürert, der Fenster, das Einschlagen der 
le u. 8. w. veranlafste. Namentlich würde das so oft ge- 
kliche Brennen der Schornsteine oline weiteren Naclitlieil 
hen, wenn man Anstalten machte, sie durch eine Klappe 
ir eine sonstige Vorrichtung oben so zu verschliefsen, diifs da- 
th der Luftzug in ihnen gänzlich aufgehoben würde. Dahin 
fcrt dann auch das zweckmäfsige und schon mehrmals mit 
hJiT angewandte Mittel, auf den Heerden unter den brennen- 
^Schornsteinen eine verhältnifsmafsige Menge Schwefel an - 
Eindcn, damit das durch den Luftzug aufsteigende schweflich- 




1 Vergl. mnd. 



203 Feuer. 

saure Gas das SauerstofFgas der atmosphärischen Luft 
und dadurch das weitere Brennen des Rulses unmöglk 

Die WexiLzeuge, deren man sich zur Feuerlöschung 
sind ftulser den grölseren Wasserkiibeln , kleineren 
eimem, Haken, Rettun gsleitem u. s. 'w. insbesondere de 
spritzen^ welche in der Hauptsache zweifach sind, näi 
genannte Handspritzen und gröfsere auf Rädern be^ 
wovon letztere wieder entweder Stofsspritzen sind, <Ä 
fbrtdauemd^en Wasserstrahl vermöge ihres Windkessel 
Handspritzen sind deswegen zu empfehlen, "weil mai 
nen schnell im Innern der Gebäude zu den brennendei 
ständen gelangen kann, allein ihre Wirkung ist zu 
wenn das Feuer schon beträchtlich um sich gegriffen h 
vortheilhafteste Construction der Feuerspritzen im A1I| 
gehört zur Technologie und praktischen Maschinenlehi 
also hier nicht mitgetheilt werden , die physikalischen ] 
aber, auf denen diese beruhet, sind in andern Arti 
gegeben K 

Als Material der Feuerlöschung dient im Allgeme 
Wasser , sey dieses reines oder schmutziges , je nacli 
eine oder das andere in gehöriger Menge am leichtesten 
halten ist. Die Wirksamkeit desselben beruhet auf der 
lung , welche die brennenden Substanzen durch das 1 
erhalten , und da zum Verbranntwerden der Combustibi 
mindestens 300® C. betragende Erhitzung erfordert wir 
der Zustand des Glühens eintrete , so kann dieser nach 
netzung mit Wasser nicht weiter fortdauern , theils w 
hohen Wärmecapacität des Wassers , hauptsächlich ab< 
der ausnehmend grofsen Wärme , welche bei der Bilt 
Wasserdampfes latent wird 2, und das Brennen mub 



1 S. unter andern Art. Druckpumpe; Hydraulik u. a. 
teratur dient, aufser den Werken über die Hydraulik und 
tische Maschinenlelire, insbesondere : Karsten Abb. über die 
hafteste Anordnung zu Feuerspritzen u. s. w. Greifsw. 1773. 
CEL Abh« von der besten Art der Feuerspritzen u. 8. w. Berl 
Helfenzrieder Abh, von Verbesserung der Feuerspritzen. 
1778. 8« J. £. Silberschlag praktische Abb. von Prüfung a 
grt- Angabe der Feuerspritzen , mit Anm. von Busse. Halle 
Ferner die engl. Encyklopadieen und die Werke über die '. 

2 S. Dampf, latente Wärme desselben. 



Feuer. 203 

Bren. Statt des Wassers hat man andere Auflösungen vor- 
hlagen , welche jenes ersetzen und noch aufserdem nament- 
das Holz mit einem. Ueberzuge bedecken sollten, wodurch 
elbe gegen die weiteren ^Einwirkungen des Feuers geschützt 
de, als die durch J. F. Glaser^ empfohlene Holzaschen- 
ge, schon gebrauchte Bleicherlauge oder Mutterlauge derSei-^ 
fleder. Lauge aus den Salzpfannen , Lösungan von Thon- 
^y iiherhaupt von Erden, Alkalien und Salzen im Wasser. 
^^bekanntesten ist diejenige Mischung geworden , welche der 
l^rede v. Ak.eh empfohlen hat, nämlich eine Auflösung von 
schwefelsauren Eisens und 30 9 Alaun mit 20 9i rothem 
>;xyd (Colcothar) und 200 S? Thon vermengt ^» Es ist zwar 
igs richtig, dafs solche Substanzen die Dienste des blofsen 
ersetzen und noch aufserdem einen das weitere Ver- 
hindernden Ueberzug bilden , so dals sie alsft dem blo- 
^«sser vorzuziehen sind ; allein theils sind sie an den mei- 
.Orten nicht in hinlänglicher Menge zu haben , man kann 
nicht oder nur mit übermäfisic^en Kosten in der erforder- 
Quantität aufbewahren, und mehrere derselben verunrei- 
die Schläuche , GufsrOhren und Ventile der Spritzen bis 
Fnbrauchbarkeit. Unter den verschiedenen Vorschlägen die- 
lst derjenige, welchen Six^ gemacht hat, einer der be^ 
indem er räth, sich einer Lösung von Meersalz in Wasser 
rdienen, welches w^eniger leicht gefriert als gemeines Was- 
die Kübel zur Aufbewahrung nicht so leicht faulen lälst^ 
den brennbaren Substanzen allerdings einen mindestens et- 
dem Feuer widerstehenden Ueberzug giebt *• Wo indels 
»rsalz nicht leicht , in gehöriger Menge und wohlfeil zu 
ist , da wird der Gebrauch dieses Mittels schwerlich ein- 
"werden , um so mehr als ein nachtheiliger Einflufs sol- 
lär Salzlösungen auf das Metall, namentlich das Eisen, der 
(nerlöschungs - Apparate allerdings statt findet. 

£s i^rd oft behauptet, dafs nach Beobachtungen, insbeson- 
bei heftigen Feuersbrünsten , eine zu geringe Quantität des 



1 8. Dr. 7. F. Glase&^s Feaerlöscilproben. Marb. 1786. 8. 
^ S G. XXIIl. 314. 
1' S Ann. de Ghim. LIV. 138. 

. 4 lieber die Mittel, wodurch man die Vcrbrennliclikeit der Kör- 
et aufxnhebeii oder so yermindern beabsichtigt s« Art* Verhremun. 



204 Feuer: 

eingespiitzten Wassers-das Brennen anstatt zu nnferdriicke: 
mehr verstärke« • Im Allgemeinen genommen scheint hie 
Widerspruch gegen die Naturgesetze -zu liegen , indem m 
Sache so ansehen könnte, als wenn das Wasser, ein scho: 
brahnter Körper, noch einmal verbrannt würde. Dieses is 
«n sich unmöglich, allein dennoch ist die Sache nicht gam 
Grand. Wenn nämlich der Brand bedeutend stark, und 
sondere eine grofse Menge schon verkohlter und- noch glül 
Balken vorhanden ist, so vermindert sich die Menge desRi 
und der Flammen , deren Aufsteigen das Herbeiströmen fi 
Luft und des darin enthaltenen SauerstoiFgas bef^rd«rt, de 
tetcn ist niclit genug vorhanden , um sich mit den glüfa 
Kohlen zu verbinden und Kohlensäure zu erzeugen; das 
nen vermindert sich daher scheinbar wegen der vermin 
Flamme, oder es nimmt aus den angegebenen Gründen wi 
etwas ab. Kommt unter diesen Umständen w^enig und fei 
theiltes Wasser mit den brennenden Kohlen in Verbindung, 
allgemein die Quantität desselben so geringe', dafs die bre 
den Kohlen durch die zur Verwandlung demselben in Dam; 
iorderliöhe, und ihnen entzogene Wärme, nicht unter die 
hitze abgekühlt werden , -und hiemach verlöschen; so ven 
sie das Wasser zu zerlegen , sie eignen sich den Sauerstofl 
iselben- an, und der freigewordene Wasserstoff dient zui 
grtiCserung der Flamme hauptsachlich durch das gebildete 
Jenoxydgas. Im Kleinen kann man diesen Procefs leicht 
stellen , wenn man in einen mit Kohlen gefüllten und star 
henden Ofen etwas Wasser spritzt, wobei sogleich eine 
blauliche Flamme mit Prasseln aus dem Schornsteinrohre h 
zufahren pflegt. Etwas Aehnliches findet Statt, wenn mi 
nen Strom Wasserdampf auf eine beträchtliche IVIenge star 
hender Kohlen- leitet. Hierbei ist auf allen Fall, wie 
angegeben , ein scheinbar stärkeres Verbrennen vorhanden 
gen der auffallendem Flamme ; es lafst sich aber auch di 
dafs das eigentliche Verbrennen und die erzeugte Hitze z 
me, w^enn wirklich alles Wasser zerlegt wird , denn die 
fische Wärme des Wassers ist gröfser als die seiner Bestand 
und eine Trennung des ersteren in die letzteren mufiste also e 
lieh mit Wärmeerzeugung verbunden seyn^. Dieser Gege 

1 Vgl. Scholz Physik 2te Aufl. S. 284. Gay-Lüssac in Ai 
Ph. I. 2U. 



Feuer. 205 

Igt übrigens, mit der Wärmelehre überhaupt so innig zosam- 
Dy dals er erst dort zur näheren Untersuchung kommen- kann. 
S Phänomen an sich ist einmal richtig , ob aber das eigent- 
be Brennen .und die durch das Feuer erzeugte Hitze durch' 
I» geringe Quantität fein vertheihen Wassers wirklich vet- 
llrt werde, .ist durch. die Erfahrung noch nicht ausgemitt«lt. 
|, In Beziehung auf die Quantität des zur Feuerlöschung er- 
tlichen Wassers ist insbesondere der zwischen v. Mauvac 
tpECAOiziLLES hierüber geführte Streit in der physikalischcfn 
ir einer Beachtung weith. v. MAauBi stelhe nämlich den 
auf 9 dafs bei Feuersbrünsten meistens eine ganz, unnöthige 
lerverschwendung statt finde, wodurch manches an Häusern 
[Geräthen zerstört, die Arbeit unnöthig erschwert, und leicht 
idem gleichfalls brennenden Stellen Mangel an Wasser her- 
sföhrt werde. Um aber zu beweisen , dafs es nicht sowohl 
liüe Quantität. des Wassers als vielmehr. auf die zweckmafsi- 
li^erwendung- desselben ankomme, liefs v. MAKUM-in wie- 
hpiteo Versuchen ein Häuschen bauen , bedeckte dieses mit 
i Schichten Stroh , machte zwei Oeffnungen als Luftzüge in 
Ipelben und zündete es an. Nachdem es vier Minuten ge- 
int hatte , wurde das Wasser dagegen gespritzt , und die Lö- 
lÄig schnell mit 5 Eimern Wasser in drei Minuten bewerk- 
ligt, obgleich die Balken 1,5 Z. tief versengt waren ^. 
I Gegen die Resultate dieser Versuche erklärte sich Decroi- 
%W^ deswegen, weil bei denselben nur die Oberfläche des 
|kcs und insbesondere die leichtverbrennlichen Substanzen in 
{iUBcn gestanden hätten , wobei allerdings nur wenig Wasser 
B Löschen erfordert werde. Ganz etwas anders aber ergäbe 
[,' wenn das Holz bis zu einer bedeutenden Tiefe verkohlt 
^ in welchem Falle bei weitem eine gröfsere Masse Was- 
.. erfordert werde , eine kleinere aber leicht Vermehrung des 
luiens durch Zersetzung des Wassers in seine Bestandtheile 
iijassen könne. Zur Unterstützung dieser Behauptung führt 
lie ^Ergebnisse einiger Versuche an , welche zu Ronen ange- 
lt -wurden. Ein Künstler aus Paris wollte nämlich zeigen, 
;«r mit einem eigenthümlichen feuerlöschenden Wasser leicht 



1 Voigt Mag. I. 2. 120. Gren. N. J. III. 134. IV. 152. G. 

IL 3i3. 

t Ann. de Ghim. U. 27. Yergl. LIV. 104. 



y •• 



206 Feuer. 

die gttflste Flamme nnterdrücken k^^nne, und dieses gehi 
wiederholt* Als aber die Commissarien zur Prüfang de 
verlangten, daTs das eigends für diesen Zweck erbauet 
Stroh gefüllte und mit Pech angestrichene Haus , nachc 
erst stärk rauchende^ dann helUodernde Flamme der leicht 
baren Stoffe sehr vermindert, nachher aber das Holz t 
einen Zoll tief völlig verkohlt war , gelöscht würde , wi 
mehif als .die zehnfache Quantität seines vorher gebr 
Löschwassers an, und dennoch brannte das Hans vö 
V. Mi^A^^ ^^^ ^^^ g^goi^ diese Einwürfe vertheidigt, u: 
zuthun gesucht, dafs in seinen wiederholten Versuche 
blofs die leicht verbrennlichen Substanzen vom Feuer e 
gewesen, sondern. auch das Holz bis zu einer bedeutende 
verkohlt worden sey, welchen Einwendungen Degro] 
die seinigen wieder entgegengesetzte; kurz der Streit 
Dicht ohne Leidenschaftlichkeit £eführt, die Sache selb 
nicht zur endlichen Entscheidung gebracht , welches dt 
nige eben so leichte als entscheidende Versuche ohne S 
rigkeit zu erreichen war.. Degro izilles leugnete näml 
Resultate der Versuche v. Marum's nicht, welche in I 
und in Deutschland so viel- Aufsehen erregt hatten , beh 
aber, vollkommen glühende Kohlen oder völlig verkohlte 
könnten nicht mit so wenigem Wasser gelöscht werden , 
Makuu gefunden haben wollte, und hierin hatte er wo) 
Zweifei schon in sofern Recht, als völlig verkohlte unc 
ihr Innerstes glühende Balken sich durchaus voll Wasser 
müssen , wenn nicht die Hitze aus dem Innern das äufs 
netzende Wasser verdampfen und die Entzündung aufsN^ 
ginnen soll. Die ganze Sache kam also auf die Entscb 
der Frage an : kVie viel ff^asser eine vollkommen gl 
Kohle zum sicheren Verlöschen bedürfe. Da mir keir 
suche hierüber bekannt sind , so beschlofs ich selbst ein: 
zustellen, welche zwar in Beziehung auf Feuersbrünste i 
näherte Resultate geben , im Ganzen aber zur Entscheid! 
Sache dienen können. Bei wirklichen Feuersbrünsten r 
sind die Bedingungen nachtheiliger , als im Experimente, 
dort die glühenden Kohlen oft auf und neben glühenden S 
oder auf dem stark erhitzten Boden liegen, deren nachh 
Hitze einen Theil des Wassers verdampfen und das Glühe 
der Löschung wieder herbeiführen kann. Die folgenden 



Peuor. 207 



f. 



, «nd die Extreme einer Reihe voh Versuchen, welche 
•m einfachsten zur Entscheidung der Sache zu fuhren schei-> 
• Ich nahm vollkommen glühende Kohlen von etwa 1 Zoll 
js, 2 Zoll breit und 3 bis 4 Zoll, auch noch wohl etwas dar- 
lang , mit einer Zange schnell aus dem Feuer ^ blies die 
hängende Asche ab , und löschte sie mit einer gewogenen 
dtät reinen Wassers aus , ehe die ohnehin schmalen Enden 
Ige sie merklich abkühlen konnten. Weil ich hierbei 
Tropfen des gebrauchten Wassers verlor, so gab der Un- 
ded einer vorher und nachher angestellten Wägung genau 
Ige des zum Auslöschen erforderlichen Wassers. Das 
len geschah theils so, dafs die gebrauchten Kohlen zwar 
noch heifs blieben und dampften , jedoch waren sie ent- 
so stark benetzt , dafs man sie mit d^m. Finger auswärts 
konnte, und sie sich zuverlässig nicht wieder durch 
le Hitze und ohne einen von AuTsen einwirkenden glü-* 
Körper entzündet haben würden , oder sie blieben noch 
dafs man sie nicht berühren konnte , und sie sich in 
mg/t auf einem heifsen Boden aufgehäuft vermuthlich oder 
ll sicher -wieder selbst entzündet haben würden, obgleich sie 
ien Augenblick und der kalten Luft ^ ausgesetzt völlig erlo- 
ll v^aren und blieben. Den Bedarf des Wassers für den er- 
pBall nenne ich den grölsten, für den letzteren den kleinsten. 
^dem die Kohlen völlig erkaltet waren und sich im Wasser 
Ib. vollgesogen hatten , wodurch nach Messungen sowohl als 
b^dcr Art des Experimentes gemäfs sich ihr Volumen nicht 
ilBikonnte, so senkte ich sie in Wasser herab, und bestimmte 
jjkti den Gewichtsverlust. So wie nun jenes obere Gewicht 
.yolamen des zum Auslöschen der Kohlen erforderlichen 
Mets- angiebt, so ist das letztere dem Volumen der Kohlen 
BkEalls direct proportional. Für das Maximum betrug das 
Acht des Wassers 11,58 Grammes, das der Kohle 45,45; 
las Minimum jenes 9,89 des Wassers und 52,86 der Kohle, 
Ichen "welchen beiden Resultaten alle die aus anderen Ver- 
|Bii erhaltenen in der Mitte lagen. Hiernach also bedürfen 
fg glühende Kohlen zum Auslöschen in Maximo Tjif oder 
%-^y in Minimo aber -^V^ oder nahe |- ihres Volumens an 
kser« Man darf hiemach also annehmen, dafs im Mittel etwa 
fünfte Theil des Volumens der durchaus glühenden Kohlen 
Vasser erforderlich ist, um sie vollständig auszulöschen. 



208 Peuer. 

> Wenn gleich diese Resultate sehr entscheidend für < 
hauptung von Decroizilles sprechen, so ist doch z 
MTohl za berücksichtigen, dals die Feuerlöschung in vorko 
den Fällen der Regel nach nicht dann anfangt , wenn e 
deutende Menge des Holzes vöUig verkohlt ist, denn alsdan: 
das Haus schon in sich selbst zusammengestürzt zu sey 
Löschung wird überflüssig und die Aufmerksamkeit ist 
darauf gerichtet, die weitere Verbreitung des Feuers zu 
ten. Meistens beginnt vielmehr die Feuerlöschung dan 
wird am ernstescen- betrieben, wenn die leicht brennbar 
chen in hellen f'lammen stehen, und dafs für diese Fälle ( 
geln V. Marum's gelten, geht sowohl aus dessen eigene 
suchen hervor, als auch aus denen, welche Decroizili 
lien entgegengestellt hat. Man kann diesemnach als siehe 
gel annehmen , dafs die Quantität des erforderlichen W« 
viel gröfser seyn mufs , je tiefer und allgemeiner das Ho 
der brennenden Gebäude bereits verkohh ist. Im Allgei 
ist es- ferner" gewifs richtig, dafs ein Feuer in seinem Be 
durch eine zweckmafsig angebrachte geringe Quantität ^ 
leicht gelöscht werden kann. Auf diesen Grund und die 
tat« der Versuche ist denn auch Parrot's* Vorschlag g< 
sich zum Löschen des Feuers gemeiner Besen mit nassen T 
umwickelt und an langen Stäben befestigt zu bedienen , ^ 
in geeigneten Fällen ganz nützlich sind, im Allgemeine 
die Feuerspritzen und sonstigen Löschapparate nicht ei 
können , und überhaupt w^egen ihrer nicht überall pafs 
im Ganzen aber unbeholfenen Länge von 8 bis 15 F. schoi 
ches wider sich haben. Ich möchte hier des praktischen 
zens wegen überhaupt noch in Erinnerung bringen , daüi 
ches Unglück durch Feuer angerichtet wird, welches durct 
Besonnenheit und Benutzung der unmittelbar zur Hand se) 
Mittel hätte verhütet werden können. Oft läfst sich ei 
ginnender Brand in einem Zimmer z. B. durch eine < 
Flasche Wasser im Entstehen unterdrücken^ und aufserd 
es nicht blofs Wasser, welches brennende Gegenstände 
sondern die letzteren können nicht w^eiter brennen j- w^en 
sie sofort nur mit beliebigen Substanzen völlig übei'deckt* 
che Mittel könnten oft namentlich dann angewandt "W 



1 Entreticns surja Physitiue Dorpv 1820. III, 172. 



Feuerkugel« 209 

pm Damen ilire eigenen Kleider am Camine anzünden und in 
lochen ähnlichen Fällen. M, 

Feuerkugel. 

pC«, globus Ordens; Solide, Globe de feu; Fire 

So nennt man diejenigen Meteore , die zuweilen plötz-> 

, entstehend, einer feurigen Kugel gleichend , durch die Luft 

Man nannte sie ehemals auch feurige Drachen , fiie- 

Drachen , und machte sich sonderbare Vorstellungen von 

[Beobachtuugsmethode und Berechnung 

ihrer Lage. 

Dt die Feuerkugeln gewöhnUch nur Nachts und bei hefte* 
llBBmmel gesehen werden , so bestimmt man ihren scheinba- 
f(kt am besten nach den Sternen , bei welchen sie vorbei- 
Wer sich das Verdienst erwerben will, Beiträge zu 
richtigen Entscheidung der Frage , in welchen Höhen die 
Igeln entstehen und fortziehen, zu liefern, der mufs 
Aufmerksamkeit auf diese Bestimmung des scheinbaren 
sogleich, indem er die Erscheinung sieht, richten. Sind 
YtTolken am Himmel , imd kennt man die Sternbilder zu- 
id, so kann man den ganzen Weg von Stern zu Stern ver- 
I, -welchen die. Feuerkugel durchläuft; und obgleich dieses 
bei sehr guter Sternkenntmfs , wegen der Schnelligkeit des 
ens nicht ganz leicht ist , so kann es doch meistens ge- 
jnimg geschehen , um die Höhe zu bestimmen , wenn von 
leten xücht zu nahen Orten Beobachtungen verglichen wer- 
I' ktaoen. Ist der Himmel nicht wolkenfrei, so dafs man die 
iBdLOgel nur zwischen Wolken hervorkommen sieht, oder 
bn der Beobachter nicht Sterne genug, um den Weg der 
kngel mit Hülfe der Sterne anzugeben, und in die Stern- 
sn einzuzeichnen , odfer erscheint die Feuerkugel am Tage, 
man sich, um ihren scheinbaren Ort, so gut es dann 
ist, anzugeben, den Ort, wo man sich selbst befindet, 
bemerken, und sich den Gegenstand merken, vertical 
a» ^reichem die Erscheinung in ihrem Anfangs - oder End* 
)cte stand; kehrt man dann mit einem Compafs oderWinkel- 
iser zu eben dem Orte zurück, so kann man das j^zimuih 

r. Bd. o 




210 Feuerkugel. 

in welchem man die Erscheinung wahrnahm, sicher bestin 
in Hinsiclit auf die scheinbare Höhe wird man sich in d 
Falle oft mit unsicherer Schätzung begnügen müssen , di 
jedoch auch berichtigen kann , wenn man an demselben I 
ein Winkel -Instrument nach der Höhe richtet, 'v^o m^ 
weit die Erinnerung es anzugeben verstattet, die Erschi 
gesehen hatte. Die gewöhnlichen Angaben , die die Hol 
Feuerkugeln nach Häuserhöhen, ihre Gröfse nach Fufsen n 
Läiige ihrer Schweife nach Vergleichung mit der Länge 
StraXse oder dergleichen bestimmen,- sind eben so lächerli< 
Unwissenheit verrathend , als sie nutzlos sind. W^enn mi 
zwei Orten hinreichend genaue Beobachtungen Jiat , nad 
chen Richtungen in Beziehung auf den Horizont das Phäi 
gesehen worden ist, so kann -man den Ort angeben, wo 
Zenith gestanden hat. Zu diesem Zwecke nimmt mal 
Landcharte , auf welcher sich jene zwei Beobachtungsofti 
ziemlich entfernt von einander seyn müssen, befinden, uiii 
von jedem derselben , Linien in der Richtung gegen den 
dian, welche, der eine und der andere Beobachter als Äa 
des Phänomens angegeben haben. Der Punct, -wo die» 
auf der Landcharte schneiden , bezeichnet den Ort , wo d 
scheinung im Zenith stand , und wenn einer der Beobacht 
gleich die scheinbare Höhe angegeben hat, so kann mt 
wirkliche Höhe über der Erde gleichfalls finden. IVIit 
einfachen Bestimmung mufs man sich oft begnügen , wei 
Beobachtungen keine grofse Genauigkeit gestatten. 

Die genauere Berechnung der Höhe läfst sich auf fol 
Weise erhalten , wenn der scheinbare Ort am Himmel V(M 
ziemlich weit von einander entfernten Beobachtern mit 
chender Genauigkeit angegeben ist. Die Angabe wird : 
am besten mit Hülfe der Sterne gemacht werden, und mau 
daher die gerade Aufsteigung und Abweichung des Punct< 
das Meteor erschien, kennen ; man mufs aber auch die Zeil 
liehst genau kennen, um die Stellung der Sterne gegen df 
ridian für den gegebenen Augenblick richtig zu wssen. 
Stellung der Himmelskugel kennt man , indem man die 
Aufsteigung des Meridians oder der Mitte des Himmels 
welche durch Bestimmung der Zeit, die man leicht auf St 
«urückführt, erhalten wird. 

Wenn man den scheinbaren Ort durch die gerade 



Beobachtung und Berechnung. 2J1 

hiDg und die Abweichung angegeben hat, so erhäk man ans 
jpUchnung sogleich den Ort der Feuerkugel in gebgraphi- 
|t Lange und Breite. Die beiden durch beide ßeobachtungs* 
gelegten, auf die Ebene des Aequators senkrechten £be* 
^. deren Richtung durch die Rectascension bestimmt wird, 
II Bämlich einen Durchschnitt , welcher die geographische 
des Ortes, wo die Erscheinung im Zenith stand, be- 

Flg. 
'MN stelle die Erde, A den einen, B den andern Beobach- 40. 

vor, X sey das beobachtete Meteor. Da NQM die 

des Erd - Aequators vorstelh , und A P C , B P C Ebenen 

ht auf den Aequator durch jeden der beiden Orte gelegt, 

a, b, die Projectionen beider Beobachtungsorte , x die 

des Meteors auf die Ebene des Aequators vor, indem 

b, Xx , Linien senkrecht auf den Aequator sind. Euer 

mm leicht, dafs aCb der Längenunterschied beider 

tnngsoite ist, nnd dafs die Linien ax, bx eben die 

;d! mit Ca, Cb, machen, welche der Beobachter alsUnter- 

der Rectascension seines Meridians und des von ihm gese- 

^ Meteors aufgezeichnet hat ; denn alle Puncte der Ebene 

tx erscheinen dem Beobachter in A unter gleicher gerader 

teigung, undPAaC ist die Ebene seines Meridians. Es 

Üun A' die gerade Aufsteigung des Meridians im Puncte B 

■eit der Beobachtung , a' die scheinbare Rectascension des 

rnn für B, so ist xbL=a' — A', und wenn die geographi- 

JBreite des Ortes B=B', der Abstand derselben vom Cen- 

Inr Erde = R' ist, Cb = R' Cos B' ; B b = R' Sin B'. Ha- 

Ä^, a", B", R" eben die Bedeutung für den Punct A , so 

V — A') der Längenunterschied beider Orte und man hat 

_ C b . S in {a — A^) _ C a . Sin (a"— A'^) 

Sin b X C ' Sin a x C ' 

^enn x die Rectascension der Mitte des Himmels für die 

fm Xx, oder x — A' = xCb = dem geographischen Lan- 

bterschiede der Orte X, B, ist, also xCa = x — A', so er- 

^• y CosB^Sin(a^— AQ _ R". Co s IT. Sm{ä"—A" ) 
^ Sin (a — x) ~ Sin (a"— x) ' ' 

daraus 

• Cos X . R' Co3 B'. Sin (a'— A') — Sin a' Cos x . R" Co» B" Sin (a"— A' ) 
I a" Sin X . R' Cos B' Sin fa - A') - Co» a' Sin jt . R" Cos B". Sin (4"— A") ; 

O 2 



213 Feuerkugel, 

dso 

rCcaB* Sin ^T Sin (m' ^ A*) — K**. Coi B*^ Sin >" Sin (a* ■ 
T«ngx-j5^'C^B'CoiÄ''Süi(a' — A') — Ä"iCo»B" Co»a" 8iii{Ä'' 

Da hiennit der LSngenantenchied zwischen dem Orte di 
teors und dem einen oder andern Beobachtongsorle gegel 
•o kennt man alle diejenigen Orte, denen das Meteor im Mi 
erschien. 

Um auch die geognqphische Breite des Ortes, wo 
Zenith erschien, zu finden, ziehe ich Bv mit bx, Awi 
parallel, also beide mit der Ebene des Aequators paralld 
nun ist XBv = b', die scheinbare Dedination des Mel 
B , weil die Linie B v nach Puncten im Aequator des GB 
zu geht; eben so X Aw = b'' die scheinbare Dedinatioi 
In dem auf dem Aequator gezeichneten Dreiecke b Cx iift 

Cb.SinxCb _ y.CosySin(x— A"> . 
*~ SinCxb ~ Sin(a— X) Ä 

, . R^CosB^Sin(x— A*^) 
«Bd eboi so ax= --^_-,--^^_ L 

Sm(a — x) 

sogleich aber ist ax=s Aw und bx = BT, 
wX=Aw. Tai^b"; tX=Bv. TangV, ^ 



' Sm (a — x) 

und Tang X C x = Tang der geographischen Breite di 
das Meteor im Zenith stand 

j:2C^ _ Tangb'. Sin (x— A^ + Tangtf, Sin (a'— x) 



1 



Sin ;a — A ; 



V 



a _v T.1« b". Sin (x— A*^ + Tan g B" Sin y 

000* auchss: ^ ■ ^. f* rv: 

^in ^a — A j 



Dieser doppelte Werdi entsteht daher ^ weil ri« 
Igen« zwei Rectascensioncn und zwei 
ab zureichend sind, um die drei gesuchten Stacke 

p li iwl i f Luige und Breite des Ortes« wo das Meteor iml 
und Hdhe des Metecis zu 



Beobachtung und Berechnung. 213 

IWDg vom Mittelpnncte der Erde CX = |p = -^ 

_ R'Co8B^ . Sin(a — AQ 
"^ Cos y . Sin (a — x) 

* 

:Si ist zaweilen angenehm , auch die Entfernung von bei- 
>bachtem zu bestimmen, indem sich darnach entscheiden 
welcher von beiden die Erscheinung am gröfsten sehen 
Man findet aber ^ 

.^ » c ,.r R'CosB'Sin(x — A') 
IX = Bv.Sec.b Cosb\Sin(a--x)^ 



3^ = 



R^'CosB''Sin( x — A^^) 
Cos b' • Sin (a' — x) 



Fomehi bestimmen alles , was man zu wissen verlangt ; 

lio geben nicht ganz bestimmt den Grad der Zuverlässig-« 

der Beobachtungen an. Wenn die Beobachtungen ganz 

len genau waren, so schnitten AX, BX sich wirklich 

Poncte , wo das Meteor lag , und beide Werthe von y 

strenge mit einander übereinstimmen; aber so genau 

Beobachtungen vielleicht nie, und indem jeder der bei* 

»bachter eine etwas verschiedene Richtungslinie angiebt, 

genau nach dem Meteor gezogene , so schneiden diese 

Richtungslinien sich in den meisten Fällen gar nicht. 

nun aus zwei nicht genauen Beobachtungen sich über- 

keine scharfen Resultate erhahen lassen, so setzt man 

mit der meisten Wahrscheinlichkeit den wahren Ort des 

dahin, wo die zwei angegebenen Gesichtslinien ein- 

^' am nächsten kommen , und der kleinste Abstand beider 

: zugleich an , wie viel ungefähr die Beobachtungen fehler- 

1/ßwesm seyn mdgen ; denn obgleich auch durch Zufall selbst 

^ ' angegebene Gesichtslinien nahe an einander vorbei 

und einander in einem Puncto am nächsten seyn kön- 

»r nicht eben der ist, wo das Meteor sich befand , so ist 

"Virahrscheinlichkeit immer dafiir , dafs der Punct der 

Nähe beider Linien nahe mit dem Puncte zusammen- 

auf welchen die Beobachtung gerichtet war, und dafs 

»s Zuaanunentreffen Folge der Richtigkeit der Beobach- 

ut* Da ich die allgemeine Bestimmung dieses Punctes des 

■lea Abstandes beider angegebenen Gesiclitslinien anderswo 



• 'i 



214 Feuerkugel. 

ausführlich mitgetheilt habe^i so will ich hier nicht da 
weilen« 

Genauere Beschreibung der Erscheinn 

Die Nachrichten von einzelnen Feuerkugeln sind 

reiche dafs es unmöglich ist, von allen merkwürdigen I 

tungen hier etwas mitzutheilen ; ich setze nur einige d( 

tigsten bekannten Beobachtungen hierher, um zu zeige 

che Erscheinungen die Feuerkugeln darbieten. 1676 

März anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang w^ard 

Dalmatien her, über das Adriatische Meer, über Ital 

luid in der Richtung nach Corsica gehende Feuerkugel i 

tmd Deutschland beobachtet. Man hörte bei ihrem F< 

ein zischendes Geräusch, und bei ihrem Zerspringen 

ihrem Eintauchen in das Meer ein Getöse , wie von Wj 

auf Steinpflaster fahren. Alle Gegenstände wurden, 

■jpage , erleuchtet ; die Kugel zeigte sich so grofs als c 

mond mit einem zugespitzten Schweife, der anfangs rpti 

her blau war. Die Höbe ist , so gut es die Beobachlu 

laubten , zu 38 italieh. Meilen angegeben , die Höhe \ 

wie ChlÄditi bemerkt, wahrscheinUch gröfser. Die Gk 

digkeit ward zu 2t italienische Meilen in der Secunde 

ben , und ihre Richtung war , wie Hallet bemerkt 

Richtung der Bewegung der Erde in ihrer Bahn entgege 

Die am 19. Juli 1686 in Sachsen von Kirch be( 
Feuerkugel, deren Höhe Hallet, auf Beobachtungen 
zig und Schleitz gestützt, zu 30 englischen oder 7 bi? 
sehen Meilen angiebt, scheint sich dadurch ausgezei 
haben , dafs sie ihren Ort nicht viel veränderte , obgh 
Minuten sichtbar blieb. Hallet bemerkt indefs 3, se' 
KiaCH^s eigenen fern fern Angaben sey sie nicht voll 
ruhend erschienen. Diese geringe Bewegung mufste w( 
kommen , dafs sie ziemlich gen^u die Geschwindigkei 
Erde selbst hatte , und daher als relativ Muhend erschiei 

Die Feuerkugel, von welcher Hallet die Beoba 



1 BaAifDEs'iB Unterlialtuiigen für Freunde der Physik v 
nomie. Leipzig 1826. 1. Heft. 

2 Phil. Tr, Vol. XXIX. p, 161, 
S iSbeod. p. 163, 



Erscheinung, 215 

IHonmelt hat, 1719 am 19. März, soll fast der Sonne gleich 
feuchtet haben ; sie selbst hatte ein weifses , der Schweif ein 
ithes Licht. Nach dem Erlöschen , das mit zwei Explosionen 
Ij^leitet war, blieb ein helles Wölkchen und ein Lichtstreif 
Nach Halley's Berechnung war sie über Worcester 
6 deutschen Meilen Höhe, und ging 5 engl» Meilen in einer 
de von Nord gen Ost gegen 'Süd gen West fort^. ■ 

Die am 11. Dec. 1741 im südlichen England erschienene 
ngel ist vorzüglich dadurch merkwürdig, dafs sie bei 
m Sonnenschein um 1 Uhr Mittags gesehen wurde. Ihr 
wird von dem einen Beobachter wie eine feurige Kohle, 
BffLNER dagegen, der in allen seinen Ausdrücken am mei- 
Sichkenntnifs zeigt, völlig so hell als der Mond erscheint, 
ifian ihn mit der Sonne zugleich am Himmel sielit, bc- 
eben. Sie erschien in Peckham et^vas gröfser als der Voll- 
bewegte sich nicht ganz so schnell als die Sternschnuppen 
[gehen pflegen; sie liefs einen Schweif zurück, der weifser, 
die Feuerkugel selbst, erschien, und dieser war anfangs 
an beiden Enden zugespitzt, aber nach und nach wurde 
breiter und nach 20 Minuten zeigte sich dieser Ueberrest der 
kelieinung ganz einer hellen, dünnen Wolke gleich, die etwa 
hnal so breit als zu Anfanjj war und etwas höher über dem 
itMonte stand, als gleich nach dem Versch^vinden der Kugel. 
k Feuerkugel selbst ging von Südwest nach Nordost, ihr Weg 
lg Ostlich an der Insel Whight vorbei , ungefähr über die Ge- 
iS voa Canterbury. Ihre ganze Dauer wird zu 4 See. ange- 
Hta; sie verschwand mit einem sehr heftigen, doppelten 
dRe, von welchem in einigen Gegenden der Grafschaft Sussex 
[ in Canterbury die Häuser erbebten, und dieser 'Knall scheint 
bt b!s London hin und nicht bis zur Insel Whight hörbar ge- 
wn zu seyn'. 

Am 26. Mai 1751 um 8 Uhr Abends erschien im Agramer 
iitate eine Feuerkugel, aus welcher zwei Eisenmassen herab- 
•n , deren eine noch jetzt in Wien aufbewahrt wird. Da sie 
Fedi:h etwa 30 Grade hoch in Neustadt an der Aisch gesehen 
den ist, so muTste sie gegen 30 bis 40 deutsche Meilen hoch 



l Phil. Tr. XXX. 978. 

Z Phil. Tr. for 1741. p. 870. 1742. p. 1. 188. 



216 Feuerkugel« 

seyn, Sie zersprang mit Krachen , wobei ErscliMttemi 
Verbreitung von Rauch bemerkt ward*. 

1758 am 26« Nov. Abends um 8 Uhr erschien in E 
eine merkwürdige Feuerkugel. Pringle hat die Beobach 
gesammelt und auf eine sehr passende Weise zusamnieng 
und obgleich nicht alle ganz in Uebereinstimmung sind, s 
man doch folgende Angaben , als im Wesentlichen allen 
achtungen entsprechend ansehen. Das Meteor muTsinderi 
von Cambridge zuerst entstanden, oder leuchtend gei 
eeyn. Dort sah man eine in weifsem Lichte i^ngemei 
glänzende Kugel, etwa halb so groCs im Durchmesser 
Mond gegen Nord - Nordwest fortziehen. Als die Kuge 
6 oder 7 Grade vom Horizont war , schien der Schw^eif i 
bersten , wobei das Licht blendend vnirde : darauf versc 
der Schweif und drei Sterne , die der Kugel folgten , : 
sich. Der Glanz war so grofs , dafs man eine auf der Er 
gende Nadel hätte sehen können. Die Beobachtungen au 
ehester und Cockermouth in Cumberland bestätigen dm 
stände. In Garlisle sah man keine abgesonderte "Kugelj s 
die ganze Masse scheint, als sie in diese Gegend gelangt 
gelförmig, hinten zugespitzt, gewesen zu seyn. Auch l 
schien sie in dem hellsten Glänze. Aus dem hintern 
des Meteors hat man hier, so wie in Newcastle, Ducham, 
fries, Funken hervorkommen gesehen, die nach einigen 
richten sich beim Herabfallen zerstreuten. Eine Minuti 
dem Verschwinden (die Zeitbestimmung ist nicht ganz glc 
den Beobachtern) hörte man in Garlisle zwei Explosionen 
nach einander , welche Kanonenschüssen aus 4 deutsche: 
Entfernung gehört, ähnlich waren. Diese Explosion be« 
ein Beobachter, der 15 engl. Meilen nordöstlich von ' 
war, als ein furchtbares Krachen, lauter als der stärkste 
neu -Knall, und sagt, dafs dieses 7 bis 8 See. dauerte, 
rend des Förtziehens der Kugel wollten einige Beobad 
Zischen gehört haben, da aber andere an eben den 
nicht hörtiln, so hält Paingle dieses für Täuschung 
den noch nördlichem Gegenden , namentlich aus Stitd 
deutsche Meilen nordnordöstlich von Garlisle wurde h 



1 Y. Emds über Massen und Steine , die aus dem Mond< 
£rde gefallen sind. Braunschweig 1808. 



Erscheinung. 217 

■ 

k man eine angemein leuchtende Erscheinung gesehen und 
ler einen lauten Donner gehört habe, aber einen eigent- 
Körper j der das Licht aussendete, habe man nicht gese- 
PaiiTGLE glaubt -daher, dafs, nachdem das Meteor zwi- 
CarHsIe und Dumfries hin gezogen war , es einige Mei* 
ich von Douglas die Veränderung erlitten hatte , welche 
iobacfater als ein Abbrechen des Schweifes beschrieben, 
reichem Funken hervorbrachen. Der Haupttheil , in den 
Ueberreste des Schweifes sammelten, ging dann bis 
Fort William, uiid bei Invernefs mufs das Meteor nach 
Laufe von 400 englischen (90 bis 100 deutschen) Meilen 
iden seyn. Dennoch scheint dasselbe, obgleich es hier 
m war, fortgezogen zu seyn und sich noch einmal leuch- 
if ezeigt zu haben ; denn in S8 Grad Breite an der West- 
der Grafschaft Rofs sah man es recht glänzend, doch 
der Sonne gleich, nach Süden fortziehen (der vorigen 
lg entgegen); das Licht glich dem' Lichte des bren- 
Weingeistes, die Kugel erschien hier ohne Schweif, 
^lieb Funken von verschiedener Gröfse und Farbe herabfallen, 
TDie Beobachtungen zeigten , dafs es oberhalb Cambridge 
|bs 23 deutsche Meilen hoch war, oberhalb Fort William 
|ft bis 8 deutsche Meilen. Die Geschwindigkeit des Meteors 
über 6 deutsche Meilen in der Secunde seyn ^. 
&e am. 10« Juli 1771 im nördlichen Frankreich erschienene 
Igel ist von Le Roy umständlich beschrieben ^. Um 
Abends zeigte sich dieses Meteor anfangs wie eine 
! Sternschnuppe, aber allmälig sah man es, der Annähenmg 
t, gröISser ; es bewegte sich ungemein schnell und stark ge- 
te Erde geneigt ; seine Form, die anfangs kugelförmig war, 
|r nachher in die Form eines Glastropfens über , und dabei 
Uder Glanz von der blendendsten Weifse. Der Haupttheil 
«Meteors war mit Funken umgeben , und der mit Roth um- 
ene Schweif zeigte sich mit Regenbogenfarben übersäet. Als 
Kagel sich schon nicht merklich fortbewegte , nahm sie eine 
Ijger längliche Form an, und schien in der Mitte zu kochen; 
Inf xersprang sie und zertheilte sich in eine Menge Funken, 
so glänzend waren , dafs mehrere Personen es nicht ertragen 



1 Phil. Transact« Vol. LI. for the Year 1759. p. 218. 259. 

2 Hiat. et Mtfm« de Tacad. de« sc. a Paris pour 1771t p. 670, 



218 Feuerkugel. 

konnten, sie anzusehen. Die ganze Dauer der Ersch« 
wurde in Paris nur auf 4 Secunden gescliätzt , doch hatt 
den Anfang dort nicht beobachtet. Zwei Minuten nad 
Zerspringen hörte man einen Knall , den einige einem en 
ten Donner verglichen, andere dem Rasseln sch^ver bei 
AVagen auf einem Steinpflaster , andere Pinem einstiirs 
Hause. Gegen Melun zu war dieser Knall starker und m^ 
terschied noch einen zweiten schwächeren. An einigen 
der Stadt empfand man bei dem Knalle zugleich eine En 
terung. Eben dieses Meteor war von Amiens, Dieppe, 1 
bis nach Limoges , Lyon, Di Jon und selbst in Sarlat n 
Dordogne beobachtet worden, und den Knall hatte mm 
Ronen und Amiens bis südlich von Paris gehört, also durd 
Gegend, die 15 bis 20 deutsche Meilen im Durchmesser h| 
Roy schliefst aus den gesammelten Beobachtungen, dal 
Meteor zuerst sich in England muTs gezeigt haben, vaai 
HdRirsBT*9 Bericht war es auch in der Gegend von Q 
so grofs als der Mond im Durchmesser und mit einenx Sei 
gesehen worden. ' Da es dort südöstlich ersclüen , so b« 
diese Beobachtung Le Roy's Meinung , dafs es von der 
der Grafschaften Sussex und Surrey über den Canal heruh 
und von Nordwest \ Nord her ungefähr auf Paris und Md 
Sf^ine Richtung nahm. Der Punct seines Zerspiingens i 
einige Meilen südsüdöstlich von Paris liegen , etwa 1^ 
von Melun. Die Berechnung der Beobachtungen, weld 
Roy mit grofsem Fleifse gesammelt hat , ergab , da(s die I 
.kugel zuerst über 41000 Toisen (über 10 deutsche Meilen] 
war, bei der Explosion aber sich bis zu 120600 Toisen (5 
sehe Meilen) herab gesenkt hatte , und bei dieser Höhe I 
sie- sehr gut durch fast ganz Frankreich sichtbar s^eyn. 

Die ganze Dauer des Erscheinens glaubt le Roy dod 
auf mehr als 10 Secunden setzen zu können und in diesi 
durchlief das Meteor etwa 45 deutsche Meilen , 4 bis 5 1 
in der Secunde. Die Kugel mufste, wenn man auch nur 
rechnet, über 1000 Fufs Durchmesser haben; aber dafs 
davon auf die Erde gefallen wäre , davon sagt keine Bei 
tung etwas. 

Ueber eine andere Feuerkugel , die am 18» Augus 
in Eogland erschien, hat Blagdev die Beobachtungen [ 



Erscheinung* 219 

\ Diese Feuerkugel wurde von den Shetländisclien Inseln 
lach Frankreich und den Niederlanden beobachtet, und eitie 
hricht gab an, dals sie sogar in Rom gesehen wäre. Man 

sie in Aberdeen und zu Blair in Athol von Norden her her- 
ileigen , und die Beobachtungen ergeben , dafs sie schon 
iilich von der nördlichsten Küste Schottlands entstand ; sie 
^ etwas westlich von Perth und etwas östlich von Edinburgh 
Aei, über die westlichen Gegenden von Northumberland, 
fch die Mitte von Yorkshire etwas westlich von York. Bis 
hin ging sie beinahe genau nach Südsüdost fort : aber etwa 

der Grenze von Yorkshire und Lincolnshire nahm ihre Bahn 
le et\eas mehr Östliche Richtung, und sie selbst scheint bei 
Mei Aenderung der Richtung auch eine Explosion oder ein 
obersten erlitten zu haben. Anfangs nämlich hatte sie sich 
igdfiSrmig, alsdann etwas elliptisch und geschweift gezeigt; 
Id dem Zerbersten ging sie nicht mehr als eine Masse fort, 
iidem als eine Menge von Kugeln, von ungleicher Gröfse, 
B jede einen Schweif hinter sich zogen ; auf diese Weise sah 
n das Meteor mit ungemeinem Glänze alle Gegenstände er*« 
bolitend , fortziehen , bis man es in England der Entfernung 
^en aus den Augen verlor. Diese Sammlung kleiner Me- 
ore scheint südöstlich über Cambridgeshire und die Grenzen 
m Snflolk fortgegangen zu seyn , dann aber der frühem Rich- 
tig gemäfs über Essex und den Canal sich bewegt zu haben. 
Ee Küste von Frankreich muTs das Meteor in der Gegend von 
Cttkirchen erreicht haben , indem man es dort sowohl als in 
Uns und Ostende nahe am Zenith sah , und so setzte es seinen 
^eg noch weiter fort,- worüber aber die genaueren Nachrich— 
n fehlen. Dieses merkwürdige Meteor durchlief also 13 bis 
t Breitengrade , also 200 deutsche Meilen. Das Ansehen des 
eteors war veränderlich, so dafs Aübert es nicht für einen 
sten Körper hielt, und sich darin auch durch die, anscheinend 
was w^ellen artig gekrümmte Linie seines Laufs bestärkt fand, 
•r Schweif blieb nicht immer gleich, und auch die Haupt-^ 
isse war zuweilen rund, zuweilen elliptisch und zuweilen 
Uten spitz zulaufend. Der Schweif schien bei diesen und an-' 
m Meteoren zum Theil aus eben der Materie, wie die 
luptmasse oder der Kern zu bestehen , der übrige , grölsere 

1 Phil. Transact. for 1784. p. 201. 112. 



> 



220 Feuerkugel. 

Theil sah aber so aus , als ob ei aus dünner zertheilten i 
artigen Theilen bestände. Auch die Farbe des Meteon 
veränderlich, aber so sehr bläulich, dafs ein Beobachta 
Mond dagegen als in rpthem Lichte erscheinend angab« 
Feuerkuge;! schien kurz vor dem Zerspringen aus hellem 
dunklern Theilen zu bestehen , von denen man zu bemc 
glaubte, dals sie in steter Agitation .wären. Die Bestimmu 
der Höhe scheinen mit vieler Sicherheit zu ergeben , dab 
Feuerkugel iJiren ganzen Weg in einer ziemlich gleichen } 
von 60 englischen (15 deutsche) Meilen über der Erde dn 
lief. Auch bei diesem Meteore hörte man an einigen Ortei 
nen Knall, und nach Blagdejst's Meinung mochte wohl bei 
ersten Explosion ein Knall statt gefunden haben , und nad 
ein zweiter. Den Durchmesser berechnet Blagden zu ^ « 
Meilen oder 2500 Fuls , gesteht aber , daCs diese Bestimn 
unsicher sey , weil Beobachter , deren Standpunct sich in < 
ungleichen Entfernungen von dem Meteor befand, die scb 
bare Grölse dem Durchmesser des Mondes gleich angeben i 
dals der grofsö Glanz der Feuerkugel mehr als der eigend 
Sehewinkel die Angabe der scheinbaren Gröfse bestimmt za 
ben scheint. Ueberhaupt ist es gewifs , dals die Schätzung 
Grölse leuchtender Körper grofser Unsicherheit unterworfei 
denn wer würde nicht die Breite der Blitzstrahlen, die 
Nachts in 2 Meilen Entfernung sieht , wohl auf 2, 3 und i 
Minuten schätzen? — und doch würde ein Blitz von 3 Min 
scheinbarem Durchmesser in 2 Meilen Entfernung 40 
Durchmesser haben müssen , was gewifs nicht der Fall ist. 
Dauer dieser Feuerkugel war ungewöhnlich lange; Hehsc 
der die Ersclieinung erst gewahr ward , als die Kugel sich s< 
in mehrere kleine zertheilt hatte, sah sie 40 bis 45 Secui 
und zuletzt fast in demselben Puncte des Himmels still stell 
als sie ihrer Entfernung halber den Meisten schon unsicl 
geworden war. Sie mochte also ihren ganzen Weg von 
Meilen in 1 Minute zurücklegen. 

Die Höhe der am 8. März 1798 in Genf, Lausanne 
Chambery beobachteten Feuerkugel, die auch in hellglänz 
Funken sich zertheilte, konnte nach Paeyost's Berech 
aus ziemlich mittelmäfsigen Beobachtungen nicht viel üt 
Lieues betragen. Die Feuerkugel am 23- Oct. 1805 zeicl 
sich durch die sehr lange Dauer ihres Schweifes aus. 



. Erscheinung. 221 

Dauer der Feuerkugel selbst , die übrigens nicht zu 
Itaungemeiii groCBen geh(5rte, setzt Schroteh auf 3 bis 4 Se- 
pien^, aber nach dem Verschwinden blieb ein heller Licht- 
sichtbar , von Welchem Schröter sagt, er habe sich meh- 
Ifinuten lang in gerader verticaler Linie völlig fest stehend 
igt; demnächst aber* habe er angefangen, eine veränderliche 
ißfrmige Linie zu bilden , welche immer stärker gekrümmt 
t; nach etlichen Minuten Zeit habe der Schweif, als ob 
ainfter Windzug ihn gegen Süden fortdrängte, etwas unter- 
seiner Mitte , eine fast halbrunde , mit der convexen Seite 
Süden gerichtete Beugung angenommen, welche mit der 
^en Seite tj des Hertules in sich schlofs ^. Diese Beu- 
dehnte sich immer weiter nach Süden aus, nach 7 Mi- 
war sie einem S, nachher einer 2 ähnlich ; selbst nach 15 
war noch etwas von dem Lichtstreifen , noch weiter 
f Soden gerückt, zu erkennen. Da meine eigene Beobach- 
so viel ich mich erinnern kann, noch nirgend bekannt 
ist , so sey es mir erlaubt , ihr hier einen Platz zu ge- 
•ö "wie ich sie damals niedergeschrieben habe. Gegen 
[nach Schröter war es 7^ 14'] beobachtete ich in 
len 6 Meilen nördlich von Oldenburg eine leuchtende 
inng, wie ein matt glänzendes Wölkchen, unter dem 
des Ophiuchus ; das Ganze bildet einen 2 förmigen Strei- 
der langsam gegen den Poniatowski^schen Stier fortrückte. 
r hellste Theil stand nahe über a des Ophiuchus. Die Er- 
lg verlor ihr Licht sehr langsam und noch nach 15 Minuten 
ich schwache Spuren davon zu bemerken. Der hellste 
der aber jetzt matter glänzte , als vorhin der schwächste 
stand zwischen p und o des Poniatowski'schen Stiers 
ji ein sehr matter Streif zog sich gekrümmt nach a des Ophiu- 
m sn. Als ich das Phänomen zuerst sah, war es den ge- 
Ibnlichen zurückbleibenden Schweifen der Sternschnuppen 
Bich; der helle Fleck aber, der oberhalb er etwas seitwärts 
dk sr i zu stand ,* unterschied sich davon. Nach meiner und 
Uotkr's Beobachtung, indem ich den wenig von a ent^ 
Iten Ton mir beobachteten Punct als den Endpunct ansehe, 



i Gilb. XXm. 107. 

2 Diete Angabe ist gewifs ein Dmckfehler , denn 9 Herc. steht 

reit nördlich, dals er nnmöglich gemeint sejn kamn. 



222 FeucrkugeL 

verschwand diese kleine Feuerkiifvel senkrecht über der Pn 
Groningen in einer Höhe von 6 IMeilön , wobei freilich die 
Sicherheit erheblich ist, da ich nicht den eigentUchen Oi 
'Verschwindens gesehen hatte. Die Düsseldorfer Beobach 
(die nicht vonBENZENTBERG selbst angestellt worden) ist öffi 
nicht genau genug, um darauf eine Berechnung zu gründe 

Das am 14* Dec. 1807 Morgens in Connecticut geii 
Meteor war im Allgemeinen den oben beschriebenen ahn 
es war kaum halb so grofs im Durchmesser als der Mond, 
hatte einen Schweif, dessen Länge dem 10 bis 12 ma 
Durchmesser der Kugel gleich war. Ein Beobachter inWi 
in dessen Zenith ungefähr das Meteor verschwand, gieb 
dafs das Verschwinden nicht ganz plötzlich statt fand , soo 
ein zwar schnelles, aber doch durch merkliche Untersoi 
fortschreitendes Abnehmen des Lichtes beobachtet wurde, 
ganze Erscheinung dauerte etwa 30 Secunden und 30 In 
Secunden nachher hörte man einen heftigen Knall , dein';; 
eine Reihe schwächerer Detonationen folgte. Das Phänl 
war dem Monde so ähnlich , dafs eine Dame , die es gea 
hatte, sagt, ihr erster Gedanke bei dieser Erscheinung sey gl 
sen, wo denn der Mond so schnell hin wolle. Ein ao 
Beobachter bemerkt, das Verschwinden sey mit drei bd 
Bewegungen , wie Sprüngen , begleitet gewesen , bei jedei 
das Licht schwächer geworden, und beim dritten ganz verschi 
den. Die Berechnung von Bowditch zeigt, dafs das M 
sich ziendich parallel mit der Erdoberfläche in einer Höhe 
4 deutschen Meilen fortbewegte ; es durchlief ein von N( 
nach Süden gerichtete, wenig nach Westen abweichenden 
mit einer Geschwindigkeit von 4 Meilen in jeder Secunde. 

Bei dem Erscheinen dieses Meteors fiel eine Masse, 
225 Pfunde wog, aus der Luft, und nach Bowditch*8 
niing konnte dieses doch nur der unbedeutendste Thei 
Meteors seyn , dessen Durchmesser nach den Angaben , di 
am kleinsten geben , gegen 500 Fufs betragen mufste ^. 

1 Ich hatte meine Beobachtang in der HofiFnuug, auch die 
herigen Aenderungen der Stellung des Schweifs zu berechnen, 
niedergeschrieben; aber ich habe keine andere dazu zureic 
Beobachtung gefunden. 

2 Astronomische Zeitschrift von v, Lindenau und y. Bc 
berger. I. 137» 



Erscheinung. 323 

Am 15« Juni 1831 sah man bei dem Herabfallen eines Me* 
Keines von 320 Pfunden in der Nähe von Juvenas , nicht 
von Viviers eine Feuerkugel. Obgleich es um 3 Uhr Nach- 
igs ^wdXy so sahen dennoch einige Beobachter die Erschei- 
[ glänzend genug, um sie als Feuerkugel anzuerkennen, 
-micK der Knall, von welchem die Erscheinung begleitet 
dmmte ganz mit dem überein, was man bei Feuerkugeln 
Ltet hat. Diese Feuerkugel liefs auf der durchlaufenen 
einen grauen Dunst zurück , der wie ein langes Band mit 
iwachen Zickzacks am Rande erschien , eine Art von 
welcher die Farbe der Wolken hatte, und in so völliger 
TT'ar, dafs man ihn noch nach 10 Minuten wahrnahm, 
lab er seine Stelle und Gestalt merklich änderte. Da es 
mnenschein war , so kann man sich leicht denken , daCs 
matt leuchtender Schweif, wie wir ihn aus den nächtli- 
>bachtungen kenpen, wohl als blofse Wolke erschein 
te. 

hier mitgetheilten Beobachtungen geben hinreichend 

die Feuerkugeln sich gewöhnlich zeigen. Bei einigen, 

»ei, der am 12. Nov. 1799) hat man ein Entstehen aus 

rchkreuzenden Lichtstrahlen beobachtet, und noch auf« 

ix mufs ein ähnliches Hervorgehen einer Anfangs kleinen, 

bedeutend grofs werdenden Feuerkugel aus Feuerstreifen 

am 23. Aug. 1812 gewesen seyn. Andere Feuerkugeln 

aus einer w^olkenähnlichen Erscheinung entstanden zu 

»ch so dafs man diese Wolken nicht mit gewöhnlichen 

fiir einerlei halten konnte^. 

idlich muls ich doch auch noch erwähnen, dafs man zur 

Von Stürmen und ungewöhnlich tiefem Barometerstande 

lals Feuerkugeln gesehen hat, unter denen mir aber keine 

ist, die genau genug beobachtet wäre , um ihre Höhe 

lerheit bestinunen zu können, so dafs es zweifelhaft 

ob diese Feuerkugeln mit den vorigen ganz einerlei 



I 



Chladvi über Feuermeteore nnd über die mit denselben her- 
lilenea Massen. Wieu, 18l9. wo man alle Nachrichten von 
Logeln gesammelt findet. 

Brandes de repentinis rariationibus in pressione aeris obser* 
p. 41. 



224 Feuerkugel. 

Meinungen über die Natur dieser Mel 

Die älteren Meinnngen , dafs die aus der Erde aufi 
den schweilichen Dünste sich entzünden und die Erscl 
der Feuerkugeln darbieten, verdient kaum noch angefi 
werden. Auch die Meinung , daCs die Feuerkugeln elel 
Funken , oder dafs sie Entzündung brennbarer Luft sind, 
zu wenig für sich, um bei ihnen zu verweilen; denn o 
es möglich wäre, dals unter den vielen leuchtenden Erscl 
gen , die wir über uns sehen , einige , den Feuerkugeln 
che^ elektrischen Ursprungs waren, so kann dieses in 
die, welche über ganze Länder, hundert Meilen weit fort 
gewils nicht passen. 

Die Meinung , dafs diese Meteore im Welträume i 

Bende Massen sind, denen die Erde in ihrein Laufe i 

Sonne begegnet, hat zwar Halleit schon ausgesprochen 

Chladki hat dennoch das Verdienst^ diese wenig b«l 

und ganz vergessene Meinung, zu einer Zeit, "wo man l( 

lachte , mit guten Gründen vertheidigt zu haben , und ol 

auch durch sie nicht alle Umstände erklärt werden , sq. 

doch durch das in neuern Zeiten genauer beobachtete H^ 

len der Meteorsteine , welches mit dem Erscheinen von! 

kugeln verbunden war, eine solche Bestätigung erhaltet 

der Hauptumstand ,' nämlich '. dafs die Feuerkugeln nicht i 

Erde entstehen, sondern aus fremden, in unsere Atmo 

eintretenden Massen, die hier leuchtend werden und nach 

Erlöschen Meteorsteine (zuweilen auch andere Massen) 

fallen lassen , kaum noch bezweifelt werden kann. Seh 

mals zeigte Chladiti, dafs man mit Unrecht so manche { 

glaubigte Nachrichten von herabgefallenen Steinen in 2 

ziehe, dafs die Umstände, unter welchen sie herabgefalle 

sollten, das gleichzeitige Erscheinen von Feuerkugeln u. 

so übereinstimmend sind, dafs schon darin ein Beglaubi 

gTund liege , dafs die Entfernung der Feuerkugeln von dl 

und ihre grofse Geschwindigkeit mit allen andern Erklänu 

Widerspruch stehe , und dagegen begreiflich werde , wei 

annehme , sie bewegten sich , gleichsam als kleine Welt 



1 Crladitt über die Ton Pallas gefundene und andere l 
Eisenmassen. Riga, 1^94. 



Wesen derselben. 225 

RaamA fort und wiirden von der Erde angezogen , wenn sie 
en nahe genug kommt. * 

Die Cntstebung der ungemeinen Hitze, wodurch diese 
qper glühend , schmelzend , ja woiii gar in Dampfe verwan- 
t 'Werden, ist fireilich noch immer schwer zu erklären. Denn 
■n gleich, wie Chladki in seinem neuern Werke bemerkt, 
jjtvdt so ungemeiner Geschwindigkeit in unsere Atmosphäre 
tender Körper eine starke Compression der Luft und da- 
sehr grofse Erhitzung bewirken kann , wenn gleich durch 
Compression selbst da wo die Luft schon ziemlich düune 
^genug Sauerstoftgas , lun dieses Brennen und Leuchten zu 
Iten , auf die Masse einwirken kann , so muls man doch 
m, dals, nach unsern sonstigen Begriffen von der At- 
, dieses da nicht wohl statt finden kann , wo fast gar 
iLoft vorhanden ist, und dafs dennoch in so grofsen Hdhen 
[ein und Sternschnuppen sichtbar werden. Docli die- 
(tand und mehrere andere sind nicht als Einwürfe gegen 
iDvi anzusehen , da jede andere Hypothese uns hier eben 
dg Aufschlufs giebt. Woher es kommt, dals jene Mas-» 
den glänzenden Zustand versetzt, und so heftig erhitzt 
,* "wiiisen wir noch gar nicht ; aber das Ansehen der gan- 
(cheinung läüst schlielsen , dals die Masse , wenn sie sich 
terkugel zeigt , flüssig ist , und Dämpfe , oft als Rauch 
Kugel hervorbrechend , entwickelt. Ein solcher Rauch 
auch der dunklere Theil des Schweifs zu seyn , und sein 
irechen an einer bestimmten Stelle kann wohl die Rich- 
Ler Bewegxmg mit bestimmen ; denn wenn die Kugel mit 
»fen gefüllt, überall den Druck dieser elastischen Masse 
nur an der Seite nicht, wo die Dämpfe hervorbrechen, 
durch die Rückwirkung die Kugel nach der entgegen- 
iten Seite forrgehen. Daher scheint es auch zu kommen, 
lie Feuerkugel nach einer Explosion , wobei sie nicht ganz 
jpmmert wird, ihre Richtung ändert, indem vermuthlich 
tampfstrom dann an einer andern Stelle der Oberfläche her- 
Lt, und eben dadurch die Kugel nach einer andern Rieh- 
['xurücktreibt. So möchte ich (theils den Beobachtungen ge*- 
i, veo z. B. bei der Feuerkugel 1783 Explosion und geän- 
^ Richtung gleichzeitig eintraten , theils auch auf allgemeine 
Ecipien gestützt) auch die zuweilen angegebene sprungweise 
äderte Bewegung der Feuerkugeln lieber erklären, als nach 
\ Bd. P 



2ü6 Feuerkugel. 

CaLADifi's An.Mclit aus der Comprcssion clerLuft, welcl 
Zurückstorsen bewirklb; denn dieses Zurücksto&en scheii 
mit den Bewegungsgesetzen eines nach allen Seiten freien 
unvereinbar zu seyn^. 

Zu den Gründen, welche gegen den irdischen Un 
der Feuerkugeln und Sternschnuppen sprechen, komm 
auch noch die aus den neuesten Beobachtungen der 
. schnuppen sehr klar hervorgehende Ueberzeugung^, dal 
in ihrer relativen Bewegung gegen die Erde der £influ 
eigenen Bewegung der Erde verrathe , so dafs unter den i 
schnuppen wenigstens , viel mehrere zu seyn scheinen , di 
relativ der eigenen Bewegung der Erde entgegen, als ihr | 
bewegen. Es wäre wohl der Mühe wertJi, auch auf die I 
kugeln diese Untersuchung auszudehnen und die vollkon 
. Berechnung über die wahre Bewegung der Feuerkugel 
« Sternschnuppen im Räume, ganz durchzufuhren, indes 
aus der bekannten Bewegung der Erde und der relative 
wegiing dieser Meteore die absolute Bewegung der letzter 
leitete. Das daraus hervorgehende Resultat würde dann f 
doch noch durch die Anziehungskraft der Erde modihcin 
aber einige Folgerungen , ' vorzüglich über die eigenthü 
Geschwindigkeit, mit welcher die Masse des Meteors sich, 
sie der Erde so nahe war, fortbewegte, \nirden sich 
wohl ergeben. Grols mufs diese Geschwindigkeit seyi 
z. B. die, welche unter einem bedeutenden Winkel vc 
Richtung der Erde abweichen , dennoch sehr schnell üfc 
Erde fortziehen und also aufser jener Bewegung, mit w^elcJ 
die Erde begleiten , auch noch eine auf diese Richtung 
rechte Geschwindigkeit besitzen. Wenn diese Körper j 
Erde vorbei gehen , so müssen sie vorzüglich dann lange 
bar bleiben , wenn entweder ihre Bewegung mit der Bei» 
der Erde gleich schnell und nach derselben Richtung j 
ist, oder wenn wenigstens die aus ihrer wahren Bev 
durch Zerlegung der Geschwindigkeit hervorgehende, m 
Bewegung der Erde parallele Geschwindigkeit der Geschw 
keit der Erde beinahe gleich ist. Ein solcher die Erd 



1 Vergl. MuNCKE in Schweigg. Journ. XXV. 20. 

2 ^RAKDEs Unterhalt, für Freuade der Physik und Astr 
Istcs Heft. Sk 58. 



WcÄen derselben. 227 

il lang begleitender y fast immer aber doch noch relativ ge- 
l^sie schnell fortrückender Körper, mufs offenbar sich der Erde 
Ai mehr nähern und alle die Einwirkungen, die hier statt ün^ 
I können , vollkommener erleiden. 

> Dieser \<richtigen Gründe fiir den kosmischen Ursprung der 
rkugeln ungeachtet, haben doch auch neuerlich noch einige 
ter den irdischen Ursprung dieser Meteore vertheidigt. 
diesen nenne ich hier vorzüglich Eoen^, dessen Giün de, 
sie hierhergehören*, vorzüglich folgende sind. 1. Die 
Entfernung dieser Meteore von der Erde sey meistens 
unsicbern Beobachtungen abgeleitet. Dieser Einwurf hat 
Kraft ; denn wenn man auch bei der einen und bei der 
Feuerkugel es zweifelhaft machen kann , ob die Höhe 
eine Meile genau sey, so hieise es doch gegen alle Wahr- 
Leit streiten , wenn man sagen wollte , bei so vielen 
lenen habe sich allemal eine zu grofse Höhe ergeben* 
^diese Behauptung erscheint um so grundloser, da selbst di^ 
Agenden, in w^elchen ein solches Phänomen sichtbar 
len ist, Zeugnifs für seine ungemeine Höhe geben, und 
•'Beobachtungen der Sternschnuppen jetzt sich ebenfalls als 
ungemeine Höhe bekräftigend zeigen. 2. Die Bahn der 
lue scheine immer den Bedingungen der von der Erde aus 
fnen Körpern gemafs zu seyn. Wenn die Wurf bewegung 
der Oberilache der Erde ausgegangen ist, sagt Egebt, so 
le Protection der Wuriiinie nothwendig ein gröfster Kreis, 
dafs diese bei den Feuerkugeln davon verschieden sey, er- 
wenigstens nicht atis den Beobachtungen. Hier ist nun 
zu bemerken, dafs bei kurzen Balinen, und vollends 
inder genauer Beobachtung wohl die Abweichungen vom 
ikfpn Kreise leicht unbemerkt bleiben konnten; zweitens 
^ der Wen der Feuerkugeln aber auch wirklich nicht immer 
hl gröfsten Kreis als Projection dargeboten hat, wie das Bei- 
1 der Feuerkugel vom 18. Aug. 1783 zeigt, die von ihrer 
ktung abwich, als die Explosion statt gefunden hatte; aber 
lens ist auch der theoretische Satz selbst nicht genau rich- 
, indem , wenn eine mit elastischen Stoffen gelullte Kugel 



t Gilb. LXXU. 3rß. 

2 Die ttua den ReAtandllieilen der Meteorma5s<*n hergmommeneil 

idc! lasse ich hier aas den Augen« 

V 2 



228' Feuerkugel. 

zuerst nach einer bestimmten Richtung fortgeht^ gewiTs 
. Zerspringen die Bahnen der einzelnen Theikhen , selbst ai 
Erdiläche projicirt, ganz ungleich ausfallen. 

Einen wichtigern Einwurf könnte man aus dem nadi 
Verschwinden dieser Meteore übrig bleibenden Schweife 
nehmen , der gewöhnlich gar nicht fortzurücken pflegt odei 
nigstens nicht so schnell fortrückt, als es die eigene Bewf 
der Erde fordert. Wenn eine Sternschnuppe in 10 Meilen! 
nahe bei meinem Zenith verschwindet und der Schweif. 1 
auch nur 2 bis SSecnnden sichtbar, so sollte er mir, wennic 
der bewegten Erde an ihm vorbei eile , viele Grade weit 
den Sternen fortzurücken scheinen , was keineswegs der Fa! 
Ein Schweif, der so wie am 23* Oct. 1805 oder am H.. 
1741 eine Viertelstunde lang dauerte, mülste, weil die. 
»ich unterdeÜB um Tausende von Meilen von ihm entS 
längst unsichtbar geworden seyn , und man sieht daher, 
diese Schweife die Erde begleiten. Es erhellet aus dieser 
fsen Verschiedenheit zwischen der schnell fortziehenden B| 
kugel und dem stillstehenden Schweife , dals man dem lel 
eine ganz andere Beschaffenheit als der erstem beilegen 
Der Schweif begleitet die Erde und muls daher sich in i 
umgebenden Medio befinden , das dicht genug ist , diese 
muthlich ungemein dünne Materie mit fortzuführen, unc 
haben also Hoffnung , durch Beobachtung^ auszumitteln, 
hoch hinauf noch eine dazu hinreichend dichte Materie voi 
den ist. Die eigene Bewegiuig der Schweife, die nur i 
und nie in erheblichem Mafse statt findet, scheint von zwei 
schiedenen Ursachen abzuhängen , nämlich von einem gec 
Zurückbleiben hinter der Erde , und von kleinen Explos 
der vielleicht im Schweife noch übrigen dichtem Theil 
Das langsame Fortrücken gegen Süden, welches der Schwc 
23* Oct. 1805 zeigte , und das doch immer einige Meilen 1 
gen mochte, konnte nach der damaligen Richtung der Erde 
so erscheinen , wenn der Schweif sich ein wenig langsam 
die Erde bewegte , aber hätte freilich in einer einzigen Se< 
mehr betragen müssen , als es in 15 Minuten betrug , wen 
Schweif ohne alle Bewegung gewesen wäre , oder die Erc 
nicht begleitet hätte. Eine wichtigere Ursache der Veränd 
des* Schweifes acheint aber in kleinen Explosionen zu liegei 
eineu Theil des Schweifes eben so , wie t^üher einzelne 1 



Wesen derselbeu. 2*29 

' K.iigel ^ nacli einer Seite ]iin stoben ; inclefs sind damit die 
jgungen des ganzen Schweifs nicht zu erklären , wenn sie so 
B bei einer von mir beobachteten Sternschnuppe ^ als ein all- 
liges Zusammenkrümmen des ganzen Schweifs erscheinen. 
- Viel Unerklärliches also bleibt noch immer hier übrig , und 
nftige Beobachtungen können uns noch viele Belehrung ge- 
Bnren. Zu diesem Unerklärlichen gehört auch der, oft erst 
fhrere Minuten nach dem Zerspringen gehörte Knall, von wel- 
pn es ganz unglaublich scheinen würde , dab er sich durch 
pin 6 oder 8 Meilen Höhe so ungemein verdünnte Luft stark 
|tng fortpflanzen könnte , wenn nicht zahlreiche Erfahrungen 
I, dafs es dennoch wirklich so sey. 
Obgleich aber die Frage , ob die Feuerkugeln irdischen Ur-" 
sind, hiemach wohl verneinend entscliieden zu seyn 
t, so könnte man nun doch ihren Ursprung noch näher 
len wollen, und hat deshalb gefragt, ob sie von^ Monde 
herüber geworfen seyn könnten. Unmöglich wäre das 
nicht, aber theils macht die grosse Zalil der auf die Erde 
len Meteorsteine dieses unwahrscheinlich , theils auch der 
id, dafs nur die unter ßfihx bestimmtem Wiilkel vom 
le ausgeworfenen Körper die Erde erreichen könnten , und 
daher nicht glaublich , ds^fs sie von dort ihren Ursprung 

Aher wenn gleich die Feuerkugeln , aus denen feste Massen 

Erde herabfallen, nicht ursprünglich der Erde angehören^ 

es doch noch zweifelhaft , ob gerade alle Feuerkugeln und 

muppen ganz einerlei Natur haben. Vorzüglich ver- 

es eine eigene Untersuchung, wozu es noch an hiQrei- 

len Beobachtungen fehlt , ob die Feuerkugeln , die bei gro- 

Revolutionen in der untern Atmosphäre gesehen sind, in 

een Höhen entstehen , wie die^ von welchen die oben an- 
irten Beobachtungen Nachricht geben. Da doch schwerlich 
|e Feuerkugeln Ursachen der Stürme und tiefen Barometer- 
Ide seyn könne , so mu(^ man vielmehr wohl annehmen, dafs 
^•ben den Ursachen ihr Entstehen verdanken, welche jene 
uhe in der untern Luft hervorbringen ^ dann aber sind diese 



1 VersBche die Entfernnog, Geschwindigkeit nnd Bahncu der 
Dschniippen za bestimmeo , Ton BKKZE^BERc und Bhikobs S. S5. 

2 Gilb. XIV. 38. 



230 Feueri&eug» 

Feuerkugeln irdischen Ursprungs. — Doch es ist noch xt 
darüber etwas Entscheidendes zu sagen. Auch darübe] 
Feuerkugeln eine Aenderung der Temperatur in der untei 
mosphäre bewirkt haben, wage icli nichts zu behauptet 
gleich Chladni Beispiele, wo gröbere Warme gefblg 
anfuhrt. 

Dafs Ritter's Behauptungen über ihre dem magnet 
Meridian parallele Richtung über gewisse Perioden, wo su 
£ger erscheinen u. dgl. ohne Grund sind, hat Chladsi' 
hinreichend gezeigt. 

Von den heruntergefallenen Massen wird der Art. M 
steine Nachricht geben , die Nachrichten von einzelnen ] 
kugeln hier aufzuführen, habe ich für unnöthig gehaltaif 
man in CHLAnifi's oben erwähntem Werke alles hierher < 
rige gesammelt ündet. i 

Feuerzeug. 

Es giebt der Feuerzeuge gar viele und von manchen 
keines derselben ist seinem Wesen nach auf andere als ^ 
lische iPrincipien gegründet und somit für den Physiker 
ohne Interesse oder ihm in der Hauptsache fremd ; allcii 
noch würde eine Aufzählung und Beschreibun<j derselben 
so unfruchtbar als ermüdend seyn , und aulserdem werd 
selbst nebst den Grundsätzen , wonach sie construirt sid 
legentlich erwähnt werden. Nur zwei derselben verdiene 
genauere Beschreibung, nämlich das sogenannte chemUa 
das pneumatische , indem das elektrische Feuerzeug (ge^ 
eher elektrische Lampe, Zündlampe genannt) und die 
DÖBEüEixEK erfundene Abänderung dieses Apparates, b< 
chem die Entzündung des Wasserstoffgases durch Platinsch 
geschieht, an andern geeigneten Orten beschrieben ^ 
sollen. 

A. Chemisches Feuerzeug. 

Hierunter versteht man denjenigen Apparat, bei w 
eine schnelle Entzündung mit Flamme durch die chemisd 
Setzung deö chlorsauren Kali's durch Schwefelsäure < 
wirdt Das Ganze besteht daher meistens aus einem Ki 



1 Chladiü über Feuermeteore. S. 6ß* 



chctnischea. 231 

1 verschiedener willkürlicher Gestalt, worin sich ein kleinoi 
föfs mit etwas Schwefelsäure befindet, und zugleich die klei- 
Ei Schvrefelhölzchen aufbewahrt werden können , welche man 
roh eintauchen in die Schwefelsäure entzündet. Jenes Gefäis 
meistens ein kleines Gläschen , welches mit einem geeigne- 
1 Stöpsel verschlossen wird, damit die Schwefelsäure nicht 
^ viel W^asser aus der Luft anzieht, womit sie sich Vegen 
KT starken Affinität zu demselben begierig verbindet, dadurch 
zur Erzeugung einer Entzündung unbrauchbar wird. Die 
'efelsäure ist ferner sehr ätzend , und richtet dalier leicht 
len an , wenn sie verschüttet wird , auch pflegt das Ent- 
Len der Schwefelhölzchen durch dieselbe mit einigem Kni- 
verbunden zu seyn, wodurch leicht kleine Quantitäten 
»en umhergespritzt werden , wenn sie in zu grofser Menge 
£0 Schwefelhölzchen gebracht wird. Um dieses zu vermei- 
nnd da es nur einer sehr geringen Quantität derselben zur 
idung der Schwefelhölzchen bedarf, pflegt man etwas ge- 
lenen Kiessand , ungleich besser aber etwas Asbest auf den 
len der Gläschen zu bringen , damit hierdurch die Schwefel- 
aufgesogen werde , und nur eine geringe Quantität dersel- 
an die Hölzchen über^jehe. Durch län^jeren Gebrauch wird 
Schwefelsäure theils verbraucht, zuweilen zieht sie aber 
;h wiederholtes Eröffnen des Gläschens und hierdurch be- 

I 

itcn freien Zutritt der feuchten Luft zu vieles Wasser an, 
shes sie für die Folge untauglich macht. Im ersteren Falle 
nichts weiter erforderlich, als wieder einige Tropfen Säure 
zuzugiefsen, im letzteren aber thut man wohl, die wässerige 
ssigkeit erst aus dem Gläschen zu tröpfeln, auch einige 
.wefelsäure nachzuschütten, damit diese das überflüssige Wasser 
orbire , diese wässerige Säure wieder abzugiefsen , und eine 
ingc Quantität frischer Säure wieder in das Gläschen zu brin- 
Dafs man hierbei wegen der starken ätzenden Eigenschaft 
[jer Schwefelsäure mit gehöriger Vorsicht verfahren müsse , um 
ich und die umliegenden Gegenstände gegen Verletzungen zu 
fphem , versteht sich von selbst. 

;. Die Zündhölzchen^ welche gegenwärtig in grofser Menge 
abrikmäfsig verfertigt werden, sind gewöhnüche Sciiwefel- 
bölzchen mit der durch Zutritt der Schwefelsäure sich entzün- 
ienden ]\Iischung am einen Ende. Diese Mischung besteht in 
er Hauptsache aus chlorsaurem Kali und Schwefelblumen, wel-' 






. j 



232 Feuerzeug,^ 

che gemengt und durch irgend ein Bindemittel an den E 
der Hölzchen festgeklebt wird. Die gewöhnlichen Anj 
fiir diese Mischung sind 60 Th. chlorsaures Kali, 14 Th«Sc] 
felblumen, 14 Th. Benzoeharz, etwas weniges Tragantbsol 
und Zinnober ; oder 30 Th. chlorsaures Kali , 10 Tb. Sehr 
6 Th. Zucker , 5 Th. arabischer Gummi und etwas Zinno 
Diejenige Jl^Iischung, welche zu den gewöhnlichen, fabnlun 
gut bereiteten , Hölzchen genommen wird , besteht aas 30 
Schwefelblumen , 4 Th. Zinnober , 4 Th. arabischem Gni 
3 Th. Gummi Traganth , 3 Th. Kolophonium, jedes fein g 
ben , dann gemengt und abermals gerieben , dann 21 Th» 
geriebenes chlprsaures Kali zugesetzt , gut gemengt , mit M 
gem Wasser zu einem dicken Brei gerührt , jedes Schw^efell 
chen mit demjenigen Ende, woran der Schw^efel festsitst 
die Masse eingetaucht und getrocknet^. Sobald das chlos 
Kali zugesetzt ist , darf das Gemenge nur im feuchten Zuit 
gerieben werden , weil sonst leicht eine höciist gefährlicha 
plosi9n entstehen kann. Die Ursache der Entzündung 
darin, da£s die Schwefelsäure das chlorsaure Kali durch ht 
chemische Einwirkung in Chloroxyd, saures schw^efelsaurei 
und oxydirtchlorsaures Kali zerlegt, wobei das sichentwickc 
CUoroxyd die damit verbundenen brennbaren Körper des 
menges entzündet ^. Diese Entzündung theilt sich dann 
Schwefel der Hölzchen und zuletzt diesen selbst mit , wesi» 
man diese Zündhölzchen zuerst als gemeine Schwefelhöh 
verfertigt , und dann eine geringe Quantität der zündenden 
stanz an den Schwefel bringt. 

B. Pneumatisches Feuerzeug. 

Das pneumatische Feuerzeug (briqnet pneumatii 
auch Tachopyrion genannt, hat seinen Namen davon, daj 
Compression der Luft die Entzündung der leicht feuerfangi 
Körper in demselben bewirkt. Ueber die Ursache des g 
Phänomens und die* dasselbe begleitenden Umstände wai 
nur im Anfange zweifelhaft ; gegenwärtig ist es durch \ 
gende Thatsachen erwiesen, dafs die durch Compressio: 

1 Gmelin's Ilandb. d. Chemie SteAnfl. I. S. 558. 

2 UiKGLER polyteclioisches Joum. XVIII. 121. 
5 Gmelin a. a, O, 



pneumatisches. 233 

k. £rei werdende .Wanne aus dieser letzteren ans^^eschieden 
ii und zugleich Ursache des Entzündens leieht verbrennli- 
^Körper ist. Diesemnach ist denn auch das pneumatische 
jhrzeng nichts anders als eine geeignete Compressionspnmpe, 
ler Vorrichtung, um den Zündschwamm in denjenigen 
SU bringen, in welchem die Luft plötzlich und stark 
tengedriickt wird. Dafs die Compression recht schnell 
len müsse , wenn der Versuch gelingen soll , folgt schon 
nothwendig , weil sonst die erzeugte Wärme den nmge- 
dichteren Körpern mitgetheilt wird , und son&it auf die 
entzündbaren Körper keine Wirkung äufsern kann. An- 
^bediente man sich der gewöhnlichen Compression spumpen 
W^indbüchsen , bald nachher aber, als die Sache wegen 
^enheit Aufsehen und Beifall erhielt, verfertigte man klei- 
3 Z. lange und 0,3 Z. im Durchmesser haltende mes- 
Feaerzeuge, welche zum Behuf des Entzündens von 
ramm in der Tasche getragen wurden oder auch in 
itzieTStöcken enthalten waren. Der an einem eisernen 
befestigte Embolus ist hierbei nur 6 bis 9 Lin. lang, hat 
dnex obern Fläche ein krummgebogenes eisernes Häkchen, 
SS etwa 0,75 Lin. von jener Fläche absteht und zur Befe- 
des Zündschwammes dient, zugleich aber berührt der 
hineingestofsene Embolus die untere Fläche des hohlen 
len CyKnders nicht , sondern nähert sich demselben nur 
den Abstand von etwa 1 bis 2 Lin., damit der entzündete 
nicht durch die Berührung des metallenen Bodens 
erlöschen möge. Beim Gebrauche dieses Apparates ist 
jr nicht Hofs erforderlich, den Embolus schnell hinein zu- 
sondern man mufs ihn auch mit gröfster Geschwindig- 
^wieder zurückziehen, damit der glühende Schwamm nicht 
renige , in dem engen Baimie befindliche Sauerstoffgas ver- 
und wieder erlösche. Zum GeUn<ien des Versuches ist 
ich keineswegs ein so genaues Schliefsen des Embolus er- 
dich, dafs keine Luft neben demselben entweiche, viel- 
\rä'd die Entzündung dennoch erfolgen , wenn auch die 
dem StoDse in dem Räume befindliche Luft keinen hohen 
deSr Dichtigkeit mehr besitzt, unter der Voiaussetzung, 
I nur die Compression selbst schnell genug geschieht. Qb^ 
ch die Entzündung des Schwammes vermittelst dieses Werk- 
ges mit grofser Sicherheit erfolgt, so hat die praktische An- 



234 Feuerzeug, 

wendang desselben doch in so fem etwas widex sich, 
jederzeit einen kräftigen Stols anwenden, und dabei 
Ende des Feuerzeuges auf einen harten Gegenstand, 
Tisch , einen Stein u. dgl. stützen miifs , um hinlängl 
derstand zu finden^. Diese kleine, durch den Reiz der] 
heit früher sehr allgemein verbreiteten Tachopyrien sind; 
bald wieder aus der Mode gekommen, beweisen indebdeni 
tigen Satz , dals zur Entzündung des Schwammes eine 
bedeutende Compression der Luft gar nicht erforderlich ii 
dem bei der geringen Länge jener kleinen Werkzeage der! 
in welchem der Schwamm entzündet wird ^ keine in eil 
hen Grade vielfach verdichtete Luft enthalten kann. '\To| 
len des Beispiels wegen annehmen, der Raum zwiscfai 
Embolus und dem Boden des messingnen Cylinders b( 
und dieser sey am Ende des Stolses so weit vermindc 
sich der Schwamm noch in einem Räume von 2 Lin. 
habe, so war die Verdichtung der Luft, wenn man keil 
derselben als entWichen annimmt, nicht mehr als die 
fathe, -welche in der Wirklichkeit aber leicht auf f also 
zwölffache herabgesetzt werden kann. 

Diejenigen Tachopyrien, welche gegenwärtig mit| 
als unentbehrliche Apparate der physikalischen Cabinel 
sphen werden, sind zuerst vonDüxMOUTiEz in Paris v«rfei 
Sie bestehen aus einem gläsernen Cylinder, w^elches 
■jener Künstler deswegen wählte , weil man begierig 
pj bei der Compression sich zeigenden Nebel und die damil 
41. verbundene Lichtentwickelung zu sehen. Der hohle 
Cylinder aa ist 8 bis 10 Zoll lang, 2 bis 3 Lin. im Licht 
und von etwa 2 bis 3 Lin. Glasesdicke, wobei sich von ^ 
versteht , dals diese MaTse nur die mittleren sind , und 



1 Newmarch in Gloccstershire hat vor Kurzem Schiefsi 
mit kleinen Tachopyrien versehen, um das Pulver durch blofs« 
pression der Luft zu entzünden. Bei diesen liegt eine kurze Cc 
sionspumpe im Flintenkolben, deren Stempel durch eine st 
spannte Spiralfeder fortgestofsen wird, und die comprimirte 
einen engen , mit der Pulverkammer commuuicirendeu Canal 
um das Pulver zu entzünden. S. Lönd. Journ. of Arts 1826. 
p. 72, Die Erfindung wird aber keinen Beifall finden, weil sich 
ergiebt, dafs sie in vielfacher Hinsicht nicht zweckmäfsig ist. 

2 Vergl. G. XXV. 118. 



pneumatisches. 235 

I feste Norm besteht. Der Cylinder wird vermittelst einer 
emen Regel mit Schmirgel warm ausgeschlifien , um genau 
idiisch. zu seyn , bei welcher Operation schlecht gekülütes 
leicht zu zerspringen pflegt , dann wird er oben mit einer 
nngnen Fassung und dem buxbaumenen Knopfe b völlig 
ticJit verschlossen, jedoch meistens so, dafs man den Knopf 
lirauben , und somit auch das obere Ende öffnen kann , und 
^ontem £nde wird gleichfalls eine messingne Fassung ange- 
At; Der Embolus ist 1,23 bis 1,5 Zoll lang, mit Leder 
Bogen und geölt, endigt oben in einen messingnen Ring so, 
Keine Vertiefung entsteht, in welche ein Stück Schwamm 
i^erden kann , und damit dieser den Boden des Cylin- 
Hineinstofsen des Embolus nicht berührt, ist in der 
len Fassung des hölzernen GriiFes bei c c ein Stück Kork 
Lt, welches den etwaigen Stofs gegen das Ende des 
Ion minder hart macht. Auch bei diesem Apparate ist 
Gelingen des Versuches keineswegs erforderlich, dafs der 
absolut schliefse, und keine Luft entweichen lasse, 
»hr habe ich mehrere Tachopyrien versucht, bei denen ich 
ibolus ohne grofse Anstrengung bis auf den Boden desCy- 
driicken konnte , und dennoch erfolgt die Entzündung 
Ibar , Wenn der Stofs nur rasch genug vollführt wird. 

[Die physikalischen Gesetze, worauf das pneumatische 
icug gegründet ist, können hier nicht erörtert werden, in- 
.sie mit der ganz allgemein stattfindenden Entbindung der 
le durch Compression innigst verwebt sind *, und es bleibt 
nur noch übrig, die Geschichte der Erfindung desselben 
die wchtigsten damit beobachteten Erscheinungen näher an- 
heben. Man Wülste schon längst, namentlich aus Dalto^j's 
■suchen, dafs durch Compressioil der atmosphärischen Luft 
Ibme erzeugt werde, allein nicht auf diesem Wege, sondern 
ehst wahrscheinlich durch blofsen Zufall ist die Entdeckung 
■ Tachopyrion gemacht. Ein Arbeiter in der Gewehrfabrik zu 
|enne en Forez scheint nämlich die Wärme wahrgenommen 
k haben, welche die in der gemeinen Ladungspumpe einer 
indbüchse comprimirte Luft hergiebt, und hat wahrschein- 
Ii auf diese Weise zuerst den Zündschwamm zum Brennen ge- 



1 S. Wärme ^ Erzeugung derselben durch Comprenion* 



336 Feuerzeug. 

bracht^. Mollvt, Prof. der Physik in Lyon, lernte 
scheinung kennen , und theüte die Nachricht darüber nac 
•mit^, wo die Sache grofses Aufsehen ettegte , und d< 
Charles vom Institute veranlafst wurde, sie naher za 
Inzwischen glaubte man anfangs, die in einer Windbüclu 
f primirte und dann explodirende Luft biewirke die £ntz£ 
welches aber durch die Versuche nicht bestätigt vnude, v 
war daher in Paris geneigt, die ganze Angabe für nngej 
zu halten, bis ein Augenzeuge, welcher die Versoc 
SIoLLET gesehen hatte , sie wiederholte , und dadurch di 
tlge Ansicht derselben herbeiführte. Von nun an wurd 
Entdeckung sowohl in Frankreich, als auch in Deutschla 
kannt^, und man wiederholte sehr allgemein diese intere 
Versuche« Der erste , w^elcher sich in Deutschland dai 
schäftigte, und die Resultate seiner Versuche bekannt I 
war Eamait ^. Ihm gelang die Entzündung des Zündsd 
mes , wenn er ihn oben in die fest verschlossene Oeffnmi] 
gemeinen Compressionspumpe der Windbüchse brachte, 
vollkommen, wenn er die Luft nur etwa auf das Zwölf&d 
dichtete, w^eil er aber zugleich gefunden zu haben glaubt 
andern Substanzen keine bedeutende Temperatnrerhöhufl 
getheilt werde, wenn er sie statt des Schwammes in 
Kaum brachte , und er selbst das leichtflüssige Rose'sche 
nicht zum Schmelzen bringen konnte , so leitete er das E 
don des Schwammes von einer Reibung der Luft an den 
Fasern des Schwammes und einer hiermit verbundene 
sammendrückung und Biegung derselben ab , \vogegc 
aber gleich anfangs AVrede erklärte*. Eine lange bei dfl 
sikern herrschende Ansicht war, dafs diurch Compressi 
Luft dasSauerstoft^as ausiieschieden werde, und die Entzi 
bewirke , worauf auch der Umstand hindeutete, dafs dur 
che Gasarten, worin sich jenes Gas nicht befand , keine E 
duD<; hervorgebracht werden kann: inzwischen ist sej:« 
genugsam erwiesen, dafs auch diese allerdings durch Verdi 



1 h d. Pk. LX!I. S56, 

S Ebend, LVni. 437. 

S liAtT« Litholoitie atmo5pheriq«e. Far. ISOS. 8. 

4 G. XV m, ^40. 

5 C. XYUL 4C6L 



pneumatisches. * 237 

le liergeben , wobei die nicht erfolgende Entzündung aus 
i\ Gründen leicht erUarbar ist. 

^Veit genügendere Resultate erhiek Gilbert ^ mit einer 
ds ilir diesen Zweck verfertigten eisernen Compressions- 
1«. £8 gelang ihm hiermit nicht blofs den Schwamm zu 
inden , sondern auch das Rose^sche Metall zu schmelzen, 
|Wolle allein oder mit Kolophonium , Sehwefelblumen und 
|lf«piilver bestreuet, oder mit Terpentinöl und Schwefeläther 
Ppt , Leinw^and und Papierschnitzeln zu verkohlen , und in 
Leisten Fällen aus dem entstandenen Rauche zu folgern, 
"wirkliches Brennen statt gefunden haben mufste. Hier^ 
[ab sich nun evident , dals die Ursache der Erhitzung nicht 
Compression oder Biegung der festen Körper, auch nicht 
Reibung der Luft an diesen oder an den festen Wän* 
Compressionspumpe und eben so wenig in einer Rei- 
ides Embolus an den letzteren liegen könne , sondern dafs 
^'rme einzig und allein aus der comprimirten Luft selbst 
sden seyn mufste. Gleich entscheidende Versuche wur- 
in Paris angestellt, imter denen die von Bxot die um- 
Isten und wichtigsten sind. Dieser Physiker Hefs sich 
IMieme Compressionspumpe exprefs hieifür verfertigen, und 
einer dicken Spiegelglasplatte bedecken , konnte indels 
Ltschein , welchen er bei der Compression der atmosphä- 
Luft erwartete und in andern Versuchen wahrgenom- 
kben wollte , wahrscheinlich der schnellen Bewegung hal- 
lt sehen. Sehr interessant dagegen war es, dafs. er die 
lete Entzündung des Knallgases durch blolse Zusammen- 
lg in diesem Apparate bewerkstelligte , wobei aber in den 
ersten Versuchen die Glasscheibe zerschlagen imd in ei- 
dritten selbst die Pumpe zerrissen wurde ^. 
iVLch. nach Biot's Ansicht, welche seitdem aus hinreichen- 
Linden allgemein angenommen ist , wird die bei den ge- 
in Versuchen frei werdende Wärme zunächst blofe aus der 
ich .verdichteten Luft ausgeschieden , indem der aus den 
immengedrückten festen Körpern hinzukommende Antheil als 
pdeutend vernachlässigt werden kann. Seitdem sind die Ver- 
le mit dem pneumatischen Feuerzeuge zwar noch oft wieder- 



1 Annalen XVUl. 407. 

t Ann. de Ciiim. LUI. 321. 



238 Feuerzeug, 

holt, allein es ist nichts Neues durch dieselben mehr anf; 
den. Als die bedeutendsten unter diesen verdienen eti 
von Lb BouTisR-DESMOfiTiER genannt zu werden, yR 
fand , da(s die Entzündung nicht erfolgte, \>7enn das obere 
des Feuerzeuges nicht luftdicht schlofs, Avolil aber dann, 
der Embolus Luft neben sich entweichen liefs. Letzt« 
jetzt allgemein bekannt, denn es giebt wohl kaum ein 9 
W^erkzeug, welches bei dem erforderlichen heftigen Stofso 
einen geringeren oder gröfseren , oft einen bedeutenden, k 
der Luft entweichen liefse. Merkwürdij; bleibt es aberdei 
daCs Le Bouvier - Desmortier in den Embolus der! 
nach zuerst einen , dann zwei , dann drei und endlich gl 
Reifen von 0,25 Lin. Tiefe einschneiden liefs, und de 
erfolgte die Entzündung des Schi^ammes, hörte aber ai 
alle vier Reifen ihrer Gröfse nach in einen einzigen vd 
wurden ^. 

Setzen wir afuvörderst die Richtigkeit jener oberen ub 
ser letzteren Behauptung voraus, welche auf den ersten 
mit einander unverträglich scheinen, so ist die Erklärung ▼ 
ner schwieriger als von dieser. Es folgt nämlich aus pn 
tischen Gesetzen, daf» eine gewisse Zeit erfordert wird , 1 
auf der obern Fläche des Embolus ruhende Luftschich 
den OefTnungen am Rande desselben abfliefst, und man 
sich daher auf gewisse Weise vorstellen , dafs zunächst e 
in der «ganzen Lant»e des hohlen Cvlinders befindlichen 
Säulen, deren Basis auf den OefFnungen im Embolus ruhi 
der Bewegung des letzteren entweichen , während die 
Mitte desselben aufliegende Luftsäule zusammengeprefat 
nnd die Entzündung des Sch^vammes bewirkt , welches 
leichter geschehen kann , als oben angegebenen Erfoh 
nach kaum eine zwölffache Verdichtung der Luft hierzu 
dert wird. Die hierbei angenommenen Voraussetzunge 
zwar nicht strenge richtig , allein doch genähert ; eine \ 
nung aber, wie stark die Verdichtung bei einer gegebenen 
des Cylinders und der Einschnitte in den Embolus, desg 
einer bestimmten Geschwindigkeit der Comprimirung sey, 
vregen der zunehmend vermehrten Dichtigkeit auf \ 
Schwierigkeiten führen , als die Aufgabe wetth ist. Da 



1 G. XXX. 268 ff. Vergl. XXXIII. 228 CT. 



. ? 



p n e u m a l i ü c h c s. ?39 

•r IQ einen einzigen vereinten Einschnitte, wenn anders 
um dieses letzteren der Summe jener ersteren genau aqni- 
-^WATj keine weitere Entzündung des Schwammes zuliefsen, 
darin seinen Grund haben , dafs diie kleineren Reifen in 
af allen Fall elastischen Embolus durch den Gegendruck 
Tandiingen des Cylind^rs noch mehr zusammengedrückt 
n, und somit als sehr enge Canäle der durchströmenden 
9 einen gröfseren Widerstand entgegensetzten, als ein ein- 
«reiter Canol, eine Erklärung, welche auch Lc Bouvica- 
uiTiEH von der Erscheinung gegeben hat. Ungleich 
■riger ist es , die Ursache aufzufinden , warum die Ent- 
lig des Schwammes nicht statt findet, wenn das Feuerzeug 
Mcht genügend verschlossen ist, vorausgesetzt dafs die 
|hil der doit entweichenden Luft nicht gröfser ist als die- 
1^ welche neben dem Embolus oder durch die Reifen in 
Üben ausströmt«. Die einzige Erklärung , welche mir imter 
Igegebenen Bedingung als möglich ersciieint , ist folgende« 
fcdas obere Ende des Cylinders genau verschlossen ist, so 
ier za entzündende Schwamm entweder nahe unter dem- 
ft oder über dem beweglichen Embolus angebracht seyn, 
vrird er sich in einer an Dichtigkeit zunehmenden Luft 
len, und zwar im ersteren Falle noch mehr als im letzteren, 
I die entw^eichende Luftmenge nicht über die nothwendige 
|l hinausgeht. Entweicht dagegen Luft neben dem ver- 
landen Knopfe, und befindet sich der Schwamm dicht 
(demselben , so wird gerade in seiner Umgebung eine stete 
luon der Luft durch ihr der Stärke der Compression propor- 
iss Entweichen stattfinden, welches die Wirkungen der Zu- 
endrückung mindestens zum Theil wieder aufhebt. Ist 
Ier Schwamm über dem Embolus oder in einer Höhlung im 
a. Theile desselben befestigt, so ist der Embolus das Be- 
i, und die zunächst über ihm befindliche Luftschicht wird 
lädLSten comprimirt seyn, weil doch allezeit einige, wenn 
»ehr kurze Zeit erforderlich ist, bis die beginnende und 
'ortgesetzter Bewegung des Embolus stets wachsende Dich- 
k sich der in der ganzen Länge des Cvlinders befindlichen 
Vmle mittheilt. Wenn nun Luft neben dem oberen ver- 
eisenden Knopfe der Compressionspumpe entweichen kann^ 
ird'bei zunehmender Verdichtung der Luft das Maximum 
Dichtigkeit über der Oberfläche des Embolus , das Mini- 



I • 



240 Filtriren. 

mum nnter dem verschliefsenden Knopfe seyn , und k 
bei stets dauernder Expansion derselben keine Sntziind 
zeugt werden , wo sich auch immer der Schwanm befind 
Man bemerkt allezeit oder mindestens oft einen Licl 
und einen bedeutend dichten Dunst im pneumatischen 
zeuge, war aber nicht allezeit über die Ursache dieser ] 
aung einig, indem Le Bowier-Deshortieil sogar det 
fiir ausgeschiedenen Wärmestoff halten wollte. Wenn n 
berücksichtigt, was fiir> eine bedeutende Warme da 
schnelle Compression der Luft firei wird, so muls es al 
wendig erscheinen, dafs eine hinlängliche Menge des 
vorhandenen Oeles oder selbst vom Leder des Kolbens ix 
verwandelt wird, welcher durch augenblicklich erfolga 
kühlung als Dunst zum Vorschein kommt. Ist auTserden 
schwamm oder ein sonstiger leicht feuerfangender KtJ 
Feuerzeuge befindlich , so entsteht allezeit eine mehr od 
der vollständige Verbrennung^ woraus der Dunst oder 
liehe Rauch x^m zu leicht erklärbar wird. Das wah 
mene Licht aber ist entweder ein eigentlicher Funke: 

o 

entsteht im Momente des Erglühens des Schw^ammes, 
isf ein blofser Lichtschein , welchen man am leichtesten 
nem schwachen Glühen des gebildeten Dampfes erkläi 
für eine Art Phosphorescenz halten könnte. Letztere! 
für einige Fälle alsdann angenommen werden , w^enn es 
det ist, dafs nach Dessaigne's Versuchen* auch schi 
stark comprimirtes Wasser nicht blök Wärme frei macht 
nicht zu zweifeln ist) , sondern auch einen schwacher 
schein wahrnehmen läfst. Einige Physiker haben dies* 
cntwickelung , so wie alle Erscheinungen , w^elche das 
pyrion darbietet, mit dem bekannten Windbüchsenl 
Verbindung bringen w^ollen , aliein von diesem letzterei 
immer etwas räthselhaften , Phänomene wird noch Ix 
gehandelt werdeur 

Filtriren. 

Seihen, Durchseihenj Filiratioy Colaiii 
tration; Filtration. 



1 J. de Pbys. LXXUI. 41. 






Filtriren. 241 

Das JFiliriren, auch die Filfrirung, Durchseihung ge- 
lt , bezeichnet den Act des langsamen Durchlaufens, Durch-* 
gens der Flüssigkeiten durch schwammige, poröse und 
ere Körper, 'wobei die den Flüssigkeiten mechanisch beige*- 
gten Substanzen durch den Widerstand , welchen die nahe 
einander liegenden Theile des Filtrirungsapparates ihnen 
jegensetzen, zurückgehalten werden, die Flüssigkeiten selbst 
: durch die feinen Zwischenräume dringen,, und daher in der 
d hell und gereinigt wieder zum Vorschein kommen. Sol- 
Aibstanzen aber, welche mit den Flüssigkeiten chemisch 
Innden odet auch nur vollständig von ihnen aufgelöst sind, 
Ben durch ein Filtrum nicht abgeschieden werden. Im All- 
NUien dient daher das Filtriren dazu, trübe Flüssigkeiten von 
raiedianisch beigemengten Körpern zu trennen, sie reiner 
pitlHller zu machen; in vielen Fällen aber, wenn die locke« 
rfltrirenden Körper zum Theil aus Substanzen bestehen oder 
f^^ solchen gemengt sind, welche' von den durch sie dringen* 
ifliissigkeiten aufgelöst werden , so nehmen diese von jenen 
rpülsere oder geringere Menge auf, und können sonach un - 
Kr seyn als sie vor dem Filtriren waren ; meistens sind sie 
IT hell, zuweilen aber werden sie durch unreine FiltrirungS'* 
Nuzen selbst trübe. 

|f>Um die Uebersicht der verschiedenen Filtrirungsprocesse 
■leichtern und von den sehr mannigfaltigen Arten derselben 
jNrichtigsten hervorzuheben, lassen sie sich am besten in na-- 
}f€he und künstliche abtheilen« Die in der Natur vorkom« 
iien Filtrirungen sind höchst zahlreich, und bestehen haupt-« 
Ifich im Durchdringen des atmosphärischen Wassers durch 
i und lockeres Erdreich. Nur in zwei Arten von Erschein- 
gen verdient indefs dieser Procefs vorzügHche Beachtung, 
dich zuerst bei der Bildung der Quellen und alsdann bei der 
ftehung des Tropfs teinwassers. Beide sind zwar ganz eigent- 
le Filtrirungen , welche noch aufserdem das Eigenthümliche 
«n, dafs in beiden Fällen das reine Wasser eine gröfsere 
T geringere Menge Stofife aus der fUtrirenden Substanz auf- 
unt und dadurch verunreinigt wird ; weil aber jeder dieser 
toesse eine besondere Erläuterung verdient^, so können sie 
r nur im Allgemeinen erwähnt werden. 



1 ^' Quellen und Tropf nein^ 
Y. Bd. 



242 Filtriren. 

Anunphrnentl znlilreich und manni^fulti«; sind die MV«/« 

Filtrirungen. Unter diese Classe gehören diejenigen Prc 

Vielehe in der Oekonomie, Technologie und vorzüglic 

Chemie in ' groi'ser Zahl und unter den verschiedensten M 

cationen vorkommen, im Allgemeinen aber, hauptsächlic 

den beiden ersteren Arten , sämmtlich darauf hinauslaufen 

man entweder feste Substanzen von einem mit ihnen veri 

ten flüssigen Mittel zu scheiden sucht , oder eine mit uni 

lösten Stoffen verbundene Flüssigkeit von diesen zu tri 

beabsichtigt, oder endlich einen Extract aus verschied 

meistens pulverisirten Körpern zu erhalten verlangt, vro\ 

Filtrirungsapparat häufig die Reatt^che Extract ion9 - Prtn^ 

gewandt zu Werden pflegt. Häufig wird hierbei die eii 

getrennten Substanzen, entweder die Flüssigkeit oder der 

bleibende feste Körper, als unbrauchbar weggeworfen , in 

chen Fällen werden sie aber beide benutzt. Unter die (fl 

mischen -Filtrirungsproc esse gehört z. B. das Durchseiht 

Milch , das Abscheiden der Molken von den käsigen Tli 

die gewöhnliche Filtrirung desKafFee's u. dgl. m. Die ha 

nischen Proceissen und in Fabriken vorkommenden Fihrin 

sind meistens bestimmten Regeln unterworfen, w^elchi 

nicht erwähnt w^erden können , und daher mögen des Bei 

wegen nur genannt werden das Absondern der Bierwün 

den Trestem, die Reinigung der verschiedenpn Laugen vc 

beigemengten heterogenen Theilen u. dgl. Die FUira (O 

afihtr y Seifur), deren man sich in diesen Fällen bedient 

oft blofse leinene Tücher; Filze, dickere oder dünnere w 

Zeuge, feine Geflechte von Pferdehaaren (Haarsiebe), 

fein durchlöcherte Bleche und zuweilen nur Strohmatten 

Strohwische, welche letzteren vor den Abflufslöchem i 

breitet werden. Man wählt dann nach dem jedesmalige 

dürfnisse sowohl den Stoff als auch die Gestalt , wendet al 

Grolsen meistens spitz zulaufende Beutel (^Filtrirsäcke ; m 

HipporraliK) oder viereckige , in den vier Winkeln eine 

zemen Rahmens, des Ttenakels, ausgespannte Tücher an. 

diese Tücher wird dann auch wohl Fliefspapier gelegt, w 

wegen seines dichteren Geinges und seiner die Flüssigkeitei 

saugenden Eigenschaft zu diesem Behufe am meisten geeigc 



1 S. PresiCy hydrostatische. 



Pillriren. 243 

Hei "weiteni am häufigsten kommt das Filtrlren bei pharma* 
^mchfn nnd ch^mUvhtn Processen vot. Hierbei ist haupt'- 

t 

ilich zu beobachten, 1. dafs das Filtrum von der zu filtri- 
len Flüssigkeit nicht zerstört werde , 2. dafs keine Bestand- 
le von jenem in diese übergehen; 3* dafs die Flüssigkeit 
!h das Filtram drin*;e. Hiernach- sind wollene Zense und 
les Fiiefspapier für alkalische Laugen nicht geeignet, wohl 
r nngeleimtes Druckpapier und leinene oder auch baumwol- 
» Zeuge ; starke Säuren aber können nur durch gewaschenen 
len Quarzsand oder pulverisirtes Glas fiftrirt werden. In bei 
fem den meisten Fallen bedient man sich des ungeleimten 
ickpapiers, w^elches zu diesem Zwecke vorzüglich geeignet ist, 
p dasselbe kegelförmig zusammen, oder legt es von der Mitte 
||Vi eine Menge nach oben an Breite zunehmende Falten , stellt 
IltiDenausHolzstäbclien oder Glasröhrchen verfertigten kegel- 
kflgen Filtrirkorb , oder gewöhnlicher in einen gläsernen Tricli- 
\ in welchen man zugleich einige feine Stäbchen von Glas 
Ü Holz oder Stroh- und Gras-Hälmchen stellt, damit das 
iKksaihen nicht durch zu nahes Anliegen an die Wandungen 
I Trichters erschwert werde , welches übrigens bei einem gut 
illteten Filtro nicht nöthig ist K 

<> Die Filtra werden zu gar vielfachen Zwecken gebraucht, 

fcxum u4uaUiii^t'n, ^tiasiif-ien u« dgl., hauptsächlich aber bei den 

il^«»/i , um die in den Flüssigkeiten aufgelöseten Substanzen 

iden in ihnen unlösbaren zu scheiden. Ist es hierbei blols 

(die Flüssigkeit und die in ihr enthaltenen Substanzen zu 

h, so wird das Filtrum unbeachtet weggeworfen. Selten ist 

las aber der Fall^ sondern meistens verlangt man nicht blots 

'Flüssigkeit von den in ihr enthaltenen unaufgelöseten Sub- 

Ben zii trennen, sondern ist dabei zugleich auch genöthigt, 

(Quantität beider nach Mafs und Gewicht zu bestimmen. In 

Regel aber bleiben Theile der festen Stoffe am Filtro hän- 

li und wenn die Quantitäten dann geringe sind, so erschwert 

les eine genaue Gewichtsbestimmung. Um die letztere zu 

■Iten, wendet der Chemiker verschiedene, hier nicht stimmt- 

kzu erwähnende Mittel ap, unter denen eins der gewöhn- 

Hten ist, das hygroskopisch wirkende Filtrum vorher auf einen 



l Vergl. Encycloprfflie me«liodique IH. 163. Klaprotit nnd WoLr 
*DiiAclie« Wörterbuch I. 683. 

y 2 



244 Filtriren. 

bestimmten Grad der Warme, z. B. die des siedenden 1/ 
EU erheben , zu wiegen , nachher durch einen gleichen Hi 
wieder Alf gleiche Weise auszutrocknen, und die Quam 
adhärirenden Theile durch die Zunahme des Gewichts 

I 

stimmen, 

Jüngsthin hat DovovAV ^ einen Filtrir - Apparat ang 
vermittelst - dessen während der Operation des Filtrirens 
tritt der auberen Luft abgehalten wird , für diejenigen F 
denen Bestandtheile aus derselben sich mit der zu fihi 
Substanz verbinden könnten. Die ganze Einrichtung ist 
a£* Figur leicht erkennbar. Es ist nämlich ab der Trichter 
dessen etwas weite Oeffiiung das Filtrum oder die das 1 
•bewirkende Substanz eingebracht, und er Selbst dann nü 
filtxirenden Flüssigkeit angefüllt wird. Das untere Ende 
ben ist in das GefäCs c eingeschmirgelt , und damit die is 
enthaltene Luft das Ablaufen der Flüssigkeit nicht bind 
Seitwärts die gebogene Röhre g angebracht , in deren C 
die zweimal rechtwinklich gebogene Röhre eingesc 
ist, deren anderes Ende mit einem gleichfalls eingeschn 
hohlen Glasstöpsel die obere OefFnung des Trichters ven 
Leichter und wohlfeiler wählt man eine blolse zweimal g 
Glasröhre, und steckt deren Enden durch hohle Kor 
womit man zugleich die beiden angegebenen OefFnung 
dicht verischlielst. Hiernach steigt also die in dem C 
comprimirte Luft durch das Rohr wieder über die Flüssi 
Trichter, so dals in beiden Räumen Luft von gleicher 
keit enthalten ist , und das Herabfliefsen der schwereren 
ren Flüssigkeit nicht gehindert wird. Hebt man die R* 
in die Höhe, so kann man neue Flüssigkeit in den 
nachgielsen. Ganz unnütz, noch weniger aber zwe 
construirt kann dieser Apparat nicht genannt werden , i 
nicht blofs das Verdampfen der Flüssigkeit hindert, sonc 
besondere auch manche stark hygroskopisch wirkende Fli 
ten gegen die Aufnahme der Feuchtigkeit aus der atm 
sehen Luft schützt. Vermittelst desselben lassen sich da 
concentrirte Säuren leicht filtriren , in welchem Falle d« 
Ende des Trichters ganz unten mit gröberen , weiter hei 
mit zunehmend feineren Stücken zerstolsenen Glases angefi 



1 Ann. of Phil.i N. S. XI. 115. 



Filtriren. 245 

Vorzüglich hat man sich häufig bemühet, durch dieProcesse 
Filtnrens triibes Wasser reiner, klarer und somit angenehmer 
übai zu machen. Dals völlig in demselben aufgelösete Sub- 
len, namentlich Salze , auf diese Weise nicht aus ihm ge- 
eden werden können, man daher nicht vermögend ist, das 
vasser hierdurch trinkbar zu machen, entdeckte man bald, 
Hefs sich dieses auch aus theoretischen Gründen erwarten, 
l aber lassen sich die verunreinigenden und trübenden Sub-* 
■en hierdurch abscheiden. Weil eine solche Filtrirung in 
Regel im Grofsen geschehen mufs, und keine bedeutende 
IBD verursachen darf, so ahmt man hierbei am besten die na- 
jdi^D Filtrationen nach^ und lalst das Wasser durch einehin- 
Kch dicke Lage Sand laufen , welche leicht durch eine neue 
Jf^ werden kann. Allein das trübe Wasser hat in der Regel 
Incbe und vegetabilische Stoffe aufgelöset , welche ihm einen 
püchen Geschmack geben, der Gesundheit nachtheilig sind, 
(.durch eine solche einfache Filtrirung nicht abgeschieden 
|en können ; dennoch aber liegt gar viel daran, hiergegen ein 
^ zu finden, da manche Gegenden kein anderes als auf sol- 
[Weise verunreinigtes Wasser haben. Als daher Lowitz 
intiseptische oder fäulnifszerstörende Eigenschaft der bischen 

thle entdeckt hatte, benutzte man diese Substanz zu dem 
ten Zwecke. Lowitz selbst wandte yV des Gewichtes 
it ausgeglühete und pulverisirte Holzkohle an , mischte das 
pne Wasser damit und filtrirte es dann, oder er liels dasselbe 
l^die festgestampften pulverisirten Kohlen filtriren^ Es er- 

tsich indefs bald, dafs dieses Mittel zwar genügend, aber 
yben zugleich mühsam und kostspielig ist. Nachher ent- 
kte er, dals ein Zusatz von Schwefelsäure die reinigende 
6 der Kohlen bedeutend verstärke, indem. 24 Tropfen Schwe- 
inre zu 6 gros Kohlenpulver getröpfelt die Kraft des letzte- 
:ao sehr erhöheten, dafs es nur -^ desselben dem Gewichte 
|k bedurfte, um dem Wasser seinen faulen Geschmack zu 
iten. Aber auch dieses Mittel ist wegen seiner Kostbarkeit 
I Weitläuftigkeit nicht in Anwendung gekommen , aufser in 
logenannten unveränderlichen Filtrirapparaten , welche noch 
kurze ^Erwähnung verdienen. 



. Nor« Act. Pet. VI« Hist. p. 63. Ebend. X. 187. und ein aosfdlir- 
r Nachtrag ebend. XV. Sfß. Vergl. Ann. de Ghim. XYÜI. 88. 



346 Filtriren. 

Im Anfange diesies Jahrhunderts nlimlich macliten I 
CuCRBT und Mo]tfTFOiiT in Paris die von ihnen erfni 
Wasserreinigüngsmaaehinen unter dem pomphaften Nam 
unveränderlichen Filtrir - j4pparate (ültres inalter 

iiltres depurätoires^ föntnines filtrantes) bekannt 
zeigten auch durch einige angestellte Versuche die ungläi 
Kraft derselben, indem höchst unreines, stinkendes ui 
niodeniden thierischeh Stollen gesättigtes Wasser oder 
geist in die Maschine gegössen wurden , und ganz rein 
nlid trinkbar abliefen. Wegen dieser Wirkungen und ud 
Voraussetzung , dafs die Apparate diese ihre Kraft unvei 
Hch beibehalten würden , schafften sich viele dieselben ü: 
geachtet ihrer Kostbarkeit. Als sie aber von einigen Sa 
nern aus einander genommen und näher untersucht wurdi 
gab sich bald, dafs sie ganz nach dem Lou^iiz* sc h^n P 
Gonsfruirt Wären , und daher auf Jie Eigenschaft der Ui 
derlichkeit durchaus keinen Anspruch machen konnten. 1 
Itatiden nämlich aus einer- Lage Badeschwamm, ttm dii 
steh Ünreinigkeiten zurück zu halten , und unter dieser i 
wechselnden Schichten von Sand und Kohlenpnlver, 
der erstere die feineren verunreinigenden Stoffe mechani 
rtick hielt, letzteres aber die eigentliche Zerstörung de 
bewil4tte. " Es ergab sich sonach eben so klar aus theor« 
Gründen als aus genauen prüfenden Versuchen einer 
hierzu vereinigten Commission, dafs sie ungeachtet ih 
fänglichen auffallenden Wirkungen ihre Kraft bald v 
mufsten , weil die Badeschwämme verstopft und die 
allmalig mit den verunreinigenden Substanzen gesättigt w 
In einigen, etwas längere Zeit wirksamen Maschinen 
auch aufser den angegebenen Schichten abwechseln< 
Braunstein und Sand gefunden, indem der Braunstei 
stark antiseptisch wirkt, aber \Vegen leicht möglicher und sc 
controlirender Verunreinigung mit nachtheiligen Substan« 
Pfaff^ verworfen werden mufs. Uebrigens war diel 
tnng dieser Maschinen , welche auch an verschiedenen 



1 Ann. de Chim. LT. 36. Scherer's allg. Journ. d. Chem. 
Gchlcn's ncnes allg. Journ. d. Chem. IV. 449. G. XIIL 108. 5 

2 Ueber «iufache und wohli'eiUWasfierreiniguDgsmascliio 
1813. 8. 7. 




Filtrircn. 247 

ken, mnentlicli dutch Du. P1N90V in Hamburg nachgemacht 
rden j im Allgemeinen dieselbe , mit dem bedeutenden Un- 
ichiede , dafs in den meisten das Wasser Ton oben durch die 
tchiedenen läuternden Schichten dringt und unten abgezapft 
d , bei einigen aber zur Erreichung eines gröfseren ßffectes 
nt durch eine Reihe von Schichten herabsinkt, und dann 
eh eine zweite wieder hinauf getrieben wird, um über der*- 
MD abgelassen zu werden , oder umgekehrt. 
Die gerügten Mängel der beschiiebenenFiltrirapparate und 
Adier Preis bewirkten, dafs sie des anfänglich von ihneh 
Ipefaten Aufhebens ungeachtet bald wieder in Vergessenheit 
m j und an den meisten Orten sind sie auch schlechthin 
iig, "weil man niclit leicht Grund hat, faules Wasser 
zu machen, und sie daher hauptsächlich mir als physi- 
Merkwürdigkeit einigen Werth haben konnten. In sol- 
Gegenden übrigens , wo die Natur des Bodens nur moriges 
:,triibes Wasser darbietet, z. B. in marschlandigen und torf- 
{||en Districten , ist die Reinigung des Wassers im Grolsen 
jk aus Rücksichten auf die Gesundheit ein dringendes Be- 
^s. Eine Maschine, womit sich dieses einfach, bequem 
»ebne grofse Kosten erreichen lälst , hat C. H. Pfaff ^ aus* 
Beb beschrieben , und sie ist um so mehr zu empfehlen , als 
«ihre Brauchbarkeit durch die Erfahrung bestätigt hat. Der 
il, in beliebiger Grölse nach dem jedesmaligen Bedürfnisse 
■sGihrende Apparat besteht aus drei Stücken , welche am 
to getrennt werden , sich aber leicht aus einander nehmen 
B) der Dauerhaftigkeit wegen von Eichenholz, zur Ver- 
lang eigener Faulnifs inwendig leiclit verkohlt und zur grö-^ 
n Haltbarkeit mit eisernen Bändern beschlagen seyn müs-^.. 

Es ist dann A ein gewöhnlicJier Eimer , welcher oben mit 43. 
31 Deckel zu grölserer Reinlichkeit versclilossen seyn kann, 
ti aber auf einem Brete feststeht, wodurch zugleich das Ein* 
ren des Staubes verhütet wird. In diesen wird das zu filtri- 
e Wasser gefüllt, und läuft in sehr feinen Strahlen oder 
t nur tropfenweise durch drei in der Mitte dicht neben ein- 
r im Boden befindliche Löcher , welche durch geitoeirte Ba- 
hwämme verstopft sind. Unter diesem Gefäfse befindet 
die eigentliche Piltrirtonne , eine gewöhnbche Tonne, wel- 

1 a. a. O. 



248 ^ Filtriren. 

indeb wenigstens 2 F. hoch seyn mufs , damit der v^m 'S 
scr zu durchlaufende Weg nicht zu kurz werde. In 
oberen beweglichen ^Deckel befinden sich einige Löcher mi 
Mitte herum, damit das durch die Schwämme dringende W 
durchflielsen könne , dessen Quantität davon abhängt, o1 
Schwämme im Boden des Gefäüses A , deren Zahl nach B 
den bei gröCsei-em Durchmesser des ganzen Apparates anck 
mehrt werden kann, fester oder loser eingedrückt sii^d. 
Tonne hat zwei eiserne Handhaben, um sie bequem abk 
zu können , und ruhet vermittelst eines Bretes auf dem vn 
Gefaise C, welches zur Aufnahme des filtrirten Wasset 
stimmt, zum Ablassen demselben mit einem Hahne ven 
und auf eine Unterlage gestellt ist , um das Wasser bequ 
geeigneten Ge&Jben auffangen zu können. 

Bei den einzelnen Theilen ist dann noch Folgendes si 
merken. Das wesentlichste Stück des ganzen Apparates if 
44 ' eigentliche Fiitrirtonne. Sie enthält zu ob erst eine Lage'^ 
welcher vorher geschlemmt und gewaschen seyn muTs , i 
er keine lehmige und erdige Theile mehr enthält. Hierauf 
eine starke Lage Kohlen von der Gröfse einer WallnuGi % 
der einer Erbse, so daf^ die gröberen unten, die mittlei 
der Glitte und die feinsten oben liegen. Sie können von 
Art Holz seyn , jedoch sind die glänzenden und klingende 
besten , auch miissen sie vorhtr gewaschen werden , bis SJ 
Wasser nicht mehr schwärzen. Vor allen Dingen hat ma 
hin zu sehen , dafs sie völlig ausgebrannt sind , und thut 
wohl , sie in bedeckten hessischen Tiegeln oder eisernei 
fäfsen unmittelbar vor dem Gebrauche auszuglülien , h 
durchaus keinen Rauch mehr geben *. Unter den Kohlei 



1 Da die Anlegung solcher Filtrirapparate io vielen snii 
Gegenden- selbst auf dem platten Lande der Gesundheit weg< 
dürfnifs werden kann, wo man indefs keine erfahrne Technik 
trifft, so will ich hinzusetzen, dals das Ausglühen der Kohle 
einzige hei der Construction vorkommende ungewöhnliche Arbei 
sehr leicht bewerkstelligt wird, indem die hessischen Tiegel an« 
Apotheke zu haben sind , und zum Behuf dieses Glühens beliel 
gebraucht werden können , wenn man sie nicht durch grofse I 
sichtigkeit zerbricht. Bedeckt werden Sie mit einem gewöhnlicli 
denen, am besten an der inneren Seite nicht glasirtcn, Uecke] 
man thut wohl , diesem in der Mitte ein Loch zu geben , beiii 



Filtriren« 249 

t dritte und unterste Lage, welche aus groben, vorher gleich- 
I rein ausgefwaschenem Kiessande besteht , dessen Druck ge- 
vden unteren, im Boden der Filtrirtonne befindlichen, Bade- 
wanim durch einen umgestürzten Topf verhindert wird. Dals 
lieh das dnroh die drei genannten Lagen filtrirte Wasser zu-^ 
t durch den im Boden befindliclien Schwamm in das untere, 
I Aufbewahrungsbehälter dienende Gefäls läuft, ist aus der 
liinung für sich klar. 

^ Sollen diese Maschinen die gewünschten Dienste leisten, so 
in ihnen die höchste Reinlichkeit erforderlich. Daher müs-^ 
[die Schvmnme von ihrem Gebrauche ausgekocht und in 
bcn Wasser so lange ausgewaschen werden , bis das Was- 
pai ihnen klar abläuft. Ferner müssen das obere und untere 
f)k alle 8 bis 14 Tage ausgewaschen und gereinigt werden, 
■Üeses erstreckt sich auch auf die dann herauszunehmenden 
■vSmme des oberen Eimers, auch ist es gut,, wenn der 
pi Apparat auswärts mit Oelfarbe angestricJien ist. Die ei- 
le Filtrirtonne dagegen hat eine ungleich längere Dauer, 
diese sich der Erfahrung nach auf 2 bis 24- Jahre erstreckt, 
ifs das filtrirte Wasser eine Abnahme der Wirkungsfälüg- 
(seigt ; jedoch muls die obere Sandlage alle drei Monate mit 
pi Löffel abgenommen und erneuert werden. Indem man 
irviel reines Wasser zum Reinigen der Substanzen bei der 
Itellung des Apparates gebraucht, das Bedürfnifs desselben 
fin den heifsen Monaten am stärksten ist , weil dann das 
|er- flacher Brunnen in solchen Gegenden leicht einen fauli- 
Geschmack annimmt , so kann die Herstellung oder Emeue- 
: des Apparates in solchen Jahreszeiten vorgenommen wer- 
in denen am meisten klares Wasser vorhanden ist. An- 
Apparate , welche zur Reinigung des Wassers durch Filtri«^ 
vorgeschlagen sind, von dem beschriebenen aber in kei-* 
r wesentlichen Stücke abweichen , übergehe ich der Kürze 
m mit Stillschweigen. 




aber die zwisckenbleibenden Fagen mit Lebm tu verstreichen, 

diesen Yorher trocknen zu lassen , um die etwa entstehenden 

erst auszubessern. Endlich kann jeder Hafner einen inwendig 

glasirten Topf für diesen Zweck verfertigen , oder man kann ihn 

.^eifenthon herstellen lassen. Das Ausglühen der Kohlen geschieht 

dem Yerhältnils der GroTse dieser Töpfe eine halbe bis eine 

Stunde in gewöhnlichem Kohlen- oder Torf- Feuer. 



^ilti-irenV 



->? 



'■'• tto äiU kusM VnKihnung verdient noch der traglian 
Dttl^pim, «nlchte GmkjiEVix^ vorgeschlagen hai, 
<ivdcliem Uob 4i« KoU« zum Reinigen de^ Wassers dient. 
l^aiüiB b«R«ht' «tt eibMi cylindrisclien Gefäfse von ^Veilsl| 
UMeli ttit etaiMIt «diu- itoitipren Trichter. Olierhalb des b 
rttt.winl ein- krtaitrtUHtes Blech eingtilegt, dessen halbe P 
ttlit hIu- ttiaen Xittsham versehen ist. Ueber dieses Blech 
den sflistgliene und gesielne Kohlenstiickchen von der 
der SeMMfpnlVittLonier gelegt, und mit einem ähnlichen 
Wled^t, hei wfltolMa gleichralls nur die eine Hälfte n 
..toflti Zxtckem Ttneheti ist, über welchem dann ein Reum 
; Ebigw^n des-iu filtrirenden Wassers bleibt. Die durcilll 
tim Bälftea beidet Bleche stehen einander in der An gegn 
iÄ eise jed« dei titiduiThlöcherten des anderen parallel! 
trodntch aUodas Wtsrtr genüthigt wird, durch die Lficbl 
<(beMit DlechM za flie&en', dann die Schicht des Xohlenpi 
lii' ^cd^ger Riditntag Cta durchdringen, und aus der i: 
, iCNffiMiAg äet Triuh^tn absulauren. Ein diesem ähnlichen 
fiXit. in Genf VorgesoUagener Filtriiapparat ^ benut?.! I: 
Send kum lleinigan des Wassers. Er besteht aus lauter i 
^n in einander gesettten Cylitidern, deren mittelster mi 
erliillt ist und tuf Anfiinlime und ersten Durchseihur 
Wassers dient. 'Das durchgelaufene Wasser steigt in den: 
des zweiten Cylirrders in die Höhe , gelangt an das obere 
des dritten Bechers, um in dei^ Sande desselben abermati 
abtusinken , »nd s6 fort nach der Zahl der in einander H 
den Cylinder, -(vöranf es zuletzt unten Ablauft. Ist die 
dieser Gelinder etwas groCs, so wird der Apparat hi«i 
Mets weniger tragbar, dessen Constraction übrigens ganz 
fach ist, auch kannte man leicht einige Lagen Sand mit 
len vertauschen, um seine Kraft dadurch m verstärken. 
SEweckmäfsigsten flir den ökonomischen Gebrauch bleibt i 
allezeit der von Pjaef angegebene, und deswegen auch 
fÜhrUcher beschriebene Apparat. 

1 Bibl. Brit. XXXTI. 199, 

2 AuDele« de« Art« et Maniifiiclurei XLV. 326. 



Fiufternifae. 25t 

r 

Finstern isse. 

Iffinsternngeii der HifnmelskDrper, 
tipses^ 8. Defecius Solls vel Lunae; Eclipses; 
Upses. 

Der Mond sowohl als die Sonne werden zuweilen wahrend 
jm heiteren Himmel stehen , ganz oder zum Theil unsicht- 
[ oder verfinstert: diese Verfinsterun<]>en heifsen total, wenn 
LHimmelskörper nach seiner ganzen Gröfse unsern Augen 
leckt oder beschattet ist, partial dagegen, wenn noch ein 
^ des Himmelskörpers in seinem gewüiinlichen Lichte sicht- 
dbt. Auch die Monde anderer Planeten , namentlich die 
-Monde, werden zuweilen auf ähnliche Weise verfinstert« 

Mondfinsternisse. 

iTTeDn der Mond ganz erleuchtet erscheint, beimVolImondci 
ijUit man ihn zuweilen sein Licht nach und nach so verlie- 
^ als ob eine dunkle Scheibe von Osten gegen Westen vor 

E" ^ tCj ihn zuerst immer mehr verdeckte und dann, bei ihm 
ckend, ihn wieder verlielse. .Wir sagen dann, es sey 
sMondfinsterniJtt, Eclipsis lunoe \^ Eclipse de la 

ke; Eclipse of the Moon. Da die JMondfinstemisse 

rn statt finden, wenn es Vollmond ist, und überdies lilur 
Z^it, da der Mond sehr genau der Sonne gegenüber 
L so können wir über die Ursache dieser Erscheinung nicht 
l'tweifelhaft seyn. Die. Erde, ab eine dunkle Kugel, mu(s 
li&weifel nach der von der Sonne abwärts gekehrten Seite 
•inen Schatten werfen, der, weil die Erde kleiner als die 
9C ist, kegelförmig seyn, doch aber sich bis zu einer grö*^ 
I Entfernung hin, als wo der Mond sich befindet, erstrecken 
u Geht der Mond durch diesen Schatten, so wird, so lange 
iqch nicht ganz in den Schatten getreten ist, der kreisfbr- 
B Umrils des Schattens sich auf der Oberfläche des Mondefe 
,en oder es wird sich die Erscheinung so darstellen , als ob 
dunkle Scheibe den Mond zum Theil bedeckte ; je mehr 
Mond g^gen den Mittelpttnct des Schattens zurückt , desto 
IT wird sich sein, noch erleuchteter Theil verkleinern , und 



1 ToQ ixMnii^y deiicio* 



' SCflt Finsternifia 

8lesn^riid eiid&cl^;^iz verschwinden, nach einiger Zeit 
' wdiUi'-deT Mpnd SenBaum des Erilschaltens durchlaufea 
Mfigt. qr.siehJu imc. andern Seite desselben wiedet aiutir« 
nod.mtdiemt «adlieli wieder in vollem Lichte. Ua der l 
lofib: aclmeller als di« Sonne scheinbar unter den Sternen 
Wwii^n nadi Oiten fonbewegt, so erreicht seine Ostseite i 
3ml ^dicJuttCD und die dunkle Scheibe scheint daher von( 
Iwi.vor ihm VotbM zu rücken. 
'_ WsDti der Mond bei seiner Bewegung um die Erde s 
in xlflrEkBptik BÜebe, so würde er bei jedem VoUmoiid 
. SbpB« gerade gegenüber stehen, und der Schatten der 
n^firAJtbei jedem Vollmonde auf ihn fallen; aber die MonJ 
' Mt gegvn die Ekliptik geneigt und durchschneidet diese n 
ÜwM eüiiibder gerade gegenüber liegenden Functen , den £i 
der MomB^hn; atu diesem Grunde geht der Mond heim } 
' monde weit 4ßei .neben dem Erdschatten vorbei, als er voni 
' ttniett Erreicht wild, und die meisten Vollmonde zeigen 
- nn olms Verfinstetnng. Nur dann, wenn der Vollmond > 
gonug nut'dem Eintütte in den Knoten zusammen trifft, 
Wenn der Moad beim Vollmonde nur sehr wenig vonderEÜ 
ratfertit- steht, wird er verfinstert, und die Bestimmung da 
gen Vollmonde, die eine Mondfinsternifs daibielen, häng 
her davon ab , dafs man wisse , wo die Mondbahn die Ekl 
«chneldet. Wenn diese Knoten , wie es im Jahre 1828 di 
\J4t, im Stier und im Scorpion liegen , das heilst, in den Pc 
der Ekliptik, wo uns die Sonne gegen Ende des April'sm 
October'a erscheint, so können auch nur die VoUmondf 
usgerahr in diese Zeiten fallen , Mondfinsternisse dorbi 
Blieben die Mondknoten immerfort unveränderlich in dense 
Functen der Ekliptik, so würden die Mondfinsternisse stets 
in gewissen Jahreszeiten sich ereignen; da aber die Dut 
schnittspuncte der Mopdbahn mit der Ekliptik in 18 Jahj 
nahe durch den ganzen Umfang der Ekliptik fortrücken, 
fen in verschiedenen Jahren die Mondfinsternisse in verschied 
Jahreszeiten und nach bestimmten Perioden kommen 
der in dieselben Jahreszeiten. 

Um fiir einen bestimmten Vollmond zu linden 
Mond verfinstert werde , muls man den scheinbaren DurcU 
ser des Erdschattens in der Gegend , wo der Mond durch 
selben, oder vielleicht an demselben vorbei geht, beredfl 



. des Monde«. 253 

Mitte^nuict des Erdschattens liegt allemal in der Ekliptik 
wenn za der Zeit, da der Mittelpunct des Mondes sich dem 
dpnncte des Erdschattens am nächsten befindet, der Ab- 
I beider von einander mehr , als die Summe der scheinbaren 
kmesser beider beträgt, so geht der Mond anverfinstert an 
f Erdschatten vorbei. Um zuerst den wahren Durchmesser „. 
dErdschattens tr an dem Orte, wo der Mond durchgeht, zu 45.' 
im, hat man Folgendes zu berücksichtigen. ' 

rWenn S C H die Linie durch der Erde und der Sonne Mit- 
ist, BTH beide Körper berührt, so sind die auf BH 
iten Halbmesser beider Körper mit einander parallel und 

SH:CH = SB:CT 

oder CH=gg-f-^, 

die Bahn des Mondes, mr der Halbmesser des Erd- 
in der Gegend , wo der Mond sich befindet , so ist 

. mr:CT=Hm:CH, 

Ler inr:CT = CH— Cm: CH, 

Iü.„,= ct(i-^) 

„„ Cm, (SB— CT) 

?om Mittelpuncte der Erde aus gesehen, erscheint mr un- 

fam Winkel mCr , den man = ^ — setzen kann , weil bei 

U' Um 

en Winkeln, der Bogen mit der Tangente verwech- 
^erden kann. Der scheinbare Halbmesser des Erdschat- 
. , CT SB , CT j V * ^T , 

^taIso=g^-^+ CS' und hier ist ^^ der 

SB 
iibare Halbmesser der Erde vom Monde aus gesehen , ^c 

eheinbac^ Halbmesser der Sonne von der Erde aus gesehen, 

CT 

der scheinbare Halbmesser der Erde von der Sonne aus 

SC 

en. Der scheinbare Halbmesser der Erde vom Monde aus 
en stimmt mit. der Parallaxe des Mondes , der scheinbare 
Besser der Erde von der Sonne aus gesehen stimmt mit der 
laxe der Sonne überein , und es ist daher der scheinbare 



dea Mondes* 257 

indem Ortes gestellten Uhren finden kann. Die Unsicher- 
"welche der Halbschatten in die Bestimmung des Eintrittes 
ioBelnen Flecken in den Schatten bringt , verursacht aber, 
diese Längenbestimmungen nicht bis auf kleine Zeittheile 
r seyn können. 

Die Gröfae der Mondfinsternisse pfiegt man nach Zollen und 

Bgsteln dieser Zolle, welche man Minuten nennt, anzuge- 

Man theilt nämlich den Durchmesser des Mondes in 12 

le , die hier Zolle genannt werden , und wenn bei der 

ton Verfinsteiiing der breiteste Theil des unverfinsterten 

Im nur IZoU beträgt, so ist es eine Finsternifs von 11 Zol-»- 

Wenn bei der gröfsten Verfinsterung der Rand des Erd- 

Ims gerade auf den Mondrand fiele, so dafs der Mond 

ifferdunkelt wäre, so hiefse die Finsternifs 1 2 zöllig ; dagegen 

P der Mond so tief in den Erdschatten eindringt, dals der 

Erdschatten da, wo er dem Mondrande am nächsten 



■och «^ oder y\ des Monddurchmessers über den Rand hin- 

pcbt, so heilst die Finsternifs 13 Zoll oder 14 Zoll grofs; 

itlderaus erklärt es sich, wie es Mondfinsternisse von 20 

k. 21 Zoll geben kann. » 

['Die Erscheinung, welche der Mond uns bei Mondfinster- 

in darbietet , ist verschieden , indem der Mond bei der to* 

I Verfinsterung zuweilen ganz unsichtbar wird , zuwejilen 

uoch mit einem kupferfarbenen Lichte erscheint. Die 

fKnstemisse , wo der Mond ganz unsichtbar wird, sind 

i(; Kjbfler giebt die vom 9- December 1601 und 

■Bi« 1620 als solche an^, und Heyel versichert^, dals 

i, msn 25* April (1642 den Mond bei der gänzlichen 

insterung selbst durch Fernröhre nicht habe auffinden kön- 

f obgleich der Himmel vollkommen heiter war. Heyel 

iebt hieraus mit Recht, dafs der Mond kein eigenes 

i besitze. In unsem Tagen verschwand der Mond gänz- 

^am 10. Juni 1816', und erst kurz vor dem Ende der tota* 

l^erfinsterung bemerkte man einen neblichen Lichtschimmer, 

her zunahm, bis der helle Mondrand hervortrat. Das rothe 

tf welches der Mond oft noch bei der totalen Verfinsterung 



L Bpist. «stron. Gopern« Lib. T. 

t Seleaographia p. 117. 

l Astron. Jahrb. für 1819. S. 263. v,:' 

. Bd. , R 



258 Fintfieruisse« 

zeigt, ist ohne Zweifel eine Wirkung der Strahlenbrechiu 
der Atmosphäre der Erde , welche nämlich die lachtstrahk 
krümmt, dab sie von allen Seiten her in den Raum hinein 
langen , welcher bei geradem Fortgange der lachtatralileii 
kein Licht empfangen würde. Man bemerkt daher auch, 
dieses licht da am schwächsten ist, wo der Mittelpmid 
Erdschattens liegt , oder dafs die Seite des Mondes am du 
sten erscheint, welche dem Mittelpuncte des Schatte]» 
nächsten liegt. Die Verschiedenheit, welche sich in.dia 
durch Refraction auf den Mond fidlenden Lichte zeigt, i 
wohl in dem verschiedenen Zustande der Erd— AtmosphÜKftj 
ren Grufid haben , und die Meinung , daüs die Mondfinstflq 
zur Zeit der Nachtgleichen am meisten Licht auf dem veifiBjll 
ten Monde zeigen , weil an den Polen alsdann , um die Zi^ 
Sonnen 'Aufgangs und Untergangs, vorzüglich starke Stiat| 
brechung statt findet, würde viel für sich haben, wenniil 
Hevel's Beobachhuig ein Beispiel vom Gegentheil gäbe. *; 

Durch die Strahlenbrechung ist es auch möglich, den^ 
ünsteirten Mond schon vor dem Augenblicke des scheink 
Sonnen - Unterganges über dem Horizonte zu sehen. M! 
der Mond, vom Mittelpuncte der Erde gesehen, ganz gensit 
Sonne gegenüber stände, so würde er, ohne Mitwi^koDg^ 
Refraction, etwas später aufgehen, als die Sonne unteij 
weil wir ihn der Parallaxe wegen etwas später aufgehen sd 
diesen Unterschied hebt die Refraction gänzlich auf, ud 
kann daher der verfinsterte Mond aufgehen, ja selbst der! 
telpuhct des Erdschattens kani^ über dem Horizonte erschei 
wenn die Sonne noch niclit untergegangen ist. 

Sonnenfinsternisse. 

Eclipses s. Defectus Solis; Eclipses du So] 
Solar - Eclipses, 

Zur Zeit des Neumondes sehen wir zuweilen die & 
durch eine von Westen nach Osten scheinbar vor ihr Vi 
rückende Scheibe verfinstert werden. Diese Verfinsterunsr \ 
sich nicht an allen Orten gleich und kann also nicht in ei 
wirklichen Dunkelwerden der Sonne bestehen , sondern die 
gleichheit der Erscheinung des Mondes ist gerade so, wi< 
seyn würde , wenn ein runder , undurchsichtiger , uns viel 



der Sonne. 359 

ik dieSoime stehender Ktflper, vor sie tretend, uns ihr 

t entz(Sge. Da zur Zeit des Nenmondes der Mond neben 

)onne vorbei geht , und da überdies die Sonnenfinsternisse 

mxr dann ereignen, wenn der Neumond nahe mit dem Kno- 

)der mit dem Durchgange des Mondes durch die Ekliptik 

amen tnSk^ so ist es nicht schwer zu errathen , dafs der 

1 es ist, der uns den Anblick der Sonne entzieht. 

Wir unterscheiden partiale oder theilweise Verfinsterun- 

der Sontte von den totaUn oder gänzlichen Verfinsterun- 

nnd femer c^/i/ra/tt Verfinsterungen, wo der Mittelpunct 

Kondes vor dem Mittelpuncte der Sonne vorbei geht, von 

Q, die nicht central sind. Da die Sonnenfinsternifs nicht an 

I Orten, "WO sie sichtbar ist, gleich erscheint, so pflegt man 

Olte vorzüglich anzugeben, denen sie central erscheint, 

' mr dann , wenn der Mittelpunct des Mondschattens nicht 

die Erde trifft , giebt es keinen Ort , wo auf der Erde die 

nemib central wäre. Da wo die FinsterniCs genau oder 

li beinahe central ist, erscheint sie entweder total oder ring'» 

mig; das erstere dann, wenn der Mond uns nahe genug ist| 

die Sonne ganz zu verdecken ; das andere , wenn er zu ent- 

t ist, und daher von kleiiierm Durchmesser als die Sonne 

heiot» In seltenen Fallen kann dieselbe Finstemilii am ei- 

Orte total, am andern nur ringförmig erscheinen. .Indem 

dich der Mittelpunct des Mondschattens über der Erde fort- 

k, trifi^ er nach und nach auf Orte, die ungleich entfernt 

i Monde sind ; diejenigen Beobachter also , welche bei der 

bnden Verfinsterung den Mond in oder nahe an ihrem Zenith 

iden, sehen ihn erheblich gröfser, als andere, denen er kurz 

ler oder nachher die aufgehende oder untergehende Sonne 

nistert ; daher kann , wenn der scheinbare Durchmesser des 

des, vom Mittelpuncte der Erde aus gesehen, um etwas 

iges kleiner ist als der scheinbare Durchmesser der Sonne, 

T^erfinsterung total seyn an den Orten, wo die Sonne nahe 

,enith central verfinstert erscheint, ringförmig da, wo man 

Jonne central verfinstert aufgehen oder untergehen sieht*. 

An einem bestimmten Orte kann ferner die totale Verfinste- 



V. Zach führt ein Beispiel einer solchen Finsternifs an. Cor- 
ad. astron. III. 288, wo noch mehr historisclie Notizen über 
nfinsternist^iMlorkomnien. 

R 2 



200 Finsternisse, 

rang ohn^ Dauer oder mit Dauer seyn^ je nachden 
scheinbare Durchmesser des Mondes nur gerade znretcht 
Sonne zu verdecken , oder gröfser ist. Die grdlsto Daoc 
totalen Verfinsterung ist 5 Minuten. 

Die Berechnung der Sonnenfinsternisse wird durch i 
rallaxe des Mondes y vermöge welcher derselbe an jedem 
eine andere Lage gegen die Sonne hat, sehr erschwert. 1/ 
man dieRechntmg blofs für den Mittelpunct der Erde fühTa 
könnte dieses ziemlich eben so wie bei den Mondfinsten 
geschehen , aber dieses reicht nicht zu , da auf der ObaJ 
der £rde Sonnenfinsternisse statt finden können , wenn rat 
Schatten des Mondes den Mittelpunct der £rde gar nicht ti 
könnte. Um zuerst zu bestimmen, wie weit dter Moni; 
dem Mittelpuncte der Erde gesehen , noch von der Sonne' 
femt seyn kaiin, wenn er schon für einige Orte auf der. 
4^* die Sonne zu verfinstern anfangt, sey CS die vom Mittelpl 
C der Erde nach dem Mittelpuncte der Sonne gezogene! 
A r sey mit ihr parallel und A s m^che einen der Sonnenp 
axe gleichen Winkel =8V=p niit ihr, so sieht der Beol 
ter in A den Mittelpunct der Sonne nach der Richtung 
sAt sey dem scheinbaren Halbmesser der Sonne, tAT 
scheinbaren Halbmesser des Mondes gleich , und diese 1 
messer will ich q und Q nennen, so ist, wenn der 1 
sich in t V befindet , S C v der geocentrische Abstand des 1 
des von der Sonne. Offenbar aber ist S r = C A und ^ 
der bedeutenden Entfernung des Mondes SCr = CvA = 
der Parallaxe des Mondes, und SCs = P — p ; rC 
rAv=q4"Qf ölso der geocentrische Abstand des M 
Mittelpunctes'vom Mittelpuncte der Sonne =P — p + Q 
Eine Sonnenfinstemifs ßingt also auf der Erde an, wenn de 
Westen her gegen die Sonne zu rückende Mond den AI 
erreicht hat, welcher aus der Sonne der scheinbaren 1 
messer und dem Unterschiede der Parallaxen zusammen g 
ist; hat der Mond Östlich von der Sonne eben den Abstand v 
erreicht, so endiget sich fiir die Bewohner der Erde, "^ 
die Sonnenfinstemifs zuletzt sahen, diese völlig; erreicl 
Mond gar nicht diese Nähe oder ist seine Breite zur Zc 
Neumondes gröfser, so sieht kein Bewohner der Erde diel 
verfinstert, der Mondschatten geht an der Erde vorbei. 
Die eben angegebene Bestimmung giebtsdie Grenze 



^ der Sonne.^ 261 

lenfinstemuse überhavpt an. Will man aber wissen, wie 

I bei der Sonne der Mond, geocentrisch beobachtet , stehen 

', damit die FinstemiTs auf der Erde irgendwo central sey^ 

hellet , dals dann der von A aus gesehene Alittelpunct des 

des mit dem Mittelpuncte der Sonne zusammen fallen oder 

der Richtang A s erscheinen muls , so dals der geocentzi-» 

Abstand beider Mittelpuncte =:SCs=P — p dem Unter* 

de der Parallaxe gleich wird. Hieraus läüst sich also. 

Ikaer der Central - Verfinsterung fiir die ganze Erde' an-^ 

Ai und diese Verfinsterung ist zugleich total, wenn der 

iobare Halbmesser = Q des Mondes greiser als der simin* 

Halbmesser der Sonne =q ist. Um so. viel, als der 

endued Q — q beträgt , kann der geocentrische Abstand 

kr Himmelskörper gröfser seyn , ehe die totale Verfinsterung 

iltol, und P — p + Q — q ist der geocentrische Abstand für 

anguid Ende der totalen FinstemiTs. Ebenso istP — ^p4*q': — Q 

geocentrische Abstand fiir Anfang und Ende der ringf^rmi-- 

Verfinsterung, -wenn die Sonne gröfser als der Mond erscheint. 

Da P=62' der gröfste Werth ist, welchen die Parallaxe des 

■des je erreicht, und Q= 16* 55" , q = 16' 18" die grölsten 

Khe der Halbmesser beider Himmelskörper sind , p aber 

i. an 9" ist , so giebt 62' — 0' 9" + 16' 55" + 16' 18" die 

■Be = 1* 35' der Breite an , welche der Mond im Neumond 

•B Bufs, wenn gewifs keine Sonnenfinsternifs mehr eintre-» 

m11. Aber da P, Q, q klein seyn können, nämlich =53'; 

15' 34"; = 15' 45", so ist 53'— 0* {/ ' + 15' 34" + 15' 45", 

f f' 24' 10" die kleinste Grenze, wobei der Mond noch, 
V eine Finsterniis zu veranlassen , bei der Sonne vorbei ge- 
kann , und so wie bei einer Breite gröfser als 1^ 35' 4" ge- 
keine Sonnenfinsternifs statt findet, so mufs dagegen noth-^ 
dig eine eintreten, wenn seine* Breite beim Neumond» klei- 
al« 1* 24' 10" ist ; und jene Grenze findet statt , wenn er 
riner Bahn noph beinahe 18^ Grad, diese Grenze, wenn 
icht völlig 15t Grad vom Knoten entfernt ist. Die Gren- 
der Sonnenfinsternisse sind als sehr viel ausgedehnter als 
der Mondfinsternisse ^ und da der Ort der Sonne zwischen 
Neumonden sich nur um 29 Grade ändert, so tritt bei jedem 
mmentrefFen der Sonne mit dem Knoten der Mondbahn we- 
ens eine Sonnenfinsternifs ein ; es kann aber auch eine vor 
eine nach dem Eintreffen in dem Knoten sich ereignen, wenn 



261 Finsteriiisae, 

die Sonne ziemlich mitten zwischen zwei Neumonden den ] 
ten erreicht. Wenn der Neumond sehr nahe mit dem Ba 
ten der Sonne in den Knoten der Mondbahn zusammen 
so ist die FinstemiTs auf der Erde irgendwo central ; aber 
ist sehr oft beim vorhergehenden und folgenden Vollmond 
Entfernung vom Knoten schon zugrofs, um eine Mondfii 
nils zu gestatten. Ist dagegen der Voihnond nahe beim Si 
so ist eine totale Mondiinsternils , und bei dem vorhergehi 
SO' wie bei dem folgenden Neumonde treten kleine Soi 
finstemisse ein. Hiernach läfst sich die Verschiedenhei 
Anzahl und Grölse der Sonnen - und Mondfinstemisse in 
schiedenen Jahren ungefähr beurtheilen. 

Auch die Perioden der Wiederkehr ähnlicher Finsta 

lassen sich ■ mm übersehen. Wenn in einem bestimmtsai 

eine SonnenfinstemiTs genau oder doch nahe mit dem Kl 

zusammen getroffen ist, so triffst im nächsten Jahre der iai 

selben Monate sich ereignende Neumond 11 Tage £riiher| 

bei einem Stande von der Sonne, der etwa 11<> hinter des 

rigen zurückliegt ; der Knoten der Mondbahn ist aber 19 ( 

zurückgegangen, xmd der Mond ist also bei demNeumondi 

des Monates etwa 8 Grade vom Knoten entfernt, daher dl 

rigen grofsen Sonneniinstemirs nun nur eine kleinere folgt 

folgenden Jahre ist der Abstand 16 Grade , und es erfol 

lenfalk bei dem so bestimmten Neumonde noch eine \ 

*" aber gewifs keine erheblich grolse SonnenfinstemiTs. Yi 

man eben die Betrachtung auf Mondfinstemisse an, so wib 

zweiten Jahr nach einer sehr grofsen Mondfinstemils in eh 

Jahreszeit der Mond gar nicht verfinstert. Zum Beispiel i 

Mai 1826 war eine totale Mondfinsternifs , (bei welch 

doch der Mond nicht so ungemein nahe beidem Knotei 

am 11. Mai 1827 eine partiale Mondfinsternifs; aber in 

oder Mai 1828 wird keine Mondfinsternifs seyn ; dagege 

1828 zwei Sonnenfinsternisse in den mittleren Gegend 

Erde central, statt dafs im Jahre 1827 die Sonnenfmst 

um einen der Pole der Erde central erschienen, und 

die grofsen Mondfinsternisse nur kleine Sonnenfinsternisse 

sich hatten. 

Der Knoten der Mondbahn rückt so rückwärts , dafs . 
er einmal mit dem Neumonde zusammen traf, er nach 18 
und 10 bis 11 Tagen wieder mit ihm zusammen trifft. D( 



der Sonne« 263 

lewegt ach in 965 Tagen dnrch 19^ Id^JS; ako in 18 ge- 

en Jahren durch 347^ 47*; unter 18 gemeinen Jahren sind 

4 oder 5 Schaltjahre , und 18 wirkliche Jahre bestehen da- 

ms 4 oder 5 Togen mehr als den eben berechneten. Lege 

nilser diesen im ersten Falle noch 11 Tage zu den ohne 

btag berechneten Jahren, so ist für diese 15 Tage der Rück- 

der Knoten noch 48 Min. , also in J8 Jiahren 11' Tagen 

35'» Der Knoten ist also noch 11 Grade von dem Orte, 

sr zu AnGuig jener Zeit einnahm , und da die Sonne tun ao 

I als 11 Tagen zukommt, weiter vorgerückt ist, als- na An- 

jener Zeit, das ist H Grade weiter, so steht sie nach 

■kran 11 Tagen wieder im Knoten. Aber auch der Mond 

lieder im Neumonde , indem 223 Mondmonate 6585 j- Tage, 

Ist 18 gemeine Jahre und 15j- Tage oder 18 richtige Jahre 

>10f oder llj- Tage ausmachen; es ist also wied)er eine 

■enfinsterniTs wie vor 18 Jahren 11 Tagen tmd zwar fast 

B so nahe beim Knoten , also ziemlich eben so groß« Da 

aJs das Zusammentreffen des Neumondes mit dem Knoten 

it ganz genau ist , so findet eine kleine Aenderung der Fin- 

insse statt, nach 36 Jahren 21 Tagen würde diese noch mehr 

agen und nach oftmaligem Verlauf der Periode die Ueber- 

timmung nicht mehr statt fisden. Auf diese Art stimmte die 

len nördlichen Gegenden ringfi^frmige Sonnenfinsternis am 

Ang. 1802 mit der gleichfalls in der nördlichen Halbkugel 

Airmigen Sonnenfinstemifs am 7* Sept. 1820 überein-. Diese 

ode von 223 Mondmonaten ist zwar in neuem Zeiten 

HۆUy*%che Periode genannt worden, sie ist aber die- 

I, 'welche nach Ptolem^eus schon den alten chaldäischen 

lematikern bekannt war, und die sie Saroe genannt ha- 

*. Aehnliche Perioden der Wiederkelur der Finsternisse 

die von 716, 3087, 6890, 9977 Mondmonaten. 

Alles bisher Angeführte be&i£nt nur die Bestimmung, ob 

wie auf der Erde überhaupt eine SonnenJlnstemüs erscheinen 

: aber man verlangt nun auch zu wisseiy, an welchen Orten 

entral, total oder ringförmig oder sonst von bestimmter 

le erscheinen, und wie sie sich an einem gegebenen Orte 

n wird. Diese Bestimmungen UHissen von etwas sorg&lti- 



Ptol. Almagest Lib. 4* Plinias bist, nat« II. 10. und Ideler's 
ologie .!• 209. 



-1 



264 Finsternisse, 

p. gem Berechnungen für 'den Mittelpunkt der Erde snsgelisn« 
48. xeichne um den Mittelpunct C einen Kreis AEEB , desienl 
messer nach einem willköhrlichen Malsstahe so viele Tbdli 
p — p ^- Q ^ q Secunden enthalt (wo P — p derUntencUi 
Parallaxen von Sonne und Mond, Q derMondhalbmesaeX| 
Sonnenhalbmesser ist) ; dabei müssen nun diese GröJsen 9 
nommen werden , wie sie der Zeit des Neumondes enttpR 
für welchen man die Redinung fuhren will , und die ¥( 
kann man aus den Ephemeriden nehmen. Eben so u 
man um denselben Mittelpunct Kreise von den Halbst 

=P— P + Q+*q5=P— P+Q; =P— P + Q— *« 

lieh =:^P — p. Der erste und gröfseste dieser Kreise umid 
wenn C den aus der Erde Mittelpuncte gesehenen Mittelpom 
Sonne bezeichnet , denjenigen Raum am Himmel , in "W^ 
der Mittelpunct des Mondes eintreten muls , um irgendil 
der Erde eine thsilweise Veiünsterang zu bewirken ; dtr 
und kleinste Kreis umschlielst den Raum , in welchen im 
telpunct des Mondes eintreten muls , wenn irgendwo ew 
trale Finstemifs statt finden soll , und die drei dazwischl 
zeichneten Kreise geben an , wie nahe der Mond geoM 
gesehen der Sonne rücken muGs , damit irgendwo auf dv 
die Finsternils 3zöIIig, 6zöllig, 92öllig sey, oder der Bai 
Mondes etwa um ein Viertel des Sonnendurchmessers ein 
ten ist, oder den Mittelpunct der Sonne erreicht hat, odei 
lieh drei Viertel des* Sonnendurchmessers verdeckt. 

Es kommt jetzt darauf an zu finden , in welchen Zeit] 
der Mond in diese Kreise eintritt. AJ bezeichne die £k 
und da die Ephemeriden die geocentrische Breite des H 
nämlich seines Mittelpunctes , zur Zeit der wahren Conjm 
oder des genauen Neumondes , indem er gerade am 3Iitte^ 
der Sonne vorbeigeht , angeben , so trage man C H , gleio 
ser Breite, nach dem vorhin gebrauchten Secunden -Ms 
auf. Man suche femer nach der Angabe der Ephemendei 
viele Standen vor oder nach dem Neumonde sich der M 
der Ekliptik in J befindet , und bestimme den Punct J 
Zeichnung so , dafs CJ der Anzahl von Secunden gleich sc 
welche beim Eintritte des Mondes in die Ekliptik des ) 
IVlittelpiuict vom Mittelpuncte der Sonne entfernt ist. D 
EHEJ die relative Mondbahn, das ist, wenn man HK 
dem Räume nimmt, um welchen, 1 Stunde vor dec Conjn 



der Sonne. 265 

indnuttelpiuict noch von der Conjunction entfernt war, 
nan ebenso HL für den Zeitpiinct 2 Stunden vor der Con* 
n mftTägt und so fem er, so geben CK, CL die scheinba- 
Mtände der Mittelpuncte beider Himmelskörper 1 Stunde, 
iden vor dem Neumonde u. s. w. an ; CH ist der Abstand 
Mittelpnncte im Augenblicke der Conjunction, und wenn 
aM senkrecht auf JE zieht , so zeigt CM nach dem Secun- 
ilsstabe , wie weit bei der gröfsten Annäherung die Mittel- 

• noch von einander entfernt bleiben , und HM mit dem 
Stunde entsprechenden Räume HK verglichen, giebt die 
M, "wie lange vor oder nach der Conjunction die grtflste 
«terang eintritt, oder die Mitte der Verfinst rung. 
jBeraus kennt man nun die Zeitpuncte , wenn die Finster- 
IpC'derErde anfangt, die Zeit, wo die centrale Verfmsterung 
V Erde anfängt, wann die 3zöllige, 6zöllige, 9zöllige Ver- 
mg anfangt, und wenn man den Mond weiter nach F und 
folgt, so ist der Zeitpunct, wo der Mittelpunct F erreicht^ 
Bge , wo die centrale Verfinsterung auf der Erde aufhört, 
«ätpQDct, da er nach E gelangt, entspricht dem völligen 

• der Finstemifs. Man verlangt nun zunächst zu. wissen, 
idn der Ort auf der Erde liegt , an welchem man zuerst den 
Bind in die Sonne eintreten oder den ersten Anfang der 
Ijterung sieht, und eben die Frage wird man für alle übri- 
ben erwähnten Zeitpuncte und die mit ihm verbundenen 
dnungen auf werfen. Zur Beantwortung dieser Frage ist zu- 

^^ bemerken, dals der Anfang der Finsternifs da gesehen p;^^ 

-wo die Sonne dann gerade aufgeht. Es läist sich nämlich 49. 

r Figur wohl übersehen, dals der von Westen, von A he^ 

nr Sonne vorbei rückende Mond seinen Schatten zuerst in 

die Erde fallen lälst, und daCs hier die Sonne im Hori- 

stekt; sie geht hier auf, weil durch die Rotation der Erde 

(Testen nach Osten , der Ort B gegen D hin gefuhrt wird, 

ieser also die Sonne immer höher über den Horizont her- 

nmen sieht. Eben so sieht der Ort, welcher die Sonne 

verfinstert aufgehen sieht, die totale Verfinsterung früher 

er andre Ort, und es lälst sich leicht übersehen, dals, wenn 

[ond nach G gelangt ist , der Ort E , welchem die Sonne 

untergeht, der letzte ist auf den noch der Centralschatten 

Wie man diese Orte findet, läfst sich so übersehen. Wenn 

li^ den Augenblick, in welchem auf der Erde die Verfin- 



266 Finsternisse, 

4^'Aemng anfangt , die Stellung des Mondes gegen denM 
C der Sonne , vom Mittelpuncte der Erde aus gesehen 
nety so ergiebt sich daraus fiir den Ort, welchem diel 
Zenith steht, ob ihm der Mond nordwestlich oder wesi 
südwestlich vom Zenith erscheinen müTste, w^enn es 
wäre , ihn neben der Sonne zu sehen , oder man kann j 
Azimuth des Mondmittelpunctes für diesen Fun et auf 
angeben. Offenbar liegt nach eben der Richtung hin 
sem Orte , luid zwar 90 Grade von ihm entfernt , der < 
der Mond nun die Sonne zu verfinstern anfängt, und mi 
daher auf einer künstlichen Erdkugel den Ort, wo. gen 
nem Augenblicke die Sonne im Zenith steht , in den 
Punct der Kugel bringen , auf dem Horizonte die Gege: 
welcher zu diesem Orte der Mond vom Zenith entfernt < 
aufisucheil und sehen , welcher Ort der Erde gerade da : 
zonte steht ; dieser nämlich ist es , welchem die Sonne 
Engender Verfinsterung aufgeht. Will man eben so 
finden , der zuerst die centrale Verfinsterung sieht , so x 
aufs Neue denjenigen Ort in die höchste Stellung bring« 
chem die Sonne im Zenith ist , wenn nach den obigen 
mungen die centrale Finstemils anfangt ; dieser Ort lieg 
Sonne ihre Declination nicht erheblich ändert, in eben 
graphischen Breite , wie der vorhin betrachtete , aber ii 
Länge, und indem man wieder das Azimuth des Mo: 
punctes sucht, findet man abermals den Punct des H 
der Kugel, wo man den Ort aufsuchen muls, welchem < 
central verfinstert aufgeht. Eine gleiche Bestimmung : 
das Ende der centralen Verfinsterung auf der Erde , für 
lige Ende der Finsternifs und so ferner statt ; und sei 
mehrere, minder merkwürdige Bestimmungen liefsei: 
herleiten. 

Um noch vollständigere Bestimmungen zu erhalt 
ich allgemein die Frage zu beantworten suchen , wie " 
dem Puncte , welchem die Sonne im Zenith steht , de 
punct des Central -Schattens entfernt ist, wenn der Ab 
Mittelpuncte beider Himmelskörper ein bestimmter ist. 
den gegebenen Augenblick kennt man aus dem Vorigen 

„. centrischen Abstand SCM des Mondes von der Sonne, 

riß. ■ ^ 

50. her auch den scheinbaren Abstand SAM an dem Orte 
Sonne im Zenith steht, der nur um die Höhenparalli 



der Sonne. 267 

als jener ist. B ist der Ort , wo das Centnun des Schat- 

nfallt, "wenn BM verlängert den Mittelpunct der Sonne 

M. aber des Mondes Mittelpunct ist. S soll den Darch- 

spnnct der Linien CS, BM anzeigen, und dann ist 

^^ CB.Sin.MBC CS. Sin. SCM ^ , CB „ 
MB = jjjg = gjj oderda — =P= 

mzontalparallaxe des Mondes ist, Sin. MBC = — ' *^ — ; 

' ist dann zugleich CMB , also auch der verlangte Winkd 
CS ACM *f MCB bekannt. Diese Rechnung zeigt, dafs man 
ubstand des Centralschattens von dem Puncte, wo die Sonne 
nith Steht, und auch die Gegend, wohin man von eben 
B Puncte ausgehen mübte , um zu jenem Mittelpuncte des 
lins zn gelangen, in jedem Augenblicke kennt, also den 
;des Schatten -Mittelpunctes auf der Erde vollkommen be- 
Mi kann. 

^anz ebenso kann man zu irgend einer Zeit den Punct be- 
ten I der in der Ebne SMA liegend , den Mittelpunct des 
les mn -^ des Sonnendurchmessers vom Mittelpuncte der 
f entfernt sieht. Es stelle nämlich sMb die gerade Linie 
irelche die Sonne in einer Entfernung = -^^^ des Sonnen- 
messers von ihrer Mitte trüD: , so kann ACb ganz wie vor- 
CB gefunden werden , und man kennt also die Entfernung 
nden Orte, B, b, wo gleichzeitig die eben erwähnte Un- 
heit der Erscheinungen statt findet. Hätte man bMs durch 
bndes Mittelpunct nach dem Rande der Sonne gezogen, so 
t man den Ort b bestimmen, welchem zu eben der Zeit 
ondes Mittelpimct im Sonnenrande erscheint ; und endlich 
man bMs nach einem Puncte zöge , der um den scheinba- 
[ondhalbmesser vom Rande der Sonne entfernt läge, so 
man einen Punct b auf der Erde , dem der Mondrand nur 
önnenrand zu berühren schiene, in eben dem Augenblicke, 
B die FinstemüGs central ist. 

\o liefse sich nicht allein der Gang des Schattenmittelpunc- 
ondem des ganzen vollkommenen Schattens und Halbschat- 
uf der Erde bestimmen , und die Reihe aller der Oerter an- 
. wo die Finstemi£s eine bestimmte GröTse erreicht. Zwar, 
es auf genaue Bestimmung ankommt , liefse . sich noch Ei- 
gegen diese Regeln erinnern ; aber der Zweck ist hier nur 



268 Finsterniase, 

die Möglichkeit Jener Bestimmungen ohne exiiehliche Re< 
■BU zeigen. 

Zur strengem Berechnung Anleitung zu geben, schei 
nicht der Ort zu seyn, da diese Anleitung allemal wei 
ausfallen wird. Die Berechnung kommt kurz darauf J 
dais man für einen gegebenen Punct auf der Erde den geo 
sehen Ort so corrigirt , wie es die Parallaxe fordert. Der 
hat nur eine Parallaxe in der Breite, wenn er sich gerade, 
findet , wo die Ekliptik in dem Augenblicke am hOehsta 
dem Horizonte des Ortes ist, in allen andern Fällen aw 
Parallaxe in der lünge , und da jener höchste Punct der ; 
gesimus heifst , so hangt also die Berechnung der Paraüii 
der Stellung des Mondes gegen den Non^gesimus ab K Jk 
für verschiedene Zeitpuncte die Parallaxe gefunden-, ßo gji| 
an, wie weit entfernt von dem Puncte, wo des MoqAv 
telpunct geocentrisch erscheint, man ihn an jenem Oxtlj 
und man bekommt so auf gleiche Weise, wie vorhin für üi 
trvim der Erde, den relativen Weg des Mondes vor de^j 
vorbei, für jenen bestimmten Ort, für welchen die Req 
geführt wird. Dafs dabei auf die Ungleichheit des in vd 
denen Höhen nicht gleich groCs erscheinenden Monddmd 
sers u. s. w. Rücksicht zu nehmen sey, versteht sich von ik 

Wenn eine Sonnenfinsternils genau beobachtet woij 
so dient sie zur Bestimmung des Längen -Unterschiedes i 
Orte , indem ja so gut, wie man für einen gegebenen 
Zeiten des Eintritts, Austritts u. s. w, berechnen kann, aud 
gekehrt aus der Beobachtung des Eintritts , Austritts u. 8.' 
Xiage des Ortes, wenigstens seiner Länge, wenn die Brei 
kannt ist , hergeleitet werden kann. 

Die Sonnenfinsternisse älterer Zeiten zu berechnen, 
oft für die Chronologie wichtig seyn; denn da groüe, 1 
ders totale, Sonnenfinsternissein einer bestimmten Gegei 
selten vorkommen, so kann eine Begebenheit, für weld 
Zeit selbst um mehrere Jahre ungewifs wäre, bis auf den T 
nau bestimmt werden, wenn sie mit einer solchen Erscheinu 



1 Vergl. die Art. Nonagesimus und Parallaxe. 

2 Alle Lehrbücher der Astronomie geben diese Rechnungsmt 
an, z.B. Schubert astronomie theorique. Li vre V. u. populärer, 
bcrt's popul. Aitroo. 11. 359. Piaezi Lchrb. d. Astrou. II. 279, 



der Sonne. 269 

n tÄf. Ans diesem Grande enthalt das berühmte Buch, 
Stf verifier les {iaies^ ein Verzeichnifs d[er Finsternisse vom 
1 bis 2000* Einzelne Untersuchungen der Art gehören 
irierher, doch mag die Sonnenfinsternils, die während der 
bt am Halys eintrat, hier erwähnt werden, da sie zugleich 
' Geschichte der Astronomie berühmt ist, als die erste, 
\ von Thalks vorausgesagt seyh soll. Diese Finstemifs 
»ine andere als die am 30. Sept. im Jahre 610 vor unserer 
dmnng seyn ; diese war in der Gegend' des Kampi^latzes 
»total 2. 

ÜB Erscheinungen, welche die sehr grofsen Sonnenlinster- 
laibieten , verdienen noch etwas naher erwähnt zu wer- 
So lange noch ein kleiner Rand der Sonne unbedeckt vom 
te übrig bleibt, ist die Helligkeit noch immer sehr grofs; 
'etwas auffallende Verminderung der Helligkeit tritt ein, 
I die Breite des hellen Theiles der Sonne nicht mehr -J^ des 
endnrchmessers beträgt; aber auch dann und fast zumVer* 
kiden des letzten Randes der Sonne ist doch die Erleuch- 
der Erde und Atmosphäre noch immer sehr bedeutend. Da- 
ist dann, wie die ^Beobachter versichern, welche totale 
mfinstemisse bei heiterm Himmel gesehen haben, die plötz- 
^nstemils in dem Augenblicke, wo der letzte Lichtrand 
)&t wird, etwas sehr Auffallendes. Bei der Sonneniin- 
n «m 19. Nov. 1816 5 die in Breslau ll-J^|zöllig war, oder 
ÜDen Rand , welcher an der breitesten Stelle ^ des Son- 
■rchmessers betrug, unverfinstert übrig liefs, war die 
lerige Dunkelheit bei dick bewölktem Himmel zwar sehr 
Dch , aber doch nicht so groüs als man zu erwarten geneigt 
möchte. Selbst in Bütow in Pommern, wohin Tön nies sich 
ien hatte\ um die dort totale Verfinsterung zu beobachten, 
>ei der totalen Verfinsterung, deren Beobachtung die Wolken 
irten, die Dunkelheit nur einer starken Dämmerung ähnlich '. 



Noov. edik. p. St. AllaisYol.I. p.269. Nachricliteii voa totalen 
misseu giebt v. Zach Corr. astr. II. 560. Ein Yerzeichuifs der in 
lichtb. Finst. im 19. Jahrhundert Astr. Jahrb. 1803. S. 227. 

Die Gründe, waram andere Meinungen über Tag und Jahr dieser 
rnisse nazoiäsaig aind , giebt Oltmaiths an , Sehr. d. Berlin. Aka J. 
1813. n. Astr. Jahrbach 1S23. S. 197. 

AstroD. Zeitschrift TOn t. Lindenan III. 125. 



270 Finsternisse, 

Uebffirhaupt scheint die Dunkelheit bei totalen Sem 
stemissen sehr ungleich zu seyn. Louyillk beschreibt 
dem Finstemib am 3- Mai 1715 in London auch nicht ^ 
fige Nacht, sondern legt ihr etwas Eigenthiimliches,. an 
der Dämmerung Verschiedenes , bei. Eben das Eigenthi 
bemerkten Savtivi, Büro undBöcKMAVs bei der lingfil 
Finstemib am 7* Sept. 1820 9 die sie an verschiedenai 
beobachteten. SAVTiifi sagt, ein mattes, ^uriges lid 
sich über alle Gegenstände verbreitet, und eine En^ 
hervorgebracht, derjenigen ähnlich, die man hat, ynü 
zum ersten Male durch grüne Brillen sieht. Bockmau I 
Himmel graulich violett ^. 

In andern Fällen ist eine tiefere Dunkelheit eingi 
namentlich hat DAvizARn , der am 12« Mai 1706 in All 
dort 6 Minuten dauernde totale Verfinsterung beobachtfll 
Dunkelheit so angegeben , d^s einer den andern nur loil 
erkannte; die Nachtvögel kamen hervor, und die übrige 
zogen sich zurück, obgleich es erst halb zehn Uhr Voe 
war. Aehnliche Nachrichten hat man auch von andern Bs 
tern totaler Finsternisse ^. Indefs erhellet, dünkt mich ,< 
dafs die j^instemils in den meisten Fällen nur der Dans 
gleich kommen kann ; denn selten hat der Schatten auf dl 
mehr als 4 oder 6 Meilen Durchmesser, und selbst der im 
des Schattens stehende Beobachter erhält in diesem Fal 
den gegen seinen Horizont hinstehenden Wolken noch z 
geworfenes, wenn gleich durch den Halbschatten sd 
schwächtes Licht. Bei sehr langer Dauer der totalen Fin 
ist freilich der völlig beschattete Kaum der Erde und der 
Sphäre gröfser , und die Finsternifs also tiefer. Daus n 
Finstemifs recht eigentlich herannahen sieht , nämlich die 
wärts liegenden Gegenstände schon im Dunkeln sieht , ^ 
man selbst noch im Sonnenlichte ist, bemerkt Loaehz 1 
Finstemifs im November 1816. Er erzählt auch , dafs i 
der sich ziemlich am Rande der totalen Verfinsterung ' 
alle in bedeutender Entfernung südwärts liegenden Gegei 
sich erhellet zeigten, während ihm die Sonne total verfinstei 



1 G. LXVI. 216. 

2 de Zach corr« astron. III. 289. 532. 
S Astron. Jahrb. 1824. S. 181. 



der Sonne. 271 

tat nutn mehrmak selbst bei nicht .totalen Finsternissen 

8 man auf dem vor die Sonne tretenden Monde die Berge, 

r den Aand des Mondes hervorragen , erkennt ^, lälst 

ht erachten. Die^ Beobachtung Ulloa's, der im Monde, 

itfemt vom Rande , einen hellglänzenden Punct s^h, als 

das Sonnenlicht hervorbräche^^, ist sonst nie wieder 

amen; doch bemerkte Rüffel i» 1820) dafs das eine 

s noch übrigen Theils der Sonne durch einen vorragen- 

dberg abgestumpft war, und dals daneben eine ganz feine 

flSinng , ein Durchdringen des Lichtes durch das neben 

ge liegende Thal sichtbar war h 

1 liellen Ring, den man bei totalen Finsternissen um den 
jBsehen hat , habe ich in dem Artikel : AtmoBphäre des 

cxwSlint. Die dort mitgetheilte Erklärung dieser £r- 
Dg von BoDS , daüs dieser Ring in der erleuchteten £rd- 
bän entstehe , hat doch das gegen sich , dals bei totalen 
lasen von einiger Dauer die Erde und die Atmosphäre 

Beobachter auf einige Meilen weit mit Schatten bedeckt 
> das nach der Sonne hinsehende Auge nur auf beschat- 
Bile unserer Atmosphäre trifft. Dieser Ring muls also 
nidäxt werden, imd da, wie Biaechi und Ami ci mit 
2S ihren Beobachtungen zu schliefsen scheinen, Inilexion 
its nnd Brechung in der Mondatmosphäre nicht merklidh 
finden scheint ^ , so ist die Erscheinung wohl noch nicht 
was indeEs die Wirkung der Inflexion betriü^, so könnte 
da doch nur matteres Licht in den beschatteten Raum 
1, vielleicht wenig merklich seyn , so lange noch etwas 
vnichtes Sonnenlicht unser Auge trifft, und dennoch bei 
''erfinsterung merklich werden. 

ch die Erwärmung durch die Sonne nimmt wahrend 
Sonnenfinsternisse bedeutend ab. BÖckmanv beobach- 
le Abnahme an Thermometern mit ungeschwärzter und 
liwärzter Kugel und an Leslie'schen Photometem. Beim 
\ derFinsternils stand das Thermometer mit ungeschwärz- 



kstron. Jalirb. 1797. 152. de Zach Corr. astron. lY. 181. 
onm« de Fhys. 1780. Avril. 
le Zack Corr. astron. lY. 185, 
Sorr. astron. IT« !^. 



? -a4--tr 



*tT«- 



nih^ 



vrn^JMältmHtam 



ies Can*£ 



(es: joAmA iijasKl^l<r. 



•Cur rjn^'xmiiZ^a, fnmrm'St 73 Gc 



4«r Th et^^m g fgii SlaMide in da- So« 

Grad b«i amsrittitertffr Sonne, vnd OlS6 Giad bcidaj 

^'«rliMUm&g ; dieie Zahlen Terhahen sicli, 

alier^i^ akht -weit tob jenem Veiiuknisi« ab^reicliL ' 

Verfiniterangen der Xebenplaneten 
Sonnenfinsternisse aaf andere Planel 

Japlt^T , Satfzni und Uranns haben 31onde oder 
neten, welche sie ebenso, wie der Mood die Erde, 
da wir aber nur die blonde des Jupiters mit Leichti^- 
obachten kennen, so will ich auch nur von diesen hierL 
Die Monde de» Jupiter haben sämmtlich Bahnen, diel 
H^gen die Bahn des Jupiter geneigt sind, und da sie u^ 
Weise sich nie weit von dem Kreise , den die Bewohner 
Phntstttn als Bahn der Sonne am Himmel ansehen , entB 
der Schatten des Jupiter aber groCs ist , so werden sie fd 




1 Und eben da« hat £cz5 schon bemerkt. G. LXX. SSL 

2 Die vollKtaiidigen Bcob. in 6. LXYI. 215» Aehnliche Bc 
Bologna stehen in d. Correspond. astron. IV. 183. 

3 Jonrn. de Fhys. 1821. Juin. 



Finsternisse, 273 

bTem Mauptplaneten beschattet. Die* Monde des' Jupiter 
Iberdies ihren Hauptplaneten viel nühfer aadh Verhäl^ifi 
Grö£se, als unser Mond der Erde ist ; denn* selbst der ent* 
te ist nicht völlig 26 Jupiters -Halbmesser von ihm ent- 
Statt dafs der Mond 60 £rd - Halbmesser' von der Erde 
t.' ELLeraus ist es leicht zu übersehen, dals die Yerfinste* 
i sehr oft, bei den kurzen Umlaufszeiten der nächsten 
! , fast täglich eintreten müssen ; indem . die - drei nach- 
d jedem Umlaufe und auch der vierte oft, verfinstert wer- 
Man beobachtet diese Verfinsterungen am-bes|ten, wenn 
^ter der Quadratur nahe ist ; denn bei seiner Opposition 
r Sonne liegt der Schatten uns gerade hinter dem Jupiter 
m Eintritte und Austritte der Monde in den Schatten und 
tm Schatten könnten höchstens ganz nahe am Rande des 
r wahrgenommen werden , statt dals wir y wenn der Pla- 
DGnde Ton der Sonne entfernt ist, eine Stellung haben, 
Jr den in den Schatten eintretenden oder aus demselben 
:enden Mond ziemlich entfernt vom Hauptplaneten se- 
Um die Zeit der Quadratur kann man Anfang und Ende 
insternils des dritten und vierten Mondes beobachten ; 
m Finsternissen des zweiten ist dieses nur sehr selten 
h, und bei diesem fast immer, bei dem ersten Monde 
HS immer muls man sich begnügen, vor der Opposition den 
;, nach -der Opposition das Ende der Finsternils zu beob- 
. Die Verfinsterungen können bei dem ersten 2^ Stunde, 
sweiten 2 St. '50'; beim dritten 3 St. 34', beim vierten 
|6' dauern und treten beim ersten allemal nach 42j> Stun- 
»eim zweiten nach 3 Tagen 13 Stunden, beim dritten nach 
SB 4 Stunden wieder ein. 

ie Berechnung dieser Verfinsterungen beruht auf einer ge- 

K.enntnils der Umlaufszeiten, und Entfernungen dieser 

f von ihrem Hauptplaneten. Lägen nicht die Bahnen der 

» dem Aequator des Jupiter so nalie , so würde die sehr 

sr Kugel abweichende Gestalt des Jupiter die Berechnung 

cnd erschweren ; denn wenn eine leuchtende Kugel ein 

rhsichtiges Spharoid bescheint, so ist der Schatten nicht 

ein Kegel, sondern eine andere abwickelbare Fläche, füf 

in eine Gleichung findet, wenn man die allgemeine Glei- 

für eine, beide Flächen berührende. Ebene aufsucht. 

merkwürdige Fläche hat Lafl A C£ nui- so weit als die Theorie 

Bd. S 



J76' FilBche^ elektrische.. 

eine gepaiiPTö^ aus den Quellen selbst beaifseitete Zuiai 
sjtellgapg ^Uaf wichtigen Beöbaclitungen und eine kntiBdi 
fung der verschiedenen zur Erklärung so merkwürdig 
scheinungen aufgestellten Hypothesen in- diesem Weik 
Stelle verdient» 

■ ■ k 

L Geschichte und Literatur. 

Die Äfl/a Torpedo {Torpedo Galvanii) der Kra| 

oder 2f i tt e r r o c h e n (le Tremble , la Tropillcj 

Torpedo) war schon den Alten bekannt, und eine soj 
ordentliche Eigenschaft bei einem Thiere , welches sich] 
verschiedenen Küsten des mittelländischen Meeres (ah 
an dier ti^estlichen Küstfe I^rahkreichs , und der südlic 
lahds) findet, konnte ihnen nicht verborgen blei)>en. ' ] 

T^o'ft Gespräch Meito wird dieses Tliier mit seiner betäubt 

■ * ■ ■ ■ " * ^ 

genschaft erwähnt^ Aaistot^£les nennt ihn oftmals V^i 
nüt kurz und hält die Erschütterungen desselben für ad 
scheinliches Heilmittel , als welches sie auch, namentF^ 
halbseitiges Kopfweh und Gicht nach ScHiBONiys 
DiöSKoliiDES tind GAt.ES'uS in Anwendung gebracht tl 
Auch von Plütarch' wird das Thier genannt. 

Die ersten anatomischen Untersuchungen über die 
sehen Organe des Zitterrochens verdanken wir den 
Rkdi* und LoKENZiNi*, welche die Röhren oder Säd^ 
selben für eben so viele Muskeln von besonderer Art (jj 
li falcali) hielten» Rea^mus. ^ that einen grofsen S< 
ter, indem er in einer ausführlichen Abhandlung nicht 
Reihe von Versuchen bekannt machte, sondern auch 
reiche mechanische Erklärung der von diesem Fische 
Schläge aufstellte, gegründet auf den Bau der elektrisch 
gane , deren Structur er sehr genau beschrieb. Die eigü 



1 Rist, de Animal. II. 13* IX. 37. de part. animal. IV. : 

2 Lib. XXXII. Nat, HisL 1. 

3 De industria Animalium, p, 246, 

4 Fr. Redi Exper. Natur. Flor. 1666. 

5 Observauoiii interno alle Torpedini da Stcf. Loregui 
1678. , 

6 M^moires de Pacad. de Paris annde 1714. Hitt. p. fl 
p. 447. Bdit. d'Amsterd. 8. 



Geschichte. 277 

^ einer richtigeB Einsicht in' dtfs Wesen dieäpr En^heinun- 

gilint alwr-erst mit den schönen Versuchen von Jouvt 

I im Jahre 1672*, wodurch zuerst die Uöbereiristim- 

ler von dem Zitterrochen abhängigen Erscheinungen mit 

^ktrischen in ein helles Licht g^^eXtt wutden ^ eine iBnt- 

;, die bei dem' damals sd regen Interesse fiir alles, was 

[ £lektriciti&t besog , die allgemeinste Aufmerksamkeit der 

nr erregte. Der berühmte Anatom Johw Hünter^ lieferte 

1l eine .neue durch eine meisterhafte Abbildung verdeut- 

Beschreibung der .elektrischen Organe, und CAVENnisa^ 

tete zwei Jahre später. dur^h.NachaJimung der 'am Zitter* 

angestellten Versuche mit der gewöhnliclien Elektricilät 
'jäst eines künstlichen Zitterrochens ein neues Licht über 

Gegenstand. Fernere interessante Versuche an dem Zit- 
MB selbst verdankte man bald nachher In'oerhoüsz^ und. 
Sfallanz^ni ^. Die Entdeckun«^ der Galvani^schen Jit^ 
angleitete später von neuem die Aufmerksamkeit derPhy- 
luE diese analogen Phänomene , und veranlafste^nament- 
en glücklichen Entdecker derselben Al dys GALVANTCfiSo 
nnen Neuen Aldini® zu Versuchen mit diesem Fische; 
interessanter w^urden aber alle elektrischen FiäOlie durch 
tdeckung der Volta'schen Säule, in welcher man das ei- 
he Erkläningsprincip der im Ganzen doch immer noch in 
^tstehungs weise rathselhaft gebliebenen Erscheinungen 
den glaubte, v. Humboldt und Qat-Lüssag^ stellten 



Of the electric Property of tlie Torpedo. In a Letter from 
Talsh. Philos. Transact. Vol. 63. Tcar 1774. p. 461. vgl. auch 
bservat. etc. 1774. IV. p. SOo ff. 

iUiatomical-Observations of the Torpedo by John Hunter e. 1. 

An account . of some attempts to .imitate the cfFects of the 

lo by Cavendish. Phil. Trans. Vol. 66. far 1776, p. 196. 

Extract of a Letter etc. Phil. Trans. LXV. Year 1775. p. 1.. 

Opnsciili soelti di Milano 1783. ein Auszug im Goth. Magazin 
r. ir« Bd. Stes St. S. 89. und Memnrie di Matematica et Fi&ica 
ocieta italiana 'Tome II. p. 603. deutsch in den Leipz. Samml. 
ysik und Naturgeschichte. IV. Bd. 3tes St* 328 und im Ausz. 
th. Mdgoz. V. Bd. Stes St. S. 41. 

Aldini Kssai theorique et exp^rimental sur le Galvanisme. Pa- 
304 Vol. II. p. 61. auch in G. XIV. 331. 

Annales de Chimie. LVI. 15 — 23, daraus in Gehlcn's N. J. 
. VI. 166. und G. XXU. 61. 



280 Fl&che, elektrische« 

ser Naturforscher auf seine Kosten mehrere derselben lel 
nach England- tränsportiren , wo sie' in London im Jahre f 
der Gegenstand vieler Versuche wurden, von denen: 
Walsu selbst keine Nachricht gegeben hat , von welchen 
die Abhandlungen von Lfi Rot^ und Ibtoenhousz^ eine 
Auskunft geben. Auch machte nunmehr Johv Hontia', io 
früher von Zitterrochen- ein« meisterhafte Deschreibnng und 
bildung vom elektrischen Organe dieses Fisches- bekannt, 
zeitig mit jenen Arbeiten erschienen auch die Resultate der! 
tetsuchungen- zweier americanischer Naturforscher, die je 
wie es scheint-^ von der Entdechnng des Engländers Wa} 
Betreff des Zitterrochens bereits Kunde hatten , < nämlid 
HuGH WiLiii^MSoj^^ in Philadelphia und von &ARpBi' 
CharlestQwn. Von späteren Abhandlungen , wielche theibl 
Bemerkungen Ueferten, theils.-die frühem Erfahrungen bi 
ten, verdiepjdn dann noch. genannt zu werden, diejenige 
Will. BataiIV'^, und voni H. iCollins Flago^, und 
Sam. Fahlkvbeao ^. Eine frühere Mittheilung eines 
ScHiLLfV^^ über den Einflüsse der magnetischen Kraft apti 
Zitteraal .verlor dadurch ihr Interesse , dafs ihr durch alle; 
tere Versuche' widerspro<Ji'en wurde. 

3. Der Zitt erweis {Silurus ehctricus'), der in 
africanischen 'Flüssen zu Hause ist, wurde, wie schon 
bemerkt, ohne allen Zweifel zuerst von Adakso-it, (1751)' 



I 

1 Lettre etc. par M; Le Roy. loarnal de Phyaique ano, ]fl| 
Oct. p, 333. ^ 

2 Ingealiousz yermischte Schriften von Molitor. Wien. 8t 131 
S. ^2. 

3 Acconnt of the Gjmnotus electricus. Phif. Trans. Vol. Li 
P. U. p. 395. 

4 Phil. Trans. Vol. LXV. Year 1775. p. 94. 

5 Ebend. p. 102. 

6 Account of an electric Eel in den Transactions of the Amfl 
Society held at Philadelphia Tom. II. Philadelphia 1786. 4. im i 
cuge im Goth. Magazin V. 3. S. 163. 

7 Observatious on the Numbfish or torporlfic Eel Ebend. 

8 Vetensk. Acad. Nya Uandliogar 1801. S. 122. Daraus ii 
XrV. 456. 

9 Nouveaux Memoire« de Pacad. de Berlin- 1770. p. 68. 
Observ. physic. de torpedine Pisce in Diatribe de Morbo in Eu: 
pene ignoto quem Americani Jawa appellant. Traj. ad Rh. 1778» 



Organe. 281 

Senegal fimd, bekannt gemacht, später von Forskal^ 
it, dann genauer von Bhqdssonc't^ beschrieben , doch 
ken-'wir die nähere Kenntniüs seinem elektrischen Organe 

Der Teirodon electricua (elektrische Stachelbauch) ist 
m englischen SchifFslieutenant Patehson^ bei der Insel 
Q , einer der Comoren zwischen der Küste Zangueber und 
sei Madagascar entdeckt und seine Beschreibung 1 786 be- 
^emacht-, aber die Nachrichten über seine elektrischen Ei- 
alten sind eben so dürfdg wie 

. In Betreff des Trichiuriia etectricu» , der schon den äl^ 
iityologen Willou.gbt.^ und Rai^ bekannt.war und von 
iB€K ^ erwähnt wird. 

Sioe Vergleichung der elektrischen Organe der drei ersten 
olieferteGEOFPROT in der oben erwähnten Abhandlung, so 
rir anch noch in den neuesten Zeiten Alex. v. Humboldt ^ 
gehaltreichen Aufsatz über alle elektrische Fische ver- 
m. 

\)ie elektrischen Organe oder elektro- 
motorischen Apparate. 

Die merkwürdigen -Wirkungen, welche die Zitterfische zei- 
hängen von gewissen, ihnen äigenthümlichen Organen ab, 
reiche sie schon in den früheren Zeiten beim Zitterrochen 
'en "worden sind, und welche daher auch, seitdem die 
ische Natur jener Erscheinungen aufser Zweifel gestellt 
en, die dektrischen Organe undün neueren Zeiten nach der 



Fauna arabica p. 15. Nr. I. 

M^m. de Tacad. do Paris 1782. 

Annalet da Musönm d'hist. nat. I. 892. übersetzt in G* 

: Phil. Trans. Vol. LXXVI. P. U. No. 9. u. im Goth. Magaz. 
V. St. 4. S. 48. 

IchtyoL applic. III. 31. 
; Piaces p. 171. Vgl. Gmelin's Ausgabe von Linnaei Syst. Nat. 
I. Pars IIL p. 114. 
Dessen Indische Reise 11. 270. 

Snr les Gymnotes et autrea jPoissons ^lectriques in Ann, de 
et Phys. XI. 408. 




IR'-* ^'- Flache, elekfH! 

Aehrlichkeit mit der Volta'schen Säule ihre eleUrain 
Apparale genannt worden sind. Der Zitterrochen Iial n: 
kCk's früheren und den spätem besonders genauen Uni 
gen HrNTEn's zwei elektrisehB Organe, Sie liegen 
den gfofsen halbkreisffirmigen Sjiorpel drtr Bnistifo 
Kiemen und der Hirnschale jedes auf seiner Seite. 3 
nach reichen sie von dem vordem Ende des Thiers, de: 
Lange gewähnlich 15 bis 20 Zoll beträgt (doch wup 
Biidlichen Rüste von England ein solcher Rochen voi 
Fufs Länge gefangen)* bis zu dem Quetknorpel der 
von' dem Bändle trennt, und nehmen ungefähr den dri 
der ganzen Länge dos Körper» ein. In dieser ihrer Ai 
füllen sie zugleich die ganze Dicke des Thieres von i 
ttnten bus, sind mit der ordentlichen Haut und lyiter d 
mit zwei besondern Membranen oder Bändern bekleide 
die äuTsere aus der Länge nach laufenden Fasern beste 
' unzähligen Stellen duiehbojirt zu seyn scheinen, und i: 
der ringsumher mit der Flaut verbunden sind ; die ii 
selbe Beschaffenheit hat, doch so dafs ihre Fasern sie 
inaFsen mit denen ider äufsern kreuzen, indem sie ^^r 
lellinie des Körpers nach aufsen und rückwärts gehe 
diesen beidenllauten befinden sich nun die eigentliche 
nlMillch lenkrechte Prismen oder SHidto (ColumTtS, 
VoS'REAOXÖK'geDUint) welche die IKi^ eines Gänu 
•bkch HnVTiK von 0,3 Zoll haben , "romeinct Seit« de 
^Jn andern reichen i nnd deren Lange aacfa der ven 
Dicke des Fisches Teischieden ist, die also anih innen 
«en, nach an&en am kiiizesten si^id. Die ZaU difei 
ist sich nicht gleich, und zwar bemerkt man diese Vei 
heit nicht nur bei verschiedenen Kitterrophen, sondern i 
hauptsächlich auch von "dem Alter-das Thisra herzukoi 
■dafs et#a, wenn-der Fisch an GidlM zunimmt, imtnei 
stehen mögen.' In demjenigen, welchen Ho stbr sed 
man 470 in Jedem' Organe, dagegen in jenem sehr gt 
derKüstp von England gefangenen,. Rochen sogar 11( 
Säjnlen in dem einzelnen Organe. Die meisten dies 
sind nachHuKTER entweder irreguläre Sechsecke oder 
allein ihr« Gestalt bleibt sich nicht gleich , doch will 

1 aa. Trani. UCVL 1. 



• Organe. ^ 283 

ylindmch gefiinden haben. Tödd bemerkt von dem 
im Vorgebirge der guten Hoffming j der jedoch eine an- 
sa-s^yn scheint, 'dafs die. Säulen, in ihrem ganx freien 
I, die Gestalt von Cylindem annehmen, dnd die ver- 
.e Gestalt I welche sie bei einem horizontalen Durch- 
zeigen, von ihrer ungleichen Verbindung unter einander 
ie Netzsubstanz herrühre. Bei getrockneten Rochen er- 
I auf der abgezogenen Haut einwärts sechs - und fünfeckige 
ke , welche von den irregulären Maschen der Membra- 
»n denen jene Säulen nach aulsen überdeckt sind, her- 
weiche gegen die Haut gedrückt, jene Eindrücke zu- 
sn, die der Haut gleichsam das Ansehn eines .Bienenwa- 
ben. Die Häute der Säulen sind sehr dünn, durchschei- 
d genau mit einander zusammenhängend , vermittelst ei- 
fern Netzgewebes von sehnigten Fasern , die der Quere 
d schief zwischi^n den Säulen laufen, 
e Säule ist durch horizontal liegende Theilnngen (par^ 
) oder Scheidewände getheilt, welche in geringer £nt- 
iSbei einander liegen , und «ine Menge Zwischenräume 
eher bilden, welche, wie schon BiAUMua genau be- 
it , eine dickliche gallerteiweilsartige Flüssigkeit enthal-^ 
'durch das Kochen noch dicket vrie eine Art Kleister 
Die Scheidefv^ände bestehen ans sehr dünnen imd durch- 
1 Membranen , ihre Ränder sind untex einander verbun- 
d alle hängen mittelst eines feinen zelligen Gewebes an 
ern Seiten der Säulen , aulserdem hängen sie noch mit 
r durch feine Bhitgefälse , die von der einen zur andern 
zusammen. Eine, einen Zoll lange, Säule eines Krampf- 
, den man in Weingeist aufbewahrt hatte , enthielt nach 
Zählung hundert und funfadg solcher Theilungen , und 
hl scheint sich bei gleicher Länge der Säulen gleich zu 
, der Fisch mag so grofs seyn , als er wolle , nur mu(s 
m gleichen Zustande von Feuchtigkeit seyn , daher wird 
einlicherweise, so wie die Säulen mit dem Thiere, wenn 
und grölser wird , an Länge zunehmen , der Zwischen- 
ischen je zwei Theilungen, verhältnifsmälsig nicht grölser, 
es bilden sich vielmehr neue Theilungen , die von den 
aus, welche die elektrischen Organe oben und imten 
n, hiiizükommen. Mit jener Angabe Hunter's von ei^ 
izfserordentlichen Anzahl von Theilungen stimmt indefs 



284 Fische, elekti'ische. 

RjBAUMÜa's Angabe-, der in der ganzisn Länge einer^Sanh 
25 bis 30 Theilungen - wahrgenommen haben .will,.' nick 
iiberein, wobei es. zweifelhaft bleibt, ob vielleicht nebec 
fninprn Theilungen noch gewisse gröbere, mehr in dieJ 
fallende, vorkommen, so dals auf jeden Haupttheil wied 
bis 30 Unterabtheilungen kommen würden. Diese Theili 
sind, voller Gefafse, die Arterien sind Aeste von denjenign 
fäfsen der Kiemen , welche das schon durch das Athen 
veränderte Blut fortleiten ; sie gehen sammt den Nerven i 
elektrischen Organe, wo sie sich an den 3eiten der SäulM 
^eder Richtung in unzählige kleinere Aeste verbreiten , ntt 
jeder Theilungi rings um die Säule herpm und in selbige lü 
gellen und mit den benachbarten A estchen anastomosiren, di 
neu kommen in genauer Verbindung mit den Nerven hertti 
laufen -zwischen den Iviemen und dem Herzrohre fort. ■ 

Die Nert^f/iy die sich in jedes elektrische Organ einpflä 
entspnngen in .'drei grobe» Stämmen von dem Seiten - und 
tern'Theile des Gehirns. Diese Nerven geben nur einige 1 
Zweige an die Kiemen, -an denen sie vorbeigehen ; ab; dd 
■dete. Hauptstamm senkt sich in den vordern, .der mittlere! 
-initiieren j der hinter» mit seinen zwei Aestifn-in den meh 
tern Theil. Sie sind dem iV. Vagu'i der vollkon&mneren 1 
«u vergleichen. Wenn- die iNerven in das Organ selbst« 
•drungen sind, theilen-sie sich nach jeder Richtung zwische 
Sciiileil,,'dringen an jeder Theilung mit kleinen Zweigen in 
hinain und verlieren- sich so auf den Scheide wanden. Die. 
«ind Menge der Nerven', welche die el. Organe nach Verh 
ihrer Gröfse erhalten, mufs, wie IIucttek treffend be 
<ben so erstaunlich vorkommen , als die Erscheinungen , i 
hervorbringen. Die Nerven sind den Theiien des Körpei 
wieder zur Empfindung oder Bo'wegung gegeben. Älit 
nähme: der höheren Sinne' ist auch beim vollkommensten ' 
kein Theil, welcher im Verhältnifs seiner Gröfse so rei 
mit Nerven versehen wäre, und doch dienen die e 
sehen Organe auf keine Weise als eigentliches Empfmdii 
gan. Was aber die Bewegung anbelangt, so giebt es 
Theil eines Thiers, der, so stark und anhaltend auch 
Bewegungen seyn mögen , eine so grolse Menge Nervi 
säfse. Man kann daraus mit gröfserer Wahrscheinlichkeit i 
fsen, dals die Nerven eine besondere Beziehung auf die 



Organe. 285 

ichen (elektrUchen)' Wirkungen det . ^elektristhea vOrgane 

I aöchten. -' ■ ' • ■« '■■ 

)er sogenannte Zitteraal»^ dessen iersdiuttemde' (elektrische) 

diejenige des Zittecrochens noch vrtit übeTtri£R;,>hat anch 

[tnifsiiiarsig mehr ausgedehnte elektrische Organe,- wofür 

ar-enigstehs alieiii:Grttnd:hat, diejenigen, welche den^gröfs-^ 

'heil 'des Schwanzes dieses Fisches ausmachen,- nach ihrer 

lichkeit mit dem elektrischen Organe des Zitterrochens) und 

dem UmStande , dafs die elektrischen F>sehiittemng«n vor- 

:h von dem Schwänze ausgehen', äriznnehmon. Wirklich 

ich derjenige "Theü des Körpers^ Avclcher diejcmgen'Or- 

enthält, die der Zitteraal mit den Fischen seines Geschlechtes 

an hat, beträchtlich kleiner , als der Schwanz j welcher die 

bnoh» Kraft hesitzt j und 0)75 ■ der ganzen Länge* des TJüers 

Hoht, die.nach v. Humboldt bisweilen öFufs erreichen soll, 

denjenigen Thieren, die HairTEA beschrieb ,- jedoish nur et- 

iber 2 FüTa betrug, und von .dem die elektrischen Organe . 

ik ^eder beinähe diö- Hälfte und somit mehr als \ des gan- 

Tkien betragen. £s sind deren zwei Paare , ein gröfseres 

chalb und eui kleioeses untei« -demselben gelagert. Jenes 

kr die Hauptdicke des. Schwanzes aus- und erstreckt sich vom 

le bis zum Ende des Letztem; jedes einzelne dieses oberen 

pccen Paars ist am. breitesten nach vom , wo es sich gleich- 

;am meisten seitwärts ausdehnt,' wird nach hinten schmäler, 

»endigt sich fast ja eine Spitze. Die beiden Organe, die 

BS Paar bilden, sind oberwärts durch die Rückenmüskeln 

, einander getrennt y welche ihre oberen Ränder in einer be« 

ktlichen Entfernung, von einander halten , unter diesen und 

en die IVlitte zu sind sie durch die Schwimmblase von einan- 

geschieden., und aii ihrem untern Theile durch eine mem- 

iOse Scheidewand. -Das kleinere Organ liegt längs- dem- im« 

Bande, und hat beinahe dieselbe' Ausdehnung in der Länge 

das greisere Organ. Das vordere Ende jedes einzelnen Or« 

B (die beide zusammen das kleinere Paar bilden) beginnt bei^ 

e in gleicher Linie mit dem gröfseren, gerade da, wo die 

re Schwanzflosse deis Thiers ihren Anfang nimmt, und en- 

: nahe am Ende des Sch-wanzes , wo auch das gröfsere auf-' 

:. Es hat eine dreieddge -Figur gemäfs den Theilen, in wel- 

n es liegt. Sein vorderes Ende ist das schmälste; dann wird 

»reifer,' in der Mitte ist es am dicksten und von da an wird 



I 

286 Fische, elektrische. 

es diinner, bis es am Ende in eine Spitze ausUnflt« DieM 
kleineren Organe sind von einander durch die mitderen Mm 
getrennt, und durch die Beine , in welchen die Gräten derf 
Ben artikulirt sind. Das grössere (breitere) und kleinere OS 
auf jeder Seite sind durch eine Membrane von einander geid 
üen, deren innerer Rand an der Mitteltheilung befestigt ist, ; 
der äuJsere.sich in die Haut desThiers verliert. Um das giti 
Organ ansichtig zu machen, ist nichts weiter ndthig, ab 
Haut zu entfernen , welche durch ein lockeres Zellgewebe Ü 
hängt. Um aber das kleinere Organ darzulegen, ist erforddl 
die lange Reihe von kleinen Muskeln zti entfernen , welck» 
Flosse bewegen. / ^ 

- Die Structur dieser Organe ist sehr ein&ch und regelmil 
tte bestehen aus zwei Theilen , nämlich den -ilachen Theüifl 
(pariitions) oder Wänden fsepto) und den rwischat^ 
nen quer übergehenden Theilungen fcross dipisions),^ 
äulseren Ränder von jenen Wänden sehen auswendig aus ^riff 
nien , die fast parallel mit der Länge des Thiers gehen. D 
Wände sind dünne, beinahe parallel mit einander laufende Bl 
Sie gehen der Länge nach mit der Längenaxe des Thiers h 
einer Richtung und ihre Breite kommt beinahe mit dem U 
Durchmesser seines Körpers an jeder Stelle überein. Sie 
von verschiedener Länge , einige von ihnen sind fast so lanj 
das ganze Organ. An dem vordem Ende des Organs nehmei 
ihren Anfang , einige wenige ausgenommen , welche an 
obern Rande desselben beginnen ,. sie gehen zusammen hix 
wärts , und endigen sich allmalig an der untern Fläche des 
gans , und diejenigen, welche am w^eitesten unterwärts anfar 
zuerst. Ihre Breite ist ebenfalls an verschiedenen Stellen 
Organs verschieden. Am breitesten sind sie gemeiniglich J 
weit von ihrem vordem Ende, Hier sind sie nämlich so 
als der dickste Theil des Organs , nach dem Schwänze zu ' 
den sie immer schmäler , jedoch auch ganz vorae , wo sie 
fangen , sind sie sehr schmal. Diejenigen, welche den Riic 
muskeln am nächsten liegen , sind am breitesten , w^eil sie 
nach der Lage dieser !|VIuskeln heraufwärts krümmen , nacl 
ten zu werden sie aber allmählig schmäler. Dieses rührt gröf 
theils davon her , weil sie mehr schief gehen , auch das ( 
an dieser Stelle schmäler wird. Sie haben einen äufserr 
Innern Rand. Der äufsere hän^^t . an der Haut des Thiere 



Organe. 287 

sitenxnmkeln der Flolsfedem, ufid nn der Membrane, 
das.giols« Organ von dem kleinen trennt, ihre inneren 
aber^sind alle an der mittleren Theilung, auch an der 
Linblase fest, und drei oder vier endigen sich an der FJa- 
eiche die Riickenmuskeln be^^ränzt. Diese Wände sind 
n äuCsern Rändern , nahe an der Haut,' an der sie fest- 
I am. weitesten von einander entfernt;, so wie sie aber 
c Haut nach ihrer inneren Befestigung hingehen, kom- 
! wieder naher zusammen ; ja man findet bisweilen zwei 
vereinigt. Es ist schon bemerkt , dafs sie an der Seite, 
Rückenmuskeln liegen , von einem Rande nach dem an- 
eraufwärts gekrümmt sind , indem sie sich nach der Ge~ 
eier Muskeln richten ;. allein dieses findet nach der Mitte 
ffoa zu (von oben nach unten genommen) immer weniger 
nnd von hier nach dem untern Theile des Or^^ans krüm- 
ie sich nach der entgegengesetzten Richtung. Am vordem 
I des grofsen Organs , wo es fast gleiche Breite hat, gehen 
t einander ganz parallel (nämlich in Beziehung auf die 
ndimensionj folglich auch gan^; gerade fort ; wo aber das 
i schmäler wird , da siehet man sie sich an einigen Stellen 
i|gen, besonders da, wo ein Nerv quer durchgeht. Das 
dieses Organs am Schwänze ist so schmal, dafs Hunter 
irolchem diese Beschreibung wörtlich entlehnt ist) nicht 
imen konnte , . ob es aus einer oder mehreren Wänden be- 
Der Abstand dieser Wände von einander ist wahrschein- 
ach der Grölse der Fische verschieden. Bei einem Fische, 
«r zwei Fufs und vier Zoll lang war, fand Huxt^k, dafs 
pZoII von einander entfernt waren, und die Breite des 
B Organs (richtiger die Höhe) betrug da, wo es am brei- 
war, etwa 1,25 Zoll, und in diesem Räume fanden sich 
ind dreifsig Wände.. 

}as kleinere Organ hat eben solche \Yände, welche in der 
i von dem einen Ende zum andern und in der Breite gerade 
übergehen ; sie laufen etwas schlangenförmig nicht in gera- 
änien. Ihre säufsern Ränder endigen sich an der äufsern 
des Organs , welche an die innere Seite der Muskeln der 
feder stöfst, nnd ihre inneren Ränder kommen mit den 
:eln in der Mitte in Berührung. Der Breite nacli sind sie 
verschieden , die breiteste kommt mit der einen Seite des 
Igels, den das Organ hier bildet, überein, und die schmal- 



288 Fische, elebtrische. 

ste ist kanm breiter wie die Spitze öder der Winkel dose 
Sie stehen fast gleich weit von einander ab , aber sie ond 
näher beisammen, als die Wände des groüsen Organs, 
ihre £ntfemnng von einander beträgt etwa -^^^ ZolL I^adi 
Schwänze zu liegen sie aber weiter von einander, so w 
Organ selbst sich erweitert. Das Organ selbst ist etwa 
halben Zoll breit (hoch) und hat vierzehn Wände. Ab 1 
Organen sind diese Wände sehr zart, und lassen sich 
zerreifsen ; sie scheinen mit den Säulen des Zitterroch^*^ 
lei Bestimmung zu haben, indem sie den Unterabtheit 
gleichsam zur Befestigung und Unterstützung dienen, "UBi 
kann sie als eben so viele besondere Organe ansehen. 
Wände werden durch dünne Häiite in die Quere durchi 
ten , deren Breite sich immer nach d^r Entfernung rieta 
welcher zwei Wände von einander abstehen ; mithin ist i 
verschiedenen Stellen verschieden. Am breitesten sind i 
dem Rande , welcher der Haut , und am schmälsten an 
welcher der mittleren Theilung, die beide Organe von eil 
trennt , am nächsten ist. Ihre Länge kommt ganz mit der 
der Wände, zwischen denen sie liegen, überein. Zw 
zweien solchen Wänden gehen sie imm'er in einer ordent 
Reihe fort, rfvon einem Ende desselben bis "zum andem 
liegen so nahe an einander, dafs sie sich fast zu berühren 
nen. Innerhalb des Raumes eines Zolles in der Läno« 
man gegen 240 j mithin machen sie im Ganzen eine sehr 
Fläche aus. 

Diese Organe sind mit Nerven aus dem Rückenmad 
sehen , und diese kommen paarweise zwischen den Rüc 
wirbeln heraus^ Sie versorgen auf ihrem Fortgange so\^( 
IVIu&keln als die Haut , und verlieren sich in sehr feine 
z\vei«Hin}ien in den el. Organen. In Rücksicht auf ihi 
hähnifsmäfsige Gröfse gilt dasselbe , wie beim Zitterroche 
dafs sie bei diesem relativ noch ansehnlicher sind. Viel 
eher als bei diesen beiden Arten ist der Bau des elekt 
Organs bei dem Zitterivels nach GEOFFROT's'TL'ntersuchui 
nmgiebt nämlich hier den ganzen Körper, liegt unmittell 
ter der Haut und ist aus einer beträchtlichen Scliiclit Zelli 
gebildet, welches so fest und dicht Ljt, dalä man es i 
ersten Blick für eine Lage Speck halten könnte. Betracht 
es aber genauer, so sieht man, dcXs divse^ Organ aus 



Organe. 289 

oder ftponevrotischen Fasern besteht , die sich 
U durchkreuzen und so ein Netz bilden , dessen Geilechte 
nur durch eine Loupe deutlich sehen kann. Die kleinen 
I oder Maschen dieses Netzes sind mit einer eiweifs - und 
tartigen FliisiBigkeit ausgefüllt. Mit den inneren Theilen 
n sie in keiner Verbindung stehen, da eine sehr starke 
ohaut sich über das ganze elektrische Organ ausbreitet, 
emaelbeni so fest einhängt , dafs man sie nicht davon treu- 
inn, ohne sie zu zerreiEsen. Uebrigens hängt diese Seh- 
Bit mit den Muskeln nur durch wenig lockeres Zellg'ewebe 
oira« Die Nerven, welche zu diesem Organe gehen, kom- 
■OS dem Gehirne und sind dieselben, die nach Cuviea bei 
Riehen unmittelbar unter die Seitenlinie gehen , und ana- 
kti Nerven des achten Paares (N. Vagus) bei den höheren 
na. Im Zitterwelse haben aber diese beiden Nerven des 
■ Fures einen eigenthüpilichen Verlauf und eine ausge- 
Dete Dicke. Sie nähern sich einander bei ihrem Austritte 
em Himschädel , und steigen zum Körper des ersten Wir- 
rnis snmck, durch welches sie hindurchgehen. Sie dringen 
dnrch eine eigene OeiFnung in ihn ein , und gehen dann 
tnf der entgegengesetzten Seite durch eine gemeinschaft- 
Oefihnng heraus, entfernen si6h plötzlich und gehen unter 
jRtenlinie hinab , dann laufen sie zwischen den Bauchmus- 
■ad der sehnigten Membrane, die sich über das elektri- 
Retz ausbreitet, hin, und dringen endlich bis unter die 
mittelst grofser Aeste , die rechts und links vom Stamme 
lerven abgehen. An jeder Seite sind 12 bis 15' solcher 
I welche die Sehnenhaut durchbohren, bis sie mitten in das 
tige Gewebe hineindringen , und sich durch dasselbe ver- 

D. 

k> verschieden diese elektrischen Organe auch dem aufsern 
cke nach erscheinen , so haben sie doch in vieler Hin- 
Aehnlichkeit und im Wesentlichen eine gleichartige Struc- 
Die eL Fische sind die einzigen, bei denen man so aus- 
itete und so viele Sehnenhäute antrifft , zu Zellen gebildet, 
liehen sich eine eigenthümliche eiweifs- gallertartige Flüs- 
t befindet, und zu welchen ansehnlichere Nerven wie zu 
1 einem andern Organe gehen. Insbesondere ist bei den 
n ersten Arten noch eine merkwürdige Regelmäfsigkeit in 
knordnung der Zellen auffallend, vermöge welcher sie 
Bd. T 



einigermafsen eine Vergleiclmng mit einer Volla'schen Sau 
bsien , eine Aehnlichkeit, die )edoc]i in der dritten Art 
ger bestimmt nachzuweisen ist, und auf 'welche ich in den 

I Fetischen Betrachtungen wieder auriickkommen werde. 

■• Zur Versinnlich ung der elektrischen Organe sowol 

51. Zitterrochens als des Zitteraals müge die Abbildung eines l 

Schnittes der el. Organe dieser beiden Fische dienen, \ 

aus den beiden musterhaften Abhandlungen von John Hd: 

entlehnt sind. Die Figur Stellt einen Querschnitt in der gi 

Dicke des Schwanzes des Zitteraals dar: gg die beiden f 

elektrischen Organe, ^po die feinen Striche die zahlreich« 

terabtheilimgen jeder Hauptabtheilung sichtlich machen, p 

- beiden kleineren elektrischen Organe , v die Schwimn 

mmmm Längenmuskeln, n die Wirbelsäule, d die Ü 

p. Oberfläche der Haut von der einen Seite, c die Afterflosse. 

SS. andere Figur bezeichnet einen senkrechten Schnitt des 3 

rochens hinler den Einathmungsöffnungen ; A A die Oh« 

^ des Fisches, BB die Muskeln des Rückens, -wie sie duro 
Schnitt eingelheilt sind, C das Rückenmark, D der Oesopl 

f E die linke Kieme zerschnitten , um den Verlauf eines N( 
Stammes durch dieselbe darzulegen ; F die athmende Obei 
der rechlen Kieme , G G die Flossen , H H die senkreclii« 
len oder Prismen, welche das elektrische Organ auAmaclt 
einer Darttellung ihrer horizontalen Theilungen , I einM 
den Nervenstämmen mit seinen Verzvreigungen. 

III. WiEknngen, welche von den ej 
trischen Organen abhängen. Elcl 
scher Charakter derselben. 

Wir woUen die Wirkungen, die von jedem der beiden 
ttischeo Tische , über die allein genaaere Erfalurungea i 
' lerHinstcht gemacht worden sind, besonders bctracktt 
sie bei allem Gemeinschaftlichen doch wieder in Absid 
Stärke , Art und der bedingenden und begleitenden (Jn 
manches Eigenthümtiehe haben. 

Waf zuerst die Empfindungan betrüFt, die äerZitftn 
erregt, so weiden sie von den verschiedenen Beobachte 



1 VgL PhU. Tr. LXr. 407. and LXUI. 489. 



Wirkumgen. 29i 

verschieden angegeben , was nicht zu verwundern ist , da 
ndungen, die sich auf das Gemeingefiihl beziehen , über- 
schwer zu beschreiben sind. In dieser Hinsicht wird die 
>e derjenigen Beobachter interessant, denen die elektri- 
firschütterungen, noch nicht bekannt waren , und die da- 
ich ohne vorgefalste Idee einer Aehnlichkeit mit diesen 
BUsten. ÜEAUMoa beschreibt die ihm erregte Empfindung 
ne Betäubung (engourdissement) , die sich plötzlich 
ganzen Armes und der Hand bis zur Schulter bemächtig - 
Ibst den Kopf etwas ergriff^ aber von einer gewöhnlichen 
bang, namentlich von >ener, welche man das Einschlafen 
Üeder nennt, ganz verschieden gewesen ^^y^ begleitet von 
i itn^en , jedoch dumpfen Schmerze , wie wenn die Fin- 
inm plötzlichen Schlag erhalten hätten , als eine Empfin- 
, die unter den ihm damals bekannten mit derjenigen noch 
Basten Aehnlichkeit habe , die man erleidet , wenn man 
wx dem Elbogen etwas stark an einen harten Körper ge- 
il hat Seit Walsh hat man die Schläge mit elektrischen 
nxttenmgen verglichen , namentlich Walsh selbst mit der— 
n einer schwach geladenen Leidner Flasche, und an einem 
a Orte bemerkt er, dafs schnell auf einander folgende kleine 
ler Schläge dieselbe Betäubung oder Erstarrung , wie der 
rochen, bewirke. Gat-Lüssag imd Humboldt äulsern 
difain, dals die Empfindung derjenigen des Entladungs- 
ges einer Leidner Flasche zwar gewissermafsen analog, aber 
wesentlich von ihr verschieden sey, durchdringender, 
ilsivischer, schmerzhafter, und wenn der Fisch schon kraft- 
ly, dem Gefühle des Sehnenhiipfens ähnlich^. An einem 
n Orte findet Humboldt eine besondere Aehnlichkeit der 
indung, die der Zitterroche verursacht, und der schwä- 
a Schläge des Zitteraals mit jenem schmerzhaften Erbeben 
aissement) , von dem er bei jedesmaliger Berührung ei- 
ünk- und Kupferplatte unter einander, die an Wunden 
nrt waren, ^die er sich auf dem Rücken durch Blasenpflaster 
cht hatte, ergriffen wurde. Covfigliachi endlich^ findet 
Empfindung in den Händen und Armen bei gleichzeitiger 
lirung des Bauchs und Rückens des Fisches ganz überein- 



G. XII. 5* 

a. a. O. S. 654. 

T 2 



202 Fische, elektrische« 

stimmend mit derjenigen , welche eine mit Kochealx anfgi 
Volta'sche Säule von 30 Platten - Paaren und darüber ei 
Ein alter und ziemlich grofser Zitterrochen zu Genua will 
Gardini ^ so stark , dals er ihn nicht nur zu Boden warf, 
dem auch in seinen Gliedern eine gröfsere Erstarrung und 
Zeit fortdauernden beschwerlichem dumpfen Schmerz n 
liefs , als ihm je elektrische Erschütterungen von einer L 
Flasche verursacht hatten. 

Die Stärke der Erschütterung oder Betäubung hängt 

sehr von der verschiedenen Art ab , wie man mit dem Fis 

Verbindung kommt , so wie von der Stärke des Fisches 

Was das Erstere betrifft , so sind vorzüglich diejenigei 

stände zu berücksichtigen , welche auf die besondere Rft 

elektrischen Organe bei Ertheilung der Erschütterungen U 

sen. Walsh^ hat zu scharf als wesentlich noth wendige I 

gung zur Erhaltung derErschütterong aufgestellt, dafs zw 

der oberen und unteren Fläche eines oder beider Orgu 

Verbindung (intercourSe) sey, und dals keine Erschutl 

durch eine isolirte Person erhalten werde, wenn diese d 

gane nur oben oder unten berühre. Diesem widersprech 

späteren Beobachtungen namentlich die von Sfallanzavi, 

LussAC und Humboldt. Ersterer bemerkt ausdrücklich 

wenn er isolirt war, und der in der Luft befindliche Fis< 

an einer einzigen Fläche mit der Hand berührt wurde , er 

jedoch nur schwächen, Schlag erhielt, womit auch Gat -1 

und Humboldt übereinstimmen. Berührt man bei eine 

lirten Fische zugleich beide Organe an der oberen Fläch 

mit zwei Fingern an den gleichen Stellen, so em 

man den Schlag von jedem elektrischen Organe besondei 

weilen aber auch nur von einem, und zwar geht in 

Falle die Empfindung nicht über den Finger hinaus. Inda 

diese einseitige Berühning stets an dem Organe selbst oi 

nigstens ganz in ihrer Nähe statt finden , denn fafst man 

der Luft den Fisch am Schwänze an , so erhält man nie c 

schütterung, wie schon ReaumÜk bemerkt hat; auch 

ToDD nie einen Schlag, wenn er den Fisch an den Ew 

Seitenflossen hielt. Doch sind sie nach den übereinstimi 



1 De clectrici ignis natura. Mantaa 1792. §, 71. 

2 a. a. O. 472. 



Wirkang.en« 293 

imngen alkr Beobachter, nameatlich Gat-^Lussag's und 

jmboldt's stets am stärksten , wenn man beide Organe 

auch nnr eines an der obem and nntem Fläche zugleich 

ürt, und der Schlag ist in dem Verhältnisse stai^Ler, in wel* 

die Benihmngsjßäche grölser ist , stärker also ^ wenn man 

I. Organe mit der flachen Hand , als wenn man sie mit den 

m Fingerspitzen berührt. Indeis ist der Schlag in diesem 

nicht in beiden Händen gleich stark , sondern immer stär- 

1 derjenigen , welche den Rücken berührt j und Sfallak- 

will sogar gewöhnlich in derjenigen Hand, welche den 

b berührte , keinen Schlag empfunden haben. Er bemerkt 

I dab er bei der Berührung nur der einen Fläche , wenn er 

Pisch an der Brust stach , keinen so starken Schlag erhalten 

I, als wenn er den Rücken reizte. Doch bemerkt er an 

■ mdem Orte , dafs , als er einmal mit der Hand die untere 

ba rieb-, indem er die obere zugleich berührte , nur jene mit 

chhifs von dieser den Schlag erhalten habe. In adlen Fäl- 

wenn beide Hände bei einer solchen Berührung einen Schlag 

ken, ist er gleichzeitig. AuchCoNFioLiACHi bemerkte eine 

idiedenheit der Empfindung , je nachdem er mit der Hand 

knche oder am Rücken schlofs, ganz ähnlich derjenigen, 

B man bei einer Volta^schen Säule am negativen oder posi- 

lEnde schliefst, was also gleichfalls die stärkere Empfin- 

l auf die Seite des Rückens hinweist. 

Allezeit ^ind die Schläge stärker , wenn man es nicht bei 
bloben Berührung bewenden läfst, sondern die Haut des 
las auf irgend eine Weise reizt, durch Drücken (doch will 
tHOUsz %ei mehr oder ^weniger starkem Drucke seiner Fin> 
leine Veränderong in der Stärke der Schläge bemerkt ha- 
, Reiben, am sichersten aber durch Stechen. Auf diese 
Häike Spallaszani 23 Schläge in einer Minute , wovon 
letzte eben so stark als der erste war. Dasselbe bemerkt 
boEWHOirsz , und sogar dafs , wenn die Schläge schnell 
einander folgten , sie statt schwächer zu werden , vielmehr 
MP -wurden, es mochte das Thier sich im Wasser oder in 
Luft befinden. Walsh erhielt in einer Minute 100 Schläge, 
m der Rochen zwischen beiden Händen gehalten , abwech- 
d aus der Luft unter Wasser bis auf einen Schuh unterge- 
ht und wieder emporgehoben wurde , und zwar die stärk- 
jedesmal in dem Augenblicke, da der Fisch bei diesenr' 



3»4 



Fische, elektrische; 



Auf- und Abwärtsbewegen die Oberfläche des Wusen 
und wieder aus demselben auftauchte. 

Unmittelbarer auf die elektrische Natur des hierbei stitt 
benden Vorganges deuten folgende Verhältnisse, Die 
sind in der Luft unter übrigens gleichen Umständen um 
stärker als unter dem Wasser, nach Walsh wohl viermti 
ker» Unmittelbare Berührung des Fisches ist nicht nOthig, 
die Erschütterungen zu erhalten. Schon Reaumub. 
dafs, als er den Fisch mit seinem Stocke berührte, ereine^' 
gleich viel schwächere Erschütterung empfand. Walsi 
an , dafs als ein Zitterrochen in einem Korbe mit einem 
oberwärts bedeckt , drei Zolle unter der Oberfläche des 
sers gehalten wurde, bei der Berührung desselben mit'i 
kurzen , halb unter dem Wasser halb über demselben 
chen , eisernen Bolzen , wenn man diesen mit der einea-i 
anfafste , während die andere in einiger Entfernung vom 
unter das Wasser getaucht war, starke Schläge in beidral 
den empfunden wurden. Ja, wenn an diesem Bolzen 
feuchter hänfener Strick befestigt, und in der Hand iibeij 
Wasser gehalten wurde, erhielt Walsh Schlage. Audi! 
LASZAVi bestätigt die Beobachtung einer Mittheilung 
Schütterungen bei mittelbarer Berührung des Fisches durch 
andern Körper , doch mufste derselbe ein Leiter der Elel 
seyn, aber es war auch in diesem Falle die Erschütterung i 
schwächer als bei immittelbarer Berührung. Schon nasses' 
oder ein nasses Netz leiteten den Schlag, der. jedoch, 
diese Körper trocken waren, verhindert wurde. Wal« 
richteten die Fischer , dafs beim Fischfange sie oft schon iij 
ner Tiefe von 12 Fufs durch die Erschütterungen , die skl 
hielten , die Anwesenheit des Zitterrochens im Netze eike 
Wurde die Oberfläche der elektrischen Organe mit Bamndl 
strichen, so wurde der Schlag nach Spallanzani d( 
durchgeleitet. Damit lälst sich die Beobachtung Gat-LÜSI 
und HuMBOLDT^s immer noch vereinigen, dafs bei der Bi 
rung mit den besten metallischen Leitern keine Erscl 
erhalten werde. Dieses gilt nämlich nur für den Fall, 
blols eiue einseitige Communication mit dem Fische statt 
und dieser oder der Mensch übrigens isolirt ist, denn in 
Versuchen von Walsh mit dem eisernen Bolzen fand ein 
lieber Leitungskreis durch die Hände und das Wasser von 



. Wirkungen. 5?95 

* 

zur mitem Fläche statt. Wenn daher Gat^Lussac und 

MBOLDT den Zitterrocheid mit der unteren Fläche der 

sehen Organe auf eine metallene Schüssel legten , so em-- 

n sie , iRrenn sie die Schüssel in der Hand hielten , nie 

Schlag , selbst wenn eine andere Person , die isoKit war, 

isch reizte, und die convulsivischen Bewegungen der 

ossen die stärksten Entladungen des el. Fluidums anzeige 

berührte dagegen derjenige, welcher die Schüssel hielt, 

T andern Hand die obere Seite der el. Organe , so fuhhe 

beiden Armen zugleich einen heftigen Schlag. Dasselbe 

ff Fall, wenn der Fisch zwischen zwei metallenen Schüs* 

lg, deren Ränder sich nirgends berührten , und man dann 

ida die Hände brachte. Berührten sich aber die beiden 

tfäok in irgend einem Puncte , so fühlte man nichts. Hier 

ibo der eine metallische Entladungskreis voUkommen^ hin- 

ad zur vollständigen Entladung , gerade so wie die Hand, . 

te den metallenen Auslader hält, durch welchen man die 

II Belegungen einer geladenen Leidner Flasche mit einander 

Jibindang bringt, bei der Entladung nichts empfindet. In* 

luum doch auch beim Rochen , wie bei einer Leidner Fla- 

die Entladung durch mehrere Canäle zugleich geleitet 

m, wenn jeder einzelne Entladungskreis aus unvollkom- 

Q Leitern besteht, wo dann aber die Erschütterung in dem- 

1 Verhältnisse mit der Menge solcher Kreise für die- Ein- 

Q geschwächt Mrird. Nach Walsh bekamen vier Personen, 

af einmal einen Zitterrochen anrührten, gleichzeitig Schläge, 

jeder einzelne nur schwach. Qemerkenswerth ist* noch bei 

Gttheilung der Erschütterung durch Zwischenleiter, dafs das 

ter för sich allein diesen Dienst zu leisten nicht im Stande 

Gat - LÜ8SAG und Humboldt bemerken ausdnkklich, 

so lebhafte Erschütterungen man auch unter dem Wasser 

t, doch die unmittelbare Berührung der Organe wenigstens 

aer Stelle (oder nach Walsh wohl auch mit einem sonsti- 

ynten Leiter) erforderlich sey , und dals die Wukung nie 

;e f wenn auch eine noch so dünne Wasserschicht den sich 

aden Finger von dem Organe trenne. Da jedoch der viel 

sre Zitteraal auch unter dieser Bedingung Schläge ertheilen 

, so liebe sich wohl auch für sehr kräftige Zitterrochen das 

ntheil davon voraussagen, und die Bedingung kann also nur 

Lii« relative angesehen werden. ^ 



Fifrixe. elckaxuc^i 




Pc9%:aK& iMuin. Z 




der Fifck is«. d» 





Hand iai da» 
FiB«cr C9 
jleicke Weise 
M»en i!ue Fif^er in die i£bh^*i: Beckec . »o 
Cjis \Vi&fi«T in den Bcckes mit cizkainder in Vei^i 
in das letzte Becken ^nr du eine Eijce des zcden 1 
dnJues eicgeUccht, und mit dem aLsdern finde SKiiziirti 
den RücJun des Fisches , und in demselben Ai^enbbcft 
also fiinf Personen eine Erschiitterang. dim n^ an Sl 
derfenigen einer Leidner Flasche abwich. AVj^ls«, 
selbst nicht in dem Erschüttemngkrei^e befand, erhieh 
nen Stob« Derselbe Versach wurde auch mit 8 Pcno 
derholt. Sobald dieser Äreis durch x^ichtleiter der El 
wie Glas, Sie;;ellack a. d. gL, womit eine der Pexsoc 
Wasser eintauchte, unterbrochen wurde, so blieb anc 
sthiif t«riing aus« Ein gleicher Versuch wurde auch f 
LAMtAwi desgleichen von Gat-Lussac und v. HuMi 
demselben Erfolge wiederholt. 

Bei dieser vollkommenen Uebereinstimmung mit c 
ntir Versuche war nun zu erwarten , dafs man auch eü 
liehen el. Funken bei dem Durchgange des ei. Fluidv 



Wirkungen. 297 

i Kreis eriialten würde , wenn man irgendwo eine Unter- 
ing anbrächte, die nicht zu grofs wäre, um den Durch* 
der Elektricität zu verhindern. Walsh machte aber in 
Hinsicht vergebliche Versuche, denn auch die kleinste 
ong , welche in einem auf Siegellack geklebten und zur 
g dienenden Streifen Stanniol durch einen höchst feinen 
t mit dem Messer angebracht war, hinderte die Entladung. 
lO wenig konnten andere Naturforscher wie Sfallanzaiti, 
LüSSAC und Humboldt und CovFieLiACHi den kleinsten 
B hervorlocken. Letzterer erwähnt zwar eine Empfindung 
icht oder vorübergehenden Schein^, welche der Zitter- 
\ gewährte , es ist aber nach dem ganzen Zusammenhange 
Inr nur jene subjective Lichtempfindung zu verstehen, wel^ 
fmU einfache Ketten als Volta^sche Säulen , wenn ihr eL 
"dmpch das Auge selbst oder demselben nahe liegende 
I gdeitet wird , hervorbringen , eine übrigens höchst in^ 
■te Beobachtung , wobei man nur zu bedauern hat , dafsi 
SiiACHi nicht die näheren Umstände seines dabei befolg— 
■fihrens angegeben hat. Nur der einzige Gardivi will 
m oben erwähnten Zitterrochen, der auf einem Isolir- 
lag , indem er ihm jene heftige Erschüttenmg ertheilte, 
irirklichen Funken gesehen , und das ihn begleitende Kni- 
ehört haben , und mit ihm auch die andern Anwesenden. 
indels nicht näher ansec[eben, an welcher Stelle der Funke 
erschein kam, imd welche Vorrichtungen gemacht wur- 
im ihn .wahrnehmen zu können , und so bleibt diese iso- 
(tehende Beobachtung höchst problematisch. Diese auch 
lie kleinste Unterbrechung des Leitongskreises durch ei- 
ichtleiter schon eintretende Hemmung des Durchganges 
nrbei thätigen el. Fluidums stimmt auch mit einem Ver- 
GrAT-LussAc's uud V. Hümboldt's Überein, welchem 
» «ach die Lichtflamme die Durchleitung der Erschütte- 
nterbricht, wenn z. B. zwei Personen ,' die zwischen ih- 
ihten Händen den Zitterrochen hielten, statt sich die linke 
m geben j zwei Metallstäbe in eine Licht^amme steckten. 
m wurde die Erschütterung sogleich empfunden, wenn 
denselben Umständen die Stäbe nur in einen Wasser- 
I eingetaucht waren. Auch anderweitige unzweifelhafte 



a. a. O. S. 654. 



296 Fischct elektrische. 

Erscheinungen von Elektricität^ und namentlich von firele 
nung , von eL Polen u. s. w. haben bis jetzt auf keine 
beim Zitterrochen wahrgenommen werden können,, nai 
keine Anziehungen oder Abstofsungen auch nicht der lei« 
Körperchen , keine Wirkung auf die empfindlichsten Elei 
ter, auch nicht mit Hülfe der besten Condensatoren, ke 
düng von Flaschen oder Batterien j in welcher Hinsich 
die frühem Versuche von Walsh , Inoevhousz und Sr 
2AVI einen negativen Ausschlag gaben , di& neuesten V 
Gay-Lvssac's und Humboldt's, vorzüglich aber Com 
GHi's, ganz entscheidend sind. Letzterer hat sich besond 
müht, die Elektricität in dem AugenbUcke, wo der fi 
Erschütterung mittheilt, im Condensator aufzusammeln, ii 
richtig bemerkt , dals die el. Organe im gewöhnlichen Z 
des Fisches ohne freie Elektricität sind , und die Elektric 
in dem Augenblicke, wo der Fisch durch nrgend einen be! 
Mechanismus diese Organe in Thätigkeit setzt, dargeboten 
Er veranlafste daher den Zitterrochen durch Stechen, Räi 
Drücken zu Entladungen , aber auch in diesem Falle sei 
Condensator keine Spur von ihm mitgetheilter Elektricitäl 
Nach allem diesen ist es daher nur durch ein giii 
Müsverstehen gewisser Aeulserungen der oft citirten Seh 
lei begreiflich, wenn Kühn^ anführt, der Krampfrochen 
nach Walsh zwei Oberflächen, welche sich wie bei de 
ner Flasche in dem Zustande entgegengesetzter Elektricita 
finden, sein Rücken habe -{- £ und sein Bauch — E, 
es ziehe dieser Fisch leichte Körper an und stofse sie 
zurück , auch könne man einen el. Funken bei ihm wi 
men, welche Entdeckung Walsh gleichfalls bei deml 
rochen gemacht habe, in welcher letzteren Hinsicht da 
berstück des Journal de Physique vom Jahr^ 1776 citt 
wo jedoch nicht von einem Funken des Zitterrochens^ 
des Zitteraals die Rede ist. Ritter hat sich ohne 
durch Kuhn , dessen Schrift er citirt , gleichfalls verfiihj 
sen, den gleichen Irrthum zu wiederholen, wenn c 
Walsh sah den Krampfrochen leichte Körperchen anzid 
abstolsen, und fand, dals sein Rücken 4*^ ^hd sein Bau 



1 Geschichte der medicinischea und physischen £1< 
1785. U. 4a 41, 



Wirkungen« 299, 

Wai.8H hat Act in der That nichts, von all^ dem be- 
:, sondern nnr nach gewissen Analogieen des Verhal- 
r beiden Obeiflächen der el. Organe des Zitterrochens 
Belegungen einer Leidner Flasche als Hypothese aufge- 
Lafs sie in einem gleichen entgegengesetzten el. Zustande 
inden möchten. Nur der einzige Berthollet fuhrt an ^: 
jie an einem seidenen Faden hängende Kugel ihm zwi- 
wei eisernen Drahten, die mit dem Rücken und Bauche 
;he8 communicirten , hin und her zu spielen geschienen 

aber nur während der Zeit der Entladung des Fisches, 
hst feiner und schwieriger Versuch, wie er hinzufügt, 
det er von mehreren sonstigen mit dem Zitterrochen Ton 
■gestellten Versuchen, von denen er in einem andern 

handeln werde. Da er indefs nichts weiter davon be- 
remacht, auch zu dem an ihn gerichteten Aufsätze Hüm- 
*s und Gat Lussac's, in welchem alle Anziehungen und 
rangen leichter Körperchen durch den Kramp&ochen ge- 
t werden , keine weitere Anmerkung hinzugefügt hat , so 
ilit m bezweifeln , dafs er selbst in seine frühere Beobach- 
utm Vertrauen mehr gesetzt habe. 

Hß ErfieJurung Galvani's, dafs, wenn man präparirte Frosch* 
Lel so wie auch Froschherzen auf den Rücken eines 2^tter- 
18 legt , in dem Augenblicke, da£s dieser die Erschütterung 
dh , jene in Zuckungen gerathen , ist noch das einzige ei- 
nalsen hieher gehörige weitere Zeichen von der el. Natur 
ierbei thätigen Princips, und um desto mehr, da auch darin 
vollkommene Uebereinstimmung mit dem Verhalten der ge- 
liehen E; statt findet , dafs durch jene Entladung eben so 
ei einem gewöhnlichen el. Funken oder einem schwachen 
rome die Muskeln im Augenblicke der Entladung (nämHch 
littheilung der Erschütterung), das Herz dagegen erst einige 
nblicke nachber, und bei schwächeren Entladungen, so wie 
I einen schwächeren el. Strom nur die willkürlichen Mus- 
, das Herz dagegen nicht in Bewegung gesetzt werden. 

Zum Schlüsse dieser, die el. Natiir des Vorganges betref- 
n , Verhandlungen bemerke ich noch , dafs ohne Zweifel, 



De I'tlectdcitrf dn Corps humain dans l'^tal de santrf et d« 
ic. Tomo I. Paris 1786. 8. p. 173. 



300 Fische, elektrische. 

(wie auch {liTTin ^ vorgescMagen hat) die einzige sich« 
thode, Zeichen von freier el. Spannung zu erhalten, dai 
stehen würde, den S^itterrochen sich in eL Batterieen von 
Gapadtät entladen zulassen, indem man seinen Bauch in ei 
leitende Verbindung mit der äulsern Belegung , und die 
Belegung durch einen Draht in eine nur augenblicklicli 
wenigstens schnell vorübergehende Berührung mit dem 1 
.brächte , indem man den Fisch zu gleicher Zeit zur Erd 
des Schlages reizte. Ohne Zweifel würde die Batterie d 
einer wahrscheinlich höchst schwachen Spannung gelade 
den, die man durch Hülfe des Gondensators merklieh i 
k(Hinte. 

Bei der Ertheilung der Erschütterungen verhält n 
Fisch auf keine Weise blofs passiv, so dafs er gleichsam 
nen el. Organen nur eine geladene el. Batterie oderVd 
Säule darstellte , die man beliebig entladen könnte , sonc 
ist auf eine sehr auffallende Weise activ , und dieses Iti 
noch zur Betrachtung des Verhältnisses, in welchem dn 
i(cheinungen mit der Willkür des Thiers und mit sein 
benskraft überhaupt stehen. 

Man erhält vom Zitterrochen nicht immer einen 
wenn man ihn berührt , selbst nicht wenn man ihn mit 
Händen am Rücken und Bauche zugleich anfafst, wie k 
er auch sey. Man mufs ihn reizen , damit er den Seh 
theile , und diese Wirkung hängt ganz von seiner Will 
Darin stimmen alle Beobachter mit einander überein, von 
MüR an, der auf eine sehr unterhaltende Weise erzäfa 
er von seinem Zitterrochen getäuscht worden sey , so da 
ihm verzweifelte , dafs er Schläge ertheilen könne , da 
längere Zeit unter dem Wasser auf allerhand Weise mi 
Händen manipulirt habe , ohne etwas zu empfinden , da 
plötzlich einen äufserst heftigen Schlag erhielt, bis zu de 
sten Beobachtern Gay-Lüssac, v. Humboldt und 
welcher letztere noch bemerkt , dafs sonst lebhafte Zitte 
selbst eine starke Reizung erleiden konnten , ohne einer 
zu ertheilen. Auch konnten sich die Fische, w^enn i 
in den Händen hielt , mit sichtbarer Anstrengung ihrer ] 
thätigkeit drehen und wenden , und wenn sie sich au« 



1 a. a. O. S. 649. 



Wirkungen. 301 

in konnten, doch einen Schlag geben. Dieief will- 
Endaden der el. Organe deutet unmittelbar darauf hin, 
?isch durch einen Act seinerWiUkiir und die dabei thätige 
:m£t in den el. Organen irgend eine Veränderung hervor- 
'wodurch sie augenblicklich erst geladen, oder wenn 
her geladen doch nur durch einen besonderen Mechanis- 
aden ^werden. Ueber die einer solchen Entladung vor- 
len oder dieselbe begleitenden anderweitigen sicht- 
mndemngen in den verschiedenen Theilen des Kör- 
B hierüber weiteren Au£schlufs geben konnten, findet 
*ine vollkommene Uebereinstimmung unter den Schrift- 
statt. ReaümÜr will beobachtet haben , dafs jedesmal, 
.er Rochen den Schlag ertheile , er den natürlich etwas 
n Rücken platt und selbst etwas concav mache, und 
in diesem Augenblick den Schlag ertheile , wobei dann 
km, ohne dafs man dieses Zurückkehren selbst beob- 
kSnne, seine vorige convexe Oberfläche wieder ange- 
a habe. Diese wichtige Beobachtung ist leider von den 
aFoTBchem gar nicht berücksichtigt, und in sofern auch 
lestadgt worden , indefs verdient sie bei dem bekannten 
Beobachtungsgeiste Reaumur^s doch auch jetzt noch alle 
mg. Walsh wollte jedesmal bei Ertheilung des Schla- 
Zurückziehen der Augen, und auüserdem noch eine leichte 
gehende Agitation in den Knorpeln, von welchen die 
rane umgeben sind, beobachtet haben. Spallanzini 
oe Bewegung der Augen so wenig constant, dals sie ihm 
meist unbeweglich blieben, und manchmal sogar her- 
m; auch anderweitige Bewegungen des Körpers konnte 
t bemerken, dagegen wollen Gat-Lussa^ und v, Hum- 
bemerkt haben ^ dafs der Zitterrochen die Brustflossen 
dvisch bewegte , so oft er seinen Schlag gab , wodurch 
jide Reaumur's frühere Beobachtung bestätigt wird , in- 
ich Todd's Bemerkung durch jede stärkere Bewegung des 
mdformigen Knorpels der Brustflossen das el. Organ zu- 
ngedrückt werden müsse, auch ein Muskelapparat die 
e Seite dieser Knorpel mit einem Fortsatze an der Vorder- 
ier Hirnschale verbinde, wodurch die ,Thätigkeit der el. 
e befördert zu werden scheine. Nach Todd war die el. 
lung im Allgemeinen von einer Muskelanstrengung be- 
. Dieses zeigte sich deutlich durch das Anschwellen der 



302 



Fische, elektrische. 



obem Fläche iet el. Organe, yorziiglich an der vordeni| 
Schädel gegenüberstehenden Seite, und das-Zurückzielieiii 
Augen, woraus Todd, wenn ein anderer den Fisch hieh^, 
ziemlicher Sicherheit das Eintreten der Explosion 
konnte ; doch täuschte er sich bisweilen, indem ex selbst! 
«rhielt (zumal wenn das Thier schon geschwächt war) obnei 
Muskelthätigkeit voraus bemerkt zu haben. 

Das Thier, das willkürlich die Schlage ertheilt, kaon. 
bewunderungswürdiger Schnelligkeit seine Organe stets 
von neuem laden , da es im Stande ist, eine lange Reüuj 
Schlägen mit gleicher Stärke zu ertheilen. Die Stärke der! 
steht im Allgemeinen in geradem Verhältnisse mit der 
Kräftigkeit und Lebendigkeit des Kochens , doch können 
schwächere Thiere durch stärkere Reizung zur Ertheilm^l 
starker Schläge gebracht werden. Die Schläge nehmen 
andern Charakter an , wenn der Fisch sehr schwach 
sein Tod herannaht. Kurze Zeit vor demselben, ei 
nach Spallahzabti^s Beobachtung nicht mehr in Zwischei 
Schläge, «sondern ununterbrochen auf einander folgende 
tere Schläge , ähnlich solchen , die man erhalten würde, 
man ein klopfendes Herz zwischen seinen Fingern 
nur verbunden mit einer unangenehmen Empfindung, die ji 
sich nicht über die Finger hinaus erstreckte. Dieses 
7 Minuten , während welcher Zeit Sfallanzani 316 
leichter Schläge empfand, worauf dann wieder einzelne in 
geren Zwischenräumen 2 bis 3 Minuten bis zum gänzlichen' 
erfolgten. Eine gleiche Beobachtung machte auch Todd 
der Bemerkung, dafs die zuletzt unwillkürlich so schnell 
einander folgenden Entladungen (gleich dem Sehnenhüpfen 
Sterbenden) ein blofses Prickeln in ihm hervorbrachte. Aue 
dem vom Thiere abgesonderten Organe bemerkte Spallaii 
schwache Stöfse, wenn er aber die Haut von dem oberen Tl 
des Organs abzog, so verloren sie sich fast gänzlich. W« 
starken lebhaften Rochen ihre Organe ausrils, so hörten 
Stöfse sogleich auf, und unter dem Druck der Hand auf die 
ben fühlte man blofs eine schwache zitternde Bewegung, 
sich endlich in eine leise Palpitation verwandelte. Die Tl 
lebten indels fort, gaben aber keine Erschütterung mehr, cl 
auch dann nicht, wenn nur eines dieser Organe von ihnen getifltf 
war , doch fand hiervon zuweilen auch das Gegentheil statt. 



Wirkungen. 303 



8 £o Einwiilnuig der Lebenskralt und insbesondere der 
anf di9 Ertheilung der Erschüttemngen und folglich auf 
bei Xtun Grande, liegenden el. Vorgang durch die zu den 
gehenden Nerven wesentlich vermittelt werde , kpnnte 
an voraus aus der ungemeinen GröTse derselben vermu- 
den j ist aber durch directe Versuche auTser allen Zwei- 
Et. Schon Sfallahzahi fand, dals wenn blofs die drei 
des eL Organs durchschnitten werden, die Erschütte- 
sogleich aufhören , und nur die oben erwähnte zitternde 
lg übrig bleibt. Dasselbe bewiesen noch deutlicher die 
LYAV^ angestellten Versuche. Nach abgeschnittenem 
ntfaeilten beide Organe keine weitere Erschütterungen* 
dagegen das Herz ausgerissen , so verlor das Thier nicht 
mögen, Erschütterungen zu ertheilen. Das Durchschnei- 
ir ein starker Druck auf die zu dem el. Organe gehenden 
hob dagegen dieses Vermögen gänzlich auf, wenn gleich 
n sonst kräftiges Leben zeigte. Todd fand gleichfalls 
(erholten Versuchen , dafs nach Durchschneidung der zu 
Oiganen gehenden Nerven alles Vermögen Erschütterun- 
geben verschwunden war, ungeachtet das Thier an son- 
«ebendigkeit gar nichts verloren hatte, ja, was besonders 
idend fiir die Abhängigkeit dieser Schläge voh der Le- 
k des Thieres ist , länger kräftig blieb , und unter den- 
(Tmständen länger fortlebte, als andere Individuen, an 
ene Operation nicht vorgenommen war , denen man aber 
lernhrung und Reizung häufige Schläge entlockte , wo- 
ie sichtlich geschwächt und ihr Tod beschleunigt wurde, 
nr ein einzelner Nervenast , oder hatte man nur die Ner- 
f der einen Seite durchschnitten , so dauerte das VermÖ- 
L Schläge zu ertheilen, wie es schien, ungeschwächt 
£s wurde ein Draht durch das Gehirn eines sehr lebhaf- 
errochens geführt, daraufhörte alle Bewegung auf, und 
Leizung konnte die el. Schläge erregen. 
les was bis jetzt Vom Zitterrochen angeführt worden ist, 
: gleiche Weise auch vom Zitteraal, nur mit der Verschie- 
t, w^elche die viel ausgedehnteren el. Organe und die da- 
»hängige grölsere Energie seiner el. Kraft mit sich bringt. 
n sind die Schläge noch weit mehr den starken Erschütle- 
L einer Leidner Flasche oder Batterie zu vergleichen. Die 
^tsereil Zitteraale (welche eine Länge bis 6 Fufs erreichen) 



304 Fische, elektrische. 

sind so heftig 9 daTs sie Aach v. Hvmboldt's ^ Zetignils i 
wenigen Minuten Pferde zu tödten im Stande sind. '. 
längs dem Bauche des Pferdes hingleitend, trifift alle 
Theile, und besonders die grofsen Nervengeflechte im 
Das betäubte Pferd stürzt zu Boden und erstickt, we 
lange in seiner Lethargie unter dem Wasser verweilt. 1 
ger Neger, dereinen solchen Aal anfalste, soll nach Fl 
lähmt Worden seyn und Bryavt fühlte die Erschiittem 
blofs durch Hände und Arme , sondern durch den ganz 
und am meisten in der Stirne und in dem Dickbeine. 
Bsa» vergleicht die Stärke der Erschütterung unter dem 
mit derjenigen einer Leidner Flasche von 70 Quadratzc 
gung, die auf 10 bis 15 Grad nach Adams's Quadranten-l 
meter geladen ist, und in der Luft mit einer noch einmal so 
Man kann hiemach auch erwarten , dals der Wirkn] 
des Zitteraals viel ausgedehnter als derjenige des Toip 
und dab die el. Entladung noch da durchbricht, wo die 
terrochens aufgehalten wird. Wirklich ist beim 2^tteraah 
telbare Berührung nach Williamsoit und Fahlberg ni 
thig , sondern der Schlag wird schon empfunden, wenn x 
demselben mit der Hand unter dem Wasser nur nähert, 
zeigt sich besonders auch , wenn der Aal die kleinen Fis 
ihm zur Nahrung dienen, durch el. Schläge, die er ih 
theilt, vorher betäubt, wobei er sich ihnen nähert, abi 
aus der Ferne auf sie den verderblichen Schlag Iosschie£ 
sen Stärke er nach einem ihm eigenthümlichen nie täus 
Gefühle, wie Fahlenbero bemerkt, nach der Entferm 
also der Dicke der Wasserschicht jedesmal richtig 
WiLLiAMSON empfand lebhafte Erschütterungen , wenn 
Hand, ohne den Aal zu berühren, zwischen diesen 
kleinen Fische hielt, auf welche der Aal aus einer En 
von 10 bis 15 Fufs seine Schläge losschleuderte , und 
durch vollkommen betäubte. Es wird durch diese Erfal 
Hümboldt's Behauptung widerlegt, dals auch beim 
wie beim Zitterrochen unmittelbare Berührun<j nöthig 
auch die kleinste Wasserschicht die Mittheilung des i 
hindere. 



1 Jagd und Kampf der elektrischen Aale mit Pferd< 
XXV. 34. 



Wirkungen. 3O5 

ich beim Zitteraal ist eine gewisse Beziehung auf zwei 
ler Stellen, von welchen die Kraft vorzüglich ausgeht, 
lohe , wie wir weiter unten sehen werden , als entere- 
tzt el. zu betrachten sind, nicht ganz zu verkennen, wenn 
icht so deutlich bezeichnet. Diese Pole beziehen sich 
sr nicht wie beim Rochen auf den Rücken und Bauch, 
, we sich auch schon nach der Analogie der Structur er- 
wd^, auf das Vorder - oder Kopf - und auf das Schwanz- 
Würde nach Fahlekbers der Fisch nur mit einer Hand 
, so gab er einen Schlag, welcher der Wirkung des in 
a^he nach der ersten Entladung noch vorhandenen Resi- 
gleich kam. Die Empfindung war etwas stärker, wenn 
t der einen Hand den Fisch an dem Halse , und mit der 
Ol Schwänze fafste. Dasselbe fand auch Williamsoit, 
i Unterschied zwischen der Empfindung in beiden Fällen 
A auffallender angiebt, indem ihm zufolge die Berührung 
er einzigen Hand nur die Empfindung eines einfachen el. 
s verursachte. Auch v. Humboldt bemerkt, dafs^ wenn 
iläge des Zitteraals schwächer und mehr gleichförmig 
I, wie bei verwundeten Thieren, wo man* die Unter- 
an Stärke der Schläge nach Verschiedenheit der Umstände 
unterscheiden kann , er jedesmal stärkere Schläge erhal- 
e, wenn er den Fisch mit zwei Händen (also doch auch 
r einen näher am Kopfe, mit der andern näher am 
ize), als wenn er ihn nur mit einer einzigen Hand be- 
ibe , stärker auch wenn statt mit der Hand mit einem Mo- 
nd zwar stärker bei der Bewaffnung der Hand mit Zink 
Kupfer. Auf eine besonders auffallende Art gelangen 
i diesem Fische die Versuche über die durch eine ganze 
iron Personen durchgeleitete Erschütterung, wenn diese 
lander mit nassen. Händen anfafsten, oder durch Leiter 
ktricität mit einander verbunden w^aren , während die 
Aenfsersten der Reihe den Fisch unmitt^bar oder auch 
telbar berührten. Schon J. Walsh trieb diese Versuche 
r, dafs der Schlag durch 27 Personen geleitet wiurde, 
4MSo]f durch eine Reihe von 8 bis 10 Personen, wo die 
terung gleichfalls am stärksten war, wenn von den bei- 
fsersten Personen die eine den Fisch am Schwänze, die 
am Kopfe berührte, Fablenberg fand die Erschütterung 
rksten , wenn der Fisch von denen an den beiden Enden 
Id. ü 



306 Fische, elektrischet 

der gesclilossenen Kette stehenden Personen mit einem jbIOm 
oder messingenen Leiter an den Brustflossen berührt wurde, m 
schwächsten dagegen , wenn nur die eine von diesen den Fi 
die andere das Wasser berührte« Wie stark die eL Kraft 
Zitteraals und wie ausgedehnt der Wirkungskreis derselben 
ergiebt sich besonders aus einer Beobachtung Flagg^s, dali, 
einmal der Aal aus dem Wassergefäüse gekommen war, uodj 
ihn mit einem Stücke Tannenholz von 18 ^oU Länge aiifz 
ben versuchte, er doch so starke und wiederholte Schläge 
hieh , dafs der Schmerz davon im Arme längere Zeit nicht 
d|5r vergehen wollte , hoch mehr aber aus der merkwürdigen) 
obachtung Willi amson's, dafs, als ein feines Loch in 
zeme Gefäfs, in welchem sich der Fisch befand, gebohrt 
eine Person in ihrem Finger , welcher sich in deni S\ 
ausfliefsenden Wassers befand, einen Schlag verspürte iaj 
Augenblicke, dafs eine andere Person, mit welcher jene' 
in Verbindung stand, den Schlag von dem Fische, def 
gereizt wurde,, erhielt. Bei dem Zitteraale ist bei Ana 
dieser Versuche zuerst der el. Funke wahrgenommen Yii 
und zwar von John Walsh, nachdem schon Williams^! 
keine Funken bemerkt , aber sich doch überzeugt hatte , dabi 
Erschütterung noch durchgeleitet wurde, wenn die Enden 
Messingdrähte nur um 0,01 eines Zolles von einander sti 
Ueber den Versuch von Walsh findet sich , wie schon 
bemerkt ist, keine Mittheilung von ihm selbst, sondern wirl 
ben nur Angaben von andern Physikern , die Augenzeuge» ' 
Versuchs gewesen waren , und die versichern , die Ersc 
rung des Zitteraals sey von einem so sichtbaren Funken 
tet gewesen , als die Entladung einer Leidner Flasche. Sj 
hat Fahlenberg die Beobachtung von Walsh vollkommenl 
stätigt. Befand sich der Fisch unter Wasser, so konnte er! 
nen Funken erhalten. Nachdem aber der Fisch aus dem Wi 
genommen war, so wurde das el, Licht sichtbar, als durch i 
Hände zweier Personen oder durch andere Leiter beide 
eines auf Glas befestigten und durch einen kleinen Zwischei 
imterbrochenen Staniolstreifens mit dem Fische in Berührung 
bracht waren. Dagegen soll nach v. Humboldt dieLichtfla 
die Fortleitung des Schlags des Zitteraals isoUren. Auch ist i 
sehr bemerkenswerth , dafs nach Flagg's Beobachtung 
Frauenzimmer von etwas schwindsüchtiger Beschafifenheit 



Wirkungen. 307 

il beiühren und behandeln konnte, ohne einen Schlaff da- 
lu empfinden j gerade so wie man einzelne Falle von Un* 
lUchkeit für den Schlag einer Leidner Flasche beobachtet 
will. Trotz dieser Beweise einer so starken el. Kraft 
man doch auch beim Zitteraal bis jetzt keine Spur freier 
anung , keine Anziehung oder Abstofsung leichter Kör- 
1 durch dieselbe, keine Wirkung aufs Elektrometer selbst 
lit Hülfe des Condensators , keine Ladung einer Leidner 
) auch nnr^zum schwächsten noch durch Hülfe dieser In— 
ite bemerkbaren Grade erhalten. 

ich fiir den Zitteraal gilt es , dafs die Ertheilung der Er- 
rangen ein Act der Willkür ist , und dafs sein el. Ver- 
in dem inni£[sten Ziisammenhanire mit der Lebenskraft 
Der Zitteraal ertheilt seine Schläge und richtet die Stärke 
wn ganz nach den Umständen ein , um seinen Zweck zu 
en. Ja er scheint selbst nach John Walsh und den spä- 
Beobachtungen von Fahlenberg einen eigenen feinen 
ör das VerhaltniTs der Umstände zur Möglichkeit der Er- 
lg der Schläge zu besitzen , ob nämlich die Körper, die 
im nähern^ solche sind, die den Stofs empfangen können, 
eiter oder Isolatoren , denn in dem ersten Falle ertheilt er 
oisj in dem zweiten nicht. Diese merkwürdige Eigen- 
5U zeigen stellte Walsh mehrere Versuche an, von denen 
»erzeugendste folgender war. Zwei Drähte wurden mit 
Enden in ein Gefäfs mit Wasser gelegt, in dem der Fisch 
ifand , sodann umgebogen , und eine grofse Strecke fort- 
:, endlich endigten sie sich in zwei besondere mit Was- 
allte Gefäfse. Die Drähte wurden in einer beträchtlichen 
Hing von einander durch Nichtleiter getragen. So lange 
den Wassergefäfse nicht durch einen Leiter mit einander 
den "waren, war der Leitungskreis nicht vollkommen, was 
ntrat , sobald eine Person die Finger der einen Hand in 
e, und die der andern Hand in das andere Geiäfs tauchte.^ 
enaerkte man beständig, dafs das Thier, wenn die oben 
ebene Verbindung unterbrochen war, den Enden der 
sich nie absichtlich näherte, sobald aber die Verbindung 
eine Person oder sonst durch einen Leiter wieder herge- 
peurde, ^so kam das Thier augenblicklich zu den Drähten 
und ertheilte den Stofs, wenn es gleich nicht sehen 
, dafs die Verbindung wieder ergänzt worden war. Die- 

U 2 



308 Flache, elektrische« 

ser letztere Umstand des Heran schwimtnens an die. Drahl 
beweiset , dafs die Ertheilung des Schlages hier nicht nach 
blofsen physischen Gesetze auf eine nothwendige Weise 
gen mufste , sondern dafs die) Willkür des Thiers daran 
hatte , was zugleich eine Empfindung des veränderten Lei 
Verhältnisses durch eine ganz eigenthiimliche Modificäti 
Gefiilils voraussetzt. Die Ertheilung der Schläge dar* 
Zitteraal ist übrigens unabhängig von jeder anderweitiger 
b^en Muskelbewegung ; auch sind die stärksten Muskelbe^ 
gen des Gymnotus eben nicht von erschütternden Expk 
begleitet, v. Humboldt hatte den Zitteraal oft in Hand 
habt , und indem er sich convulsivisch krümmte , um si 
.zu entwinden, fühlte er keine Entladung. Dasselbe Indii 
gab wenige Minuten darauf die heftigsten Schläge, ol] 
euTsere Lage seines Körpers zu verändern^. So wie bei 
terrochen nimmt auch beim Zitteraal mit herannahenden 
die Stärke der Schläge ab , und aus dem Organe des todb 
jsches liefs sich nach Fahlenberg auf keine Weise auch i 
geringste el. Erschütterung entlocken.' 

Dr. ScHiLLiiTG, Arzt der Colonie zu Surinam, hat! 
schon oben bemierkt , der Berliner Akademie der Wissens 
Nachrichten von einigen Versuchen gegeben, welche 
besonderes magnetisches Verhältnifs des Zitteraals , unc 
eine Uebereinstimmung ihres Agens mit dem magnetisch 
zudeuten schienen. Bei der Annäherung eines armirtenJ 
ward der Angabe Schilling's zufolge der Fisch zuersl 
hig, und bei der Berührung mit demselben stark ersc 
Legte man den Magnet ins Wasser, so ward der Fisc 
einiger Zeit ganz still , und kam von selbst an den Magi 
an , als wenn er von dem umgebenden Wasser angezo| 
zurückgehalten würde. Nach einer halben Stunde zog 
sehr geschwächt vom Magnete wieder zurück, hatte a 
Erschütterungskraft verloren, so dafs man ihn ohne * 
berühren und in die Hände nehmen konnte. Die beid 
des Magnetes schienen wie mit Feilspähnen überzogen (! 
Fisch erlangte einige Kraft wieder, nachdem man ihn 
Tage mit Brod gefüttert hatte, als man aber Eiseufeil 
Wasser warf, kehrte sein voriges Vermögen in seiner 



1 G, XXU, 5. 



Wirkungen. 309 

znnick. Eine Magnetnadlel sollte !n ier Nachbarschaft 
tteraals völlig in Unordnung gekommen seyn. So viel 
se diese Beobachtungen bei ihrer ersten Bekanntmachung 
inflöfsten , indem man namentlich hierin einen Haüptbe- 
r die üebereinstimmung der Elektricität mit dem Magne- 
zu erkennen glaubte , und so sehr in unsern Tagen nach 
tdeckung des Elektromagnetismus dieses Interesse sich er- 
mufste, so verloren sie doch in dieser Hinsicht al- 
erth, da sie von späteren Beobachtern bei Wiederholung 
n besten Apparaten und mit der gröfsten Sorgfalt als ganz 
dg befunden wurden , so dafs man kaum daran zweifeln 
Schilling habe der gelehrten Welt etwas aufbinden wol- 
Dr. Ingei^hgusz untersuchte namentlich die Sache inLon- 
777 an den Fischen , welche J. Walsh auf seine Kosten 
unoam hatte kommen lassen. Er ging in Gesellschaft des 
IIRENBROEK mit mehreren Magnetnadeln und starken 
itstäben von Knight versehen dahin , fand aber den Fisch 
allen magnetischen Einflufs schlechterdings unempfind- 
Das Thier unterschied den Magnetstab nicht im gering- 
en einem andern Stücke Metall, und gab einem Menschen, 
Me Hände , eine beim Kopfe , die andere beim Schwänze 
»ches ins Wasser hielt, einen starken Schlag, obgleich 
arker Magnetstab untergehalten ward. Auch brachte er 
tgnetnadül nicht im mindesten in Unordnung. Walsh 
herte gleichfalls, Schilling's Versuche auf das sorgfäl- 
■eprlif^, aber nie einen Einflufs des Magnets auf den Fisch, 
dieses auf jenen bemerkt zu haben *. Eben so wenig 
5 V. HuMBQLDT in Sehr oft wiederholten Versuchen die 
ste Wirkung der Magnete auf den Zitteraal, oder des 
en auf Magnetnadeln wahrnehmen , so wie dann auch Ei- 
licht auf den Rücken desselben gestreut imbeweglich 
'. Auch auf den Zitterrochen äufserte nachSpALLANZANi's 
chen, ein starker Magnet , der 25 Pfund zog, nicht den 
jSlen Einfiufs. Dagegen wäre wohl durch künftige A'ersu- 
dszumitteln , ob nicht in dem Augenblicke , dafs der Zit- 
oder Zitterrochen seine Schläge ertheilt , eine in der Nähe 



IsGBVHOCsz Tcnn?5chte Schriften übersetzt voh Molitor. "Wiaa. 
Ann. de €h. XT. 435. 



310 



Fische, eleJsLtrische. 



befindliche jVfagnetnadel afficirt \yiTd , nnd zwar nacb 
Gesetzen, nach denen der Strom der Volta^schen Sfiole die 
in Bewegung setzt. 

Vom Zitterweh fehlen alle genauere Beobachtungen in! 
treff der von ihm ertheilten Erschütterungen und nur Aoi 
80^'s oben mitgetheilte Notitz , da sie sich ohne allen Zi 
auf diese Gattung bezieht, lafst annehmen, dafs im wej 
sich hier alles eben so verhalten werde. 

Von Tetrodon electrlcus hat man bloEs die einzige 
Achtung des englischen Schifilieutenants Pattersoit, deri 
derselben in einem Netze fing, und da .er den einen. an| 
wollte, einen so heftigen^ el. Schlag bekam , daüs er ihn 
sen muTste. 

Vom Trichiurus indicua fehlen alle sein Erschi 
vermögen betreffende Beobachtungen. 

IV. Theoretische Betrachtungen. 

So lange die el. Natur des Agens , von welchem diej 
schiitterungen dieser el. Fische abhängen , unbekannt war, 
ten nur irrige Erklärungen des Vorganges gegeben werden. 
Meinungen jener Naturforscher , welche wie Lorenzibti, 
KAULT u. a. gewisse betäubende Theilchen (^particulae tot} 
ficae) annahmen , die zu allen Zeiten aus dem Ivörper des 
terrochens , aber in dem Zeitpuncte , wo er seine Erschütte 
mittheilte , in gröfserer Menge ausströmten , wurden schon 
RfiAUMi/K gründlich widerlegt, selbst du^ch die Hinweisungi 
das einzige Factum, dafs man keine Erschütterung fühle, 
man auch nur durch eine dünne Wasserschicht von dem Fi 
getrennt sey, während diese Erschütterung doch bei deil 
rührung desselben mit einem Stocke mitgetheilt werde. 
mÖr hatte geglaubt , in jener oben von ihm angeführten inte 
santen Beobachtung den Schlüssel zum ganzen Mechanik 
auf welchem jene so eigenthümlichen Erschütterungen bei 
gefunden zu haben. Er vergleicht nämlich Aen ganzen Voi 
mit dem einer gespannten Feder , welche plötzlich losschnaj 
Die Rolle der zu spannenden Feder wies er den Säulen 
Cylindern der el. Organe an, durch die Abplattung desRä 
kens sollen nämlich die Basen der Organe gleichsam breiter, fi 
kleinen Zwischenlamellen der Cylinder ausgedehnt und gespan 



Theorie. 811 

n ; Iiat diese Ausdehnung und damit gegebene Spannung 
wisses Mtixiinum erreicht, und die Zusammenziehuns des 
ns , die durch den Fisch willkürhch hervorgebracht wor- 
t, lälst nach , so dehnen sich die Längenfasern , aus denen 
Ltenwände der Cy linder bestehen , wieder aus , die Quer- 
verkiirzen sich , und jede derselben , durch die Längen- 
aufwärts gezogen , treibt die eiweifsartige Materie, die in 
;llen enthalten- ist, in gleicher Richtung aufwärts, und 
se Ausdehnung nicht gleichzeitig in allen geschehen kann> 
stehen dadurch schnell auf einander folgende Stöfse, wel- 
e Nerven erschüttern und betäuben und den eigenthümli- 
>ciunerz verursachen. So erklärt Keaumua , w^arum man 
sftigen Schläge nur erhalte , wenn man die el. Organe un- 
har berühre, warum man den Fisch ungestraft am Schwänze 
«n könne , womit sich auch sehr woJü die viel schwächere 
fitterung vereinigen lasse , die man erhalte, wenn man den 
in einiger Entfernung von diesen Organen anfasse, weil 
jene Bewegung derselben dach der Haut des Fisches nüt- 
m , und diese davon erschüttert werden müsse , welche Er- 
teruog sich dann weiter mittheile. Der Umstand, dafs 
KÜA eine , wenn gleich viel schwächere Erschütterung em- 
, wenn er den Fisch mit einem Stocke berührte , machte 
icht irre in seiner Erklärung , da ja die schnelle Bewegung 
losschnappenden organischen Federn sich auch dem Stabe 
Jorch diesen seiner Hand nur mit verhältnifsmäfsig ver- 
Mter Geschwindigkeit mittheilen müsse* 
So sinnreich auch diese Erklärung auf dem damaligen Stand- 
fe der Untersuchung war, so mufste sie doch aufgegeben 
Bn, sobald John Walsh die wahre Ursache der Erschüt- 
g in der Bewegung des el. Fluidums aufgefunderf hatte. 
s reichte diese allgemeine Andeutung doch nicht hin, son- 
es kam zur Rechtfertigung derselben darauf an , die man- 
tigen Abänderungen der Erscheinungen, vorzüglich der 
5 der Erschütterungen , nach der Verschiedenheit der Um- 
5 mit den bekannten Gesetzen der Elektricität in Ueber- 
nmung zu bringen , und gewisse Widersprüche mit einer 
*n Erklärung, insbesondere den Mangel gewisser Zeichen 
Elektricität, aller Wirkung auf das Elektrometer, überhaupt 
eh Anziehungs - und Abstofsungs - Erscheinungen zu be- 
5n. Dieses leistete nun besonders Cavekdish auf eine un*^ 



312 



Fiache^ elektrische. 



gemein fcharCstnnige Art in jener oben angeführten Abliai 
indem er durch eine Reihe von Versuchen zu beweisen 
daTs von allen £rscheinun<Ten am Zitterrochen befriedigende 

o o 

chenschaft gegeben werden könne, vrenn man annehme, 
•eine el. Organe gleich einer el. Batterie von grolser Ca; 
die aber nur zu einer sehr schwachen Spannung geladeo 
wirkten. Dieser Ansicht zufolge stelhe die eine Fläche der 
Organe gleichsam die eine Belegung und die entgegeng 
die andere vor, oder es vereinigte sich wenigstens in ihnen 
Augenblicke der Mittheilung der Erschütterung die ganze Wm 
samkeit , und ging von ihnen eben so aus , wie von den 
Belegungen einer solchen Batterie. Indem Cavexdish eitti 
Holz und dann aus mit Salzwasser getränktem 5ohI< 
einen künstlichen Zitterrochen sich verfertijren lieüs , der diel 
ttalt des natürlichen hatte, und an den Orten, ^vo die el. 
an der obern und untern Fläche sich endigen, Zinnplatten 
fahr von gleicher Gestalt und Gröfse anbringen li eis, so 
er diesen Flächen den Werth solcher Belegungen einer 
schwacher Spannung geladenenen Batterie von grofser Ca] 
geben , indem er durch Drähte , die von ihnen ausgingen, 
die durch Glasröhren isolirt waren , sie mit den Belegungen^ 
ner wirklichen el. Batterie von der angeführten Art in Vi 
düng setzte , und die wirkliche Entladung der Batterie 
Verbindung jener Drähte mit ihren Belegungen vornahm, 
er sich auf verschiedene Weise mit dem künstlichen Zittei 
in Verbindung gesetzt hatte. Diese Versuche wiurden theBii 
der Luft tlieils unter dem Wasser vorgenommen , und die 
schiedene Stärke der Erschütterungen unter den verschiede 
Umständen der unmittelbaren oder mittelbaren Berührung, 
einseitigen Berührung mit einer oder mit beiden Händen 
der einen oder an beiden Flächen der eL Organe u. s. vr. stii 
im Wesentlichen mit denjenigen Verschiedenheiten überein, 
an dem Zitterrochen unter den gleichen verschiedenen Ui 
den wirklich wahrgenommen sind. Das Ganze findet näi 
seine Erklärung darin, dafs, wenn die Verbindung zwischen 
beiden Belegungen nicht durch einen vollkommenen Leiter 
macht wird, wie denn der Zitterrochen selbst und jene Ki 
gebilde in Caveifdish's Versuchen kein solcher sind, der 
ladungsstrom sich verbreitet und seinen Weg durch mehrere Ce-l 
näle nimmt, unter welchen der menschliche Körper, die Händi 



Theorie. 313 

Q. s. w. wegen ihres Tollkommenem LeitungsvennSgens 
nehmen , als das Wasser nnd die eigenen Theile des 
Ibst, 

genügend gab auch Catendish durch- diese Verglei- 
schenschaft von dem Mangel eines Funkens bei dieser 
g der Erschütterungen durch den Zitterrochen, von der 
ihkeit durch eine Kette von mehreren Gelenken die Er- 
ng zu entladen, aus der so schwachen Spannung der 
ät bei aller grofsen Quantität derselben , da auch bei zu 
pannung geladener Batterien von vielen Flaschen , die 
imex noch im Stande sind, bei unmittelbarer Berührung 

fühlbare Erschütterung zu geben, durch den feinsten 
n eine auf Glas geklebte Zinnfolie u. s. w.- die Entladung 
t "werden konnte. Diese Ansicht fand auch den allge- 
I Beifall und selbst nach der Entdeckung der Volta'schen 
od ihr einige Physiker , wie namentUch selbst v. Hum-* 
toch getreu geblieben , welcher in der Unempfindlichkeit 
iktrometer für die Einwirkung selbst der kraftvollsten el. 
einen Beweis finden will , dals die Wirkungen in ihnen 
ie in der Volta'schen Säule entstehen , und nicht aus der 
dieser erklärt werden können *. v. Humboldt übersah, 
h eben so wenig eine geladene Leidner Flasche ohne 

Spannung wenigstens an der einen Belegung denken 
und da£s die Unempfindlichkeit der Elektrometer keine 
Schwierigkeit bei der Erklärung nach den Gesetzen ei- 
ratschen Säule mache. Geoffrot findet sogar in dem 
er el. Organe, die ihrefm Wesen nach aus sehr ausge- 
1 und vielen Sehnenhäuten bestehen, welche zu Zellen 
: sind, und eine gallert - eiweils - artige Flüssigkeit ent- 
einen neuen Beweis für diese Aehnlichkeit mit Batterien 
it Blitzscheiben , indem sie abwechselnd aus Leitern (den 
y tind der weichen aus Eiweiüs und Gallerte bestehenden 
in die sich die Nerven verbreiten ?) , und aus Nichtlei- 
en sehnigten Blättern , die sich durch diese weiche Masse 
len) zusammengesetzt sind. DaJCs die Elektricität des Zit- 
eps wesentlich von der mechanischen Anordnung dieser 
ktrischen und anelektrischen Elemente abhänge , zeige 
adurch, dals man im ganzen dieselben Theile auch bei an« 

G. XXII. 12. 



314 Fische, elektrische« 

deren Rochen finde, ohne dafs doch letztere dieselben V 
gen hervorzubringen vermögen, weil nämlich bei ihn 
sehnigten Blätter fehlen, welche die gallert-eiweifs-arti| 
sigkeit in kleine isolirte Massen theilen , gerade so wie 
Batterie oder die Blitzscheibe ihren Zweck nicht erföllea 
wenn zwischen den Metallblättern keine Glasscheiben ' 
Indefs sieht man leicht , dafs dieses doch nur höchst v: 
deutnngen sind , dafs man anf keine Weise in dem Baue 
Organe nachzuweisen im Stande ist, wie die respectiven 
ti\^n und negativen Seiten. der unzähligen, kleinen Leidi 
sehen, die man in dem Organe anzunehmen gezvrungei 
mit einander zu einer gemeinschaftlichen Belegung vei 
sind, und dafs endlich jene sehnigten Häute, die mit 
tigkeit durchdrungen sind , auf keine Weise den Dienst 
sten im Stande seyn würden , die entgegengesetzten Elek 
ten von einander getrennt zu halten , wenn sie nach dt 
setze der Leidner Flasche vertheilt wären , wo sie näml 
mit ihrem ganzen Streben durch die Scheidew^and hindon 
mit einander zu verbinden und auszugleichen , behafb 
aus£^setzt werden müfsten. Der Natur sich viel näher ad 
fsend erscheint daher die höchst sinnreiche Theorie V( 
welche dieser grofse Physiker gleich im ersten Anfange, 
seine Entdeckung der Säule den 20. März 1800 an Bahk 
theilte , aufstellte , in jenem so merkwürdigen Aufsatze , d 
ihm- im Nationalinstitute am 21. Nov. 1801 verlesen t^ 
wiederholte, aber noch ausfiilirlicher in der oben bere 
wähnten Abhandlung vortrug. Die Hanptidee dieser Ed 
ist, dafs die el. Organe wahre elektrische oder Volta'sd: 
len und zwar von der zweiten Ordnung seyen , welc 
blofsen feuchten Leitern bestehen. Die Stnictur dieser ( 
wie sie sowohl beim Zitterrochen als beim Zitteraal , vor 
durch HüNTER so schön dargelegt worden ist , entspricht 
Idee vollkommen. Nach der Analogie der Säule finden 
beiderlei Organen regelmäfsig abwechselnde Lagen von 
verschiedener Art, nändich die Membranen, welche die 
düngen bilden und die gallert - eiweifs - artige Flüssigkeit 
man nun das Schema der gewöhnlichen Volta'schen Sau 



1 G. XII. 412. 

2 G. X. 421.445 — 449. 



Theorie. 315 

welche ans einer sich in derselben Ordnung 'wieder* 
Reihe von wenigstens drei verschiedenen Leitern oder 
der Elektricität besteht, die unter zwei verschiedene Span- 
ien gehören \ so mufs angenommen werden, dafs die seh- 
nschenhäute aus zwei Lagen bestehen, die das Analogon 
rs von Metallen, vorstellen, und als die eigentlichen Elek- 
m anzusehen sind, während die gallerteiweilsartige Flüs- 
e Rolle des feuchten Leiters übernimmt. Dieses ist auch die 
'^olta's, wenn er sagt: „Es ist selbst zu vermutheto, dafs 
1. Organen des Krampflisches die kleinen Lagen oder 
1 , die in jeder Säule eine über der andern liegen , ab- 
d aus Leitern bestehen , die zur zweiten und zur drit- 
e gehören, und so gebauet sind, dafs jede Lage, oder 
\trogene Paar der dritten Classe von dem andern durch 
dter zweiter Classe, d. i. durch eine feuchte Lage ge- 
ird.^' Dafs die festweichen thierischen Theile luid die 
.en Flüssigkeiten nicht eine Spannungsreihe bilden, son- 
:er mwei Classen gebracht werden müssen, für deren jede 
lies Spannungsgesetz gilt , erhellet schon daraus , dafs es 
le galvanische Hetten giebt , welche aus blofs thierischen 
bestehen, in welche kein Erreger der ersten Classe oder 
Bter trockener Erreger eingeht. Da aus allen oten ange- 
Erscheinungen hervorgeht, dafs an den el. Organen ge- 
teilen sich befinden , in welchen die Elektricität mehr 
ft ist, und ohne allen Zweifel einen Gegensatz bildet, so 
die Lage dieser Pole auch sehr wohl mit einer solchen 
le überein, denn in dem Zitterrochen haben die vielen 
inander liegenden kleinen Volta'schen Säulen (die Cylin- 
r Prismen der el. Organe) eine in Beziehung auf die Axo 
pers verticale Lage, und ihre beiden Pole müssen also 
Ober - und Unterseite (Rücken und Brust) des Fisches 
lenfallen, wie auch wirklich die Beobachtung lehrt, wäh- 
im Zitteraal die Säulen der Länge nach liegen , und folg-- 
Pole an das andere Ende (nach dem Kopf- und Schwanz- 
in) fallen müssen , was auch recht gut mit den Beobach- 
an diesem Fische zusammenstimmt. Bei der aufseror- 
len Menge der abwechselnden Lagen lälst sich auch bei 
D geringem elektromotorischen Vermögen jedes einzelnen 



S. die Artikel : Galvanismus und SHule, VoUaUcht» 



316 Fische, elektrische. 

Elements doch eine sehr starke Ladung der el. Sänien und 
eine sehr starke Erschütterung bei der Entladung sehr \yo 
greifen. Auch stimmt für diese Ansicht die grolse Uel 
Stimmung der Erschütterungen selbst mit denen, -welche ' 
sehe Säulen ertheilen. Nach Volta's Briefe an BiiNRS 
eine Säule aus 20 Lagen Erschütterungschläge , die denei 
euiserst ermatteten Krampfrochens völlig gleichen ; aiu 
bäule von 60 Lagen kann man stärkere Schläge erhalten, 
der KrampfKisch ertheilt , und so wie dieser heftigere Frs 
rungen in 'der Luft als im Wasser ertheilt, sind auch diei 
der Säule viel empfindlicher , wenn die Enddrähte in ve 
dene Wasserbehälter geleitet, und diese durch den K.Ö: 
leitende Verbindung gesetzt werden , als wenn beide £d( 
mit einem Wasserbehälter communiciren , und man in 
beide Hände steckt. Ueberhaupt gilt für die Abändernnj 
Stärke der Schläge nach der verschiedenen Art, wie uu 
mit dem Krampfrochen in Verbindung setzt, alles unbediaj 
hier , was bei der Vergleichung der Entladungen der eL 
mit denen einer Batterie von grofser Capacität , die nur zt 
schwachen Spannung geladen ist, oben angeführt wän 
eine Volta'sche Säule vollkommen das Aequivalent einer ! 
ist , nur mit dem Unterschiede , dafs sie sich selbst gelad 
Hnd nach der Entladung wieder von neuem ladet. Indefs 
diese ganze Reduction auf eine*Volta'sche Säule völliji ni 
gend seyn, wenn nicht zugleich Rechenschaft von dei 
flusse derl Willkür, und dafs die Entladungen ledi-^lii 
dieser abhängen , gegeben werden könnte, denn es ist bi 
gleichung aller oben angeführten Erscheinungen von selb 
leuchtend, dafs die el. Organe keine an und für sich g( 
und nach jeder Entladung sich wieder durch ihren blofs« 
chanismus ladende Säulen seyn können , weil man sonst 
jedesmalige Berührung in einer hinlänglich grofsen Ob 
stets Erschütterungen erhalten müfste , und durch Comi 
tion der Pole der Organe mit einem Condensator oder eil 
terie diese geladen werden ^ und elektromotorische Wii 
«um Vorschein kommen müfsten , wovon sich aber "er 
Gegentheil zeigt Vielmehr müssen erst in dem Auge 
in welchem die Fische ihre Erschütterungen mittheilen, > 



1 Phil. Trans. 1800. II. 403. 



Theorie. 317 

Q und zugleich auch entladen werden, und die freige- 
^lektricität jedesmal auch wieder im Producte aufge- 
v^egen sie eben so wenig auf das Elektrometer und dea 
3r wirken kann , als die bei der Entladung einer Fla- 
h den Entladungskreis sich ergiefsende Elektricität 
kt. Aber auch dafür hat Volta Rath gewulst. Ihm 
nlich der Mächanismus , durch welchen der Krampf- 
iläge ertheilt, darauf zu beruhen , dafs er einige von 
intfemte Theile seines el. Organs (entweder einzelne 
der vielleicht die Häute, welche in jeder Säule wie 
üben über einander liegen) einander nähert, indem ex 
zusammendrückt , oder dafs er vielleicht im Augen- 
Stofses zwischen die Häutchen und Zwischenränder 
itigkeit üiefsen läfst. Die erstere Annahme würde nun 
»ehr gut mit der oben näher beschriebenen R^aumür- 
bachtung des Verhaltens des Fisches bei Ertheilung 
e übereinstimmen , indefs "widerspricht dieser Erklä- 
Irfahrung Conf^gliachi's , dafs auch bei äufserer Zü- 
ickung der el. Organe durch Gewichte keine Erschüt- 
«wirkt werden können , und was die zweite Annahme 
> steht ihr die Thatsache entgegen , dafs in einem or«- 
Körper überall keine solche leere Stellen angenommen 
nnen, und dafs die Stellen der Prismen zu allen Zei- 
jr gallerteiw^eifsartigen Flüfsigkeit vollkommen erfüllt 
Auch giebt diese Erklärung keine hinreichende Re- 
von der wichtigen und constanten Beziehung, in wel- 
ferven mit den el, Organen imd ihrer Thätigkeit ste- 
i dafs dieser Einflufs sich nicht blofs darauf beschrän-> 
i , zur Bildung einer jener Schichten des Paars , aus 
ene Scheidung besteht, beizutragen, die ohne alleAb- 
voh eigentlicher Nervenkraft blofs nach den allgemei- 
sen der galvanisch - elektrischen Wechselwirkung ihre 
:orische Thätigkeit ausübte , ohngefähr auf dieselbe Art 
er Säule, die man aus Muskelfleisch, Nervenmark und 
Wasser oder einer Salzauflöfsung getränkten Zwischen- 
tauen kann , wird schon dadurch bewiesen , dafs nach 
leidung der zu den el. Organen gehenden Nerven, die 
ide Kraft derselben auch sogleich erloschen ist, ohn- 
och in diesem Falle die heterogenen Schichten, welche 
jane bilden , unverändert geblieben sind. 



318 



Fische, elektrische. 



Es bleibt unter diesen Verhältnissen nichts anders ül 
als den Nerven selbst den wesentlichsten Antheil an der 
gung der Elektricität einzuräumen , und die el. Organe gl 
sam nur als die Apparate zu betrachten , welche auf eine 
däre Weise zur Aufnahme und Entladung der ihnen momc 
xnitgetheilten Elektricität dienen. Eine solche Idee hat auch] 
TER in einer lehrreichen Anmerkung zu Volta's letztem 
Satze * über den Krampfrochen geäufsert. Er verspricht 
in einer besondern Abhandlung darzuthun , da£s eine y 
bestehende Verbindung vieler kleiner Säulchen zum Ae 
lente einer grofsplattigen Säule in den Organen der eL 
Statt finden möge, dafs dieses aber keinesweges primitiv 
tausche Säulen , sondern secundäre von der Art seiner 
Säulen seyen und daüs überdies diese Ladungssäulen e 
Selbst seyen , die , sich entladend , die Erschütterung 
sondern dafs sie , freihch vorher geladen , eigentlich dazu 
ten, dafs die nach einer Reizung des Fisches von ihm gel 
grofse Spannung seiner Nerven, so viel wie möglich m< 
Fische selbst wieder zusammengehe und ferner vielleicht 
dafs sie dem el. gespannten Netven während der Schlag« 
lung ungefähr eben diese Dienste erwiesen, wie eine. el. 
rie von grofser Capacität einer Volta'sclien Säule , als wi 
nach einmaliger Ladung jener und verbunden mit ihr bleil 
dann viel stärkere Schläge ertheile als ohne eine solche V( 
dun<T. Einen vorläufigen Beweis für die Richtigkeit dieser, 
sicJit glaubt Ritter in einem von CoiVfighachi mit dem 
terrochen angestellten Versuche gefunden zu haben. Dies( 
richtete nämhch aus den getrennten Organen einiger Zittern 
die gar keine Zeichen am Elektrometer gegeben hatten], Si 
die mehrere Minuten hindurch sehr wirksam w^aren , wei 
einige Zeit der Wirkung einer gewöhnlichen Säule aus 
oder Kupfer -Platten ausgesetzt wurden, ganz auf dieselbe! 
wie dieses bei den Ritter'schen sogenannten Ladungsäulen ei 

Ritter ist indefs jene Abhandlung schuldig geblieben, 
ich zweifle sehr, ob der unleugbar statt findende so wie 
Einflufs der Nerven auf die Ertheilung der Erschütterungen 
damit also auf die el. Ladung und Entladung der Organe, we 
letztere unstreitig wenigstens als die nächste Ursache der S( 



1 a. a. 0. S. 644. 



'I 



Theorie. 319 



iten ist, auf dem jetzigen Standpuncte unserer Kennt* 
Ißr Nervenkraft in einer bestimmten Construction dar- 
$rden könne. Alles, was bis jetzt als ausgemacht an- 
v^erden kann, reducirt sich darauf , dafs der el. Vorgang 
itterfischen mit demjenigen einer Volta'schen Säule am 
übereinkommt, dafs aber der einer Volta'schen SäulA 
löge Apparat nicht ohne weiteres durch die blofse Ma- 
nrichtung der el. Organe bedingt ist, und davon nicht 
Eur die Ladung abhängt, sondern dafs die Ladung und 
l ein wirklicher Lebensact ist, zunächst bedingt durch 
'eneinfiuls auf die Organe, welcher wirklich den Be- 
1 des Thiers gemäfs und nach Mafsgabe der Reizung, 
Ibe erleidet, auf diese Organe hin determinirt wird, so 
I neue Ladungen und Entladungen von gleicher Stärke 
lang hindurch erfolgen können, worin sich abermals ein 
Verhältnifs als das einer durch sich selbst, d. h. die 
nüt der elektromotorischen Apparate erneuernden La- 
id thut , da bei jeder Volta'schen Säule die Erschütte— 
der ersten Schlielsung allezeit stärker ist, als bei schnell 
ölten Schlieisungen oder gar während des fortdauernden 
dienseyns. v. Humboldt bemerkt noch, da der Zitter- 
bL Fluidum (richtiger seinen Schlag) dahin richtet , wo- 
lU, indem er es z.B. auf die kleinen Fische, die in ei- 
ssen Entfernung sich von ihm befinden , immer mit Si- 
gleich einem Blitze schleudert , wie aus der Betäubung 
1 erhellet, so müsse man auch zugeben, daüs die Ent- 
icht zugleich durch die ganze Haut erfolge , sondern an 
lle mehr als an der andern, die vielleicht durch eine 
ehende Absonderung mit dem Organe in genauere Ver- 
gesetzt worden ist. Indefs scheint eine solche Annahme 
ht nothw'endig zu seyn , da derselbe Erfolg auch eintre- 
, -wenn der Zitteraal in einem splchen Falle überhaupt 
i stärkere Entladung giebt, deren Wirkungskreis sich 
»n damit erweitern und jene Fische u. s. w. in sich auf- 
mufs j ohne auf sie ihre Kichtung im Räume selbst vor- 
98 zu nehmen, wenn gleich dem W^illen des Thieres 
r auf sie abzielend. Wenn irgend mehr Licht über das 
and noch Verborgene, was jenen el. Erscheinungen zum 
liegt, sich verbreiten soll, so muls es von einer ge- 
Einsicht in das Wesen der Irritabilität ausgehen ^ denn 



« 



320 Fische, elektrische. 

ehne allen Zweifel schliefsen sich die el. Or^aire am näc 
die Muskeln an , und die Zukunft ist vielleicht nicht mi 

I 

welche über die Richtigkeit des Ausspruches entscheide 
dals so wie die Muskelzusammenziehungen gleichsam na< 
gehende elektrische Entladungen sind, eben so nmgek 
Entladungen der el. Fische nach aufsen gerichtete Iriiti 
Aeufserungen. In diesem Sinne hat auch Steffens d 
aufgefafst, ohn^ jedoch durch die am Ende seiner Abi 
über die el. Fische hingeworfene mehr zur Physiologi 
rigen Bemerkungen — Fragen vielmehr als Antworli 
gröfseres Licht verbreitet zu haben K 

Nachdem dieser Artikel bereits ausgearbeitet war, ] 
erst die Inaugural- Dissertation des F. L. Guisan ^ zul 
welche eine Reihe sehr interessanter Versuche beschrd 
der Vater des Verfassers bereits im Jahre 1789 zu Cayw 
dem Zitteraale angestellt , und nach seiner Rückkehr na 
ropa im Jahre 1791 der Akademie der Wissenschaften s 
vorgelegt hatte, deren damalige Bekanntmachung aber da 
Revolution verhindert worden war. Die von dem Sohne a 
Nachlasse des Vaters in jener Dissertation mitgetheiben 
Tungen sind besonders dadurch interessant , dafs sie noc 
die Analogie der durch den Zitteraal (und somit durch 
Fische) ertheilten Erschütterungen mit denen der Volt 
Säule und der Modüication der Elektricität in beiden 
beweisen, 

a. GüiSAN vergleicht die Empfindung von schwi 
Schlägen des Zitteraals mit dem Kriebeln oder Ameisenk 
in eingeschlafenen Gliedmafsen, auch sollen, Avenn m 
Fisch in der Hand behält, und die Schläge w^eniger heft 
die Empfindungen "wie Erbebungen von Saiten oder w 
Art von Dröhnen auf einander folgen. Eben dieses ist 
rakteristisch bei den Erschütterungen durch Volta'sche Sä 

1 Aufser den einzelnen in dem Abschnitte der Literat« 
führten AbhaudluDgen verdienen noch über die el. Fisch« vergl 
werden : Cavallo's vollständige Abhandlung u. s. w. II Bände. 
1797. Ilter Band. S. ^ß — 247. Erxleben's physikalische B: 
Bd. IL III. IV. SiKGER Elemente der Elektricität u. s. w. S. 186 
Darstellung Volta's, seiner Untersuchungen über die Galvanisi 
tricität und ihrer Resultate in Gilb. N. Ann. XXI. S. 341. 
Steffens über.*die elektrischen Fische. Frankfurt am Main 181 

2 De gymnoto electrico. Tubing. 1819. * 



Theorie. 321 

Eine zweite auffallende Analogie bot sich in den sehr 

Jen Funken dar, welche Guisan dem Zitteraale zu ent- 

BVoTite. Er bediente sich dazu zweier Leiter aus Flin* 

a und Eisendräliten zusammengesetzt, welche letztere 

i kleineren Flintenläufen verbunden waren , die nur eine 

inie aus einander standen. Die gr^fseren Flintenläufe 

mit ihren Enden in der einen erleuchteten Hälfte eines 

Itcn Zimmers , in welcher sich ein kräftiger Zitteraal auf 

solirten Tische befand , mit dem Kopfe und Schw$inze 

n in Verbindung gebracht, während GcjiaAV in der aijT 

ffinsterten Abtheilung des Zimmers die Erscheinungen an 

le, wo der leitende Kreis unterbroQhen war, ^eobach^ 

1 dem Augenblicke der Verbindung mit dem Fische bra- 

den Zwischenräumen lebhafte Funkensonnen von eini-> 

len im Durchmesser mit einem Geräusch wie die Fun* 

m Feuerschlagen hervor. 

GuiSAir machte auch bei einem grofsen Zitteraale, wel» 
e Tage in Ruhe gelassen war ^ die sonderbare Beobacfa- 
lab, als ein Leiter dem Munde desselben genähert wurde, 
dl bei vielem Lichte sehr sichtbarer StrahlenbiiHchel dar- 
vorkam , und dals dieser Leiter ypm Munde entfernt ei- 
fcunden hindurch ähnliche Strahlen ausströmte. (?) 

Er fand, wie v. Humboldt, dafs eine Lichtilamme^ 
de auch vollkommen den kleinen Zwischenraum im lei- 
Kreise ausfüllte, die Durchleitung der Wirkung vollkom- 
inderte, während sowohl glühende als trockene Kohlen 
I Leiter zeigten. 

Die Wirkung des Zitteraales war eben so wie die der 
chen Säule in dem Verhältnisse stärker , in welchem die 
in einem grötseren Umfange von der Hand umspannt wur- 
ind in einer grölseren Ausdehnung den Fisch berührten. 
^.Obgleich die stärkere Wirkung erfolgte , wenn der Kopf 
:hwanz des Fisches zugleich berührt wurden, so war doch 
»ine nur einseitige Berührung irgend eines Theiles des Fi- 
mit einem guten Leiter hinlänglich, um die Erschütterung 
heilen , und besonders schien der Kopf des Fisches hierin 
Vorzug zu haben. Er zerschnitt Zitteraale in drei Theile, 
idcn hinteren schienen die cl. Kraft verloren zu haben, der 
und die mit ihm verbundenen Theile gaben aber noch 20 
.en hindurch lebhafte Stöfse , und als alle drei Theile wie- 
Bd. X 



322 



Fixsterne. 



der an einander gefugt wurden , so durchdrang das eL 
sie alle vom Kopfe bis zum Schwänze. In einem andern Fi 
wo das Gehirn eines Zitteraals mit einem Meifsel di 
wurde , ertheilte der Fisch doch noch längere Zeit hindmcbl 
Schütterungen, die jedoch am lebhaftesten waren, wenn 
Finger in die Wunde oder in den Mund gesteckt wurde; 
als beim allmaligen Absterben dieses Fisches auch sein Vc 
geh, Erschütterungen zu ertheilen, verschwand, wurden diii 
ten Spuren desselben noch empfunden , als der Finger ia 
Wunde im Schwänze hineingesteckt wurde. 

g. GuiSAV beobachtete' gleiclifalls die besondere 
lichkeit des Zitteraals fiir Körper , welche seine Entladt 
züglich bewirken können, und also namentlich für Metaim 
wenn sie in den Wasserbehälter, in welchem der Fisch 
findet, hineingesteckt werden , ihn jedesmal in eine 
Unruhe versetzen ; auch wenn er nach den Umständen 
nicht bemerken kann , und sie ihn hinanzuschwimmen 
lasseh , wo er dehn mit einer grolsen Heftigkeit dieselben 
falst , um gleichsam sein el. Fluidum in sie zu ergiefsen. 



Fixsterne. 

Stellae fixae; etoiles fixes; ßxed stars; heüsen 

Sterne, die nicht Kometen oder Planelen sind, und zwar< 
wegen, weil sie ihre gegenseitige Stellung immer unv« 
behalten. 

Scheinbare Bewegung und Grofse. 

Dafs die Fixsterne , obgleich wir sie als ihre Lage nichtl 
demd ansehn, dennoch scheinbare Bewegung zeigen, lalitl 
wohl erklären. Die tägliche Bewegung der Erde um ihiei 
bringt den scheinhüren Aufgang und Untergang der 
und den Anschein , als ob sie sich in 24 Stunden um die 
bewegte; hervor, aber da diese Bewegung allen gemei 
lieh ist, so erkennen wir leicht, dafs nur die Rotation der 
es ist, die diese scheinbare Bewegung hervorbringt. Der 
der Erde um die Sonne bringt eine in verschiedenen Jahresz 
ungleiche Stellung der Sterne gegen die Sonne hervor ; die 
gen Sterne , welche zu gewissen Zeiten Abends aufgehen, ko«^ 
men zu anderer Zeit erst um Mitternacht oder Morgens über de» 



Bewegung und Gröfae. 323 

nte herauf; aber auch hier überzeugt man sich leicht, dafs 
me unter sich ihre Stellungen behalten und blofs die 
scheinbar unter .ihnen fortrückt , wovon das wahre Fort- 
der Erde die Ursache ist. 

ich in dem täglichen Fortrücken der Sterne am Himmel 
t der genau beobachtende Astronom kleine scheinbare 
shheiten. Der Stern , der das eine Mal nahe am Zenith, 
Ire Mal nahe am nördlichen Horizonte durch den Meri- 
bt, erscheint in seiner letzten Stellung den nahe am Pole 
nmels stehenden Sternen etwas näher , als in der ersteren 
T Weg, den er um den Pol beschreibt, ist kein ganz 
r Kreis. Aber aus allen Beobachtungen ergiebt sich, 
r die Brechung der Lichtstrahlen in der Atmosphäre diese 
1 Aenderungen bewirkt. 

ben 80 ist auch die im Laufe vieler Jahre ' merklich wer- 
Aenderung der Lage der Fixsterne gegen den EQmmelspol 
irahre Bewegung der Sterne , sondern sie entsteht nur da*» 
, daCs die Axe der sich drehenden Erde nicht ganz genau 
nrer vorigen Lage parallel bleibt. Das Rückg^en der 
[leichen besteht nämlich in einer Aenderung der Lage des 
:ors am Himmel und in einem dadurch bewirkten Fort- 
des Nachtgleichenpunctes ; und da von diesem Functe an 
nge der Gestirne gezählt wird, so ändert sich diese , wäh- 
ie Breite ungeändert bleibt. Auch die Rectascension imd 
Rtioti der Sterne , die sich von ' einem Jahre zum andern 
auf einen andern Aequator beziehen , leiden fortwährend 
eshalb eine Aenderung. Aber alles dieses hat nur seinen 
darin , dafs die Axe der Erde nach bestimmten Gesetzen 
teUung ändert, und nicht immer dem Sterne zugewandt 

gegen den sie jetzt gerichtet ist. Etwas Aehnliches gilt 
lehung auf die kleinen Aenderungen, welche durch die 
nnte Nutation der Erdaxe und die Abnahme der Schiefe 
kliptik in der Stellung der Sterne gegen Aequator und 
ik hervorgebracht werden. Auch die zwar schnelle 
och eine Zeit fordernde Bewegung des Lichtes bringt eine 
Aenderung in dem scheinbaren Orte der Fixsterne her- 

Endlich ist es wahrscheinlich, dafs auch eine eigene 
ning unsen ganzen Sonnensystems eine scheinbare Aen- 



S. Abirrung des Lichtes. 

X 2 



324 Fixsterne. 

dcmuig in der Lage der Sterne hervorbringen magi wov 

nachher bei der eignen Bewegung der Fixsterne etwas sagen* 

Die scheinbare Gröfse oder eigentlich der scheinban 

der Fixsterne ist sehr verschieden , von dem lebhaftesten ( 

an, den der Sirius uns zeigt , bis zu den feinsten teleskop 

Sternen hinab, die selbst den mächtigsten Femröhren nm 

kaum erkennbar sind. Man hat die Sterne immer in Sten 

ster Grölse, zweiter Gröfse und so weiter eingetheilt; aber 

freilich zu oberflächlichen Bestimmungen zureichende, ü 

beruhte auf keinem sichern Grunde, und es war daher 

•inmal genau möglich, bei allen Sternen zu sagen, ob m 

denn noch zur zweiten oder schon zur dritten Ordnung n 

solle u. 8. w* Hbrschel hat eine zuverlässi<;ere Metkod 

folgt , um die Gröfse der Sterne zu bestimmen. Da ni 

die Betrachtungen, welche im Art. Fernrohr angegeben 

ihm dazu dienten, die Lichtstärke seiner Fernrohre zu bc 

men, so fand er darin ein Mittel, den wahren Glans s 

Sterne mit einander zu vergleichen. Wir sehen im Fen 

•in minder glänzendes Bild eines Sterns , wenn wir die 

nung des Femrohrs zum Theil verdecken ; wenn man abo 

an sieb ganz gleiche Fernröhre so anwendet, daüs man 

das eine mit unverminderter Oefifnung einen kleinem Stei 

obachtet, durch das andere einen grösseren Stern, bei dem 

teren aber die Verminderung der OefFnung allmälig fortscK 

läfst, bis der gröfsere Stern wegen verminderter Oeffnunj 

kleinem mit voller Oeffnung gesehenen Sterne gleich is 

hat man durch die Abmessung der OeiFnimg ein genauei 

der Lichtstärke beider. Dafs aber der Eindruck, den beide I 

auf das Auge machen, gleich ist, erkennt man, wem 

abwechselnd durch das eine Fernrohr den einen, durc 

andere Fernrohr den anderen Stern beobachtet. Auf diese^ 

hat Her sc HE L viele Bestimmungen gemacht, von dene 

gende Angaben als Beispiele dienen ^. Der Stern a in de 

dromeda, und der Polarstern haben \ des Lichtes, VP 

jircturus besitzt; der Stern /ti ixa. Pegasus hat ^ des Lichb 

o der Andromeda ; und ebenso ist q im' Pegasus ein 

Sterne , die -J: des Lichtes haben, das wir am ^ des Pegcu 

obachten. Aus den im Art. Fernrohr angeführten Gl 



1 Philos. Trans, for 1818. 429. 



Bewegung und Gröfse. 325 

lan also sagen , wenn Arcturus in die zweimal so grofse 
luog von nns gerückt würde , so würde er oc der Andro- 
gleich erscheinen; viermal so entfernt, als. er jetzt ist, 
er dem fi des Pegasus , achtmal so entfernt würde er dem 
?egasus gleichen. Hiernach müTste man q des Pegasus, 
3tem achter Grölse nennen , obgleich die Verzeichnisse 
fünften Grötse rechnen. Nach ähnlichen Bestimmungen 
[sasGHSL das Licht des Sirius = 1 , der Capella = j^, 
ocyon =^ und so femer, und findet, dafs die klein- 
nit blolsem Auge noch sichtbaren Sternen , die man zur 
n und siebenten Gröfse zu rechnen pflegt, nur -j^-g 4cs 
», welches Sirius hat, besitzen, oder etwa -^xt ^^s Lich- 
verschiedenen Sterne , die wir erster Gröfse nennen, dafs 
lese Sterne reichlich zwölfmal so entfernt als Sterne der 
Grölse seyn müssen, und daher zur zwölften Gröfse müfs- 
rechnet werden. Bedenkt man nun, dafs die raumdurch- 
nde Kraft eines 20fülsigen Herschelschen Teleskops etwa 
) 80 mal so grofs als die des blofsen Auges ist , so reicht 
Iches Femrohr bis zu Stemen der 840sten bis 960sten Gröfse ; 
CHILDS 25füfsiges Teleskop bis zu Sternen der lloOten 
i; das 40füfsige, dessen Kraft =191 i^» bis zu Sternen 
2gOten Grölse. 

kber nicht blofs die Grölse der Sterne ist sehr verschieden, 

m auch ihre Farbe. Sirius hat ein weifses Licht, statt daiÜB 

sran , der Stern Beteigeuze in Orion's Schulter und andre 

ind; Herschel nennt den Stern 22. (T. des grofsen Hun-< 

iranatroth, und noch mehr rothe Sterne giebt LALAirns 

Auch andere Farben finden sich bei den kleinern Sternen 

Iebschel's Verzeichnisse geben blauliche, grünliehe und 

te Sterne an ^. Auch noch andere Verschiedenheiten des 

es glauben einige Beobachter bemerkt zu haben.. Oi;bers 

bemerkt, dafs unter den kleineren Stemen einige ein sein- 

ndes Licht zeigen, während andere, bei gleicher Licht- 

3 , ein stilles und ruhiges Licht besitzen , und aufsert den 

nken, daJb die letzten wohl die entferntem seyn möchten '. 

CoDnaiss. des Tems. ponr. Pan XV. p.878. nnd de Zach corr. 

u vn. 298. 

Vorschläge die Farben der Sterne naher zu bestimmen in Philo- 
Magaz. 1824* März. Apr. 
Astron. Jahrb. 1826. 8. 120. 



326 Fixsterne. 

Wahre Entfernung und Gröfse, Ansahl um 

Anordnung der Sterne. 

Da die Erde jährlich einen Kreis durchläuft, der 41 
nen Meilen im Durchmesser hat, so sollte man gUmben, 
müfste eine Parallaxe der Fixsterne statt finden , man mülstfl 
den nähern eine scheinbare Aenderung der SteDung gegen 
entferntem bemerken ; aber dieses ist auf keine merkliche Wc 
der Fall. Die seit Baadlet's Zeit oft wiederholten BemiU 
die jährliche Parallaxe der Fixsterne zu bestimmen , haben 
Ueberzengung herbeigeführt, dafs-sie gewils bei keinetn 
auf den man die Beobachtung gerichtet hat , zwei Secunden 
trägt, ja dafs sie vermnthlich kleiner als 1 See. ist, aber 
Bestimmtes , wie grob die Parallaxe sey, hat man noch bei 
nem Sterne gefunden. 

Hbaschcl brachte die Beobachtung der Doppelstemfl 
Vorschlag , um die Parallaxe zu bestimmen, "weil, vrenn ein 
herer und ein sehr viel entfernterer Stern fast in gerader Linie 
unserer Sonne stehen und sich uns daher als Doppelstem 
die kleine Aenderung in der gegenseitigen Stellung , welche 
der Bewegung der Erde hervorgehen möchte, am lei< 
merklich seyn würde. Schröter hat solche Beobachtungen! 
gestellt und glaubt an ^ Orionis und an Mesarthim eine Ps 
von ^ bis 4 See. beobachtet zu haben *. Aber im Allgemdi 
ist diese Methode doch nicht zu empfehlen, weil unter den ] 
pelstemen weit mehr einander nahe stehende Sterne seyn 
gen, als solche, die weit von einander nur durch Zufall 
nahe neben einander erscheinen , und nur diese , die wir 
und nach wohl mit einiger Sicherheit erkennen werden, sind: 
dieser Beobachtung passend. Andere Astronomen sind da 
auch in neuerer Zeit zu der unmittelbaren Ortsbestimmung 
Sterne zurückgekehrt, so wie Bradlet sie zu eben dem Zwe 
anwandte. Piazzi, Calaütdrelli, und Brinklet haben 
glaubt, bei den allersorgfältigsten Beobachtungen eine Pa 
zu bemerken, die nach Galandrelli * bei a der Leier so« 
auf 5", nach Brinklet bei eben dem Sterne auf H" gehen wl 
PiAzzi's Beobachtungen des Polarsterns, die eine Parallaxe i(ß 



1 Astr. Jahrb. 1805. :200. 

2 Astronom. Jahib« 1814. S. 229, Philos. Trausact. 1818. tli» 
1821. 327. 



Entfernung. 327 

geben schienen, geben aber nach v. Lihdevau% Be- 
; gar keine Parallaxe, wenn man einige Beobachtungen, 
I Masksltve's gleichzeitigen Beobachtungen zu »ehr 
len, ausschliefst^. Brinklet's Beobachtungen, von 
übrigens Pohd mit aller Achtung spricht, scheinen 
eichfalls durch irgend einen andern Umstand die Difife* 
regeben zuhaben, dieBRiiTKLET der Parallaxe zuschreibt, 
ses sicher zu entscheiden, hielt Povd seine übrigen vor- 
en Instrumente nicht für genau genug , und liels daher 
shnfuTsige Fernrohre völlig feststehend,, das eine auf a 
lers, das andere auf a des Schwans richten ^. Jedes die- 
nrühre enthält ein sehr genaues Mikrometer und man 
itet nun den Durchgang jenes Sternes und eines zweiten 
asselbe Feld gehenden, der nach seiner Stellung die Maxiraa 
lUaxe zu ganz anderen Jahreszeiten haben müfste. Auf diese 
wurden ot des Schwans und ß des Fuhrmanns zusammen 
btet, und hier ergab sich , dafs die Parallaxe dieser Sterne 
lieh i\|- See. betragen könne ^. Bei a der Leier konnte diese 
cirtnng nicht gut gebraucht werden, weil kein hinreichend 
I. auch bei Tage im Fernrohr sichtbarer Stern sich in glei- 
ledination und ungefähr 12 Stunden später durch den Me- 
gehend auffinden lafst; PoNn beobachtete daher «der 
ond y des Drachen, so dafs er ihren Winkelabstand zu 
'ahreszeiten strenge bestimmte , und durfte diese - Sterne 
isto mehr Recht wählen, da Brinklet dem ersten eine 
jende Parallaxe , dem zweiten gar keine merkliche Parall- 
iscfareibt. Bei diesen Beobachtungen wurden alle Vor- 
I angewandt, und namentlich darauf gesehen, dafs die 
sratuT im Observatorio der äufsern gleich war , und das 
at war, dafs auf den Unterschied der Parallaxen beider 
' noch kein Zehntel Secunde komme ^. Auch die auf u 
der allein gerichteten Beobachtungen zeigen , dals dieser 
keine für Poku^s höchst vortreflliches Instrument merk- ' 
?arallaxe hat^, und dafs also wohl in Bain&lei^s Instrn- 



Astron. Jahrb. 1819. S. 217. 
Phü. Tr, 1817. 160. 
Phü. Tr. 1817. 356. 
Flui. Tr. 1821 54. 
a. a. O. 69. 70. 72. 



•' 



3!i8 Fixsterne. 

ment, so voTziiglich es für Sterne nahe am i^enith ist, d( 
vielleidit kleine Fehler , die zugleich von' der Temperatur 
hängen mögen , bei Sternen , welche weiter vom Zenith 
sind, eintreten. 

Auch nach diesen Untersuchungen also scheinen wir zn 
Behauptung zurück geführt zu werden*, dafs wir die Gre 
der Parallaxen immer desto engerfinden, je vollkommener 
sere Instrumente und unsere Beobachtungsmethoden werden, 
dafs eine wahre Bestimmung der Parallaxe unmöglich ist. 
trüge aber die ParaUaxe i Secunde , für die nächsten Fr 
so wären diese dennoch 500000 mal so weit als die Sonne, 
ist 10 Billionen Meilen von uns entfernt und das Licht, 
ches in 87 Minuten von der Sonne zu uns kommt, 
7t Jahre .gebrauchen, und von diesem nächsten Fixsterne ni 
gelangen. Der gröfseste Theil der Fixsterne mufs noch 
entfernter seyn , und wenn man annimmt, dafs der Siräu\ 
Weltkörper mittlerer Gröfse ist, oder dafs im Allgemeineir-i 
Sterne, die uns am gröfsten erscheinen, nur durch ihre 
diesen Vorzug haben, (eine Voraussetzung, die allerdin{ 
Beziehung auf einen einzelnen Stern fehlerhaft seyn kann, 
als mittlere Bestimmung für alle doch die einzige wi 
liehe ist) , so läfst sich nach den schon angeführten Bestii 
gen Herschel's mit Grunde sagen ^, dals die uns mit 
röhren sichtbaren Sterne sich wenigstens bis auf 900 Sirii 
ten oder bis auf Entfernungen , 900 mal so grofs , als die 
nächsten Fixsterns erstrecken. Heaschel führt ^ Beobacl 
gen über die Sterne im Degengriff des Perseus an , welche Ü 
grofser Sicherheit zu zeigen scheinen, dafs hier Sterne 
einander liegen, die sich von 24 Siriusfernen bis 340 Sil 
nen durch einen Raum von 3000 Billionen Meilen erstrec 
Dieser Sternhaufen nämlich zeigt dem blofsen Auge keinen 1 
zelnen Stern deutlich ; nimmt man aber ein Femrohr , we 
doppelt so weit als das blofse Auge in den Raum eindringt, 



1 Auch Bessel stimmt hiermit iiberein : Fnndamenta ast 
miae p. 121. 

2 Diese Angabo HiirschePs scheint absichtlich, als die klew 
welche man aunehmen kann, gewählt, denn nach der Kraft des 
füfsigen Teleskops zu rechnen , konnte man 2000 statt 900 setzen. 

8 Phil. Tr. 1818. 429. 



GrSfse. 329 

9 einige Sterne , deren ZaM stets mehr zunimmt, je 

lan nach und nach die Kraft des Fernrohrs wählt , und 

igen sich noch neue Sterne , wenn man auch ein Fem- 

nt y das 284- ^^ so ^^it als das blofse Auge (bis 342 

len) in den Raum eindringt. Bei einem solchen ein- 

emhanfen kann man zw^ar einwenden , er könne wohl 

eren , einander nahe stehenden Sternen bestehen , aber 

ranssetzung kann doch nicht mit Wahrscheinlichkeit 

Gegenden der Milchstroße ^ in welcher auf ähnliche 

des stärkere Fernrohr immer neue Sterne sichtbar macht, 

dt "werden , und wir dürfen sagen , daüs so "weit es uns 

a irdischen Standpuncte zu beurtheilen erlaubt ist, die 

gebenden, besonders in der Milchstrafse sich bis zu 

Entferniuigen erstreckenden Sterne, bis auf wenigstens 

illionen Meilen Entfernung von uns ausgebreitet seyn 

ber die mfahre Grojnt der Sterne können wir zwar nichts 

\ sagen , aber die Ueberlegungen , die sich uns hier dar- 

sdmmen so mit den eben angeführten Bestimmungen zu- 

I , dafs sie diese zu bestätigen dienen. Dafs sie Sonnen 

Ibstleuchtende Körper sind, kann man als gewifs anneh- 

leils w^eil wir nicht einsehen, von woher sie Erleuchtung 

i sollten, theils weil Körper mit fremdem Lichte erleuch- 

gewils nicht in so grofser Entfernung sichtbar seyn könn- 

\er scheinbare Durchmesser der Sterne ist aber so klein, 

eine Messung desselben nie zu denken ist. Je reiner 

1er sind, die ein Femrohr darstellt, desto mehr überzeugt 

Ji, dals auch die stärksten Vergröfserungen keinen mefs- 

Durchmesser zeigen. Eben dieses zeigt die Bedeckung 

me durch den Alond, indem sie hinter dem dunkeln 

nicht nach und nach , wie es einem gröüsem scheinbaren 

lesser gemäls wäre, sondern plötzlich verschwinden. 

hotometrische Untersuchungen zeigen , dafs -wenn unsere 

so ^eit hinausgerückt würde , als die nächsten Fixsterne 

!yn mögen , sie uns wolil noch den Glanz eines Fixsterns 

könnte , obgleich ihr Durchmesser nur noch -y-J-ir See. be- 

, also unmefsbar seyn würde. Als ein Beispiel solcher 

jiung theilt Olbers^ die Vergleichung mit, die sich aus 



V. Zach Mon. Gorr. VIH. 301. 



330 Fixsterne. 

dem, zu gewissen Zeiten gleichen Glänze des Mars und 
Baran ergiebt. Diese zeigt , dafs man die Lichtstärke der 
wenigstens 97000 Millionen mal grölser als die eines Fe 
erster Gröfse setzen muTs , und dafs sie sogar wohl über ] 
Millionen mal so grob kann angenommen w^erden» Sd 
Sonne also so schwach an Licht erscheinen , als ein Fixstc 
ster Gr«rse, so müiste sie 310000 mal bis 350000 mal sowi 
uns seyn, als sie jetzt ist, und auch nach diesen Bestinun 
wäre die Entfernung des nächsten Fixsterns 7 Billionen 1 
Wir können also nun auch den SchluTs umkehren und sagt 
nach Angabe der Parallaxe die Entfernung selbst der nl 
Sterne so ungemein grob ist, so müssen wenigstens diel 
erster Gröfse eher gröber als kleiner , wie unsere Sonnt 
und da doch ganz gewib nur wenige Sterne sich in jener gl 
sten Entfernung, die übrigen nach und nach viel weitM 
femt, befinden, so ist aller Grund, im Allgemeinen sai 
die Fixsterne sind wahrscheinlich nicht kleiner als unseie'S 
ScHUBERT^s^ Meinung, dafs die Sterne, die entfernter tq 
stehen , auch kleiner sind , eben darum aber auch unser 
sich nicht so tief in den Raum erstrecke, als UERSCHni 
nimmt , scheint mir ganz unbegründet , obgleich im Eini 
wohl manche Sterne klein seyn können, und es sofern^ 
unmöglich wäre, dafs selbst unter den kleiner erscheim 
Sternen einmal einer aufgefunden würde , der eine mebbar 
rallaxe hätte. 

Ueber die Anordnung der Sterne in dem unermeU 
Sternsysteme, zu welchem unsere Sonne gehört, vnsm 
nichts, und haben keine sicheren Mittel, um uns zuveit 
Kenntnisse davon zu erwerben. Nimmt man an, dafs im D 
schnitt alle Sterne gleich grols sind, so wiü'de Hehschel'si 
erwähnte Methode , zu beobachten , bei welcher Raum i 
dringenden Kraft uns irgend ein Stern sichtbar wird, ein 1 
seyn , die Entfernung desselben zu bestimmen , und die i 
gestellten Abzahlungen scheinen die gleiche AustheilungimR 
welche ohnehin die einzige wahrscheinliche Hypothese ist 
nigstens eher zu bestätigen als zu widerlegen. Wenn ma 
eine KugelAäche vom Halbmesser = 1 ab das Gebiet i 



1 Nicht dt'» Astrouomeii , soudera des Philosophen , de 
Kosmograpkie geschrlebeu hat. 



Anordnung. 331 

Lt| nnd das Gebiet einer zweiten Sonne daran gren- 

fände diese in der Entfernung = 2 und ihr Gebiet 

ch von der Entfernung =1 bis zur Entfernung =3; 

hidit zwischen den Oberflächen , deren Halbmesser 

= 3 sind, enthält aber 26 solche Räume , wie das Ge- 

' Sonne , und es miifsten daher bei gleicher Austhei- 

texne 36 Sterne erster Ordnung seyn ; die Kugel- 

ischen den Halbmessern = 3 und = 5 9 enthält 98 

9y dem Gebiete unserer Sonne gleich, also Raum fiir 

ier zweiten Ordnung und eben so haben wir 218 für 

Iritten Ordnung, 388 für Sterne der vierten Ordnung. 

iCBSL^s oben angeführten Beobachtungen würde fi des 

r vierten Ordnung gehören, und wenn man alle Sterne 

nimmt,' die, nach den gewähnlichen Angaben der 

»ben so grofs oder gröfser erscheinen , so geben die 

eren 730 (eigentlich wohl noch mehrere, daPiAZZi's 

n Stern fi schon zwischen vierter und fünfter Gröfse 

) demnach den 728 Sonnengebieten ganz genau ange- 

iren. Grehen wir nun weiter und berechnen die Räume 

n Ordnung r= 602, der sechsten Ordnung =866, der 

Ordnung =1178, so würde die Summe dieser Räume 

, und da q des Pegasus , ein Stern fünfter Gröfse nach 

>gen,- nach EbaiCHEL's Bestimihung der Lichtstärke 

lie achte Ordnung gehört, so könnten wir die 1161 

fünften Gröfse , welche die Kataloge angeben, zu die- 

hrdnungen rechnen , und diese wären also lange nicht 

h , als sie seyn könnten. Die Zahl der Sterne , wel- 

sechster oder siebenter Grölse nennt, wird auf unge- 

angegeben , aber da unsere Kataloge hier unvoll- 

ind , so mufs man freilich etwas mehr rechnen ; diese 

ihmen nach Herschel's Lichtabmessung wenigstens 

neunte, zehnte und eilfte Ordnung ein und der Raum, 

) zerstreut sind , beträgt gegen 9000) oder wenn man 

te Ordnung^ wie es nach Herschel^s Bestimmung er- 

noch mit hin zunimmt, über 12000, so dafs bis zu den 

hin, die das blofse Auge übersieht, die gleiche Gröfse 

e und die gleiche Ausdehnung der Stemgebiete nicht 

von der , als wahrscheinlichstes Resultat der Beobach- 

ergebenden Bestimmung abweicht. Diese üeberlegun- 

ün auch den Weg, wie man die Frage nach der Anord- 



^ 



äSm Fixsterne. 

nung unsers Sternsjstems , zwar nie mit Sicheihei 
doch mit immer gröberer Wahrscheinlichkeit weitei 
Worten kann. 

Bei früheren Beobachtungen hatte Herschel , nm 
gefähr den UmriüSs des Sternsystems kennen za len 
welchem unsere Sonne gehört, sich mehr auf die S 
lungen verlassen, und die Entfernung, bis zu welche 
sich die in einer bestimmten Gegend beobachteten St 
streckten, der Cubikwurzel ihrer Anzahl in einem imi 
chen Gesichtsfelde proportional angenommen , so da 
wenn das eine Mal 5) das andere Mal 472 Sterne im ( 
felde erschienen, die Räume, worin sie ausgebreitet seji 

. 3 S 

ten, wie 1^5 zu |^472, wie 1710 zu 7786 angenommsB 

Nach diesen Grundsätzen hat damals Hekschel eina 
schnitt unsers Sternsystems gezeichnet^, und die Äosd 
desselben nach einer Richtung senkrecht auf die Mik 
etwa 100 Siriusfernen nach beiden Seiten , nach einer B 
in der Müchstralse an der einen Seite 300 » an der taai 
gen 500 Siriusfernen angegeben. Wenn man mit Fer 
von ungleichen Raum durchdringenden Kräften nach ai 
genden des Himmels ähnliche Sternzählungen anstellte, so 
die Frage nach der Anordnung und Grölse unsers Stern 
viel vollständiger beantwortet werden, und HEnscHEL'i 
ben , die als erste Versuche dieser Art schon recht viel | 
haben , würden gewils noch manche Berichtigung erhalti 

Von der unzählic;en Menge der Sterne geben diese! 
gen wenigstens einen oberflächlichen Begriff. Hersche 
nämlich an , dafs nach der Zählung in einigen Gesicht 
in dem dichtesten Theile der Müchstralse , 1 16000 Stern 
ner Viertelstunde durch das Teleskop gingen, in einem t 
der 2^ Grad Breite hatte. In den von der IVlilchstrafse < 
ten Gegenden des Himmels ist freilich die Anzahl dei 
viel geringer, aber wie ungemein grofs dennoch die An: 
mit den stärksten Fernröhren sichtbaren Sterne ist , lä 
hieraus ungefähr abnehmen. 



1 HersrJiePs sainmtliclie Schriften Isier Band. S. 114. ' 



Eigene Bewegung. 333 

jene Bewegung der Fixsterne. 

:li wir, sobald es auf irgend erhebliche Aenderungen 
ng ankommt, mit Recht behaupten, dafs die Fixstern» 
[ gegen einander nicht ähdern, so haben doch genaue 
jen gezeigt, dafsaiichsie nicht ganz unbewegt bleiben, 
leinend eigenthümliche Bewegung ist zuerst von 
iurch Vergleichung mit des Ptolcmaus Angaben 
id für einige gröfsere Sterne isttheils von ihm, theils 
:.und mehreren Astronomen derselben Zeit, dieGröCso 
iickung angegeben worden. Ein etwas vollständige« 
iifs von 70 Sternen, an denen man eigene Bewegung 
;ab Tob. Mater ^ und später sipd die Beobachtung 
i Vergleichimgen mit älteren Beobachtungen sehr Ver- 
lan, Namentlich hat Piazzi seine ei<;enen Beobach- 
denen der früheren Astronomen verglichen ; Bessel 
ADLET^s Beobachtiuigen die nach allen Reductionen 
nde eigene Bewegung bestimmt. Maskelyne und 
m eben diese Vergleichungen angestellt^. Nach die-> 
luchungen hat Sirius eine eigene Bewegung von 
ich, u^rcturus rückt 2 See. südlich fort. Eine vor- 
:ke eigene Bewegung haben nach Bessel fi der Cas- 
reicher 6' 10' in 100 Jahren fortrückt, d im Eri^ 
eher 6' 44", und No. 61 im Schu^an , welcher 8' 31'' 
Jahren zurücklegt. Bei diesen Sternen beträgt also 
Bewegung 4 bis 5 Secunden jährlich und kann daher 
genommen werden. Bessel führt es als etwas vor- 
merkenswerthes an , dafs sich unter den Sternen , de- 
Bewegung bedeutend ist, so viele Doppelsterne -fin- 
Uch unter den aus Bradley's Beobachtungen ange- 
l Sternen , deren jährliche Bewegung mehr als -J- See. 
nd 17 Doppelsterne;" ja es rücken selbst Sterne, die 
nder ganz nalie stehen , gemeinschaftlich fort , z. B* 
Istern A im Ophiuchus und No.'ßO« im Scorpion^ die 
in von einander entfernt sind, haben eine gemein- 

J. Tr. 1718. 736. 

era inedita. I. No. 6. 

i2.zi im Libro sesto del real osserv. di Palermo , Bessel in 

tnentis astronomiae pro anno 1755, p. SOS, 



334 Fixsterne. 

.schaftliche Bewegung, die über 1 See. jährlich beträgt 
Aehnliches scheint hie und da bei noch, weiter von 
entfernten Sternen statt zu finden. Povd^ hat zu d 
Stimmungen der eigenen Bewegungen noch folgende 
tete Bemerkung hinzugefügt. Wenn PovD aus B 
Beobachtungen für 1756 und aus seinen eigenes Beob 
fiir 1813 die eigene Bewegung, so als ob sie gleichfbr] 
herleitete , und , mit gehöriger Rücksicht auf das Rück 
Nachtgleichen , den Ort eines Sternes für eine später 
stimmte , so fand er im Allgemeinen , dals die Beobac 
Sterne südlicher angab , als jene Votausberechnung ; d 
denz zu einer südlichem Stellung schien stärker bei c 
ehern als bei den nördlichem Sternen , und die wenige 
djie eine Tendenz nordwärts zeigten, lagen nördlich vc 
und hatten ihre Lage wenig geändert. Sirius befinde 
der Seite des Himmels, wo die südliche Bewegung, 
scheint, am merklichsten ist, Antares in der entgegen 
Gegend , wo sie wieder merklich ist. Einige Sterne b 
mehr von ihrem vorausberechneten Platze entfernt, a 
benachbarte Sterne^ und da wo dieses der Fall ist, fi 
die Bewegung allemal südlich. Capeüa , Procyon ui 
deren eigene Bewegung schon nach älteren Beobachti 
südwärts gerichtet bekannt war, stehen immer süd> 
dem voraus berechneten Orte, und haben also eine 
nigte südwärts gerichtete Bewegung. Zu bemerken 
auch , sagt Pond , dafs obgleich in dem Greenwicher 
sich eben so viele Sterne finden , deren eigene Bewegt 
lieh, als deren eigene Bewegung südlich ist, den 
Summe aller südlichen eigenen Bewegungen viermal so 
aller nördlichen ist , doch könne man noch immer ni< 
sagen , ob dieses nicht Zufall sey. 

Man kann mit Recht die Frage aufwerfen , ob r 
diese Bewegung der Fixsterne nur eine" scheinbare 
Pkevost nebst Herscuel haben fast zu gleicher Zeit ( 
suchung angestellt , welche scheinbare Bewegung siel 
Sternen müfste wahrnehmen lassen, wenn unsere S 
allen Planeten im Welträume fortrückte., Ist nämlic 



1 Dies bestätigen South and Herschel Ph. Tr- 1826. i 
% Phil. Tr. 1823. p. 36. 



Eigene Bewegung. 335 

Fixstern, und haben andere Fixsterne eine eigene Be- 
> ist es wahrscheinlich, dafs auch sie im Räume fort- 
s ist schon an sich eine absolute Ruhe ganz unwahr- 

diese Bewegung aber mufs auf den scheinbaren Ort 
einen Einflufs haben , am meisten auf die , welche 
ind« Die Sterne , gegen welche hin sich unser Son- 
bewegt 9 müssen weiter aus einander zu rücken , die 
' hinter jons zurücklassen , müssen ihre Abstände zu 

scheinen , alle aber werden sich , wenn die Bewe- 
Sonne allein die Ursache dieser scheinbaren Be- 
:i so fortbewegen, dals der scheinbar durchlan- 
1 gegen den Punct zu geht, von welchem ab- 
re Bewegung gerichtet ist. Hierauf gründete sich 

and ELbrschel's Bemühung aus den damals bekann- 
itnngen die Richtung der Bewegiuig vieler einzel- 

auf die Himmelskugel aufzuzeichnen, und zu se- 
; Durchschnittspuncte dieser Richtungslinien vielleicht 
immelsgegend zusammenfielen. Wäre wirklich die 

imserer Sonne, die wir ohne Zweifel für eine nicht 
che Zeit als geradlinigt ansehen dürften , die einsige 
ler Erscheinung , und wären die Beobachtungen voll- 
inan, so müfsten alle jene scheinbaren Wege einzel- 
verlängert sich genau in zwei einander gegenüber 
Sincten der Himmelskugel durchschneiden, und alle 
\n müfsten dem einen Pimcte zu gehen ; und selbst 
haft eigene Bewegimgen sich einmischten , liefse sich 
als jene Durchschnittspuncte doch um den Punct 
oMn sie eigentlich genau fallen sollten , zahlreicher 
rden, als , anderswo« Die Beobachtungen schienen 
dich zu bestätigen , und die Durchschnittspuncte der 
if welche die Sterne fortrücken , deren eigene Bewe- 
rheblichsten ist, schienen nach Pheyost ^ um einen in 
iscension liegenden Punct am meisten vorzukommen. 

setzte den Punct*, gegen welchen die Sonne zu 
X des Hercules in 258* Rectasc. und 27** nördl. DecL 
38T findet in seiner spätem Untersuchung diesen Punct 

n* de Berlin 1781. p. 445. und astron. Jahrb. 1805. S. 113. 
•OD. Jahrb. 1787. S. 224. 1811. S. 224. und Ister Sappl. ßd. 
. Transact. 1783. 147. 



336 Fixsterne. 

ganz wohl mit den Beobachtungen übereinstimmend, 
hat Herschel das Knie des Hercules (in 246^ Rectas( 
49i Decl.) als noch genauer den Beobachtungen entspn 
angegeben, und bemerkenswerth ist es wenigstens, d 
viele Durchschnittspuncte der eigenen Bewegiuig gröüsereri 
in und um den Hercules fallen *. Aber spätere Vergleich 
haben dennoch die Meinung, dafs die Bewegung unsen 
nensystems sich so deutlich in den eigenen .Beweguoge; 
Fixsterne zeige, als sehr unsicher dargestellt, indenii 
Bessel bemerkt ^ , ^anz entfernte , ja diametral einander I 
gengesetzte Puncte an (1er Himmelskugel angegeben ^ 
können , die man hiernach als die Puncte, auf welche zuj 
Sonne geht, ansehen dürfte. \ 

Wenn man Bessel's Angaben der eigenen Bewegiufl 
was näher betrachtet, so scheint es, dafs aus diesen sic^ 
picht die eigene Bewegung der Sonne verräth , aber dodi 
che merkwürdige Uebereinstimmungen bei Sternen, die in \ 
lei. Himmelsgegend stehen , vorkommen. So z. B. habei 
Sterne in der Cassiopeja , ß^ 9/, ^, zwar eine ungleichi! 
rückung, aber eine nahe gleiche Richtung, indem der 
des Kreises , auf welchem jeder von ihnen fortrückt , 
bei 160** Rectasc. und 30** Decl. liegt ' ; etwas Aehnliche 
wenn gleich weniger gut, bei c und 61 des Schuf ans m 
a des Adlers statt, wo der Pol bei 190" Rectasc. und 40' 
Declin. liegt. — Aber freilich darf man auf diese , vid 
zufälligen Umstände keinen grofsen Werth legen. 

Zu bemerken ist endlich noch , dafs auch bei den SH 
deren eigene Bewegung so erheblich ist, keine jährlichelj 
axe beobachtet wird , und sie also sehr weit von der Eil 
fernt seyn müssen*. 1 

Doppelsterne. 

Man findet sehr viele Sterne , die so nahe neben • 
nen oder auch mehrere haben, dafs man sie für zus« 



1 Astron. Jahrb. 4ter Suppl.-ßand. S. 70. 71. 

2 Fuadamenta astron. p. 309. 

8 Das Gemeinschaftliche, was hierin zu liegen scheint, j 
darch v. Lindenau's Bemerkung (Astron. Jahrb. 1818. S, 248 
die Sterne um fi Cossiop. eine ahnliche Bewegung zu haben m 
noch au Merkwürdigkeit. 

4 Astron. Jahrb. 1818. S. 248. 



Eigene Bewegung« ' 337 

Sterne anzusehen Veranlassung findet. Diese Doppel- 
ler vielfachen Sterne könnten , freilich wohl auch nur 
•, einander nahe seyn, und wirklich, zwar fast in der- 
tchtung, aber doch sehr weit von einander entfernt, 
illein wenn man nach der Wahischeinlichkeitsrechnun<j 
^ wie viele Slerne selbst lOter, 12ter Gröfse auf einen 
rad am Himmel im Durchschnitte kommen , so findet 
fs das Zusammentreffen mehrerer oder auch nur zweier 
Entfernung von wenig Secunden nur sehr selten zufal- 
>mmen könnte. Dieser Grund ^ gäbe schon Veranlas- 
e Doppelsterne als w^irklich in Verbindung stehend an- 
aber diese Verbindung zeigt sich bei manchen noch 
:heidender durch eine gemeinschaftliche eigene Bewe- 
l durch Bewegung um einander. Schon Chhist. Mayer 
nf diese Fixsternsysteme aufmerksam 2, und obgleich 
inung , dafs wir dort Planeten , die um einen Fixstern 
iahen , wohl keinen Beifall verdient , so hat er doch 
BCt, was spätere Zeiten bestätigt haben. 
er den Sternen , welche als Doppelsterne eine starke ei- 
nregung haben, oder wo beide zusammen fortgerückt 
t No. 61. im Schwane am merkwürdigsten. Bessel' 
5ZI haben zuerst hierauf aufmerksam gemacht, der er- 
T hat die relative Bewegung beider gegen einander 
er untersucht. Seit Bk adley's Zeit kennt man diesen 
Doppelstem , und seit dieser Zeit sind beide Sterne, 
•n Abstand erheblich zu ändern, um 7 Minuten gegen 
:hbarten Sterne fortgerückt. Diese zwei Sterne rücken 
nTeltraüme zusammen fort, und da ihr scheinbarer Weg 
) Secunden , ihre Parallaxe aber allem Anschein nach 
^ecunde beträgt*, so mufs der wahre durchlaufene 
jnigstens 200 Millionen Meilen betragen. Dabei haben 
Sterne eine gegenseitige Bewegung , so dafs der Stcl- 



crschers Sckriften I. S. 180. 

ayer's Verthcidigang neuer Beobachtungen von Fixsterntra- 

Mannh. 1778. und Comment. Acad. Theodore -Patat. Voi. IV. 

M>. auch Astron. Jahrb. 1784. S. 183. und 1785. S* 132. 

stron. Jahrb. 1815. S. 209. 

ach Besser« zfihlreichen Beobachtungen ist sie ganx nnraerk* 

Lron. Zeitschr. Ton ▼. Lindeuau. IL 134*. 

U Y 



^V"- 



988 « Fixsterne, 



longfwiiikel ttch €twa imi 60 Grade gdbderl nnd imt AI 
▼OD QßT bis nngefthr Vif 15" abgenommen hat.' Dm' • 
scheinen also sot Baadlit's Zeit bis xn Bbssxl*s Beobac 
gen ein Sechstel ihrer Bahn dorcUanfen zu haben , so dd 
ganse Umlanfiszeit 350 bis 400 Jahre sejrn wurde ^. Em I 
der in 354 Jahren nm unsere Sonne lief, mnCrte 50 mal si 
als die Erde von der Sonne entfernt seyn, mid folglich, 
die Summe ' der Massen jener beiden Sterne der Sonnea 
gleich wäre, so würde die Parallaxe der Erdbahn nor.-j 
sebfainbaren Abstandes, etwa «f Secunde betragen. Die % 
thong) dab diese Sterne eben so viel Masse als die SonI 
beif , ist also divch die Beobachtung, daf« die PtoaBasenij 
lichist, so uemlich bestätigt, und ihre Masse kaim n< 
aejr^,' wenn die Sterne noch weiter von uns «ntfemt su 
t \ Ueber ähnliche Bewegungen der Doppelsteme um.! 
hat zuerst Hkbschsl eine Reihe von Beobachtungen 
gemacht, zu. denen nachher Stbuvjb und Soin;H die tffi 
sten Zusätze und Bestätigungen geliefert haben ^, Aas^ 
Bcobacbtongen hebe ick dnige aus. Der Stern Cästorä 
pibi^iebtern,.' der Absland beider von einander 5 Secnni 
. Cmlanteeit, nach Soutb's und des jungem Hkbschbl'si 
achtungen 460 Ja^re. / SoOten diese beiden Sterne zusal 
eine Masse so grofii als unsere Sonne haben, so miilsli 
60 mal so weit von einander als die Erde von der Sonai 
fernt seyn ^ und ihre Parallaxe kaum -^^ Secunde betragen. 
BfioieH gewährt, wegen der eigenthümlichen Lichtfarbe ) 
Sterne , das Ansehen, ak ob es ein Planet mit seinem Tnl 
wäre. ^ des Htrcule» ward 1782 als ein Doppelstem bed 
tet , wo der gr^fsere ein bläulich weifses , der kleinere ein: 
farbiges Licht hatte; der schon damals geringe Abstani 
1795 so abgenommen , dafs er schwerer zu erkennen war; 
waren beide 'Sterne gar nicht mehr als getrennt zu erkenim 
scheinen sich also bedeckt zu haben. Her sc hei. madi 
diesen Beobachtungen die richtige Bemerkung , . dals man 



1 Die Wiokelbewegang sckeint ,. nack Sout-H und Hbbschi 
langsamer za seyn and nnr } Gr. jährlich zvl betragen. Fk 
i)^:S. 382, 

t Astron. Jahrb. 1808. 8. 154. 226. Fh. Tr. 180S. 1801 1 

i8t6. nu 



Eigene Bewegung. 339 

die Bewegung dßr Sonne Rücksicht nehmen miissei 
er über die gegenseitige wahre Bewegung der Dop- 
nicht ganz sicher urtheilen könne, bis man durch 
insohafdiche Fortrücken beider Sterne die Richtung, 
;her sie vermöge eigener Bewegung und Parallaxe fort- 
«nnen gelernt habe. Er bemerkt fernei:, dafs in der 
r»e viele Falle vorzukommen scheinen, wo die Nähe 
erne nur scheinbar ist, wo nämlich, bei der unzähl- 
;nge hinter einander stehender Sterne, uns ungleich 
ernte Sterne als Doppelsterne erscheinen. Unter, die- 
1 daher viele, die keine Aenderung der Stellung zei- 
t dafs bei isolirten Sternen , welche Doppelsterne sind, 
len meisten Fällen Aenderung der Stellung wahrneh- 
• 

CVE zeichnet unter den vielen von ihm genau beob- 

Doppelsternen *, besonders g im grofaen Bare und 

n üphiuvhus , deren starke gegenseitige Bewegung 

&SGHNL schon bemerkt hatte, als vorzüglich bemer- 

Yk uns. Der Doppelstern ^ im grofsen Bare besteht aus 

eme vierter bis fünfter und aus einem Sterne sechster 

ihre Entfernung ist 2^ bis 24- Secunden. Von 1781 bis 

der Stellungswinkel sich um 240 Grade geändert, und 

len letzten Jahren dieses Zeitraumes am stärksten, (nach 

etzt jährlich 7 Grade) ^ ; die Umlaufszeit läfst sich also 

' weniger als 60 Jahre angeben. Wenn man nachHER- 

allgemeiner Bestimmung die Sterne vierter bis sechster 

Ava 8 mal so entfernt als die nächsten Sterne setzt , so 

diese Sterne nur höchstens -^ Secunde Parallaxe haben. 

Abstand von einander wäre 40 mal so grols, als die 

mg der Erde von der Sonne; ein Planet unserer Sonne 

n diesem Abstände 250 Jahre zu seinem Umlaufe nöthig 

und man kann also in jenem schnellen Umlaufe Grund 

nden , um die Masse jener Sterne für viel grölser als die 

nserer Sonne anzunehmen. 

r Doppelstem p. 70. des Ophiiichus besteht aus einem 
weiblichen Sterne vierter und einem rothen Sterne sieben- 
se, der Abstand beider ist 5t See. und seit Heäschel's 



Dbservat. astronomicae. Vol. II. p. 177.179. Vol. IV. p. 187. 188. 
Ph. Tr. 1826. SS2. 

Y2 



#■ .»■^' V 



34B Pizitern«, 



Beobftchtniig htf nch in 42 Minn der Sldlnpra 
bttntlie um 300 Grade geindert , so dafii ein ({Mfr UiiWl 
beendigt seyn wird. Die Beobachtnngen Ton Sovm- vi 
jungem Hbb8C«l bettiitigen dieses^ , und fiigen die mi 
Belehmng hinm, dafs die WinUUbewegang, wieklie mm 
lang bedeutend schneller geworden wur, jelst staik imiii 
nen ist ; die letsteren Beobacbter gbmben anck die Bahal 
beifiigen m können , dals der Abstand beider Sterne iranlj 
der jeM im Zunehmen ist, so wie es die abnehnieiide 
geschvfindigkeit nach den Attractionsgesetxen fordert, 
'wir diesen beiden Sternen nosammen eben die BÜMte 
nüm unserer Sonne, so mülste der wahre Abstand 
eilender 13 bis 14 mal so grofs, als der Absland der 
der Sonne seyn, und die Parallaxe dieser Steine kOi 
4- See betragen , wölken wir sie aber nach ihrer 
GrBbe in viel grSbere Entfernung hinans geruckt 
•o n^ofsle ihn Masse «dir ml gr<llser, ab die.Masse rf 
SoanesejB. »^ 

Die neuesten Beobachtungen von Sooth und dem 
fimsoHSL ffige»aa diesen wicMIgen Bdehmngen noch 
Nene , indem sie theils eine grolse Anxafil von Doppel 
kennen lehren , welche seit 40 Jahren ihre Stellang ga 
verändert haben , theils aber auch das eben Angeführte 
gen^. Einzeln kommen hier auch solche Fülle vor^, ei 
eine Stern sich von dem andern, vermöge eigener Bev^ 
des einen , ganz entfernt, und w^o also der eine vermuthlkl; 
naher als der andere seyn muCs , so da£s diese Doppelstei 
leicht durch ihre in rerschiedenen Jahreszeiten un«leicl 
stände von einander uns eine Parallaxe des näheren Stei 
Sen konnten. 

Dnrch South's und Herscubl's Beobachtungen lei 
^ des Krebses als ein System von drei Sternen kennen , dk 
gegenseitige Lage ändern^, und so bieten diese BeobacfaM 

1 Ph« Tr. ia26. 571. 

S Ph. Tr. ISÜ. HL 2a 1826. 1. 

S s. B. Ph. Tr. 1826. 279. 

4 Ph. Tr. 1826. 826. Ueber mancherlei mögliche Bewe| 
in solchen zosammengesetstero Systemen hat Heascbci. Uatem 
gen y die jedoch hwga nicht eischopfend sind , angestellt. Her 
Schriften L S. 183. 



Teränderliclie. 341 

Beachtenswerthes dar , wtis ich indefs , da b«i Einz«l- 
VOL verweilen hier nicht möglich ist, übergeh«*. 
iejenigen Sterne, die als vielfache Sterne nahe bei cin- 
heinen, wirklich in Verbindung stehen, darüber fehlen 
genaue Bestimmungen. Man kann die Frage noch 
dehnen und fragen , ob die so nahe zusammenstehen- 
dchen Sterne der Krippe im Krebse, des Degengrüfj* 
id des Perseus, selbst die Sterne im Haar derBerenice 
;inem System verbundene, einander nahe Sterne seyn 
"Wenn sie dieses sind , so müTste sich aber ohne Zwei- 
rine gemeinschaftliche sclieinbare Bewegung , vermöge 
nicht zu bezweifelnden eigenen Bewegung unseres 
tems, theils eine relative Bewegung gegenseitiger 
irahrnehmen lassen ; so lange die Beobachtungen uns 
: «eigen, haben wir keinen Grund, sie als näher ver- 
zusehen, und können daher solche Bestimmungen, wie 
lersghel angegebenen, über den Sternhaufen im Per- 
hr wahrscheinlich annehmen. Was diejenigen Stern- 
!trifl\, die selbst in Fernröhren nur durch ihren ver- 
rlanz sichtbar werden , so verspare ich die dahin ge- 
igaben für den Artikel Nebt/ßecJbe» 

Veränderliche Sterne.- 

1 wir unsere jetzige Bestimmung des scheinbaren Glan- 
iedener Sterne mit den Bestimmungen älterer Astro- 
•gleichen , so finden sich manche merkwürdige Ver- 
>iten. Olbers bemerkt z.B. dafs a im Drachen, dim 
Ten (den Bayer noch dem Sterne ß gleich angab) und 
!r» eine Abnahme des Lichtes erlitten zu haben schei- 
dafs a des Schützen und € des Pegasus wlleicht hel- 
len sind*. Andere Sterne scheinen eine andere Farbe 
en zu haben , denn Sirius , den Ss^eca ^ roth , wie 



schel's Verzeichnisse von DoppeUterncD. Phil. Tr. 1782. 
3achtaiigen von Bessel in Schumacher astron. Nachr. IV. 
ve's iieue Doppclsternc , in Schumacher astron. Nachrichten 

roa. Zeitselirift too v. Lind«nao etc. II. 182. 

aest. iiatur. I, 1. acrior cuoiculae ruber Mtrtis rfmistio 

1760. 498. 



343 Fixsterne, 

MaTS , nannte , ist jetzt gewifs von allem vorherrsclieiide 
vollkommen freL Herschel hat, um künftigen Zeiten c 
gleichung des Glanzes, welchen uns einzelne Sterne in 
Zeit darbieten, getreu aufzubehalten, für eine grofse 
von Sternen die genauen Angaben , welchen andern Stc 
gleich sind, w^elchen sie an Glänze ein wenig nachsteh 
welchen sie an Glanz einen kleinen Vorzug haben , mit 
nnd man wird künftig selbst geringe Unterschiede dei 
menden oder abnehmenden Glanzes wahrnehmen könne 
Aber noch merkwürdiger sind die bei manchen 
beobachteten periodischen Veränderungen, die darin l 
dafs ein Stern zuweilen einen heilem Glanz zeigt , dam 
eher glänzend erscheint, wieder zu der vorigen Li( 
zurückkehrt und so beständig abwechselnd gesehen wirc 
Lichtwechsel kehren bei einigen Sternen sehr regelmäDi 
gleichen Zeiten wieder, bei andern ist die Periode unglei< 
andere, die ehemals einen Lichtwechsel gezeigt hal) 
scheinen jetzt in unveränderlichem Lichte. Unter den 
eine sehr ^gelmäisige Periode haben , ist j4lgol im M 
haupte einer der merkwürdigsten. Er ist ein Sten 
ter Gröfse und zeigt sich die meiste Zeit als ein solch< 
allemal nach 2 Tagen 20 Stunden wird er auf kurze i 
dunkler. Nach Wuäm ^ dauert die Zeit seines kleinsten 
wo er Sternen vierter Gröfse gleicht, nur 18 IMinuten, 
nige Stunden vorher und einige Stunden nachJier benw 
das Abnehmen und Zunehmen seines Lichtes , so daljs 
8i Stunden lang dunkler als sonst erscheint. Wurm j 
mit vieler Genauigkeit zutreffende Periode seines Lichte 
zu 2 Tagen 20 Stunden 48' 58'',7 an , und hat darnacl 
berechnet, ^mit deren Hülfe man leicht die Zeit der 1 
Lichtphase für jeden gegebenen Monat findet. Um zu zeij 
nahe diese vor 30 Jalu-en berechneten Tafeln noch im 
der Erscheinung übereinstimmen, habe ich einige neu« 
achtungen nach denselben berechnet. Lüthmer^ bec 
1820 am 14ten Aug. 9_52' mittl. Zeit und am 6ten Sepl 



1 Ph. Tr. 1796. 166. 1797. 293. 179S. 121. und Astron. 
1809. 201. Aehnliche allere BeobachtuDgen Astron. Jahrb. 1 

2 AstFOD. Jahrb. 1801. 157. 
S F,b?ii(l. 1824. 243. 



/ 



Teränderliche. 343 

^eit das Ueinste Licht ; diese Zeitpuncte sind in Pariser 
2' und 7^ 54'. . Nach Würm's Tafeln trifft das klein- 
nach Anfang d. J. 1800 i"^ 18^ 3' 46", 8.Par. mittl. Z. 

haben aufser ganzen 

als ins folgende Jahr 
I Ueberrest 23 56 47,6 

^ul. lassen nach ganzen 

einen in den August 
I Ueberrest 4 24 23,8, 



AStes Licht nach An-j 2^ 22^* 24' 58" 2 



Ausnst 



o 



i 



en sind = 11 H 15 54,8 



14 9 40 53,0 
:e das kleinste Licht nach diesen Tafeln am 14. August 
bends seyn ; aber Wurm selbst hat* die Epoche um 
;n früher gesetzt , indem seine frühern Tafeln mehr das 
i die Mitte des kleinsten Lichtes angaben, also giebt 
mung 9»* 36% statt dafs die Beobachtung Q!» 3'/ gieb^ 
hier, da eine einzelne Beobachtung nicht auf eine Mi- 
oau ist, vollkommen genügt. Die zweite Beobachtung 
age 22 St 32' nach der ersten angestellt und 22 Tage 
r 49 ,6 sind gleich 8 Perioden. Rechnet man eben 
en Juli 1825 , SQ ündet man 

5 Jul. 18^^ 14' 23*^,1 a^ls Zeit des kleinsten Lichts 
8 Tage 14 26 56,1 als 3 Perioden gleich, 
tm 14 Jul. 8 41 19,2 Pariser Zei^ 
des kleinsten Lichtes. Diese Zeit ist 9 Uhr 40' Bres- 
it, und wirklich beobachtete ich, als ich geger^ H Ujir 
meine Aufmerksamkeit auf Algol richtete , dafs er seipen^ 
n Lichte nahe war, aber wie sich bald zeigte, schoa 
r kleinsten Lichtphase. 

Bser so auffallende Lichtwechsel ist doch erst vöuPiqott 
ODRiCK 1782 bemerkt worden, Andere veränderliche 
jind früher entdeckt worden, z. B. vonPABRicius 1596 
'änderliche am Halse des Wallfiscl es, 1600 ein verän- 
3r Stern im Schwan, der oft ganz rerschwindet^. 1670 
ein zweiter veränderlicher Stern im Schwan entdeckt. 



AsUon. Jahrb. 1810. 140. 
Montucla hist. II. 284. 285. 



1 . ■ *v 



344*' Fixalerne» 



jt ' 



XÜB SckwaB, der nnr sehen die irierte OrfSkm mf^hW^ 
SBAS^ hat diesen leisten Stern Öfter beol»<4itet nad Wm 
deb nsdidem er ihn 1815 mehrere Wochen TergebKdi m 
sucht hatte, er am 29- Aog. sichtbar ward, am 7-Oct. sein g 
tes licht hatte und gegen Ende December's wieder eben so 
scheinbar, ab bei Anfang seines Sichtbarwerdens, war, l 
Periode, die ungefähr 405 Tage ist, hat sich TeilängeTt, so 
sie jetzt über 407 Tag^ ausmacht, statt daPs sie am £■! 
siebeasehnten lakihnnderts noch nicht 405 Tage belmg. Q 
hsnqpt ist die Periode nicht ganz gleich, sondern zuwiAj 
adieint der Stern etwas eher oder später, zuweilen emfl 
im grSlsten Glänze nur die siebente , selten dagegen aacW 
die vierte Gwtlse; 7 Monate ist er ganz unsichtbar, 6 M 
«iditbar* Olbus bemexkt es als etwas AnflPallendtes , d4| 
'■V Stnni und dab mehrere TerändeiUche Sterne ein schi ^ 
Lidt haben. ^ 

Nod& in die Augen ftflender ab bei diesen Sterne^ 
Eichtwechscl des schon ersrihnteB Sterns im WaHfisrJiSy 
man den Wundetbaren . Mira e^ii, genannt hat. DiesepL 
enreicht bei seiner grüftten lichtstäike gewöhnlich denGti 
Stnme dritter GrOlse , zuweilen nur der Tieiten , aber ü 
auch der zweiten und selbst der ersten Gr6fse, Wab^ 
häl ihn einmal dem jitdtbaran gleich gesehen. Der 
bleibt 3 bb 4 Monate dem blofsen Auge sichtbar , und sdi 
nehmen dauert kürzere Zeit , ab sein Abnehmen ; durch 
räire sieht man ihn viel langer , obgleich er aach da zm 
Terschwindet. Wl'Bm setzt nach sehr zahlreichen Beobac 
gen die Periode zu 333 Tagen und etwa \ Stunden an , m 
stimmt die Zeit des gröbten Lichtes , oder der I^Iitte des gi 
lachts auf 15. Oct. iSiO, womach diese im Februar 182 
im Januar 1829 wieder eintreten wird. Die Periode ist 
genau immer gleich, sondern zuweilen einige Tage längs 
kürzer^. Die üiMri«en ab Teränderlich bekannten Sterne' 
sich im Wesendichen diesen ahnlich. 

Ueber die Ursache dieser Lichtwechsel hat man a 
BEypothescn aufgestellt. Die bei mehreren Sternen so bes 



1 AsInML Zeitsclor. von ▼• Lindeaaa etc. IL 181* 

2 Sbaid. LS29L 

% ÜMsd. rr. 18S. 31& Tl. TBL Istroa. Isbrb. 1814. 



I 
\ 



• • neue. 345 

;keit der Periode läfst wohl kaum zweifeln , dals 

reliung die Ursache dieser ganzlichen oder theilwei- 

kelung ist. Selbst unsere Sonne hat ja Flecken , die 

k.lein sind, um einen •erheblichen Lichtwechsel zu be-- 

id zn veränderlich, um in stets gleichen Perioden 

cheinungen darzubieten ; aber es kann ja Sonnen ge-» 

i verschiedene Seiten auf immer gleiche Weise ein 

.ches Licht darbieten. Ein dadi^rch nicht zu erklä- 

itand ist, dafs der Fortgang der Lichtabnahme und 

me nicht dem gemäls ist, was wir von einer, nach 

^egen uns gewandten dunkeln Seite erwarten sollten, 

I Beispiel bei Algol die Lichtabnahme ganz nahe vor 

.ten Lichte so sehr merklich, kurz nachher die Zu-* 

bedeutend ist, aber während des bei weitem gröfsern 

• Periode der Glanz ziemlich gleich bleibt. Dieses 

besser erklären, wenn wir einen sehr grofsen dunklen 

nähmen, der bei seinen Umläufen um den hellen Stern 

den Umläufen des hellen Sternes um ihn) eine fö'rm* 

lenfinsternifs hervorbrächte ; aber diese Erklärung würde 

t auf die Sterne passen , die so sehr lange ganz ver- 

nd, indem doch nicht gut anzunehmen ist, dafs diese 

lg den «röfsern Theil der Periode ausfüllte. Die Un- 

BU' in der Periode und, in den äufsersten Graden det 

e w^ürden sich nach der ersten Hypothese aus Aen- 

auf der Oberfläche des Sterns , nach der zweiten Hy- 

us Ungleichheiten in dem Laufe des verdunkelnden 

rklären lassen» 

Neue Sterne« 

diesem Lichtwechsel der Sterne ist vielleicht das Er- 
neuer Sterne verwandt. Hätte ein veränderlicher Stern 
r lanse Periode und wäre die Zeit seines Glanzes nur 
kurze Zeit beschränkt, so würde er dem Zeitalter, wo 
inmal zeigte , als ein neuer Stern erscheinen , und die 
n Beobachter würden ihn viele Jahre lang vergeblich 
n. Indels haben die Sterne, welche man als neue Sterne 
tethat, so viel Auffallendes gezeigt, dafs man sie wohl 
uiz mit den bekannten veränderlichen Sternen in eine 
stellen darf. Der glänzendste von allen war der von 
beobachtete. Aller Wahrscheinlichkeit nach muls er 



346 Flxsterav.erzeichnissii. ^ 

sehr schnell zu dem hellen Glänze', den er zeigte, gelangt i 
denn Mostlin hatte im October und noch am 2. Nov. iit 
Cassiopeja beobachtet, ohne etwas IMerkwürdiges wahrao 
men, und schon am 7« Nov. erschien der neue Stern dem 
teran Glänze gleich oder gröfser;- am H. Nov. sah Tuen 
der Venus gleich , und so blieb er einige Wochen. Aber 
sehr kurzer Dauer nahm seine Helligkeit ab, im December 
er noch dem* Jupiter, im Januar 1573 übertraf er noch dbS 
erster Grölse, im Februar und März glich er Sternen ersti^ 
und nahm nun so ab , dals er im September Sternen i 
Gröfse gleich war und im März 1574 verschwand, ii 
war er glänzend weils, dann roth wie Aldebaran odaj 
nacliher wieder matter weils *. ♦ J 

Einen nicht ganz so glänzenden neuen Stern beoM 
Kepler 1604 am Fufs des Schlangenträgers , der auch biI 
unsichtbar ward ^. Auch in altern Zeiten hat man solchtSi 
beobachtet ^ , die nachher unsichtbar geworden sind. W»i 
diese ungemeine Veränderung ihres Glanzes erklären soll,' 
'sich gar nicht angeben; von Zach bemerkt, sie gäben b8I 
nigstens die wichtige Belehrung, dafs es im Welträume 1| 
gebe, die uns gar nicht oder Jahrhunderte lang mchti 
bar sind. — * 

Namen der Sterne. 

Das hierher gehörige wird unter dem Art. Sternbüdef 
kommen. lieber die Bedeutung der arabischen Namen derS 
haben Ideler, Lach und Buttmanjj (auch MoNTUCLAan 
gen Stellen seiner Gescliichte der IVIathematik) Untersucha 
angestellt *. Ä 

Fixsternverzeichnisse. 

Catalogi fixarum; Catalogues des etoiles fixes; 

icdogues of the stars ; sind Verzeichnisse , worin die 



1 Tychonis Brake Progymnasmata Astron. Lib. I. de Zacl 
astr. V. 182. 

2 Kepler de Stella nova in pede serpentarii. 

3 de Zach corr. astr. IV. 585. Astr. Jahrb. 1819. 202. 

4 Ideler Uatersuchangen über den Ursprung und die Bedeuti 
Stcrnuamen. Berlin 1809. 8. Lach Anleitung znr Kenntuifsderara^ 
Sterimumcu. Leipzig 1796. Astr. Jahrb. 1822. 91. A&tr. Zcitschr 



I 



Fixaternverzeichnissek 347 

Sterne nach ihrer Stellung am Himmel , nach ihrer Recta- 

ion und Declination , angemerkt sind. Sie sind entweder 

den Sternbildern geordnet, wo dann diejenigen, die zu- 

[jnrch den Meridian gehen , voran stehen , oder sie sind 

allgemein nach der Rectascension geordnet, so dafs man 

[e Declinationen die Sterne , welche kutz nach einander 

den Meridian gehen , z\isammenfindet. Alle Sternver- 

ie hier anzuführen , scheint mir niclit dem Zwecke die- 

^Örterbuchs gemafs ; ich theile daher nur Einiges zur Ge- 

te dieser Verzeichnisse, und dann die Titel der fiir uns 

Lcnswerthesten mit. > 

[iFFARCHDs hat zuerst 150 Jahr vor Christo, nachdem Ti- 

lEE8 und Aristyllus schon Beobachtungen dazu gesam- 

llen, ein Verzeichnifs beobachteter Sterne verfertigt, und 

tAEUS hat darnach und nach eignen Beobaclitungen das 

ieichnifs verfertigt, welches wir noch jetzt besitzen ^. 

EG VI US reducirte dieses Verzeichnifs auf seine Zeit (880 

^Qixi^to) , und Üluoh-Beigh verfertigte eines aus eignen 

Igen ^. Tycho de Bhahe führte die bessere Me- 

,^die Sterne nach Rectascension und Declination aufzufiih- 

«tatt daTs man sie früher nach Länge und Breite angab K 

ich der Lanpghaf Wilhelm verfertigte mit RoTHMAVff 

(yrge ein solches Verzeichnifs aus eigenen Beobachtim- 

Halley und La Caille haben uns zuerst genauere Ver- 

lisse der Gestirne um den Südpol gegeben *. Hevel gab 

Leren Verzeichnisse mit eigenen Beobachtungen vermehrt 

•, Flajmlstead lieferte nach 33jährigen Beobachtungen 

viel vollkommnern Katalog als seine Vorgänger, der 3000 



' JiUyaXtj Zvvra^^i. VII. 2. 

■ Tabolae long, et lat. stellarum fixaram ex observ, UlughbeigÜ« 
1665. 
f CatalogQS fixarum ad annam 1600, in den Astronomiae instaa- 
Ü^Progymnasm. Frf. 1602. Kepler nahm dieses Yerzeichnirs, mit an- 
leobachtungen Tycho's und eiuig&Beobachtungen der Sterne um dea 
Termehrt, in die Audolphinischen Tafeln auf. 
I Observ. Hassiacae. Lngd. Bat. 1618. 
'S Halieji catalo^as stellarum aiistralium. Lonä. 1679. und von La 
{le astronomiae fundameuta novissima solis et stellarum Observation 
II stabiiita. Paris. 1757. 

^ Prodromiis Astronomiae. Gedani. 1690. ni^ Firmamentum So- 
cJanam. Ged. löUC 



350 Fiächenkraft 

hat*. Auch PoVD und Brixklei haben äich mit diesen Bec 

■ 

tungen ernstlich beschäftigt ^. Von den Sterncharten wi 
«ignei' Artikel Nachricht geben, £ 

Flächenkraft. 

Flächenanziehung und Flächenabstofsi 
Atlraction et Repulsion de surface. 

Der Ausdruck: Flächenkraft, noch mehr FlächM 
hungy seltener Flächenabstofsung kommt sehr oft bei d« 
Schriftstellern vor, und die Ausländer reden haulis von 
che, wenn sie dieselbe auch nicht durch ein bestimmte 
bezeichnen. Ohne nähere Andeutung ist dann die Fl 
Ziehung so viel als ^Anziehung in unmittelbarer Beruh 
in unmefsbare Ferne , und äufsert sich in den Erscheint 
uidhäsion und Cohäsion ^. Man könnte hierdurch zu 
muthung verleitet werden, als ob der Ausdruck von der! 
ausdehnung entlehnt sey, in welcher die Berührung bei( 
einander anziehender Körper stattfindet, allein dieses 
der Schärfe der eigentlichen Begriffsbestimmung entferne 
nau genommen beruht die Sache vielmehr auf Folgende 
hauptsächlich aus der Darstellung von Fhies * am deut 
und vollständigsten zu ersehen ist. 

Die bekannte Newton'sche Anziehung ist den Mj 
einander anziehenden Körper direct proportional , wird I 
durch die Quantität der wirksamen Masse bedingt , und 
im Mittelpuncte der Körper vereinigt angesehen werded.^ 
Erfahrung ergiebt, dafs diese Kraft in jede mefsbare Ferne 
und den Quadraten desAbstandes proportional abnimmt, 
men daher zwei Körper (es mögen dieses Kugeln seyn) eil 
nahe , so wird ihre Anziehung wachsen , und in der Bei 
ihr Maximum erreicht haben: allein die wirksame Kraft gel 
ümen stets vom Mittelpuncte aus oder kann mindestens auf 
vereinigt gedacht werden, und man könnte sie daher auchJ 



1 Beobachtungen 5te Abth. S, V. und XI. und 7te Abth. S.J 
und astr. Jahfb. 1828. 196. 

2 Astr. Nachrichten I. lOlj Astr. Jahrbuc}|l828. S. 198. 

3 S. 'unter andern Parrot Grundrifs der'thcor. Pliys. I, 44.1 
tiens sur la Physique I. 93 ff. 

4 Mathemat. Naturphilosophie S, 450 ff. 



Fixsternyerseiciinifl&e* -349 

, LiTTAOW ' sich uih diese Bestimmungen rerdient 

- denen , welche aus fremden Beobachtungen mit nn- 
Fleifs zusammengetragen haben, verdient vor allen 
ihnt zti -werden , der nicht allein dieses gethan , son-> 
ich die fremden Beobachtungen geprüft un4 mit zahl- 
en en Beobachtungen die schon vorhandenen Verzeich- 
chert und berichtigt hat ^. 

dürfen hoffen , dafs die Reichhaltigkeit der Sternkata* 
trzem noch sehr gewinnen wird , da die Berliner Aka- 
IVIitwirkung aller Astronomen zu einer Revision des 
jnmels aufgefordert hat, um besonders die Ungleich* 
zu heben, die bisher noch in unsern Verzeichnissen 
I w^ar, da einzelne Gegenden genauer durchforscht wa- 
tend in andern selbst minder kleine Sterne in den Ver* 
n fehlten *. 

besondre Erwähnung verdienen hier noch die Bemür 
Ör die genaue Bestimmung einiger Fundamentalsterne, 
ten völlig sichere Kenntnifs man Anknüpfepuncte für 
ra Beobachtungen erhält. Maskelyxe hat ein Ver- 
von 36 solchen genau bestimmten Fundamentalsternen 
It ^ , auf deren sorgfältige Beobachtung und immer 
Berichtigung Bessel vorzüglich grofsen Fleils gewandt 

•ave observationes astronomicae Dorpati institutae. 4 Yol« 
18*23.) 

malen der Wiener Sternwarte. 3 Abtheilangen. 
ich die Observations astronomiqaes pabli^es par le bureau d« 
, gehören hierher , und mehrere andere , die minder wichtig 
Zweck sind. 
Igemeine Beschreibung und Nachweisung der Gestirne , nebst 
iXs der geraden Aufsteigung und Abweichung von 17240 Ster- 
pelsternMi , Nebelflecken und Sternhaufen , von Bode. Berliä 
. Vorstellung der Gestirne auf 34 Kupfertafeln , nebst einem 
lisse von 5877 Sternen, Nebelflecken und Sternhaufen, von 
e Aufl. Berlin 1805. Nachträge und Berichtigungen dazu aa 
Stellen in den astronomischen Jahrbüchern, 
uch die Astron. Societät in London macht sich um diesen Ge-* 
durch Herausgabe eines neuen Katalogs verdient. 
faut. Alm. 18^0. Astr. Jahrb. 1821. 208. Bemerkungen von Fond 
möglichst strenge Berichtigung der Sternkataloge Phil. Transact. 
5. 






352 ^ Flächenkraft. 

noch keineswegs dargethan. So hat L. Euler ^ dasMariol 
Gesetz aus dem von ihm angenommenen Aether und 
Wirbeln in den hypothetischen hohlen Luftkügelchen 
trisoh vortreffllich demonstrirt, aber niemand wird deswe 
neigt seyn , solche Wirbel und Kiigelchen wirklich ai 
men. Die Vertheidiger der Existenz von FlächenkraJ 
haupten indefs , es seyen dieselben durch die Erfahrung j 
indem die Erscheinungen der Cohasion, Adhäsiop und 
rität nur aus ihnen erklart werden könnten , insofern b« 
die Massen gar nicht, sondern nur die Flachen sich ai 
ergäben, und La Place sagt selbst, die Kraft, welche 
scheinungen der Capillarität erzeuge, liege in der ui 
dünnen Oberfläche der Körper. Dieser Beweis würde vc 
tigkeit haben , wenn eine geometrische Fläche noch ein 
stand physischer Messung wäre; allein da die Theilchen i 
tierie erweislich viel kleiner sind, als unsere Messung re 
bleibt es immer fraglich, ob die eigentliche geometrisdi 
fläche der Körper, und nicht vielmehr eine physische 
oder ein in einer unmefsbar dünnen Ebene liegendes Aggr 
Körperelementen jene Erscheinungen hervorrufe. Wci 
aber weiter argumentirt wird, dafs die Phänomene selb 
anderes seyen , als das Resultat einer Anziehung in um 
Fernen , statt dafs die Anziehung der Massen dem Qiiad 
Entfernung umgekehrt proportional sey, und dafs jene d 
dem besonderen Namen der Anziehunjz in der ßerühmi 
ihr zum Grunde liegende Kraft aber Fiächenkraft zu b 
sey, so läuft die Entscheidung hierüber auf die schon 
holt erörterte Frage hinaus , ob alle Anziehungsphänon 
eine einzige w^irkende Kraft zurückgeführt werden könr 
nicht ^. Wenn gleich hierüber noch nicht mit völli;2er 
heit entschieden ist, so läfst sich doch so viel als aus 
annehmen, dafs die Erscheinungen der Anziehung in d 
von denen der Anziehung in der Berührung erweislich % 
den sind, und dafs man auf allen Fall annehmen müs 
einzige Kraft werde durch die individuelle Beschaffenhe; 
den ein2>elnen Körpern verschiedenen Elementartheilchci 
ders modijlvirt, damit sie beide Wirkungen liervorbrin| 



1 Com. Pet. IJ.S47. 

2 Vergl, Anziehung* 



Flächeiikraft. 353 

lals Uemacli also der Annahme ein^ auf efgenthiimliche 
ch äufsernden Flächenanziehung und einer hiernach zu 
iden Plächenhraft kein bedeutendes Argument entge- 
a kann. 

Beziehung auf die zweite Frage, nämlich oh es aufsei 
ehung in der Berührung auch noch eine ihr entgegen* 
uibstojaung in geringe Fernen giebt, mithin zwei Fla- 
:e anzunehmen sind , ist zuerst zu bemerken , dals ver-* 
5 Schriftsteller nur von einer Flächenkraft als Ursache 

I t 

sions- und Adhäsions -Phänomene reden, • andere^ da- 
;.B. Kastnek ^, Fhies ^ halten die Annahme von zwei 

entgegengesetzten Flächenkräften fiir richtiger. Der 
MTorauf diese Behauptung gestützt wird, ist theils specu- 
iofern einer anzieJienden Flächenkraft auch eine absto- 
i Gemäfsheit eines nothwendisjen Ge^rensatzes entgegen- 
lüsse; theils aus der Erfahrung entlehnt, indem be- 
.vird, dafs die namentlich bei gasförmigen Körpern statt- 

Repulsion auf gleiche Weise in d^r Berührung und in 
arc Entfernung wirke , als die Attraction^ welche die Er- 
igen der Adhäsion und Cohäsion erzeuge , folglich auch 
;hem Hechte auf eine Flächenkraft zurückzviführen sey^ 
ans einer solchen hergeleitet werde. Was das erste Ar- 
betrifft , so ist dieses ganz unhaltbar , denn die Anzie- 

die Ferne ist wohl über allen Zweifel hinaus fest be- 

allein es ist deswegen noch niemanden in den Sinn 
jn, die Nothwendigkeit einer ihr entgegenstehenden Ab- 
demonstriren zu wollen ; das zweite Argument aber be- 
i der Erklärung derjenigen Phänomene, welche die gas- 

Xörper uns darbieten , und. auf der Bestimmung der 
I, w^elche den verschiedenen Aggregatzustand der Kör- 
ngen, je nachdem sie entweder fest oder tropfbar oder 

ilüssig erscheinen , und -wird daher am besten in den 
FLübsigheit und Gas näher untersucht werden. M. 

lamme; S. Verbrennen. 

rrandrifs der Experimentalphysik. 2te Aufl. Heidclb. 1820. I. 76. 

ichrbuch der Naturlchre. Jena 1826. I. 7. Dcissen mathemati- 
arphilobophie. Heid. 1822. S.454ff. 

d. Z 



354 Flasche. 

F 1 a s che* 

Geladene Flasche^ Kleistische Fla 
Leidner Flasche, Ladungsflasche, 
Stärkungsflasche; Phicda Leidenais^ Phia 
ctrica, Lagena armata; Bouteille de Leide ^ 
teille electrique ; Phicd oj Leide. 

Wenn man einen dünnen sogenannten idioelefa 
d. h. nicht leitenden , Körper in solche Umstände verset 
auf den .beiden einander gegenüberstehenden Seitenfläc 
der einen Seite sich positive , auf der entgegengesetzte: 
tive E. (welcher Ausdruck der dualistischen Vorstelhu^ 
die Sprache jeder andern Theorie sich nach dem, wi 
dem Artikel : EUktriviläi vorgetragen worden ist, leicht übt 
lälst) befindet, so heifst der Körper in diesem Zustande { 
Man wählt hierzu gewöhnlich gläserne Flaschen , deren 
Wänden die eine, den äuberen die andere E. zugefuh 
woraus sich der Begriff der geladenen Flasche und der 
derselben als desjenigen Vorganges , durch welchen di< 
häufung entgegengesetzter E. an zwei solchen einander 
überstehenden Flächen zu Stande kommt, von selbst 
Man kann aber statt der Flaschen eben sowohl Platten 
eine Tafel von gemeinem Fensterglase, von Holz oder 51 
wählen, welche alsdann geladene elektrische Platten heiß 
man - kann selbst flüssige Nichtleiter wie Oel , und seil 
Luftschicht auf diese Art laden. Sobald die E. beider 
welche durch die Zwischenlage des nicht leitenden Köi] 
trennt waren , durch irgend ein Mittel vereinigt , oder 
zusammengebracht werden , dafs sie das z wisch enUegei 
tel durchbrechen können, so gehen sie in einander d 
starken Explosion über , oder (um einen zu jeder Theo 
senden Ausdruck zu gebrauchen) gleichen sich mit einac 
ter einer solchen Explosion aus. Diese heifst der eU 
Schlag , die elektrische Erschüiterung, und der ihn be\ 
Vorgang die Entladung ^ das Losschlagen , so wie der 
in seiner TotaUtät der Kleüi'schü oder Leidner Versuch 

rimenium Leidense^ experience de Leide), um 



1 S. Quadrat, elektritches. 



Einrichtung« 355 

ler dabei vorkommenden Erscheinungen die veratärhu 
Uät genannt wird. 

soll in diesem Artikel zuerst von der Zubereitung und 
chiedenen Arten der Leidner Flaschen , dann von ihrer 
Entladung und den dabei vorkommenden Erscheinun- 
indelt, hierauf die Geschichte des Leidner Versuchs err 
ie Erklärung der Erscheinungen nach den verschiedenen 
in gegeben / und der BeschJufs mit der Erörterung eini- 
ier Leidner Flasche angestellten Versuche , auf welche 
I vorzüglich zur Unterstützung der Theorie einer einzi- 
Haterie berufen hat , gemacht werden. 

ireitung und verschiedene Einrich- 
tungen* der Leidner Flasche. 

r tauglichste Nichtleiter zu den Ladungsversuchen ist un- 

das Glas. Diejenigen Sorten Glas werden den Vorzug 

en, welche die besten Nichtleiter sind, also das härtere 

IT dem weicheren, doch kommt es hierbei auf eine strenge 

Ü nicht an , da auch das weichste Glas durch seine Masse 

h wenigstens ein vollkommener Nichtleiter ist , und der 

ang der E. an seiner Oberfläche durch gewisse demnächst 

lende Mittel abgeholfen werden kann. Doch sagt Ca- 

^, da(s eine Sorte Glas, die demjenigen gleich kommt, 

Ichem die Florentiner Bouteillen gemacht werden, wegen 

nnverglaster Theile in ihrer Substanz nitht die geringste 

; aushalten. Wilke bemerkt, dais weifsesGlas bei gleicher 

ind sonst gleichen Umständen sich nicht so stark laden 

ds grünes^, und Cuthbehtson ^ fand, dafs verschiedene 

les weilsen und noch viel mehr des grünen Glases bei 

r Dicke und GröCse der Belegung ganz verschiedener 

Q von E. bedürfen, um gleich stark geladen zu werden. 

cke des Glases kommt hierbei sehr in Betrachtung ; ein 

. Glas kann bei gleicher Oberfläche leichter und stärker 

1 werden , als ein dickes , es ist aber auch der Gefahr 

ausgesetzt, durch die Gewalt, womit sich die E. beider 



I. 138. 

Schwed. Abh. XX. 245. 

Gilb. An. JTI. S. 27. 

Z L> 



356. ^ Flasche. 

Seiten mit einander zu verbinden streben , bei aüzustaikei 
düng durchbrochen zu [werden. Man kann daher die sehr 
nen Flaschen oder^Plat|en zwar einzeln gebrauchen, wenn 
aber mehrere mit einan&er verbinden will * , so mufs man 
keres und wohl abgekühltes Glas dazu nehmen. Nach 
NENBERGER ^ sollte man die Glasesdicke der Ladunjrsfl 
nach der Stärke der IVDaschinen einrichten. Starke Masc 
laden dicke Gläser auf einen hohen Grad , den die dünne 
nicht aushalten. Durch schwache Maschinen kann man in 
Gläser gar keine merkliche Ladung bringen. Diese Verhäl 
werden sich weiter unten aus dem Vorgänge der Ladung 
leicht erklären lassen, und es ist ein blofses Mifsverstän 
wenn daraus gefolgert worden, dafs dickeres Glas über 
eine stärkere Ladung annehme , als dünneres Glas, ein 1^1 
in welchen Bounenberger selbst gefallen war \ 

Der Glimmer hat darin vor dem Glase den Vorzug, i 
auch in den dünnsten Blättchen selbst bei der stärksten La 
dem Durchbruche der E. widersteht, auch gewährt er eben 
gen der Dünnheit, in der man ihn anwenden kann und d 
abhängigen grofsen Capacität den Vortheil , in einem sehr 
nen Räume eine Batterie von grofser Wirksamkeit aufstell 
können, wie denn .NiCHOLSOJr * eine solche Batterie vo 
Glimmerblättchen ausgeführt hat , die zusammen nur eine 1 
von 3 Linien hatten, bei denen die Belegung des ein» 
Glimmerblättchens nur 2 Quadratzoll betj*ug und welche den 
das Aequivalent von 7 Quadratfufs Belegung von Fenst« 
waren ; indefs ist der Glimmer in unversehrten Platten nid 
leicht zu erhalten und zum gewöhnlichen Gebrauche zu ko 
Für Batterieen nimmt man gewöhnlich grofse cylindrische 
sogenannte Zuckergläser, die auf Glashütten bis zu einer 
von zwei Fufs und selbst darüber, und von einer Weite 
8 bis 12 Zoll verfertigt werden , und entweder gleichweit 
oberwärts etwas verengt sind. Man kann sich indefs so 
Flaschen auch einzeln von verschiedener Grofse und Weit 



4. S. Batterie, elektrische* 

2 S. dessen Beiträge zur theor. u. prakt. Elektricitätslclire. 
Stück. Stuttg. 1793. 

3 S. dessen 5te Fortsetzung von Elektrisirmaschiaen und cl 
Sachen S. 241. 

4 Gilb. Ann, XXIII. 272. 



Einrichtung. 357 

Für kleinere Versuche sind die gewöhnlichen Arznei* 
rancfabür. 

»il das Glas , so wie alle Nichtleiter , die mitgetheilte £. 
ichst an der berührten Stelle annimmt , und erstere von 
:elnen- Puncten aus ^ an welchen sie dem Glase mitge- 
ird, sich nur mit Mühe über dessen Oberfläche ver- 
so mu(s man die^ beiden Flachen mit einem recht guten 
B. Zinnfolie, Gold- oder Silberblättchen , Gold- oder 
jier, Messing- oder Eisenfeilspähne u. d. g. überziehen, 
6ie Belegung derselben genannt wird. Deswegen heifst 
mgsflasche oft auch die belegte oder armirle Flasche, 
erschafit den Vortheil , dafs die mitgetheilte E. , wenn 
nur auf eine einzelne Stelle geleitet wird , sich den« 
jleich über die ganze belegte Flache ausbreitet, und bei 
aduncr eben so auf einmal herausgeht. Bei einer sol-„. 
sehe mufs auch der Boden CD von aufsen und innen 53.* 
eyn. Die Belegung mit dünner Zinnfolie (sogenanntem 
) ist unstreitig die beste und läfst sich, wenn die Flasche 
Undrisch oder im Obertheile nur wenig verengert ist, so- 
iswärts als auch einwärts vermittelst Gummiwassers oder 
[ichen Kleisters leicht anbringen , welchen letzteren maA 
■ dünn aufträgt , so dafs nirgend Klümpchen oder Luft- 
nrückbleihen. Sogenanntes Silberpapier kann auch sehr 
Steile der Zinnfolie vertreten und nach der Erfahrung 
¥ Bhook würde es sogar den Vorzug verdienen , da 
ifnnden haben will , dafs Flaschen vor dem Zerbrechen 
nen durch das Glas durchschlagenden Funken am besten 
t werden können , w^enn man die Zinnfolie nicht un- 
r auf das Glas leime, sondern erst mit gewöhnlichem 
»apiere und darauf mit der Zinnfolie die Flasche belege, 
ischen oder Glastafeln durch eine weit geringere La- 
gleich nachdem sie belegt und also ehe sie trocken ge- 
sind, zersprengt werden, als wenn sie schon lange ge^ 
standen haben , so dafs die Flüssigkeit aus dem Gumm[ 
eister , womit die Zinnfolie aufgetragen wird , hat ver- 
können, und dafs man eben deswegen die Flaschen 
eich liach ihrer Belegung anwenden dürfe , wie ürook * 
n haben will, habe ich nicht bestätigt gefunden, doch 






3S8 PUiche. 

Iiabe Ich dies« 'V«ftiidi9 Vergleuilmngtvreia« mnr -Ml^lld 

▼on dickem Glase angeftellt '■'■?*'■'■. "^i 

HttdieFhsche, wie nameatUcE die Medfdi^li^Mft^^ 

' dünnen' Hak, eo liCrt sich dieselbe anf der inaeimi fllblir| 

ib wie anfiien mit Stanniol belegen. In diesem Fan^'-fiftTj 

Ueine Flascheb, ao weit die Belegung 'gehen sol]:|''^i 

oder Maaeingqpälinen , auch mit Schrot* oder einer g 

ÄnfltMn^ton Kotfasds aoTf in gröberen aber, £b 

was %a scliwer'wlirdefi, gieüit müi etwas OnmmiwaaiM|^ 

tek ein wenig MesMngspiyMw hinein , und schwonKt dM"! 

. bis siob dtio Spähne dicte «fi die* intfeten Wände ai 

wo sie durch das Gummiwässer ankleben. AI 

solfihet eri|[halsigeii l^laschto mit einem Kitt^ ans Pi 

und Wachs, welcher mit «in to- groben Menge Ton 

feUicht Teisetzt ist, sa belegen^ den matf in Stixt 

' bringt, und durch SchttiehKen,- so weit man t^f 

nepi Fläche verbreitet, ist dämm nicht ratfaisam^ 

Baoök das Glas dan|i schon diiroh eine schwache 

sprengt wird. Einer Beobachtung «sufotge sollen^ 

grünem Gkse, welche 2 Kannen fiJsten, inwendig 

{ei&pÜhnen belegt, und mit Wässer noch etwa» über 

aus angefüllt, und von auben mit unächten Silberblal 

legt waren, eine besonders starke Ladung annehmen^. 

Die Belegungen beider Seiten des elektrischen Sl 

dürfen einander am Bande nicht nahe kommen, sondern dl 

durch einen 'unbelegten Raum des Glases von hinlÜad 

Weite von einander abstehen, weil sich sonst die ei 

setzten £• schon im ersten Anfange der Ladung über 

hinweg mit einander vereinigen würden, und die Lac 

&U, einem merklichen Grade getrieben werden könnte. Dl 

Fi g. dehnung des unbelegten Theiles , welcher bei der Flasd 

^ Rauih zwischen £F und GH sowohl aufsen als innen eiu 

' mufs sich überhaupt nach der Gl'asesdicke der FlascU 

Gr^fse der Batterie, zu welcher solche Flaschen genomnMl 

den^ und der Stärke der Elektrisb*maschine richten. 1 

Maschine von der Beschaffenheit, daTs man, vrenn fli 

Batterie von 10 4>is 12 Quadratfufs Belegung vol]stän£| 

^ soll, nur Flaschen von der Dicke der gew{$hnlicheniZiicki 




1 6. XXIV. 590. 






EiAricb'tang. 359 

am, io ist es genug, wenn man den nhbelegten Rand 
i Zoll hoch macht , denn dergleichen Gläser sind immer 
aik genug geladen , wenn es so weit gekommen ist, dafs 
bstentladung erfolgen kann , und dieses wird dem £x« 
tator minder unangenehm seyn ,, als wenn bei grölserer 
lung des unbelegten Randes eine Flasche zersprengt 
Hat hingegen die Maschine eine gr($fsere Stärke, so 
n 30 bis 30 Quadratschuh Belegung , wo die Gläser zu 
Zeit dickes als' gewöhnlich sind, damit zu laden im 
ist, so darf man den unbelegten Rand des Glases nicht 
rei Zolle seyn lassen. Besitzt endlich die Maschine, so- 
cksamkeit, dals sie 50 und mehrere Flaschen, deren Gla-> 
I 2 Linien beträgt , vollständig laden kann , so mufs der 
te Rand nicht unter 4t' hoch seyn, weil sonst eine 
idadung erfolgt, ehe die Batterie das Maximum ihrei 
erreicht hat. Es ist sehr rathsam, den unbelegten Raum 
[F durch einen Ueberzug von Siegellack gegen die Feuch- 
sn schützen , audi giebt dieser Ueberzug den Flaschen, 
I der ganzen el. Geräthschaft ein sehr nettes, reinliches 
o. Das Siegellack wird hierzu im Mörser zerstoisen, 
lectificirter Weingeist aufgegossen und der daraus ent* 
le Brei mit dem Pinsel auf das Glas getragen , das man 
erwärmt hat. Auch ist Bemsteibfimirs zu diesem Zwecke 
iglich. Brock ^wollte beobachtet haben, dals sich die- 
lasche viel stärker laden lasse , und die Selbstentladung 
iter eintrete , wenn der unbelegte Rand statt recht trocken 
in zu seyn , vielmehr etwas beschmutzt sey , und zwar 
nt er- den Grad und die Art dieser Beschmutzung dahin, 
in etwas flüssiges Oel oder irgend eine andere nicht lei- 
ap, dem Glase dünne anhängende Substanz z. B. die un- 
Jie Ausdünstung der durch Bewegung erhitzten Hand, 
ach einigermafsen Öligter Natur ist) über die Oberfläche 
belegten Glas6s reibt , wovon sich der Nutzen besonders 
;eigen werde, wenn der el. Apparat sich in einem war- 
ad trockenen Zimmer befinde , aber viel weniger in einer 
Stube , wo weder eingeheizt wird , noch die Sonne hin- 
leint. Dieser Einflufs eines üeberzuges mit einer solchen 
«n. (öligten) Substanz auf Verstärkung der Ladung lädt 



a. a. O. 8. 82. 



358 Flasche. 

habe Ich diese Versuche vergleichungsweise i^ 






von dickem Glase anf^estellt. ^ ci^ 



^ %. 



Hat die Flasche , wie namentlich die ^ '^ ^ 
dünnen Hals , so läfst sich dieselbe auf 4^ '' a ^ 'A 
sowie aufsen mit Stanniol belegen. ll& V vV '*,. 
kleine Flaschen, so weit die Belegu' "^ \^ '«^ .,' 
oder Messingspähnen , auch mit Sj \\ 'S^ o. 
Auflösung von Kochsalz an , in gt^ ^ '-^ ■ ' . 
was zu schwer würden , gielst mv \ \*v H ^- • 

telt ein wenig Messingspahne hl ^ ' \\ ^ , •■* ;\ ^ ■ 
bis sich die Spähne dicht an ^ ? . ' , . \ 
WO sie durch das Gummii ^ ^ \N 
solcher enghalsigen Flaacb ^ t* ^ o ' ■ 
und Wachs, welcher ^ i\ •<' \ \ ^^\ 
feilicht versetzt ist, s*^4 ^ ^^'. ^ * ^. 
bringt , und durch 3 J *. ' > V \J^ x' ' 
nern Flache verbMnf m t^ \ y^ ^' 
Baook das Glas i\\^ \^ 

sprengt wird, fj J ^ i^ * ^^ 

grünem Gkse » I I \ ^ ^*® ^^^^ 

feilspähnen b^ I I / ^ine Batterie 

aus angefuBV I * ^er Uebersetzer , w 

legt waren; ' . '*'*°^ Rande besser ladön 1 

Di^ i ' ' «iit Feuchtigkeit beschlagen 

dürfen < '*-*' '^^^ ^^^"^ angegebenen Umst 

durch '*"'*^** ^^® Schicht Feuchtigkeit, die 

^^ ruilit sey, sondern durch das Anhänget 

^^ .., dit« »ich in jedem Zimmer befinden, und ( 
j^, ..4lt*U worden, jenen Dienst geleistet , währen. 
>.hr »'mu hliglvoit sich durch die VerdunstuniT b« 
y. in«twnü wieder verloren habe, denn er habe sehe 
F iiiaU«>u , iU'A t^ino ganz neu mit Siegellack überzo« 
^jÄ»ii5*»*h nicht so gute Dienste that, als nach e 
M^:U ilals nit) hitli dann aufserordentiich stark laden 
«i.hu.l hiü voU feinen Staubes lag. Indefs hat Ccx 

I H ae«en 5te Fortsrtrung .einer AbhandloDg von 



fi^ia-richtung, 361 

"^^ne frühere Beobachtnng bestätigt , in* 

Min einhauchen bei recht trockenem 

^. hen , eine stärkere Ladung anzu* 

*^^ "^n 21 : 15 verstärkte, auch ^iuo 

**^ Vie ich in der Theorie dey 

M^Auch VANMARUM^.be- 
* 
^ , dafs seine Batterie 

^itthlen erwärmt hatte. 

^ Stunden nachher, 

m stets feuchten 

^ rdiohtuug von 

he ist die 

und eine 

*is jene so we^ 

aiassung gebe. Bei 

.aehen sind, verschliefst 

. einem genau einpassenden, 

.cn KorkstÖpseL In diesen .'Stöpsel 

.iid ein starker messincmer Draht hin- 

.ler unten mit einigen dünnen federnden 

ersehen ist, die sich im Innern vermöge ihrer 

en und an die innere Belegung etwas anstem- 

;che inwendig mit Metallspähinen oder Schrot 

linreichend, den einfachen Draht bis in diese 

en zu lassen. Oben mufs der Draht 6 bis 

lasche hervorragen, bei A bekommt er einen 

Cugel von etwa ■§■ Zoll Durchmesser bei klei- 

Es ist sehr bequem, >venn der Draht oben 

was unter der Spitze aber nüt Schraubengän- 

, so dafs man die hohle Kugel A nach Gefallen 

ben kann. Bisweilen wird auch der Draht am 

n gebogen, um die Flasche daran aufzuhan- 

läsern mit weiter Mündung, 'wie man sie ge- 

5rien gebraucht , ist obige Einrichtung nicht 

kel von mit Siegellack überzogenem Holze 

lurch man den Zuleitungsdraht steckte , die 

waren, hat man mit Recht verworfen, weü 



n. 






L 



aäa. ' ; . FlMche.:,: 



CHm dar E. m sdiifr OberflMcha keiHeii so giidffem^1VI|ii 

l«£tte| und fdnc 'SelhitMitladiiDg längs deiselben ddhar fafibi 

{(D^en kand ^ «I» b«r Tenem Uebenage» " ' ;^^ 

-^ Dagegen iift« die Beobachtung CoTHBUETSOir'e, * dab liii 

dnng sehr Terstärlt werden fcOnne, .'wvhttder untelegli^ 

mxt.einenA feinen Uebenuge von Dunst und Staub Vedea| 

dem eiiMn Ansoheine> nadi mit den bewährten elektmdMl 

setzen weniger in XJebereinstimnmng zu bringen. CoTtff 

•öv- bemerkt Bäh^idh^ er habe gelinden ^ dals die Fij 

albzeit eipe. stitikere Ladung ertrugen, wekm er sie «Hl 

tsocknete und abrieb« Bei feuchter Witterung 8e]^;'die'l| 

stärker' ge^fesen , als bei trockener, und ;bei sehr trockemi 

, teiVDg^.wO'Sich düs FWchen nicht stark laden liefMip 

. fnr 'die Ladung 'Immer h(jher treiben kditnen , wenn erf 

EUsohen hinemgeathmet habe. Doch fuhrt- er weiter . UNj 

dab nur ein ^estmmter mäisiger Grad von FeuchtigkdkjJ 

Dienst Jeiste , und' bei m' wler derselbe wieder verlöred 

wie dann eben darum in UoUandj Torsüglich im WuS^ 

iiberfliissige Feuchtigkeit ip der Luft sey und dieMas< 

seks stark wirken y es "unmOgl^ch sey eine Batterie 

ansehnlicher Grölse sn- laden. Der Uebersetzer, weh 

die Flaschen mit uberfirnifstem Rande besser ladön konfll 

diejenigen , deren ^nd mit Feuchtigkeit beschlagen war^ \ 

das Anhauchen unter den oben angegebenen Umständen 

nicht sowohl durch die Schicht Feuchtigkeit, die dado 

das Glas gebracht sey, sondern durch das Anhängen der] 

theilchen, die 'sich in jedem Zimmer befinden, ' und das dl 

vermittelt worden , jenen Dienst geleistet , während die» 

Schielet Feuchtigkeit sith durch die Verdunstung bei trO 

Witterung wieder verloren habe , denn er habe schon lan 

. funden , dals eine ganz neu mit Siegellack überzogene 1 

anfanglich nicht so gute Dienste that , als nach einige 

auch dals sie sich dann ausserordentlich stark laden lieb, 

achtet sie voll feinen Staubes lag, Indels hat Cuthbii 




\ 



1 8. dessen dte Fortsetzung seiner Abhandlang von der 
citit d. Uebers. Leips. 17S6. 8. 102. 

2 8. 1S4. 135. 
1 G. UI. 1. 



Eiurichtnng« 361 

rem Versvclie seine frähtre Beobachtnng beistilligt^ in« 
od, dais. dieses Hineinhanchen bei recht trockenem 
9 Fähigkeit der Flaschen , eine stärkere Ladung anzu« 
in dem Verhaltnisse von 21: 15 verstärkte , auch ^iuo 
davon gegeben, auf welche ich in der Theorie dex 
lasche zurückkommen werde. -Auch vavMarum^. be- 
ese Erfahrungen , indem er fand , dafs seine Batterie 
ir nachdem er sie in den Sonnenstrahlen erwärmt hatte, 
starke Ladung annahm, als einige Stunden nachher, 
inbelegte Theil der Flaschen in dem stets feuchten 
Teyler'schen Stiftung leicht durch Verdichtung von 
chlagen seyn konnte. 

wichtiger Theil der Zubereitung einer Flasche ist die 

lene Zuleitung der £. zur innern Belegung und eine 

>rrichtung des Zuleiters zu derselben , dafs jene so we- 

Uglich zum Ausströmen der E« Veranlassung gebe. Bei 

die mit einem engen Halse versehen sind , verschliefst 

röhnlich die OefFnung mit einem genau einpassenden, 

oenes Wachs getauchten Korkstöpsel. In diesen iStöplsel 

I Loch gebohrt und ein starker messingner Draht hin- 

teckt, welcher unten mit einigen dünnen federnden 

bähten versehen ist, die sich im Innern vermöge ihrer 

ft ausbreiten und an die innere Belegung etwas anstem- 

t die Flasche inwendig mit Metallspähnen oder Schrot 

so ist es hinreichend, den einfachen Draht bis in diese 

hinabgehen zu lassen. Oben mufs der Draht 6 bis^ 

ber die Flasche hervorragen , bei A bekomi^t er einen 

der eine Kugel von etwa ■§■ Zoll Durchmesser bei klei* 

ischen. Es ist sehr bequem, wenn der Draht oben 

nacht , etwas unter der Spitze aber mit Schraubengän- 

ehen wird, so dafs man die holile Kugel A nach Gefallen 

L abschrauben kann. Bisweilen wird auch der Draht am 

ide krumm gebogen, um die Flasche daran aufzuhän- 

ei Zuckergläsern mit weiter Mündung, Avie man sie ge- 

1. zu Batterien gebraucht , ist obige Einrichtung nicht 

lar. Deckel von mit Siegellack überzogenem Holze 

rke , wodurch man den Zuleitungsdraht steckte , die 

Gebrauch waren, hat man mit Recht verworfen, weil 

, I. 81. Anm. 






* 



• ■ 



Hft .,^::S|ttu%^^i: 



.4. 



«kStmatel Übfnogenen JLotk oder kdlsOMii. l^a^mi 
jtoiiidirglgiche «iiiHiltittgn^ in 'MIgImd Bi«n^M^2il 
MiftiiMchhmbt», ut thAüv btim i^adatten slot Qefil 
giMch» Te i li imd e A , dicilt mit der Unbeqneadieliinily 
fWi^ leicht wieder losgeht.' .Die^Tonv. MARUM'eag^ 
»I tidüiibg^ verdjeat ifhn m jeder Hinttcht deii.'yom 
Si. ltibt^sklMij)uidriscIie.BtaBgeii Ton Holx yerünligMi, wj 
dei^Ilkke,*Toii 1^ ZoU und von einmr Länge, die dnrdi/ 
dttirVliiciien* bestimmt svirdi . Jede Stiege ist Aof ei 
Sehei^ ö ^n 4>5 Z^ -Dmohmesaer befestigt ,. jond epjpf) 
Ende vnxA ein Messingrohr de gepefst, snoiC :vrelohes.j 
^fe^.die fcnvehrgioCMnFIesAn, besondm wenn 4t 
' tsriengebnnoht werden 'y-.endeithalb Zoll im jDnxduK 
lUil'kein^- an%e8chT«iibt oder ench nipr angesteckt Uli 
MessIfQgdriihteiTonO^.Iimen Dicke ^ die den nnten^^ 
Muili<g>ofarsberiihreb» .nnd längs der htfbernen S^aägi 
gelMiy IsoBfim übesr die ObeiAK^. der Scheibe c hbv 
Mi^ltt mit dem« belegten Bodeii. dito (äases inBerührai^ 
iele'MsehnStnige ist oberwSrts mit «ner äfanUch^ 
ttttdenfikhiiibe gg^nrie nnteiwüns iron 4^ZoliDurdn(| 
_ «ffaen, bis auf welche das Messingrohr d hinabreidifa 
5£*6eheä>e hat drei einen, halben Zoll dicke längliche Ho 
hfhfh, die an ihrer untern Fläche durch Streifen von] 
befestigt sii^d , welche letztere statt Chamieren diene 
jeder dieser Latten ist 'ein Bing oder eine Oehse k, k v 
eingdraht befestigt, die bei der horizontalen Lage di 
durch den Einschnitt in der hölzernen Scheibe g hindl 
Indem in dieser Lage die Oehse ungeföhr ^ Z. überi 
Fläche der Scheibe hervorragt, kann man jede der Latb 
rer horizontalen Lage befestigen , .indem man ein k^e 
zugeschnittenes Jlolzstäbchen durch die Oehse hindm 
< Die Holzstäbe oder Latten h, h haben gerade die Län 
-w^nn sie in ihrer gehörigen Länge horizontal in dem G 
gestreckt sind, sie die innere Belegung des Glases beruh 
die ^tange mit dem Zuleitungsrohre in die Flasche eim 
nnd zu &dren , labt man die Holzstäbe h, h an ihren 
Charnieren i, i herabhängen , nachdem man voriier klei 



1 Sepoade Gontiaaation p. 106« 



Einrichtung. 363 

die Ringe k, k befestigt hat> die darch die Einschnitte 
be g hindurchgehen. Hat man so die Stange mit den 
hineingebracht, so zieht man die Bindfaden in die 
s die Holzlatten horizontal ausgestreckt sind, und wenn 
inn vermittelst der durch die Ringe durchgesteckten Keil- 
rstigt hat, so ist die Stange selbst in ihrer perpendi eu- 
re fixirt. - Damit die Scheibe g und die Holzstücke h^ h 
s mit zur'Ladung des obem Theiles der Flaschen die- 
len , sind sie, so wie auch die untere Scheibe, mit Stan- 
rzogen.. Man übersieht leicht, dafs durch diese Ein- 
eine sehr innige und ausgebreitete Verbindung des Zu- 
dt der innern Belegung vermittelt ist, und dafs diese 
mg fiir jede Art von Zuckergläsem sowohl für die voll- 
cylindrischen als auch für die mit oben verengerter 
g pafslich gemacht werden kann. Wenn auch der in- 
ifeng kein vollkommener Kreis ist, so wird man Hei der 
J der Stange doch immer eine Lage finden, in welcher 
ehs zwei der Holzstäbe h, h sich an die innere Wand an- 
Hy nnd dadurch in genaue Berührung m't der innern Be- 
kommen , worauf so sehr viel bei der Ladung und Ent-« 
-ankommt. Die Holzstangen müssen eine hinlängliche 
haben , damit das Messingrohr mit seiner Kugel wenig- 
loch 6 Zoll über die Mündung der Flasche hervorstehe. 
[ener Erfahrung habe ich diese Einrichtung sehr praktisch 

HD. 

an sieht übrigens leicht ein , dafs sich die beschrieben 
tanz der Ladungsflaschen in Nebenumständen noch man- 
g abändern läfst. Priestlet^ hat Flaschen von allerlei 
abbilden lassen. Zu etwas gröüseren Versuchen haben 
ets die grofsen Zuckergläser den Vorzug, und mehrere 
e Flaschen von gleicher Gröfse der Belegung aller zusam- 
lOQimen, als die einer einzelnen, lassen sich auch bei 
r Glasdicke nie so stark laden , wie letztere , weil die 
nheiten zur Zerstreuung der E. bei ihnen nothw^ndig viel- 
vorkommen müssen. 

Tenn die Ladungsflaschen einen Sprung bekommen , so 
ie zum ferneren Gebrauch untauglich , jedoch giebt Ca- 



^ 
t 



Geschichte der Elektricitat Taf. II. Fig. e— k. 



■ .. . - . 1 

* -m' 



• 

Im mft tSiunobtiiiig^sn einer Spenflaache angegabeo^ 
d*Qiibe9Mi»#<b«t|, düb men beim, L«den ^ dJ» Fhae^ 
4Mi'im|Ss . ÜAkiig^iis lusen sich manch^ileiBiiiiidifciii^ 
' IttUien SperdfefolM leidit ensdiaikeiu . 

t.»^ ." ..Tr'i.li i;..; ^ . . .... . . --■ 

. lii La^dung^ Entladung -und da^lC 
,' ' töiüiiieiiaö Ersch^innng'en.- 

^X Liaiiw>^g<^niid £r«€jieinmngen derM 

- Die Lednng dar eL Platten und Fhacheii beatekfa^ 
üiftäiefft Aute^' dift^man der ekiAt Bekgnng oder^Setf 
rffi^ bdiftnegaliV» £i'iiiittheik tmd m derselben ea|| 
▼eirliiltttisMIl,'^ idltnr^ welchen sich in 4mt ene^egengtfkiMl 

^ lljgadg' dKef .eufgtf^ kann. -.j|j 

'Jdjläcbei «etatt ündenden fiisoheiiningen und übedbmq^ 
<enr Ymfgang, wfad/ man am gröftdlicheteh belehrt^ ^-Ä 
«^JOribrometlfr »a^HiilSanim'mti - . i^jj 

'^"y a, «ier' eitafUshste FdUt derlLadilug «emer Flasd«^ 
'ibinl dieselbe* mif^iner Histtd an^ ihrer Kiilseren Belegulfe 
iihd Äil ilüMi &äopfii' in eine Biitfirhnng tod aij^i|| 

^ halben Zolle Ton dem CondudtoT' einer in Bewegungrj 
Elelctrisinnaschine bringt; es wird eine Folge von-Bk 
dieselbe iibersj^ringen , die niach' und nach schwächei 
lind endlich kuOidren. Bringt man die Flasche näher^ 
, den abermals Funken in dieselbe übergehen , und um i 
cefs bis zu seinem Maximum nz treilftn , muls man dii 
mit dem Conductor der Maschine in Berührung brin| 
überhaupt vom Anfange an die günstigste Bedingung fit 
düng ist. Wenn man den Versuch unter Anwendn 
Adams'schen Ladeelektrometers ^ anstellt, so beobacl 
folgendes. Wird das Elektrometer auf den ersten Leii 
steckt, und die Elektrisirmaschine ist nur einigermafii 
t I sam, so zeigt dasselbe, noch ehe die Scheibe eine ^ 
drehüng durchlaufen hat, das Maximum von Spannna 
der mit der Kugftl versehene, bewegliche Metalldraht i 
< 90*« Wird aber dann die Flasche mit demselben Leitei 



1 a. a. O. S. 74^ 

2 S. Elektrometer III. 675. 



Einrichtung. 36S 

lieilen zusammengeschmolzen und auf eine mit Zinn- 
}kte Tafel gegossen werden. Viele Versuche dieser 
II.K.E ^ angestellt, namentlich mit gestofsenem Schwe-« 
ner dichten Schwefeltafel, mitLack, Pech undWach^^ 
bleiernen Formen zu Tafeln geschmolzen waren , mit 
he wohl ausgetrockneten Papiers, mit Baumöl, das 
.eiemen Form sich befand, endlich mit einer Luft- 
>as Oel nahm hierbei nur eine schwache ifLiadung an, 
bei gleicher Dicke die stärkste und behielt sie auch 
n* Kleine Risse in den Tafeln hinderten alle La- 
ie gewöhnlichen Flaschen ihre Ladung nur harze Zeit 
) hat Cayallo ^ eine Einrichtung angegeben , welche 
g über 6 Wochen lang halten soll, und welche unter 
•n d^r Sperrflasche bekannt ist. Aufser der äufsem 
a Belegung , welche die Flasche mit allen andern ge- 
ist in ihrem Halse eine an beiden Seiten offene Glas- 
gekittet, und diese reicht ein wenig in die Flasche 
Sit hat am untern Ende einen Draht, der die innere 
berührt. Die oleichsam andere Hälfte des Zuleitun(Ts-> 
vi dem Knopfe ist in eine andere Glasröhre gekittet, 
ist doppelt so lang , aber enger als die vorerwähnte ist^ 
' so, dals an einem Ende blofs der Kopf , am andern 
• etwa& weniges vom Draht hervorragt. Diese Glas- 
D man nach Gefallen in die andere hineinstecken , wo- 
itere Ende des Drahtes jenen an dem ersten Rohre be- 
Draht oder nocH besser die innere Belegung selbst 
mafs. Lst diese zweite Röhre in der angegebenen La- 
iin man die Flasche auf die gewöhnliche Weise laden 
iden« Nimmt man aber nach der Ladung die zweite 
t dem Knopfe und Drahte heraus, so ist die innere Be- 
inz isolirt, und man kann so die Flasche geladen bei 
MX oder versenden , ohne dafs sie die Ladung sobald 
Dohndorf ^ beschreibt diese Flasche mit einigen klei- 
derungen umständlich, giebt auch* noch eine ähnli- 

hwcd. Abb. für 1758. XX Bd. d. d» Uebers. 241. 
a. O. I. 324. 

jhre von der E. Erf, 1784. I Bd. S. 54, 
»end. 8. 61 f. 



368 Flasche. 

wohl daranf sehen , clab die Glieder derselben überall gc 
Bammengetothet und von hinlänglich dickem Drahte seyi 
ein zu dünner Draht oder die rauhen £nden der Glie 
frühem Ausströmen Veranlassung geben. 

. . ü. Bei dieser Art der Ladung zeigt nur die eine l 
freie Spannung , da die andere wegen ihrer Verbindung 
Erdboden stets auf bleibt. 

e. Alle Erscheinungen zeigen sich auf dieselbe Ar 
man statt positiv zu laden, negativ ladet, d. h. wenn: 
dem Knopfe der Flasche den isolirten Knopf des Reibz< 
rührt, während die äulsere Belegung mit dem Erdboden 
bindung ist. Eben so zeigen sich, alle Erscheinungen 
selbe Weise , wenn man die äulsere Belegung an den (k 
der Maschine legt , während man die Flasche am Knq 
nur zeigt dann die äufsere Belegung die freie el. Spannung 
innere Belegung mit dem Zuleiter zu derselben Zeit nacki 

f. Statt die eine Belegung mit dem Erdboden j 

bindung zu setzen , kann man die Ladnng eben so be 

wenn man den beiden Belegungen die entgegengesetzt« 

zwei Elektricitätsquellen unmittelbar zuführt, ein Ve 

welches den ganzen Procefs der Ladung in ein vorzügli 

les Licht setzt. Dieses läfst sich bei der jetzt allgemeii 

führten Einrichtung der Elektrisirmaschinen , nach weld 

Reibzeug mit einem eigenen isolirten Conductor versei 

leicht dadurch bewerkstelligen , dafs man die innere Bi 

der übrigens vollkommen isolirten Flasche mit dem po 

die äufsere mit dem negativen Conductor oder umgek 

Verbindung bringt. Hierbei wird sich nun, verglichen i 

ersten Hauptfalle (a) der Unterschied ergeben , dafs beid 

gungen freie el. Spannung von gleicher Stärke , wenn 

Gröfse und Form des negativen und positiven Conductor 

möglich Gleichheit beobachtet ist, zeigen, dafs ferner i 

Umdrehungen der Maschine erforderlich seyn werdei 

dieselbe Flasche auf dieselbe Spannung, mit dem { 

Elektrometer geschätzt, zu laden, dafs folglich auf di 

geladen dieselbe Flasche bei demselben Stande des Lj 

elektrometers , eine gröfsere und zwar , wie sich aus dei 

rje der Ladung ergeben wird, eine doppelt so ^rofse 

hat. Bei dieser Art der Ladung kann man sa^^en dafs ( 

sehe sich durch ihre eigene E. lade, da die positive E 



Ladung. 369 

der mit dem Reibzeuge ▼erbnndenen Belegung in dieses, 

rt in den positiven Leiter übergeht, von diesem der Be- 

womit letzterer verbunden ist, allmälig zugefiihrt wird, 

n den beiden Hauptfällen a. und f. befindet sich dieFla- 

»r solchen Umständen, dafs, 'indem der einen ihrer Be- 

E. zugeführt wird , die andere im gleichem Verhält- 

nit gleichnamige E. abgeben und die entgegengesetzte 

;n kann. Dafs dieses wirklich während der Ladung 

c j und nothwendige Bedingung zur Ladung sey , be-t 

Le Anstellung des Versuchs mit einer isolirten Flasche. 

lan die Flasche durch eine Kette oder einen Haken an 

in Leiter , so dafs sie übrigens in der Luft vollkommen 

t, und wird nun abermals das Ladungs - Elektrometer 

3onductor aufgesteckt, so sind nicht, wie ina. , meh- 

Irehungen der Maschine nöthig, um das Elektrometer 

Maximum der Spannung zu bringen, sondern diese wird, 

» wenn die Grölse der Belegung der Flasche gegen die 

he des Conductors der Maschine nicht sehr in Betracht 

eben so schnell eintreten, als wenn die Flasche gar nicht 

1 Verbindung wäre , und die Flasche wird auf die wei- 

s angegebene Weise untersucht, keine merkliche Ladung 

Ist jedoch die äufsere Belegung der Flasche nicht al- 

in eben und glatt, sondern hat sie Spitzen und rauhe 

so kann doch in diesem Falle -eine schwache Ladung 

, besonders w^enn die Luft feucht ist. Dieses wird um 

geschehen , wenn man die Flasche statt durch die Luft 

en , auf einen Ilarzkuchen stellt , besonders wenn der- 

e und da kleine Risse hat. Wird die Flasche nach der 

iTt des Verfahrens auf eine so vollkommen als möglich 

e Grundlage, also z. B. auf einen lünlänglich grofsen, 

tten , und ebenen 5 Harzkuchen gestellt , und mit ihrem 

dem ersten Leiter etwa auf einen halben Zoll genähert, 

änfseren Belegung auf dieselbe Weite entweder der 

des Fingers , oder auch ein mit einem Knopfe verse- 

!essingstab, den man in der Hand hält, genähert, und 

chine in Bewegung gesetzt , so schlagen eben so wie aus 

nductor der Mascliine auf den Knopf der inneren Bele- 

IS der äufseren Belegung auf den Knöchel oder jenen 

fortdauernd Funken über, und so« wie die Funken vom 

tor aus kleiner werden, und der Knopf demselben darum 

1. A a 



.1 




tneht aai mein genähert werden muls, so mufs anch 
ehel oder jener Messingleiter der äiitseren Gelegung 
nielir bis zur unmittelbaren Berührung genähert werde 
die Flasche positiv geladen, so ist die dem Knöchel 
messingenen Leiter mitgelheilte E. gleichfalls positiv, 
fjengeselilen Falle negativ,. so dafs fiir den ersten Aui 
«nr innern Belegung gefiilirle E, gleichsam durch das 
durch 7U dringen scheint, wenn nicht schon allein der 
ilafs die Funken immer kleiner werden, und endlich ] 
liCl'en, obgleich die Maschine forldauernd umgedreht 
einen ganz andern Ursprung jener Funken hindeutete. 

h. Mit der aus der aufseren Belegung entweichend' 
\ich eine iweite, von dieser aus eine dritte und so fi 
wobei alle, Flaschen einer solchen Reihe vollkommen isi 
kennen, wenn nur für eine gehörige Verbindung ihrer 
Belegung mit der innern der näcJistfolgenden gesorgt ist 
nuCseie Itelegung der letzten entweder mit dem Erdb» 
dem isolirten Reibzeuge der Maschine, an deren positii 
ductor die erste Flasche der Reihe geladen wird, in Ve 
gesPt/.t ist. Ist kein Luflz%vi$chenraum zwischen der 
mengehtJrigen Belegungen der aufeinander folgenden 1 
SD geht der Vorgang der Ladung aller Flaschen ganz i 
vith, im Piitg.-gengeselzten FaUe schlagen durch dies 
schexi»toai,,wenQ ^' nio^t zu grofs ist, Funken durc 
kunrt diesen Versuch durch eine zweckmafoige Einrichte 
Elehtri^irmaschine mit zwei Flaschen sehr lehrreich so 
len, dftls man zu den zwei Conductoren derselben zwei 
auf ihrp» Glat-fürsen stehende hohle Cylinder vonMesii 
V^fizinniem Eisenblech .nimmt,' in welche zwei aufxen » 
cylindrthche Ladongsllasclien genau liineinpassen, so dal 
ihrer 01<isllache gbt an die Wand der Höhlung aoscliliel 
uoch um 3 Zoll mit ihrer unbelegten Flache darüber 1 
gen. liier vertritt nun der cylindrische Conductor die S 
aufseren Belegung. Verbindet man dann die beiden Ki 
Zuleitfr zur innern Belegung durck. einen Messingdral 
chei vermöge einer doppelten lechtwinklichen Biegung 
Iti »länglichen Ih'ihe über der Scheibe hinweggeht, und i 
Glasröhre in seinec jräbten Lange umgeben ist, so dals 
ohne ihn ableitend za berühren, nach geschehlener Ladi 
wegnehmen kann , und setzt nun die Maschine in Bewe 



Ladung. 371 

h, auch wenn beide Conductoren isolirt sind, doch 

ischen in einem hohen Grade , und zwar hat die äuTsere 

; der einen Flasche freie positive , die äuTsere Belegung 

m y udt dem Gonductor des Reibzeugs verbundenen 

ireie negative Spannung, ihre beiden innern Belegungen 

. und beide sind gleich stark geladen. 

\renn man eine Reihe von isolirten Flaschen an einan- 

, w^ovon nur die letzte durch ihre aufsere Belegung mit 

)oden verbunden ist , so ist die Ladung jeder folgenden 

chwächer als die der vorhergehenden , und zwar ist die 

nach einem bestimmten Gesetze abnehmend, wie man 

ohl durch die schwächere Erschütterung als durch die 

i der Elektrometer überzeugen kann , die bei jeder fol- 

sine schw^ächere freie Spannung, als bei der vorherge- 

dem Leiter , von welchem die Ladung ausgeht , näher 

n, annehmen. Ist aber von einer solchen Reihe von 

, welche soviel möglich einander vollkommen gleich 

Igen, die eine äulserste mit ihrer innern Belegung mit 

Dtiven Gonductor, die andere äufserste mit dem negati- 

idoctor in Verbindung , übrigens alle Flasclien als voll- 

isolirt , und nur auf die vorhin angegebene Weise mit 

verbunden angenommen , so sind die beiden äulsersten 

irk geladen, und die Ladung nimmt nach der Mitte der 

. nach einem bestimmten Gesetze ab. 

Wenn man eine Flasche, die mit einem Adarnii* sehen 

\ieneleklromeier versehen ist , ladet , so findet man, dafs 

in dem Verhältnisse in die Höhe steigt, in welchem die 

5 länger umgedreht wird. Unter der Voraussetzung, 

shts von der Quantität der E., welche durch die 

mg der Maschine erregt wird , verloren geht , sondern 

n der Flasche verdichtet wird, wie sich auch durch die 

Betrachtungen im Geiste derjenigen Theorie , welche 

iges Fluidum als die Ursache der el. Erscheinungen an- 

ollkommen rechtfertigen wird, so sieht man leicht ein, 

eine gegebene Flasche der Grad der freien Spannung, 

1 das Elektrometer anzeigt, auch die Stärke der Ladung 

cn wird. Wenn zwei Flaschen, die in allen Stücken 

itfglich übereinkommen, gleich stark geladen werden sol- 

wird nothwendig die doppelte Menge von E. und also 

chföimiger Wirksamkeit der Maschine die doppelte An« 

A a 2 



' Ladung. 373 

lei Nichtleiters noch ihren Einflub ^ufsere, darüber fehlt 
nügeiiden Versuchen. Wollte .man die Analogie des 
mtis zu Hülfe nehmen , so würde diese besondere Be- 
leit als keinen EinfluTs äufsemd zu betrachten seyn , da 
[teilende oder Atmosphären -Wirkung des Magnetismus 
le Medien in gleichem Grade hindurchgeht, und nur 
e Entfernung modificirt wird, die Erscheinungen der 
Flasche aber auch lediglich von einer Atmosphären« 
r abhängen. Dafs Wilke einen Unterschied nach der 
denheit der Materien , aus welchen seine Ladungsplat- 
inden , fand , und besonders am Siegellack eine' so über- 
e Ladungsfähigkeit beobachtete, kann auch blols von 
Vielehen Leitungs - Vermögen dieser verschiedenen Nicht- 
en denen keiner ein absoluter Isolator ist, abgehan- 
• 

Die Ladung einer Flasche oder Platte findet sich nicht 

ftelegangen, sondern auf der Glasfläche selbst. Man kann 

lie Belegungen abnehmen , und mit andern vertauschen, 

■b dadurch die Ladung der Flasche oder Platte mit weg- 

i|eii wird. Man kann diesen Versuch auf verschiedene 

■istellen. Bei Glasplatten ist er am leichtesten anzustel- 

Hin man zu ihren Belegungen Messingplatten gebraucht, 

isolirenden Handgriffen versehen sind, an denen man sie 

' Glasplatte abziehen, und ähnliche an ihre Stelle bringen 

Wahrend der Ladung mufs dann begreiflich die eine Be- 

■rit dem Erdboden in leitende Verbindung gesetzt wer- 

m man nach geschehener Ladung wieder aufhebt. Eine 

JT» bequeme Vorrichtung hierzu, und um alle auf die 

s der Ladung sich beziehende Versuche anzustellen, ist 

rischen ein Gestell von überfurnifsten Glasstäben senkrecht 

ingte Glasplatte , die in einem Rahmen von recht trocke- 

ad "Wohl überJirnirstem Holze eingefafst ist, um sie mit 

m Schnüren , die an den Rahmen befestigt sind , an die 

ilen, wovon zwei senkrecht aufgerichtet sind, und die 

Gpier oben über weggeht , aufzuhängen. Die Belegungen 

m aus recht ebenen , glatten runden Platten von dünnem, 

igblech mit umgeschlagenem, dadurch etwas verdicktem 

ibgemndetem Rande, die gleichfalls -senkrecht an Glassäu- 

if geeigneten Fülsen befestigt sind , und auf der Boden- 

dc» Gestells^ in welchem die Ladungsplatte hängt, her- 



374 Flasche. 

angeschoben wei^den kennen , 8o dab sie parallel eineäder 
rade gegenüber stehen, und nur durch die Glasplatte, an 
sie recht genau anschlielsen müssen, von einander getrennt a 
Von solchen Platten hat man dann ein doppeltes Paar 
Zieht man nach geschehener Ladung die zuerst gebrancktea] 
ten ab , und bringt an ihre Stelle das zweite Paar, so vnA\ 
bei der Entladung immer noch eine sehr derbe Erschüttenog-^ 
halten. Dieser Versuch gelingt indefs nur recht gut bei 
ner Witterung , und wenn man etwas schnell jenen Ai 
vornimmt, denn allerdings haftet ein Theil der E. an d«rj 
tallbelegung derjenigen Seite , von welcher die Ladung 
gangen ist , und welche freie Spannung zeigt , und wc 
diese Platte abzieht , so wird auch ein Antheil vprher gc 
ner £. auf der entgegengesetzten Fläche frei. Man kann 
selben Versuch auch mit einem Zuckerglase oder Triokglatti 
chen, dessen Belege aus passenden schüsseiförmigen 
von Zinn oder mit Zinnfolie überzogener Pappe bestehen, inj 
ren einen man das Glas hineinsetzt, während der andare 
bequem durch die Oeilnung der Flasche einbringen labt,' 
die ni|ch geschehener Ladung mit ähnlichen vertauscht 
Eine Hauptsache ist, dafs diese beweglichen BelegungeBj 
an die Glasfläche anschliefsen. Bei mit Schrot gefiillteii 
sehen kann man diesen auch ausschütten, und durch andeieiiiij 
setzen , und die Flasche wird ihre Ladung nicht verloren lii*vj 

LHe Belegungen dienen vorzüglich nur dazu, die bei i 
Ladung den Belegungen zugeführte E. gleichförmig iibei 
Puncte der Glasfläche zu verbreiten und auch bei der Ent 
auf einmal von allen Puncten der Glasfläche abzuleiten, 
die Glasfläche ohne Belegung , so wurde beim Laden die Li 
zunächst derjenigen Glasstelle zugeführt werden, mit we 
der Zuleitungsdraht in unmittelbarer Berührung ist, undi 
übrigen Stellen würden so gut wie ohne Ladung bleiben. Ba| 
hörigem Verfahren kann man indefs auch eine unbelegte 
oder Platte laden. Man halte eine reine und trockene Gl 
an eine ihrer Ecken, und fahre mit ihr über die am p( 
oder negativen Condnctor durch einen Messingdraht bef« 
hervorstehende Kugel, so dafs jede Stelle des Glases nach 
nach mit ihr in Berührung kommt , während man die Glasj 
auf der andern Seite mit dem Finger oder irgend ein^m an^ 
mit dem Erdboden in Verbindung stehenden Leiter der joi* 



Ladung. 375 

der Kugel anliegenden Stelle gegenüber berührt« Die 

In wird auf diese Art geladen , iiideüs zeigt sie ihre volle 

durch eine ähnliche £xplosion, wie andere belegte Glas- 

nur dann, wenn man vor Anbringung des Ausladers an 

den Oberflächen Metallplatten anlegt, die auf einmal von 

mcten der geladenen JSlasfläche die £. dem Auslader zu~ 

können , 'während bei Anbringung des Ausladers an die 

te Glasfläche die Entladung nur von jeder einzelnen 

OS , ndt "welcher der Auslader in Beriihrung kommt , mit 

deinen Funken geschieht , weswegen aber auch nach der 

riele solcher Entladungen erfolgen können , wenn . man 

n Auslader über die Glasplatte hinfährt. Noch schneller 

lan die Ladung einer solchen unbelegten Glastafel bewir- 

7enn man die Zuleiter , welche ihren beiden Flächen die 

»gesetzten Elektricitäten zuführen sollen, zuspitzt, und 

istafel während der Elektrisirung zwischen ihnen hin und 

hrt Nur eine Luftschicht scheint sich bei ihrer Ladung 

le andere Weise, wie die übrigen Nichtleiter zu verhal- 

Diese wird dadurch bewirkt, dals man zwei mit Stanniol 

ogene, recht ebene, Bretter einander gegenüber bringt, 

1 man das eine auf den Tisch legt und das andere an sei- 

Fäden aufhängt , genau parallel über diem ersteren , durch 

iuftschicht von einem Zoll davon getrennt, und dem letz- 

durch die Maschine £. zuführt, ein Versuch, den zuerst 

.E angestellt zu haben scheint K Hier wird man bei der De- 

)g, beider Flächen eine starke Erschütterung erhalten, zum 

iae einer wirklich statt fkidenden Ladung, und zwar aucli 

, wenn man während der Anstellung des Versuchs durch 

Blasebalg die dazwischen befindliche Luft fortdauerd er- 

t. Der Uebergang der E. von einer recht glatteu ebenen 

e an die Luft selbst findet also nicht statt wie an einen star- 

üchtleiter, und die durch die Ladung verdichtete E. haftet 

also an den Metallilächen selbst , und wird daran , wie an 

Lieitern überhaupt , nur durch den Widerstand der Luft zu- 

rehalten. . Uebrigens gelingt der Versuch der Ladung ein ei 

chicht nur bei recht trockenem Wette» , und die Erschüt- 

g ist nur dann recht stark^ wenn man dieselbe noch wäh- 

der fortdauernden Elektrisirung nimmt , verliert sich daga- 



a. o. a. O. S. 263. 



. t 



MNdMf 9r4U Sä dkr BJKtaglichbU im loA-^iSäk 

W telaftdttDg^iiiM-OtlacliicIit ttattt '>vr f":u-y^ 

lube»« .d«b im WijbtMr;dMMlbeii«lM€bMi,kBiM «a^i 
jhffg.^iwffhmtn» ak im Sommer i di*Stifirk»'rd«r' 
MqK dtif LSage de^SndaduDgsfanktna darckdsALiHl*^ 
MMljhihrQniet^i «li it*Gk» der Länge des gesdim<iIaM>*J 
dl«litt bea^nt ^ Eben die Flaadw, mit irelebM Gel 
•0«.]^! 2^U E^eiididte em Sommer geeefamdbunib h^ 
l/^ftBt<|ir.b«in«Xadttfli|[ vettragen^ die itixli 9»mig jWwr') 
SiJL «u jg^melsten» ohiom €h]roklirckdieti:«mMnfiEdl^9 

. trug iioh dicsft ie anhekend «annd CMMBliVMMr 
:fiela VUifbeii» dd« fr endlieh genötha^ tMri»^ 
mj^^W^'T^ .mikr eis 4 Z. mit Platc^Mr tob 

^fll&f M iultetllftts«B. Dietfe Vetadüedeobeit JiÜ^i 
der vencUedtoeo Befthi|ffesiheit.dte^Liiift inStfmmAt 
t^ eddä^en« Im letxteien leisleC .nilnliek die laA 
grOberfn Dichtigkeit nod Sidl» dem Dmnddmicbft d«: 
Widentand. ala imSommAt^.and da CtrvaSKBvM 
such übdr da« Schmelzen des Drahtes imiikiersd anattl 
der Funken eine gewisse Loftstrecke von dem. Knopb 
dungsflasche su der Kugel des Ausladers , der dann dta 
weiter zu dem eu schmelzenden Drahte führte, durcht 
mulstej so läfst sich sehr wohl eiklären, warum nun eiat 
kere Ladung zum Durchbrechen durch diese Strecke im nlj 
als im Sommer erforderlich war, die, w^nn sie an d«. 
sesdicke selbst weniger Widerstand £and , als in den y< 
Hemmungen des Weges , den sie zu durchlaufen hatte, chüj 
Glas durchbrach als den letztem Weg nahm. Hätte Coti 
SOK die K:Ugd des Ausladers dem Knopfe der Flasche 
so würde er ohne Zweifel auch im Winter jene 8 Zoll Eil 
mit derselben Flasche haben schmelzen können. Die 
Länge des Funkens beim Ausladen im Sommer als im¥rl 
erkl^ sich auf die nämliche Weise von selbst. Doch ki^mite 
eine gröbere Sprödigkeit des Glases durch die WinterkiU^ 
an der leichtem Zerspringbarkeit beim Elektrisiren gehabt 



1 Abhandlttoj von der £h Ste FortseUsg, S. ISO« i5L 



Entladnng. 377 

ntladung der Leidner Flasche, Er- 
srHiigsschlag, Bedingungen und allge- 
nste Verfiältnisse der Erschütterung. 

3ie Entladung der Leidner Flasche wird bewirkt, wenn 
leitende Verbindung yon einer Seite derselben zur an- 
t, auch nur so weit, bis sie der andern Seite so nahe 
laCs die E. derselben die zwischenliegende Luft durch- 
kann. Man bedient sich gewöhnlich dazu des Ausla- 
iessen eines Ende an die äufsere Bele^ncr an£[esetzt 
re aber dem Knopfe genähert wird. Sobald dieses Ende 
gehörigen Abstand vom Knopfe (in die Schlagweite) 
so bricht zwischen beiden ein starker Funke mit einem 
Laute aus, und die Ladung der Flasche ist bis auf einen 
Ueberrest verschwunden. Diese Erscheinung heifst der 
rische Sclilag {explosio electrica ; explo- 
lectrique, coup foudroyant; electrical shock). 
Funke übertritt zwar den Funken aus dem ersten Leiter 
laschine nicht an Länge , vielmehr kann man durch an- 
fne Ausdehnung des ersten Leiters und das richtige Ver- 
2wischen den beiden Kugeln, zwischen denen der Funke 
icht *, diesem eine viel gröfsere Länge verschaffen , als 
;e des Entkdnngsf unken s selbst der gröfsten Batterieen ist, 
I ist letzterer viel dicker, glänzender, in seiner Bahn ge- 
ind nicht zickzackförmig , der Laut desselben ist viel bef- 
ind nähert sich bei sehr grofsen Batterieen schon dem 
einer kleinen Pistole. 

Wenn die Ladimg nicht allzu stark ist , so kann man 

Schlag durcli den Körper eines oder mehrerer IMenschen 

lassen. Ist es nur einer , so fafst er die Flasche an der 

n Belegung mit der einen Hand , und nähert den Finger 

lern Hand ihrem Knopfe ; sind es mehrere , so viel ilirer 

»yn mögen , so bilden sie eine Kette , indem sie sich die 

geben , der erste fafst die Flasche mit der Hand , der 

bringt den Finger gegen den Knopf. Sobald der Schlag 

;ht , fühlen alle, wenn es auch hundert oder mehrere sind, 



S. Auslader» 

5. Elelektrisirmaschine^ 



im, Fltkohflk \ 

and £• Bakiguig aUdami nn tlaa T orii K lmlfa a My feBj 
wenigttuw eineu Qiuantsclnih hat; te AmiaS^m Aaff^ 
«M luftig« Bndriittuinf, VenS^Kk.iii dnl Gl 
d«r Hlitda, Ana« oadS^ndtem nnd in imBnaH, im 
in der R«g«l kaia« \nitnt« icfaiiinxhafta EnpChda^-i 
U&i. Dirroii hoibt'dcT SeUag «noh dia elektrisch 
s'clitttterlanj;' fconeiMfiö^ curnmotio elec 

Obäkmotiop äeotriqäe). 2it die Ladung stark , z. 
dnat ^atterio od«r n^'nnr nnsT Flasche von mehrere 
. JMliiJnill^il BelegOBg^ dj^ m ^em hohen Grade van 
lÄtng geUdMi.irt, so ^aa nun nch dem Schlage nicht am 
w^Bil er Sbdaim ^tmtte yg tOdtÄn veimSgend ist, und La 
d«i'l^nrv«n in den Tlunicni durch welche er hindon 
ttänmcn n. d. g.'T«niiMGlien kannte. Ueberhaupt biii 
ILf^ 3er Knüadmig der Heachen und Platten, vorzuglidi 
Anm» Ri' einer B^flne veniiifigt sind, die erstannE 
'WnfaingBn horrpr, ttnd) heilst daher nerBtärkte EUttt 
Bovb findet danim kein we^BndicherUnterscIiTed zwischen i 
dÄ eegenaiUtteD «üi^unW» E. , vrie sie vom ersten Leiu 
Masdöne «na \riikt, euitt, wie man denn durch eine ul 
Wlie'£iiiricMiuigdi«WiikMmkeit dieser letzteren beihiolid 
Stifike der Maschine bis aof einen Grad verstärken kaaB 
jiv mit derjenigen einer Leidner Flasche ganz übereinb 
VoLTA* hat fiir verschiedene Grtifsen der Belegung dei^ 
Grad der Spannung nach seinem Strohhalmelektrometer b'n 
Welcher nOthig ist, damit im kleinen Finger eine el« 
wahmehmbaie Erschütterung empfunden werde , und & 
xn einer gewissen Grenze , daTs um bei noch einmal ici 
Belegung den gleichen Effect hervorzubringen , eine 9^ 
etwas 'grtfber als die Hälfte erforderlich ist. Doch mag i 
nem andern Elektrometer das Resultat vrohl anders at 
Uebrigens wädien die Erschütterungen wenigstens qi 
merklich voa einander ab , wenn sie anch dmch dieselbe 
von E. hervorgebracht werden, je nachdem die Oberflüdi 
die Spannung oder nihgekehrt ersetzt 'wird. Die von eil 
nen Flasche mit gro&er Spannung sind lebhafter, I 
gleichsam vibrirend , aber weniger voll , die von einer 

1 Terg). EUTurUirmatehint. 

t G, x[T. aeo. 



Entladung. 379 

^iitft Battois mit schwacher Spannung ^nd schwerex 
r, und gleichen mehr den Schlagen der el. Fische. 
Ib kann auch die Entladung einer Flasche stillschwei- 
le Schlag nnd Erschütterung bewirkt werden, wenn 
le Seiten derselben allmälig von ihren E. befreit (denn 
in za befreien , ist wegen des Wirkungskreises der ent- 
etzten auf der andern Seite , durch w^elche jene zurück- 
wird , imm($glich, wie aus der Theorie noch weiter 
wird), , Am lehrreichsten in Beziehung auf das Wesen 
tng nnd Entladung geschieht dieses, wenn man eine 
ladene Flasche auf einen Harzkuchen oder eine sonst 
"ende Unterlage stellt. Berührt man nun den Knopf mit 
ger 9 so erhält man , da keine leitende Verbindung von 
rar äolsem Belegung statt findet, keinen Schlag, son-* 
X einen stechenden Funken. So wie man diesen Fun- ,, 
tonunen hat, ist die innere Belegung mit ihrem Zuleitec 
niickgebracht , wie dieses mit jedem Leiter der Fall ist, 
1 man mit dem Erdboden in leitende Verbindung gesetzt 
)agegen zeigt nun die aulsere Belegung , die vorher el. 
Breie ei. Spannung , und zwar von der entgegengesetzten 
wie die der inneren Belegung, und man kann nun aus 
oben so einen schwachen Funken erhalten. So wie man 
benommen , und damit die äulsere Belegung wieder auf 
rejbracht hat, so zeigt der Knopf und die innere Belegung 
b freie Spannung von derselben Qualität, wie sie im 
e hatte , man kann einen neuen Funken aus ihr ziehen, 
düe äulsere Belegung wieder dasselbe Verhalten , wie bei 
tziehung des ersten Funkens zeigt. So erhält man durch 
iselnde Berührung des Knopfes imd der äuTseren Bele- 
DTtdauemd Funken , die aber nach einem bestimmten Ge- 
mmer schwächer und schwächer werden , und hat man 
lange genug fortgesetzt , so dafs am Ende keine der Be- 
;en auch am empfindlichsten Elektrometer freie Spannung 
zeigt, so ist die Flasche vollkommen entladen. Diese 
hiiv^eigende Entladung kann man auf eine interessante Weise 
dadurch bewirken, dals man um die äufsere Belegung ei-„. 
lessingenen Ring legt , aus dem ein krumm gebogener Stab 56. 
inem Knopfe B heraufgeht , so dafs die beiden Knöpfe A 
i sich in einer Entfernung, die etwas grfifser als die Schlag- 
ist, gegenüberstehen. Wenn man- dann einen leichten 



380 Flasche. 

Körper wie eine Kork- oder Hollnndermark-Kngel 

seideilen Faden zwischen die beiden Kugeln herabhäi 

so wird er abwechsebid von A und B angezogen, brin« 

nnd nach die entgegengesetzten £. der beiden Seiten 

gleichung , womit die Entladung der Flasche gegeben 

hat diesem Versuche auch wohl den Namen der eltkirisch 

gegeben , indem man jenem leichten Körper eine sol 

gab, und die Hin- und Herbewegungen demselben 

den beiden Kugeln gleichsam die Bewegungen jener 

darstellen, wenn sie ihr Gewebe spinnt. Die Spli 

wird aus Kork oder leichtem Holze geschnitten und U 

dafs ihr Körper dem jenes Thieres gleicht, die Füfse a 

den aus seidenen Fäden nach<|rebildet. Befesti<rt mau 

Knöpfen A und B metallene Glocken, und wird an d< 

Ben Faden statt der Spinne eine kleine metallene Kug* 

hangen, so entladet sich die Flasche allmälig durch ein 

d. Die allmälige Entladung findet auch statt , \reiu 

äufsere Belegung mit der Erde in Verbindung setzt, an 

Knopf der innern eine Spitze aufsteckt, oder Trenn d 

tungsdraht schon an und für sich in eine Spitze ans 

durch Abschrauben der Kugel entblöfst wird, \robci 

greiflich sich isolirender Werkzeuge bedienen mufs. L' 

sen Umständen zerstreut sich die E. der innern Bel?^ 

sch\veii:enJ durch die Spitze , und zwar Lei p:5i::vei 

derselben mit einem im Dunkeln sichtbaren prsidve; 

strahle, bei negativer mit der Lichterscheirur^ c*r i 

Spitzen, während die E. der äufseren Bel^i:u!:- 5:d 

zeitii; mit dem Erdborlen a«<-mcht. Dieselbe s::ll» I 

erhalt man auch, wenn man die zuj;?sp::z:ei: Er. '*3 

laders, von dem man zu diesem Behuf v:rh<r £:* Xzr^ 

schraubt hat, dem Knopfe der ir::er?r. uE;i cjJjr.T:: 

der auf einem Hjrzkuchen isolirtrn Flasche jri:er.:ir*r 

zwar in einer •:T\if^e^en Emferr.iini: als cir-enii* i-- . t-' 

eher der mit seiner Ku^el versehene Aiisliier £f zi K: 

Flasche zur Erhaltung: des SchL-^s -er.-.hen \r*r£ez — Hi 

uuti^rVoraiisserzurj f ositiver Liicr^ der :r.~*r*T: t e.?,r^r: 

Knopfeiif^eniib erstehe:: de Spirze «nen nec-^v*-. li* £-; 

Bele:;i:n;: Ce^enüSerstehenie €:::er r:5:::vfr Fen*--?"- 

r.nd i:ir»:okehTt bei er.r^eürn^eseTi-.er L-äi^nj Sflrs^ - 

lUsche AP. ihrem ZuIeiT^j^^scrihif =1.: keiner Srcries ^*z\ 



Entladung. 381 

sich doch naoh einiger Zeit ihre Ladung von selbsti 

re -änbere Belegung in leitender Verbindung mit dem 

1 ist, weil die Luft und die in ihr schwebenden lei- 

'heilcfaen die E. der innern Belegung allmalig abführen, 

:h die der äuüseren Belegung in gleichem Verhältnisse 

n Gegensatze ausgleichen kann. Doch geht diese Zer- 

nm so schneller vor sich, ieiJeiner die Kugel des Zu- 

rahtes und je dünner dieser selbst ist, dem Gesetze 

welches unter dem Artikel : Elektricität über die Ab- 

leiselben durch die Luft aufgestellt worden ist. 

Wenn man eine etwas gröfsere Flasche oder gar eine 

auf die gewöhnliche Weise durch einen Auslader entla- 

dafs man die Kugel derselben nur so weit mit dem, 

der Flasche nähert , dafs die Explosion erfolgen kann, 

l mian nach erfolc[tem Schlage in sehr kurzer Zeit bei 

r Annäherung der Kugel abermals eine, aber viel schwä- 

^plosion erhalten , und wenn man abermals eine ge- 

^it abwartet , eine zweite und selbst noch eine dritte, die 

laonieT schwächer werden , wo aber selbst die zweite bei 

Ifisehniichen Batterie trotz der Kürze des £ntladungsfun- 

ft noch eine sehr heftige Erschütterung verursacht. Man 

ideb unter günstigen Umständen die Kugel des Ausladen 

n Knopfe auch in unmittelbare Berührung bringen , nur 

um diese wieder aufheben, um bei neuer Annäherung je- 

ste Explosion zu erhalten. Dieser Ueberrest der Ladung 

vorzüglich dann statt, wenn die Luft recht trocken ist. 

'• Makum's ^ Versuchen steht er einigermafsen im umge- 

I Verhältnisse mit dem Grade , bis zu welchem bei der- 

Flasche oder Batterie die Ladung getrieben worden ist. 

ien er bei einer Ladung von 5^ noch einmal so grofs zu 

als bei einer Ladiuig von 15^* Man sieht hieraus , dafs 

der innern Glasfläche angehäufte und yerdichtete E. sich 

n einem gleich günstigen Verhältnisse für die Entladung 

n mufs. 

Man kann eine Flasche ohne alle Explosion und ganz 
srkbar, entladen , wenn man sie eben so' stark mit der ent- 
esetzten E. von derjenigen ladet, durch welche sie ihre 
igliche -Ladung erhalten hat. Ist z. B. eine Flasche am 

G. I. 277. 



383 FUiche. 

positiven Leiter durch eine bestimmte Anzahl von Umdi 
der Blektrisirmaschine bis zu einem bestimmten Gr 
Spannung geladen worden , und wird sie dann mit des 
an den Leiter des Reibzeugs gebracht , so wird man n 
selben Anzahl von Umdrehungen alle Ladung der Flasdi 
hoben finden , und bei fortgesetzter Bewegung der I 
wird sie dann negativ geladen. Man begreift indefs lei 
es bei der wirklichen Anstellung des Versuchs schw 
genau den Punct zu treffen , wo die negative Ladung 
hergegangene positive gerade aufgehoben hat, da da 
aeichen der Aufhebung aller Spannung unsicher ist, S( 
gewöhnlichen Ladungselektrometer die schwächeren Gi 
Spanmuig, womit bei gröCseren Flaschen noch eine se 
Ladung bestehen kann , nicht mehr anzeigen. 

g. Die Ladung einer Flasche Hifst sich unter mehrez 
vertheilen • wenn man nach vorher veranstalteter guter 1 
Verbindung ihrer äufseren Belegungen unter einander ih 
nen Belegungen durch einen isolirt gehaltenen Leiter, s.] 
den [an einem isolirenden HandgrifiPe gehaltenen AusU 
dem Knopfe der geladenen Flasche in Verbindung biinj 
kann auf diese Art die Capacität jeder Batterie mit der i 
irgend einer Ladungsplatte von bestimmter Dicke eines l 
ten Glases von einer bestimmten Gröfse der Belegung 
chen , oder genau auffinden , wie viel mal mehr E. j 
diese enthält, w^enn sie beide an einem und demselbe 
zugleich und also zu derselben Spannung geladen wurc 
bestimmte z. B. Cavendish in seinen lehrreichen Versu 
einem künstlichen Zitterrochen die Capacität einer jede 
von 7 Flaschen , von denen 7 Reihen seine ganze Batt« 
machten , 154- mal so grofs , als diejenige einer Platte V( 
glas von der Dicke von 0,055 eines englischen Zolles 
Quad'ratzoll Belegung. Man nehme an , eine Flasche ( 
terie sey so weit geladen , bis die Kugeln eines beliel 
deelektrometers (es sey nun ein Adams'sches oder ir 
anderes mit zwei gehörig aufgehängten Kugeln , deren 
an einem Gradbogen genau gemessen werden kann) bi 
ner gegebenen Entfernung von einander abstehen , so ' 
leicht finden, wie weit sie von einander abstehen ward« 
die Menge von E. in der Flasche oder Batterie auf d 
reducirt würde. Zu diesem Behuf nehme man zwei ] 



Entladung. 383 

ider an Gestah, GrÖfse der Belegung und Dicke des 
gleich als möglicli sind , und lade die eine so weit, bis 
slu sn einer bestimmten Entfernung von einander abste^ 
(ile Hae E» der andern mit und beobachte bis zu wel- 
Eemung die Kugeln nach dieser Mittheiliing von ein- 
stehen. Es ist klar , dafs , wenn die Flaschen einander 
nen gleich sind, dieses gerade die gesuchte Entfernung 
Irde, weil in diesem Falle die rückständige Quantität 
n der ersten Flasche nach geschehener Mittheilung ge- 
) so grols wie zuvor seyn wird. Da man aber nicht 
n kann , dafs die beiden Flaschen einander ganz genau 
ind , so wiederholt man den Versuch, indem man nach- 
Eweite Flasche eben so stark wie zuvor die erste ladet, 
mit der ersten theilt , und abermals beobachtet , wie 
) Kugeln von einander abstehen , wo dann das Mittel 
iieiden Entfernungen unstreitig der Grad der gesuchten 
lüg seyn wird, wenn auch die beiden Flaschen nicht von 
: GröÜBe waren* Will man nun nach Cavendish's Bei- 
üe Capacität einer solchen Reihe von Flaschen verglei- 
vreise mit jener oder irgend einer beliebigen Ladungs- 
die gleichsam zur Einheit dient, bestimmen, so ladet 
sselbe , bis die Kugeln des Elektrometers jene erste Ent- 
zeigen , und theilt ibre Ladung wiederholt jener Platte 
obei man Sorge tragen muTs , die Platte jedesmal zuvor 
imen entladen zu haben , ehe man eine neue Mittheilung 
nt , bis man ans dem Abstände der Kugeln des Elektro- 
wahmimmt , dafs die Ladung der Batterie auf die Hälfte 
: ist. Gesetzt man habe diese Mittheilung zwischen 11 
mal, oder nach ungefährer Schätzung H^ mal nehmen 
, so lälst sich die Quantität von E. in jener Reilie von 
n so finden. Die Quantität der E. in der Platte verhalte 
i derjenigen in der Reihe von Flaschen = x : 1 , so ist 
Buchtend , dals die Quantität der E. in der Batterie bei je- 
iger Communication mit der Platte in dem Verhältnisse 
^l+x) vermindert, und folglich nach H^ maliger Com- 
;|ion in dem Verhaltnisse von 1 : (1 + x)"'^* reducirt seyn 



Demnach ist (1 +x) "»« = 2 und 1 + x= 2 "'", wor- 

r Werth von x. durch Logarithmen leicht gefunden wird, 
iichterer Weg der Berechnung , der für den dabei beab- 



384 Flasche. 

sichtigten Gebrauch ein hinlänglich genaues Resultat gie 
folgender : Man multiplicire die Zahl, wie oftmals man die 
Batterie der Platte mittheilte, mit 1,444 und ziehe von demPi 
den Bruch 4 ah , der Rest ist = ~ , oder die Zahl , n 
viel mal die £. in der Batterie die der Platte übertrifil 

. h. So wie man die Ladung einer Flasche unter p 
durch die Entladung theilen kann , so kann man auch d 
sehen wechselseitig vollkommen durch einander entladen« 
man zwei so viel möglich gleich grofse Flaschen gleich sb 
laden hat, doch mit entgegengesetzter £. ihrer inneren Bi 
gen , indem man den Knopf der einen mit dem ersten, 
den Knopf der andern mit dem Leiter des Reibzeugs in VerU 
setzte, und man führt nun, nach vorgängiger leitender Verlj 
der äu&eren Belegungen unter einander, den isolirten AmhSi 
Knopfe der einen zum Knopfe des andern, so wird in demM 
Schlag weite ei^ Entladung mit der gewöhnlichen Explood 
finden, und beide Flaschen werden zugleich entladen seyn, i 
achtet bei keiner derselben eine leitende Verbindong ti 
inneren zur äufseren Seite statt gefunden hat. Würde mal 
sen Versuch auf dieselbe Weise bei denselben Flaschnii; 
bei gleichartiger Ladung der gleichnamigen Belegungen wi 
so würde man keine Entladung erhalten , die aber sog« 
finden wird, wenn auch bei vollkommener Isolirung bei^l 
sehen eine leitende Verbindung durch den Auslader zJi 
dem Knopfe der einen Flasche und der äufseren Belegui| 
andern , und zugleich auch zwischen dem Knopfe die«! 
teren und der aulseren Belegung der ersten gemacht wiri 
i. Die leitende Verbindung zwischen beiden Seiten in 
sehe, der Verbindungskreis, braucht eben nicht aus einci 
zigen ununterbrochenen Leiter zu bestehen. Man kann ih 
lang tnachen und mancherlei Körper hinein bringen, ji 
Nichtleiter, wenn nur die Ladung stark genug ist, uin d« 
derstand, welchen diese leisten, zu überwinden. Es lasa 
überhaupt auf das Verhalten der E. bei diesem Strebei 
Ausgleichung zwischen den el. Zustäriden beider Belegui 
Beziehung auf einander und ihre Gegensätze in den um 
den Leitern alle die Gesetze anwenden, die in dem A 
Blitz für die Ausgleichung der E. der Gewitterwolke mit 
relativen Gegensatze auf dem Erdboden aufgestellt wordei 
wobei diejenige Seite , von welcher die Ladung ausgegan^ 



Entladung. 3S5 

welcher die freie d, Spannung auftritt, als das Analogen 
nltterwolka selbst zu betrachten ist. Der Schlag nimmt 
i der Entladung der Flasche, wie bei derjenigen der Ge- 
olke, stets den Weg durch die besten Leiter, durch die 
dem wenigsten Widerstände zu seinem Ziele der Aus- 
ig gelangt« Sind daher mehrere Verbindungen vorhan- 
vertheilt er sich selten unter alle , sondern zieht z. B. 
illische oder die durch feuchte Körper gehende vor, zu- 
nn sie zugleich die kürzeste ist. Vor mehreren Jahren 
man zu Paris ^ die Beobachtung gemacht haben, dafs 
arch einen Kreis von mehreren Personen nach der oben 
angegebenen Weise der Schlag geleitet wird, die Fort- 
dorch impotente Personen, wenn sie sich in dem Kreise 
D , aufgehalten werde , allein Versuche , welche der Graf 
S mit Gastraten der Oper anstellen liels , haben den Un- 
Ikiervon gezeigt. Uebrigens hat man selten Beispiele von 
en , welche zwar den el. Schlag du^ch sich hindurch auf 
Personen überleiteten ^ aber selbst ganz unempfindlich 
waxen^. 

tatt einer Reihe von Personen kann man eine grofs^Aus- 
ig von MetalLlraht , das Wasser eines Flusses , oder ei- 
Dgen Strich des Erdreichs zu einem Theile der Verbin- 
cwischen den beiden Belegungen machen. Dahin gehö- 
»k.i.sh's Versuch im ApePschen Garten zu Leipzig den 
li 1746 ^> wobei drei Flaschen in der Pleifse standen, 
i entladen wurden, wenn man die Verbindungskette drei- 
len weit davon ebenfalls in den Flufs hing , und das an- 
inde an den mit den Flaschen verbundenen Conductor 
5, Lk Moknier's Versuche in Paris*, der die Erschut- 
durch einen Draht von 12000 Pariser Fufs , wobei wir 
die Angabe der nähern Umstände des ersten Versuchs 
seuy und < in einem andern Falle über die Oberfläche des 
1 Bassins in den Tuilerien leitete , vor allen aber die Ver- 
•welcbeWATSON in Gesellschaft mit mehreren Mitgliedern 
iniglichen Gesellschaft zu London im Jahre 1747 und 1748 

Sigaud de la Fond Pr^cis historique et ezpdrimental de« 
nines ^iectriqaes. Paris 1781. 8. p. 285. 

O. XIV. 143. 

Friestley's Geschichte der £. S. 59. 

Ph. Tr. Vol. XLIV. P. I. p. 290. 
Bd. Ob 



38^ Flasc&e. 



' «nstclha K ßrst vrtftSt £a Ehchütterang qmr -flter SeT 
dann'jlitfch dit Windungen eines Fhisses, -dtoiü' fllrch «ii 

bindnäe von vier englischen Meilen; nKnifich ' %wa ' 

•" • < ... • ■* • i ■ 

Dnht '.UM zwei Meuen trockenen Erdboden , endlich am 
. gnsf' 1748 dntöh'eine Sti^eck^ Draht voii Vi27C^h od« 
alt 2 V englische Meilen geleitet. Diese' beiden letzten Vi 
mrtin' bissonders interesSiant, daisie nach der Art, wie 
'gestellt Worden, ^die anlserordenfliche iind. ao "weit b 
die VenfacHe gehen, inätantane Schnelligkeit" der Fori 
der E.'iii''äas hellste lAcbk aeVten K In dem T%rincfie, i 
^m der trockene Ginnd mit iii die Verbindung anfge^ 
war. wnrde der eine. mit 'dfittn linlsem Belege der Flusd 
2MCiiS6 ladenden .Ootadnctör verbundene' Draht, eine Mq 
Us sä'dem ^en BeöBaichter, niid der andere Draht, % 
chaJbVcSlr jä&'lhirzer eiäerrfer Stob befand , mit welch««! 
t&l^&iäSg'ißBlytihtei 4«rFlafche' die Entladung gemäkrti 
colli iinVeÄ 'BäobachW geliätetV^ welche selbst auFHi^ 
isolirt tDoitldar ^en Hand jed^ dah Ende des Drahtes -luij 
'und mit eifern, eisernen Stäbe ^in der andern Hand •if^ 
b'ettih^fi^ V'^'^.i^uQ einä'ISfa'eckirVon' zwei englischen H 
|dä«ej^ äii!Wlitth^ ziip bildete. - Die beid 

waren^'lirdts oorch trockene hölzerne Stabe «^etracren , 
Draht gipg[' ^selbst über Hecken und an Bäumen vorl 
zwischen beiden Beobachtern befindliche Gruhd -war zinl 
steinig und bei 'dem damals wamien Sommerwetter selurtR 
In dem Augenblicke da die Entlädung erfolgte , so weit t 
Entfemung der "Beobachter vom Orte der Entladung die« 
annäherungs\V^i|e bis auf weniger als •}■ Secunde mitSid 
ausmitteln liels,'' fühlten auch die beiden Beobachter die'' 
terschüttehm^ , doch derjenige, dessen Draht in mehrfad 
leitender Berährung sich befand, weniger lieftis. Der 
Versuch *'Wdf "aber ganz entscheidend iür eine instantaai 
leitung durch eine Strecke von mehr als 6000 Fufs, Hiet? 
nämlich der eine Draht an das äufsere Belei:^ befestiiit, i 
einem an das Zimmer, in welchem der Versuch gemacht 



1 Ph. Tr. Yol. XLT; for 1748. p.49. auch Pri^stley'sGei 
der E. 8. 71 f. 

2 Vgl. anch den Artikel: Elektiricitäu 
8 Pli.Tr. Vol. XtV. p. 85 o. 491.. 



/ 
I 



Entladung. 387 

len Felde durch trockene Holzstabe unterstützt, hin 
md mit semem Ende in das Zimmer zurückgeführt, in 
ge von mehr als einer englischen Meile , eben so der 
rahty welcher durch Berührung des Drahtes der Fla- 
Bntladnng bewirkte, und der Beobachter selbst, wel- 
im Zimmer neben der Maschine befand, fafste mit 
iden Händen die beiden Enden der Drähte. In dem 
ke der Entladung wurde auch die Erschütterung von 
^iden Armen und durch die Brust empfunden — - da- 
pfand er nichts , wenn die beiden Drahte mit einander 
ichte Berührung gebracht wurden und er wie zuvor 
e mit beiden Händen anfafste , eben so wenig , wenn 
s Ende des einen Drahtes in der Hand hielt, in wel- 
le sich die Flasche auf eine andere Weise entlud, und 
7ar die Erschütterung ganz dieselbe und ging gleich- 
L nur durch die beiden Arme und die Brust, und nicht 
> Füfse, "wenn der Beobachter aufserhalb vor dem Fen- 
dem feuchten« Gninde stand , und übrigens auf gleiche 
iie Enden der beiden Drähte in seinen Händen hielt. 
* bemerkt nach einer kurzen Anführung der Versuche 
f's: „Es hat aber Volta* durch Versuche erwiesen, 
grolsen Verbindungskreisen die E. nicht in einem un- 
phenen Strome durch den ganzen Kreis geht , dafs viel- 
le Seite ihren besondern Strom - erregt und ihre £. den 
Leitern abgiebt. Dem zufolge entstand in jenen frei- 
• täuschenden Versuchen des Dr. Watson der el. Schlag 
OD Ende für sich und ohne Zusammenhang mit dem an- 
de, wobei das Unbegreifliche dabei auf einmal ver- 
et." Wir müssen dagegen erinnern, dafs auch bei An- 
cr Richtigkeit der Volta'schen Behauptung das Unbegreif- 
/as ohne Zweifel in der Schnelligkeit der Fortpflanzung 
dem Beschränktbleiben auf einem so bestimmten Weg 
311 , dasselbe bleibt. Volta ^ stützt sich zum Erweise 
shauptung auf eine nähere Betrachtung und Erörterung 



ATörterbach IL 297. 
dozier Joornal de Fhjsiqne 1779. 

Dpuscoli scelti salle science e suUe Art!« IVIilano 1773* 
p. 4 n. 5. übers, in Alex. Yolta^s Schriftea über £• o» Galr. 
. Naise. Halle 1803. 8. 67 -« 77. 

Bb 2 



3dB8 Flasche. 

des Vorgangs bei der E'^^Iadlung eitler I^Hoer Flas« 
einen Kreis z. U, von mehreren Person en^^vovon d 
einem Ende der Reihe , die wir mit O bezeichnen w 
äufsere Belegung anfafst, während die äufserste at 
Ende , A den Knopf berührt. Völta , die Sprache d 
lin'schen Theorie gebrauchend , bemerkt nun , dafs i 
ben untheilbaren Augenblicke , in welchem in die Pei 
dem Kopfe E. überzuströmen anfangt, auch aus O g 
E. in die äufsere Belegung übergehe , und zwar auf 
der eigenen E. von O , weil in demselben Augenbli> 
die Spannung auf der innern Belegung auch nur durc 
hung des kleinsten Quantums von E. durch den bei 
Finger abnimmt , auch die äufsere Seite sogleich in ^ 
Negativität gegen die umgebenden Körper auftritt , wi 
als'o von ihrer Seite wieder positiv gegen sie verhalten 
lieh von ihrer eigenen E. ihr abgeben müssen. Diese 
wird O von der Person , die zunächst mit ihr verbünde 
setzen, und so wird diese, vermöge dieser I\IittheiluD< 
falls einen ochlag empfinden , eben so wird sich der 8 
A auf die mit ihr zunächst verbundene Person B verbn 
diese demnach gleichfalls den Schlag empfinden , und 
und von A aus von beiden Seiten nach der Mitte hin. 
ist eben so einleuchtend, dafs so wie O E. an die inn 
gung abgegeben hat, es seinen Verlust nicht blofs aus • 
sten Person , sondern auch aus dem Erdboden ersets 
weswegen dann aus der zunächst anijrenzenden Pers 
weniger in O übergehen mufs, als aus O in die äuL 
und so verhältnilsmäfsig im Fortgange nach der ]\Iitte 2 
mend. Eben so wird die aus dem Knopfe ausströmenc 
auch noch andern Leitern mittheilen, mit denen A ii 
düng steht, und nicht blofs in die nächste Person i 
Damit stimmen nun die Erscheinunsjen bei der Mitth« 
ner Erschütterung an einen Kreis von mehreren Pers< 
gut überein, nämlich dafs, abgesehen von der subji 
schiedenen Empfindlichkeit für den Schlag, die stä; 
schütterung von den an den beiden äufsersten Enden 
eben Personen und nacli der Mitte' zu stufenweise s 
empfunden wird, was nach beiden Theorieen Sch\ 
machen würde, wenn blofs die Ausgleichung innei 
nächsten Verbindungskreises erfolgte. Auch der Umst 



Entladohg. S80 

n Falle alle Personen zugleich in den Fulsgelenken eine 
irung empfinden, beweiset^ die Ausgleichung der E, 
•elegungen nach allen Seiten bei einem mehr ausge- 
Leiter, wo die Ausdehnung dieses Leiters selbst als 
emifs wirkt. So gegründet nun auch diese Bemerkun- 
und für sich sind , so bleibt es doch keinem Zweifel 
fcn, dafs in den oben angeführten Versuchen Wat- 
tie Leitung der E. , wie ihan sich dieselbe auch vor- 
eill, w^orüber die Theorie erst das 'Nähere anzugeben 
die Beobachtung wenigstens in einem untheilbaren Au- 
} und instantan von beiden Seiten durch eine Länge 
igstens 6000 Fufs sich erstreckt habe , weil der Beob- 
welcher sich wirklich in dieser Entfernung befand, da 
aden der beiden Drähte hielt, in dem Augenblicke der 
lg auch die Erschütterung empfand. Auch ergiebt sich 
Prüfung dieser Versuche , dafs , wenn der Verbindungs- 
i so guten Leitern, wie die Metalle sind, besteht, und die 
ler£. die nach Ausgleichung strebt, nicht so ansehnlich 
Leitung von einer Belegung zur andern , oder die Aus- 
ng selbst bei so grofsen Strecken so gut wie ausschlie- 
D einem solchen Kreise geschieht , und nicht davon ab- 
seihst wenn die Isolirung des Dralites nicht vollkom- 
Nur dann, wenn die Isolirung sehr unvollkommen 
1 der Ausgleichung dadurch Nebenwege eröffnet sind, 
nn bei wenig ausgedehnter Leitung die Menge der sich 
lenden E. sehr ansehnlich ist , erstreckt sich die Aus- 
g «und die davon abhängige Erschütterung auch noch 
1 nächsten Kreis von Leitern von einer Belegung zur 
inaus. So empfindet man bei der Entladung einer sehr 
Flasche, noch mehr einer Batterie, selbst durch einen 
von dickem Messingdrahte , den man in der Hand 
ne leichte Erschütterung in dieser. Daher kommt es 
als , wenn man eine Kette mit der äufsern Seite einer 
n Flasche verbindet, und diese auf die gewöhnliche 
urch den Auslader entladet, diese Kette, die doch kein 
sares Glied der leitenden Verbindung zwischen den bei- 
}gen ausmacht, dennoch im Dunkeln leuchtet, d.- h. 
zwischen ihren Gliedern zeigt, ja selbst dann, wenn 
nicht unmittelbar in Berührung mit der äufsern Seitß 
che, soadem nur nahe dabei befindet, in welchem 



I 



W6 Flaach^.' 

pjle itiftn !iA AugetibUcke des Austedeni eirtlJ^nttileiii 

j(«r T&uefae und dem nächsten Ende der Kette sehen xi 

• '"... ^ • . •■ , 

..lu Dieser sogejnennte seitwärts gehende Schligl, 

die snletzt erwähnte Erscheinung beseichnet, hat^a^i 

•iner andern Form, anter welcher man ihn darstellen k 

nen Grand in dem. Umstände, dals wenn sich die E. 

Leiter «osgMchen, dessen Capacität, verglicheD mit i 

4i^ FlaKthe^ .nicht überwiegend ist,, die Ansgleicln 

, Nqll'B, giebt. sondern sich stets ein Ueberschufs vo 
(ifi^^^6^ct^eDh!at iet E. derjenigen Seite, von w« 
I^i^nng ausging, zeigt. Man setxe eine geladene Fl 

' 4fi^ Tisch, isolire «inen stadken metallenen Stab und : 

.M9 äaip erlnit .einem Ende die äulsere Belegung de 

berührt, . und richte ungefähr einen halben Zoll weit 

.iliPId .andern, Ende einen Körper auf, der etwa 6 a|pi 

j)pÜqg,und,3Krenige Zoll breit ist. . Man lege ferner eineJ 

. ileQ.'Ti^K^h, so dats das eine Ende derselben etwa j| 
der Belegung der Flasche absteht^ befestige das andm 
den einen Knopf des Ausladers und entlade dann doS 

. herung des andern Knopfes die Flasche. In dem ft|| 
der Entladung wird sich .zwischen dem isolirten Stabe 
ker Funken zeigen , der aber den el. Zustand diesei 
nicht verändert. Aus diesem letzteren Umstände zog 
sonderbaren Schlufs , daTs dieser seitwärts gehende Fe 
der Belegung der Flasche komme und in demselben An 
wieder in sie Zurückkehre. Indessen hat Cuthbeiitso 
eine Reihe zweckmäfsig angestellter Versuche das Irr 
Ansicht hinlänglich nachgewiesen. Er hat zur genau 
suchung dieses Phänomens eine eigene Vorrichtung a 
mittelst welcher er durch jenen seitwärts gehenden Fa 
kleine Flasche ladete, und zwar wurde sie positiv 
wenn die gröfsere Flasche inwendig positiv', negativ 
wenn dieselbe inwendig negativ geladen war. Aucht 
der Schlag stärker, wenn mit der innern Bele^gung 
von mehr Oberfläx^he verbunden wurde , z. B. wem 
gröfsere Flasche statt des Knopfes mit einer grofsen 1 
KugeLyersah. Cuthbertson leitete diese Ladung d 



1 Abhandlahg Von der Elektricität 5to ForU. S. ;20l 



EntladuDg. 391 

; gehenden Schlag richtig von jenem Ueberschufs von 
— £ ab ,' welches die freie Spannung bildet. 
Durch Nichtleiter gebt die Erschütterung nicht, sie 
snn stark genug seyn , sie mit Gewalt zu durchbrechen, 
lezeit ein Funke entsteht. Wenn daher die Verbindung 
de Reihe nicht ganz zusatnmenhängpnder, sondern nahe 
der stehender leitender Körper gemacht wird , so, ent- 
mischen jedem Paare dieser Körper ein Funke , weil 
ie Luft daselbst durchbrechen mufs. Hierauf gründen 
iei Spiclwerke, von denen schon im Artikel: Eifkiri^ 
Gelegenheit des eL Funkens im Allgemeinen die Rede 
ist. NoLLET ist der Erfinder hiervon, SiGAun ns la 
GÜyot^ u. a. haben die dabei zu beobachtenden Vor- 
mständlich angegeben. Das Wesentliche hiervon wird 
' Genüge aus der Abbildung des sogenannten Kometen 

es Sterns mit langem sich allmäli«; erweiterndem Schweife „ 

o o p 

en können. Die ganzen Linien c, c, c,.... stellen höchst 5 
reifen von Stanniol dar , die auf eine Jange , verhähnifs- 
schmalere, Glastafel, oder wenn man eine gröfsere 
beabsichtigt, auf zwei oder mehrere durch einen Rahmen 
Inder gefügte Glastafeln mit Hausenblase geklebt sind, 
t einem feinen Federmesser an den sehörigen Stellen so 
hnitten sind, dafs die Zusammenstellung der dadurch 
en Unterbrechungen auf dem Glase die beabsichtigte Fi- 
es Kometen darstellt, zu welchem Behufe begreiflich die ' 
tanniolstreifen selbst schon auf eine passende Weise auf- 
1 seyn müssen, wie die Figur selbst deutlich genug zeigt. 
!ie Zwischen räume mit einemKreuze bezeichnet sind, bildet 
Figur des Sterns; die einfachen Streifen e, e, e, mit denen 
izontalen Linien durchschnitten sind, bilden zusammen 
LNveif. Das Ganze wird mit Firnifs überzogen. Indem 
ladun^ in einem untheilbaren Au;zenblicke durch alle 
^schenräume in Form von kleinen Funken hindurch- 
werden sie auf einmal erleuchtet, und stellen einen 
:kigen Stern mit eineh sich nach unten mehr und mehr 
:n den Schweife dar, den man nach Belieben auf 2| 3 



reschichte der medic. nnd physik. £. von Kühn. Ister Theil. 

1783. gr. 8. S. aiO. 

Physik« und mathem. BelostiguDgeo Th. IV. S. SOI — 310. 



393 Flasche. 

und mehrere Fuls verlängern kann. Die Hanptsach 
besteht darin , da(s auf dem Wege durch die ganze Ul 
Stanniolleitung nirgend eine Stelle sich finde , wo dei 
ken durch Ueberspringen auf dem geradesten und '. 
Wege weniger Widerstand finde, als auf dem langen 
die Sütnme mehrerer kleiner Zwischenräume Hemnii 
gegengifesetzt , dafs also z. D. in jenem Kometen n voi 
hinlänglich entfernt sey, um me-hr Widerstand zu lei 
in der Summe der kleinen Zwischenräume, deren Zafa 
mitgetheiltfch Schema 14 beträgt , liegt, die zur Hervoi 
der Figur eines Sterns erforderlich sind. Es lassen 
Stannioltafeln , welche auf Glasplatten aufgeklebt sine 
einfache Vorrichtungen in gleichen Zwischenräumen seh 
Streifen ausschneiden, so dafs von der Stannioltafel nur 
einander paridlele Streifen, zwischen denen eben so 
durch jenes Ausschneiden von ihrem Stanniol befirai 
streifen sich befinden , zunickbleiben , die man an ihrt 
Enden dutch kleine Stückchen Stanniol mit einander fi 
um durch die ganze Länge aller Stanniolstreifen eine ^ 
brochene Leitung zu haben, worauf man dann mit d 
nen Federmesser beliebige Schnitte durch die Stanni 
macht, die in ihrer Zusammenstellung jede Art von Ge 
nen Namen, ein Portrait, eine Blume, ein Gebäude 
Schaft u. s. W. darstellen können , und bei der Entladu 
Flasche im Dunkeln das verlangte Bild im schönsten 
feuer erscheinen machen. Indefs ist zu allen diesen \ 
auch der Funke aus dem ersten Leiter einer kräftiget 
sirmaschine hinreichend. 

' m. J}ie SMstentladung einer Flasche beruht ehe 
einem solchen Durchbruche durch Nichtleiter. Sie 
auf doppelte Art : auf die eine Art längs dem unbelegt 
der Flasche mit einem starken, gewöhnlich gesch 
Funken, der am Glase seine deutliche Spur zurücklaf: 
dasselbe in der ganzen Richtung des Funkens seil 
verloren hat, so dafs die Gestalt deS Funkens in einei 
Flufsspäthsäure in das Glas eingeprägten Zeichnung 
ist. Gewöhnlich geht dieser Selbstentladung ein wi< 
Leuchten und Blitzen im Innern der Flasche an d< 
Rande der Belegung voran. Die andere Art der Selbst 
ist mit einem Durchbruche durch das Glas veibundei) 



Entladung. 893 

ichter bei dünnem Glase statt, besonders wenn die 

dabei sehr groTs oder mit mehreren andern zu einer 

verbünden sind« Durchgangig bemerkt man , dafs das 

sehr feines Loch hat, nm welches auf beiden Seiten 

e des Glases in einem Umkreise von einer oder zwei 

n Durchmesser gleichsam zerrieben ist , wie wenn vom 

.es Glases ans nach beiden Seiten eine mechanisch auf« 

e Kraft gewirkt hätte , und von diesem Mittelpuncte 

Mfrang gehen dann gewöhnlich noch längere Risse nach 

IjBtien Richtungen aus. Wenn grolse Batterien entladen 

so findet man oft einige von den Flaschen zerbrochen, 

lie Gewalt des Schlages zersprengt hat. Um dieses za 

im, schreibt Na lA NE die Regel vor, dals niemals eine 

dnrch einen guten Leiter entladen werde , ohne den 

li Ueberganges wenigstens 5 Fuls lang zu machen. Seit 

ibaditung dieser Regel willNAiKNE eine sehr grofse 

^egen hundertmal entladen haben , ohne eine einzige 

xn zerbrechen, da doch vorher beständig einige zer- 

a waren *. Die Lange des Weges scheint hierbei durch 

idernng der Stärke des Schlags zu wirken , da der Wi- 

d mit der Länge wächst und daher auch die Ausgleichung 

o schnell vor sich geht , und die Erschiitterung dadurch 

r wird. 

Wenn der Verbindungskreis durch unvollkommene Lei- 
. durch StiilLe trockenen Holzes , durch inwendig ange- 
te Glasröhren u. dgl. unterbrochen wird, so entstehen 
ll anhaltend schneidende Funken oder Büschel, die nicht 
fern, aber an dem Theile des Leibes, wo sie eindringen. 
Sehst widrige Empfindung verursachen. Wolf ^ hat diese 
ar Entladung zuerst angewandt, um mit Batterien von 
m und kleinen Flaschen Schiefspulver zu entzünden. 
-wird in eine kleine fingerhutartige Büchse von Elfenbein 
(uchsbaum geschüttet, in welche seitwärts Drähte ge- 
bt sind , die in dem Schiefspulver etwa eine halbe Linie 
Inander abstehen , und in den Entladungskreis , von wel- 
diese Vorrichtung einen Theil ausmacht, wird mittelst 



CaTallo L 170. 

Magaain fnr das Neueste auf der Physik u. s. w. r. LichtM- 
L Bd. Stes 6t. S. 70. 



394 Flasche. 

metallener Häkchen, die sie an beiden Händen haft und ik] 
am bequemsten darch K/Srke in ihr befestigt, eine Gla 
gebracht, deren 'Wände überall durch ein paar Tropfen 
befeuchtet sind. Viele Jahre spater sind diese Versache abj 
neu von den Engländern Lecth^veitc ^ und Woodwj 
bekannt gemacht, nnd durch einige neue ErfahmiigeB 
mehrt worden. Das Merkwürdige in diesen Versuchen ut, \ 
derselbe Schlag einer grolsen Flasche oder Batterie, weas 
selbe durch blofs metallene Leiter entladen vrird , das 
pulver blofs zerstreut, ohne es zu entzünden. Die Yonl 
tVEiTE gebrauchte Flasche hatte einen Quadratfofs Bc 
nnd einlud sich von selbst, wenn das Quadrantenelel 
auf 90^ zeigte. Die • angewandte Glasröhre w^ar 6 Zoll 
und hatte 0,3 Zoll im Durchmesser. Sie war mit zwd. 
stöpseln geschlossen, durch welche Drähte gingen, a 
die Röhre mit Wasser gefüllt, so entzündete sich das 
pulver bei 60^ Ladung der Flasche, nicht aber bei einer i 
ehern, b. Bei der Füllung der Röhre mit Schwefelatfaff^ 
folgte die Entzündung nicht eher als bei 60°, bei der 
mit Alkohol aber schon bei 30*. c. War endlich die Bfilitl 
Schwefelsaure oder Salzsäure gefüllt, so erfolgte die 
dnng nie, auch wenn die Flasche bis auf 80® gelad«^ 
WooDWAHD bemerkte, dafs eben so wenig Entzündai}^ 
Schiefspulvers zu bewirken war, wenn die Leitung darchi 
thierischen Körper ging, oder durch ^Vasser, das nicht inB* 
ren eingeschlossen war, und er erklärt sich dieses letztere w; 
aus, dafs das Wasser uneingeschlossen in Röhren dem Dow*! 
gange der E. keinen hinlängliclien Widerstand leiste. Inde 
muls diese Behauptung beschränkt w^erden, da, wie mich i 
gene Versuche belehrt haben, und Schweiggeu gleichfausf] 



funden hat, die Entzündung gleichfalls öfters gelingt, 
die metallische Leitung durch einen nafs gemachten Strick 
terbrochen wird ^, Diese Versuche über die Entzündung 



t^ 







1 Journal of Science, Littcr. and the Arts 1821. XXIl. 
und daraus in Schweigg. J. N. R. XIV. 121. und G. LXIX. 372. 

2 Annais of Philosophy 1820. S. 283. und in Schweigg. J. >'.* 
XIV. 121. Vgl. Sturgeon in Phil. Mag. LXJII. 445. 

3 Nach MuNCKE Anfangsgründe der Nalurlehre S. 264. erWf 
die Entzündung durch einen im Leitungskreise befindlicheu um* 
Bindfaden unfehlbar. 



Geschicht.e. 395 

piilveTs unter den angegebenen Umständen sind übrigens 
lieh geeignet, das Leitungsvermögen verschiedener Fliis- 
sn Vergleichungsweise zu bestimmen , in welcher Rück- 
:h auf dieselben unter dem Artikel: Leiter wieder zurück- 
m -werde. 

s lassen sich mit der Leidner Flasche ungemein viele be- 
le und unterhaltende Versuche anstellen. Verzeichnisse 
Beschreibungen derselben findet man bei Cavallo^, 
s*, Donndorf ^, Cuthbertson *, Maingosus Galle*, 
K®, u. a. Die stärksten Wirkungen erfolgen aber, wenn 
re Flaschen mit einander verbunden , und zusammen ent- 
werden ^. Von den merkwürdigsten Wirkungen des Ent- 
«sschlages werde ich unter dem Artikel: Sr/i/a^ , eUklri-^ 
noch ausfuhrlich handeln , und nur am Ende dieses Arti- 
tiejenigen Versuche einer näheren Erörterung unterwerfen, 
» man für vorzüglich entscheidend für die streitige Frage, 
tn elektrischen Erscheinungen nur eine oder zwei el. Ma- 
I (eL Erregungen) zum Grunde liegen , angesehen hat. 

IL Geschichte des Leidner Versuchs. 

Sclion der Engländer Stephan Gray fühlte im Jahre 1735, 
ar sich mit Ausziehung elektrischer Funken aus dem Was- 
leschäftigte , die Erschütterung der verstärkten E. ®. Da er 
die Bemerkung nicht weiter verfolgt hat, so kann man ihn 
als den Erfinder dieses merkwürdigen Versuches ansehen. 
Die Ehre , eine so wichtige Entdeckung gemacht zu haben, 
die Naturforscher in Erstaunen setzte , und dem Studium 



[ Vollst. Abb. der Lebre von der E. Leipzig 1797. Ister Band 
Thcil , 7tes u. ' 12tes Kap. 
l Versuch über die Elektricitat a, d, E. Leipzig 1785. p, 8, 
Kapitel. 

J Lehre von der E. I. Bd. S. 344 f. IL Bd. Kap. 19. S. 825. 
\ J. Catbbertson vollst. Abb. der tbeor. und prakt. J^ebre von 
E. a. d. E. von Baumann. Leipzig 1797. 2ter Bd. gr. 8. 
5 Beiträge zur Erweiterung nnd VervoUkommung der Elektrici- 
;hre. Salzb. 1813. 2 Vol. 8. 

> G. J. Singer Elemente der Elektricitat und Elektrochemie* 
irs. von G. H. Müller. Berlin 1819. 5tes Kap. S. 62 f. 

7 S. Batterie i elektrische, 

8 Ph. Tr. No.436. J. l). TiLirsde electrici experimenti Lugdanen- 
iventore primo. Witteb. 1771. 4. 



396 Flasche. 

der E. ein neues Leben gab , gehört unstreitig «inem deoli 
-Prälaten, v. Kleist, Dechanten des Domcapitels zu Cami 
Pommern, welcher am Uten Oct. 1745 die verstärkte £. ft 
entdeckte , am 4ten November darauf dem Dr. LjEJBEiiKitfl 
Berlin, am 28- Nov. dem Prediger Swierlick. in Dansig. 
bald darauf dem Professor KAUOEa in Halle Nachricht da 
gab , welche der erste der Berliner Akademie der Wisseoi^ 
ten, der zweite der Danziger natur forschenden Gesellscha^ 
theilte, und der dritte^ schon 1746 drucken liels. Diese 
richten enthalten Folgendes. „Wenn ein Nagel oder 
messingener Draht in ein kleines Arzneyglas gesteckt ubIj 
trisirt wird, so erfolgen besonders starke Wirkung« 
-Gläschen mufs recht Ijrocken oder warm seyn. Man 
vorher mit Kreide reiben. Thut man ein -wenig Qi 
oder Wasser hinein , so geht alles noch besser von statt» j 
bald das Gläschen V/On der elektrischen Röhre weggci 
-wird , so äufsert sich der leuchtende Strahlenbüschel , unii 
kann mit dieser brennenden Maschine über 60 SchrittB 
Zimmer herumgehen. Wird während dem Elektrisiren daj 
ger oder ein Stück Geld an den Nagel gehalten , so ist 
ausfahrende Schlau so stark, daTs Arme und Achseln 
Schlittert werden; Eine isolirte Röhre lälst sich dadi 
stärker elektrisiren , als unmittelbar durch die Kugel, Wi 
Conductor elektrisirt, der im Gläschen befindliche Nagel i 
gehalten , und mit dem Elektrisiren fortgefahren , so soUtei 
kaum glauben, in welche Starke die P^lektricität gesetzt weil 
Ist das Gläschen niedrig , dafs sich die Finger in der gchöii| 
Weite befinden , so schlägt der Funke von selbst aus dciil! 
gel auf den Finger zu. Dünnhälsige Gläser sind ein pari 
durch den heftigen Schlag zersprengt w^orden " u. s. w. 1 
sieht, dafs liierbei das Glas wirklich geladen war, wobij 
hineingegossene Wasser oder Quecksilber die innnre, die k 
gelegte Hand aber die äufsere Belegung ausmachte. MaB 
mühte sich in Danzig den Versuch naciizuahmen , und G 
liATH war der erste, dem er gelang, jedoch erst, nach ei 
tener ausführlicher Anweisung durch v. Kleist, weicheil 
tifFentlich Tsekannt gemacht wurde. 



X Krüger's Geschichte der Erde. Halle 174G. 8. S. 177 f. 
2 Abh. der natnrf. GescIUch&ft in Danzig Th. I. 17*7. 4. S 



Geschichte. 397 

Anfang des Jahres 1746 schrieb MasscHESBROEK ans 
an ReaumÜr, er sey anif einen schrecklichen Versuch 
I , mit einer Erschütterung , der er sich nicht für di» 
•"rankreichs zum zweitenmal aussetzen möchte; Alla* 

ebenfalls Professor in Leiden , ^yiederhohe dieses iit 
iriefe an Nollet, und im Februar auch in einem eige« 
satze^. Der Abt Nullet nannte daher die Entdeckung 
dner Vtrvuehy welchen Namen sie auch behalten hat, 
leich weit richtiger der Kleislhche P^^rsuch heilst. Man 
Frankreich an, Musschenhküek für den Erfinder zu 

als' AliLAMÄHD noch im Jahre 1746 sowohl ui Nullet 
7RAi.il TB meldete , die erste Entdeckung gehöre eigent^ 
lem angesehenen Privätmanne Cuitaeus zu, der schon 
»fälliger WTeise darauf gekommen sey. Es ist nicht 
kttinlich, dafs dieser Mann etwas von der Entdeckung 
llBchen Prälaten gewufst habe ; inzwischen bleibt diesem 
i unstreitig das Verdienst der ersten Erfindang und ße- 
lachong« • 

Lqsmhevbroek. erzählt , er und sein Freund hätten dar- 
Jacht, elektrisirte Körper , weil sie an der Luft die Elek-* 
bald verlören , zu isoliren ,' und hätten daher Wasser in 
en Flaschen durch einen mit der Maschine communiciren« 

I 

«ht elektrisirt. Dabei habe er^ als er eine solche Flasche 
einen Hand gehalten, und mit der andern Hand den 
Ton der Maschine habe losmachen wollen, einen schreck'* 
Schlag in seinen Armen und der Brust bekommen , den 
) Lei wiederholtem Versuche ebenfalls empfunden hätten, 
m dessen Wirkung auf den Körper sie fürchterliche Be- 
inngen machen, 

iese Nachrichten erregten ein unbeschreibliches Aufsehen 
achten die E. zum Gegenstande der allgemeinen Unter« 
•. Der Kreis der Erfahrungen über die Leidner Flasch© 
•rte sich eben darum so schnell, weil in allen Gegenden 
lysiker sich damit beschäftigten. Gralath in Danzig 
ncr der ersten, welcher der Erfindung etwas Bedeutendes 
te. Er vertauschte Gläschen, Nagel und Weingeist mit 
gröfsem Flasche , einem Drahte mit der Kugel und mit 
r, zeigte schon den 20. April 1746 einen Verbindungs- 



M^m. de TAcad* des Sciences 1746. p. 2. 






>t ■ 



J/kL ^- ' jSlä»9k(i. ~i i. 



■• -■ « 



,1 * • ^i 

Vnsdl^^Bklifait ui^nnngeiie Flatcban am laden, defglei 
•ogeiiao0tai Uabemst der ^Ladung. Wm.tBm, in 
dea^dUijßfaohättening idir empfindUckgew^san war, 
.aber »gar:«».. hitziges 'Fiabar davon zu erhalten | 
hatti^i jarEanfl eine Vwanitalt^ng, eine nnvoUkmomen 
tiapie'aehein' AnJad'eele k tis en ie t e r » idie Explosion von 
Ifto1>aohteni9.cund sfeUte die eben angefühlten Versuche 
¥ai efe-Tbeil der Plaiiae • in di4 Verbindung gebracht n 
aMiMn Eäcpeximente aber hat Da. WATSor' . iKi dt 
1746». i747::n/ 1748' hinzagcfägt. > Er.lafid» dtJ^ 4 
desogdilags^ehl von der Menge dtfr Marefia j^des Wnii 
tffihrola) in der Flasche^ sondern bloCl von der Gt<ÜM9i 
' ehey: diK sief. berührt ^ -abhänge, und d^ dasselbe and 
,inliiir»!EhCdhe inBeziahung, auf die sie anfassende H| 
welches, dem Ditp.Bzwia die Veranlassung gab, dktJ 
nit. 2Linnfolie (arnahm. zuerst Bleiplatten) zit. erfind^n^ 
mala schon SilherfoIättch)Bn sowohl zur Beliigung . vo^ 
als. von<jIasplatteii zu gebrauchen.^. £r gab säuerst <|| 
xnug desräthselhaftenPhänonCi^na idec Ladung, uqjl 
174? uad.' 174S'Mi*: xn*s GroEse gehenden Yersncheki^ 
Verbindnngskreise und die Geschwindigkeit des Schi 
WiLSO»^ tauchte die ^Fbschen auch von aufsen in 
entdeckte das wahre Verhältnifs der Stärke des Schlagi 
wahr, daüs derselbe den Weg wähle, bei dem er an 
steU Widerstand antrifft, bemerkte die Lateralexplosion 
In Frankreich stellte der Abt Nullet die ersten ^ 
an,, entdeckte zufällig, dafs eine luftleere Flasche aUi 
einer belegten leiste , machte Verbindungskreise von 18 
hen , di^ sich mit eisernen Drähten verbanden und eii 
kreis, von 900 Toisen bildeten, und tödtete zuersi 
durch; den Schlag. Ls MoK'NiEfL fand, dafs die Lad 

1 An Extract of a Letter etc. in Ph.Tr. Vol. XLIV. P. 

* 

2. Vorzüglich in einem den 30. Oct. 1746 vorgelesenen « 
Tr. Vol. XLIV. P. II. p. 704. abgedruckten Aufsatze , so wie 
nmstäudliche Beschreibnog der Versuche über die Durchle 
Srsöhüttemngsschlages durch grofse Strecken in Pli. Tr. 'S 
p. 49 — 98. 

3 Ph. Tr. Vol. XLV. p. 104. 

4 £bend. Vol. IL. L. LL 



Geschichte« 399 

[bei kahem Wetter 36 Stunden) in den Flaschen bleibe; 
sich noch vor Dk. Watsox durch Versuche mit lan- 
indungskreisen hervor. 

noiand sowohl als in Frankreich hatte man schon wahr- 
n , dafs isolirte Flaschen nicht geladen werden konn«^ 
dafs die Belegung geladener Flaschen leichte Körper- 
Dg, wenn man den Draht berührte, hingegen die- 
bstiefs, wenn man den Fihger an die Belegung 
Diese Versuche hätten darauf führen können, dafs 
tricitäten beider Seiten entgegengesetzt sind ; al- 
i übersah dieses, und bildete sich ein, das elektri-^' 
dum ströme aus der Hand , oder den Leitern , die die 
?on auisen berührten, durch das Glas hindurch in die 
elegung. Indem also die Erklärung der Leidner Fla-^ 
I europäischen Naturforschern ein Geheimnifs blieb, ver- 
sieh auf einmal ein unerwartetes Licht darüber durch 
tfe des Dr. Fraitklin in Philadelphia^, wovon des 
. Jahr 1747 erschien, und an Peter Collinsoit gerich- 
. Dieser scharfsinnige Naturforscher war durch die £i- 
ngsttf welche sich zeigen, wenn eine auf einem 
aichen isolirte. Person eine Glasröhre reibt, und eine 
gleichfalls isolirte die Glasröhre berührt und nachhex 
trsonen entweder eine dritte nicht isolirte oder sich un- 
mder berühren , bewogen worden , die beiden el. Zu- 
des Glases und Reibzeuges als Ueberfluls und Mangel 
r entgegen zu setzen und durch den Namen der positi- 
1 negativen E. zu unterscheiden ^. Da er nun bei sei- 
r^uchen mit der Leidner Flasche gewahr w^urde, dafs 
[ Seide hängende Korkkugel von der äufsern Belegung 
ren iwrerde , wenn sie nach vorhergegangener Berührung 
t der innern Seite verbundenen Drahtes von diesem ab- 
in *wird, und dafs man durch den hierauf gegründeten 
h. mit der el. Spinne die Flasche entladen oder die £. der 
leite in die andere überführen könne , so folgte aus sei- 
-wohl überdachten Grundsätzen von selbst, dafs bei der 
j die E. beider Seiten einander entgegengesetzt seyn müfs- 



New ezper. and obserr. etc. in several letters to M. Collinson« 

1751. 4. 

S. den Art. EUktricität, 



4M Fla««lMu 



ik» Wiinnilklie bimmG^goi amrfht», so cb 
dk Jwwh h f hwwlf Bwclwiaaiigea i» d« 
dfla Minfciiiliianu Bdfdl im mmtiun seiaer % 
Itau Wamus sdbräft der einsöge gtw««* 
iwrnnittingig TtwFAAniMV au ihnJKhenVifnjj 
V«Ulm des B0iwii«M Qaa der Glasb«el besimJt 
iwühisdsBM ÜMlfodeB gleiche Schlüsse mf ein 4j 
K.TIO« dem Bffliee iiee sn die Glsshogel, jmd elaewi 
iMSNpdinieletmoMB^ia jenem sog, dock jst dioA 
die OK davoft ««f die Eiidira^ der Leidner Fhsc) 
nklit Um und hsrtinmt*^ und aementUch Tennost 
IWhenerhsft dsefoniW gelben, wsnun.nr Endadoi^ 
.bindnng beider B el e gnn gen dorcb Leiter derB* eifod 
FjsAsmuxV Theorie fiihite ihren. «ninreiGhen | 
däe BoobodmiBg -mkr nenen Biseheiwiligen des Lid 
ledens nnd d. Scfaleges, die eis onvitlelbare GmbI} 
derselben h e i f oi g iitt en nnd sa ihriirfiestitiganfi 



die JErfinlnng einer «ehiieicheil. Menge von 
eben', ,m d|kft!dss -«eiste , vrm nofth jetrt aber, die.' 
sehe vorgetrageni wiid» ens seinen Briefen geschöpftj 
snf einmal den gr^raien Theil dejr vorigen DunUdl 
Lehre zerstreuten« Hierzu kamen noch seine vm 
Enldeckun^n über den Blitz, die Wirkung der Spit« 
nnd die nützlichen Anwendungen derselben durch ii 
leiter, die Beobachtungen der Luftelektricität , woiy 
sem Wörterfonehe unter besondern Artikeln gehaodl 
wild« Daher erregten seine Briefe mit Recht eine I 
Bewunderung; nur einige französische Naturforscher, 
dere Nollet, widersprachen seiher Theorie , und be 
den Nutzen seiner Entdeckungen. J. C. Wilke ^ 1 
diese Lehre im Jahre 1757 durch seine Versuche üb< 
düng verschiedener anderer Nichtleiter, besonders i 
Luftschicht. Verschiedene andere neue Versuche übei 
kungen des el. Schlages und die Erscheinungen des e 
welche zum Theil zur Bestätigung des Eranklin'sch 



7 

1 Ph. Tr. Vol. XLV. for 1748. p. 93. 
t Schwed. Abb« SOler Bd. S. 2^1. , ^ 






Geschichte. 401 

e Entladung stets -aus der positiven Seite in die negative 
dLiefiea sollten , verdankt man in der nämlichen Zeit dem 
ixCGAAiA-. Besonders klärte aber das von Wilke ^ und 
m ^ entdeckte Gesetz der elektrischen Wirkungskreise 
sorie der Leidner Flasche noch mehr auf, und WitKE 
lavon Gelegenheit , alles was bei der Ladung sowohl in 
isflächen als in den Belegungen vorgeht , genauer zu un- 
en', wozu er sich eines passenden Apparats aus einei 
Ite bediente , deren Belegungen von derselben im iso- 
iastande abgezogen werden konnten. Diese Untersuchun* 
relche in der Hauptsache auch die Erfindung des Elektro- 
mthielten , leiteten Wilke damals auf die Vermuthung, 
A die Pbänomene der Ladung aus der Hypothese voa 
1 Materien, die er Feuer und Säure nannte, besser als 
xiv^s erklären liefsen , welcher Gedanke durch die neuen 
Imngen noch mehr bestätigt worden ist. 
OLTA, einem standhaften Anhänger der Franklin'schen 
ie, gebührt vorzüglich das Verdienst, die Erscheinungen 
hlung unter einen allgemeinen Gesichtspünct mit den Ver- 
lan Erscheinungen des Elektrophors und Condensators ge- 

und das so umfassende Gesetz , dafs ein elektrisirter 
r, wenn er den Zustand eines andern Körpers, der in 

Wirkungskreis kommt , verändert, dadurch selbst eine 
lemng leidet, und darin so lange beharret, bis der an- 
Itliper aus seinem Wirkungskreise entfernt wird, in das 
Licht gesetzt und auf die Erklärung der mannigfaltigsten 
inongen glücklich angewandt zu haben *. In Deutsch- 
it Lichtenberg^ die Erklärung der Haupterscheinungen 
idner Flasche nach unbezweifelt erwiesenen Gesetzen der 
: grolser Klarheit und durch Bezeichnung der positiven E« 



J. C« Wilke diss. de electric. contrariis. Rostock 1757. 

Tentamen theoriae Electricitatis et Magnetismi . Petropoli 
4. 

Sckwed. Abb. 1762. 3. 213 a. 253. 41 

Vorzüglich in der Abbandlung übet den grofsen Vorthcil ei- 
ir unvollkommenen Isolirang in dessen Schriften übersetzt von 
8. 95 f. auch in Ph. Tr. für 1782. p. I. and in Roz. Journ. de 
ne f ome XXII. und XXHI. 

Ja der 8ten Ansgube too Erxlaben'a Anfangsgründen 'der Natur- 

Göttiogen 1794. 
Bd. Cc 



mit 4"4*niid darnegctiTtiiiB{t •— «» P ii giU) i g i b , dai 
ah d«r "FtankUt^Mck^n. sowohl alr der J^täSjKw^atikm 
Ton swBL Materien gleich gut in üeberetniliMBiBiig 
lälat» D«r neuesten Uüi 'xmt es endlich reiiUliafti 

I 

manche Emcheimingen. der beidner Flaschb' '^Arn |pnn 
thematischen Calciile su untftnverfen , und diaota Veii 
sidi Tomiiglich BiOT^«rwoiben. * 

. Anlser den angefiihnen Physikern haben noch md 
dereivinlbeeoiidere Cjt:Tükuo, Havi.T, Naikvb, 'dLord 
AüAiie, CuTnBBmTao«,. NicBOLBOB, VAw.MAtLxni^^ 
HB ikA Boin>9 SiHOsa u..«. diese Ldiretbeils dmich ftd 
Vmaaehe theik dnidk Afiparate. beimchert, «indebi 

•miCwadar schon -die Bede« gewesen I oder sind diese] 
jvn^B nicht . von.. der Wichtigkeit 4 ^om siü, ohnesaü 

«Mwmden» noch* bee ondm herrormhobefc 

• ■■ t' I I ■ i • . "■'.1 

. < IV. Tli:;0ort'ei dkri- I^eidner Flatd 

Die , unerwartete Entdeckung des ' Leidner Versnd 
die Natiizfinirschi^ in nicht gennge V^legenheit. Sie/ ' 
Richtigkeit aller Toxlieige^ägenen Th^n^n der E., 
eine llrscheinmig^ dar ,' die kein Physiker , vennög^ 
gangbarem Ansichten \ . hätte Toraussagen können. Inj 
Yersachte Nollet sogleich^ seine Hypothese der gle 
gen Aus - und ZuBiisse ^ darauf anzuwenden. Er erkläi 
nach die Erschütterung aus dem heftigen un4 doppell« 
der durch das Zusammentreffen der el. Ströme im mens 
Körper u. s. w. entstehe , wenn die Ausflüsse aus den 
und der Belegung den Zuflüssen aus den beiden Hii 
Experimentators begegnen. Das Gefäfs müsse von (9 
damit der Draht nicht gleich bei der Berührung der aube] 
seine E. durch einen einfachen Punken verliere. Er Im 
schlechterdings, es könne auch eine isolirte Flasche 
werden, denn seine Hypothese enthielt keinen Grund 
es unmöglich seyn sollte. J£r leugnete beim Entladen i 
vrendigkeit beide Seiten sn verbinden , luid sah übed 

^ 1 Trait4 da Physiqn« exp^frimentaU •! matli^BuitiqiM 

p. 582. 

2 M^m. d« racad. rojaU dat Saianoa». Aim4« 1745. Pi 
B YgL EUktricüaU 



Flasche. 403 

; blols für Ueberfiillung mit el. Materie an, ohne die 

ngeeetzten £• zu unterscheiden. Die ferneren Entdeckung 

illten das gänzlich Ungenügende dieser Theorie bald in 

Uste Licht. Nollkt hat sie indefs mit einer fastun«- 

Jien Hartnäckigkeit vertheidigt, und allen seinen Scharf-» 

fgeboten ,. um die Schwierigkeiten zu heben , die ihm 

er neu erfundene Versuch entgegenstellte. 

el glücklicher war Franklin^s Theorie in der Erklärung 

idner Versuchs,' und gerade der Umstand, dals sie sich 

I Vollkommenste an alle Erscheinungen desselben an- 

jte , und dafs eine Menge von Versuchen , deren Erfolg 

näls zum Voraus bestimmt worden war, diesen Erfolg 

auch so gaben , trug am meisten zu dem grofsen Beifalle 

en dieselbe allgemein fand , und bis auf den heutigen Tag 

ehreren Physikern noch findet. Der Hauptgedanke in 

Theorie ist, dafs die beiden Belege einer geladenen Leid«* 

ische sich in einem Gegensatze von Ueberflufs und Man*«> 

»finden , die im Verhältnisse gegen einander stehen , und 

tä der Entladung die Ausgleichung des Mangels durch den 

Alb den natürlichen el. Zustand wieder herstelle» Die 

\g einer Flasche besteht demnach in der Anhäufung der E. 

or mit dem positiven Conductor in Verbindung stehenden 

welche aber nur unter der Bedingung erfolgen könne, 

xe äufsere Seite ihren natürlichen Antheil an E. abgeben 

y wodurch ein verhältnifsmafsiger Mangel in ihr eintrete. 

wischen den beiden Belegungen befindliche Nichtleiter 

te sich hierbei zwar als undurchdringlich für die E. , hin- 

tber nicht ihre Atmosphärenwirkuhg durch sich hindurch, 

ge welcher die E. auf der äulsern Belegung zurückgetrie- 

erde, sich in den allgemeinen Behältern verbreite und den 

d zur Folge habe. Könne sich daher die Flasche ihrer E. 

T äuEsem Seite nicht entledigen , wie in dem Falle, wenn 

)lirt ist , so könne sie auch nicht geladen werden. Um* 

rt finde aber auch keine Ladung statt, wenn die Maschine 

olirtem Reibzeuge keine E. in das Innere der Flasche zu« 

I könne. Als besonders entscheidende Beweise für seine 

rie sah Fraüirliv die Versuche an , dafs eine Flasche sich 

isam durch ihr eigenes el. Fluidum lade , wenn man den 

n. f. beschriebenen Versuch anstellt, in welchem Falle 

2B der äuCsem Belegung abfiielsende E. durch das Keibzeug 

Co2 



40i^ FUi^ebek 

xim^hlt' t^ürito^ femM die Ladnng iimft HhBi^it^wilii 
att ififluiiMr, wo £e m» dor KdifMi Mw Im teMÜ 
avttttrifiiteftd» E.^iicb «af der itahetti 8ail#'i6r fiMgiiiNiMl 
mit difirAxdi« tod ilfar>iime^etriel>eii6.''B;^*Mhlh^^ 
d«¥'fewiiten niMh« ditf Mm ^PkadteWr. «. 4:4il€(' MV 
der Ladung einer MaiiBhe wtt dieser llieo4to*^i;M^ 
MMg«»;^^ nätMUhM AhtheSk Tert fi.' MCIW IMM M 
ilitt -deltoeik gäsfeHelM Aittfrettmiig a«wh tU^ ^tttfjl 
fniig Mf '4er iiiiivro Siil# erfolge» k»te«; flVriiditig MM 
dtfadl* t^AV&Litt -die ^erihM' BAchaffelhhelt der lÄsdnejr<i 
ij|i|tlltkrtdit «nf "dtt ^mkgtg^fi^gtiMxti V^ihalteti'^ltayM^ 
gdiygiAi' «ekuiMy «6 ^afMth de¥ ZosU^enliMi^df 
' ifdt * deif ' VMdoliiÄdeiieii SMft guii^Aa y ttMter^ deiietf 
b«idllbkiJ^''%iHl Bb giieiige&ll'^dielSiitladiBi^' dttttii'^^ 

dfaffl^' : An Mri^ng^k' Asf .etiMtf Seite^ Äireb ' deh 

del^'aad(M Senelier'enMQft^WfeTCr'^ ve^^'dtf 'die'Tn^ 

d^^T^eeb' mA 4i« tkHV^ettj^eti ^ä^ LedtmgeMt 
StMige^ähtl iteelb' eblbMufr f^u^I»!^ tti eiktbtaV. 
^eiGtiia)»v4iit erst Äeki gkAMe kmllyie dee giuMh 
der Ladung und Endadntog -ävt, und es iMftte eM 
Einsicht in die Lefoe ron deti eli' Wkkunjgslcreiseii 
Vertheilüng gewonnen werdkii , dre wir VorzügKch den' 
gen EHtdä^ckungeh Voi.TA'ii ^ verdanken , ehö die feitfM; 
lyse gegeben werden kolinte. Ich theile diese Torzügikfe 
Hauy-s uAd Biot^s DttrstelluRg'mit, lege dabei die dmlll 
Theorie zum Grunde, wi^ isilf unter dem Atti&el EleldM 
ihren Hauptumrissen vorgetragen "^ordeti ist, bedi^M 
aber der Zeichen 4- urtd^*-^ fttr di* positiVö und negat^ 
tricität" und der Worte Binden und Freilassen bei den Vt 
gen d er* Vertheilüng ,* weil sich diese Sprache atxchrüek^ 
die Frajiklin^sche Theorie lefcht übersetzen laTst, indM 
die näfir^folgende Darstellung nur die FtihdiamentalgesetäHl 
Vorgtinge^ festgehalten weydfc^n-, mit* welchen jede ThM 
LTebereinstittimung seyh mufs, Wenn sie hitlit ohnö ^ 
Verworfen werden SölL- 



' •• ■ 



T"^ 



1 S. Benj. FrankUn's Briefe ron der ^lektricitiit. i 
Soglischetai übersetzt vbn X C. Wdke» Leipzig 1?58, ^* 
' i S. dohdimMr^ AnÄ EteJttröphor^ 



Theorie. 405 

^s bexeichde D einen Theil des Conducton der Mi^diine, 
sey die eine to, sx did' andere Belegung, und z die 
wodurch diese Belegung mit dem Erdboden verbunden 
^er Vorgang der Ladung besteht nun allezeit darin , dals 
von dem Conductor aus, durch welchen die Ladung be- 
wird f sich nach der Belegung , welche mit diesem Con- 
verbunden ist, hinbewegt, sich daselbst anhäuft, und 
r entgegengesetzten Seite nach den allgemeinen el. Ge- 
die gleichnamige zurücktreibt und die entgegengesetzte 
sich zieht y ohne sich jedoch wegen der Undurchdring- 
t des Glases mit ihr verbinden zu können. Das Nähere 
Vorganges ergiebt sich nun durch nachfolgende Analyse. 
ein Theilchen von -f- £ (bei vorausgesetzter positiver 
lg) was durch die Kette in irgend einem Zeitpuncte der 
ff entweicht , N sey das Quantum ron — E , das in die- 
ingenblicke der Oberfläche ox und P dasjenige von +E, 
ff Oberfläche in angehört, das Theilchen p', während es 
dl ^die Repulsion von P nachgiebt , ist durch die Anzie- 
Ton IT sollicitirt, welche dasselbe zurück zu halten strebt, 
fttndie Repulsion von P das Ueb ergewicht hat, so mufs 
MOtitätP, da dasselbe überdies aus gröfserer Entfernung 
riwltnife der Glasesdicke wirkt , während N in unmittel- 
Beriihmng mit p' steht , oder das -{- mehr betragen als N 
ht Quantität des — . Andererseits streben die Theilchen, 
• das Fluidum N ausmachen , sich wegen ihrer Repulsiv- 
m fliehen. Diese Kraft ist aber durch die von P gebun- 
1er durch die Anziehung des P zum N aufgehoben, indem 
heilchen von P durch die Zahl das ersetzen , was sie von 
. der Entfernung einbüfsen. Die Theilchen von P sind 
bljlB durch ihre Repulsivkraft sollicitirt , sich zu fliehen 
1 zerstreuen, und diese Kraft kann durch die Anziehung 
nicht ganz überwältigt werden , dessen Quantum geringer 
m1 das aus einer gröüseren Entfernung wirkt , als die Re- 
D, von der hier die Rede ist. Es mufs also ein lieber- 
von P da seyn , der nur durch den Widerstand der Luft 
^gehalten wird , und der die freie Spannung auf derjenigen 
bildet y von welcher die Ladung ausgeht. Man kann sich 
erstellen , dafs das P auf der einen Seite aus einer Portion 
:ehe , welche längs i n durch die Anziehung^ von N ge- 
1 und xurnckgehalten ist, und aus einer andern Portion 



40B Thoorie» 

U^ deüMi ThtiUlit& kflia «Ikderet EEbdaniilSi üEkdto ' 
ibn» wtdbsekeidgta lUpalnoA fmden, als den 'Wsim 
lAift, und welch«, dordi das Elektrometer angeseigt 
D» QoentoHi U wiid immeif genngei seyn ak N, weil 
d^ E a t ü witang^ welohe durch die Dibk^ides Glaset 
ut« doch dnrq^i N;TolHu>iiunLen neutnlisht und gebmk 
Wenn aaan fortß&brt dnioh den' Leitex D EJ mxoBä 
wird dieQiiantit|ltdee4-E9 nm.wdlches P sunimmt, 
fetsnng 'oder Vertfaeihing eine« neuen Antheile des m 
Flnidwnn odev des OE. , das in ox und den damit veil 
EArpe^n ivorhanden ist^ bestimmen, aber sugleich ** 
^nsi^hnng vp|iN| das an Menge sugenommenhat^ i 
hnng mil'jdJM neue Theilohen p' , das su entweiclu 
snnehmen | wodttvoh dann nothwendig exfordert wiid^ 
Qmntitätn von 4*1^9 ^ dasjenige, was die WirksM« 
-f*E ^gen der Entfernung einboUbt, cta ersetzen hat/1 
wieder xonehme, nnd es wird endlich einZ^eitptMl 
ten, wo die Poition n; Tön .«{«»E gerade so vkt^ 
langt haben wird, als exfiNNleilich ist, nm dem "Wij 
der Lilft yoOkommen das Gleichgewidit zu halten. Q 
een Zeil^nct hinaus, werden . jJle neue Theilchea'l 
welche der Conductor D nach und nach liefert, aUl» 
weidhen (Ausströmen der Flasche) d. h. die Glasplatl 
statt deren die Ladungsflasche wird sich auf ihrem Si 
puncte befinden, denn alsdann kann kein neuer Antl 
£ in den mit o x verbundenen Kö'rpem zersetzt , keii 
zurückgetrieben , und kein n' angezogen werden , wci 
sta]>k als die Kraft von P wirken würde , um ein 1 
4- E y welches aus der Verbindung treten sollte , zuiii 
ben , eben so stark die Anziehung von N die auf Zur» 
des Theilchens gerichtet ist, entgegenwirken würde, 
man in diesem Zustande die Kette ab und berührt ( 
fläche ex, so verändert sich nichts, weil im Wesentli 
beim Alten geblieben ist, bringt man dagegen den F: 
gen die Oberfläche i n , so findet nicht weiter ein Gleic 
statt , weil dann nichts der Wirkung der Portion u dei 
ser ObeHlache befindlichen Fluidums das Gleichsew 
die nur durch den Widerstand der Luft zurückgehaltej 
wird allo iu den Finger als ein stechender Funke x1 
wie ihn <n|i gewtthnlicher Cöndüctor von jgbioher CN 



Theorie. * 407 

chem die freit E. dieselbe Spannung hXiXte , geben wiirde, 
i freie Spannung auf dieser Seite wird gänzlich aufhören. Die 
i U hingegen wird fortdauernd durch die Anziehung des 
ms N in in zurückgehalten werden, und das Gleichge- 
in^ird zwischen den el. Kräften in Beziehung auf die ver- 
;nen Puncto dieser Oberfläche in hergestellt seyn. Es 
iber auf der Oberfläche ox eine Störung erlitten haben, 
ie Portion des negativen Fluidums, welche durch dieAn- 
tg vonu zurückgehalten war, die der Finger wegnahm^ 
jhro nur noch durch die umgebende Luft zurückgehalten 
Die Oberfläche o x wird daher jetzt freie Spannung zeigen 
inen Funben geben. So wie man diesen entzogen hat, 
ibermals auf djsr Oberfläche i n sich freie Spannung zeigen 
Dy weil das P auf derselben, welches durch das N nur 
iOfe der durch den Finger entzogenen Portion vollkommen 
(den war, nicht mehr gänzlich im Gleichgewicht gehalten 
»Iglich ein verhältnifsmäfsiger Theil abermals nur durch 
Yiderstand der Luft zurückgehalten wird, und an den ge- 
Ktm Finger wieder einen Funken giebt, durch welches ab- 
uelnde Funkennehmen von den beiden Belefrun^en man 
gemäls UL c. die Platte oder Flasche allmalig entladen kann. 
Das Gesetz dieser allmälif2;en Entladunc; läfst sich nach 
* auf folgende Weise bestimmen. Es drücke in dem Au- 
licke , da die Zuleitungskelte und der Conductor von den 
n Belegungen der Platte weggenommen worden sind und 
ßh auf' der einen Seite , wenn die Ladung vom positiven 
tiqtor aus erfolgt ist , mehr + E , als auf der andern Seite 
ich befindet , 1 : m das Verhältnifs von E ; e aus , indem 
len eigentlichen Bruch, kleiner als 1 , bezeichnet und 
gevfrisse Function von der Dicke der Glasplatte oder über- 
des belegten Nichtleiters se'yn wird. Die Proportion 
= 1 :m kann man auch durch die Gleichung mE-^e = 
llen. Berührt man nun idie Belegung in mit dem Finger, 
rliert diese, wie schon bemerkt, einen Theil ihres +^' 
iagegen wird ein Theil von — e in ox frei, wodurch 
das Verhältnifs von e zu E gerade umkehrt, und so 
ea bei jeder we<?hselsweise erfolgenden Berührung d«r 



Trait^ de Phjsfqn« exp^rimenlalt tt malhrfniatique Tom» II. 
f. 



406 FUtcheu^ 

bcidtii Bd^aagn. finuA tun daktr Sm Mt^g» te'i 
nnd aack dra TMidiitdmMa B«riilinug«i in ^;,^ 

ia ud o< 

E • 

flo «rlifth man folgende Gleidiiuigen und Pkt>pottionai.. 
«B«?*es50 B:e=sl:m* I 

X'«*mesO •:S's=l:iB 

aiS'-*e'ssO r : e-ssl : m ^ 

wonou ferner folgt 
B'sm^B «'sm* e ssm^B 

B"s3m>rsie«B e"s=m*e's=m«'B. 

X — B's(l— M>)B e-*e'=(l— mVes( 

r-rs=(l-««>.la={l-.«')m»B; •''-e=:{l-.m»)e's=(l 
Die VeibM* Ton B., wekbe die Belegongeii is 
abweehednd dmck die Bexäkrang eileiden, bildeo 
•ImduMode geometriiGlie Beihe, deren erstes Glisd^i 
tuid deren Exponent m ist» 

An diese msthenimisehe Besdmmnng schlieftt 

telber eine gleich genaue Aestimmong des Geseües 

mehrerer Flaschen sqgleich an , deren ältere und inni 

gangen abwechselnd in leitende VerbincKingen gesetzt 

und auf welches ich unter II. h Torlanfig hingewiesea: 

A,B,C, seyen drei belegte Nichtleiter z. B. Glasplatten voa 

eher Dimension und Beschaffenheit, wovon je zwei • 

vorerwähnte Ait in leitender Verbindung sind, überdi 

die innere , oder sofern es Glasplatten sind , vordere Bd 

des ersten Nichtleiters mit dem Conductor der ElektrisinM 

die äubere oder hintere Belegung der letzten C mit dea 

in leitender Verbindung. Nach geschehener Ledung find 

gende Bedingungen statte 

für A mE — e = 

furAundB . — e + E' = 

für B mE'— c — 

für B und C — e'+r'^O 

für C mE" — c" = 

Daraus folgt E'=t=inE * 

E"= m E = m^ E 
e':;r=iu£'=m3£ 
e = m E = m' e s=s m * 



Theorie. 409 

mg der einzelnen Belegungen bildet demnach eine ab- 
Je. geometrische Reihe, deren erstes Glied und deren 
it m ist. 

e Phänomene der Entladung einer Flasche durch den el. 
dach IILa, der Vertheilung der Ladung einer Flasche 
. g , der Aufhebung der Ladung durch eine entgegenge- 
tach in. f erklären sich von selbst nach der hier aufge- 
Theörie. 

usgt man beide Hände auf einmal an die äufsere und in- 

legung, so fallen alle die Effecte, die bei der allmäligen 

ing successiv waren, gleichsam in einem Augenblicke 

len. Hierbei muls man sich vorstellen , dafs das -|- ^ 

n der Leiter, welche den Verbindungskreis bilden — E 

(■und -f-E zurücktreibt, und gegentheils das — E der 

ibgesetzten Belegung 4*E oder anzieht, und — E zu- 

ibt, die dann ihrer Seits wieder zersetzen, so dafs 

iim in abwechselnden Zonen diese Ausgleichung des 4" 

• von beiden Seiten erfolgt, welches man gewöhnlich den 

Kom oder, bei der Annahtne zweier Materien, die el. 

le nennt. Dafs indels auch bei dieser aus dem Gesetze der 

fihog von selbst sich als nothwendig ergebenden Art der 

ndlung doch eine wirkliche Durchströmung eines Theils 

t der Flasche selbst gebunden gewesenen und in der Ent- 

Bg frei werdenden -f" ^"d — durch die Leiter , welche 

erbindung zwischen den beiden Belegen bilden, statt finde, 

t sich daraus, dafs einerseits das -f" andererseits das — 

Sersetzung des nur durch seine überwiegende Quantität 

ken kann und also in dem ganzen Fortgange durch den 

ndnngskreis ein jedoch fortdauernd abnehmender Antheil 

Imem -f- und — der Flasche selbst sich finden mufs , bis 

sich selbst unter einander ausgeglichen haben. Auch läfst 

h bei einer sehr groüsen Geschwindigkeit der Bildung durch 

roUkommensten Leiter , wie die Metalle sind , recht wohl 

BD, dalÄ es zu einer solchen Bildung von abwechselnden 

n gar nicht einmal kommt. 

Dafs bei der Entladung dvirch einen isolirten Auslader kein 
lommenes Gleichgewicht hergestellt wird, sondern stets ein 
ml der E. derjenigen Seite , von welcher die Ladung aus- 
, im Ueberschusse sich zeigt, folgt nothwendig daraus, dafs 
ganze Quantum der jh E. auf dieser Seite mehr beträgt als 



410 Flasche. 

das 4! E , welches durch ersteres auf der entgegengesel 
vollkommen gebunden gehalten wurde ^ und folglich, 
das ■+• der einen Seite mit dem jjT der andern Seite si 
telbar oder nur mittelbar durch ^T, welches von dem ; 
dem Seite aus dem frei gemacht wird, ausgleich 
immer ein Theil + ohne ihm entsprechendes 4I frei blei 
Die Art, we die Stärke der Ladung von allen IJ 
abhängt, die auf dieselbe den Versuchen zufolge, Ei 
ben , leuchtet ebenfalls ein. Je dünner das Glas de 
oder Ladungsplatte ist, um so stäiker mufs sie sich ui 
gens gleichen Umständen laden. Denn einerseits wir 
53 ' der Seite i n mit mehr Energie auf das der entgegen 
Seite im Verhältnisse der geringeren Entfernung der bei 
chen von einander^ andererseits wird das — der Fläci 
da es in gröfserer Menge da ist, im Stande seyn diu 
Anziehung^ eine gröfsere Menge des -f~ auf der Seite i 
rückzuhalten , wovon die Folge ist , dafs der Sättigoi 
später eintreten wird , ials wenn das Glas dicker wäre, 
werden bei geringerer Glasesdicke die Quantitäten des 4 
weniger von einander abweichen, oder was auf eim 
kommt , die Quantität u , die dasjenige ersetzt , was 1 
des + ^uf der Seite i n 1 p in Hinsicht auf die Entferni 
liert, und die überhaupt eine Function der Glasesdicke 
im Verhältnifs des U kleiner seyn,. weil die Entfernui 
vermindert ist, und also bei gleicher Quantität u die Sui 
u-f-U oder die Ladung im Ganzen um so gröfser ausfal 
gestalt dafs die Quantität u Null seyn wird, wenn man ( 
des Glases verschwindend annimmt. Doch versteht es 
selbst, dafs in der Praxis eine gewisse Dünnheit nii 
schritten werden darf, weil sonst der Widerstand g( 
Drang der E., die sich zu vereinigen streben, zu klein 
vor Eintritt des Maximums der Ladung ein Durchbruch 
würde. Ob die Capacität einer Flasche oder Glasplatte 
eher Gröfse der Belegung sich umgekehrt wie die Gl 
verhalte, wie Cavendish ^ gefunden haben will, ver 
dels eine neue Prüfung. Da die Quantität, bis zu welci 
nehmen kann , eine Function der Dichtigkeit der Luft 
dem diese in dem Verhältnisse ilirer Dichtigkeit W 



1 Phil. Trans. Vol. LXVI. p. 196. 



Theorie. 411 

. bei grSfserer Dichtigkeit eSiier gröfseren Menge clat 
icht hält, unter übrigens gleichen Umständen aber die 
r Ladung sich nach der Quantität des u richtet, so 
Ibe Flasche in dichterer Luft sich stärker laden lassen, 
inerer, und im vollkommen leeren Räume kann eben 
ne Ladung statt finden. 

übersieht leicht, dafs sich alles was beim Condensator 
tcrt/or über die Ladung derselben, über ihre Gapaci- 
icität, angefiihrt wurde, ohne weiteres auch auf 
gsplatte und Flasche anwenden läfst luid dafs derCon- 
elbst nichts anderes als ein Ladungsapparat mit einer 
len Schicht eines Nichtleiters , so wie umgekehrt die 
iatte ein Condensator mit einer viel gröfseren Dicke 
eiters ist. Bei jenem ist das U im Verhältnifs gegen 
weitem beträchtlicher, oder seine Capacität ist bei 
)berfläche im VerhältniTs der gröfseren Dünnheit der 
D Schicht bei weitem grölser , aber das u darf nur ei- 
ichwachen Grad erreichen, und daher kann die Ladung 
ter getrieben werden, weil über diesen schwachen Grad 
ine Entladung durch die dünne Schicht von Firnifs 
Luftschicht erfolgt ; bei der Ladungsplatte beträgt das 
bältnisse des u viel weniger, aber das u erreicht einen 
heren Grad, je stärker der Widerstand der isolirenden 
t, welcher eben deswegen nicht zu geringe seyn darf, 
ganze Ladung auf einen ohne Vergleich viel höheren 
eben werden kann. 

Rückstand der Ladung DI. e erklärt sich daraus , dafs 
licht absolut , sondern nur relativ undurchdringlich für 
aidum ist. So wie die Ladimg zunimmt, wird ohne 
lehr und mehr das el. Fluidum durch die Repulsivkraft 
buchen in das Glas hineingeprefst, da sein Drang vor- 
inwärts gegen das auf der anderen Seite angehäufte 
esetzte Fluidum gerichtet ist. Im Augenblicke der er- 
adung gleicht sich nur dasjenige Fluidum mit seinem 
e aus, das sich im verdichteten Zustande zunächst an 
Sache des Glases befindet, da wegen der Hemmung, 
IS Glas der Fortleitung entgegensetzt, das mehr nach In- 
dliche nicht schnell genug hinzuströmen kann. Da 
die lepulsive Kraft , welche diesen Theil vorher noch 
drängte , durch die Entladung selbst entfernt ist , to 



412 FUsch!« 

zieht er sich mit dem Grn je freier Expansivkraft, die 
kommt, und die vorher im Gleichgewichre gehalten w 
mälJg nach aufsen, und giebt lu einer zweiten Entladu 
anlassung, da auch hier mit einem u ein U' im Verl 
steht, und man begreift leicht, dais bei grofser Capacili 
bei sehr geringer Spannung noch hinlänglicher Voir^lh 
drille und vierte Entladung vorhanden seyn kitnn. Dat 
von der Belegung auf das Gias selbst übergehe, kann ai 
ualeril. m angeführten Erscheinungen nicht bezweifeln 
Dafs das Eindringen derselben in die Sulistani des Gläi 
nur auf die ersten an Dicke gleichsam verschwindenden 1 
ten beiii-he, erhellet daraus, dafs nach C^yallo » Cid 
die kaum •^■^■^ Zoll dick sind, sich noch sehr gut lad»' 
lind ihre Ladung lange Zeit behalten. Unter günstigenü 
den mag indels doch eine Durohdringung des Glases oha 
hebiing seiner Cohäaion statt linden ktJnnS'n. Cahtou lad 
nige sehr dünne Glaskugeln von 1,5 ^H im Duicbmeäs« 
che ohngefähr QZ. lange Röhren hatten, und versiegelte n 
dem Laden hermelisch. Wenn man an diese Kug«lo, 
sie kalt waren , ein Elektrometer brachte, so zeigten li»' 
£., wenn mau sie aber ein wenig ans Feuer hielt, saU 
sie stEirk elektrisch und sie zeigten diejenige Art derfi.Ml 
ihre innere Seite geladen war. Wurde dieser VersucliÄ 
derholt, so verloren diese Glaskugeln bald ihre Kraft, il 
tuhig unter Wasser aufbewaht behielten sie ihre Knft 
lang. Dieser letztere Umstand scheint zu beweisen, i 
Wäraio nicht etwa das Glas zu einem bessernLeiter derV 
lenden Wirkung der E. macht, sondern zu einem bessei 
ter durch sich selbst hindurch, so dafs die im Innern ang 
E, sich allmälg nach aufsen zieht und zerstreut, denn C 
auf der autsern Seite befindliche E. die im Innern ang 
nicht ganz binden künnle, sondern dafs letztere bei diesi 
mäligen Durchgänge stets mit freier Spannung auftreten 
bedarf nach dera obigen keiner weiteren AuseinanderSi 
Aus der Erhöhung der leiteoden Kraft de» Glases durch < 
wärmung erklärt sick dann auch, wie sich die letzten 
der Ladung einer Flasche, nachdem die beiden Bele; 
durch einen An^der längere Zeit in Verbindutig gebÜelN 

1 ■. ■. o: I. Bd. S «P5. 



Theorie. 413 

schein bringen lassen, wenn man die Flasche erwärmt. 
ach diese kleinen Reste nicht im Stande sind , die lei- 
chiitterung zu geben , so kann man sie doch durch die 
des Gondeiiisaters sehr merklich machen , wie Read ^ 
»seigt hat^ 

starken Wirkungen der geladenen Flaschen in Erthei- 
tiger Erschütterungen , die kräftigen mechanischen und 
len Wirkungen derselben ^ haben nichts auffallendes, 
nan nur auf die grolse Capacitat dieser Flaschen für £. 
i ^cksicht nimmt , und dafs bei einer gegebenen Span^ 
Ji in dem Verhältnisse dieser Capacitat, die von derGe- 
xing der EL auf der andern Seite abhängt , weit mehr E. 
«dhen Oberfläche befindet, als auf der eines gewöhn- 
Sbiters, welcher blofs von der Luft umgeben ist. Diese 
Slräre Quantität mufs , da in der £?cplosion ihre ganze 
mkeit sich gleichsam in einen Augenblick concentrirt, 
im so gröfsere Wirkungen hervorbringen. Richtet man 
is^de so ein , dafs auch von den Conductoren der Elek- 
ktidnae eine verhältnifsmäfsig gleich grofse Quantität in 
Fsnkeii auf einmal zur Wirksamkeit kommt , so kann man 
^em sogenannten einfachen Funken alle Wirkungen der 
fiten £. nächahmen, wie Volta zuerst in das hellste 
gesetzt hat K Sehr lange und dünne Conductoren , die bei 
!^ Oberfläche eine viel grölsere Capacitat als kurze Con- 
en Ton einem grofsen Durchmesser haben , geben keine 
dende, sondern ganz dieselben erschütternden Funken, die 
die Brust dringen wie von kleinen Leidner Flaschen, wenn 
tit dem zum feuchten Erdboden oder in einen Brunnen 
Atn AWeitnngsdrahte in Verbindung steht. Steht man 
tm Uolsen Fufsboden von Brettern , und zieht man den 
n ans einem Solchen langen und dünnen Conductor. wie 
igte VoLTA*s 'y welcher 96 Fuls Länge und nur 6 Linien 
nrdimessei' hatte , so erhält man dieselben kurzen , röthli— 
zischenden und gleichsam fresseild nagenden Funken, 
^ man ans dem Leiter erhält, an welchem eine Leidner 



Sammary ^iew of the spontaneous Eleqtricity p* 16» 

VgL Batterie and Schlag, elektrischer. 

In seiner interessanten Abhandlang über die Capacitat der el. 

u. f. w. Alex. TolU's Schriften u^s.-w. ▼• Dr« Nasse. Halle 1803. 



mufa , erklärt diese Theorie auf folgende Weise. B i 
Boden im Gleichgewichte, also ist die Berühmng < 
wirksam. A aber giebt so viel £. ab , als der Stäike 
den Conductors gemäfs ist , weil es mit diesem gleicl 
nende Kraft hat. Dadurch geht fortleitendes Fluidm 
ganzen Apparate , also auch aus B hinein ; dadurch 
an ausdehnender Kraft, und kommt aus dem Gleic 
mit dem Boden. Berührt man nun B , so geht mit ei 
ken zur Wiederherstellung des Gleichgewichts eL Fli 
dasselbe über, dieses giebt die el. Mcterie an B ab, 
leitendes Fluidum vertheilt sich aber durch den ganze 
und gelangt also auch durch das Glas hindurch nach / 
durch wieder an ausdehnender Kraft zunimmt, undd 
gewicht mit dem Boden verliert. Daher kann 'man i 
einen Funken aus A ziehen u. s. f. So verliert A 
Funken etwas el. Materie , B bekommt aber bei jeden 
endlich durch Fortsetzung des Verfahrens beide fast 
haben und die Flasche entladen ist. Die plötzliche 
ist nichts anders , als eine schnelle Succession eben 
Wirkungen. Die Entladung aber ist nie vollständig 
el. Materie an die nicht' leitende Substanz sich fest an 
So genau auch diese Erklärung sich an die Ersi 
der Leidner Flasche anschmiegt, und von den wdcht 
dificationen derselben genügende Rechenschaft zu gel 
so stehen ihr doch aufser den Einwürfen, die ich unt 



Theorie. 417 

lieses unbelegten Randes sich auf der Oberfläche desselben 

defr Masse des tu demselben gehörigen Gases in verhalt- 

fsig -grOlserer Menge verbreiten und also der Ver- 

>ii eL Materie auf der entgegengesetzten Seite verhaltnifs-- 

geiinger ausfallen würde , gerade so wie bei einer Glas- 

die auf beiden Seiten in der Ausdehixung der Belegungen 

.jadoogsplatte mit Wasser bedeckt wäre, bei der Zufüh- 

iner gleichen Menge von Wasserdämpfen die Verdunstung 

«asers auf der entgegengesetzten Seite bei einer grölseren 

knuDg der Glasplatte geringer ausfallen müTste , weil we- 

Wanne von ' den zersetzten Dämpfen dahin gelangen 

; es miilsten sich bei gleicher Glasesdicke und gleicher 

t der Belegung und bei gleichem Zuflüsse aus einer Elektri- 

pialle die verschiedensten eL Zustände auf der entgegen- 

len Seite einfinden können, und die negative Ladung, 

Bdiglich von der Menge des nach der entgegengesetzten 

gelangenden fortleitenden Fluidums abhängt , in den ver- 

lensten Verhältnissen mit der positiven Ladung stehen, 

n aber nicht die geringste Andeutung in der ^Erscheinung 

. Da ferner zur Erklärung der plötzlichen Entladung durch 

ndongen der beiden Belegungen durch einen Leiter ein 

iiam instantanes Durchströmen des fortleitenden Fluidums 

, die ganze Dicke des Glases angenommen werden muJCs, so 

f daraus folgen , dafs die Ungleichheit in der ausdehnen-* 

jafi auf den beiden Seiten , worauf die freie Spannung der 

w geladenen Seite beruht, und wovon eben die Dicke des 

I die Ursache seyn soll, sich in sehr kurzer Zeit ausglei- 

, und beide Belegungen dann ein Uebergewicht von freier 

inng in Beziehung auf die im natürlichen Zustande befind- 

t Körper zeigen miilsten , womit aber gleichfedls die Er- 

Ig nicht übereinstimmt. 

Tön einer ganz andern Art , als die eben mitgetheilte , ist 
arklärung , welche neuerlich G. F. Pohl ^ im Zusammen- 
( mit einer durchgreifenden dynamischen Darstellung des 
tnismus, Elektricismus , Chemismus und Magnetismus von 
'hänomenen der Ladung gegeben hat, und welche hier 
Erwähnung verdient, da sie sich nicht auf eine bloüse An- 



Der Procelf der galrani«chen Kette. Berlin 1826. S« SS8« 
Bd. D d 



deutang tm AUgeMelnen beschrKnIit , sondetn In dx»! 
der Erscheinungen eingeht, und von manchen t-esem it»! 
land auf die sogenannten natiirphilosophischen Pornid 
noch ein Werth gelegt wird. Ihm zufolge ist die A 
ganz übereinstimmend mit dem Vorgange , welclier M 
■wenn ein Element der Ritter'schen LadungssSule* zwU 
Pole einer galvanischen Sfiule eingeschlossen ist. Dai 
leiter soll sich nämlich zwischen dem geriebenen C 
Elektrisiim aschine und dem Glase der Verstärkungsflat 
wie eine zwischen zwei flüssigen Schichten in der Ladt 
liegende Metallplatte in zwei Erregungszonen iheilen ; 
nach der Maschine hin positiv bleiben , nach dem Glase 
gativ werden , in gleicher Art soH die Leitung zwisd 
äursem Belege und dem Beibzeuge (der kräftigsten Art i 
nach jener hin positiv, nach diesem hin negativ, undi 
beiden das Glos in der Berührung mit dem innern Bei« 
ti,*, mit dem üufsem negativ erregt seyn. Je mehr di 
nung in der Erregung beider Belege wächst, und sieh r 
«um Ueberschlagen nach der entgegengesetzten Seite 1 
nm so beharrlicher tritt ihr die bindende Erregung ii 
■ut' seinen beiden Seiten entgegen. So wie aber dU 
den geschlossenen Kreis der Kette verläfst, tritt die M 
Heaclion des Metalls gewaltsam hervor, und dj.s (il=s 
nicht mehr so vollständig zu fesseln. Es behauptet s 
gegen die innere Belegung zu in der positiven £nega 
hält diese auf dei inneren ihm zugewandten Seite in de 
ven Erregung fest, aber nach aufsen hin ist jetzt dies 
legung durch Jleaction überwiegend positii^. Eben n 
Glas nach der Üufsern Belegung zu negativ , und also 
auf der innern , dem Glase zugekehrten , Flache posit 
nach aufsen hin ist dieselbe Belegung durch Reaction übe: 
negativ thatig. Wird in diesem Zustande eine von bei 
wa die innere , isolirt vom Glase aufgehoben , so 
durchgehends eine positive Erregung, die aber bei weit 
niehr so stark erscheint, als sie vorher während der Ve 
mit dem Glase war, weil der grOfsere Theil der übe) 
reagirenden positiven Thäügkelt in der frei gewordene 
ven Erregung, die so lange durch die positive Enej 

1 B. Galvaniirau! und SäuU, Volta'icke, ■■ 



Theorie« 419 

gebunden wnrcle, erloschen Ist. Bd der Entladung fiih* 

sine vollkommene IndiiFerenzirung statt, sondern dieses 

hliefsung einer Kette zu vergleichende Vorgang kann nut 

-löschen der überwiegenden positiven Erregung der in- 

lelegung in der entgegengesetzten negativen Thätigkeit 

Eseren zur* Folge haben , während die negative Erregung 

nern Belegung durch die positive des Glases , so wie die 

'e der äufsern Belegung durch die negative des, Glases ge- 

D bleibt. Nach dieser Schliefsung ist also das Ganze voll<« 

en in - dem Zustande eines von Beleg zu Beleg geschlossen 

Ilektrophors. Aber mit dieser ersten ursprünglichen 

(sang der Flasche geschieht unmittelbar an ihr selbst noch 

als eine blolse Indiüerenzirung der überwiegenden reagi- 

II Thatigkeiten beider Belegungen , vielmehr tritt das Gla» 

md der. unmittelbaren Verbindung derselben abermals mit 

Nene gereizter Kraft in gesteigerte eigene Erregung det 

ung der beiden Belegungen entgegen, und bindet aufsei 

\iitheile, der es vorher schon im Widerstreite mit dem mäch-» 

i Dxtnge der Reaction des Metalls gefesselt hielt , auf jedez 

) noch ein gewisses Quantum der in der Belegung theils vor- 

eneii, theils neu hervorgerufenen Erregung mehr, welche^ 

10 grölser ist, je gröfser die Intensität der Thätigkeit des 

en, und die sogenannte Ladung ursprünglich war« Un- 

Ibar nach diesem Momente binden sich alsdann , wenn die 

eisnng aufgehoben wird, die entgegengesetzten Erregungen 

eder Seite vollkommen , und es findet scheinbar das ent- 

denste Gleichgewicht statt. Nach einiger Zeit aber vermag 

}las dem Drange der Reaction des Metalls mit derselben 

jie der Thätigkeit , zu welcher es im Momente der Schlie- 

; gereizt wurde, nicht ferner mehr das Gleichgewicht zu 

D , es sinkt alllnälig wieder auf einen geringern Grad der 

jungsthätigkeit herab, und" das innere Beleg reagirt aufs 

! mit positiv, da» äufsere mit negativ thätiger Erregung, 

wie sich von selbst versteht , in schwächerem Grade als 

er ursprünglichen Ladung, und diese durch eine zweite 

dritte Schliefsung nur immer schwächer wieder hervorzu- 

ide und gleichsam eine neue Ladung darstellende Reaction 

»t das, was man gewöhnlich den Rückstand der Ladung ge- 

it hat, und was bei der gewöhnlichen Deutung als ein blofs 

lligcs (?!) Phänomen erscheint, während es dieser Ansicht 

Dd 2 



420 Flasche. 

xufolge in einem nothwendigen und gesetsmäfsigen ZoMnaiDc»' 
hange mit der Ladung steht. ^* 

So viele neue Kräfte und Wirkungsgesetze als hier poit^j 
lirt werden , um die Erscheinungen mit einander zu verkDÜf 
können nur zugelassen werden , wenn mit strenger Genanigl 
nachgewiesen ist , dafs die bisherigen Erklärungen auf lad 
Weise zureichen , und dafs eben diese Kräfte ein fiuchtbam! 
Erklärungsprincip nicht blofs für diese abgerissenen PhSnomo^^, 
sondern für eine grofse Mannigfaltigkeit anderer, theilf zo m 
Classe mit diesen gehörigen , theils verwandter £rs( 
abgehen , und dafs dadurch überhaupt unsere Naturansidtf«! 
Einheit, Consequenz und Schärfe gewinnt. Wie wenig ia 
indefs durch die mitgetheilte dynamische Darstellung gelatti] 
Verde , wie sehr alles Mafs dabei aufser Acht gelassen sejr, r ! 
von werde ich im Artikel : Galpanismus Rechenschaft ngefai 
suchen, in. Beziehung auf welchen G. F. Pohl*8 EiUnof 
d^rum Aufmerksamkeit verdient, weil sie Schwiengbitei ■ , 
Keben scheint, welche die herrschenden Ansichten übngliMlr 
Indefs durch den Widerspruch der Erscheinungen selbitri 
dieser dynamischen Erklärung , der sich schon auf diescifc: 
schränkteren Gebiete zeigt, mufs sie verdächtig werden. M 
nämlich unrichtig, dafs die positive Belegung , wenn aitW 
Glase entfernt wird , an Spannung abnehme , wie das Gegenii 
davon bereits aus dem im Jahre 1762 von Wilke* angesteÜ» 
Versuchen hervorgeht, und wenn das positiv erregte Glui* 
Augenblicke der Entladung gleichsam aufgereizt (!) mehr negaW* 
Erregung hervorzurufen und zu fesseln vermag, als später, wai I 
seine Kraft, (wie wenn es ermüdet würde, und nach den fr 
setzen des Lebens thätig wäre) wieder nachläfst, so bA 
die vorher positiv geladene innere Belegung in der Eni* 
nung des Rückstandes der Ladung vielmehr mit negdiff 
Erregung und so die äufsere Belegung umgekehrt mit/»«'**; 
f^er auftreten , wovon aber die Erfahrung abermals das G^' 
gentheil zeigt. 



t Schwed. Abb. für 1762 S. !S58 — 261. 



Theorie. 421 

Erörterung der Versuche mit der 
dner Flasche, welche zum Beweise 
Frau kl in' sehen Theorie gebraucht 
*den«^ und Gegenbeweise dagegen aus 
Igen bei der Entladung yorkommen- 
den Erscheinungen. 

Ue Fianklin'sche Theorie erklart , wie wir oben gesehen 

ii die Erscheinungen der Leidner Flasche ans einer eina^i- 
d. Materie , indem sie auf der positiven Seite einen Ueber-t 

inf der negativen Seite einen Mangel derselben annimmt 
Üe Endadung als eine Ausgleichung des Mangels durch den 
iüflab ansieht, wodurch bei ^x Proportionalität derselben 
'«tgleichung mit dem natürlichen el. Zustande dieser selbst 
l«or hergestellt werde. Dieser Theorie zufolge mauste dem« 

die Bewegung des el. Fluidums in der Entladung eine 
^itige Richtung von der -f" nach der — Seite haben , und 
äpnren dieser Bewegung und ihrer Richtung miiisten sich 
og mit jden Erscheinungen , die ein auf diese Weise sich 
elendes al. Fluidum , oder überhaupt eine nach einer Seite 
dd[ende mechanische Gewalt in der Erfahrung wirklich 
, in den Wirkungen , die von der Endadung abhängen^ 
er That nachweisen lassen. Einen solchen entscheidenden 
^ glauben auch die Franklinianer durch das Verhalten des 
dienschlages aufstellen zu kijnnen, und namentlich hat 
4LI.O mehrere Versuche dieser Art^ beschrieben, durch 
he diese einseitige Richtung von der -|- nach der — Seite 
Y allem Zweifel gesetzt werden soll. 

a. Man hat sich vor allem auf gewisse Erscheinungen, 
be Charten oder Pappblätter beim Durchbohren durch einen 
iMag zeigen, berufen. Der Hauptversuch dieser Art soll 
t von dem Genfer Lullis angestellt worden seyn. Man 
! eine Charte mn zwischen die beiden Spitzen desHenley'- 59. 
I allgemeinen Ausladers, so dals sie in einiger Entfernung 
einander beide die Charte berühren , die Spitze a , welche - ' 
Endaden mit dem positiven innem Belege communicirt» 

die Spitze d , welche mit dem negativen äubern Belege 



Yollst« Abh. Ister Bd, 8. 217 a. f. 



^eAanJen Ist, In «. Erfolgt nun der EntlaäungsScHiig, i 
üeht moo längs der Seite des positiven Drahtes a den Funb 
«ich bis zu dem Puncte X hinschlängeln , welcher i 
Spitze gegenübersteht, hier erfolgt die Dnrchbohi 
der negativen Spitze sieht man einen blofcen leuch 
Derselbe Erfolg findet auch statt, wenn die Flnsch 
laden wird, der Funke zeigt sich auch hier nur b 
Seite der Charte, 7U welcher der Drahl von der j 
ausgeht, PiCTET* stelhe diesen Versuch so an, 
e Seiten einer Spielcharte mit einem gleichschenkli 
aus Stanniol belegte, so dafs die Gnindlinien der Drei) 
den gegenüberstehenden Rändern der Charte liegen 
ßpitien auf den enrgpgengesetzten Seiten wenigstens 
von einander abstehen. Der Funke springt dann jedes 
der Spitze des Dreiecks, das mit dem positiven Bi 
bindung sieht, sichtlich bis dahin wo die Spitze ■ 
Dreiecks gegenüber steht, und durchbohrt daselb 
Mit dieser Probecharle stellte PicTET auch noch folgeniiwl 
<uch an: Er isoÜrte eine Verstärkungsflasche 
Knopf nalie an den negativen Condnctor der Elektrisii 
and hielt eine solche Charte, deren eine Slanniolbeleg 
rcr Raais mit einem kleinen Knopfe versehen v 
dern Seile so in den Fingern , dafs der Ivnopf sich nali! 
änfsern Belege der Flasche befand. Bei jedem f udU * 
zwJBchen dem Conductor und dem Knopfe der F~iasche endä 
zeigte sich auch ein Funken an der einen Seite derCliartt,« 
zwar stets an der Seite, an \velclier die Delegung sichbA 
die tnlt der Hand berührt wurde. Ein Bewreis , meint Piel 
dafs in diesem Falle aus dem allgemeinen Behalter, denl 
hoden, sich el. IMüterie in die äufsere Belegung der Flascht 
gofs, so oft ein Funken aus dem Knopfe der Flasche in dtü 
gativen Conductor übersprang. Das Entgegengesetzte fand 
als die Flasche positiv geladen wurde. So sehr diese VfB 
dem ersten Anscheine nach dafür zu sprechen scheinen, di& 
deutlicher el. Strom stets nur von der positiven Seite 
und nach der negativen hin gerichtet sey, so hat doch Tb 
durch eine sinnreiche Abänderung dieser Versuche zu 

1 G. XLtll. JIS. 

X Eband. XXIII. i3ß. 



l'heoric. ^ 423 

\t j claEi sich diese Erscheinungen auch mh der Annahme 
r el. Materien in lieber einstimm ung bringen lassen, wenn 
lur annimmt, dafs die atmosphärische Luft für beiderlei 
von E. ein verschiedenes .Leitungsvermögen (oder Isoli- 
rermögen, in welchem Sinne die nachfolgenden Bestim- 
Bn gerade auf eine umgekehrte Weise fiir jede der E. ge- 
len werden müssen) besitze , und «war für -|- E ein ohne 
eich gröüseres als für — E. Da unter dieser Voraussetzung 
nnendlich mehr Widerstand als -f-E beim Verbreiten durch 
mosphärische Luft hnden würde, so wäre es so gut, als 
te.die Oberfläche der Körper — E , und als hätten die ne- 
elektrisirten Körper selbst eine mächtige Anziehung zu 
y ungeachtet die Anziehung nur der in ihnen zurückgehal* 
ij — E zukäme. Hierdurch würden sich zugleich die Ver- 
denheiten der Lichtgestalten bei Spitzen und den Lichten-« 
sehen Versuchen erklären lassen. 

Um diese Annahme zu prüfen , wiederholte Trj^mert den 
ich unter dem Recipienten der Luftpumpe , unter welchem 
joh bis zu einer gewissen Quecksilberhöhe von ungefähr 
U ausgepumpt war. Die Charte wurde in einem Puncte _. 
nciibohrt, der ungefähr in der Mitte zwischen den beiden 59. 
m lag, und zu beiden Seiten d«r Charte sah mai> Licht- 
n. Er liefs dann allwälig die Luft wieder unter den Ra- 
ten strömen , und wiederholte den Versuch in verschiede- 
Dichtigkeiten. Kür jede, entstand ein Loch an einer andere 
, so dafs sich im Stücke yx der Charte eine ganze Reihe 
Durchbohrungen , die eine nicht weit von der andern, be-f 
Damit die Entladung nicht durch die früher gebildeten 
r gehe, mufs die Charte etwas in die Höhe gezogen wer- 
Manchmal entstehen bei einem Schlage mehrer© Löcher 
A; in diesem Falle sind aber alle Löcher so vertheilt, 
i unmöglich seyn würde, zu sagen , an w^elcher Seite der 
e und an welcher der negative Draht gewesen sey. Wurde 
»TSuch in einer Luft von noch geringerer Dichtigkeit wie-^ 
t, «olag der Punct, wo der Schlag die Charte durchbohrt 
näher- bei dem positiven Drahte b, als bei dem negativen 
der gröfsere Lichtstrom zeigte sich dann an der negati- 
ite. 

BEMERT schliefst hieraus 1. dafs das Leitungsvermögen 
las Isolirungsvermögen in einem umgekehrten Sinne) der 



\' 



434 Flasche. 

atiDOsphüiiiclien Luft Tiir positive und negativ« E. wesenri 
veTschieden ist ; 3> dals unter dem gevröhnlicben Dnicke 
AtmosphiiTe das LeinmgsvermHgen fdt 4" E ohne Vergleich i 
gröfser {oder das Isolirungsvermflgen ohne Vergleich viel get 
ger) ist als fiir — E. 3. dafs dieses Leitungs- oder Jsohnm 
■vermögen jedesmal nach einem eigenen Gesetze 
Dichtigkeit der Luft veyandert, so dafa für eine bestimmteDi 
tigkeit der Luft beide einander gleich sind , 4- daEj von di 
verschiedenen Leitungs- oder Isolirungsvermögen der Luft 
gewöhnlichen Drucke der Atmosphäre alle Zeichen herrüb 
welche zu beweisen scheinen, dals die Glas -Elektricitäl 
lieh positive d. h. Ueberschufs, die Harzelektricität wi 
negative d. h, Mangel an E. sey. Diese Erklärung 
vielleicht noch -weitere Bestätigung und AuflUänrtig durckl 
derholung des nämlichen Charten Versuches in Gasarten 
verschiedener chemischer Natur erbalten, da vorauszuselin 
daTs auch unter dem gewöhnlichen Luftdrucke das 
vermögen der chemisch sehr verschiedenen Gasarten Mcbfö 
• beiderlei Elektricititen sehr verschieden verhalten mOchtcK 
b. Man hat den Versuch mit den Charten noch von! 
andern Seite als einen Beweis itir eine einseitige Bidilvfl 
E. iu ihrer Bewpgung blols von der positiven Seite auijita 
zu m-ichen gesucht. Cough* stellte den Versuch so an, i 
die Spitzen der beiden Stannioldreiecke in der Mitte desChu 
blatte» einander gerade gegenüber standen. Als er eineul 
innern Seite mit -j- E geladene Flasche durch sie entlod, ^ 
das Loch der Charte an beider Seiten erhabene. Ränder, D« 
waren an der Seite nach dem positiven] ßelege zu die Ri 
minder hoch, als nach der entgegengesetzten. Dasselbe 
Statt, als er die Flasche mit— E lud, und sie durch die ö» 
entlud. Die Durchbohrung, bemerkt Gough, gbeh in 1 
den Fallen völlig dem Loche, welches ein Pfriemen in « 
dehnbaren Körper macht, denn er fand, dafs wenn er ein« 
weichem Hoke liegende Charte, oder eine unter einer Oeffn 
angenagelte Bleiplatte mit einer solchen Spitze durchstach, 
Loch ebenfalls zwei erhabene Ränder hatte , und immer n 
der Rand an der vordem Seite , durch welche die Spitie 

1 Vgl. Punktit, tUklriicher. 

I G. XLIIl. 2». -' » . i 



Theorie. 425 

g , minder erhaben nnd zerrissen , als der Rand an der 
n Seite* Diese vollkommene Aehnlichkeit sieht Gougr 
aen vollgültigen Beweis an, dals die el. Durchbohrang 
. einzigeii Strome, und zwar dem positiven zuzuschreiben 
Gii^BEHT macht hierzu die Bemerkung, dafis dieses nur 
gelten könne, wenn der von dem hineingesteckten Pfrie* 
«n der vordem Steite aufgeworfene Rand nicht durch das 
ipftziehen des Pfriemens, welches einige Krafr erfordert, 
^§lmS»X "wird. Pictet meint, die grolse Geschwindigkeit, 
£ntladungsstromes , die augenblickliche Retardation, 
er in der Materie der Charte erleide und die Trägheit 
Materie scheine hinlänglich , um die Erscheinung aus 
eilen Hindurchgange eines einzigen el. Stromes zu er- 

(en kommen gerade bei diesem Versuche Erscheinun- 
,. die eine solche Erklärung auf keine Weise zulassen. 
nUtn mehrere Karten, durch welche man einen Entla- 
jl^HcUbg gehen lalst, so findet man in der mittleren Charte 
^jßonu fnnea Loch , wie mit einer Nadelspitze gemacht, 
nach beiden Seiten aufgeworfenem Rande, und 
nach beiden Seiten die Charten mit Löchern durch- 
aber zugleich mit Zerreilsungen , die in dem Grade stär- 
als die Charten mehr nach aufsen liegen, xmd die Rän- 
ler Zerreilsungen von beiden Seiten nach aufsen gerich- 
ültLch Parhot^ soll diese Erscheinung beweisen, dafs bei 
fereinigiing der beiden E. gleichsam in einem Puncte auf 
lern. Charte sich eine gewaltsame Elasticitat entwickele, 
jher die beiderseits nach aufsen gerichteten Zerreifsun- 
»rriihren. Etwas ganz ähnliches zeigt sich auch beim 
Lche des Entladungsschlages durch das Glas der Flasche, • 
schon oben bemerkt, in der Mitte ein feines Loch ist, 
ih nach beiden Oberflächen des Glases hin mit sich aus- 
tder Zerreibung des Glases trichterförmig erweitert. In- 
it «ich die Erscheinung eben so genügend durch eme 
abtirechselnder Ausgleichungen des -f" ™i^ ^®°^ — ^^^ 
Seiten her erklären , indem das + von dem einen Con* 
her aus dem .0 der ersten Charte des — mit grofser Ge- 
Knnd in verhältnifemäfsiger Menge anzieht , wovon die Zcr- 



i kntretiens snr la Physique Y* 101. 



496 FUtoliek 

f I 

t 

riUfVDg dtf lofaeittsa Qiute abhängt, die nach de» •)" 
richtet seyn malii, dUe freigewordene — * das ^ au demj 
sweiten Charte und so fort, und eben so von der 
her auch daa— * das «|* deaO von der imCMraten Chaitey 
^ geworden* «— des dieser Charte , das 4~ dea der 
Charte n* s« L, wo allerdings dieZierreilsungen abni 
' müssen, weil jedes in der Reihe folgende Hh an 
lüger betrügt, als das ip, durch welches dasselbe fiengt 
gesogen worden, weil es sonst aus seinem nicht 
gemacht werden können« Auf keinen Fall lassen 
Erscheinungen mit einem einseitigen Strome von dem 
Copdnctor aus in Uebereiostimmung bxing^kl* 
^ Noch ein anderer Versuch über die I 
Charten oder Papierblättemi ^welchen Tbkmxb.i ^ an|^ 
findet seine genügende Rrklärung in der Annahme 
Ströme, und ist dagegen mit derjenigen eines 
Stromes nicht verttäglich. Wenn man ^eine starike jd»] 
durch mehrere auf einander liegende . Blätter Papieitj 
gehen läfst, so liegen die Mittelpuncte alier einsi 
meistentheils in, einer geraden Linie« Wenn man 
' während die übrigen Umstände die gans gleichen 
neu Streifen Stanniol in die Mitte zwischen die 
legt, 50 findet man nach der Entladung zwar ebenfalls 
I seinen Blätter des Papiers durchlöchert, jedoch mit dem^ 

echiede , dafs die geraden Linien , die durch die Mitte 
der Löcher derjenigen Blätter geht, welche oberhalb des! 
niolstreifens liegen, nicht mehr die Verlängerung der gl 
Linie ist, die durch die Mittelpuncte aller Löcher den 
Blätter geführt wird ; beide machen vielmehr einen Wii 
der geraden Linie zwischen der Durchbohrung in demo) 
und in dem untersten Blatte. Aus dieser relativen Nei< 
Obern und untern Schlufscanals folst, dafs der Stanniol 
gQ'in zwei verschiedenen Puncten durchbohrt w^ird. Es 5ef ( 
das Heft Papier und a b der Stanniolstreifen. Durch c 
Mitte von a b ziehe man p q senki*echt auf ab, v und i 
zwei von der senkrechten pq gleich entfernte Puncte, in' 
chen sich die Kugeln eines allgemeinen Ausladers bafiodc 
gen, der mit einer Batterie verbunden sey. Die eine s* 



1 G. XXXII. 31. 



Theorie. ^ 

r ticli mit 4" ^9 Indem sie mit der innem Belegung einer 
e in Verbindung stehe , die positiv geladen -werde ; die 
Kugel r werde eben so mit — £ erfüllt, indem sie mit 
erlf negativen Belegung zusammen hängt. So wie nun 
und — E im Momente der Entladung sich in die Ku- 
V und r ergiefsen, streben sie , einen Theil der natürlichen 
Streifen ab zu zersetzen. Da sich aber die Theilchen 
einzelnen entwischten Flüssigkeit wechselseitig abstolsen, 
sie die Theilchen der andern anziehen, so ist leicht 
euy dafs die Hälfte ac des Streifens mit negativer und 
e b c mit positiver E. geladen w^erden mufs. Es sey 
o der Mittelpunct der Kraft für ac und o' für bc. Die 
E. der Kugel v wird durch zwei Kräfte soUicitirt , de- 
ngen durch die Linien vr und vo ausgedrückt sind, 
t^'idcht blofs die negative E. der Kugel r sondern auch der 
-idesem Fluidum gleichfalls erfüllte Theil ac des Stanniol* 
tSens ziehen dieselbe an. Eben so findet für die negative 
Ijct Kngel r eine Anziehung nach der Richtung rv und eine 
böte xiuäi ro' statt. Streng genommen wird aber eigentlich 
|y»der beiden E. in v und in r von drei Kräften soliicitirt, 
tm in der That wirkt die positive E. der Ladung des Theils 
■inch noch zurückstofsend auf die positive E. von v , so "wie 
negative E* des Theiles a c das gleichnamige Fluidum in r 
Iblseu mufs. 

* Es folgt hieraus , dafs man sich fuglich die positive E. der 
f/fi V als von zwei Kräften zugleich sollicitirt denken kann, 
Richtung und Intensität durch die Linien vr und v-n aus— 
ickt -werden , indem v n nur einen sehr geringen Winkel 
er Linie vo macht. Eben so verhält sich die Sache in 
ung auf die negative E, in r. Wenn man nun zu vr 
n als Seitenkräften des Parallelogramm v r m n construirt 
eben so auf der andern Seite das Parallelogramm r v m' n', 
igt sich, dats die positive E. von v aus sich nach der 
li[onale v m , und die negative E. von r aus nach der Diago* 
k rm'*bewegen werden. Wenn die erste den Weg vz und 
("andere den Weg rz' durchlaufen haben, gleichen sie sich 
'jLem Metallstreifen aus. Es folgt also, dafs die über dem 
tnniolstreifen ab liegenden Blätter das Papier so durchboh- 
B werden, dafs die gerade Linie vz durch die Mittelpuncte 
Lnr Löcher geht und die Linie r z' auf ihrer Seite durch die \ 



• 



-<• 



\ 



«1 FUsehtf 

' » ■ ■ . • 

. t«r dnidibolurt. Da mm rs' raktbtihiwYiuiMiagmmg' 
liegt, so iniib Bodiweiidig d^ StumibUtrdfiui ia wmAi 
m vnd s' darobboliit werden. Die E n t fem upg miiiJMi 
s' wild grtifBer oder geringer tOTaf je nnehdopi nüni 
weiter von der senkrechten p4 *h oder ihi nähor nininilh 
▼ ond r in der Linie pq selbst liegeBi to mnsaoo düjj 
poncte beider Ldoher in einem einsigeo Pobcte c sie|) 
fieCiin I womit sach der sngestellle Venoch vi 
dem die beiden Löcher swei Kreise bildeten, dttren P< 
sieh dorchichnitten. Wio dieser Erfolg mit der 
•inseitigen Stromes in Ueberoinstimmmag sa bxingeli 
niftht ebsos^ben. 

• ' c. Man lisct sieh femer auf die Bewegung eines 

lofen, durch welche der Endadnngsschlag geht» 

aSmlich eine Wachskerse in den hohlen Cylinder 

de» dPgemoinen Ausladers iwischto die beiden 

da^ Znleitufigsdrähtei die etwa .swei Zolle Von- 

ekielien , 90 wird man bei der Entladuttg die FlMnmeii 

demjenigen Knoftfe getrieben sehen, weichet mit ds^j 

Sbite der Flasche in Beriihrung steht, sum Beweise , 

el. Strom nach dieser Seite hin seine Richtung hat. 

bemerkt aber schon , dafs bei diesem Versuche die 

gemein schwach geladen seyn müsse, gerade nur sovidlil 

sie eben im Stande ist, den Schlag durch den in derVeilHi 

leer gelassenen Zwischenraum zu treiben. Ist nämlidifii 

düng zu stark, so geht die eL Materie wegen ihrer eL SjÜ 

zu schnell durch die Lichtflamme , als dals sie derseliwl 

merkliche Bewegung mittheilen könnte. IndeCs habend 

Versuche bewiesen, dafs gerade der umgekehrte Efiw 

findet, wenn man statt der Flamme der Wachskerze diefl 

des Phosphors zwischen die zwei Kugeln des Ausladen 1 

imd dafs hierbei alles von der eigenthümlichen , positif 

negativ el. Natur der Flamme abhängt,^ wodurch dies« 

such vielmehr für die Theorie zweier Materien spricht^« 

d. Einen andern Versuch stellt man mit einer Kod 
an, welche man in ein zu einer Rinne umgebogenes rechte 
ne. CJxartenUatt, oder in eine Binne von wohl «lu^e« 



1 Tcrgl. den Artikel: EUkiricitHu 



Theorie. 429 

liCsten Holze auf das Tischchen des allgemeinen Ausladers 
en die beiden Knöpfe bringt, wovon jeder efwa -f Zoll von 
»rkkugel absteht, \ind dann eine Entladung hindurch 
Die Korkkugel wird in diesem Falle gegen den Kpopfp 
t dem negativen Belege verbunden ist , getrieben werden. 
bei diesem Versuche muTs die Ladung der Flasche ««bei^ 
JDTeichend seyn, den Schlag durch den in der Verbiurr 
liegenden Zwischenraum zu treiben , und überhaupt er-r 
k • derselbe eine groise Genauigkeit und Geschicklichkeit 
Illingen. Da indels bei diesem Versuche ein Zwischen* 
Pon Luft ist, so erklärt er sich leicht auf dieselbe Weise, 
tpr Versuch über die Durchbobrung des Chartenblatts. In 
■lldiinnter Luft würde ohne Zweifel gerade das Gegentheil 
mkif nnd die Korkkugel von der — nach der -J- Seite ge-» 
p! werden. 

If 'Man hat sich auch auf gewisse Lichterscheinungen be- 
^ 'Mmenttich eines Sterns oder Strahl^ikegels an einem 
be 'luftleer gemachte Flasche hinein ragenden Drahte, um 
ib Uiril^{ i Richtung der £. bei der Ladung und Entladung 
iftMseB| indefs hat man dabei ganz willkürlich den Stern 
|ft Zeichen einströmender E. anges.ehen, 

Rns' allem bisherigen sieht man demnach deutlich, dab 
ficheinungen bei der Entladung und die davon abhängigen 
■bgen , ^inreit entfernt für die Hypothese einer einzigen el. 
kiB dadurch neue Beweise zu liefern/' dafs diese Wirkun- 
Ibiid Erscheinungen auf eine einseitige Richtung eines ein- 
eL Stromes hindeuten , und zwar eines solchen , der von 
dtiven nach der negativen gerichtet ist,' vielmehr einen 
igesetzten Charakter haben , und zwei el. Ströme oder 
kbgen , die von beiden Seiten gleichmäfsig ausgehen, ver- 
Uebrigens verweise ich am Ende nochmals auf die 
Hz Schlage elektrischer j wo eine nähere Betrachtung 
nerkwürdigsten Wirkungen des Entladungsschlages neue 
ise für die dualistische Ansicht liefern wird^. P. 



Frieatley's Geschichte der £lektricität durch Kriitiitz. Berlin u. 
I 1772. aa mehrern Orten. Beckmann's Beitrage zur Geschichte 
rfindongen Istcr Th. 4te» St. S. 671. History of the Royal 80- 
by Thomas Thomson.* London 1812. Ghap. YIII. on Electrie- 
• 4S9. Die übrige Literatur findet sich im Artikel selbst. 



t 

I 



Fl«to]i«ii»|ig» 

FlaschexL'Birg.' ' 

^* ■ ■ 

Poly9pä$tu$ß polyspaston; Polyspafte, in 
PofyMpaston^ tadle. 

' -^DtrFlaiolieiisiig ist «ine imt den itkestm Zsitni Imj 

, niid - bis «nf -die nmiMlten hsiab allgemein «ngewttodte ■! 

•dhe Potens , «welolie bestimmt ist um gröber«: Lasten n 

^«ringereii Kraft sa heben» Schon Vithot^ redet tob 

Weiksenge ab einem bekannten, und Lcüfolv' in 

' die.ires^tlichsten derselben, tius Tirttdiem Wer^i» 
epttteten Schriftsteller' ihre Angaben entnommen habend 

f Beh gehört defselbe in die Mechanik; vail aber fiut 
Weher der MrfUk'dis Beschreibung des Flasche 
angenommen haben, so möge auch hier^dav 
diesto Gegenstand kons mitgMheilt werden« 

£s; lassen sich sweierlei Arten von FUtfchei 
scheiden, die gMsainen und' die Petenaflascheiid 
gehen von der Roik als ärem EUnil#nte:aiis, dentr^ 
luge Ansahl, anjE allen Fäll mebir als eine^ .wenn, 
nische Potetis hmrorgehen soll, in die Uns.böke] 
tallenen Scheiben bestehenden Flaschen vereinigt 
gewöhnliche Constniiction der gemeinen Flaschenzi 

WT] ff 

gf'dafa 2 oder 3 bis höchstens 4 Rollen in jeder Flaschi 
selben Ebene übejr<pinander verbunden sind, und dieD 
schnitte der sämml^chen Seile und der Rollen , letztere pl 
diculär auf ihre Axen, in eine gemeinsohaftliche EbeneJ 
Um hierbei den parallelen Seilen neben einander Raum fl 
schaffen , sind die einander naher liegenden Rollen der;) 
Flaschen kleiner, die entfernteren gröfser. Wenn die Ffcj 
2iige zum praktischen Gebrauche etwas, gr^^fser und fiirl 
Seile geeignet gemacht werden, so darf die Vergröüsei« 
Rollen nicht ganz unbeträchtlich seyn , und dennoch .i 
die beiden, sich zunächst liegenden, nicht bedeuten^ 
werden , wenn die Zahl der Rollen in jeder Flasche dr 



1 Als Erfinder desselben wird Archimedb« genannt. S. Ni 
Ton dem Leben und den £r£ndangen der berühmtesten Mathei 
München 1788. L 22. 

2 De Archit. Lib. X. c. S f. p. SSI. ed. Rode. 

S TheatEom mach, gen, pap. III. Tab. XXXV. and XXXI 



Flaschenzug. 431 

»trKgt j taii wenn gleich der mechanische EiFect der Fla* ^ 
;iige mit der Zahl der Rollen zunimmt, so beträgt dieselbe 
D gewöhnlichen namentlich im Bauwesen häufig gebrauph- 
aschenztigen dieser Art meistens nur zwei in jeder Flasche, 
de erforderliche Kraft wird verstärkt , indem mah an das 
nl des Flaschenzuges ein oder mehrere Pferde spannt^ 
dasselbe vermittelst eines Cabestan's aufwindet. Es 
In noch hinzu, dafs ein Flaschenzug jederzeit ein so viel 
Seil erfordert, je gröfser die Anzahl der Hollen -iM*^ 
er kostbarer wird und bei gleicher Geschwindigkeit 
[es am Seile die Lasten langsamer hebt, abgerechnet^ 
Säule durch den EinÜuTs der atmosphärischen Feuchtig- 
Irehet werden , und sich am unbelastet hätigendea 
ixnge nicht selten so in einander wirren, dafs- sie nur 
»r Mühe aus einander gebracht werden köhnen ,'- lAsbe-^ 
l-'wann sie zahlreich und die nächsten Hollen klein Ton 
»r sind. Endlich ist bei einer gröfseren Zahl von 
k\die Länge beider Flaschen zusammen genommen und 
ichere Höhe , wo diesemnach die obere Flasche be« 
Jiraden mufs, nicht ganz unbedeutend. Die Zeichnung 
in der Mitte liegenden Flaschenzug mit drei Hollen 
Flasche dar, wonach man sich den mit zwei und den 
grier Rollen in jeder Flasche leicht vorstellen kann. Dieser 
iltoe wird nicht häuüg gebraucht , und der mit einer Holle 
IJIer Flasche kommt überall kaum in Anwendung > Ferner 
m sich der Hegel angeme^ssen das Seil anfänglich an der 
Flasche befestigt ; wird dasselbe dieser Hegel zuwider 
untere Flasche gebunden , so erhält die obere eine Holle 
fds diese letztere, die Last aber wird allezeit durch so 
leile getragen , als die Anzahl der Hollen in beiden Fla- 
beträgt. , 

lie angegebene Unbequemlichkeit der eben beschriebenen 
d&enzüge , nämlich dafs die Hollen beträchtlich ungleich an 
Im seyn müssen, wenn man deren drei oder vier in jeder 
che anbringen will und die Seile sich nicht an einander 
^n sollen, führte auf den Vorschlag, sie sämmtlich von 
sher Gröfse zu machen, und in horizontaler La<^e neben 
ader zu legen. Diese übrigens sinnreiche Einrichtung hat g/' 
i Mängel , zuerst nämlich wirkt der Zug am Seile zunächst 
et auf die eine Holle an der einen Seite jeder Flasche , und 



411 Flafchensiig. 

bii dntelb^ sich dorok alle Seile foitpflemt, lumuMi 

eobeo ia eine schiefe Ricktung, welohee die 'Wiibii 

Appanles hindert-, and sweitens eind eile BolUmiMtf i 

sigen Aze befeetigl, welche deher entweder sehr f 

mde oder sich in der Mitte leicht hiegt. Dem letits 

gflr-limd laicht ebgebcjfen, wenn man die beiden Bi 

Blnsch^n oben und unten mit einem hiidängUch stad 

üficke Tsirbindet, tind jede BoUe von der eadenl^j 

Jfmgl$guk gestiiti^es Bleek von d«r erfoiderlicheii Did 

4m entere aber yeriiinderty dals man nicht fiiglioh^ 

ywvi.bis höchstens dKeiiRoIlen in einer Flasche anliiifl| 

' iaA^sondere wenn, sie wegen der Stadien Taue bsj 

IiMten, wie s.B« anf Schiffeui nicht scbmsl seyai dibfi 

gLmb«TOrs£ig|Ucher sind daher zwei andere tou dem b 

JUjKmavo«^ angegebene fiiniicbtnngen, worin erfi 

S0)4lbAn: erwähnten* Ax|»n %a yereinigen euohte« ^Diftf 

stattet, «die Zahl der Bojlen beliebig mi TsrvieUaltigsaii 

den Vortheily dals beide Enden des Sftiles in cBs I 

Flaschen .trefteAf wenn die Zahl de^ ^ebcn einandtKl 

p* Rollen eine ungerade ist, wie sich dieses gehört. ln| 

6£ beiden Fl^sdien befinden jiich dann zwei Reihen ^id 

von denen die einander zunächst stehenden kleiner sImJ 

ypn einander entfernteren« Indem übrigens die Zeicb 

Sache vollkommen deutlich macht ^ so würde jede wei 

Schreibung überflüssig seyn, und verdient blofs noch 

zu werden , da£s die eingeschriebenen Zahlen diejenij 

len bezeichnen , über welche in der angegebenen Kei 

das Seil gezogen wird , ind^m es bei der Rolle unter 1 

und s^m Haken 21 endigt. Die zweite Einrichtung ä 

von Flaschenzügen unterscheidet sich nur durch die Abä 

dafs die Axen der beiden Reihen von Rollen in jedei 

§ich in zwei rechten Winkeln schneiden. £s ist Ja: 

erforderlich 9 dals die Rollen von ungleicher Grölse s 

doch werden die einander zunächst gegenüberstehend 

stens etwas kleiner gemacht. Eine Vorstellung von ^ie 

richtung erhält man leicht, wenn man sich denkt, da 

Figur die beiden Backen , welche die einander zunächst 

den kleineren Rollen einschlieüsen , rechts um einen Qu 



— \ 
1 Ph. Tr. XLVII. m. 



Flaschenzug. 433 

igedrehet werden , indem dann d«is Seil in der angezeigten 
ang 50 durqhgezogen wird, wie die Reihenfolge der Zah- 
pgifibt, jedoch so, dafs es über die Rolle bei 6 hineinge-^ 
t und durchgezogen über die andere Rolle so geschlungen 
icn mufs, dafs es bei der Zahl 7 wieder herauskommt u. s. w. 
£ine individuelle Species dieser Art verdient noch eine be« 
exe Erwähnung, weil sie sehr gut im kleinen Umfange aus- 
lut werden kann , und dann Eleganz mit Wirksamkeit und 
Reinlichkeit verbindet, zugleich aber zur Demonstration 
Higlich brauchbar und namentlich für Chirurgen zum Ein-' 
Ben verrenkter Glieder mit Nutzen anwendbar ist. So wie 
diesen Flaschenzug aus einem in England verfertigten und 
Mthmend' schön von Silber und Stahl gearbeiteten Exemplare 
i^finem französischen Arzte kennen lernte , und seitdem wie- 
holt aus Stahl undMessin<]; nachbilden liefs, besteht derselbe aus v 
ai Flaschen, nur etwa 3 Z. lang, die untere mit 4 Rollen, 64k. 
■wei mit rechtwinklich über einander liegenden Axen , die 
Sen nach dbeii gekehrten Rollen 1 Z. die beiden untern i,*25 Z. 
Vhurchmesser haltend; die obere Flasche dagegen hat 5 Rollen, 
letn GtöGm den eben angegebenen correspondirt, so dals 
It hadet^ unteren die kleineren , die drei oberen die gröfseren 
dl Einige Schwierigkeiten hat das Einziehen des Seiles, 
tMfk man den Apparat nicht genauer kennt; es geschieht, in- 
h man das Ende des Seiles über der oberen Rolle bei 1 ein- 
ftt* dann unter der oberen Rolle der unteren Flasche wieder 
teskommen lafst und auf gleiche Weise nach der Reihenfolge 
len fortfährt , wonach das letzte Ende bei 9 wieder her— 

mmt, und mit dem bei 1 hervorstehenden anderen Ende 
einen Knoten vereinigt wird. Hiernach ist das Seil an 
der Flaschen ursprünglich festgeknüpft, und der Fla- 

xng gewährt die Eigenthümlichkeit , dals die bewegende 
an jedes der beiden Seil -Enden bei 1 oder bei 9 ange- 
fiht werden kann , oder an beide zusammen , und da hiernach 
preder ein oder zwei der acht Seile in Bewegung gesetzt wer- 
Ip woran die Last hängt, so ist im ersten Falle •^, im zweiten 
U be'wegende Kraft erforderlich, um das Gleichgewicht her- 
telleti, wie die Erfahrung mit der Theorie vollkommen über- 
Itininiend zeigt. Bei so kleinen, vorzüglich gut gearbeiteten, 
»mplaren beträgt die Dicke der Backen bei den Flaschen etwa 
7. Bd. £• 



4. 



434 



F^ascliensag» 



1 Lin. , der Rolle nahe 1^ lin. , und 
eine gute seidene Schnur gewählt wird, mid die 
Haken hitdänglich stark sind, so kann einü-X^ul mn 
200 ff oder 400 S niit dieTem kleinen flasdiABSiigp gi 
werden yTorausgesetst, dab das einfiuhe Seil SO S trigt, 
man im ersten Falle an. heiden^ in letzterem «a einsB 
xiehx» die Reibung vorläufig nicht gerechnet* t ' 

Der 'Flaschenzug , auf dessen Erfindung sich J; Wi 
Patent gehen liefe, war sun&ohst darauf bereeluMt^ 
hung au Terminderny welche die einzelnen RoUtn 
"berührenden Blechen der Kloben edeiden, wenin .dereaj 
rere parallel neben einander liegen« .£r 
PI- her statt einer beliebigen Anzahl solcher einzdn ^w, 
GSi chen Rollen einen £Legel mit eingeschnittenen RiuMtoi; 
* festigte diesen statt der Flasche in einen Bü^eL, und 
letztem .von gleicher Beschaffenheit ersetzten dann, den 
digen. Flaschenzug. Aus der Zeichnung ist erakhdklL, 
«das erste Ende des Seiles . an dem einen Ende des obtpa 
befestigt wird^ dann um die schmälste Rinne der 
gels läuft , und von hier abwechseln^^um die grOlaema' 
ren und unteren Kegels, bis das letzte Ende desselbenFi 
dickste Seite des Kegels umschlingt. Um die hierbei zi 
liegende Theorie zu verstehen, darf man sich nur 
dafs jede einzelne Rinne der Kegel eine für sich bewc 
Rolle von abnehmenden Durchmesser bilde. Würde 
letzte Ende des Seiles mit der erforderlichen Kraft heial 
gen^ so werden alle Seile zwischen der gesammten Zaid- 
Rollen verkürzt , alle Verkürzungen der gesammten Seile 
aber über die letzte Rolle , über die nächstfolgende lauft 
weniger, über die dann zunächstfolgende wieder eine \fi 
und so fort, bis ans entgegengesetzte Ende der kegelförmig 
einander gereiheten Rollen. Wenn nun die Peripherien, 
somit auch die Durchmesser der einzelnen Rollen im gle 
Verhältnisse abnehmen , als die über sie laufenden Seiiläi 
so 'wird die Zahl ihrer Umläufe gleich seyn , imd man dirfl 
also an einander fest machen , oder statt ihrer einen Kegel) 
Rinnen substituiren. Man darf also nur den Kegel von bdi« 
ger Höhe in so viel gleich hohe Theile abtheilen, als er eii 
Rollen ersetzen soll, ihn bei jeder Abtheilung cylindrisck a1 
hen, und in alle diese cylindrische Theile Vertiefungen 



Flasclienzug» 435 

er Tiefe einschiuedden , zwei solche ganz gleiche Systeme 
wachsenden Cylibdern mit ihren Axen in den Bügeln befe- 
nnd das Seil auf die/ angegebene Weise über die ent- 
«cn Vertiefungen schlingen , so ist der Fiaschenzug her- 
U Obgleich diese Idee im Ganzen sinnreich ist , und die 
ommende, als gleichmässig vorausgesetzte, Dicke des 
ilas Princip nicht abändert, so erfordert dieser Flaschen- 
ch eine genaue Fabrication, ein ganz gleichmär«iges Aus- 
n der Rinnen , und weil aufserdem die bewegende Kraft 
eine Seite desselben .wirkt, er daher leicht schief gezo- 
d, die Seile sich aufserdem da^^ wo die Durclimesser 
ertiefuhgen kleiner sind , leicht verwirren , und endlicli 
Ulk einen schiefen Zug und eine momentane Lockerheit wohl 
Pb eine nächstiiiedrigere Vertiefung herabgleiten können : so 
drnicht sehr in Gebrauch gekommen. Noch weniger ist die- 
•i^ der Fall bei einer Verbesserung, welclie Shuldham ^ iii 
rvchlag brachte. Dieser befestigte nämlicli in jedem Biigel 
i mit ihrer Basis verbundene JK.egel, welche nach beiden 
anS gleiche Weise abnehmende Vertiefungen hatten , be- 
iWjte die. .beiden Enden des Seiles an den beiden unteren 
Ü^len des oberen Bügels , führte dasselbe dann über die 
dehmälsig zunehmenden Vertiefungen der Kegel zuerst inl 
n und dann im oberen Bügel , sl) dafs die vereinte Mitte 
en in zwei Strängen über die beiden Ver^fungen aii 
Kgemeinschaftlichen Basis beider oberen Kegel herabgezogen 
». Dafs hierdurch die mechanische Wirkung des Fla- 
znges nicht vermehrt wird , obgleich er ein Seil von dop- 
Länge erfordert , ist aus dem oben gesagten klar , weil aii 
Seilenden zugleich gezogen wird, jedoch erfordeit daä 
sum Tragen einer gleichen Last nur die Hälfte der Stärke^ 
xugleich wird das Schiefziehen vermieden. Uebrigena 
er die von jenem angegebenen MängeL 
|,Um die Reibung aufzuheben, that Garnett ^ den Vor- 
fhig , und liels sich ein Patent darüber geben , die Spindeln 
P Rollen nicht in Löchern laufen zu lassen, sondern in einem 
hu6 voü Frictions - Rollen, welche er in die doppelt gemach- 



1 Trausact 6f the Soc. for the Encouragement of Arts Manafact. 

'. ixiv. ia9. 

S T. -Cavallo ausführliches Handhach der Eicpcrimental-Natur- 
re. A. d. F. TOn Trommsdorf. £rf. 1804. 8. 1. S7Z 

Ee 2 



ten Backe 


Stil eil o 


a« 


Eüge schon desw 


ege 


bung h»b 


n, we 


1 


g^n Stürlte 


wege 




1 jichlig, u 


nd ebpB 




Frietions- 


Rollen 




Heibiing 


ntstehe 


nd 


P nen abziil 


ciren , 


all 


weder zn 


klein 




1 sehr 711S. 


n in eng 


se 


H'efe dahe 


r unbedin 


■welche d 


e Anw 


ent 



■Flüs 



inkte. 



Dats die F 
faig nicht geii 
Itollenaxen A, 



scher 



tn »ne veihallnilsn 
die Durchmesser de 
licht eben klein seyn dürfm, ist i 
■> ^veni>■ \vird jetriDnd in Abrede stell 
n sebr gt-eigneteS'Mittet sind, dem 
en Hindernisss der Bewegung im A 
ein bei einem Flascheniuge «-erdHi 
yn müssen, oder das ganze Werk« 
tzt und zu unffirmlich dick aiufall 
gt der Meinung derjenigen Scluifläl 
dbnrkeit der Frictioas~KoileD bei S 
(lässig halten. 1 

te Art von Flaschenzii^en sind dia Vom 
■ren Benennung aus der spater zu erßrtert 
ihres mechanischen ElTectes entnommen ist. Als we* 
Unterschied, beider Arien von Flaachenzii^^en ist aa^ 
dafs bei der gemeinen die obere Flasche tinbeweglichJ 
lere dagegen beweglich ist, und dafs das Seil an 
sehen oder blofs durch Umschlingen um die Rollei 
den Potenzflaschenztigen dagegen nur eine , in ' 
letzte Rolle unbeweglich ist, wehrend meislens di 
einzi-Iiien Seile mit ihr^m einen Fnde an einen unbeW 
Körper festgeknüpft werden. Einen Uebergang zwiscl 
^■den Arten bildet die doppelte Rolle, deren Conslrocti 
\ Wirkungsweise aus der Figur ersichtlich ist, und w« 
geeigneten Fallen leicht und mit Vorlheil in Anwendi 
bracht werden kann. Eben so leicht wird die Beschallen 
jS-Potenzdaschenziige aus der blofsen Zeichnung erkannt. 
' fen hier die einzelnen Seile, in einer gemeinschaftliche 
calen Ebene liegend, mit einander parallel' herab, und 
an einem besonderen Halter mit dem einen Ende befeslij 
rend der andere durch den Dügel der nächsten Rolle ; 
wird. DaTs dieses nicht alles durchaus nottiwendig sey, 
sich von selbst; indem namentlich auf Schiffen, wo d 
Floschenzüg« zum Heben grofser Lasten auf eine gerin; 
am meisten gebraucht Averden, oft die Möglichkeit nie 
banden ist, jedes einzelne Seil auf die angegebene 'W 
befestigen. ..Nicht selten werden sie dann sämmtlich ii 
^«meinschaftlichen Puucte vereinigt festjjemaclit , so da 



Flaschenzug« 437 

kJetzte Rolle, übei welche das Endseil geht, ebendaselbst 

[igt ist. Wie ein solcher dann aussehe, kann man sich 

ohne Zeichnuno leicht vorstellen, _., 

' . ... FJg» 

Als eine Art umgekehrten Potenzflaschenzuges ist derjenige 6ö. 

iien, bei welchem die letzte Rolle, über welche das Ende 
ten Seiles herabgeht, beweglich, das andere Ende desSei- 
über festgemacht ist. Nach dieser letzten Einrichtung ge- 
lt er unter die Classe der Potenzflaschenzüge, insofern aber, 
obere Rolle festj die untere mit der zu hebenden Last 
;en beweglich ist, gehört er zu den gemeinen Flaschenzü- 
'ttiit denen er auch riicksichtlich seiner Wirkung überein- 
it. Indem er aber die Lasten nur zur Hallte der Höhe 
' , als bei den letztem der Fall ist, so kann er wegen die- 
j^bischrankteren Brauchbarkeit nicht empfohlen werden. Eben 
|hpMi Fehler unterliegt die folgende Abänderung, welche rück- 69, 
k^di der Festigkeit der oberen Rolle , der Beweglichkeit 
JF untere D und in so fern die Seile mit keinem Ende aufser an 
Ib Flaschen der Rollen selbst befestigt sind , mehr den gemei- 
fti bc&niiähleh ist, zugleich aber einen gröfsern Effect hat, 
ife dit letiteren. Wegen des gerügten F'ehlers der geringeren 
ktte, Warna die Lasten vermittelst desselben gehoben werden 
^nm, verdient auch dieser keinen Beifall. Dem eigentlichen 
feeDsflaschenzuge wesentlich zugehörend und an mechanischem p. 
Bbcte ihn noch übertreffend ist der weniger bekannte, bei 70. 
Vchem die Last an den vereinten Enden aller Seile befestigt 
blofs die Flasche der oberen Rolle unbeweglich gemacht wird. 
er nach der Zahl der Rollen die sröfste Last hebt, so ver-» 
er vorzügliche Empfehlung , und selbst darin liegt kein 
tliches Hindernifs seiner Anwendbarheit, dafs die verein- 
Seilenden sich leicht zusammentilrehen werden, denn da 
emeinschaftlich in die Höhe steigen , so bringt dieses dem 
nischen Effecte keinen Nachtheil , und die einzige daraus 
irachsende Unannehmlichkeit ist nur diese, dafs die aufge- 
hndenen Lasten sich gern um eine verticale Axe zu drehen pße- 
ta, w^e]ches aber ohne bedeutende Schwierigkeiten leicht ver* 
Mert werden kann,. 

Die Theorie der Flaschenzüge oder die Bestimmung ihres 
lectes bei gegebener Kraft ist sowohl bei den gemeinen als 
a Potenzilaschenzügen sehr einfach und unter den Mechani« 
orn durchaus nicht streitig. Wenn man von der Steifheit der 



•• 



410 



FlA«clieii^ög» 



wUt. Im Giascpi verliik lich «Jap di« List kai^ 



Ta^KÜgwi i|t der letzte, ein eigentlicher PotenT fletjfctffc Mg^i 
welchem -die Zahl der RoUei^ noch obendrein, willkü^ 
BMhit werden kann. Um- aeine Wirkungsweise xu 
,denhe WAjPich die oberstf Rolle ala nnbeweglicb'iied. 
«nr Aeadenmg derjenigen Richtnng beatimmt, in 
bewegei)4e «Kraft ihre Wirkung äufaert» wie dieeee-ha 
Achen Bolle' der Fall iat Die auf die unterate 
liHrkende JKnft ünlaert aich auf beide Seilendf^n 
ist plso in Bexiehung auf den Effect, womit diese RoDi 
tragende Seil herabsieht, doppelt, -wosu noch die 
Ining ^^ des, a^.,die Last geknu]pfte Seil kommt, 
•ie im Oanien dreifach; die hierdurch mengte 
wird durch- di^ folgende Rolle abermals Terdo|^»eIt 
- vermehtt, ist alao =79 durch eine dritte bewegUdil 
Ntfmliche statt, und sie wird. alao s=f5* £ 
Zahl der beweglichen Rollen n , so yerhilt sich dier]isit: 
das Gleichgewicht erzeugenden Kraft ^s 2 '^^ ^ — ^d ll^i 

Der in der Mechanik jäberall anwendbare , seSe4)j 
■llgemeiii bekannte Hanptgrundsats, dab bei bew^agend^ 
ten , namentlich beim Hebel und dessen zahlreichen Ai 
gen, diß ▼pi^ denselben durchlaufenen Räume und 
die Geschwindigkeiten zu den von den Lasten durchlai 
Räume und folglich auch deren Geschwindigkeiten in 
umgekehrten Verhältnisse stehen ^ findet auch bei den Fl 
zügen Anwendung. Hiemach wird also derjenige Weg, 
eher das letzte Ende des Seiles , oder das hieran als be 
Kraft gekniipfte Gewicht , zurückzulegen hat , sich zu de 
der bewegten Last durchlaufenen verhalten wie die Gröfs 
bewegten Last zu der-Gröfse dieses bewegenden Ge 
Bei den gemeinen Flasohenzü'gen findet man also diesen, 
bewegenden Gewichte durchlaufenen Kaum oder seine 
schwindigkeit , wenn man diese der bewegten Last äuge 
Gröfsen mit der Zs^hl der Seile multiplicirt , worauf die Last 
theilt ist» Dals dieses wirklich der Fall sey, folgt schon 
daraus, wenn man beiiicksichtigt, dafs die V^kürzungen 
gesammten Seile beim Heben der Lasten über die letste 
laufen , und daher der Zahl dieser Seile proportional seyo 
eem Bei dem oben angegebenen zweiten Smeaion^ecAenflMsä»'^ 



Flasehenzug« 441 

Jfilst sich dieses Theorem sehr gut daraus erläutern, inrenn 
^ceigt, dafs entweder die beiden Enden der Seile jedes mit 
gleich langen Theile über beide obere Rollen laufen, oder 
taach Festknüpfung des einen Endes die ganze Verkürzung 
düe eine dieser Rollen läuft, wonach also im letzteren 
die Geschwindigkeit dieses Seiles doppelt so grols, die 
Heben der Laist erforderliche Kraft aber nur halb so grofs 
ira&xif gleiche Weise kommt dieses Gesetz bei den Potent- 

Ezügen in Anwendung, und es mufs daher bei der ersten 
ichen Rolle die Verkürzung beider Seilenden durch 
eite bewegliche Rolle gehoben werden , mithin der von 
Hilft: durchlaufene W^eg der doppelte derjenigen Höhe seyn, 
ler die Last gehoben wird , und da dieses nämliche von 
siten beweglichen Rolle in Beziehung auf die erstem gilt, 
it der von dem bewegenden Gewichte durchlaufene 
fett nach den Potenzen der beweglichen Rollen. Indem die- 
dondsat^ also als allgemein gültig anzusehen ist , so kann 
^ umgekehrt die Wirksamkeit eines Flaschenzuges aus dem 
KlüOtnib der Räume nachweisen, welche von den bewegen- 
IftGewiditen und den gehobenen Lasten durchlaufen werden, 
Bdieses unter andern durch Leslie^ bei dem zuletzt beschrie- p 
MM wirksamsten Flaschenzuge geschehen ist. Denken wir uns ^ 




ch die oberste bewegliche Rolle zuerst für sich, sow^irddas 
Plie geschlungene herabgehende Seilende zuerst um so viel 
lAgehen müssen, als die Last steigt; weil aber zugleich die 
|b selbst um einen gleichen Theil des Raumes herabsinkt, 
der durchlaufene Raum hiernach verdoppelt, und w^eil 
die Rolle hierdurch der Last um einen gleichen Theil 
ert 'wird , so muls die Summe der durchlaufenen Räume 
eifacher desjenigen seyn, um welchen die Last gehoben 
Eben diese Demonstration gilt von der zweiten bewegli- 
Rolle , wenn man die erste bewegliche als ruhend betrach- 
y mithin ist der von dem über diese herabhängenden Seil- 
||e durchlaufene Raum der dreifache desjenigen, um wel* 
die Last gehoben wurde, und wenn jene erste ab be* 
ich betrachtet wird^ ein sechsfacher, wozu die erste He- 
der' Last mit 1 hinzukommt , folglich im Ganzen ein sie- 
iu 8. w. £^ folgt hieraus, dafs man bei den ge- 



1 ElcmenU of Nat. Philoi. I. 179. 



442 



Fiiegeu. 



meinen Piaschenzügen zwar durch Vermehrung der Rollen 
Seile an Kraftaufwand e gewinnt, eben 80 viel aber 
Geschwindigkeit verliert, womit die Last gehoben 
Hiemach lafst sich dann auch die gesammte Lange des 
berechnen, welche erforderlich ist, um eine Last vermä 
eines Flaschenzuges von gegebener Zahl Rollen auf eioaj 
stimmte Höhe zu heben. Heilst diese Höhe h, die 2M\ 
Seile, woran die Last hängt n, der Abstand der Axesj 
ersten Rollenpaares dann, wenn die Enden der Flascha^ 
berühren, a, des zweiten a' u. s« w. der Umfang dcri 
Rolle p, der zweiten p' u. s. w. und geht endHch 
woran gezogen wird, von der obersten Rolle wieder 
Boden herab, so ist die ganze Seiles -Länge 

= 2 (a + a'+ a" + ... + a*) -|- (p + p'+p"+..+p^)+li(w 
Bei den gewöhnlichen Potenzflaschenziigen hört das £m{ 
ben der Last auf, w^enn die erste bewegliche Rolle sich i 
obersten unbeweglichen genähert hat, bei dem zuletzt be 
benen , wenn dieselbe mit der die Last unmittelbar trageudni 
Berührung gekommen ist. Der Gebrauch der Potenzflasd»' 
züge, so grofse Lasten auch mit verhältnifsmafsig {ai|f 
Kraft durcli dieselben gehoben werden können, istÜff» 
sofern sehr beschränkt, als sie nicht gestatten, die Lastentt^^ 
ner beträchtlichen Höhe zu fördern. U^ 



Fliegen. 

Das Fliegen^ der Flug; p^olare; Voler; tofjj 

bezeichnet den unterscheidenden Vorzuji der Vöizel, du 



Schlagen der Luft mit den Flügeln sich in derselben sc 



m 



bend zu erhalten und fortzubewegen. Es ist dieses ei« 
den vielen Erscheinungen, die täglich vor unsern Augen 
sich gehen, deren vollständige Erklärung jedoch eine 
schwierigsten Aufgaben der mechanischen Phvsik ausmacht. 
Der Erste , welcher sich mit dem Flu^e der Vö^el anf 
gründliche Weise beschäftigte , ist der neapolitanische Profe 
BoRELLi in seinem an scharfsinnigen und neuen Untersucl: 
gen so reichen Werk de rnotuanimalium. WasNiEUWESTTT 
seiner Weltbeschammg über diesen Gegenstand vorbringt, 
nur von BoRELLi entlehnt, und zwar nicht zur Erklämng 
Erscheinungen, sondern nur in so weit es zu seinem Zwech 



Fliegen; 443 

^».Weisheit des Schöpfers in seinen Anordnungen ins Licht za 
, tauglich seyn mochte, Boreli«i* geht von der anato- 
n Untersuchung der Flügelknochen und ihrer Befestigung 
Er macht auf die Verschiedenheit in der Structur des 
erblattes aufmerksam, das bei den gehenden Thieren ein- 
igt, bei den fliegenden hingegen, aus zwei unter einem 
spitzen Winkel vereinigten Stücken besteht, von denen 
kh^vine durch mehrere Muskeln an den Rippen des Rück-* 
ft|m festsitzt , das andere durch feste Bänder mit dem Brust- 

RKOsammen hängt. Der Scheitel dieses Winkelstückes trägt 
fanne, in welcher der Oberarm des Flügels sich bewegt; 
lesen folgt der D.oppelknochen des Ellbogens und das Hand- 
le. Die Länge dieses Flügelknochens ist je nach der Be- 
iHinng des Vogels verschieden ; bei den Fliegern , wie Ad- 
Itt^ Schwänen, Schwalben, beträchtlich; (oft länger als der 
Körper) geringer bei der Henne, am unbedeutendsten 
Straufse. Er weist ferner auf den zarten Röhrenbau der 
lochen des Vogels hin als Beförderungsmittel der Leichtigkeit 
^4. ¥e8jdgkeit , und erörtert die merkwürdige Structur der Fe- 
mtn zur Dnrchschneidung und Aufhaltung der Luft. Sodann 
sigt er die Möglichkeit des Fliegenjf- aus der Elasticität der 
.vch den Flügelschlag comprimirten Luft,, die wie ein fester 
■den widerstrebe, und erklärt den Flug für eine zusammenge- 
3rte Bewegung, ,,au9 schnell uflederholten Sätzen durch 
m Lufi ". Die Brustmuskeln , die beim Menschen nur etwa 
kl sechzigsten Theil der übrigen Muskeln ausmachen, klein 
wenig fleischig sind, betragen beim Vogel an Ausdehnung, 
und Gewicht mehr als alle übrigen zusammen. Selbst das 
ibein, das bei jenen ganz flach ist, ist bei diesem mit ei- 
1^ winkelrecht aufgesetzten Wand versehen, und macht die 
||cistätte^ der gröfsten und kräftigsten Muskeln aus. Diese 



1 Joh. Alpli, Borelli Neapolitani Matlieseos Piofessoris de Mota 
nnalium cct. Von diesem classiscKen Werke sind 7 Ausgaben vor- 
pden; die ewte Romae 1680 und 81; die zweite Lu^fl.Bat. 1685; 
k dritte Genevae 1685; die vierte Bonuniae 1699; die fünfte Lugd. 
||b 1710; die sechste I^eapoli 17S4; die siebeute Hagae Com. 1741; 

itlich in 4to. Ob noch spatere existiren , ist mir unbekannt. 8« 

;h. für Astronomie. III. SSO. Die Abh. über das Fliegen findet 

auch in Le Clerc und Manget Biblioth. Anat. 1635. Fol. IT. 

and 890. 

'% Die beaten FJi^ger haben auch in der Regel die höchste und 



4M -^itogeik 

afatd'aik Gelenke d» Obenmu selbst bef«stigt, «nd tt«}i«nj 
■Itr ctwft um ein SaclUtel seiiiar Lüng« vom (Vntrum de^ U 
•b, «Mttrend dtm lio bviiii Htnachen «n d«r Rttlite deuq 
»ligfllMftet sind: dndortfa wM «ine altBa starke Ausspam 
Aieter Muslceln ▼»rhindert. Der Deltofdes, der 
cot Brlwbnng dat Atmet bestimmt ist , fehlt bei 
6taHb Ttifritt ein dünner, verlängeHer Muskel , der durchf 
OtQmng im Geleflke des ScÜullerknof hens den Fltl^el bi 
ffigffn d«n Büaken xtdtt; «Uc^ die Muskeln der Elll)oj!e 
liMdgsUnke , die beioi Mensoheh ra so wichtigen V( 
||lM'be«tiinint fiind, sind bei defi Vfigein von geringe 
tOng. Nachdem BonxtLi >ioh bediiiJit hat su ze'v^en, 
' MivmpUDct des Vogels im untern Theile des Körper: 
'find«, bemerkt er ganz richtig, dels dl« Vom F[ii^iel«:hli| 
drttpgte Lnftmasie einem k«r[feriiohen Secicir aue der FUeht 
FIBgeli und seiner Drehnng'gMch sey, unddafs derlrVi^tr 
d«r Laftaasse im Schwerpnncte dieses liflrperliclien S*tKn 
Vereifrige '. Diesen Widerstand leitet er einersols v 
Seilnmg der in allerlei Wirbeln in einander bewogttfii 
Aeile, Jiauptjächlicb dber von Ihrer Klasticität her,' 
'WükdBg mit der Gesciiwindigkf^t des Flügelschlags id 
eo.dafe, wenn diese der ' Schnelligkeit, mit weli« 
Loft «nsweicht, gleich ist, der Vogel schwebeni i 
ten wird, und je nach demVerhäitnifs dieser beiden Gcsdi 
digkeiten steigt oder sinkt. Durch eine Berechnung, 
lieh bedeutenden Einsprüchen ausgesetzt seyn dürfte, 
BELLI KO zeigen gesucht, dafs die Kraft der Muskeln, 
Menschen , zum Sprunge ei forderlich ist, nahe das J 
seines Gewichts betrage ; er glaubt nun , nach dem VM 
der Muskeln und der grofsen Leichtigkeit der Vögel Hß 
kelkraft der Letzteren heim Schlügen der Luft mit denl 
so ziemlich aufs vierfache jener Zahl setzen za können, t 
er folgert, dafs die Muskelkraft der Flügel das Gewidit 
Vogels immerliin um zehntausend mal übertreffe. ~ 
legt hierauf die Meinung derjenigen Naturforscher, 
horizontale Fortbewegimg der Vögel mit der Fahrt e 

fleiachigste Brust, ganz das Gegeotheil findet sich beim Straub: 
eine wenig erliabeHR Brnit, über dafoi eine beträchtliche Fli 
masae aar dem Ktickea hat. 

1 In ceatro ^raritatia sectoris lolidi. 






Fliegen, 445 

verglichen,, clas durch die Ruderschlage vorwärts getriebep 
; er bemertj^t , dafs diese Voraussetzung der Vernunft und 
ividenz zuwiderlaufe, indem die Flügelschlage immer in 
er 9 nie in horizontaler Richtung ftatt fänden , und, er-^ 
hingegen das Vorwärtsausweichen aus der Biegsamkeit der 
, vermöge welcher die Flügel beim Schlagen der Luft, 
Kuden aufwärts gekrümmt, die Gestalt eines Keiles an- 
n, an dessen schräger Fläche der Widerstand der Luft in 
itale sowohl als verticale Abtreibung sich zerlege. Der 
z diene dem Vogel nicht zur Seitenlenkung, wie die 
Philosophen meinten , indem er nicht wie das Steuer ei-; 
ffes vertical gestellt sey, sondern nur in horizont«iler 
yich ausbreite. Tauben , die man der Schwanzfedern be-^ 
wissen sich dennoch gut umzuschwenken , so wie auch 
ledarniäuse , denen dieses Werkzeug ganz abgeht. Der 
^ivaiiz diene nur zum Auf - und Niedersteigen , die Seiten- 
9biuig hingegen werde durch verstärktes Schlagen und gröfse- 
k jlnsbreiten des einen Flügels bewirkt , wodurch der Körper 
K-der änbern Seite mehr gehoben und schneller fortbewegt, 
irtun ani den weniger thätigen Flügel als Ruhepunct gedreht 
QHde; die Wendung des Kopfes und Halses habe hieran durch*- 
ft' feinen Antheil. Wenn die Kraft, fährt Bohelli fort, mit 
^cher der Vogel aufwärts steigt, seiner Schwere das Gleich- 
^ficht hält, So kann er wohl eine Zeitlang in der Luft hori- 
Uljtal dahin schweben, ist aber bald wieder genöthigt, durch 
;e Flügelschläge die schwindende Wurfkraft zu ersetzen, 
ihm der Widerstand der Luft durch Aufhalten des Falles 
itten kommt, so wie eine dünne Stalilfeder, im Wasser, 
sie nicht nach der Schneide fallen kann, nur langsam 
inkt. Eben dieser Wiederstand wirkt auch beim Nieder- 
einem allzuraschen Anstofse auf den Boden entgegen, 
der Vogel seinen Schweif möglichst ausbreitet, und 
iJU auch durch ein Paar schnelle Schläge der Flügel die Fall- 

rzu mäfsigen sucht. Dafs Meniuhm sollten fliegen können, 
JSoAELLi für unmöglich, vorzüglich deswegen, weil es 
Ben an den dazu nöthigen Brustmuskeln gebreche. Diese müfs- 
I der Analogie zufolge etwa den sechsten Theil vom Gewichte 
• menschlichen Körpers betragen , und mit den Armen eine 
raftäulsenuig ausüben können, die das Gewicht des Körpers 
1 zehntausendmal überträfe, da sie jetzt kaum den hundert- 



I _ 



441 Fliegen. 

itM' to^jifthc» Gewicht* «n tnigen TisniiilgtffaV ]Mr'l9^9i 
ttSdBdfe'einer lüftleerenrBiue oder hohlen Kugel wjSzm 
ley eb«B[-M wenig MiefahAlir; < Diese ntöfate vien^^betröd 
GWI^'^'und Von Metall sejhnr, kennte aber Weder mit 
tflOi[ein'*'ipnenniatifdletf Aj^tate; noch äMli ^mch Fiäl 
i^kiikiäb^' Ittftleei'-^^Miacbrweitlen;^ ikM-^det/Dmck i 
Winde ein solches dtinnes Oefiils bald s^abAdeWdrttckem 
iR^nn allei' diesesf zä eireldii^n «lände> eö i^HIrdcPdie Kii| 
%e^&er* au schwer bleiben, und an der Erde "kleben, c 
Fall lie su leicht wüte ; eich- in die' Rilgion d«r W6lketa fe 
QjM'|^tei<^'dieitof^etä'^lHiks9inek SpirfHv^k'aer.Wid 
^''^' («nii'l^hti aäfsBöfiiBLti {[leich bei'HUrblrstiBttUntets 
kHhen wm^mlteken i]UM!and'1iberleh«»,'^die;£k^ 
irnf^&bt, lind miVi^eifaN&WirdigeniEtkMhÄgön he^ 
^ne eigtndichcf Th^otie- des Flnges ^prAtVon demÜM 
Bestalnde der MecU^nik nicht tw Vrwarten» '^Die^e wiM 
lOÖ Jähre später 't^n demi- PrenfsiscKeA €oiisistöiiafaaliiil 
SiLlixRSCHiiAG^ t&SQcfat.' 'Steine Abhattditui||f;isf jeleä 
dftrch'die^enigestr^^ cahlreichen praktischen 'BeaiHi 
a£i von 'tlteoretischer' Seite interessant; -Eifi Mi&giÜi^iJ 
^li»ildh.':ria Anfang -derselben *ttlacht, leitet' Um auf den cM 
feilenden Satz: „dafs dei'' 'Widerstand^ der Luft sich Sil 
Cubi der Ge^hwindigkeiten der in ihr bewegten Körper v« 
Da» specififche Gewicht des Vogels wird = 1 , und da 
der Luft zu -y-^xr ahgeriomriien , weil , wie der Verf. sie" 
drückt, die Vögel meist in hfiherer und dünnerer Luft: 
ben. Von der Lage des Widerstandspunctes ist keine 
und die Geschwindigkeit des Flügels wird auf de0 
bezögen , den seine äilfsetste Spitze durchläuft. So u 
chend diese Theorie ist, so schätzbar wird dajjecren S 
SCHLAGES Arbeit durch itaricherlei eingestreute praktis« 
roefkuTigen und besonders durch die Data, die er über d' 
eines zahmen Adjers mittheilt^ Dieser wog 8 S* und sc 
am Fufs eine vierpfündige Kugel nach ; die Länge seinei 
Von Spitze zu Spitze (den Leib nüt inbegriffen) bestia 
Äu ßFüfs (Rheini.?) ilire Breite zulj-F. Den Schwingufij 
des Flügels setzt er auf 19 Zoll vom Gelenke ab , die 



1 Sphriflcn der Öerl. Ges. NaturfoifscTi. Freunde 1734. 
S. «14 — 270. 



Fliegen. 447 

ie Bmstmuskelh axn Flügelarm angewachsen sind zu |>ZolI: 
.HS berechnet er, da das halbe Gewicht des, Adlers mit der 
I 6 Pfunde betrug, die Muskelkraft eines Flügels bei jedem' 
Ige auf 152 Pfunde , also nur auf das 38foche seines Ge- 
|6, "Was freüich von Borelli's übertriebener Schätzung 
dbsteht. 

EJngleich vollständiger, un^ wissenschaftlicher behandelte 
D Gegenstabd der Akademiker Nie. Fuss in den Petersbur- 

kschriften vom J, 1799. ^ Nachdem er die wesentU- 

• ■ - ... 

immungsstiicke des F.luges, fiij* irgend eine beliebige „. 
der Flügel hergeleitet hat, bleibt er b^i der Figur eines* 7i, 
stehen , dessen Fckpuncte das Schultepgele^k des Flü-r 
das Ellbogengelenk P und seine Endspitze Q sind; und 
seine Formeln auf die von Silberschlao gegebenen 
,• Endlich widerlegt er die Meinung JEIein^old Für- 
* , dals der Vpgel eine Art Luftballon sey, welcher durch 
PTerdHnnung der Luft in den Knochen , und durch Füllung 
Rnben mit einem durch den Respirations - Procefs erzeugten 
Mjßfn ({3)Iogistisirten) Gase, sich erhebe. Es sey p das.Ge- 
Sit eines Volumens Wasser von der Gröfse des Vogels und 
■tti, TfieFoRSTEfi. annimmt, ein Fünftel dieses Volumens in 
I^UDgen und Luftbehältern besteht, so wäre das Gewicht 
"Vogels (vorausgesetzt, dafs die Höhlungen atmosphärische; 

E enthalten) =^p -f- iE» oder wenn sie gar mit einem 
leichtem Gase gefüllt waren =:: 4 p 4- JÜL mithin ist 

^ •^ ' 10.800 

[nterschied des geringsten Gewichts des Vogels , und des 



ten der umgebenden Luft = | p + J^ = «^ P =^40^ri 7 

Vogel bleibt dem ungeachtet noch um 0,8 seines Ge-r 

schwerer als die Luft, die ihn tragen soll. Selbst bei 

[glaublichen Voraussetzung , dafs der Vogel nicht schwe- 

, als die Luft nahe an der Erde , würde ihn doch die 

irung der Luft in seinen Knochen um -^ nicht höher 

Fufs exhebeni 




4 , » . 

i Nova Acta 8oc. Scicnt. Imper. Petrop. Tom, XV. 1806. p. 88. 
^ Neae Theorie über den Flug der Vögel, nach den Grand-* 
■^ der Hydrostatik. Berliner Mouatschrift October 1784. 



448 Fliegen. 

Es werde liir eioeo gegebenen Abstand x Toa Du 
puncte de» Fliigeb &eine Breite durch y bezeicKnet. 
Jydx die Oberfläche desselben ausdrückt, wobei G*$l 
Gröfse desselben durch eine Gleichung zwischen y cc 

F. «eben ist; M hAifse sein Tra;4heitsmonnent in BezieÄ 
IC* ^ " 

7t. die Schwingnngsaxe. Femer bezeichne O A die La^e i 
gela t'cr dem Schlage , O U nnch demselben ; der dard 
Winkel AOU scy =7;AOM = d. 3Ian setze die T 
geschwind jgkeit des Flügels für einen gegebenen Pimctl 
als Einheit angenommen) =u, die Dauereines einfaclH 
gelschlages =t, endlich sey TI das Moment der grcil^ta 
w^elche der Vogel auf den unbewegten Flügel ausüben, 
die gröCite Geschwindigkeit, welche er dem Puncte DA 
gels mittheilen kann , wenn dieser keinen ^Yiderstand u 

winden hat; so ist Ull ^) das Moment der Krafi^ i 

der Vogel in der Lage O U auf den Flügel ausübt. Die 
kelgeschwindigkeil In dem Abstände OZ = x, wird = ai 

dieser Geschwindigkeit entsprechende H()he = ; \f) 

die Fallhöbe der Körper in der ersten Secunde bedeutet. I 
der Flügel im Wasser bewegt, so hätte das Element ia 
gels ydx einen Widerstand zu erleiden, welcher ycvxü 

sis und zur Höhe hätte. Dieser Widerstand ist a 



4- 



u2x^ 



ö 



4ii 



yt/x, und sein Moment in Beziehung auf di 



o 



U2x2 



MI\ = .xyt/x. Setzt man die Dichtiiikeit der L 

derjenigen des Wassers =n: t, und nennt y'x^yc/x 
und /x-^y^/x =:B, so ist der ganze Widerstand, den (1( 
gel erleidet, oder die Kraft V, welche den Vogel in Bev 

1 n A n^ j ., TVT n D u2 ^_ 

setzen kann, = , und ihrMoment = — ; . We 

4 Ji 4 <T 

her diese Kraft als senkrecht auf die Fläche des Flüf 

Puncte C wirkend gedacht wird, so findet sichO C aus de 

TT /-io nüu^ nBa2 B 

chungV.OC = — — ;oderOC= =-_. Das 

4g 4g.V A 

heitsmoment M des Flügels ist, wenn wir seine Dicke als ; 
förmig =d annehme^ , =d/x2yü^x; (für x = Ü bis x- 



Fliegen. 449 

1 hat tnan nack dem Grundsatze der Beschleunigung 

r-;2=^W ö] 7. 5 danunu = --^, so ist 

UX* \ u^ / 4g dt 

^ = u*c/t*, und wenn man differenzirt, dq)d^(p:z=zududt^f 

^idL £/t ab constant gedacht wird. • Dieses giebt — ^=z ?, 

che in c)biger Formel Äubstituirt, sie in 

EL" jv— — ; — = il — u* ( — ^ + 7— )' verwandelt* 

2 2g ^y Va^ 4g/ 

Auf 2g/il , nB\ -ign 

man «uy. Abkürzung -^ ^-^ + j-^ = h und -^— = ^, 

It die Gleichung folgende einfachere Gestalt: 

uü^u 4: ' "^ ^9 = f^dg), 
lÜtse Gleichung zu integriren, multiplicire man sie mit 

'V, (wo e die Zahl bezeichnet, deren natürlicher Loga- 
hwus = 1 ist) und man erhält 

'^^9udxi+2Xn^e^^^d<p=2fie^^Vjq)^ deren Integral 

t e^^'u^^J^Tc + e^^^^V wobei die Constante C 

Ulft dieBedingung bestimmt wird, dafs für ^ = 0, auch u=0, 
pC=^— * 1 sey, woraus man folgende int egrirte Gleichung erhält : 

riebt sich aus derselben erstens : 

^M — e ^1, und hieraus der Widerstand , den 

.uft dem Flügel entgegensetzt 
-r- =-^ (l — e ™|, endlich das Zeitelement 

4g 4Ag \ /' 

B — ^Y ^— , . ■ '' _ ~ , dessen Integral die Dauer ei- 

kflngelschlags angiebt. Setzt man zu diesem Ende 

\Xw . ^9> Xcpz^ + l 1. 

( ^ — l = z — e ^, 80 ist e ^=-7r ; nuthin 

» 2z ' 

ies snbstituirt, wird 

r. Bd. Ff 



und indem man den Winkel 9 wieder einsetit. 
t=.prj^.log.^e T +; ru* ^/rrlyr wobei fiir f 





euch t=0 wird» eho Jkeine Conitanle erfinrdeilicK ist. ri 
^^ Nimmt man dem Obigen si|folgean| date der Flügel 
ich nahe einem Dreieck gleich sey, das durch die, deoj 
hnugspanct O durchschneidende Qaeraxe OD halbirt 
wird 0D=«, PQ=ft:bjt ÖZ«=^, BF=y, unä der 

PDO={^; und dk x:y=3sa:b, so ist y = • Das 

dei FlJigelfläche ist wm y dx • Sin. ( , und so erhalten mä 

. A=»/x«yrfk.Sin.j;(y;^^^=*.«b.SinC ^ 

M;s 4fx*rdx: Sin-C r[^^^J)W»*bd. Sin.? ' 

Fig. B * " 

72. Hieraus wird O C = . = } a. 

Will man die Steigekraft des Vogels bestimmen, 10 1 
man den Widerstand V, der in der Richtung VI wirkt 1 
den Richtungen CG und CH, von denen die eine horitfl 
die andere vertical ist, zerlegen. Dieses giebt 

CG =V. Sin.((J + y) und CH == — V. Cos. (J+g^). 
Das Moment der erstem Kraft muCs das Moment des halb« 
wichts des Vogels nothwendig iibertreften , "W'enn es sH 
soll. Bisher haben wir die Geschwindigkeit u, die Kn 
und die Zeit t durch den Winkel 9 ausgedrückt. Wollte 
umgekehrt u, V, und tp durch t geben , so haben wir 

1 1^ X ju = log. ^e +f e ^^ — 1^ , mithin auch 
e =e*t-/e ^ — 1, und hieraus 

was man auch durch e ^ = Cos. hyp. t y* X /u geben kam 



f 

I 



Fliegen. 454 

:. Und so wird der Winkel - - ^ 

■J- I«S- 1 2 — ~ — ^Ji'^k ^^5' ^^^* ^^' t r A fi. 

yif8cliwilidigk^itü=±=f[^^Yl: — e~.?| ^V wird ^ 

'{1 - \ ■ ■ ' 

i^:' .? . , .-1-1 . '■ 

Oft es: schwierig seyn dürfte^ die; obeir vorausgesetzte 
ilB GeschwindigkHt a anzn«»eb'en , ' so ist es einfacher , jnit 

deFSä|b«n statt JIll — r^r I schlechtweg. U" zit 



tn. Dieses ändert nur die Constante 'X, die n^n=B^ '^wird. 



ht man IT = f P. wobei P die ^Muskelkraft selbjrt und-f ih- 

• gf' 

M 



2 afp 

Hebelarm bedeutet, so ist '/m= t^ . Alles Uebrige bleibt 



- . ! •.. ■ ; :• '* ■ ■. •■ • 

Nennt man ferner p das Gewicht des Vogels und y die Oe*. 
landigkeit, die -er haben mufs , damit der Widerstand der 
P diesem Gewichte gleich werde^^Jüt sodann v die 6eschw4n- 
ät des Aufsteiaens, welche nach einem Fhii»e, von t Secun- 
dem Widerstände R entspricht, so hat man , da die"Wi"" 
knde den Quadraten der Gf'scliwindigkeit proportionalsind, 

y2 : V* , mithin R = ^ . Die gröfste Wirkung der 



7^ 



»Flügel ist- 2 V=2^=^^. Dieser Kraft steht das 

icht des Vogels p, und der Widerstand der Lnft Ä etitgegen. 
haben also folgende DifferenzialgleichuDgen aufzulöi»en : 

^v= ^^ ^ (2V — p — d) oder auch 

1 — T-j ), aus dieser ergiebtsidt, 

3fP 

I man = « setzt, 

ap 

Ff 2 



Flitgüh. 



Die Integrile dkj|Mr beiden Fonneln sind 'weecniidiGhni 
den, je nach dem Werthe von c, welcher bf^.yencUi 
Vtfgeln , je nach ihrer Natnr, nach Gestalt und GtoIm A|ii 
oAl ihrer Mnskelkraft, und seihet bei dem ^KtÄticfaenTii 
nach seiner Belastung über sein eigenes Gewicht hiiufl 
sehjie4ta seyn lump. Istc^li so gik die^^rslel^ö "^ 




Intenrdl » aaG = — J^^ ,i Ate. Tang. — -7 

wobei. die Constante C so sn bestimmen ist, dals SSat de»! 
dar Aetw^gdng^, wo t yder Anfiujigsgescliw&idigkeit .0 ^ 
die Zeif % verschwinde. 

'^-^I^ieses micht die'CbiistinfeB; ^ ' * ' 

*= ^ ■ " Z. '■ I Are. Tang;- — ^ - — Are Tg.-ra 

2gKl — «L * yrT=^s *3 



2gri— «L *" r 

oder mit Benutzung der bekannten Reductionen trig« 
scher "Formeln 

i 

^ = J^ i - Are. Tang, ~y ^\^ ^ welcher 

2gKT=^E ö y2^1_,)^^^, WelCMT 

druck hinwiederum uns die erhaltene Geschwindigkeit 
nämlich 



cyrr=^-y* (1-0- Tg. ^lOizf 

y 

2gTfT=n 



y|0— 7+c. Tg. 



• 7 
Diese . kann erst nach ' «inei ' gewissen Zeit 

J! — - « 



Are; Tg. 



- 2g.rT-*. " yri— e 

Null werden. Da nun auf den ersten Flügeslchlag ein 1 
auf den zweiten ein dritter und so ferner folgt , so ist kla 
selbst ein mit deiner Beute oder sonstigen Last beladenei 
durch die blofse Kraft seiner Flügel zu einer gcwissei 
sich erheben kann. Um den in der Zeit t durchlaufenei 



PHegen. 453 

»estimmea , multipllcire man die obige Gleichung 
= 2grfT\^— 1 -J durch y*v, und setze »tatt 

seinen Werth i ein , so hat man 

lv=2gvrfT[(5--l) y2_v2] oder, davt^r=rfs; 
?▼ = 2gt/s [(6 — 1) y2_v2] , und hieraus 

-T — fT. r T~i ?i > ^'^^^ dessen Integral 

2gL(i— «)r^ + v^J 

s = C-|i. log.[l-6)y^+v2]. 
j f an. c ist s = ; mithin die Constante 

endlich der durchlaufene Raum 



_f_ , (1— .) >-« + c» 

»-4g -^Og- (l_,)y2 + v 



2* 



ilWas dann die Geschwindigkeit y betrifft , bei welcher der 
P^ntind der Luft R dem Gewichte p des Vogels gleich wird, 
pMneifctvman , dafs bekanntlich der Widerstand , den eine 
Wf^ Fliehe in einer Flüssigkeit erleidet, dem Gewichte ei- 
ffümnm gleich ist, w^elches die bewegte Fläche zur Basis, 
der Geschwindigkeit zukommende Höhe zur Höhe hat, 

--r— ; und so erhalten wir, wenn der Flächeninhalt der 
4 g 

_H2y2 



jh H^ ausgedrückt wird, den Widerstand R= —7—^9 niit- 

^iir den Fall , wo « > 1 , wie dieses bei den unbelasteten 
Fliegem statt findet , hat man nach Obigem 



y 



2 dv 



f., = c + —-!===- log. y-i-^irit:: ist, wob« 

l: 4gr«^l y. ff — 1 — V 

Eoastante C= ^ log. ^ gesetzt 

r , 4gr€ — l y. 1^7— 1—c 

lu iDoCi. Dieses giebt die Zeit 



4M «ii<%<>.i 

.,• .*«>r^-', : f'i'is-ri ^^ ■ Irr'' — ^-?) . 

Stttctt wir in Küne wecen 0^_ ~ ^ X n 

- -yr^^ + c .^ . 



'WalebaB Woth «ftJi 'die Orlflun c, y-, c h»6en tac^jij 

wann h>i immer X<^ I, vai--^ ^ >■ 1 

GHchwindigkeit kann siaD»li Null werden ; si« iaCtmCl 
t^l .sinjBiaDedd, ' jnh d«ri:Z*it t, ohne jedocb <len 1 
y('*-^r, den pe'mit «=C»erreiciit, ülierScliwittin i* 
nri;- 'Uan.kODim, lÜBi'UMi'deii seltsamen IScIiIuI'h skfa« 
Jw V<jgcil"0bne End« Heigm-'l^nne; allein in ^lolVnf 
tBnmt ^dcr^feilh von n, mkliin »uch der von Y hA 
■b, nntf 'awcfa P und t miuGen dich cllmalig vetoiuidei 
wie aber dasLeUtere kleiner als 1 wird, so geht diei'i»J 
Geschwindigkeit in eine abuthmenile über. Für t> 1 vÄ 

So weit gehen die Ent\vickelungen der Theori 
gens , wie sie Fiiss gegeben hat ; obwohl sie noch ru 
Oii^Uilt lalSfn, so sind sie doch aU ersie malhemotiäclie I 
ning eines von dieser Seite nqch unversuchten Gegfi 
von grofsem Werthe, und Fuss setzt durch Anwenden] 
Formeln auf die von Sii-BEhsc«i,ag aufgestellten Data 
die Richtigkeit seiner Theorie als auth überhaupt die 1* 
kelt «ines .kräftigen und schnellen Fluges durcli bloF^ 
^If- gelschlag aufser Zweifel. Et nimmt OD=tt zu 'iO, PQ 
' zu 40 engli K«llen, die Dick« d«s FJjJ^els d zu ^^ Zoll, nn' 
Abstand des Flügelgelenkes von dei Längenax« des Vc^eti' 
«u2Z. an, setzt den WinkelC==40»; d=15'i gt=16Fj=lSI 



Fliegen. 4J5 

* 

ta^Culiikfufs Wasser = 70 Pf., das Gewicht des Adlers ohn« 
fc- Kugel 6 Pf., mit derselben 12 Pf. oder 13} Pf. russ. Ge- 
iht, n = ^^; die Länge des Hebelarms f, an welchem die 
tmuskeln zogen, = } Zoll, P = 152Pf. = 4395 Cubikzolle 
ser, die Weite des Flügelschlages, oder den Winkel f lei- 
'tr aus der Bemerkung Silberschlag's ab, dafs die Flügel- 
"wcnn sie im ruhenden Zustande eben so hoch erhoben 
te, wie der Adler beim Fliegen zu thun pflegte, einen Bo- 
ron 5 Graden durchlief, und bestimmt ihn dem zufoljze auf 

=-^^. Aus diesen Daten folgt A = 51423; B=822768; 

12856; und hieraus X = ^~ = ~^- = 0,037647; 

2efP 

— S_ :;=5 96,2233. Hieraus ergiebt sich die Dauer ei- 

eiofachen Flügelschlages t = 0,1876 Secunden ; mithin 
= 0,3752 See, was mit Silbbhschlag's Bemerkung, 
I der Adler in einer Secunde nahe drei FJüi^elschläge gemacht 



^ 



, zienlich gut zusammenstimmt ^. Die Bewegung u des 
feigelB in seiner tiefsten Lage ist hiernach = 17,32 Fufs, mit- 
tak die erworbene Geschwindigkeit der Flügelspitze = 28,87 F., 
wMsA = 23,6 CubikzoU Wasser oder 0,lrrt3 Pf. Zerlegt man 
pHe Kraft, so wird die verticale Wirkung = 0,90 und ilur 
■taetit 1494) während dem das Moment der Hälfte des zu 
■enden Gewichts, nämlich K . 13,75 = 1375 ist. Die 

«n ,— 1 — 

le Schnelligkeit des Flügelschlags (28,8 F. in d. See.) bringt 
[den nächsten Augenblick einen luftverdürmten Raum ober- 
der Flügel zuwege, so dafs der Widerstand, den die Luft 
Aufsteigen des Vogels entgegensetzt, meist nur seinen ab- 
ideten Rücken und zwar in schräger Richtung trifft, und 
die Fläche H* nur etwa ^ vom horizontalen Querschnitt 
Vogels, den man auf einen halben Quadratfufs setzen kann^ 
;en ; H^ wird demnach = -1 , und hieraus die Geschwin- 
sit y=46)44; € wird = f^|; und somit ist die Zeit, in 
ler die durch den ersten Flügelschlag eryangte Geschwin- 
des Vogels, die wir zu 10 Fufs in der Secunde anneh- 
kOnnen, verschwindet, = 4,97 See. Hieraus wird 



k 1 Silberichlag'f Abh. S. 226. 



456 



l'iicgeu, 



V=9,43j und der am Ende des ersten Flügelschlags , i, 
in 0,1876 Secunden dnrchliuifpne Wpg = 1,.S9 Fu£». Ist 
Vogel von seiner vierpfüiidigen Knjiel befreit, so 

p=8. Pf. / = 39,5; 4=^;^; V==r,V)8 l\; und 8=2,07Fi 

Diese Berechnungen zeigen genugsam , daf^j ein 
Flieger, der nur sein eigenes Gewicht zu tragen hat, gar 
im Stande ist, durch die blolse Kraft seiner Flügel mit ii 
gr^ifserer Schnrlligkeit zu einer bedeutenden Höhe sich zd 
ben, bis die zunehmende Verdünnung der Luft in den 
Regionen die Weiine von n , P und i so stark ändert, dafcj 
Geschwindigkeit abnehmend wird. Zugfeich erhellet, dsii 
• nach einem anhabenden und lebhaften Flügelschlage Cej 
digkeit genug übrig bleibt, um auch* ohne sichtbare Bern 
der Flügrl, eine Zeitlang horinzontal in der Luft fortzusch\ 
wozu dann noch der M^iderstand der Luft und wohl anchi 
Strömungen ihm behülflich seyn mögpu. Ueberhaupt 
dem Vogel in der Wendung seiner Flügel, ihrer Ausbreil 
und Verkürzung, dem Vorstrecken und Einziehen des 
und Halses, der sterkern Bewegung des einen Fliigek, 
Stellung des Schwanzes u. s. w. eine Menge IVIittel tibrigj 
er zum Steigen, Sinken, zum Fortschweben, zur Spii 
gung anwenden kann, und welche der Berechnung «' 
werfen, ein verwegenes Beginnen seyn dürfte. 

Ohne die Arbeit von Fuss zu kennen, unternahm es im! 
1805 der durch ausgedehnte theoretische Kenntnisse, so 
durch praktischen Sinn ausgezeichnete Physiker, Jos.Prechi 
eine Theorie des Fluges zu entwerfen. Der Weg, den er 
schlug, scheint merklich einfacher und kürzer zu sevn, ine 
er das Problem in seinen Elementen auffafst, und den wicl 
sten Theil der Frage , den Widerstand der Luft , beim 
Schwung einer Fläche um eine Axe durch sorgfältige Vers 
bestimmt. ^ Sodann mittelt er den Widerstand spunct des 
gels, je nach der Gestalt der angenommenen Fläche dessell 
aus, und zeigt, wie die Geschwindigkeit und Steigkraft 
Vogels von der Schnelligkeit des Flügelschlags und der Gl 
des Schlagwinkels abhängig sey, einige allgemeine Bemerkunjj 
über das Fliegen, und besonders über die Luftbehälter der w 



1 G. XIX. S76. 

2 Ebend. XXIIJ. 130. 




Fliegen. 457 

bohlten diese Abhandlung^, welche der Verf. selbst nur für 
Vorläufer einer von ihm versprochenenen vollständigem 
rie des Fliegens erklärt. Da seine Versuche einen Hauptpunct 
Theorie, den Widerstandscoefficienten betreffen, und zu- 
durch sinnreiche Anordnung und aufmerksame Berück- 
ig fremder Einflüsse sich auszeichnen , so dürfte eine 
Darstellung des angewandten Verfahrens hier nicht am 
ten>Oite seyn. pj 

inf einer nahe 3 Zoll dicken horizontalen Walze A B ist ^o• 
kter quadratischer Rahmen C D £ F also befestigt , dafs 
lere Kante EF genau in der Axe derselben liegt. Ihm 
in I mit einer Bleikugel beschwerte hölzerne Stange 

El horizontaler Lage das Gegengewicht , und er wird auch 
eben diese Stange vermittelst einer Schraube bei G ange- 
' Die ümschwingung desselben wird durch das Sinken 
te' Gewichtes zuwegegebracht, dessen Seidenschnur um die 
Mbische Verlängerung AE der Walze gewickelt ist. «Die 
jWttncke ihrer konischen Drehungszapfen waren solid am 
pindei öner hohen Treppe befestigt, die einen Fall von mehr 
B80 Fuls erlaubte. Damit beim Ablaufen des Gewichtes die 
ft abwickelnde Schnur nicht durch ihre Schwere beschleuni- 
OS einwirke , wurde unterhalb der Schale , die das Gewicht 
j^y ein gleiches Stück von etwa 30 F. Länge angehängt, des- 
IflBnde den Boden berührte , w^enn die Schale sich oben an 
* Welle beüand. So wie das Gewicht sank legte sich 
Schnur auf den Boden nieder, und man hatte also 
eine constante Gröfse für das Gewicht des Fadens 
Hauptgewicht zu addiren. In den Rahmen C D E F konnte 
'apie^ eingespannt werden, welches die "Widerstandsfläche 
Bei den Versuchen mit dem leeren Rahmen wurde an 
Letztern ein Gewicht befestigt, welches dem des Papie- 
eich und mit dem Gegengewicht an GH abgeglichen war; 
4ie Dehnung der Schnur bei verschiedenen Belastungen 
gleichfalls Rücksicht genommen. Die Höhe von 30 F. 
ete 41 Umdrehungen der Walze, bis das Gewicht auf 
'Boden kam : die Umdrehungen des Rahmens waren , wenn 
nt war, bereits nach einigen Umläufen gleichförmig; 
leeren Rahmen aber etwas später. Es wurden daher nur 

L'. 

^■i— — ^ ■'■■ ■■ 



1 G. XXX. SOS. 



^^.*^'>^I1^^'^ Umdrehungen von Wichtigkeit "war. 

74. In derjenigen Höhe , wo das Gewicht bei der VQr\ 

Umdrehung sich befand, wurde am Treppeng eländi 
Arm C angebracht, an dessen Ende m ein sehr leicht 
ab beweglich war, dessen kürzerer Armmb schwere] 
der längere m a. Bei a berührte dieser den kleinerei 
zx, der sich in dem Ende des Pfostens D in i eben! 
möglichster Leichtigkeit drehte, und dessen kürzerer 
ebenfalls das Ueberge wicht hatte. Der Dnick der seit« 
haltenen Pendelkugel hielt nun das leichtbewegliche, wc 
glichene Hebelwerk in der Lage, dafs, sobald der A 
vom fallenden Gewichte berührt wurde , z im närolic) 
mente durchschlug und das Pendel seine Schwingungen 
ohne später von dem niedergesunkenen Hobel zi ad| 
zu werden. 

Dafs dieser Apparat auf die Senkung des Gewicht 
Einflufs ausüben konnte, ergab sich aus der Berechi 
einzelnen Hebel und ihrer Ueberwuchten. Es war 
inb = 13; mx=:25; ix = 10 und iz=8,5 Zolle; 
beiarm mb hatte eine Ueberwucht von ^'g-; derjenige ii 
-yV Loth. Die 2 Loth schwere Kugel des Pendels wi 
von der Verticale abgehalten.. Der niederwärtsgeheDi 

in z fand sich nach der Formel -— r^^ :— ^=0,06951 

lomx.iz ' 

Reibunff desPendels am Hebel = 4 2 sin 6** = 0,0697 I 



Fliegeö. 459 

e' daä Papier herausgenommen, sein äquivalentes Gewicht 
511 Hahmeh eingesetzt, und nun auf der entgegengesetzten 
dcsr Welle ein z^\yeites Fallgewicht Q angebracht , dessen 
u mit demjenigen von P eigentlich eine Schnur ohne Ende 
5te» Dieses wur4e so lange abgeändert, bis der leere Rah- 
genau in eben so viel Zeit seine letzten 20 Umläufe voUen- 
j als der Bespannte dazu gebraucht hatte. Das Gewicht Q 
A^so genau dem Widerstände gleich , den die Luft der Pa- 
sche entgegensetzte ; selbst sein Druck auf die Zapfen iii 
ler Richtung war yon demjenigen picht verschieden , den 
Kderstand auf die Papierüäche in siets ändernder Richtung 
jjhte. Ist nun K die Entfernung des Mittelpuncts des Wi- 
ldes auf die Fläche von ihrer Axe; b der Halbmesser der 

1, so ist der Widerstand der Luft R=i— Q. 

k 

l^ln diesem Widerstandspuncte finden sich alle einzelne Wi- 
|^|kiiid<> , die auf die Fläche wirken , vereinigt. Er mufs also 
dehung auf die Drehungsaxe dasselbe statische Moment 
L, <als der Widerstand auf die ganze Fläche vertheiU. ' Da 
i Widerstände der Ausdehnung der Flächen , und den Qua- 
der Geschwindigkeiten proportional sind, die letzteren 
9<r sich, wie die Entfernungen von der Axe verhalten, so 
aiiält sich der Widerstand eines jeden Punctes oder Elemen- 
1^ der Fläche, vde dieses Element und das Quadrat seiner 
;rnung von ^er Axe; und in Beziehung auf sein statisches 
jiDent, wie die dritte Potenz dieser Entfernung. Diese heifse 
Imid A bedeute den Flächenraum eines Rechtecks, K dessen 
lerstandspunct , b seine Breite , so verhält sich das stati- 
Moment des Widerstandes auf das Flächenelement, wie 
• x', und dasjenige des Widerstandes auf die ganze Fläche 
K^A. tlHofh.dx.K^=K^A. Ist die Höhe des Recht- 

=m, so ist A=bm, daher K3 = - — 4- C , wo die 

4m 

»tante = 0, da der Widerstand für x=0 verschwindet, 
x = m, wenn der Widerstandspunct für das Rechteck von 

3 3 

Sir Höhe m gehen-soll, ist daher K = ^^ = m^i =0,62996. m. 

pr/initere Höhe des quadratischen Rahmens betrug 136,8 Lin., 
Hwts wird K=^184 Lin. Det Halbmesser der Welle mab 
BySOd Lin. , ihre Länge 8 Zoll. 



460 



Fliegen. 



Setzt man A=b (m — n), so wird K' = 1-7-7 ^; 

' 4(m — n) 

dieses ist der Widerstandspunct eines freischwingenden Recht 
dessen mit der Axe parallele äufsere und innere Kanten iim< 
Werthe m und n von derselben abstehen. Es verhalten 
ferner die Widerstände zweier Rechtecke von verscliie 
Breite, welche um eine gemeinschaftliche Seite als Axe 
drehen, wie die dritten Potenzen ihrer Breiten; also wenn ai 
Abstand der entferntem , n denjenigen der nähern Kante 
der Axe, R den Widerstand des erstem gröfsem, ril 
des nähern Rechtecks bezeichnet, so ist r : R c= n'i 



n' 



also r = — |R; dieser Werth von R abgezogen , ^giebt dea^ 

derstand der Luft auf das änfsere freischwinsende^ 

eck = r' = R II = 1. Mit Hülfe dieser beiden 

Wurden sowohl die Entfernungen der Widerstandspnnde al 
h auf den mit der Axe parallelen und eben so c auf deni 
neu Stab vereinigt gedachten winkelrechten Kantenstiiciui^ 
Rahmens , als auch die Gröfsen dieser Widerstände o,P)f 
rechnet. Die Entfernung des gemeinsamen Widerstandlfirf^ 
von der Axe w^ar dann 

d=-±^P.+Aq= 103.25 Lin. 

o + p 4- q 

Es ergiebt sich hieraus eine Verbesserung von Q, so 14] 

Q' = Q4. = (l — ^)a = Q4-0,lG535a. Die GröIseaW 

gleich dem Gewicht p, welches statt P angehängt w^erden mi 
um den leeren Rahmen mit eben der Geschwindigkeit zu 
w^egen, wie der Bespannte durch P bewegt wurde. Doch 
dieses p noch um eine aus den Versuchen zu bestimmei 
durcli die Schwangkraft zum Theil modificirte Reibung 
gröfse Q vermindert w^erden , so dafs a = p — q . Heil 
zwei auf einander folgende Zeiten t' und t"; p' undp 
die in gleicher Ordnung ihnen zugehörigen Gewichte; so 



t'2 p 



— t 2p 



g = r^ ,/2' ; für P = 6 Loth ergab sich (> = ftC 

Loth ; fiir P =80 Loth = 0,684 Loth , und hieraus folgte 
Conection 0,16535. a = 0,107 Loth und 1,582 Loth fiir dies«! 
beiden Fälle. Der wahre absolute Widerstand R findet sick 



Pliegen.' 



461 



b' . 



sss — -i Q*' wo k den Widerstandspunct der . Pafiet- 

• t b' den am die halbe Sclinurdicke - TcrgrUfseiten Kt^ 
der Welle- -bezfftdmet. Ist nun die Inhalt dtr gebrauch- 
lach« =cB, dal Gewicht eines Wienei Cubikfulses Luft 
10* R, (dei miltlem Tfetnpeiatur- während der Versuche), 
.der- Birotnetentand iii'Hrunit ist uichj angegeben); die 
3«Mbwindigkeit des WiderStandspuuctes zugehtirige Höbe 

' u^d der Goiifricietit dieser Höhe =x, lo 
R 



p<>,>= 



4g' 



h.aq 



2 £3 
4g 



Nun ist a=0,8i9 Quadral-FuI»; 



BLolh, g = 15,515'\VienerFurs; also x= 



R 



U,u:^y4.c* 

^ßuchwindigkeit c für 1 Secunde erhält man , wenn man 
'Tom Widerstandspunct in 20 Umdrehungen dtiithlau- 
K Raum durch die beobachtete Anzahl Secunden divi-> 
\ aho, wenn man die beobachteten halben Secunden 
f tom c = '^i-i-?^-!^ — 150,4096 
' t t ' 

VlCBTi. hat mitseioemApparatezweiReihen von Versuchen 
Mell^ (jeden zu 30 Umdrehungen) deren Data hier folgen: 

Erste Reihe. 














W, Fnfsen. 


1,500 


%6ü7 


Ä.a^8 


8.000 


8.167 


3,741 


i2.iäai 


is;,6io 


4,614 


16,6^5 


16.894 


5,314 


30,750 


Sl.SSG 




24,470 


25,139 


6,511 


28.Ü80 


28.815 


6.995 


a-i,03O 


3^,945 






37,039 


7,B?4 



Zii^eite Reihe. 


42.S81 


48.561 


8,762 




47,659 






Si.Vil 


9,555 


55,000 


56,311 


10,027 


59,000 


60.485 


10,ä73 


63,^50 


64,401 


10,743 




69,019 


11,141 



0.888 

1,575 
2,432 
3,!;5a 
4,107 
4,846 
5.557 
6.353 
7,l-t3 
Mitiel = 



8.441 

!.,^35 
10,100 
10,912 
11,7^1 
l:;.'*79 
13,374 
Mittel = 



3,751 
3.8i6 
3,834 
S,9^2 
3,920 
3,887 
3,86L 
3,853 
3.917 



Fliegen. 



Die beideu ^Jittel difTeriren um 0,157; bei der erstem Ri 
war ein Seidenfaden von 0,1143 Lin. Halbmessec, bei 
«Weiten eine himfe na. Schnur gebraucht! >^orden , d^ren 
Dicke 0,1944] Lin. betrug. Bei der letzfern: sind, auch die 
schwind igkeiten stärker, und die Zeitbestim Uiung des verb 
ten Apparates wegen' genauer. , iDer mittlere Höhep^oeffici 
wog auf 3,79 angenommen werden. " Die .beträchtliche:^ 
chung dieses Höhencoefficienten' vjon den freilich .weit- 
nauern Bestimroun'>en Hutton's* und Sciiobeh's^, die 
liuT auf Ij- setzen, erheischte eine ausTiihrlichere Dan 
der dabei .gebr/iuchten Methode. •'•" 

Die Anwendung dieser Versuche zur.Erk1aning.des 
ist nach Püeciitl kürzlich folgende:. Man bestimme 
die Gestah der Flügelflache , die bei den Vögeln je nach 
Bestimmung verschieden ist. Pwechtl stellt drei Classeo 
in die erste setzt er diejenigen Thiere , deren Flügel ads 
zwischen ihren Fliigelrlppen ausgespannten Haut bestehBD. 
hin rechnet er die Fledermäuse, die Schmetterlinge, übe; 
alle fliegenden Insecten. Zur z^^/Vm rechnet er die grobe 
der Vögel, bei welchen der erste Flügelknochen gröfseri^y 
der zweite , z. B. die Hühner und Tauben. Zur drjM 
obersten Classe g.eliören endlich die Vögel , bei den« 
zweite Flüjielknochen den ersten an Gröfse übertrifTt. In 
gehören die RauhvögeL Führt man Linien durch die Puni 
des Flügels , welche den Widerstand begrenzen , so erhält 
J^'nahe die Fi^ur ABC DE in welcher das Rechteck AB CD 
Fächer CDE die Schwinge ist. Wenn nun diese Fläche 
um die Axe AB dreht, so gehört der erzengte W^id erstand 4 
Geschwindigkeit zu, mit welcher sich der ^Viderstandspunct 
des Flügels bewegt. 

Nach Obigem ist für das Rechteck AB CD die gesu 

Entfernung K == B D |^|. Man setze B E = B •, B D = 
und mache in der oben oe}:[ebenen Inte^raloleichung 






ö'^ö' 



a 



I 



/y rf X . x3 = K3 A, die Gröfse A = y. Nun ist y = ^-3^ (B — x)i 
und A= — —- — i. Hieraus wird ^^==pnllü\2( ~T "F j^"^' 



1 Gren's Tonrn. d. Phys. VIT. 283. 

2 Karsteil Lehrb. derMathem. VI. ßtT, und ITamh. Mag»7. IX. 



wenn 



Fliegen« 4ü3 

= — ^B_b)2 ' (^4 -5)' ""^^^^ ^^® Entfernung 

V^idexstandfipunctes K' von der Axe auf der Schwinge 

3 ■ 

rB6 5Bb*4-4b* ^ 

— 7- — Tzr rr^ — . Bezeichnet ferner R den 
10. (B^ — b)2 . 

pntand auf d^ Rechteck, r denjenigen auf das Dreieck , so 

gesetzt wird. Aus der Entfernung der Widerstands- 

in beiden Flächen und dem Verhahnils ihrer. Wider- 

.fitijidet sich die Entfernung des gemeinsamen A^iderr 

XV. r "4^ k 

ictes im Flügel d'=- : ■ . " ' 

^ r 4- 1 . 

sey nun c.die Geschwind] gk^t, bei welcher derWid/jrr- 

;..',dBn eg».. freifallen der Körper in der Luft erlepde^,. sei* 

ECknen Gewichte P gleich ist, w die Oberfläche desselben^ 

Widerstand leidet ; p das Gewicht von einem- Cubikfuf^ 

irtP=— — . 3,8 p. w, wobei c von der Gröfse und 
: .4g 

fkek ■ des Flügelschlags abhängt. Der Rückschlag 
b^hlag des Flügels ist mit dem Niederschlage so ziem- 
gleicher Dauer; denn wenn auch der Rückenmuskel, 
den Flügel heraufzieht, den Brustmuskeln an Stärke 
lt> 80 wird hi^ngegen auch der Widerstand der Luft 
pdie Lage und Gestalt der Federn, und besonders durch 
it dem Niederschlage bewirkte Vacuum über dem Flügel* 
»nd vermindert. Setzen wir also den Raum, welchen 
fiderstandspunct des Flügels bei jedem Niederschlage 
iuft =S, und die Zahl dieser Schläge in 1. See. =n; 
c = 2 11 ft. Dieser Raum wird durch den Winkel be- 
ll, "welchen die Richtungen des Flügels am Anfange und 
ide eines Schlages einschliefsen , und den man den 

W/iit«/ nennen kann. Heifst dieser m , so ist s=~—Tpr,m. 

' 360 



r 



\ 4n7td j-^ 3,8.p. w/'4.n.7rd'\ , ^ _.. 

n w, n, d und m sind sowohl bei verschiedenen Vögeln, 



i Nach der obigen Bemerkung yon Fuss. 



«Is auch bei dem nämlichen Vogel, je nochseiner'Will 
lieben Aenderungeii unterworfen. Das Ausspannen 
»Ehen der FUigel, ihre SleJlbng, besonilera die Fr 
Sohlage, und die Ausdehnung des Schla-^vinkels , 
Veibindung mit noch andern weniger beaaltf«len 
lein die bewundernswürdii^e Kunst des Fliegers aus, 
eher detVogd die schnellsten, mannigfachsten und 
Bewegungen in beliebigem Malse oJine Anstrengunj 
führen scheint. i- -' 

Wendet man die gegebene Formel auf Silbei 
Adler an, bei welchem w-=8 Quadratfur-i ; p:=0,07 
OB\Vieht, n = 3i«t, und setzt d=l,65Furb; m=8j 
P= 8,009 Pf. Da der Vogel 8 Pf. wog, so behiel 
bei diesem Flügelschlage 0,009 Pf. Steigekraft; bei der 
mU der Kugel hStte ■ dieses' einen Schlagwinkel von H 
fordert. Die Geschwindigkeit ist für den erstem Fall 
letztem 17,7 Fufs in der Secnnde. Zieht man hierdi 
digenGrefiion zusammen, so \vjrd P = O.OOOOOÖti- w.d' 
(fdr alt franz. Mafs und Gewicht). Der Werth d» 
stand scoefficienten ist hierbei von geringem Einflnls; 
■ach die OberÜäche des Flügels, wie wir das beifi 
Fliegern sehen, deren Flügel zwar breit, aber kurz « 
rundet sind. Weit wichtiger ist die Entfemuns de 
standsptmcles , der auch eben bei den schnellsten Flieg 
Schwalben und bei den SeevOgeln, und - Raub vügeli 
streckieii Gestalt ihrer schmalen Flügel ^n'egen j wei' 
gerückt ist. Eben so kräftig wirkt die Schnelligkeit 
gelschläge, und besonders auch die Weite des Scbli 
Leider sind die beiden letztern Gröfsen ziemlich sehn' 
stimmen ; doch darf man n wohl zwischui 2 und 1 
zwischen 20'undlS0°, für gewöhnlich etwt» DOC 
nehmen. Zuweilen überschreitet m noch das ang« 
Maximum, wie man dieses beim Fluge der Tauben 
hörbaren Zusammenschlagen der Flügel abnehmen kt 
den schwachen Fliegern, den Sperlingen, Coliaris, 
fern ist n oft bedeutend , und scheint mit der Gröfse ii 
der Flügel , vielleicht auch mit der Muskelkraft des V 
umgekehrten Verhaltnisse zu stehen. 

Wenn nun auch die hier aufgestellten Theorien 
liebkeit des Aufsteigeos durclt deu Flügelschlag auTse 



Fliegen. 465 

iiy 80 bleibt von da bis zur vollständigen Erklärung des 
es, nocb ein grofsef Schritt zu machen übrig." Namentlich 
» nocK deutlicher nachgewiesen \verden , wie das verticale 
;er8chlagen der Flügel den Vogel mit so grofser Schnellig- 
vorvvärts schiebe, ob Borelli's oben angeregte Erklärung, 

dieses durch die Umbiegung der Federspitzen geschehe, 
i'genügend sey. Bei den Fischen sind die Flossen gröfsten- 
U vertical, auch die Fläche des Hinterleibes, dessen 
Längelnde Schwingungen und Biegungen so bedeutenden An- 
p. an der Fortbewegung haben, und eben so die Schwanz- 
aen sind (die Buttfische ausgenommen,) meist nach der Ver- 
i|&iiche ausgedehnt, und ihre Kraftäul'serungen gehen nach 
ihontaler Kichtun;;. Allein bei den Vö«» ein sind diese, so 
plei einem so lUichtigen Gegenstande wenigstens der An- 
Ifui lehrt y nicht nach der Längenaxe des Körpers gerichtet, 
riern senkrecht auf dieselbe. Nur, w^enn der Vogel seinen 
tf plötzlich aufhalten will, um irgendwo abzusitzen, stellt 
•ich aufrecht, und verwandelt den vsrticalen Flügelsclilag 
Sue seitwärtsiiehende BeweiiunfT. Gemeiniglich ist dieRicli- 
S des Körpers mit derjenigen des Fluges Übereinstimmenil. 
nun der Vo^el beim Aufstei«»en , das niemals in senkret!i- 

sondern in einer £»eo2n den Horizont mehr oder w**ni'»'^r 

o o o 

-igten Richtung statt iindct, selbst in schräger Uichtnng sii-i 
9 so mufs er entweder fällig seyn , seine Flüg.l etw.u» rüJ.- 
^ drehen und ihre Lbene in Jiorizontale Lag» brin^• ;i /.i: 
len ; oder man müfste voraussetzen, dafs sein»^ Rrin iniTj^ 
;h den aufwärts gellenden Druck der an der unv^eboiioii'-n 
[elkante ausweichenden, durch einen schrägen iMÜgHlschiag 
primirten Luft bewirkt werde. Vielleicht fmdet beides statt, 

so mag der Vogel auch seine horizontale Forlbewegung 
s dem von Bi>«elli angegebenen Grunde, (der vielhicht 
t so unwirksam seyn diiitte, weil er beim Auf - und Nie- 
chlägen eintritt) theils auch einer obwohl sehr geringen 
[lung der Flügelebene zu danken haben. 

Benacrkenswertli ist auch die Fähigkeit einiger der gröfsern 
ger, eine geraume Zeit mit ausgespannten Flügeln, ohne sicht- 

Flügclschläge, dahin za fscht^utben. Es ist ihnen dazu nicht 

die erworbene Geschwindigkeit, sondern besonders auch 
beträchtliche Ausdehnung ihrer Flügel behülflicli, die ihnj n 
Fallschirm dienen. Den Schwalben ist das Tianiren nur 
\ Cd- G 



<T 

o 



I« - Fliegen. 

bei einer betiXchtlicfien Geschwindigkeit und ofcfit auf g< 
Zeit ohne erneuerte Schläge m({glich, wiüirevd dem die' 
Albatros {Diomtiiea ^xulana) auf dem Meere dicht fl 
Wasserfläfjie , jeder Seitenfläche der Welle sich'Wlpusfl 
hin schweben , ohne dafs man bei ihnen eine andere Bei 
als ein langsames Wiegen des ganzen KOrpers wahii 
hOnnte. Der Moo$wnh und der Milan , wenn sie irj 
nach Beute sich umsehen wollen , bewegen sich auf ebfi 
Weise Stundenlang ohne Flügelschlag in gro£ien Spirafa 
her, die sie allmälig der Erde xufnhren. Dafs bei einnui 
bener Wurfgeschwindigkeit des Vogels der Widerstai 
Luft auf die ausgebreiteten Flügel seinen Körper genug« 
terstutze, beweiset nhter Anderen die geschickte Art, w 
Habicht auf dem Wasser seini^ Beute erhascht. Er stnrt 
einer fiiäfsigen Höhe in einer schönen Curve , deren m 
Erde hin convexer Scheitel jour ein Paar Zolle von der VI 
fläche absteht, hinunter, hauet mit der Klaue' ins WasM 
steigt nun , ohne einen Flügel zu bewegen , durch dit 
Erhebung der Axe seines Körpers Im andern Zweige dflf 
bis zu einer ziemlichen Höhe wieder an. Dafs deei 
beim Schweben auch der entgegenströmende Windl 
statte^ komme , ist leicht zu begreifen ; sogar dient er ll 
zuweilen, um ohne Flügelschlag in Schraubengängen 
steigen. 

Man hat auch den Schuf tnz des Vogels fiir ein wc 
ches Werkzeug des Fluges gehalten , allein der Umstam 
Vögel, die durch Zufall oder Absicht derselben beraubt ^ 
sind, dennoch gut fliegen , zeigt, dafs er wenigstens nie 
entbehrlich sey. Zum Wenden dient er nicht , da er i 
horizontaler Richtung sich bewegen kann. Der Vogel ^v 
tet dieses durch Bewegung des Halses, ungleichen Flügel 
am meisten durch Neigung der durch die Flügel gehendei 
axe seines Körpers ; den Schwanz breitet er vorzüglicl 
aus , wenn er entweder den Fall nach der Erde mafsigen 
bei fast aufrechter Erhebung des Körpers seinen Flug p 
aufhalten will. Auch dient er ihm im Fluge zu all) 
Hebung und Senkung, wie man dieses an dem schlangei 
gen Fluge der Bachstelze bemerken kann *. 



1 Zieht man dl« Bauclimaskeln des Vogels durch eia 




Fliegen, 467 

i 

3ie Bdhe, in welcher die Vögel fliegen, ist je nach ihrer 

lUidL dem Zweck des Fluges sehr verschieden. Silber« 

AO* sah ein Paar Adler über eine Wolke wegflipcren, de- 

lölie er auf 3000 Fiifs scliatzte: die Ziioe der StrichvöTel 

der Kraniche gehen oft hoch über den Brocken f*>e»>en 

I Fals Höhe) hinwog. Noch merkwürdiger ijit ihre Schnei^ 

p-iim Raabvögel sollen, 6 deutsche Meilen in einer Stunde 

Imh; und König Heinrich U. in Frankreich soll einen Fal- 

labt haben, der, in Fontainebleau entA^nscht, in 24 

in inMaltha soll gefunden worden seyn, was JOLieues für 

ide gäbe^. Von den Schwalben wird behauptet, dafs sie 

ipZug über das Mittelländische Meer in 8 Tagen vollführen. 

K£ine besondere r^igmthümlichkeit im Baue der Vögel sind 

mßjifibehäiier derselben. Die I.unge des Vogels ist am 

i^n angewachsen , und steht mit den im Unterleibe befind- 

tei Lnftbä1i>en in Verbindung , wäre der Voi^el ffenöthiat, 

lt,:dieSaagthiere, immer durch Nuse und Mund zuathmen, so 

Witt ihn beim schnellen Fluge die entgegenströmende Luft 

|d ersticken. Die Anfüllung des Körpers mit Luft scheint 

rgewöhalichen Athmungsprocefs in diesem Fall zu ersetzen, 
dient überdem, den Muskeln festere Stützpuncte zu ge^ 
mß. Namentlich mag diese Vermehrung der Steifigkeit durch 
f Markfr Verdichtung der Luft in den Röhren der Knochen 
w^erden. Schon Camper hat bemerkt, dafs die Kno- 
der Vögel mit comprimirter Luft erfüllt waren, und Bloch 
durch den Versuch , dafs die Luft in den Knochen des 
Flügelgliedes durch eine OefFnung am Wirbel eintrat, 
dafs bei Einblasung der Luft die Flügel sich ausdehnten« 
lan den Knochen zerbrach, fuhr die Luft mit einer soU 
Gewalt ans demselben heraus, dafs, sie ein Licht ausblies^. 
die Vögel auch in verdünnter Luft ohne Schwierigkeit 



leil dei Thorax geschlangenes Band so zasammeo , dafs sie 
m BeweguDgea gehemmt sind, so kann der Vogel nicht fliegen. 
TOD Lorrjm S. d. unten angeführte M^m. da Mos. VI. 447. 
1 a. «. O. S. 259. 267. 
.t PrechU in G. XXX. 318. 
' I Nach Blaikvillb hat die Fledermaus eben so ausgedehnt» 
^gen wie di«t Vögel. 
4 SiLBEBscHLAG a. a. 0. S. 219. 

Gg 2 



46§ * Flirg en. 

flieg«n, beweist äer Versuch BiOT^s und GaT'-LüSS. 
ihrer Luftfahrt am 34. Aug. 1804. ZweiV<fgel/ eini 
(Verdier) und' eine Taube , die sie in einer Hohe von j 
in Freiheit setzteVi, schienen ohne Mühe sa fliegto, 
sich aber dann doch sogleich in einer steilen Spirale 
inathlichen Erde nieder^. Dagegen fliegen die Adler u 
ohne Mühe in noch grtffsem Höhen. 

Ueber den Flug der Insecten hat Chabrikr^ ein 
ISttfigö Abhandlung als Auszug einer noch gröfsem Arbe 
fert. Ihr Flug unterscheidet sich hauptsächlich' in zw« 
den »chtvirrenden Flug, und Aen flatternden Flug, der 
len auch in den 9ch¥f€b§ndrn übergeht. Der erstere fi 
den Küfern j Dienen , und Fliegen statt ; der letztere 
Schmetterlingen , von denen diejenigen , die mit grtfb 
ISngern Flügeln versehen sind , auch wohl auf kurze Zd 
^Schwebenden Flug annehmen. Die Flügel der Insectea 
eine^usammenhängende , mit Rippen und Aesten dorch 
Haut, die bei den Käfern , Libellen und den Zwdl 
durchsichtig, bei den Schmetterlingen mit kleinen^] 
Schuppen oder Ziegeln , als einem, feinen Staube bi 
Einige , wie die Käferarten , falten diese Flügel zusai 
sie unter eine feste hornartige Decke zu verbergen, 
zum Fliegen selbst wenig beizutragen scheint , sonder 
leicht als Fallschirm dienen mag ; ^ bei andern , z. B. dt 
Schmetterlingen und den Libellen bleiben sie immer ausg' 
und werden im ruhenden Zustande des Insects auf dem 
in verticaler La^e an einander «ele^üt. Fast alle iliejaer 
secten haben vur Flügel, von denen jedoch die vor 
weitem die Ilauptwerkzeuge des Fhiges zu seyn sch^n 
die Zweiilüirler sind davon ausgenommen, bei welcher 
Stelle der Ilinterflügel ein Paar Kölbchen sogenannte B 
Stangen (halteres) sich befinden , deren Zweck noch ni 
oemittelt ist. Auch bei den Insecten, wie bei denVöi>f 
die eingeschlossene Luft eine wichtige Rolle ; und weh 
sie bei diesen noch mehr, als bei den Vögein nothwenc 
um dem greifst entheils weichen Körperbau die zur Anst 



1 G. XX. 14. 

2 l^l.?m. du Mus. d-Ili«t. nat. VI, 410 — 475. VII. S9; 
VIU. 47 — 110. 



N^ 



Fliegen. 469 

ifuskeln ntfthige Consistenz zu geben. Ihre Brust ist ela- 
i, bei eiDigen mit sehr kleinen Klappen versehen ^ , di» 
lach Belieben ÖiFnen und schliefsen können ; indem d«s 
t zum Fluge sich rüstet, sieht man den Leib derselben sich 
ähen. Das Summen vieler Insecten während des Flug« 
•bt Chab&ier besondern Organen zu, die als kleine Punct» 
borax wahrzunehmen sind; und von denen einige alsOeff- 
in einer convexen Membrahe erscheinen und mit frei- 
IgendenSchuppen versehen sind^. Diejenigen, welche dieses 
:h ausschliefslich von derSchwinoun«i der Flügel herleiten 
, Stützen siph auf die Behauptung, dal's der Ton alJmälig 
e, so wie man die Flügel verkürze. Allein, nicht zu 
., daCs durch eine solche Operation die Lebhaftigkeit der 
ichlac;e und der damit gleichzeitigen Luftausströmungen 
Acht wird, dafs vielleicht ein Theil jener Luft durch die 
tcn Gefäfse der Flügel selbst entweicht, so stehen diesem 
folgende zwei bestimmte Erfahrungen entgegen: Wenn 
I die Flügel einer blauen Schmeisflicge mit Wachs zusam- 
^Ueb\, so dauert das Gesumme fort; löf:»! man hingegen 
'Erwähnten Schalldeckel vorsichtig ab , so fliegt das Insect 
iocli, aber ohne Geräusch: Man sieht dann während der 
llbewefrung die darunter liegende Membrane sich weit ^- 
Bei den Maikäfern ist diese's Sfimmorgan sichtbar zwi- 
den beiden Flügelsectoren nahe am Gelenke derselben an- 
?ht. Uebrigens ist es sehr wohl möglich, dafs bei einigen " 
en das Summen wirklich vom schnellen Flügelschlage ent- 
, da wir auch bei den Vögeln ein Geräusch solcher Art 
lehmen , dafs bei den kleinern Vögeln z. 15. den Sperlingen 
1 schwirrender, bei gröfsem z. B. den Tauben und Möwen 
1 pfeifender Ton sich äufsert ; noch lauter ist das Sausen 
Rauschen der Raubvögel und der Schwäne ; die Eule hin- 
, die zu ihren nächtlichen Raubzügen eines leisen Flugs 
f. hat die Enden ihrer Flügelfedern mit einem feinen 
besetzt^, der jenes Geräusch aufhebt. 
Einige Schriftsteller, z. B. Silbehschlao ^ und Hü- 



Chabrier a. ä. O. VI. 447. 

übend. VI. 454. 

Bemerk, roa Silberschla^ n. «. O. t$i* 

a. a. 0« 



'470 , Flintgl«!. 

/ 

MM.^ haben et Tenacht, dlie Qassen der VHgil nidi 

•talt ihrer Flügel einxotheilen : der letztere heedbri 

«hierbei auf die RaubyOgel, die er in Ruderer und S 

meurs et Toilien) antencfaeidet. Für verschiedene 1 

Bemerkungen über diese Thiergattung verweisen wur 

■Verfaiser selbst; uns' genügt lüer, das, "was iiberdii 

des Flnges bisher versucht worden ist, beigebracht, 

-leicht die Aufmerksamkeit der Physiker auf 'diese etwt 

sene *An%abe gelenkt sa haben. 

F 1 i n t g 1 a 8. 

Eine Glasart, die ihren englischen Nan^n ^ /^/i!nte 
Flinii Feuerstein, hat, und die in der praktischen 4 
dqroh merkwürdig geworden ist., dafs sie , als stüll 

,. Berstreuend, sich vorsüglich brauchbar zu den Coai 
der snsammengesetzten achromatischen Objective zeig|i 

.Linsen werden nämlich aus einer concaven, daS-Iil 
zerstreuenden Linse von Flintglas, und. aus einerifl 
convexen Linsen aus einer andern weniger staik soil 
Glasart, gewöhnlich aus englischem Kronglase Cm 
verfertigt^. Dollosd, der zuerst die ßrattchbarkeil 
glases zu diesem Zwecke erkannte, gab als mittleres li 
verhältnif« 1,583 zu 1 , für dasselbe an , also nicht i 
schieden von dem für Kronglas geltenden; aber dieZi 
der Farben ist ungemein viel stärker. Nach einer von 
toitgetheilten 3 Nachricht, die sich auf Ramsden^s 1 
gründet, war das vortreffliche Glas, dessen sich Do 
seinen berühmten, und noch jetzt so geschätzten I 
bediente , nicht von dem gewöhnlichen , . unter d« 
Flintglas bekannten , weifsen Krystall^lase , sonderi 
sich jenes Glas von einer Glashütte im Norden Engl 
schafft, wo ein Block von Flintglas vorhanden war, 
Auslaufen aus dem Risse eines Tiegels entstanden 

. Jahre lang in der Gluth gelegen hatte , indem man ilu 



1 HcBBR Observatious sur le vol des oiaeuux de pra 
GeoeYC. 1784. 4. 

fi Vergl. Art. Femrohr, 

3 Kantuer'» Archiv. VU. 250. 



Flinlgla«. 471 

des Ofiens auffand K Aus diesem Umstände ist es 
I. «uch erklärlich, warum man nachher selbst in England, 
docli noch immer FJintglas verfertigt wurde und verfertigt 
Ij es »o. schwer fand, gute brauchbare Stücke zu finden, 
«n hiernach jene vorzüglich guten Stücke aus einer gana 
giS behandelten Masse hervorgegangen waren. Die Schwie- 
pwt, brauchbare Gläser zu Fernröhren zu liefern, besteht nam- 
. nicht »o sehr darin , dafs man eine das Licht stark zer- 
ide Mischung finde, sondern in der, gerade bei dieser 
am meisten schwierigen Darstellung einer durchaus gleich- 
l^Iasse; denn die geringste Ungleich artigkeit wird beim 
iche im Fernrohr durch ein streifiges Ansehen der Gegen- 
Unmerklich, indem die ungleiche Mischung eine nicht in allen 
der Masse gleiche Brechung derLichtstrahlen hervorbringt. 
tte mannigfaltigen Bemühungen , diese Glasart nachzu- 
9 sind lange Zeit ohne genügenden Erfolg geblieben* 
Iteii stützte seine Versuche auf die Entdeckung, dafs jene 
l%rt- viel Bleikalk enthalte, und dafs diese Beimischung von 
^ die Farbeiizerstreuung in ungemeinem Mafse vermehre, 
^xend aan durch stärkern Zusatz von Alkalien die mittlere 
Sbiui^ Termindern könne ; aber brauchbare Gläser scheint er 
Sikwohl nicht erhalten zu haben'; 

Im Frankreich erhielt 1773 Lebaude einen Preis wegen 
pi Flihtglases, und Allat verfertigte auf BÜ'ffon's Vor* 
feg Flintglas; aber nach Kühneres Bemerkung sind die von 
n angegebenen Verhältnisse der Bestandtheile nicht gerade 
lieh, um vollkommenes Flintglas zu erhalten, und man 
auch in Frankreich selbst nicht damit zufrieden , sondern 
» einen neuen Preis auf die Darstellung vollkommnern 
tglases. DÜFOUGERAis, dessen Flintglas Kurner gerade 
chlecht nennt, erlüelt von der Pariser Akademie ein sehr 
heilhaftes Zeugnifs über sein Fliniglas ; indeCs ward es doch 
KU sehr kleinen Objectiven angewandt ^. Glücklicher ist 
aTiGUKS gewesen , der nicht so sehr dahin strebte , ein 



1 BocHOx'« Nachricht, dafs Holles schoa vor Dollond das Flint« 

zu Feraröhrea angewandt habe, scheint doch etwas zweifel- 

t, da diese Fernrohre nirgend bekannt g'^wordcn ^ind. 6. IV. S02. 

2 Mtm. de TacucK de Berlin pour 176f) p. lOO. 

8 G. XXXI V. 250, 



• / 



473 



FlintgUc 



recht schweres Glas su erhalten , sondern 'bei etwas 
Farbenserstreunng ein Ton nngleichen Streifen freieres (%s( 
Sein Flintglas war etwa 3^2 mal so schwer als Wasser; du 
erhielt er aus der Mitte des Tiegels, wo ein Klnmpen hei 
'Aomnien, geblasen und auf die gewöhnliche Weisegestreckt' 
BiOT giebt in seinem Berichte darüber die Brechnngim Vc 
zu der des firans. Kronglases wie 157 sn 151 an, das Vi 
der Zerstreuung wie ItiQ.zu 100* Aus diesem Glase 
grtfbere Objectiye verfertigt, die denW^rth dieser Glasart 
lieh SU beglaubigen scheinen K Obgleich aber die voni 
CHOix ans diesem Glase verfertigten FemrOhre ausg< 
)gut gewesen seyn sollen , so hat man doch nicht gehtfrtj 
ähnliche aus diesem Glase verfertigten FemrOiire recht ii1 
lauf gekommen waren und sich vorxiiglich beliebt 
•htttten. Dieses ist dagegen in hohem Grade der Fall 
mit Paavshofka's Fenirtfhren, sü denen dieser seit 1811 
Glasarten selbst .bereitete. Sein VerfsJiren dabei ist nocki 
bekannt, aber bekannt genug ist, dafs seine bb zu 9 Zofl' 
cung verfertigten Objective unvergleichlich viel mehr 
als je vor ihm g